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Weisse und gesunde Zähne

Der Transferauffchub für Auslandsschulden.

ßtne Jlofe der Reichsregierung kündigt auch die Einbeziehung der Reparationsanleihen in das Transfermoratorium an.

Berlin, IS. Juni. (DNB.) Die Note, die die Reichsregierung in den Hauptstädten der Länder hat überreichen lassen, in denen d i e Auslands- anleihen des Deutschen Reiches aufge­legt worden sind (Belgien, Frankreich, Großbrita- nien, Italien, Niederlande, Schweden, Schweiz, Ver­einigte Staaten) weist daraus hin, daß die aus der letzten Konferenz vorgesehene Regelung der deut- schen Auslandsverschuldung zwar eine Atempause schafft, aber die Lösung des deutschen Transfer- Problems nach wie vor offen läßt. Die deutsche Regierung hält es im jetzigen Zeitpunkt für nütz- lich, darzulegen, wie das deutsche Transferproblem liegt.

Än den Jahren 1924 bis 1930 ist ausländi- fches Kapital von netto 18,2 Milliar­den RM. nach Deutschland geflossen, das es instandsetzte, seine kommerzielle Auslands- schuld zu verzinsen, seinen Gold- und Devisenbestand um 2,1 Milliarden auf rund 3 Milliarden RM. zu erhöhen, die Reparationen von 10,3 Milliarden zu bezahlen und den Einfuhrüberschuß der deutschen Handelsbilanz auszugleichen.

Der Gegenwert des in dieser Zeil nach Deutschland geflossenen Auslandskapitals ist der deutschen Wirtschaft also nur etwa zur hälfte zugutegekommen. Während 10,3 Milliarden in Devisen für Re­parationen verwandt wurden, also nicht in der deutschen Wirtschaft arbeiten konnten, mußte Deutschland die Last der Verzinsung der gesamten Auslandskredite übernehmen. Wenn der einzelne Anleiheschuldner auch den Reichsmarkgegenwert der geliehenen Dollars, Pfunde und Franken erhielt, fo muhte doch der den Reparationszahlungen entsprechende Betrag der Anleihen aus Mitteln des deutschen Steuer­zahlers beschafft werden.

Es wird dann weiter dargelegt, daß angesichts des Fehlens der durch die Nachkriegsverträge fortge­nommenen deutschen Kapitalanlagen im Auslande der deutsche Handel vor die Aufgabe gestellt wurde, Jahr für Jahr durch Forcierung der Ausfuhr und Verknappung der Einfuhr Devisen im Betrage von mehr als 600 Mill. Mark zur Verzinsung der Aus- landanleihen in Höhe von 10,3 Milliarden Mart Zu beschaffen. Dies war das System der Kom­merzialisierung der Reparationen, das sich an das System der Fortnahme und lieber- eignung der deutschen Kapitalsubstanz anschloß. Dieses System fand seinen unmittelbaren Ausdruck in den internationalen Anleihen, die eigens zur Finanzierung von Reparationen aufge­legt wurden. Der ausländische Kapitalist lieh sein Kapital an Deutschland. Dieses Kapital floß aber zur Hälfte den Reparationsgläubigern zu. Das eigentliche Problem, wie Deutschland die Anleihen verzinsen und zurückzahlen sollte, wurde der Zukunft überlassen.

Deutschland hat so gut wie die gesamte Gold - und Devisenreserve der Reichs­bank (Ende 1930 wurde rund 3 Milliarden Mark) für diesen Zweck geopfert. Diese Reserve ist am 12. Juni 1934 bis auf 108,9 Mill. Mk. zusammenge­schmolzen, also praktisch auf dem Nullpunkt angelangt. Die Notendeckung, die Ende 1930 56,2 vom Hundert betrug, macht heute noch 3,1 v. H. aus. Dabei ist der Notenumlauf infolge deflatori­scher Maßnahmen um rund 1300 Mill. Mark auf 3486 Mill. Mark am 12. Juni 1934 zusammenge­schrumpft. Deutschland hat in den Krisenjahren 1931, aber auch in den folgenden Jahren dem Run der Auslandsgläubiger standge- halten und sich erst unter dem Druck äußerster Devisenknappheit genötigt gesehen, zur Verteidigung von Währung und Wirtschaft einschränkende Trans- fermaßnahmen zu ergreifen.

Deutschland will seine Schulden bezahlen. Dies ist nur in dem Umfange möglich, als das Ausland, d. h. unter den heutigen Umständen praktisch die Gläubigerländer, zusätzliche Absatzmärkte öffnet. Dollen oder können die Gläubigerländer dies nicht, fo können sie nicht gleichzeitig das unmögliche Verlangen nach unverändertem Schuldentransfer stellen. Da fjoffr.ungtn auf die Mithilfe des Auslandes sich bisher nicht erfüllt haben und auch die Transferkonferenz die ihr gestellte Aufgabe nicht gelöst hat, muß die deutsche Regierung jetzt ihre Bemühungen, die Handels- und De­visenbilanz durch eigene Anstrengun­gen aktiv zu erhalten, verdoppeln. Sie sieht sich daher vor allem genötigt, die Ein­fuhr auf jede erdenkliche Weife zu drosseln, um wenigstens die lebensnotwen­dige Einfuhr bezahlen und, soweit irgend mög- lich, auch die Auslandsschulden weiter trans­ferieren zu können. Die deutsche Regierung hofft, daß auf Grund der jetzt getroffenen Maß­nahmen in absehbarer Zeit eia Transfer wie­der möglich ist.

Im übrigen zahlt der deutsche Schuldner nach wie vor pünktlich in Reichsmark. Zahlungs­wille und Zahlungstreue stehen also außer Frage. Obgleich es sich nicht um einen säumigen Schuldner, sondern um ein wirtschaftliches Gesamtproblem handelt, dessen Lösung nicht von Deutschland allein abhängt, ist von den Gläubigervertretern beschlossen worden, die Frage der Reichsanleihen von der Erörterung auszuschließen, ähnlich wie auf frü­heren internationalen Konferenzen die Erörterung der Reparationen oder der politischen Schulden aus­geschlossen wurde, obwohl diese von Anfang an weltwirtschaftliche Probleme er st er Ordnung darstellten. Der jährliche Dienst dieser Reichsanleihen erfordert, ohne Tilgung, zurzeit allein rund 115 Millionen RM., d. h. mehr als den gesamten Devisen- und Goldbe­stand, über den die Reichsbank heute noch ver­fügt.

Da nach der Mitteilung der Reichsbank Devisen für den Dienst mittel- und langfristiger Aus­ländsanleihen irgendwelcher Art vom 1. Juli dieses Jahres ab bis auf weiteres nicht mehr zur Verfügung stehen, ist auch die Einbeziehung der Reichsanleihen in die vorgesehene Atempause unvermeid­lich. Diese Einbeziehung entspräche auch dem eigentlichen Zweck, Deutschland durch diese

Atempause wieder transferfähig zu machen. Ls läge daher im Interesse der Gläu­biger, wenn mehr die gegebenen wirtschaftlichen Tatsachen ins Auge gefaßt würden, als wenn auf der gutgläubigen Erfüllung der Anleihe­verträge bestanden würde.

Ohne hiermit die Anleihegrundlagen berühren zu wollen, gibt die deutsche Regierung den Gläubi­gern hierbei zu bedenken, daß der Zinsfuß der D a w e s - A n l e i h e nominell 7 v. H. beträgt, die reale Zinshöhe unter der Berücksichtigung der durch die Preissenkungen in der Zeit von 1924 bis 1934 eingetretenen Kaufkraftsteigerung für die Gläubiger trotz der Währungsentwertung heute beträgt (Zah­len in Klammern sind die entsprechenden Zahlen für die nominell 5,50 v. H. Young-Anleihe des Jahres 1930): In den Vereinigten Staaten 11,39 (7,88) v. H., in England 11,79 (7,41) v. H., in Frankreich 8,01 (7,00) v. H., in Holland 8,47 (8,47) o/H-, in der Schweiz (Pfund) 8,58 (Schweizer Franken) 12,59 (8,47) v. H., in Italien 12,24 (8,71) v H. Für Deutschland beträgt die reale Zins­last bei Zugrundelegung der Preise für die Aus­fuhr, deren Erlös zur Beschaffung der Devisen für den Anleihedienst dient, durchschnittlich 9,8 v. H. (9 v. H.). Angesichts der Ungerechtigkeit, die in dem Bestehen auf so hohen Zinssätzen läge, während die

London, 15. Juni. (DNB.) Schatzkanzler Chamberlain teilte im Unterhaus zum deut­schen Transfermoratorium mit, daß die britische Regierung demnächst eine Gesetzesvorlage einbringen wird, um der Regierung zu ermöglichen, ein englisch-deutsches Clearingamt zu errichten, daß sie jedoch bereit ist, davon abzusehen, diese Vollmachten auszuüben, wenn eine befrie­digende Vereinbarung über eine billige Behandlung der britischen Bonds-Inhaber und den britischen Handel vor dem 1. Juli abgeschlossen werden kann.

Dazu wird in Berlin erklärt: Die deutsche Re­gierung ist zu Verhandlungen mit der englischen Regierung bereit. Sie muh es aber ablehnen, diese Verhandlungen unter dem Druck der Drohung mit einem Zwangsclearing zu führen. Die englische Regierung geht offenbar davon aus, daß Deutschland im Handelsverkehr mit England noch immer eine nicht unerhebliche Ak­tivität aufweist. Sie übersieht dabei aber, daß Deutschland gegenüber dem britischen Weltreich im ersten Vierteljahre 1934 mit 60 Millionen Mark passiv war. Schon dieses Verhältnis zeigt, daß durch ein Zwangsclearing die briti­schen handelsinteressen stärker in Mit­leidenschaft gezogen werden können, als die deutschen. Die deutsche Regierung ist jedenfalls entschlossen, jedes einseitige Vorgehen der englischen Regierung gegen die deutsche Aus­fuhr mit entsprechenden Gegenmaß­nahmen gegen die englische Einfuhr in Deutsch­land zu beantworten. Im Interesse des beiderseiti­gen Handelsverkehrs wäre es daher gelegen, wenn der Gedanke eines solchen einseitigen Vorgehens gegen die deutsche Ausfuhr nicht weiter ver­folgt würde.

Von allen Morgenblättern äußert sich am schärf­sten dieT i m e s", sie schreibt: Der Reichsbankprä- sident wandte sich anscheinend an das Inland, als er die Gründe für seine Handlungsweise darlegte, die für ausländische Ohren wenig Überzeugend wir­ken. Seine Verteidigung scheint zu sein, daß die Reparationen, die Tarife und die Einfuhrkontin­gente der Gläubigerländer sowie die Entwertungen der Währungen die Schuld daran tragen, daß

übrigen Anleihegläubiger sich schon feit einem Jahr mit wesentlich niedrigeren Zinsen abgefunden haben und nach dem von der Transferkonferenz behandel­ten Vorschlag, vorübergehend mit nichts und ein Jahr lana mit bestenfalls 2,4 v. H. Zinsen (40 v. H. ihres Anspruches) begnügen müssen, sollte überlegt werden, ob es wirklich zu verantworten ist, Kon­zessionen auch auf dem Gebiete der Reichsanleihen zu verweigern. Die deutsche Regierung würde Er­örterungen über etwa zu ergreifende Hilfsmaß. nahmen im Wege der Vereinbarung zusätz­lichen Absatzes deutscher Waren wenn vornherein Klarheit besteht, daß es sich da­bei um echte Zusatzwaren handelt begrüßen. Die deutsche Regierung gibt sich hierbei der Erwartung hin, daß Die Lage inzwischen nicht durch Zwangsmaßnahmen gegen die deutsche Aus­fuhr noch erschwert wird. Sie hat erfahren, daß in einzelnen Staaten der Gedanke erwogen werden soll, sich durch ein einseitiges Clearingverfahren oder ähnliche Zwangs­maßnahmen selbst bezahlt zu machen. Ein solches Vorgehen mühte sich binnen kurzem als vergeb- l i ch erweisen und zwangsläufig zu einer e r - neuten Schrumpfung des internationalen Handels führen und die Ansätze zur Belebung der Weltwirtschaft vernichten.

Deutschland keinen Ausfuhrüberschuß ansammeln kann. Zweifellos klinge dies überzeugend genug für das deutsche Publikum. Aber es lasse die wich- tige Tatsache beinahe unberührt, daß Deutschlands Wirtschaftspolitik planmäßig so gestaltet mor­gen sei, um einen Ausfuhrüberschuß un- möglich zu machen. Deutschland habe seit vielen Monaten seine eigene Außenschuld zu seyr günsti­gen Bedingungen zurückgekauft. Unter diesen Um» ständen erinnere die Verteidigung Dr. Schachts sehr an die Geschichte von dem Manne, der seinen Vater und seine Mutter ermordet hatte und vor Gericht um mildernde Umstände bat, weil er verwaist sei. Unter den besonderen Verhältnissen der Weltkrise würde kein vernünftiger Mensch die Nei­gung verspürt haben, Deutschland für einen teil­weisen Zahlungsverzug zu tadeln, wenn Deutsch­land gleichzeitig die Bereitschaft gezeigt hätte, alles mögliche zu tun, um zahlungsfähig zu bleiben. Jetzt, wo die Zahlungsoevsäumnis tatsächlich einge­treten sei, sei es klar, daß eine Aktion unternom­men werden müsse, sei es durch eine Clearing-Ver­einbarung ober durch irgendwelche anderen Maß­nahmen, um die Lebensbelange der britischen Gläu­biger zu verteidigen.

News Chronicle" bezweifelt die Zweck- m ä ß i g k e i t eines Clearing-Systems, indem sie darauf hinweist, daß daß Britische Reich in seiner Gesamtheit mehr an Deutshand Der« kaufe, als es kaufe, und ferner, daß die deutsch-englische Handelsbilanz neuerdings einen im­mer geringeren Saldo aufweist, aus dem die Gläu­biger entschädigt werden könnten.

Financial News" findet, ein Devifen-Clearing- System sollte nur eingerichtet werden, wenn jede andere Maßnahme erfolglos bleibe. Nur eine weit­gehende Aenderung der deutschen Wirtschaftspolitik könne das liebel beseitigen.Financial Times" spricht von Deutschlandsherausfordernder Hal­tung". Auch dieses Blatt bezweifelt, daß ein Clea- ring-System zweckmäßig wäre. Es gibt zu, daß die deutsche Finanzlage berücksichtigt werden müsse, fin­det aber, daß die anmaßende Behandlung der Gläu­biger nicht am Platze fei.Daily Expreß" gibt den Rat, keine Gegenmaßnahmen zu treffen, son­dern nur die Lehre aus dieser Erfahrung zu zie­hen, daß englische Gelder künftig nur in Unterneh­mungen des Britischen Reiches angelegt werden sollten.

Empfang der deutschen Kolonie Krakaus in den Räumen des Konsulats an.

Nach einem Essen, das der Wojewode von Krakau zu Ehren des Reichsministers gab, traten Dr. Goeb­bels und seine Begleiter den Rückflug nach B e r I i n an. Zum Abschied waren u. a. erschienen: der polnische Vizeaußenminister Szembeck und der deutsche Gesandte von M o l t k e. Auch eine Abordnung der beskidenländischen Deutschen hatte sich eingefunden. Dr. Goebbels traf gegen 19 Uhr von seiner Reise nach Polen wieder in Berlin ein. Gleich nach seiner Ankunft in Berlin richtete Reichs­minister Dr. Goebbels an den polnischen Mini­sterpräsidenten folgendes Telegramm:Soeben bei meiner Landung in Berlin erhalte ich die er- schütternde Nachricht von dem ruchlosen Attentat, dem der Minister des Innern Pieracki zum Opfer gefallen ist. Ich bitte Ew. Exzellenz, den Aus- druck meiner aufrichtigen Teilnahme entgegennehmen zu wollen.

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Reichsaußenminister Freiherr von Neu­rath hat aus Venedig an den polnischen Außen­minister Beck folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Tief erschüttert durch die Nachricht von dem ver- brecherischen Anschlag, dem Exzellenz Pieracki zum Opfer gefallen ist, spreche ich Ihnen zugleich im Namen der Reichs regierung aufrich­tige Teilnahme an der Trauer um den schweren Verlust aus, den die polnische Nation erlitten hat."

Zwei Todesurteile im Horst-Weffel-Prozeß.

Berlin, 15. Juni. (DRV.) Im horsl-Wessel- Prozeh wurde am Freitagnachmittag unter großer Spannung folgendes Urteil verkündet:

Die Angeklagten Sally Epstein und Hans Ziegler werden wegen Mordes zum Tode und zu lebenslänglichem Ehrverlust ver­urteilt. Der Angeklagte Stott erhält wegen Beihilfe zum Morde ZVz Jahre Zucht­haus und 10 Jahre Ehrverlust.

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In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende des Berliner Schwurgerichtes u. a. aus: Durch das Ergebnis der Beweisaufnahme ist fest- gestellt, daß sich die Angeklagten Epstein und Zieg- ler im Sinne der Anklage des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht haben. Das Gericht konnte keine Rücksicht auf die Strafen nehmen, die das Gericht während des ersten Horst-Weffel-Prozesses im Jahre 1930 verhängt hatte. Wir hatten, so er­klärte der Vorsitzende, nach dem Eindruck zu ur­teilen, den uns diese viertägige Verhandlung ver­mittelt hat. Sämtlichen Teilnehmern der Aktion war bekannt, daß sich der Ueberfall gegen den Sturmführer Horst Wessel richtete. Horst Wessel war es gelungen, der Kommune in diesem Bezirk erheblichen Abbruch zu tun. Es war 'hm möglich, eine große Anzahl Kommunisten auf seine Seite zu ziehen und seinen Sturm 5 zu einer machtvollen Abteilung zu machen. Während die Bevölkerung gewöhnt war, bei Schalmeienklängen einen Umzug des Roten Frontkämpferbundes zu vermuten, stellte Horst Wessel selbst eine solche Ka­pelle auf und zog sodann an der Spitze feines Sturms durch die Gegend, die damals der Haupt- Herd der kommunistischen Partei war. Diese Er­folge brachten ihm einen außerordentlichen Haß bei den Kommuni st en ein, der sich in Drohbriefen und Ueberfällen entlud. Man wollte durchaus dasStudentlein", wie man ihn nannte, beseitigen. Die Mittäter an der Bluttat b i l - ligten den Entschluß 211 i Höhlers, auf Horst Wessel zu schießen, und sind daher d e s M o r- des schuldig. Epstein stand vor dem Mordhaus Schmiere", Ziegler begleitete die Haupttäter in das Haus. Auch bei dem Angeklagten Stoll hat das Gericht lange geschwankt, ob es ihn nicht auch als Mittäter ansehen sollte. Wenn das Gericht ihn nur der Beihilfe als schuldig erachtete, so des­halb, weil er das gefährliche Treiben des Roten Frontkämpferbundes noch nicht lange kannte und weil ihm nicht widerlegt werden konnte, daß er die Tat der übrigen lediglich unterstützen wollte. Im Strafmaß ist bei Stoll berücksichtigt worden, daß er aus Not, aus Arbeitslosigkeit in die kom­munistischen Kreise geriet. Andererseits durfte die Strafe angesichts der Schwere der Tat nicht milder ausfallen. Die Angeklagten folgten der Urteils­begründung völlig zusammengebrvchen und wei­nend.

Meine politische Nachrichten.

Das Sammelverbvt des Reichsjugend­führers gilt nicht für die am 16. und 17. Juni einmalig stattfindende Sammlung des VDA. Ebenso wird der Verkauf des Abzeichens zum Fest der Hitler-Jugend (23. Juni) nicht von dem Verbot betroffen. Im übrigen wird die Hitler- Jugend für keinerlei Sammlungen mehr eingesetzt.

Bischof Dr. O b e r h e i d hat auf Antrag einen längeren Urlaub angetreten. Seine Tätigkeit in der Reichskirchenregierung dürfte damit beendigt sein.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck dehnt sich weiter nach Osten aus, so daß sein Höchststand für unser Gebiet erreicht sein dürfte. Vorläufig besteht das heitere und trockene Wetter noch fort, jedoch werden später die Ostwinde über Süden auf Westen drehen und Be­wölkung herbeiführen, zumal sich schon bei Jsland ein Tiefdruckgebiet bemerkbar macht.

Aussichten für Sonntag: Vorwiegend heiter, tagsüber heiß, nachts kühl, trocken.

Lufttemperaturen am 15. Juni: mittags 82 Grad Celsius, abends 14,3 Grad; am 16. Juni: morgens 13,6 Grad. Maximum 23,6 Grad, Minimum 5,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Juni: abends 22,7 Grad; am 16. Juni: morgens 16,8 Grad. Sonnenscheindauer 9,7 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. D.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11000. Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange. K.G.. sämtlich in Gießen.

Der polnische Innenminister einem Revolveranschlag znm Opfer gefallen.

Warschau, 15. Juni. (DRV.) Am Freitag, um 15.30 Uhr, wurden auf dem polnischen In­nenminister Pieracki in dem Augenblick, als er das Haus Rr. 3 in der Foksalstrahe betreten wollte, von einem Attentäter drei Schüsse abgegeben. Innenminister Pieracki wurde am Kopf schwer ver­letzt und ist im Militärlazarett, wohin er nach dem Attentat übergeführt wurde, seinen Verletzungen e r- legen. Der Minister war im Begriff, das Haus in der Foksalstrahe zu betreten, um hier, wie ge­wöhnlich, in den Gesellschaftsräumen des Klubs des Regierungsblocks das Mittagsmahl ein­zunehmen. In dem Augenblick, als ihm der Portier das hauslor öffnete, trat ein junger Mann von hinten an ihn heran und gab aus einem Re­volver drei Schüsse ab. Zwei Schüsse tra­fen den Minister am hinterkops so schwer, daß er bewußtlos in das Militärlazarett übergeführt wer­den muhte. Der Täter, ein kleiner, schmächtiger junger Mann, ergriff unmittelbar nach Abgabe der Schüsse die Flucht und konnte n o ch n i ch t f e st - genommen werden; die Polizei ist ihm aber auf der Spur. Auf der Flucht hat der Täter einen ihn verfolgenden Polizeibeamten durch einen Revolver­schuh verletzt.

Innenminister Pieracki, der im Jahre 1895 geboren wurde, war eines der hervorragendsten Mitglieder des Regierungsblockes und gehörte z u dem engsten Kreis um Marschall Pil- s u d s k i, zu der sog. Obersten-Gruppe. Als ehe­maliger Legionär-Offizier erlangte Pieracki den Militärgrad eines Obersten im polnischen General­stab. Im Jahre 1928 ist er als einer der Spitzen­kandidaten des Regierungsblocks in den Sejm ge­wählt worden. Seit vielen Jahren gehört Pieracki als mahgebliches Mitglied der Regierung an.

Die Regierungspresse veröffentlicht umfangreiche Aufsätze, in denen das Leben und die Wirksamkeit

des ermordeten Ministers gewürdigt werden. Die Blätter der Regierung fordern, falls notwendig, rücksichtsloses Durchgreifen, um jegliches Aufflam- men eines Terrors im Keime zu ersticken. Das B e - gräbnis findet auf Staatskosten und mit allen militärischen Ehren statt.

0er Täter festgenommen.

Warschau, 16. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Mann, der den Anschlag auf Innenminister Pie- racki ausführte, ist f e ft g e n o m m e n worden. In den Abendstunden des Freitag fanden Kund­gebungen des Pilfudfkifchen Strzelec und der Junglegion statt. Die jungen Leute zogen durch die Straßen und forderten in den Kaffee- und Gast­häusern zum Zeichen der Trauer die Einstellung musikalischer Darbietungen. Auch die Lichtspielhäuser wurden zum Teil geschlossen. Außerdem wurden die Fensterscheiben in den Redaktionen der national- demokratischen BlätterGazeta Warszawska",Kurjer Warszawski" undABC" zertrümmert. Das Lokal der radikalnationalen Organisation wurde von der Polizei geschlossen und versiegelt. Dr.Goebbels wieder in Berlin

Abstecher nach Arakan.

Berlin, 15. Juni. (DNB.) Reichsminister Dr, Goebbels ist am Freitag früh mit den Herren, die ihn nach Warschau begleitet hatten, nach Krakau geflogen, um dort unter Führung des polnischen Kunsthistorikers Dr. Grzybowski die Kultur- und Kunstdenkmäler der altehrwürdigen Königs­stadt zu besichtigen. Es wurden die Kathedrale am Wawel, das Königsschloß am Wawel, die Franzis­kanerkirche, die alte Universität mit der berühmten Jagellomfchen Bibliothek, das Nationalmuseum, die Ausstellung der orientalischen Teppiche und schließ­lich die Marienkirche besucht. Der Minister dankte dafür, daß ihm die Möglichkeit gegeben worden sei, eine der wichtigsten Kulturstätten Polens ken­nenzulernen. An diesen überaus gastfreundlichen Empfang Dr» Goebbels in Krakau schloß sich ein

Erregtes Echo in England.

Der Gchahkanzler droht mit einem Zwangsclearing für die deutsche Einfuhr