IM0 Zweites Blatt
Gletzener Anzeiger (General-Anzetger für Oberhefseit/
Zreitag, lb. Februar (934
„Nieder mit Metternich!"
Wiener lievolutionstage im Jahre 1848.
Im Jahre 1848» mar Wien an die Spitze der politischen Bewegung in Oestereich getreten. Am 13. März brachen Unruhen aus, die zum Sturze Metternichs und zur Gewährung einer Verfassung durch Kaiser Ferdinand!. führten. Die Unzufriedenheit mit den erlangten Errungenschaften verursachte im Monat Mai eine revolutionäre Bewegung, die im Oktober zu einer förmlichen Revolution ausartete. Die Erhebung der Arbeiterschaft nahm in jener Zeit Formen an, die mit dem heutigen marxistischen Aufstand in Oesterreich eine gewisse Aehnlichkeit haben.
„Fort mrt dem verknöcherten System!"
„Am Sonntag", so berichtet ein Augenzeuge über die Wiener Unruhen am 14. März 1848, „war noch alles in tiefstem Frieden. Nur unter den gebildeteren Ständen waren in den letzten Tagen Demonstrationen vorbereitet worden, so daß gestern morgen von früh an in der Nähe des Landhauses in der Herrenstraße, Wallnerstraße, auf dem Kohlmarkt, auf dem Minoritenplatze und der Freiung alles gedrängt von Menschen stand. Einzelne Gruppen bewegten sich auf dem Josephsplatze am Graben und namentlich vor dem Palais Metternich s. Ich hieß einen Zufall, der mich in die Herrenstraße führte, willkommen und so wurde ich halb freiwillig, halb unfreiwillig, mit in den Hof des Landhauses gezogen, wo die Bewegung ihren Mittelpunkt hatte. Ein junger Mann hielt eine öffentliche Ansprache, und er wurde auf die Schultern gehoben, um besser verstanden und gesehen zu werden. Er ermahnte mit ruhigen Worten zur Ruhe und Besonnenheit und verlangte, daß man die Wünsche des gesamten österreichischen Volkes den Ständen dringend ans Herz legen solle. Die Rede wurde mit lang anhaltenden Beifallrufen ausgenommen. Die Programmpunkte, die das Volk aufgestellt hatte, waren: Öffentlichkeit des Staatshaushaltes, Vertretung aller Stände auf einem gemeinschaftlichen Reichstage der gesamten österreichischen Monarchie, Vertretung des Volkes beim Deutschen Bunde, vollkommene Preßfreiheit, Freiheit und Gleichheit aller Kulte, öffentliches Gerichtsverfahren und Geschworenengerichte und Verantwortlichkeit der zu erwählenden Minister." „Viele Beamte", so fährt der zeitgenössische Berichterstatter in seiner Schilderung fort, „die von den Fenstern herab Zeugen waren, bekundeten durch lautes Klatschen ihre Zustimmung. Es traten nun nacheinander noch verschiedene Redner aus, die dieselben Wünsche aussprachen, meist junge Mediziner und Juristen. Man sandte eine Deputation in den Ständesaal hinauf, um das Programm vorzutragen. Eine Stunde wollte man auf die Antwort warten. Mittlerweile betrat ein junger Mann die Rednertribüne, zu welcher man eine Art von Schilderhaus gemacht hatte und las eine glühende Rede vor. Die Rode war energisch und voller Kraft. Sie berührte mit den schlagendsten Worten alles, was zu berühren ist und führte immer wieder darauf hin, daß es nur ein Mann sei, von dem alles Unheil herrühre. Der Eindruck war ein ungeheurer.
Als ein anderer Redner offen aussprach, daß man aus Absetzung des Staatsmannes dringen solle, von dem das verknöcherte Sy st em ausgehe, erhob sich stürmischer Beifall. Hierauf langes Pfeifen und Rufen: „Nieder mit Metternich!" Alles strömte ins Palais, und als im ersten Stock irgend jemand eine Fensterscheibe zerbrach, war das Zeichen zu sofortiger Zerstörung sämtlicher nur erreichbarer Scheiben gegeben."
Die ersten Toten.
Ich machte nochmals wiederholte Versuche, herauszukommen", so schildert der Augenzeuge die Situation, „aber vergeblich. Man hatte mittlerweile den Ballhausplatz gesperrt. Inzwischen waren auch Leute aus den untersten Klassen zusammengekommen, und die Jugend aus diesen Klassen zertrümmerte dem Landhause gegenüber die Tafeln für Anschlagszettel, auch ein Schilderhaus sank in Trümmer. Im Hofe des Landhauses ahnte man noch nichts, als man plötzlich vom Minoritenplatze herauf ohne vorherige Verwarnung auf d a s V o l k feuerte. Man gab dreimal Feuer, worauf ich Gelegenheit fand, aus dem Landhause wegzukommen, wo man im Hofe das Pflaster ausriß und sich verteidigen wollte. Ich zählte neun Erschossene, meist Studenten, auch einen alten Herrn. Am Hof, wo das Hofkriegsratsgebäude und das Bürgerzeughaus ist, hatte sich inzwischen ebenfalls alles gefüllt, und man wollte das Zeughaus erstürmen, um die Bürger zu bewaffnen. Ich war nicht selbst zugegen, aber Bekannte erzählten mir, es sei ein fürchterlicher Anblick gewesen, als die Kürassiere eingehauen und niedergeschlagen hätten, was sie konnten. Ich sah viele Tote und Verwundete hinwegtraten, einem alten Manne mit ganz weißem Haar war der Kopf durch und durch gespalten. Am Judenplatz fuhr man gegen den Hof hin Wagen in die engen Straßen, warf sie um und füllte sie mit Steinen, die zufällig aufgeschichtet lagen, um sich auf diese Weise etwas zu verbarrikadieren. Das Militär drang jedoch bald durch und schoß und hieb auf dem Judenplatze abermals drein.
Kanonen werden aufgefahren.
Alle Geschäfte in der ganzen Stadt waren längst geschlossen. Auf dem Stephansplatze und an noch mehreren Plätzen waren Kanonen aufgefahren. In der Kärntner Straße wurde ebenfalls geschossen. Es muß viel Blut geflossen fein. Das Volk zerstörte alles, was an kaiserlichen Gebäuden zu zerstören war. Im Laurenzer Gebäude, wo die Zensur ist, am Polizeihause, am Hohen Markte, warf man die Fenster im Nu ein, zerbrach die Eisenstäbe an den Fenstern und warf die Statue der Justitia herunter. Als es vollkommen finster war, erhellten sich alle Fenster in der ganzen Stadt mit Lichtern, es war wie ein Freudenfest. Fürchterliches Gebrüll der aufs höchste gereizten Massen fortwährend. Schießen immer noch von Zeit zu Zeit.
Auch in den Vororten waren an allen öffentlichen Gebäuden die Fenster eingeworfen, an mehreren Orten auf dem Glacis die Bäume umgebrochen und das Gesträuch niedergebrannt. Metternichs Villa auf der Landstraße war vollkommen verwüstet. An der Maria-Hilfer-Linie waren Polizei- und Zollhaus niedergebrannt, lieber» all in der Stadt waren die fürchterlichsten Verheerungen angerichtet worden. Endlich um neun Uhr verkündete ein Offizier der Bürgergarde, Metternich fei abgefetzt und gleichzeitig schlug man eine Proklamation an, die dahin lautete, daß sofort sämtliche Burger und Studenten bewaffnet werden sollten, um an Stelle des Militärs die Ruhe und Sicherheit herzustellen. Darauf beruhigte sich der Tumult.
Die Ruhe sollte nicht lange anhalten. Obwohl Metternich gestürzt war, war die Arbeiterschaft mit den erlangten Errungenschaften unzufrieden. So flackerte die Revolution nach einiger Zeit wieder auf. Als die österreichische Regierung die Arbeiterlöhne herabsetzte, kam es Ende August neuerlich zu Unruhen, die im Oktober zu einer förmlichen Revolution ausarteten.
„Armes,verblendeiesWien.."
Der 23. August des Jahres 1848 war feit den März-Tagen wieder der erste blutige Tag im Revolutionskalender. Die Arbeiter gaben durch schwere Mißhandlung einzelner Sicherheitswachen, die in ihre Hände fielen, das Signal zum Angriff. Den Hauptanstoß verursachte eine von den Arbeitern beabsichtigte symbolische Grablegung des Arbeitsministers, die in der feierlichen Bestattung eines Popanzes mit einem Fünf-Kreuzer- stück im Mund und dem Zettel „Der Fünf-Kreuzer- Dieb" bestehen und mit einem Umzuge in der Stadt verbunden sein sollte. Als die herbeieilende Sicherheitswache einschreiten wollte, kam es sofort zu einem Zusammenstoß. Die scharf geschliffenen Grabscheite und eisenbeschlagenen Stangen, welche die Arbeiter bei sich trugen, bewiesen, daß sie für jeden Fall gerüstet waren. Die durch Alarmtrommeln herbeigerufene Nationalgarde fand die Arbeiter bereits im vollen Kampfe mit der Sicherheitswache.
In der Stadt hatte sich inzwischen eine Panik verbreitet. Alles stob auseinander, Fiaker und Equipagen ergriffen buchstäblich die Flucht und die Kaufläden wurden schleunigst geschlossen, da sich das Gerücht verbreitet hatte, die Arbeiter hätten es auf einen Ueberfall der Stadt und auf Plünde
rung abgesehen. Die drohende Haltung der Arbeiter war inzwischen zu tätlichen Angriffen übergegangen, wobei sich besonders Frauen auszeichneten. Es wurde nicht nur von den Arbeitswerkzeugen Gebrauch gemacht, sondern die Nationalgarde wurde auch von einem fürchterlichen Stein-
Gedenket der hungernden Vögel!
Hagel überschüttet. Aus mehreren Hinterhalten fielen Schüsse. Nach fruchtlosen Ermahnungen eröffnete die Nationalgarde, ohne erst einen Befehl abzuwarten, das Feuer. Die Arbeiter hatten zahlreiche Tote und Verwundete, aber auch bei der Nationalgarde gab es mehrere Schwerverletzte...
„In den jüngsten Tagen ist in Wien Blut geflossen. Armes, verblendetes Wien, in welcher argen Selbsttäuschung warst du befangen und wie wenig glaubtest du den Propheten, die dir von einem schweren Erwachen nach wahnsinnigen Träumen sprachen!" Diese Sätze könnten heute geschrieben worden sein. In Wirklichkeit finden wir sie wörtlich in einem Bericht, der vom 9. Sepetmber 1848 datiert ist. Dr. F. D.
Oie Giraßenkämpfe in Wien.
I
Oben: Die Siedlung Sandleiten bei Wien wo sich der Schutzbund verschanzt und den an* drängenden Regierungstruppen erbitterten Widerstand entgegengesetzt hatte. — Unten: Stacheldrahtverhaue im Wiener Zentrum.
„Wilhelm Tell" als Film.
Lichtspielhaus.
Die klassische Gestaltung des Stoffes ist für uns im Schlllerfchen Schauspiel niedergelegt: das wird immer seine Gültigkeit behalten, und es ist gut, von hier aus den Film zu betrachten und zu würdigen, den die Terra unter dem Protektorat von Hanns I o h st geschaffen hat. Johst, der Dramatiker und Dramaturg, schrieb auch das Drehbuch, gemeinsam mit dem Spielleiter Heinz Paul, der sich als Regisseur einiger großen Kriegsfilme für diese Aufgabe qualifiziert hat.
Der Film nennt sich im Untertitel „Das Frei- heitckdrama eines Volkes", und obgleich es in der Szenenführung von dem uns allen geläufigen Aufbau der fünf Akte Schillers abweicht, sind doch die geschichtlichen Voraussetzungen, der ideelle Gehalt und die handlungsmäßigen Grundzüge der Fabel hier wie dort die gleichen. Entscheidend ist, von der ersten bis zur letzten Szene des Drehbuches, der Uebergang vom Wort zum Bild. Die Hersteller des Films haben ihre große Chance, die einzige, die ihnen angesichts des fast erdrückenden dichterischen Vorbildes in die Hand gegeben war, instinktiv begriffen und genutzt: die unbegrenzten Möglichkeiten des freien und weiten Raumes.
Es ist bei einem Stoff wie dem „Tell" unzweifelhaft die ideale Lösung eines Problems, mit dem Schiller schwer gekämpft hat, wenn man die Handlung aus der bühnenmäßig allenthalben hemmenden Enge einer unzulänglichen Kulissenwelt in die großartig-natürliche Szenerie einer echten Schweizerlandschaft verlegen kann.
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Der „Natureingang" des Films ist für die Gesamtbehandlung des Stoffes charakteristisch: hier formt sich aus Bergen und Wolken, aus See und Alm, aus Sturzbach und Ackerfeld ein wirkliches, weites und malerisches Bild des Schauplatzes, in das die Gestalten, einzeln, in Gruppen und in Massen, alsbald organisch, maßstäblich und natürlich sich einfügen. Das gilt für den ganzen Film wie für gewisse dramaturgische Einzelheiten.
Als Beispiele können gerade die Szenen und Szenengruppen gelten, die das Schauspiel natur- notwendig indirekt darstellen mußte. Die Baumgarten-Episode mit Gewalttat, Flucht, Verfolgung und Rettung über den See wird auf diese Weise dramatisch ungemein wirksam, zumal sich der freibeweglichen Kamera nirgends nennenswerte Schwierigkeiten entgegenstellen. (Ueberhaupt scheint Uns grade dieser Film mit seinen naheliegenden Devgleichsmö glich ketten außerordentlich lehrreich wirb
anschaulich für eine grundsätzliche Gegenüberstellung der Gesetzmäßigkeiten und der Arbeitstechnik des Dramatikers und des Filmschöpfers.)
Weiter die Melchthal-Szeneru hier kommt u. E. der Film in feiner grausigen Realistik allerdings bis hart an die Grenzen des Möglichen heran. Auch der Rütli-Schwur kann, wie wir glauben, den Vergleich mit dem Drama nicht aushalten: er besteht nur aus einigen wenigen Sätzen; die berühmtesten Verse „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern" sind wörtlich als Abschluß des ganzen Films ins letzte Bild übernommen.
Höchst eindrucksvoll und szenisch geschickt gelöst erscheint dagegen wiederum die Apfelschuß-Szene, die eine freie und große Entfaltung gestattete, während sie auf der Bühne oft genug von der räumlich zusammengedrängten Masse Volkes empfindlich beeinträchtigt wird. Ebenso die anschließende Szene auf dem Schiff im Gewitter, die regiemäßig und aufnahmetechnisch eine ausgezeichnete Leistung dar- stellt. An der Kamera stand Sepp A 11 g e i e r, dem die übrigens durchweg vorzügliche Photographie des Films zu verdanken ist.
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Attinghausen und Rudenz fehlen ganz. Dagegen bot der Zwingburgenbau und zuletzt die Berennung und Erstürmung von Zwinguri dem Regisseur wieder große und lohnende Aufgaben. Wie die Fabel im Bild vereinfacht und veranschaulicht wird, so scheint im Film auch die Handlung selbst einheitlicher — ohne die scharfe Scheidung in Einzel- und Massen-Aktion. Die „hohle Gasse" (vom berühmten Monolog zu schweigen) wirkt naturgemäß im Film minder grundsätzlich und eher episodisch; Vorbereitung und Motivierung des Schusses werden ausschließlich mit szenisch-mimischen Mitteln dargestellt.
Aber diese Vereinfachung, die zugleich eine gewisse Vereinheitlichung bedeutet, den geschichtlichen Vorgang als gemeinsames Schicksal und gemeinsame Handlung auffaßt und gestaltet, kommt einer Verwirklichung des Leitmotivs „Freiheitsdrama eines Volkes" naturgemäß sehr entgegen.
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Zu den bereits geschilderten Vorzügen des Films muß ferner die in jeder Hinsicht große und instinkt- sicher zusammengestellte Besetzung gerechnet werden; sie kommt allenthalben eindrucksvoll zur Geltung, obwohl der Filmstil mit seiner betonten Sparsamkeit an dialektischen Ausdrucksmitteln natürlich der Mehrzahl der Darsteller von vornherein gewisse Beschränkungen auferlegt.
Hans Marr ist der Tell: schon äußerlich eine 1 höchst angemessene Erscheinung; breit, wuchtig, männlich und ernst, wortkarg und ehrlich; ein Mann des Volkes und ein Mann der Freiheit. Ihm gegen
über Conrad Veidt, den man sehr lange nicht gesehen hat, als Geßler; Veidt spielt den Landvogt knapp und kalt, mit herrischer Schärfe und Bestimmtheit, abej auch mit Klugheit und Geschmack, jeden Anklang an den auf der Bühne oft genug peinlich wirkenden schleichenden Theaterbösewicht oder gar den augenrollenden und brüllenden „gemalten Wüterich" vermeidend.
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Theodor Loos ist ein würdiger und besonnener Stauffacher, Franziska K i n z eine leidenschaftliche Stauffacherin; Klöpfer, fast stumm, gibt mit großer Leidensgebärde den alten Melchthal. Emmy Sonnemann (Hedwig), Olaf Bach (Melchthal), Maly D e l s ch a f t, Käthe Haack, Carl de V o g t, Werner Schott und Friedrich Ettel seien von den übrigen genannt.
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Der Film „Wilhelm Tell" läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Das Beiprogramm bringt u. a. hübsche Bilder aus München zwischen Herbst und Winter und den Vorspann zu einem großen Para- mount-Film „Revolution der Jugend". —r—
Uraufführung
im frankfurter Schauspielhaus.
Das Frankfurter Schauspielhaus brachte die deutsche Uebersetzung des Legendenspiels „Gräfin Cathleen" von W. P e a t s zur Uraufführung. Das Stück des irischen Nationaldichters ist von hohem sittlichen und künstlerischen Wert. Ganz im Stil der alten Moralitäten, deren allzu naive Allegorien er klug umgeht, erzählt Pectts, wie die Gräfin Cathleen ihre Seele den Dämonen verkauft, um ihr hungerndes Volk vor Not und Tod zu retten, und wie Gott sie aufnimmt in fein Reich um ihrer Barmherzigkeit willen. Es geschieht nicht viel in diesem kurzen Drama, das in der dichterischen Schönheit seines Wortes ganz auf Lyrik gestellt ist und sich viel eher als ein lyrisches Zwiegespräch gestalten denn als Drama spielen läßt. Aber eben diese zarte Seele der Dichtung nimmt den Hörer gefangen, und gläubig folgt man den Vorgängen des Mysterienspiels, das sich vor unseren Ohren mehr als vor unseren Augen entwickelt.
Richard Salzmann hat mit Bedacht der blu- menhaften Dichtung Bühnenleben eingehaucht. Er geht vom Dichterwort aus, läßt es ganz sich auswirken, bringt die Melodie der bildhaften Sprache zum Klingen, hüllt alles in das mystische Licht eines zarten Halbdunkels, in dem die feinen Bühnenbilder Ludwig Sieverts sich eindrucksvoll abheben, die Gestalten der Gräfin, des Dichters, der Bauern und der Dämonen märchenhaft, fast
schemenhaft erscheinen. Bruno Hartl hat eine dis Stimmung klug untermalende, sich nie vordrängends Begleitmusik geschrieben, die das Mystische zu stärkster Intensität steigert. Wundervoll zarte Töne, ganz von innen her, findet Luise ©lau für die Gräfin Cathleen — eine schauspielerische Leistung von großer Geschlossenheit. Werner S i e g e r t als Dichter dürfte um eine Nuance lyrischer, verträumter, zarter sein. Scharf Umrissen sind die Dämonen Paul Verhoevens und Franz Schneiders. In den kleineren Rollen: Robert Taube als geldgieriger Bauer, Renee S t o b r a w a als gütige Amme, E. v. K l i p p st e i n als prachtvoll sprechender Engel. Das Publikum war sichtlich gepackt.
Vor Beginn der Ausführung verkündete Chefdramaturg B e t h g e , daß die Stadt Frankfurt dem Dichter P e a t 5 aus Anlaß der Reichsuraufführung der „Gräfin Cathleen" die Gvetheplaketts verliehen habe. Vr.
Dankbarkeit.
Mitten im Getümmel der Seeschlacht von Trafalgar, während die Kugeln über das Deck fegten und das Holz zersplitterte, fand ein Matrose noch genügend Zeit, sich auf dem Kopf zu kratzen, weil es ihm eben dort juckte. Auf einmal holte er bedächtig zwischen Daumen und Zeigefinger an einem Haar ein kleines Tierchen heraus, das ihm auf den Boden fiel. Als er sich niederbückte, um ihn endgültig den Garaus zu machen, ging eine feindliche Kanonenkugel unmittelbar über feinen Rücken und schlug in das benachbarte Schiff eine große Bresche. Da überkam dem Mattosen ein Gefühl tiefster Dankbarkeit. Ihm war gewiß, daß ihn diese Kugel völlig zerschmettert hätte, wenn er sich nicht nach dem Tierchen gebückt hätte. Sv hob er es schonend auf seinen Kopf: „Weil Du mir das Leben gerettet hast, soll es auch Dir erhalten bleiben; aber laß Dich nicht zum zweiten Mal erwischen, bann erkenne ich Dich nimmer."
Sochschulnackrichten.
Professor Dr. R. Werner, Extraordinarius für Chirurgie und Leiter der Klinischen Abteilung am Institut für experimentelle Krebsforschung in Heidelberg, wurde zum Direktor des Krebsforschungsinstituts in Brünn (Tschechoslowakei) berufen.
Professor Dr. E. Lang, Ordinarius für landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Königsberg, hat einen Ruf an die Technffchß Hochschule in München abgelehnt.
Der Innsbrucker Ordinarius für Katechetik, Liturgik und Homiletik, Professor Dr. theoL Tt, ©älterer, wurde in den Ruhestand versetzt.


