293 Sechstes Blatt
Samstag, 15. Dezember 1934
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
eihnachismärchenzauber im Gießener Siadiiheaier
Bei peterchens Mondfahrt hinter und vor dem Bühnenvorhang
der
Bor dem Auftritt: Die Engelchen hören aufmerksam dem Märchenonkel Volck zu...
* el Iwssermann (Tank) wird zum Nöck verwandelt.
eiKtckliche Kinderwelt auch die herrliche Zeit der
Zeiten so. Wenn wir
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Das Sandm^mnchen stellt Peterchen, Anneliese und den Maikäfer Sumsemann der Nachtfee vor.
nacbniH
Zuschauerraum begeben, hat sich das Textbuch und
von hier aus
Festsaal der Nachtfee hat auch manche stunde, manchen Arbeitstag gekostet. Und
ini.fygen, wie froh chmrhg, wenn diese i |3-r immer mehr
Vorsitzt, von
nach auf
Arbeitswährend
und Ge-
dem Heimwege oder in den eigenen vier Wänden das unermüdliche und frohe Plappern und Erzählen des Kindes vHn all den guten und den bösen Erscheinungen des Märchens hört, wenn man sieht, wie tief sich der Eindruck in der Seele des kleinen Menschenkindes verankert hat, wie er selbst noch
wir des für auch
ntji) r Christkindgeschichten eMu.
sichtchen zu sehen.
Und wie glücklich fühlt man sich, wenn man einer solchen Märchenausführung im Theater
Hang hebt sich, genau so, wie über die Bühne
Märchenonkel
das Märchen beginnt und zwar es in der eigentlichen Vorstellung gehen soll.
Volck hat sich inzwischen in den
das Negiebuch mitgenommen und beobachtet nun den Verlauf der märchenhaften Er-
MäÄ^nonkel Volck versucht, den Weihnachtsmann und das Sandmännchen bei Onkel Keim in das rechte Licht zu setzen.
II dbi vor unserem geistigen Äuge wieder ersteht, |aw ruft liebevolle und sorgsame Mütter- und Va-
Wenn man so als Zuschauer während der stellung im Halbdunkel unseres Stadttheaters dann ' sieht sich das Weihnachtsmärchenspiel
Zwei Königinnen — Nachtfee und Sonnenkönigin — begrüßen sich.
im Traum des schlafenden kleinen Herrn oder kleinen Dame wirkt und lebendig ist!
Fürwahr, es ist eine köstliche Stunde, in die jetzt vor Weihnachten durch das Zauberreich Märchens versetzt werden, köstlich vor allem die Welt der Kinder, herrlich und schön aber für die Eltern ..
scheinungen auf der Bühne. Hin und wieder, wenn ihm etwas noch nicht ganz gefällt, wenn er die Beleuchtung etwas anders wünscht, dann meldet er sich, ruft mitten hinein in das Geschehen auf der Bühne, ruft dem Beleuchter irgend -etwas zu, bittet
Petestchm und Anneliese, von der Nachtfee herzlich willkommen geheißen.
Redaktion.
17 Uhr. st
Der liebevolle Nikolaus. (Er hat es nicht gemerkt, daß er soeben photographiert wurde.)
„Peterchens Mondfahrt" recht gemütlich und unterhaltsam an. Das Spiel geht so leicht und so lustig über die Bühne, daß der Zuschauer gar nicht groß auf den Gedanken kommt, daß mit einem Märchenspiel sehr viel Arbeit verbunden sein könnte. Wenn der Herr Intendant aber selbst sagt, daß die Aufführung der Oper „Der Freischütz" für die Bühnentechnik unseres Stadttheaters ein Kinderspiel zu nennen ist gegen die Schwierigkeiten, die mit der
und: sirren und Jubeln unserer Kinder.
Ulnöroenn wir nun gar mit eigenen Kindern, die rod', i den Lebensjahren stehen, da die Märchen- w. I i ren vollen, erquickenden Zauber auf sie ausübt, ' Ziuge von Märchenaufführungen sind, wie sie in Ms in Wochen wieder im Gießener Stadttheater für : ihm Kinderwelt gegeben werden, dann werden) att) uns Aelteren die Herzen warm und die 21 ii l|irüell und das Gesicht froh. Wir werden in
Freude bereiten wollen, die ihnen allen das Märchenspiel bringen soll.
Märchenonkel Volck — er ist der Regisseur — hat für Peterchens Mondfahrt die meisten Sorgen gehabt. Er ist fast so etwas wie der liebe Gott, denn er ist für alles, was auf feiner Himmelswiese, was im Festsaal der Nachtfee, beim Mondmann, kurzum auf der ganzen Bühne passiert, verantwortlich. Er muß dafür sorgen, daß bei der Äufführung alles klappt.
Was hatte allein schon Onkel Löffler alles zu bauen und zu malen!? Da mußten die Schäfchen gemacht werden, die auf der Himmelswiese weiden, da mußten die Sternchen, die die Engelskinder zu putzen haben, geschnitten werden; der schöne Muschelthron der Nachtfee ist sicherlich auch nicht leicht zu machen gewesen und die große Dekoration für den
Jetzt sei auch einmal kurz von der Hauptprobe die Rede, der aber schon verschiedene andere Proben vorausgegangen sind. Geraume Zeit vor der Hauptprobe, die meist am Tage vor der ersten Aufführung des Stückes stattfindet, herrscht auf der Bühne und in den einzelnen Stockwerken des Theaters eine rege Geschäftigkeit. Der fremde Gast, der sich zu solcher Zeit in das Theater verirrt, steht überall im Wege. Er wird sich zunächst schon einmal gar nicht recht heran getrauen, denn an der schweren eisernen Tür, die den Bühnenraum von den Geschäftsräumen des Theaters trennt, steht in drohenden Lettern das eindeutige „Zutritt verboten". Es muß erst irgend ein freundlicher Theatergeist kommen, der einen mit dem Einverständnis des Intendanten und auf eigene Rechnung und Gefahr auf die Bühne geleitet. Äber auch dann muß man noch aufpaffen, damit man nicht auf einmal einen derben Stoß erhält, wenn die Kulissen zurechtgestellt werden, daß man nicht über Stromleitungen und Seile fällt und nicht karamboliert mit denen, die hier vor einer solchen Hauptprobe alle Hände voll zu tun haben.
Der Vorhang ist noch geschlossen. Die Bühne ist aber auch jetzt schon so etwas wie ein Märchenreich. (Auch dann, wenn gar kein Märchen aufgeführt wird!) Da stehen die beiden großen Beleuchtungstürme mehrstöckig in den Ecken an der Rampe, und die Scheinwerfer, die daran beweglich befestigt sind, senden ihr buntes Licht in alle Ecken. Hoch oben über der Bühne ist viel Gestänge, an denen die
dieser Stimmung selbst wieder Kind mit unseren Kindern, wir können uns mit ganzem Herzen wieder hineinleben in den Zauber jener Märchen, die dem Kinde Inbegriff aller Schönheit und alles Glückes ist. Wie herzerquickend ist es, inmitten einer vor Freude bis zur höchsten Lebendigkeit aufgerührten Kinderschar zu sitzen, der freudigen Erregung und starken Spannung, die firb auf den kleinen Gesichtern widerspiegelt, zuzuschauen, wie andachtsvoll schon ist es aber auch, in dieser Stunde des Märchenglücks ein vor Rührung und seelischem
verschiedenen Vorhänge befestigt sind; da und dort stehen die bläulichen Kulissen, die das Märchenreich der Nachtfee darstellen sollen, auf der Bühne stehen auch die vielen einzelnen Dinge, die für Peterchens Mondfahrt gebraucht werden. Der große Bär steht stumm in seiner Ecke und ist wütend, weil er warten muß, das Fernrohr, mit dem man vom Himmel bis nach Gießen und sogar durch Mauern und in alle Fenster gucken kann, spreizt seine drei Beine, um ja recht sicher zu stehen. Die Himmelskanone, mit der Peterchen, Anneliese und Sumsemann zum Mondberg geschossen werden sollen, wartet darauf, in Funktion treten zu können. Die vielen Darsteller des Märchens haben sich inzwischen zurecht gemacht und ihre schönen Kostüme angezogen. In dem Orchesterraum vor der Bühne probt die Kapelle des Stadttheaters noch einmal alle schwierigen Teile der begleitenden Musik durch, und schließlich ertönt das Zeichen zum Beginn. Der Vor-
Aufführung eines Märchenspieles wie „Peterchens Mondfahrt" verbunden find, dann kann man es schon glauben, daß viel Arbeit zu leisten ist. Sicherlich habt ihr, liebe Kinder, die ihr das Märchenspiel schon gesehen habt oder noch sehen wollt, euch auch nicht allzu viele Gedanken gemacht über die Arbeit, die die Theaterleute leisten müssen, bis all .das, was in den festlichen Stunden während des Märchenfpiels im Stadttheater erlebt werden kann, zustandekommt.
Um so interessanter ist es sicherlich für euch, wenn ihr einmal — wenn auch nur im Geiste — hinter die Bühne geführt werdet. Die Bühne ist nämlich ein Reich für sich. Da ist natürlich nicht alles so wunderbar, wie es sich vom Zuschauerraum aus während eines Märchenspieles darbietet, schön ist es aber trotzdem, weil hier viele Menschen — jeder an seinem Platz — in herzlicher Gemeinschaft zusammenbelfen müssen, wenn sie den Kindern die
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Mitschwingen ganz in sich versunkenes kleines Menschenkind still zu beobachten und dann und wann das freudige Aufleuchten der blanken Augen den Hellen Schein der Freude auf dem kleinen
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orte mit mehr Berechtigung ange- in diesen Tagen und Wochen Kind. Wie strahlen die blan-
ipnoHen Märchen, da der Nikolaus, Frau Holle itft) F'le andere Gestalten der Weihnachtsmärchen lebendige Gestalt an-
Herr Löffler noch entwarf und malte, mußten schon andere geschickte Hände die Schere und die Nadel führen, um für alle die vielen Märchengestal- ten, die Sonnenkönigin, die Nachtfee, die Blitzhere und den Donnermann, für den Wassermann (uax.. u—a—a—ax), für die Begleiter der Sonnenkönigin und für den Maikäfer all die schönen Kleider anzufertigen. Dieder andere mußten sich den Kopf darüber zerbrechen, wie man der Anneliese und dem Peterchen das Fliegen beibringt, wie man sie fliegen läßt, wie man sie aus der großen Kanone zum Mondberg schießt und wie man die Schäfchen am besten auf die Himmelswiese schickt. Es war auch nicht leicht, zu zeigen, wie der Maikäfer Sumse- mannn mit Peterchen und Anneliese über Gießen und den Gleiberg hinweg zur Nachtfee fliegen. Das wollte alles wohl bedacht und ausprobiert fein.
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! Gnoenbringende Weihnachtszeit! Wohl niemals föilnt diese Wi w iiirdi werden, denn ifn i.filibüd auf das
Uh ter^cr 111 uns getan und bereiteten, und wenn wir elgmem- /vi b|nun juf unsere eigenen Kinder sehen, da wird ideSefüttert UU uns! b?jpelt freudig zumute in der Erinnerung an ulf n i'inbfein und in der Freude an dem Hoffen
lacht das kleine kindliche Ge- Zeit da ist und es von Tag , auf das große Ereignis des e.|lif5tag5 des Chriftuskindleins zugeht. In die- ntÄ^'chen vor dem schönen Weihnachtsfeste ist für
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( j r nßfi Err^ctissene gerade in diesen Wochen unsere Blicke
1 rüüiUits lenken auf unsere eigene Kindheit, wenn
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