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wie das deutsche und das italienische haben es nicht notwendig, zur Verstellungskunst und zur Heuche­lei der Diplomatie Zuflucht zu nehmen. Männer wie Mussolini und Hitler stehen außerhalb und über die­senKünsten" der Diplomatie. Sie sprechen mit offenen Herzen zu einander, Auge in Auge. Denn das Schicksal zweier großer Völker liegt in ihrer Hand vielleicht das Schicksal Europas." Diese Begrüßungsworte, die ein italienisches Blatt dem deutschen Reichskanzler widmet, deuten den tief' gehenden Unterschied an, der auch in Italien emp­funden wird zwischen der Diplomatie der Kabinette und Generalstäbe, die im Juli 1914 ebenso wie später in Versailles und auf allen Nachkriegskonfe- rengen so kläglich Bankrott gemacht hatte und einer 'neuen politischen Methode der Aus­sprache von Volk zu Volk, die allerdings nur dann möglich ist, wenn der leitende Staats­mann zugleich auch Volksmann im wahren Sinne des Wortes ist, Führer der Nation, aus deren Mitte er heraus wuchs, die an ihn glaubt und der er sich bis zum letzten verbunden fühlt in der schweren Verantwortung für ihr Schicksal. So standen in Ve­nedig Adolf Hitler und Mussolini sich gegenüber als zwei Staatsmänner, denen das Vertrauen ihrer Völker eine unbeschränkte Vollmacht politischen Han­delns übertragen hat. Beide verkörpern in sich am stärksten den Durchbruch zu einer neuen Zeit, die auch in der Außenpolitik ausgetretene Pfade zu ver­lassen sucht und mit neuen Methoden die Stabilisi- rung des Friedens und eine europäische Zusammen­arbeit erreichen möchte.

Aus dieser politischen Grundlinie, die natürlich auch die Zusammenkunft von Venedig beherrschte, wird es klar, wie töricht und gänzlich abwegig es ist, wenn die französische Presse aufgeregt darüber diskutiert, welche Abmachungen wohl zwischen Deutschland und Italien getroffen werden würden, gegen wen sie sich richten könnten, welche Marsch­route man vereinbaren werde. Nichts von alledem! Die wilden Kombinationen in der öffentlichen Meinung Frankreichs zeugen nur von dem schlechten Gewissen, mit dem man in Paris nach der Torpedierung des europäischen Friedens durch das tete-ä-tete mit Rußland nach den Aus- und Gegenwirkungen dieser Absage an die Solida­rität Europas ausspäht. Davon kann indessen keine Rede sein. Das nationalsozialistische Deutschland wünscht ehrlich die Verständigung mit allen Völ­kern und am meisten mit seinem großen Nachbarn im Westen. Es weiß aber, daß nichts so sehr diese Verständigung verhindert, als ein System der Bündnisse und Blockbildungen, das, wie es die Vor­geschichte des Weltkrieges und das den Friedens­diktaten folgende Jahrzehnt gelehrt haben, statt Fäden zu knüpfen und Brücken zu schlagen, Gräben zieht und Bindungen zerreißt. Nicht Bündnisse sichern den Weltfrieden, sondern der Wille, die Eigenart der anderen Völker zu achten und auf dieser Grundlage seinen Beitrag für die Zusammen­arbeit der europäischen Völker zu leisten. Dieser Grundidee der nationalsozialistischen Außenpolitik hat eben erst wieder Reichspropagandaminister Goebbels in seiner ausgezeichneten Rede in Warschau beredten Ausdruck gegeben. Und von Mussolini ist das ernst mahnende Wort bekannt, daß das alte Europa sich gegenüber den im Osten aufsteigenden jungen politischen Kräften nur durch eine große gemeinsame Anstrengung halten könne.

So wenig also die Tendenz der Zusammen­kunft von Venedig über eine allgemeine Fühlungnahme und rückschauende Aussprache hin­ausgeht und man etwa aus der gegenwärtigen politischen Lage heraus irgendwelche gemeinsame Schritte beabsichtigt, so wenig kann und soll aber auch geleugnet werden, wieviel Gemeinsames sich aus dem politischen Erleben des letzten Jahrzehnts für beide Nationen ergeben hat. Wenn Deutsch­land durch das Versailler Diktat seiner Souveräni­tät in wesentlichen Punkten beraubt, aus der Reihe der Großmächte gestrichen und vom Subjekt zum Objekt der Politik geworden war, so hat auch Ita­lien, obwohl es im Weltkrieg auf der siegreichen Seite gewesen war, die Früchte seiner Opfer nicht in dem Umfang ernten können, wie es berechtigter­weise hätte erwarten müssen. Nur ein Bruchteil dessen, was die Alliierten ihm im Londoner Ver­trag von 1915 als Gegenleistung für seinen Ein­tritt in den Weltkrieg versprochen hatte, wurde ihm in Versailles zuteil. Einer Ausdehnung seiner kolo­nialen Wünsche in Nordafrika widersetzte sich Frank­reich und jenseits der Adria entstand aus den Trüm­mern der habsburgischen Donaumonarchie ein neues südslawisches Reich, dem auch Landstriche zugeteilt wurden, die Italien für sich selbst beansprucht hatte. Dieser territoriale Konflikt, zu dem noch Minder­heitenfragen kamen, machte die beiden großen Anrainermächte der Adria zu unversöhnlichen Geg­nern unt) trieb Süd lawien naturgemäß in das La­ger Frankreichs, de sen Politik der Erhaltung des in Versailles gescha fenen Zustands alle einer Re­vision der Verträge abholden Mächte um sein Ban­ner scharte, während Italien, dessen Lebensinter­essen überall auf die von Frankreich errichteten und sorgsam bewachten Schranken stießen, all den in den Pariser Friedensdiktaten schwer verstümmel­ten oder benachteiligten Völker Rückhalt bot.

So wurde Südosteuropa der Schauplatz eines jahrelangen Ringens zwischen Italien und Frank­reich um die Abgrenzung der beiderseitigen Inter­essensphären. Die eine oder die andere Balkanmacht wechselte als Bundesgenosse hinüber und herüber und es ist nicht zu leugnen, daß im Augenblick die russisch-französische Annäherung auch auf dem Bal­kan ihre Anziehungskraft bewiesen hat. Damit ist aber auch das Fruchtlose dieser Politik gegenseitigen Werbens um die Gunst der Kleinen deutlich ge­worden. Die erste Reaktion auf diese Erkenntnis war Mussolinis Diererpakt, der den vier euro­päischen Großmächten, die die Verantwortung für

Schicksal der europäischen Völkergemeinschaft zu tragen haben, auch die Entscheidung über die Ge­staltung der politischen Probleme Europas zu­weisen will. Diesen Viererpakt nach dem erneuten Mißerfolg in Genf im Sinne fruchtbarer Zusam­menarbeit der europäischen Großmächte wieder zu beleben, dürfte zunächst das Ziel der italienischen Politik sein. Das liegt auch durchaus in der Linie der von Deutschland und seinem Führer propagier­ten Politik der direkten Aussprache mit dem Ziel einer Verständigung von Volk zu Volk, die ja schon im deutsch-polnischen Abkommen seine Früchte ge­tragen hat. Die Zusammenkunft von Venedig hat beiden Staatsmännern erwünschte Gelegenheit ge- geben, die Gemeinsamkeit dieser Grundtendenz in der Außerpolitik ihrer beiden Länder festzustellen und Wege zu erörtern, sie für die europäische Frie- densarbeit fruchtbar zu machen.

zu verscheuchen.

Wir haben uns vereinigt zu dem Versuch, die Wolken vom polilischen Horizont Europas

Mussolinis Ansprache an die Faschisten in Gegenwart des Führers.

Am Freitag gegen 18 Uhr veranstaltete d i e F a s ch i st i s ch e Partei auf dem Marcusplatz zwischen den Prokuratien eine große Kundgebung, auf der Mussolini sprach. Zu der Kund­gebung waren aus Venedig selbst und aus der ganzen Umgebung etwa 70 000 Menschen zusam- mengeströmt, die den weiten monumentalen Platz zwischen dem Palazzo Reale und dem Alten Pro- kuratienpalast bis in den letzten Winkel füllten. Die Kundgebung bot ein Bild außerordentlicher Geschlossenheit und Wucht. Es war ein eindrucks­volles Bild, dieser für eine solche Kundgebung wie geschaffenen, menschengefüllte Platz, im Hinter­grund abgeschlossen von der Markuskirche. Die beiden Paläste waren mit Teppichen und Fahnen geschmückt. Ein farbenfreudiges Bild. Die verschiedenen faschistischen Formationen in ihren Uniformen und Trachten, mit ihren bunten Schärpen und vielfarbigen Halstüchern, dazu die Mädchenabteilungen der Ballila in weißen Blusen und schwarzen Röcken und dann, eingestreut, die Bevölkerung der Stadt. Als Mussolini, geleitet von Führern der Faschistischen Partei, am Mittel­fenster des Quergebäudes erschien, war die Luft minutenlang angefüllt von einem vieltausendstim­migen Brausen.

Die Rede Mussolinis war im Hauptteil ihres In­halts eine Aufforderung an die Stadt Venedig, die er feit elf Jahren nicht gesehen hatte, möglichst aktiv und lebendig am modernen faschistischen Staatsleben teilzunehmen. Elf Jahre find seit dem Juni 1923 vergangen, so sagte der Duce u. a., als ich hier vor euch auf dem gleichen Platze sprach. Ein Jahr war kaum verstrichen seit dem Tage, an welchem das Geschlecht von Vittorio Veneto die alte herrschende Klasse an der Kehle gefaßt hatte, die während des Krieges und nach­her ihre politische Unfähigkeit gezeigt hatte, das Geschlecht, das die große Straße für die Zukunft des italienischen Volkes eröffnet hat. (Beifalls Heute nach elf Jahren ist das italienische Volk wie ein Heer zusammengeschweißt, und man kann d i e harte Wahrheit sagen, weil man sicher ist, daß man keiner Niedergeschlagenheit der Gemüter mehr, sondern die Spannung aller Kräfte sehen wird .(Anhaltende Beifallsstürme.)

Ls hat in diesen Tagen hier in Vendig ein Treffen siattgefunden, auf das sich die Aufmerk­samkeit der wett konzentriert hat. Aber ich sage euch Italienern und allen jenseits der Grenzen, daß Hitler... (Rufe: Es lebe Hitler! Anhaltende stürmische Beifallskundgebungen für den Führer, der auf dem Balkon erscheint)... daß Hitler und ich uns hier getroffen haben, nicht um die politische Karle Europas und der Welt umzu- arbeilen oder gar zu modifizieren oder um son­stige Motive der Unruhe noch denjenigen hin- zuzusügen, die alle Länder schon beunruhigen, vom äußersten Orient bis zum äußersten Okzi­dent. Wir haben uns vielmehr hier ver­einigt zu dem Versuch, die Wolken zu verscheuchen, die den Horizont des po­litischen Lebens Europas verdunkeln. Noch einmal sei gesagt, daß eine schreckliche Aller- native vor dem Bewußtsein aller europäi­schen Völker sieht: Entweder finden sie ein winde st maß politischer Einheit, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und moralischen Verstehens, oder das Geschick Europas ist unwiderruflich v o r ge­zeichnet.

Wir italienischen Faschisten, wir, das italienische Volk, gehärtet durch den Krieg und die faschistische Revolution, dürfen uns dieser Sprache bedienen, weil wir ein starkes Volk geworden sind. Unser Friede ist also ein männlicher Friede; denn der Friede geht dem Schwachen aus dem Wege und gesellt sich dem Starken zu. Der Regierungs­chef erinnerte dann noch an die Vaterlandsliebe Venedigs während des Risorgimento und des Krieges und schloß seine vor rund 70 000 Menschen

mit immer neuem Jubel aufgenommenen Ausfüh­rungen mit der Verheißung des Sieges als Frucht der Treue, des Willens und des Mutes der Schwarz­hemden.

Kurz vor Beginn der Rede Mussolinis war der Führer erschienen und hatte sich mit Reichs­außenminister von Neurath auf einen Balkon des Palazzo Reale begeben, von dem aus er Mussolini sehen konnte. Zunächst blieb der Führer von der Bevölkerung ziemlich unbemerkt, da sämt­liche Fenster der langgestreckten Paläste von Men- schen angefüllt waren. Als dann aber der Duce kurz nach Beginn seiner Rede den Namen des Führers erwähnte und impulsiv auf ihn zeigte, brach sich die Begeisterung der Bevölkerung auch für den Führer Bahn. Immer wieder wurden neue Hochrufe und sogar Hurra auf den Führer ausgebracht. Die Bevölkerung, die solange Front zum Ouergebäude hatte, wo Mussolini stand, wandte sich mit einem Schlage nach der Seite zum Palazzo Reale um, so daß sich der Führer plötzlich der riesigen jubelnden Menschenmenge gegenüber» sah. Als Mussolini dann mehrmals auf seine Zu­sammenkunft mit dem Führer einging und betonte: W i r haben uns vereing t", da kam noch einmal minutenlanges Händeklatschen auf, mit dem die Bevölkerung diese Mitteilung quittierte. Als Mussolini geendet hatte und sich mit dem Führer in einen Saal im Innern des Gebäudes begab, klang draußen auf dem längst überfüllten Platz, von einer Musikkapelle gespielt, feierlich das Deutschlandlied auf. Die begeisterte Menge gab erneut durch Händeklatschen ihrer Zustimmung und ihren Gefühlen für Deutschland Ausdruck.

Mussolini der Gast des Führers.

Venedig, 16. Juni (DNB.-Funkspruch.) Am Freitag um 20.30 Uhr fuhr Mussolini mit sei­nem Gefolge im Motorboot vor dem Grand­hotel vor, um an dem Abendessen teilzunehmen, das ihm der Führer in seinen eigenen Räumen gab. Am Essen nahm nur ein kleinerer Kreis von Personen teil. Gegen 22 Uhr verließ der Duce das Hotelzimmer. Kurze Zeit darauf folgte der Führer. Beide Staatsmänner trafen noch ein­mal im Garten des Excelfiorhotels am Lido zusammen. Gegen Mitternacht war der Führer wieder im Grandhotel eingetroffen. Vorher hatte er Mitglieder der deutschen Kolonie empfan­gen, ferner eine Reihe von Amtsleitern der Auslandsorganisation der NSDAP., Landesgruppe Italien. Der Führer ließ sich die ein­zelnen Parteigenossen persönlich verstellen und unterhielt sich mit jedem einzelnen. Zum Schluß gab ihnen der Führer den Auftrag, den auslands- deutfchen Volksgenossen der einzelnen Ortsgruppen seine Grüße zu übermitteln.

Der Führer wieder in München.

München, 16. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Führer ist um 9.50 Uhr aus dem Flughafen O b e r w i ese n f e ld g e l ande t. Zu seiner Be­grüßung hatten sich Ministerpräsident Siebert, die Staatsminister Wagner, Esser und Frank, zahlreiche Führer der SA., SS. usw. eingefunden. Um %10 Uhr kamen die drei Maschinen in Sicht. Die NSBO.-Kapelle intonierte den Badenweiler Marsch. Aus den Reihen der Massen erhoben sich Tausende von Händen und winkten dem Führer zu. Punkt 9.5Y Uhr rollte die Maschine vor dem Flughafen an. Als der Führer dem Flugzeug entstieg, spielte die Kapelle das Deutschlandlied, das von brausenden Heilrufen begleitet wurde. .

Der Führer, in dessen Begleitung sich Reichs­außenminister Freiherr von Neurath und die übri­gen Teilnehmer der Jtalienfahrt befanden, begrüßte die §urn Empfang erschienenen Persönlichkeiten. Als er sich zu seinem Kraftwagen begab, hallte das Hör st-Wessel-Lied über den Platz. Einer aus der allerjüngsten Garde überreichte ihm einen B<l umen ft rau ft. Dann trat er unter dem Jubel der Massen die Fahrt in die festlich geschmückte Stadt an.

Das Echo im Ausland.

Befriedigung in London.

London, 16. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Die englische Presse zeigt große ^Befriedigung über den Verlauf des Zusammentreffens zwischen Hitler und Mussolini.Hitler und Mussolini sind sich e i n i g", lautet die Überschrift in Fettdruck auf den Titelseiten der Blätter. Allgemein sagen die Zeitungen: Die Tatsache, daß sich die beiden füh­renden Staatsmänner Mitteleuropas Auge in Auge herzlich aussprachen, haben die Hoffnungen für d i e Befriedung Europas neu ent­facht.Daily Mail" stellt fest, daß der große Aufmarsch zu Ehren Hitlers auf dem Markusplatz alle geschichtlichen Ereignisse an dieser Stätte über­troffen habe.Venedig hat seit 24 Stunden gelacht, gesungen und sich heiser geschrien. Es besteht noch kein Anzeichen für ein Ende dieser wilden und freu­digen Begeisterung."

In der Abrüftungsfrage", so schreibt die Time s",hat sich eine beträchtliche Gleich­heit de r Anschauungen Deutschlands und Italiens gezeigt." Aus der Erklärung Mussolinis, er habe sich nicht mit Hitler getroffen, um die politische Landkarte Europas neu zu gestalten, schließt das Blatt, daß die Frage der Vertrags» revision zur Zeit nicht im Vordergrund stehe. Einen wichtigen Plag bei den Besprechungen habe sicher­lich der russische Vorschlag der o st e u r o p ä i s ch e n Sicherheitspakte gehabt. Es scheine, daß sich tatsächlich eine weitgehende Ueberein» einstimmung zwischen Mussolini und Hitler in dieser Frage gezeigt habe. Deutschland sei für Nichtangriffsverträge, wie das polnische Abkommen zeige. Deutschland habe auch nichts gegen Konsultativabkommen einzuwen­den, obwohl diese wahrscheinlich auf einen solchen Realisten wie den Führer keinen allzu großen Ein­druck machten. Auch über den Plan eines Mit- telmee rlocarno fei wahrscheinlich in Stra gesprochen worden, zu dessen Verwirklichung aller- dings Deutschland gegenwärtig nicht beitragen könne. Den Beitrag, den Deutschland für die Sicherheit

und Abrüstung geben müßte, habe der englische Ministerpräsident angebeutet, als er sagte, daß Deutschland keinen Zweifel über seine zukünftige Politik lassen solle. Das Blatt weist auf die fran­zösischen Alarmrufe wegen der angeblich militärisch organisierten deutschen Verbände hin und erklärt: diese Organisationen sind nicht bewaff­ne t. Hitler hat feine Zustimmung erklärt, daß sie niemals bewaffnet werden sollen. Beide, dem Duce und dem Führer, wird der Wunsch nach einer Rüstungsregelung zugeschrieben. Beide sind Män­ner her lat. Sie werden die Glückwünsche der Welt verdienen, wenn ihre Zusammenkunft die Er­füllung dieses großen Zieles näher gebracht hat.

News Chronicle" ist der Ansicht, daß Deutschland von neuem versichert habe, nach Genf zurückzukeh­ren, wenn der italienische Plan für eine Rüstungs­begrenzung angenommen werde. Hitler und Musso- üni hätten sich gemeinsam gegen b i e neuer­liche französisch-russische Politik in Genf erklärt. Ebenso wie bie anderen Blätter hebt News Chronicle" hervor, daß Hitler und Musso- lini sich geeinigt hätten, die wirtschaftliche Entwicklung des Donaubeckens zu unter- stützen. Hitler habe einen wertvollen Bundesgenossen in Mussolini gefunden. Der sozialistischeDaily Herald" hat seine Ansicht in dem Satz zusammenge- faßt, man könne sagen, in den letzten Monaten seien die schlimm st en Gefahrendereuro- päischen Lage beseitigt worden. Man be­ginne langsam das Tageslicht zu sehen.

Paris beruhigt.

Gegen niemand gerichtet."

Paris, 16. Juni. (DNB. Funkspr.) Da den fron- zösischen Vertretern eigene Informationen über den Inhalt der Unterredungen zwischen dem Führer und dem Duce fehlen, begnügen sich die nach Venedig entsandten französischen Berichterstatter zumeist mit der Aufzählung der aktuellen Fragen, auf bie sich die Aufmerksamkeit aller Politiker richtet. In einer Meldung der Agentur HavüS aus Venedig

wird gesagt, für Deutschland und Italien handele es sich darum, die europäische Verbindung im Sinne der Politik des Diererpak« tes und im Gegensatz zu der franzö- fischen Politik der Mächteblocks wie­der herzu stellen. Die deutsch-italienischen Ver­handlungen seien gegen niemand gerichtet. Die Revision der Verträge sei in Venedig nicht ein einziges Mal erwähnt worden. Don Frankreich sei, wie man in deutschen Kreisen verlauten lasse, viel die Rede gewesen, und zwar wie es scheine, im Sinne einer Zusammenar- b e i t.

DerM»t i n" schreibt, Hitler und Mussolink haben kein Abkommen abgeschlossen und sind auch keine Verpflichtungen eingegangen. Die Vegeg- nung ist eher eine Annäherung allgemeiner und vor allem gefühlsmäßiger Art zwischen Berlin und Rom gewesen. Sie erscheint als Kund gebungan die Adresse der Westmächte. Italien sucht sich eine Stütze für kommende europäische Verhand­lungen.

DasEcho de Paris" meint, Mussolini denke daran, eine Brücke zwischen Deutschland und Frankreich zu schlagen. Eine solche Brücke würde aber Frankreich von seinen Freunden und Verbündeten trennen. Das Blatt kommt wieder auf die Frage zurück, ob es in der anfänglichen Absicht lag, B a r t h o u zu der Begegnung mitberan- zuziehen. Es vermutet eine Falle, da Mussolini die bevorstehende Balkanreise des französischen Außenministers ihrer Bedeutung habe entkleiden wollen.

Telegrammwechsel mit dem König von Italien.

Rom, 15. Juni. (DNB.) Reichskanzler Adolf Hitler und Reichsaußenminister von Neurath haben an den König von Italien Telegramme ge­sandt, die der König erwidert hat. Das Tele­gramm des Reichskanzlers an den König von Italien lautet:Indem ich den Fuß auf ita­lienischen Boden setze, richte ich an Eure Majestät meinen ehrerbietigen Gruß in der Hoffnung, daß die Begegnung mit dem Chef der Regierung Eurer Majestät zum Wohle der beiden befreun­deten Länder und zum Frieden der Welt beitragen möge, der von allen Völkern so sehr ersehnt wird. Reichskanzler Adolf Hitler."

Das Telegramm des Reichsaußenmini- fterg an den König:Nach meiner gemeinsamen Ankunft mit dem Reichskanzler in dem Lande, mit dem mich so viele Bande der Freundschaft verknüp­fen, entbiete ist Eurer Majestät meinen ehrfurchts­vollen Gruß, von Neurath."

Das Antworttelegramm des Königs an den Reichskanzler:Ich habe mich herzlich über den Gruß gefreut, den Eure Exzellenz bei der Be­gegnung mit dem Chef meiner Regierung auf ita­lienischem Boden an mich gerichtet hat. Indem ich meinen lebhaften Dank hierfür ausspreche, gebe ich dem Wunsche Ausdruck, daß unsere beiden Völker in einer friedlichen Zukunft die von ihnen erstrebten Ziele erreicht sehen mögen. Vittorio Emanuele."

An den Reichsaußenminister:Ich danke Eurer Exzellenz lebhaft für den liebenswürdigen Gruß, über den kch mich sehr gefreut habe und den ich herzlich erwidere. Vittorio Emanuele."

Oie französische Kammer bewilligt die Nüstnngskredite.

Paris, 15. Juni. (DNB.) Die Kammer fetzte die Aussprache über die Militärkredite fort. D a lädier erklärte, daß die Radikalsozialistische Par­tei für die angeforderten Nachtrags­kredite stimmen würde in der Erwartung, daß damit ein für allemal bie Pläne auf Wie­dereinführung der zweijäyrigen Dien st zeit fort fallen. Nachdem man sich nun gegen das offensive und für das defensive Sy­stem entschieden und die entsprechenden Befestigun­gen angelegt habe, könne man die angeforderten Kredite nicht verweigern. Das augenblickliche Sy­stem sei völlig ausreichend, zumal dank der Bestim­mungen, daß ohne Befragung des Parlaments 500 000 Mann einberufen werden könnten.

Die Kammer nahm die Gefamtvorlage der Re­gierung über die militärischen Nachtragskredite in Höhe von 3120 Millionen Francs mit 454 gegen 125 Stimmen an. Außer den Kommu­nisten und den Sozialisten stimmten auch die Un­abhängigen Sozialisten, sowie einige Neusozialisten gegen bie Vorlage.

Das Bündnis zwischen Arbeiter und Studenten.

Berlin, 15. Juni. (DNB.) I n allen deut- sch e n Universitäts st übten fanden am Freitagabend gemeinsame Kundgebungen ber Deut­schen Studentenschaft unb der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation statt. Die Kundgebung im Berliner Sportpalast war stark besucht. Neben ben Männern aus ber Werkstatt unb ben Schreibstuben sahen die Hörer der Hochschulen, eben­falls zumeist im Braunhemd, unter ihnen die Be­triebsführer, Rektoren und Hochschullehrer. Nach dem Einmarsch von mehreren hundert Fahnen sprach der Reichshochschulgruppenführer des NSDStB. von Graeve. Der Kampf für den national­sozialistischen Staat, erklärte der Redner, sei van niemand mit heißerem Herzen geführt worden, als von den Studenten und Arbeitern. Deshalb würden diese auch alles daransetzen, zu verhindern, daß mit ben alten Methoden wieder versucht werde, das deutsche Volk zu spalten und Interessengegensätze aufzu­richten.

Der Treuhäirder der Arbeit für bas Rheinland, Borger, forberte, daß Stubent und Werkmann in dem Bestreben wetteifern, das Spießertum zu bekämpfen unb unser Volk zu politischem, vor allem zu außenpolitischem Denken zu er­ziehen. Je eher Arbeiter unb Stubenten zusam­menkämen, um so schneller mürben die Fesseln von Versailles fallen. Der Wille zum Leben unb zu echt beutscher Gesinnung müßte und werbe in unserem Volke stärker sein als alle Not, bie heute wahrlich klein sei im Vergleich zu den Entbehrungen unb Opfern, bie dje Männer draußen an der Front auf sich genommen haben.

PanzerschiffDeutschland" und Kreuzer K ö l n" sind am 9. Juni zu einer Erprobungs­fahrt in den Atlantischen Ozean ausgelaufen. Die Schiffe werden voraussichtlich am 16. und 17. Sunt Funchal a u f Madeira besuchen. Außer­dem wird der KreuzerKöln" vom 22. bis 25. Juni Lissabon anlaufen, während Panzerschiff Deutschland" nach Beendigung der Erprobungen unmittelbar in die Heimat zurückkehren wird.