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Das Rätsel einer Frühlingsnacht Vornan von Gert Gothberg.

Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Verlag, Halle, Saale

(Nachdruck verboten.)

Er st es Kapitel.

Ein solches Gewitter wie das soeben niedergehende hatte der alte Kastellan von Schloß Härtlingen noch nicht erlebt, und er war doch schon sechsundsiebzig Jahre alt.

Mit der Windlaterne ging er von Zimmer zu Zimmer, um nachzusehen, daß auch alle Fenster gut geschlossen waren. Und wieder erhellte ein blauer Blitz ringsum das einsame Schloß; ein donnerndes Krachen folgte.

Gormann steckte den Kopf durch das Fenster.

Es würde doch nicht in eines der Seitengebäude eingeschlagen haben?

Nein! In ein Gebäude nicht! Doch die große, schöne Eiche, unter der der Herr Graf mit Vorliebe saß, die war vom Blitz getroffen worden. Unheim­lich wirkte es, wie am starken Leib des Riesen der Feuerstreifen heruntersauste.

In diesem Augenblick setzte ein Platzregen ein, der jede weitere Gefahr, die nun von dem getroffenen, schönen Baum ausging, verdrängte.

Der Alte in schneeweißem Haar schloß das Fenster nun wieder und ging weiter immer weiter.

Seine von einem Fenster zum andern huschende Laterne war das Licht, das ringsum die» Bewohner der Dörfer jeden Abend sehen konnten, und von dem sie sagten, jetzt spuke es wieder in Schloß Härt­lingen.

Nun, Gormann?"

In der Tür stand der Graf.

Gormann verneigte sich tief und sagte:

Herr Graf! Das Gewitter zerstört den Park. Die alte Eiche hat schon daran glauben müssen!"

Recht so, Gormann! Nichts darf übrigbleiben von dem, was mir lieb und teuer war."

Dem Alten zitterten die Knie. Angstvoll blickte er auf den Gebieter; dessen schönes, düsteres Gesicht war ihm noch immer zugewandt.

Weißt du, Gormann! Manchmal mache ich mir Vorwürfe! Du bringst deine letzten Tage hier in diesem unheimlichen Schlosse mit mir zusammen zu. Weshalb bleibst du eigentlich? Und deine gute Frau würde sicherlich auch lieber bei der Tochter wohnen?"

Nein, Herr Graf! Wir beide würden den Boden unter den Füßen verlieren, wenn wir hier fort müßten. Wir haben Jahre voll Sonne und Glück hier verlebt nun verlassen wir den Herrn Grafen auch im Unglück nicht."

Gormann schüttelte mit dem Kopfe und mur­melte:

Er ist jetzt achtunddreihig Jahre alt. Wie kann

er nur dieses Leben ertragen, er, der große, schöne Mensch? Er trauert noch immer um die Frau! Um diese Frau! Und ich darf doch nichts sagen ich darf es nicht! Ich nehme ihm ja dann noch den letzten Glauben."

Unten stand der Graf eine Weile unschlüssig in der runden Halle. Noch immer blitzte und donnerte es, aber es war doch schon stark herabgemindert. Nur der Regen strömte noch mit voller Wucht vom Him­mel, und die Bäume bogen sich ächzend im Sturm.

Heber der Lehne des großen Lehnstuhls lag noch der Wettermantel, den er vorhin achtlos dort hin- geworfen. Er nahm ihn jetzt an sich, hing ihn um. Dann ging er schnell hinaus.

Und während er draußen durch Nacht und Sturm und Regen schritt, rüttelte die Vergangenheit an ihm.

Eine Gewitternacht wie die eben erlebte.

Er war in die Hauptstadt gefahren, um an einer großen, landwirtschaftlichen Sitzung teilzunehmen.

Und als er heimkam, bezwungen von einer wahnsinnigen Sehnsucht nach seiner jungen Frau, da teilte man ihm mit, daß sie ertrunken sei. Drüben im See, bei einer ihrer geliebten Nuderpartien.

Stumm und starr hatte er dann an der Leiche gestanden. Sein Schmerz war übergroß und konnte sich nicht durch eine einzige Träne erleichtern. Man hatte für seinen Verstand gefürchtet. Wenn wenig­stens Venjo Holm dagewesen wäre! Venjo Holm, sein einziger, bester Freund!

Kurz zuvor war er abgereift, nachdem er wieder einmal einige Wochen in Schloß Härtlingen zuge­bracht hatte. Der Maler war mit unbekanntem Ziel abgereist. Er wollte schreiben, wenn er irgendwo für ein Weilchen festsaß. Er besaß ein schönes Gut in der Mark, das er einmal von irgendeinem reichen Onkel geerbt hatte, wo er aber auch selten genug sich aufhielk. Er konnte nirgends seßhaft werden, der elegante Frauenliebling. Dabei war er ein lieber, aufrichtiger Kerl, und er, Graf Rudolf Härtlingen, hatte sich ihn auf einer Weltreise zum Freund er­koren. Und diese Freundschaft bestand jahrelang. Es war ein Fest für beide, wenn sie sich nach langer Trennung wieder einmal sahen. Meist wurde eine gemeinsame Reise verabredet. Dann verlebte man frohe Stunden in anregender Gesellschaft. Man war auch leichtsinnig! Warum sollte man es denn nicht sein? Und es gab so viele schöne Frauen.

So lebte man eben das Leben eines reichen Man­nes. Man war ja niemandem Rechenschaft schuldig.

Dann kam seine Heirat!

Seine große, alles beiseite werfende Liebe zu Lelia Schwarzkoppen.

Sie erwiderte seine Liebe, und kurze Zeit darauf schon war sie seine Frau!

Vielleicht vergaß er in seinem Glück auch den Freund? Wahrscheinlich war es eine Zeitlang so gewesen.

Venjo Holm beschwerte sich nicht. Er schwieg nur.

Im Speisezimmer von Schloß Härtlingen hing ein wundersames Gemälde.

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Die Meisterhand Venjo Holms hatte es gemalt.

Lelia hatte das Bild einmal sinnend gemustert. Plötzlicb hatte sie gesagt:

Ich möchte den Mann, der so etwas Schönes schaffen kann, wohl einmal kennenlernen."

Er war froh, daß nun Venjo Holm wieder einmal nach Härtlingen kommen konnte. Er hatte eigentlich geglaubt, seine Frau sei eifersüchtig auf diesen Freund und die Stunden, die sie in lustiger Gesell­schaft miteinander verlebt. Wenigstens hatte er ein­mal den Eindruck gehabt, als er Lelia von Venjo erzählte. Nun war es ihm sehr recht, daß Lelia den Freund kennenlernen wollte. Er wollte ihn also bitten, wieder einige- Wochen in Härtlingen zu ver­bringen, wie er es früher, wenn sie nicht reisen wollten, gehalten hatte.

Und Venjo Holm kam!

Er, Härtlingen, war sehr neugierig, was der Freund zu der jungen schönen Herrin von Schloß Härtlingen sagen würde!

Doch es war merkwürdig. Venjo zuckte zusammen, verbeugte sich tief und murmelte etwas vonunver­antwortlich, das Glück in Schloß Härtlingen als ein Fremder, ein Eindringling stören zu wollen".

Hellauf klang Lelias Lachen; ihr schönes Gesicht war von einem leisen Rot übergossen.

Sie stören nicht Sie, der beste Freund meines Mannes! Er hat mir ja so viel von Ihnen erzählt."

Das waren Sommertage voll schönster Harmonie. Venjo aber wachte mit geradezu auffälliger Sorgfalt darüber, daß er nie mit Lelia allein war.

Er, der Gatte, hatte gedacht:

Lieber, treuer Kerl du! Du fürchtest dich vor dir selbst? Bist ja nicht umsonst der gefährliche Don Juan, und hier willst du es eben nicht fein.

Eines Tages ritten sie hinaus auf die Felder. Lelia hatte leichte Kopfschmerzen und war daheim geblieben.

Wie gefällt dir meine Frau?"

Die Frage war gefallen.

Venjo hatte starr geradeaus gesehen. Dann hatte er gesagt:

Es ist wohl die schönste Frau, die mir je im Leben begegnet ist."

Das will etwas heißen, Holm! Du bist verwöhnt. Wann wirst du heiraten? Kann mein Glück dich nicht locken, es mir nachzumachen?"

Kaum! Für Menschen, wie mich, ist es am besten, wenn sie frei bleiben."

Das mußt du am besten wissen. In Schloß Härt­lingen bist du jedenfalls immer willkommen."

Das weiß ich und ich danke dir!"

Er, Härtlingen, hatte den Freund heimlich be­obachtet. Wiederholt schon hatte der von seiner Ab­reise gesprochen. Aber er, der Schloßherr, hatte ihn immer wieder lachend zurückgehalten.

Jetzt schon? Dos wäre ... Du bleibst noch einige Wochen!"

Aber eines Tages war Venjo doch abgereift, und er hatte keine Zeile mehr geschrieben. Und dann

mar eben jener furchtbare Tag gekommen, der das Glück in Härtlingen zerstörte, der den Schloßherrn von Härtlingen zum verbitterten, mit Gott und aller Welt zerfallenen Einsiedler machte.

Der Tag, an dem Lelia ertrunken war!

Seine Gedanken hatten den Freund gesucht.

Warum konnte der nun nicht in dieser grenzen­losen Einsamkeit, diesem Schmerz, der wütend sein Herz zerfraß, bei ihm sein?

Kein Mensch wußte, wo er war. Und nach und nach ließ er es auch sein, nach ihm zu forschen. Viel­leicht hatte er auch ihn schon verloren, ohne daß er es wußte? Wie leicht konnte irgendein fremdes Land den Freund behalten haben? Vielleicht hielt eine Frau ihn fest? Oder konnte er nicht auch tot fein?

Drei Jahre war es nun her, daß das Furchtbare geschah. Drei lange, einsame Jahre!

Jahre voll wilden Schmerzes, wahnsinniger Sehn­sucht und der bittersten Vorwürfe; denn er hätte diese Gondelfahrten untersagen müssen.

Aber hätte er ihr denn je einen Wunsch versagt? Wenn Lelia ihn mit den schönen blauen Augen an­sah: ihr einen Wunsch versagen? Lelia Schwarz­koppen, die er in Bad Kissingen kennengelernt, und die dort den Mittelpunkt der Gesellschaft gebildet hatte.

Er liebte sie auf den ersten Blick!

Und er war bisher stets an Frauenschönheit vor­übergegangen, ohne den Wunsch zu hegen, diese oder jene möchte seine Frau werden. Geliebt hatte er. Vielleicht auch ein bißchen zu sehr das Leben durch­rast. Aber es war eben doch immer wieder ein vor­übergehendes Erleben gewesen, an das man wohl sehr gern zurückdenkt, das man aber keinesfalls wie- derholen würde, träfe man diese Frau noch einmal

Lelia!

Wie anders bei ihr!

Sofort war die rasende Sehnsucht in ihm gewesen, dieses Mädchen für sich zu gewinnen. Es zu heiraten.

Sie war mit ihrem Vater in Kissingen. Ein sehr gut aussehender, gepflegter Herr von ungefähr sechzig Jahren.

Man hielt die Schwarzkoppens allgemein für sehr reich.

Dem war aber nicht so. Er erfuhr es dann bald genug. Herr Guido Schwarzkoppen lieh sich Geld bet seinem zukünftigen Schwiegersohn. Mit der sorg­losen Bemerkung, es müsse jede Minute von daheim Geld eintreffen. Dabei war dieses Geld nie ge­kommen, denn der Herr Schwarzkoppen besaß kein Gut, wie Graf Härtlingen angenommen, sondern es stellte sich bald genug heraus, daß der alte Herr mit seiner schönen Tochter reifte und nur der Empfänger einer angemessenen Rente war, die ihm da irgendein Verwandter auszahlte.

Er, Härtlingen, hatte gelächelt.

Was gingen denn ihn die Geldverhältnisse des Herrn Schwarzkoppen an? Nichts! Gar nichts!

Er wollte Lelia!

(Fortsetzung folgt.)

Bekanntmachung!

Betrifft: Gründung der Elektto-Gas-Front Gründung der Elektro - Gas - Gemein­schaften.

QIm Mittwoch, 17. Januar 1934, um 15.30 Ahr findet im Saale der Wirtschaft Faulstich, Gießen, Bahnhofstraße 59, im Auftrag des Präsidenten und Treuhänders der Arbeit im Wirtschaftsgebiet Hessen Dr. Carl Lüer die Gründung der Elektro- Gas-Front für den Kreis Gießen und anschließend nach den Richtlinien des Aeichswirtschaftsmini- steriums vom 18. August 1933 die Gründung der Elektro-Gemeinschaft und der Gas-Gemeinschaft statt. In Gemeinschaft mit der Industrie- und Handelskammer Gießen als Beaufttagte des Präsidenten und Treuhänders der Arbeit laden wir hiermit die zugelassenen Installateure und den Fachhandel in unserem Versorgungsgebiet zu dieser Sitzung ein.

Gießen, am 15. Januar 1934.

Direktion der Elektrizität«!-, Gas- und Wasser-Werke sowie lleberlandanlage der Stadt Gießen.

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