Ueberall in deutschen Universitätsstädten fanden gestern abend zu gleicher Zeit gemeinsame Auf- Märsche und gemeinsame Kundgebungen der NSBO. und der Studentenschaft statt. Die Aufmärsche und Kundgebungen sollten der äußere und erste Ausdruck einer sich anbahnenden Gemeinsckaft zwischen der Arbeiterschaft und den Studenten sein. Auch in unserer Stadt wurde die Kundgebung abgehalten, und sie gestaltete sich zu einem außerordentlichen Ereignis, das auch von feiten der gesamten Bürgerschaft voll gewürdigt wurde.
Die Beteiligung an dieser großen Kundgebung war über alles Erwarten hinaus sehr stark.
Richt weniger denn etwa 3500 Arbeiter und Arbeiterinnen. Angestellte, Studentinnen und Studenten nahmen teil und waren, wie man deutlich aus der Stimmung heraus erfühlen konnte, mit viel Freude und mit ganzem Herzen bei dieser erstmaligen, einzigartigen Kundgebung,
die zwei Kreise unseres Volkes kameradschaftlich verband, die sich bisher mehr oder weniger fremd aegenüberstanden. Allgemein sand die Hoffnung Ausdruck, daß sich diese neue Kameradschaft vertiefen und von Dauer sein möchte.
Der Marsch durch die Stadt.
Gegen 19 Uhr fanden sich die einzelnen Betriebsgemeinschaften vor ihren Betriebs- und Werksgebäuden ein, um dann gemeinsam nach dem Platz der Aufstellung des großen Demonstrationszuges, nach dem Oswaldsgarten, zu marschieren. Die Studenten trafen sich meist auch vor ihren Häusern und
Die ausgedehnten Räume der Liebigshöhe reichten bei weitem nicht aus, um alle die Teilnehmer der Kundgebung zu fassen. Viele mußten im Freien auf der Terrasse Platz suchen, um von dort aus den Verlauf der Kundgebung zu verfolgen. Dicht gedrängt reihte sich im Saal Kopf an Kopf, als unter den Klängen des Badenweiler Marsches die Fahnen in den Saal gebracht wurden. Den Augen bot sich ein farbenprächtiges Bild. Die Studenten waren zur Feier des Tages in vollem Wichs erschienen.
Der Verbindungsmann der Studendenschaft zur NSBO.
cand. rer. pol. Schuster
eröffnete die Kundgebung im Namen der NSBO. und der Studentenschaft und wies auf den Sinn der Veranstaltungen hin, die heute in allen Universitätsstädten des Reiches abgehalten würden. Ueberall marschierten die Studenten und die Arbeiter zusammen und sie würden auch fernerhin miteinander marschieren, bis es eines Tages keine Unterschiede mehr gebe und sich jeder als der Volksgenosse fühle, wie ihn der Führer wünsche, cand. rer. pol. Schu- ster teilte mit, daß der Hochschulgruppenführer von Graeve nach Berlin berufen worden fei, um dort im Sportpalast zu sprechen. An seiner Stelle ergriff sodann der
Führer der Gießener Studentenschaft/ cand. jur. Adani/
das Wort zu einer einprägsamen Ansprache.
Viele Revolutionen seien, so führte er u.a. aus, über unser Vaterlande hinweggegangen, aber immer endeten sie mehr oder weniger kläglich, weil ie immer nur von einzelnen Schichten getragen worden seien und niemals von der ganzen Volks- heit. Immer wieder feien die Kräfte verzettelt worden im Kampfe gegen die äußeren Feinde, ohne daß zuvor die Gemeinsamkeit im eigenen Vaterlande hergestellt gewesen fei. 1914 sei eine große Gelegenheit gegeben gewesen, das deutsche Volk an die Sonne zu bringen, aber es habe eine Enttäuschung gegeben, die am 9. November des Jahres 1918 zu verhängnisvollster Auswirkung gesteigert worden sei. Der Klassenkampf sei heraufgerufen worden, der Schieber habe Oberwasser bekommen und das Volk sei systematisch zerrissen worden.
Aber der Weltkrieg sei doch nicht umsonst gewesen, denn aus ihm und aus dem großen gemeinsamen Fronterlebnis fei der einfache graue Feldfoldat herausgewachfen, Adolf Hitler, der aus diesem Erleben heraus dem deutschen Volke neuen Glauben an sich selbst gegeben habe.
Er sprach nicht von K l a s s e n genossen, sondern von Volks genossen. 1923 habe seine Kämpfer ein harter Schlag getroffen, aber er habe die Fahne wieder aufgegriffen, sammelte die Massen um sich, er erlebte im November des Jahres 1932 noch einmal harte Tage, bis schließlich der 30. Januar kam, der zur Grundlage der werdenden Volksgemeinschaft, zur ersten Etappe unserer Volkwerdung geworden sei. Dieser 30. Januar sei die Grundlage geworden für eine neue Gemeinschaft zwischen den Arbeitern der Stirn und den Arbeitern der Faust.
Aber diese neue Gemeinschaft werde nicht durch Reden und nicht von ungefähr fester gefügt, sie müsse vielmehr erarbeitet werden, indem ein Volksgenosse den anderen kennenlerne.
„Wir Studenten wollen euch kennenlernen in eurer Not und eurer Freude und wollen wahre Gemeinschaft pflegen!“
Arbeiter und Studenten - Schulter an Schulter.
begaben sich von dort aus auf den Weg zum Sammelplatz. Nach und nach trafen Betriebsge- meinschaften und Studenten ein, wurden einander in Gemeinschaften und Korporationen gegenseitig vorgestellt, und bald befand man sich in lebhafter Unterhaltung und regem Gedankenaustausch. Da erzählte mancher Arbeiter von seinem Wirken am Schraubstock, an der Maschine, von seinem Arbeitsplatz und auch von seinem Leben, da erzählte der Student von seinem Bemühen um die Wissenschaft, von seiner Art der Arbeit im Laboratorium; man sprach auch vom Dienst in der SA., der heute ja vielen derer, die sich hier zusammenfanden, gemeinsam ist, und so fand man allenthalben Gesprächsstoff. Die Zeit bis zum Abmarsch verging sehr schnell. Als der Marsch beginnen sollte, hatte sich zwischen Studenten- und Arbeiterschaft bereits eine herzliche Gemeinschaft gebildet, und zwar schneller, als es wohl mancher Skeptiker je geglaubt hätte.
Unter dem Vorantritt des Spielmanns- und Musikzuges der SAR., und unter der Vorantragung der Fahnen der Betriebsgemeinsckaften und der Studentenverbindungen (jeweils folgten abwechselnd Kor- porations- und dann Betriebszellenfahne) fetzten sich die langen Kolonnen in Bewegung. Der Marsch führte durch Neustadt, Kaplansgasse, Seltersweg, Hindenburgwall, Gartenstraße und Kaiferallee zum Trieb und zum Lokal der Kundgebung, zur Liebigshöhe. Der Umzug wurde von Seiten der hiesigen Bevölkerung sehr viel beachtet und allenthalben freudig begrüßt. Während an der Spitze des Zuges der Mufikzug der SAR. für den Marfchrhythmus sorgte, wurden in den später folgenden Gruppen frische Marschlieder gesungen.
Oie Kundgebung.
Reichsminister Dr. Goebbels habe einmal das Wort ausgesprochen: „Arbeiter und Studenten machten die nationalsozialistische Revolution!" Darauf dürften Arbeiter und Studenten stolz sein. Sie müßten sich aber stets der großen Verantwortung bewußt sein, die aus diesen Worten klinge. Mit den Worten: „Wir dürfen nicht verlieren, wir müssen gewinnen!" schloß der Redner seine mit herzlichem Beifall aufgenommene Ansprache.
Als zweiter Redner sprach der
Gaubetriebszellen-Schulungöleiter pg. Demmer, Frankfurt a. M.
Seinen Worten sei folgendes entnommen: Wir leben in einem gewaltigen Umbruch. Der Arbeiter Adolf Hitler sei es gewesen, der uns zu dem großen Erlebnis der Gegenwart geführt habe, der uns die natürlichen Gesetze des Blutes und der Blutsverbundenheit habe erkennen lassen. Die Zeit, da das deutsche Volk von verantwortungslosen Elementen zersetzt und zerrissen werden könne, sei endgültig vorbei. Vorbei die Zeit, da dem einen die Ueber- legenheit und dem anderen die Minderwertigkeit des Proletariers eingeimpft worden sei. Jahrzehntelang habe die Zerstörungsarbeit am deutschen Volke angehalten, und die damaligen „Führer" glaubten im Jahre 1914, daß der deutsche Arbeiter nicht zu den Waffen greifen werde, um sein Vaterland zu schützen. Aber der deutsche Arbeiter sei doch auf- gestanden gegen eine Welt von Feinden und habe gesiegt.
Und der Arbeiter habe die große Fronttamerad- schaft erlebt, fei willig in den Tod gegangen für sein Vaterland, genau so wie der deutsche Student, der mit dem Deutschlandlied auf den Lippen starb.
Und als jene Feinde des Volkes des Volkes Kraft spürten, da holten sie zum entscheidenden Schlage aus, zum Dolchstoß, so daß die Mannschaften mit Tränen in den Augen zurückkehren mußten und zu Haufe keinen Führer fanden. Der wahre Führer aber sei dem Volke jahrelang vorenthalten worden. Dem einzelnen Arbeiter dürfe es, so führte der Redner weiter aus, nicht übelgenommen werden, daß er zum Marxisten geworden war, denn er habe im Marxismus feine Rettung zu finden gehofft, und nur zu spät erkannt, daß er nach einem Strohhalm gegriffen hatte. Erst durch Adolf Hitler habe der Arbeiter den marxistischen Volksbetrug in seinem ganzen Ausmaß erkannt. Getragen von Frontgeist seien junge Arbeiter und Studenten zum Kampf» gegen undeutschen Geist angetreten und wurden zur Kerntruppe des Führers.
Ein Volk könne nur dann leben, wenn es in sich den Frieden trage und sich blutmähig und durch die Sprache verbunden fühle. Selbstverständlichkeit müsse es fein, daß wir in Zukunft auf Tod und Leben zusammenhielten.
Der Sozialismus für das ganze Volk garantiere die Einheit. Um deutschen wahren Sozialismus ganz erleben zu können, müßten wir zurückkehren zu echtem unverfälschtem deutschen Leben, zur Naturverbundenheit, aus der alle Kraft ströme.
Der Arbeiter habe lange Zeit nur für sich gelebt und der Student auch. Keiner habe vom anderen gewußt. Jeder sei durch seine Organisation gegen den anderen gestellt gewesen, befangen von Vorurteilen. Erst im Felde von 1914 bis 1918 sanden sich beide im Kampf um die Freiheit des Vaterlandes. Jetzt müßten sich Arbeiter und Student
Gießener Wocherrmarklbreise.
* Gießen, 16. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) Klasse S 10V2, Klasse A 10, Klasse B 9'/-, Klasse C 9, Klasse D 8, ungestempelte 7'/r, Wirsing (grün), das Pfund 15 bis 18, Gelbe Rüben, das Bündel 15 bis 20, Spinat, das Pfund 15 bis 20, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 25, Spargel 40 bis 45, Erbsen 25, Tomaten 35 bis 40, Zwiebeln 15, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte), bas Pfund 3‘A bis 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, Aepfel, das Pfund 20 bis 30 Pf., Kirschen 20 bis 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 40 bis 50, junge Hähne 60 bis 80, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 70, Blumenkohl 20 bis 40, Salat 8 bis 10, Salatgurken 25 bis 35, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5, Rettich 10, Sellerie 20 bis 25, Radies- chen, das Bündel 10 Pf.
Daten für Sonntag, 17. Juni.
1810: der Dichter Ferdinand Freiligrath in Detmold geboren (gestorben 1876); — 1818: der Komponist Charles Gounod in Paris geboren (gestorben 1893); — 1897: Pfarrer Sebastian Kneipp, Förderer des Wasserheiloerfahrens in Wörishofen gestorben (geboren 1821); — 1915: Schlacht bei Lemberg (bis 22. Juni).
Bornonzer:
— Tageskalender für Samstag. HI., Unterbann 1/116: 20.30 Uhr, Caf6 Leib, Elternabend. — Arbeitsgemeinschaft für Eugenik im NSLB.: 17 Uhr, Universitäts-Nervenklinik, Besprechung. — Hotel Schütz: 20 Uhr, große Eröffnungsfeier mit Konzert.
— Tageskalender für Sonntag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Inge und die Millionen". — Schiffenberg: ab 15.30 Uhr, Heimatfest. — Waldbühne: 15 Uhr, Christliches Waldfest. — Bienenzüchter, Reichsfachschaft: 14.30 Uhr, an der Volkshalle. — Fünfziger-Vereinigung 1875/1925: Ausflug nach der Eiche. — Liebigshöhe: ab 19 Uhr Konzert und Tanz. — Spielvereinigung 1900: 20.30 Uhr, „Postkeller", Familienabend. — Bergschenke, 16.30 Uhr, Künstlerkonzert.
*
** Die Museen im Alten und Neuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
** Sonntagsrückfahrkarten zur Wiedersehensfeier der 16 8er. Die Reichsbahndirektion gibt von allen Bahnhöfen der Strecken Alsfeld—Gießen, Grünberg—Lollar—Wetzlar, Mücke —Friedberg, Gedern—Vilbel, Gelnhausen—Gießen, Frankfurt—Marburg—Kirchhain—Burg- und Nie- dergemünden Sonntagsrückfahrkarten zur Wiedersehensfeier der 168er nach Butzbach aus. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom heutigen 16. Juni 0 Uhr, bis 17. Juni 24 Uhr und zur Rückfahrt vom 16. Juni 12 Uhr bis 18. Juni 12 Uhr.
** Unfall bei der Arbeit. Der 33;ährige Schlosser Heinrich W i l k e r, wohnhaft Gießen, Steinstraße 45, zog sich bei seiner Arbeit eine schwere Handverletzung zu und mußte in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
** Gin Siebzigjähriger. Am vergangenen Montag feierte Glasermeister Arnold in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Herr Arnold erfreut sich in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft oller Wertschätzung. In der gestrigen Notiz über seinen Geburtstag hat sich ein Setzfehler eingeschlichen. Es mußte in der vorletzten Zeile selbstverständlich ebenfalls 70. und nicht 80. Geburtstag heißen.
** Baden — aber vorsichtig! Eine der angenehmsten Freuden des Sommers ist ein erquickendes Bad. Der Drang nach Bewegung, nach Luft, Licht und Wasser hat erfreulicherweise weite Kreise unseres Volkes erfaßt. Glücklich die Gegenden, in denen die Natur durch Flüsse und Seen dem Badeleben fördernd entgegenkommt. Aber das Baden will mit Vernunft betrieben sein. Die Beachtung der elementaren Baderegeln kann manches Unglück verhüten. In erhitztem Zustand soll man nicht ins Wasser springen, da das Herz infolge des plötzlichen Temperaturwechsels in den meisten Fällen die Tätigkeit aussetzt. Oft werden beim Baden auch Wirbel und kalte Strömungen gefährlich. Meist sind folche Stellen an besuchten Badeplätzen ja bekannt. In unbekannten Gewässern Muß jedoch auch der beste Schwimmer Vorsicht üben. Nichtschwimmer sollen sich nie zu weit hinauswagen, jedenfalls nicht soweit, daß sie den Boden unter den Füßen verlieren. Der Kopfsprung ist gewiß eine sportliche Leistung, aber im trüben und wenig bekannten Wasser kann ein unter diesem aufragender Stein oder Pfahl gefährlich werden. Unnötig langes Verweilen im Wasser soll gleichfalls vermieden werden.
Große Strafkammer Gießen.
Wegen falscher Anschuldigung wurde ein hiesiger Einwohner zu einer Gefängnis st rafe von vier Monaten verurteilt. Seine mitangeklagte Tochter wurde freigesprochen. Letztere war vor einiger Zeit vom hiesigen Amtsgericht wegen Diebstahls verurteilt worden. Die Angeklagte hatte einer alten Frau nach und nach Geld gestohlen, einer anderen Frau das Sparkassenbuch weggenommen, das Geld abgehoben und das Buch wieder an seinen Platz gelegt. Die Angeklagte schrieb mehrere Briefe, in denen sie den Verdacht auf andere abzulenken versuchte. Sie erkannte jedoch die Strafe an und das Urteil wurde auch rechtskräftig.
Als ein zur Zeit in Marienschloß seine Strafe verbüßender vielfacher Verbrecher in das hiesige Landgerichtsgefängnis eingeliefert wurde, erhielt dieser eines Tages ein Schreiben von einem gewissen „Freund Robert" unterschrieben, in dem ihm nahegelegt wurde, den Diebstahl des Geldes und des Sparkassenbuches auf sich zu nehmen, da die Tochter eines angesehenen Beamten deshalb unschuldig verurteilt worden sei. Ein Delikt mehr ober weniger würde bei seiner Strafzumessung nichts ausmachen. Schreiben dieses Inhalts, verbunden mit stenographischen Kassibern liefen bei jenem Einbrecher wie- derholt ein. Auf diese Weise dachte der Angeklagte, der auf Grund des Gutachtens eines Schriftsachverständigen als der Verfasser dieser Schreiben ermittelt wurde, den erwähnten Einbrecher zu einem Anerkennungsurteil zu veranlassen und eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen seine Tochter zu erzwingen. Diese raffinierte Tat fand durch das obige Urteil ihre gerechte Sühne.
Kleine Strafkammer Gießen.
Der Sally Weinberg aus Crainfeld wurde wegen Betrugs vorn Amtsgericht Herbstein zu z w e i Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Berufung ein, die aber verworfen wurde. Der Angeklagte war als Vertreter tätig und verkaufte Radioapparate unter dem Fabrikpreis.
Wegen Betteln erhielt der Heinrich Funk aus Ronshausen vorn hiesigen Amtsgericht sechs Wochen Haft. Außerdem wurde die Ueberweisung in ein Arbeitshaus angeordnet. Gegen diese Anordnung legte der Angeklagte Berufung ein, die in Anbetracht seines brutalen Auftretens verworfen wurde.
Zu 300 Mark Geldstrafe evtl. 30 Tagen Gefängnis wurde ein Einwohner von Friedberg verurteilt. Zugleich wurde dem Verurteilten die Strafe bedingt erlassen. Der Angeklagte zog seinen Arbeitern von ihrem Lohn Krankenkassen- und Jn- validenversicherungsdeiträge ab, händigte dieselben jedoch nicht aus. Er handelte in wirtschaftlicher Not. Vom Amtsgericht Friedberg wurde er freigesprochen. 2luf die Berufung der Staatsanwaltschaft kam es zu obigem Urteil.
Amtsgericht Gießen.
Ein Kraftwagenbesitzer aus Gießen erhielt einen Strafbefehl über 10 und über 50 RM.. da er den Seltersweg hinauffuhr, ohne feine Scheinwerfer abgeblendet zu haben. Außerdem beachtete der An
geklagte nicht das Haltezeichen. Wegen der letzten Sache wurde er freigesprochen. Im übrigen blieb die Strafe von 10 RM. bestehen.
Ein Kraftwagenbesitzer aus Frankfurt ließ nachts sein Auto vor einem Hotel stehen, ohne dasselbe ausreichend beleuchtet zu haben. Er wurde deswegen zu 10 RM. Geldstrafe verurteilt.
Ein Jahr erfolgreicher Arbeit des Odenwaldklubs.
LPD. Weinheim, 14. Juni. Zu feiner 52. Jahreshauptversammlung, die am Samstag und Sonntag in Weinheim stattfindet, veröffentlicht der Odenwaldklub in feiner Vereinszeitschrift einen Jahres- und Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, der einen guten Einblick in die vielfältige Arbeit des Verbandes vermittelt. Der Odenwaldklub umfaßt zur Zeit an 120 Orten 122 Ortsgruppen. Als Erfolg einer ausgedehnten Werbetätigkeit ist die Mitgliederzahl auf über 11000 gestiegen. 113 Ortsgruppen von 122 haben im Jahre 1933/34 ein bestimmtes Wanderprogramm durchgeführt, und zwar haben sie im ganzen 1409
finden für den Kampf um den Frieden und um die Zukunft der Nation. Sozialismus bedeute Kamerad« fchaft, bedeute „Gemeinnutz geht vor Eigennutz!"
Unsere Revolution sei nicht abgeschlossen, bevor nicht jeder Sozialist der Tat sei.
Nun, da das Bündnis geschlossen sei zwischen dem Arbeiter und dem Studenten, müsse Schulter an Schulter marschiert werden für den deutschen Sozialismus. Der Kampf aber gelte letzten Endes der Erhaltung des Lebens unseres Volkes in aller Ewigkeit.
Die nationalsozialistische Revolution sei eine Revolution des Geistes. Die Umformung unseres ganzen völkischen Lebens bringe es mit sich, daß sich alle Kreise unseres Volkes gegenseitig kennenlernten. Früher sei die Arbeit vielen eine Last gewesen, aber heute sei sie heilige Pflicht im Dien st e des Volkes. Und in der Erfüllung dieser Pflicht sei die Arbeit des einfachsten Volksgenossen genau so wichtig, wie die Arbeit eines Professors. Diese Tatsache fordere die Achtung eines jeden vor jedem Arbeitenden.
Die soziale Not in Deutschland müsse beseitigt werden. So, wie sie bisher in weiten Kreisen der Arbeiterschaft bestand, müsse sie uns Warnung sein.
Um die Erhaltung eines inneren Friedens willen müsse die Lage des Arbeiters gebessert werden. Der Arbeiter müsse aber auch seinerseits zu erkennen versuchen, daß der Student hart und mühevoll um sein Dissen ringen müsse und schließlich nichts anderes sei als auch der deutsche Densch, der arbeiten müsse mit allen Kräften.
Der Student müsse sich bemühen, den Arbeiter in seinem Tagewerk, in seinem Zuhause, in seiner Fa- milie kennenzulernen, um ihn wahrhaft schätzen zu können, und es dadurch möglich sei, daß der Kampf geschlossen und erfolgreich gegen den Reaktionär ausgenommen werden könne. Arbeiter und Studenten seien berufen, den Sozialismus der Tat Wirklichkeit werden zu lassen. Hierzu bedürften wir der herzlichen Kameradschaft. Wenn uns diese Kameradschaft fehle, dann sei der Tod des deutschen Menschen besiegelt. Wer aber die blutmäßige Bindung | in unserem Volke erkannt habe, werde nie abseits stehen. Der zukünftigen Generation müsse auf ihre Frage nach der Mitarbeit ihrer Väter am neuen Deutschland mit einem „Ja!" geantwortet werden können. Mit einem Ausruf des Reichsobmannes der NSBO., Pg. Schuhmann, beschloß der Redner seine Ausführungen. (Anhaltender lebhafter Beifall!)
Das Schlußwort sprach der Verbindungsmann der NSBO. zur Studentenschaft,
der stellvertretende Kreisbetriebszellenleiter pg. Hahn.
Wir lebten, so begann auch er, in einer Zeit der gewaltigen Umbildung, der Einariffe und Veränderungen auf allen Gebieten des Lebens unseres Volkes, in einer Zeit der Schaffung neuer Werte und neuer Formen, die den neuen Werten entsprechen. Die heutige Kundgebung solle ein äußeres Zeichen der Verbundenheit und der Kameradschaft sein. Das Bündnis zwischen der NSBO. und der Studentenschaft solle wesentlicher Teil der Neugestaltung des Lebens unseres Volkes fein. Die Umgestaltung solle sittlich-moralischer, kultureller und wirtschaftlicher Natur sein.
Das Bündnis solle bedeuten: Kampfansage gegen Liberalismus und Reaktion.
Der Kampf werde ausgenommen und jeder habe an seinem Platze zu stehen und auszuharren. Die Treue zum Vaterland sei unsere Ehre! (Lebhafter Beifall!)
Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler, mit dem gemeinsam gesungenen ersten Vers des Horst-Wessel-Liedes und mit dem Fahnenausmarsch fand die große Kundgebung ihren Abschluß.
Bei den Studenten zu Gast.
Nach der Kundgebung fanden sich Betriebsgemeinschaften und Studentenverbindungen zusammen und marschierten in größeren und kleineren Gruppen wieder nach der Stadt zu, um in den Verbindungs- Häusern gemeinsam noch einige Stunden in kameradschaftlicher Unterhaltung zu verbringen. Diese restlichen Stunden des Abends verliefen in außer- ordentlich angeregter Stimmung. Allenthalben wurden von den Sprechern der Verbindungen die Gäste willkommen geheißen und in zum Teil launiger Rede und Gegenrede das gemeinsame Denken und Fühlen im Sinne der Volksgemeinschaft zum Ausdruck gebracht. Die Herren der Kreisbetriebszellenleitung, wie auch der Gießener Studentenschaft machten in den einzelnen Häusern die Runde und hielten noch manche, zwar kurze, aber um so begeisterndere Ansprache an die Versammelten. Vielfach wurden die Stunden noch durch unterhaltende, meist humoristische Darbietungen der Studenten und auch der Mitglieder der Betriebsgemeinschaften kurzweilig gestaltet. Verschiedentlich zeigten die Studenten ihren Gästen auch die Häuser und ihre Einrichtungen, und fanden damit das Interesse wohl aller Teilnehmenden. Erst zu später Stunde trennte man sich. Der Abend, der ganz im Zeichen aufrichtigster Volksgemeinschaft stand, wird sicherlich allen, die ihn erleben konnten, in angenehmster Erinnerung bleiben.
Wanderungen veranstaltet bei einer Durchschnittsbeteiligung von 25 Personen, d. h. über 35 000 Menschen wurden durch planmäßige Wanderungen in die Heimat und damit zur Kenntnis der Heimat und vertiefter Heimatliebe geführt. Zahlreiche Sternwanderungen schlugen die Brücken von Ortsgruppe zu Ortsgruppe und zu den benachbarten Wanderverbänüen. Die Zahl der ausgezeichneten Wanderer betrug rund 3000. 85 Wanderfeste bildeten Höhepunkts des Vereinsledens der meisten Ortsgruppen und gaben Gelegenheit, wirkliche Hei- matkunst (Volkslied, Volkstanz) zu pflegen. Die Bauten des Klubs sind durchweg in gutem Zustand; namhafte Beträge wurden für ihre Unterhaltung aufgewandt. Neu erstanden sind im Jahre 1933 der Rudi Wünzerturm aus dem Schimmelberg und der Adolf-Hitler-Turm bei Bad König. Geplant sind die Erbauung eines Turmes bei Buchen und die Freilegung des Rodenstein und der Wildenburg. Im ganzen besitzen der Gesamtklub bzw. seine Ortsgruppen 12 Türme, 2 Klubhäuser, 42 Schutzhütten und Schutztempel, weit über 1000 Ruhebänke und unterhält 39 Brunnen« und Quellenanlagen.


