Weisse und gesunde Zähne
Der Transferauffchub für Auslandsschulden.
ßtne Jlofe der Reichsregierung kündigt auch die Einbeziehung der Reparationsanleihen in das Transfermoratorium an.
Berlin, IS. Juni. (DNB.) Die Note, die die Reichsregierung in den Hauptstädten der Länder hat überreichen lassen, in denen d i e Auslands- anleihen des Deutschen Reiches aufgelegt worden sind (Belgien, Frankreich, Großbrita- nien, Italien, Niederlande, Schweden, Schweiz, Vereinigte Staaten) weist daraus hin, daß die aus der letzten Konferenz vorgesehene Regelung der deut- schen Auslandsverschuldung zwar eine Atempause schafft, aber die Lösung des deutschen Transfer- Problems nach wie vor offen läßt. Die deutsche Regierung hält es im jetzigen Zeitpunkt für nütz- lich, darzulegen, wie das deutsche Transferproblem liegt.
Än den Jahren 1924 bis 1930 ist ausländi- fches Kapital von netto 18,2 Milliarden RM. nach Deutschland geflossen, das es instandsetzte, seine kommerzielle Auslands- schuld zu verzinsen, seinen Gold- und Devisenbestand um 2,1 Milliarden auf rund 3 Milliarden RM. zu erhöhen, die Reparationen von 10,3 Milliarden zu bezahlen und den Einfuhrüberschuß der deutschen Handelsbilanz auszugleichen.
Der Gegenwert des in dieser Zeil nach Deutschland geflossenen Auslandskapitals ist der deutschen Wirtschaft also nur etwa zur hälfte zugutegekommen. Während 10,3 Milliarden in Devisen für Reparationen verwandt wurden, also nicht in der deutschen Wirtschaft arbeiten konnten, mußte Deutschland die Last der Verzinsung der gesamten Auslandskredite übernehmen. Wenn der einzelne Anleiheschuldner auch den Reichsmarkgegenwert der geliehenen Dollars, Pfunde und Franken erhielt, fo muhte doch der den Reparationszahlungen entsprechende Betrag der Anleihen aus Mitteln des deutschen Steuerzahlers beschafft werden.
Es wird dann weiter dargelegt, daß angesichts des Fehlens der durch die Nachkriegsverträge fortgenommenen deutschen Kapitalanlagen im Auslande der deutsche Handel vor die Aufgabe gestellt wurde, Jahr für Jahr durch Forcierung der Ausfuhr und Verknappung der Einfuhr Devisen im Betrage von mehr als 600 Mill. Mark zur Verzinsung der Aus- landanleihen in Höhe von 10,3 Milliarden Mart Zu beschaffen. Dies war das System der Kommerzialisierung der Reparationen, das sich an das System der Fortnahme und lieber- eignung der deutschen Kapitalsubstanz anschloß. — Dieses System fand seinen unmittelbaren Ausdruck in den internationalen Anleihen, die eigens zur Finanzierung von Reparationen aufgelegt wurden. Der ausländische Kapitalist lieh sein Kapital an Deutschland. Dieses Kapital floß aber zur Hälfte den Reparationsgläubigern zu. Das eigentliche Problem, wie Deutschland die Anleihen verzinsen und zurückzahlen sollte, wurde der Zukunft überlassen.
Deutschland hat so gut wie die gesamte Gold - und Devisenreserve der Reichsbank (Ende 1930 wurde rund 3 Milliarden Mark) für diesen Zweck geopfert. Diese Reserve ist am 12. Juni 1934 bis auf 108,9 Mill. Mk. zusammengeschmolzen, also praktisch auf dem Nullpunkt angelangt. Die Notendeckung, die Ende 1930 56,2 vom Hundert betrug, macht heute noch 3,1 v. H. aus. Dabei ist der Notenumlauf infolge deflatorischer Maßnahmen um rund 1300 Mill. Mark auf 3486 Mill. Mark am 12. Juni 1934 zusammengeschrumpft. Deutschland hat in den Krisenjahren 1931, aber auch in den folgenden Jahren dem Run der Auslandsgläubiger standge- halten und sich erst unter dem Druck äußerster Devisenknappheit genötigt gesehen, zur Verteidigung von Währung und Wirtschaft einschränkende Trans- fermaßnahmen zu ergreifen.
Deutschland will seine Schulden bezahlen. Dies ist nur in dem Umfange möglich, als das Ausland, d. h. unter den heutigen Umständen praktisch die Gläubigerländer, zusätzliche Absatzmärkte öffnet. Dollen oder können die Gläubigerländer dies nicht, fo können sie nicht gleichzeitig das unmögliche Verlangen nach unverändertem Schuldentransfer stellen. Da fjoffr.ungtn auf die Mithilfe des Auslandes sich bisher nicht erfüllt haben und auch die Transferkonferenz die ihr gestellte Aufgabe nicht gelöst hat, muß die deutsche Regierung jetzt ihre Bemühungen, die Handels- und Devisenbilanz durch eigene Anstrengungen aktiv zu erhalten, verdoppeln. Sie sieht sich daher vor allem genötigt, die Einfuhr auf jede erdenkliche Weife zu drosseln, um wenigstens die lebensnotwendige Einfuhr bezahlen und, soweit irgend mög- lich, auch die Auslandsschulden weiter transferieren zu können. Die deutsche Regierung hofft, daß auf Grund der jetzt getroffenen Maßnahmen in absehbarer Zeit eia Transfer wieder möglich ist.
Im übrigen zahlt der deutsche Schuldner nach wie vor pünktlich in Reichsmark. Zahlungswille und Zahlungstreue stehen also außer Frage. Obgleich es sich nicht um einen säumigen Schuldner, sondern um ein wirtschaftliches Gesamtproblem handelt, dessen Lösung nicht von Deutschland allein abhängt, ist von den Gläubigervertretern beschlossen worden, die Frage der Reichsanleihen von der Erörterung auszuschließen, ähnlich wie auf früheren internationalen Konferenzen die Erörterung der Reparationen oder der politischen Schulden ausgeschlossen wurde, obwohl diese von Anfang an weltwirtschaftliche Probleme er st er Ordnung darstellten. Der jährliche Dienst dieser Reichsanleihen erfordert, ohne Tilgung, zurzeit allein rund 115 Millionen RM., d. h. mehr als den gesamten Devisen- und Goldbestand, über den die Reichsbank heute noch verfügt.
Da nach der Mitteilung der Reichsbank Devisen für den Dienst mittel- und langfristiger Ausländsanleihen irgendwelcher Art vom 1. Juli dieses Jahres ab bis auf weiteres nicht mehr zur Verfügung stehen, ist auch die Einbeziehung der Reichsanleihen in die vorgesehene Atempause unvermeidlich. Diese Einbeziehung entspräche auch dem eigentlichen Zweck, Deutschland durch diese
Atempause wieder transferfähig zu machen. Ls läge daher im Interesse der Gläubiger, wenn mehr die gegebenen wirtschaftlichen Tatsachen ins Auge gefaßt würden, als wenn auf der gutgläubigen Erfüllung der Anleiheverträge bestanden würde.
Ohne hiermit die Anleihegrundlagen berühren zu wollen, gibt die deutsche Regierung den Gläubigern hierbei zu bedenken, daß der Zinsfuß der D a w e s - A n l e i h e nominell 7 v. H. beträgt, die reale Zinshöhe unter der Berücksichtigung der durch die Preissenkungen in der Zeit von 1924 bis 1934 eingetretenen Kaufkraftsteigerung für die Gläubiger trotz der Währungsentwertung heute beträgt (Zahlen in Klammern sind die entsprechenden Zahlen für die nominell 5,50 v. H. Young-Anleihe des Jahres 1930): In den Vereinigten Staaten 11,39 (7,88) v. H., in England 11,79 (7,41) v. H., in Frankreich 8,01 (7,00) v. H., in Holland 8,47 (8,47) o/H-, in der Schweiz (Pfund) 8,58 (Schweizer Franken) 12,59 (8,47) v. H., in Italien 12,24 (8,71) v H. Für Deutschland beträgt die reale Zinslast bei Zugrundelegung der Preise für die Ausfuhr, deren Erlös zur Beschaffung der Devisen für den Anleihedienst dient, durchschnittlich 9,8 v. H. (9 v. H.). Angesichts der Ungerechtigkeit, die in dem Bestehen auf so hohen Zinssätzen läge, während die
London, 15. Juni. (DNB.) Schatzkanzler Chamberlain teilte im Unterhaus zum deutschen Transfermoratorium mit, daß die britische Regierung demnächst eine Gesetzesvorlage einbringen wird, um der Regierung zu ermöglichen, ein englisch-deutsches Clearingamt zu errichten, daß sie jedoch bereit ist, davon abzusehen, diese Vollmachten auszuüben, wenn eine befriedigende Vereinbarung über eine billige Behandlung der britischen Bonds-Inhaber und den britischen Handel vor dem 1. Juli abgeschlossen werden kann.
Dazu wird in Berlin erklärt: Die deutsche Regierung ist zu Verhandlungen mit der englischen Regierung bereit. Sie muh es aber ablehnen, diese Verhandlungen unter dem Druck der Drohung mit einem Zwangsclearing zu führen. Die englische Regierung geht offenbar davon aus, daß Deutschland im Handelsverkehr mit England noch immer eine nicht unerhebliche Aktivität aufweist. Sie übersieht dabei aber, daß Deutschland gegenüber dem britischen Weltreich im ersten Vierteljahre 1934 mit 60 Millionen Mark passiv war. Schon dieses Verhältnis zeigt, daß durch ein Zwangsclearing die britischen handelsinteressen stärker in Mitleidenschaft gezogen werden können, als die deutschen. Die deutsche Regierung ist jedenfalls entschlossen, jedes einseitige Vorgehen der englischen Regierung gegen die deutsche Ausfuhr mit entsprechenden Gegenmaßnahmen gegen die englische Einfuhr in Deutschland zu beantworten. Im Interesse des beiderseitigen Handelsverkehrs wäre es daher gelegen, wenn der Gedanke eines solchen einseitigen Vorgehens gegen die deutsche Ausfuhr nicht weiter verfolgt würde.
Von allen Morgenblättern äußert sich am schärfsten die „T i m e s", sie schreibt: Der Reichsbankprä- sident wandte sich anscheinend an das Inland, als er die Gründe für seine Handlungsweise darlegte, die für ausländische Ohren wenig Überzeugend wirken. Seine Verteidigung scheint zu sein, daß die Reparationen, die Tarife und die Einfuhrkontingente der Gläubigerländer sowie die Entwertungen der Währungen die Schuld daran tragen, daß
übrigen Anleihegläubiger sich schon feit einem Jahr mit wesentlich niedrigeren Zinsen abgefunden haben und nach dem von der Transferkonferenz behandelten Vorschlag, vorübergehend mit nichts und ein Jahr lana mit bestenfalls 2,4 v. H. Zinsen (40 v. H. ihres Anspruches) begnügen müssen, sollte überlegt werden, ob es wirklich zu verantworten ist, Konzessionen auch auf dem Gebiete der Reichsanleihen zu verweigern. Die deutsche Regierung würde Erörterungen über etwa zu ergreifende Hilfsmaß. nahmen im Wege der Vereinbarung zusätzlichen Absatzes deutscher Waren — wenn vornherein Klarheit besteht, daß es sich dabei um echte Zusatzwaren handelt — begrüßen. Die deutsche Regierung gibt sich hierbei der Erwartung hin, daß Die Lage inzwischen nicht durch Zwangsmaßnahmen gegen die deutsche Ausfuhr noch erschwert wird. Sie hat erfahren, daß in einzelnen Staaten der Gedanke erwogen werden soll, sich durch ein einseitiges Clearingverfahren oder ähnliche Zwangsmaßnahmen selbst bezahlt zu machen. Ein solches Vorgehen mühte sich binnen kurzem als vergeb- l i ch erweisen und zwangsläufig zu einer e r - neuten Schrumpfung des internationalen Handels führen und die Ansätze zur Belebung der Weltwirtschaft vernichten.
Deutschland keinen Ausfuhrüberschuß ansammeln kann. Zweifellos klinge dies überzeugend genug für das deutsche Publikum. Aber es lasse die wich- tige Tatsache beinahe unberührt, daß Deutschlands Wirtschaftspolitik planmäßig so gestaltet morgen sei, um einen Ausfuhrüberschuß un- möglich zu machen. Deutschland habe seit vielen Monaten seine eigene Außenschuld zu seyr günstigen Bedingungen zurückgekauft. Unter diesen Um» ständen erinnere die Verteidigung Dr. Schachts sehr an die Geschichte von dem Manne, der seinen Vater und seine Mutter ermordet hatte und vor Gericht um mildernde Umstände bat, weil er verwaist sei. Unter den besonderen Verhältnissen der Weltkrise würde kein vernünftiger Mensch die Neigung verspürt haben, Deutschland für einen teilweisen Zahlungsverzug zu tadeln, wenn Deutschland gleichzeitig die Bereitschaft gezeigt hätte, alles mögliche zu tun, um zahlungsfähig zu bleiben. Jetzt, wo die Zahlungsoevsäumnis tatsächlich eingetreten sei, sei es klar, daß eine Aktion unternommen werden müsse, sei es durch eine Clearing-Vereinbarung ober durch irgendwelche anderen Maßnahmen, um die Lebensbelange der britischen Gläubiger zu verteidigen.
„News Chronicle" bezweifelt die Zweck- m ä ß i g k e i t eines Clearing-Systems, indem sie darauf hinweist, daß daß Britische Reich in seiner Gesamtheit mehr an Deutshand Der« kaufe, als es kaufe, und ferner, daß die deutsch-englische Handelsbilanz neuerdings einen immer geringeren Saldo aufweist, aus dem die Gläubiger entschädigt werden könnten.
„Financial News" findet, ein Devifen-Clearing- System sollte nur eingerichtet werden, wenn jede andere Maßnahme erfolglos bleibe. Nur eine weitgehende Aenderung der deutschen Wirtschaftspolitik könne das liebel beseitigen. „Financial Times" spricht von Deutschlands „herausfordernder Haltung". Auch dieses Blatt bezweifelt, daß ein Clea- ring-System zweckmäßig wäre. Es gibt zu, daß die deutsche Finanzlage berücksichtigt werden müsse, findet aber, daß die anmaßende Behandlung der Gläubiger nicht am Platze fei. — „Daily Expreß" gibt den Rat, keine Gegenmaßnahmen zu treffen, sondern nur die Lehre aus dieser Erfahrung zu ziehen, daß englische Gelder künftig nur in Unternehmungen des Britischen Reiches angelegt werden sollten.
Empfang der deutschen Kolonie Krakaus in den Räumen des Konsulats an.
Nach einem Essen, das der Wojewode von Krakau zu Ehren des Reichsministers gab, traten Dr. Goebbels und seine Begleiter den Rückflug nach B e r I i n an. Zum Abschied waren u. a. erschienen: der polnische Vizeaußenminister Szembeck und der deutsche Gesandte von M o l t k e. Auch eine Abordnung der beskidenländischen Deutschen hatte sich eingefunden. Dr. Goebbels traf gegen 19 Uhr von seiner Reise nach Polen wieder in Berlin ein. Gleich nach seiner Ankunft in Berlin richtete Reichsminister Dr. Goebbels an den polnischen Ministerpräsidenten folgendes Telegramm: „Soeben bei meiner Landung in Berlin erhalte ich die er- schütternde Nachricht von dem ruchlosen Attentat, dem der Minister des Innern Pieracki zum Opfer gefallen ist. Ich bitte Ew. Exzellenz, den Aus- druck meiner aufrichtigen Teilnahme entgegennehmen zu wollen.
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Reichsaußenminister Freiherr von Neurath hat aus Venedig an den polnischen Außenminister Beck folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Tief erschüttert durch die Nachricht von dem ver- brecherischen Anschlag, dem Exzellenz Pieracki zum Opfer gefallen ist, spreche ich Ihnen zugleich im Namen der Reichs regierung aufrichtige Teilnahme an der Trauer um den schweren Verlust aus, den die polnische Nation erlitten hat."
Zwei Todesurteile im Horst-Weffel-Prozeß.
Berlin, 15. Juni. (DRV.) Im horsl-Wessel- Prozeh wurde am Freitagnachmittag unter großer Spannung folgendes Urteil verkündet:
Die Angeklagten Sally Epstein und Hans Ziegler werden wegen Mordes zum Tode und zu lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte Stott erhält wegen Beihilfe zum Morde ZVz Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust.
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In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende des Berliner Schwurgerichtes u. a. aus: Durch das Ergebnis der Beweisaufnahme ist fest- gestellt, daß sich die Angeklagten Epstein und Zieg- ler im Sinne der Anklage des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht haben. Das Gericht konnte keine Rücksicht auf die Strafen nehmen, die das Gericht während des ersten Horst-Weffel-Prozesses im Jahre 1930 verhängt hatte. Wir hatten, so erklärte der Vorsitzende, nach dem Eindruck zu urteilen, den uns diese viertägige Verhandlung vermittelt hat. Sämtlichen Teilnehmern der Aktion war bekannt, daß sich der Ueberfall gegen den Sturmführer Horst Wessel richtete. Horst Wessel war es gelungen, der Kommune in diesem Bezirk erheblichen Abbruch zu tun. Es war 'hm möglich, eine große Anzahl Kommunisten auf seine Seite zu ziehen und seinen Sturm 5 zu einer machtvollen Abteilung zu machen. Während die Bevölkerung gewöhnt war, bei Schalmeienklängen einen Umzug des Roten Frontkämpferbundes zu vermuten, stellte Horst Wessel selbst eine solche Kapelle auf und zog sodann an der Spitze feines Sturms durch die Gegend, die damals der Haupt- Herd der kommunistischen Partei war. Diese Erfolge brachten ihm einen außerordentlichen Haß bei den Kommuni st en ein, der sich in Drohbriefen und Ueberfällen entlud. Man wollte durchaus das „Studentlein", wie man ihn nannte, beseitigen. Die Mittäter an der Bluttat b i l - ligten den Entschluß 211 i Höhlers, auf Horst Wessel zu schießen, und sind daher d e s M o r- des schuldig. Epstein stand vor dem Mordhaus „Schmiere", Ziegler begleitete die Haupttäter in das Haus. Auch bei dem Angeklagten Stoll hat das Gericht lange geschwankt, ob es ihn nicht auch als Mittäter ansehen sollte. Wenn das Gericht ihn nur der Beihilfe als schuldig erachtete, so deshalb, weil er das gefährliche Treiben des Roten Frontkämpferbundes noch nicht lange kannte und weil ihm nicht widerlegt werden konnte, daß er die Tat der übrigen lediglich unterstützen wollte. Im Strafmaß ist bei Stoll berücksichtigt worden, daß er aus Not, aus Arbeitslosigkeit in die kommunistischen Kreise geriet. Andererseits durfte die Strafe angesichts der Schwere der Tat nicht milder ausfallen. — Die Angeklagten folgten der Urteilsbegründung völlig zusammengebrvchen und weinend.
Meine politische Nachrichten.
Das Sammelverbvt des Reichsjugendführers gilt nicht für die am 16. und 17. Juni einmalig stattfindende Sammlung des VDA. Ebenso wird der Verkauf des Abzeichens zum Fest der Hitler-Jugend (23. Juni) nicht von dem Verbot betroffen. Im übrigen wird die Hitler- Jugend für keinerlei Sammlungen mehr eingesetzt.
Bischof Dr. O b e r h e i d hat auf Antrag einen längeren Urlaub angetreten. Seine Tätigkeit in der Reichskirchenregierung dürfte damit beendigt sein.
Wettervoraussage.
Der hohe Druck dehnt sich weiter nach Osten aus, so daß sein Höchststand für unser Gebiet erreicht sein dürfte. Vorläufig besteht das heitere und trockene Wetter noch fort, jedoch werden später die Ostwinde über Süden auf Westen drehen und Bewölkung herbeiführen, zumal sich schon bei Jsland ein Tiefdruckgebiet bemerkbar macht.
Aussichten für Sonntag: Vorwiegend heiter, tagsüber heiß, nachts kühl, trocken.
Lufttemperaturen am 15. Juni: mittags 82 Grad Celsius, abends 14,3 Grad; am 16. Juni: morgens 13,6 Grad. Maximum 23,6 Grad, Minimum 5,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Juni: abends 22,7 Grad; am 16. Juni: morgens 16,8 Grad. — Sonnenscheindauer 9,7 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. D.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11000. Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange. K.G.. sämtlich in Gießen.
Der polnische Innenminister einem Revolveranschlag znm Opfer gefallen.
Warschau, 15. Juni. (DRV.) Am Freitag, um 15.30 Uhr, wurden auf dem polnischen Innenminister Pieracki in dem Augenblick, als er das Haus Rr. 3 in der Foksalstrahe betreten wollte, von einem Attentäter drei Schüsse abgegeben. Innenminister Pieracki wurde am Kopf schwer verletzt und ist im Militärlazarett, wohin er nach dem Attentat übergeführt wurde, seinen Verletzungen e r- legen. Der Minister war im Begriff, das Haus in der Foksalstrahe zu betreten, um hier, wie gewöhnlich, in den Gesellschaftsräumen des Klubs des Regierungsblocks das Mittagsmahl einzunehmen. In dem Augenblick, als ihm der Portier das hauslor öffnete, trat ein junger Mann von hinten an ihn heran und gab aus einem Revolver drei Schüsse ab. Zwei Schüsse trafen den Minister am hinterkops so schwer, daß er bewußtlos in das Militärlazarett übergeführt werden muhte. Der Täter, ein kleiner, schmächtiger junger Mann, ergriff unmittelbar nach Abgabe der Schüsse die Flucht und konnte n o ch n i ch t f e st - genommen werden; die Polizei ist ihm aber auf der Spur. Auf der Flucht hat der Täter einen ihn verfolgenden Polizeibeamten durch einen Revolverschuh verletzt.
Innenminister Pieracki, der im Jahre 1895 geboren wurde, war eines der hervorragendsten Mitglieder des Regierungsblockes und gehörte z u dem engsten Kreis um Marschall Pil- s u d s k i, zu der sog. Obersten-Gruppe. Als ehemaliger Legionär-Offizier erlangte Pieracki den Militärgrad eines Obersten im polnischen Generalstab. Im Jahre 1928 ist er als einer der Spitzenkandidaten des Regierungsblocks in den Sejm gewählt worden. Seit vielen Jahren gehört Pieracki als mahgebliches Mitglied der Regierung an.
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Die Regierungspresse veröffentlicht umfangreiche Aufsätze, in denen das Leben und die Wirksamkeit
des ermordeten Ministers gewürdigt werden. Die Blätter der Regierung fordern, falls notwendig, rücksichtsloses Durchgreifen, um jegliches Aufflam- men eines Terrors im Keime zu ersticken. Das B e - gräbnis findet auf Staatskosten und mit allen militärischen Ehren statt.
0er Täter festgenommen.
Warschau, 16. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Mann, der den Anschlag auf Innenminister Pie- racki ausführte, ist f e ft g e n o m m e n worden. In den Abendstunden des Freitag fanden Kundgebungen des Pilfudfkifchen Strzelec und der Junglegion statt. Die jungen Leute zogen durch die Straßen und forderten in den Kaffee- und Gasthäusern zum Zeichen der Trauer die Einstellung musikalischer Darbietungen. Auch die Lichtspielhäuser wurden zum Teil geschlossen. Außerdem wurden die Fensterscheiben in den Redaktionen der national- demokratischen Blätter „Gazeta Warszawska", „Kurjer Warszawski" und „ABC" zertrümmert. Das Lokal der radikalnationalen Organisation wurde von der Polizei geschlossen und versiegelt. Dr.Goebbels wieder in Berlin
Abstecher nach Arakan.
Berlin, 15. Juni. (DNB.) Reichsminister Dr, Goebbels ist am Freitag früh mit den Herren, die ihn nach Warschau begleitet hatten, nach Krakau geflogen, um dort unter Führung des polnischen Kunsthistorikers Dr. Grzybowski die Kultur- und Kunstdenkmäler der altehrwürdigen Königsstadt zu besichtigen. Es wurden die Kathedrale am Wawel, das Königsschloß am Wawel, die Franziskanerkirche, die alte Universität mit der berühmten Jagellomfchen Bibliothek, das Nationalmuseum, die Ausstellung der orientalischen Teppiche und schließlich die Marienkirche besucht. Der Minister dankte dafür, daß ihm die Möglichkeit gegeben worden sei, eine der wichtigsten Kulturstätten Polens kennenzulernen. An diesen überaus gastfreundlichen Empfang Dr» Goebbels in Krakau schloß sich ein
Erregtes Echo in England.
Der Gchahkanzler droht mit einem Zwangsclearing für die deutsche Einfuhr


