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Heimat, Familie, Heimatzeitung

ein Begriff:

Die Zukunft Gießens.

Betrachtungen von -er Eisenbahn aus.

Habt ihr, verehrte Gießer, vor einigen Tagen den gellenden Pfiff der Locomotive gehört, welche ZUM erftenmale eurem Thore nahte? Habt ihr Alle begriffen, von welcher Bedeutung dieses Ereigniß für die Gestaltung dieser guten, harmlosen Stadt werden dürfte, wenn es vergönnt ist, den Schleier der Zukunft ein wenig zu lüften? Dieser Wasser­dampf, an und für sich ein nichtiges Object, gehört au den mächtigsten bewegenden Kräften, nur ihm haben wir den colossalen Aufschwung zu verdanken, dessen sich die I n d u st r i e und der Verkehr in der neuesten Zeit zu erfreuen haben. Mit Grund hat man diese Bahnen als die Adern des großen Netzes bezeichnet, welches das sociale Leben umfaßt, könnt ihr euch nicht daran betheiligen, so werdet ihr bei Seite liegen bleiben und in fortwährende Kleinstädterei versinken, was einen Rückgang in vielen Richtungen zur Folge haben muß. Ihr wollt den Fortschritt, die Bewegung, sie sind hier euch gewährt. Laßt sehen, was zu erwarten ist.

Für's Erste, wird dies die letzte großartige Baute sein, welche Gießen in seinen Mauern er- blickt. Die Staatsbauten, brachten bisher manchen Verdienst, sie werden aufhören, es fehlen die Mittel und überdieß hat man Gießen dasver­wöhnte Kind" unseres Landes geheißen, weil es stets mit besonderer Vorliebe von der Regierung mit solchen Unterstützungen bedacht wurde. Wir haben Gründe zu glauben, daß die Regierung die gewährten Hülfsmittel nicht mehr hier, sondern in anderer Richtung verwenden werde.

Für's Zweite wird die Vollendung der Eisenbahn unsere Emancipation von den Preißen einer Menge von Handelsartikeln werden. Man wird in 2 Stun­den in Frankfurt sein, seine Auswahl bei größeren Einkäufen treffen, besser und wohlfeiler kaufen und die Reisekosten überdieß damit gewonnen haben.

Die Universität wir sicher immer mehr schwinden. Ihre Studierfreiheit ist so groß, daß Niemand mehr genöthigt ist zu kommen, dagegen bestehen mancher­lei Reize ihr den Rücken zu kehren. Von den Haupt­punkten des Landes gelangt man nach dem male­rischen Heidelberg, woselbst die Lehrstühle in vieler Hinsicht besser besetzt sind, in kürzester Frist, es ist dort eben so billig wie hier. Mit der größeren Einheit Deutschlands werden ohnedieß die klei­neren Universitäten, durch den Partikularis- m u s entstanden, schwinden, die wissenschaftlichen Forschungen werden sich in Centralpunkten vereinigen, wie dies bei allen großen Nationen der Fall ist.

Es steht eine Organisation der Behörden bevor, welche die hiesige Beamtenüberladung beschränkt und mehr auf das flache Land zum Besten der Landbewohner vertheilt, welche nach den so oft ver­kündeten Gesetzen der Gleichheit, auch etwas genießen wollen, wofür sie Steuer zahlen. Alle Privilegien sollen schwinden. Die Häuser werden dann noch mehr im Preiße fallen, die Miethen werden sich bedeutend mindern.

Fragen wir: worin bestehen die HauptSinnahms- quellen unserer Stadt, so sind sie in Vorstehendem angegeben, verlieren wir sie oder gehen sie theil- weise ein, so müssen wir daran bei Zeiten denken, unsere Hülfsmittel zu ergänzen. Aber wodurch?

So wie jetzt der Einzelne untergeht, welcher nichts gelernt hat, so auch in größeren Kreisen. Wir müssen uns in größeren Schwung zu bringen und zu retten suchen vor dem Untergang in Kleinstädte­rei und Krähwinkelei, an welcher so viele Städte verschollen sind, welche früher glänzend standen, ehe sie von dem großen Schienenwege berührt wurden. Für den Fortschritt, die Nationalität, ist jener Weg ein großer Gewinn, aber unser Land, unsere Stadt wird dabei speciell Nichts gewinnen, sie wird an den Kosten reichlich Theil zu nehmen haben, welche ein höherer Zweck verlangt.

Wahrlich, die Prospective in die Zukunft ist schlecht! In einem zweiten Artikel wollen wir sehen, welche Mittel uns zu Gebote stehen gegen die drohende Gefahr.

Jahrgang 1750 10. Februar:

DEr berühmte Herr D. Taylor, welcher bereits den 3. Febr. allhier eintreffen wollen, muste sich selbigen Tag in Putzbach aufhalten, weil ihm ein Käsigen mit Instrumenten zwischen Frankfurt und dorten verlohren gegangen. Einige Niedermerlauer Bauren, welche das Käsigen gefunden und eröfnet, haben, nachdem sie nicht alles zu brauchen wüsten, dem Herrn Doctor dasselbe nebst einem Theil dessen, was darinnen war, wieder zugestellet. Ob ihm gleich 70 Ducaten, ein Ring mit Diamanten besezt u. Ä. g. daraus entwendet worden, so belohnete er doch den Überbringer des Rests mit 3 Ducaten, weil er seine meiste ungemein kostbar verfertigte Gläserne Augen annoch darin gründen. Den 4ten dieses langte er allhier an, nahm den Sten und 6ten ver­schiedene Operationen, welche vollkommen glücklich von statten giengen, in Gegenwart vieler Personen von vornehmem und geringem Stande vor und gieng den 6ten von hier weiter nach Cassel.

Hut getragen werden und die Hände frei bleiben könnten: so wird gebeten, davon mit Pemerkung des Preises und des Verkäufers Nahmen der Krie- gerschen Buchhandlung in Giesen bald möglichst Nachricht zu ertheilen, da Jemand der nur mit dem linken Ohr noch höret, und dazu gebrauchen will, darum verlegen ist. B.

Jahrgang 1820 20. Mal:

Bekanntmachung.

Dem mir mehrmals geäußerten Wunsche, auch aus meiner Fabricke einen recht guten rothen AB., ogenannten Thofbecke, in einzelnen Packeten kau­en zu können, suche ich dadurch zu entsprechen, daß ch jezt eine solche Sorte L 8 kr. pr. Packet, und 12 Packet für einen Thaler ober 90 kr. in vor­züglichster Qualität, wie sie gewiß noch nicht besser geliefert worden ist, verkaufe.

Militär-Kaserne am Seltersweg, wo es auch eine Stunde nach seiner Feldflüchtigkeit noch gesehen wurde, ein weibliches Eichhorn, das sehr zahm ist und auf den Ruf Hans hört. Bei seinem Da­vonlaufen trug es um seinen Hals ein braun leder­nes Halsbändchen mit dunkelbraunem ausgezacktem Tuch unterlegt und einem gelben Schnällchen und einem VA Zoll langen, aus Eisendrath gewundenen Kettenring versehen. Der Schwanz war dünnhaarig. Wer Hans an den, bei der Redaktion dieses Blatts zu erfragenden, Eigenthümer abliefert, erhält 36 Kreuzer, wer über feinen jetzigen Aufenthalt ge­nügende Auskunft giebt, 18 Kreuzer Belohnung.

Gießen den 27. Juli 1832.

Jahrgang 1832 3. November:

Der Unterzeichnete, welcher auf seiner Reise nach dem Rhein in hiesiger Stadt angekommen ist, wird

Jahrgang 1850 21. August:

Vermischte Nachrichten.

Programm

. Mr

festlichen (Eröffnung der (Eisenbahnskrecke bis Gießen.

Morgens 8 Uhr den 24. August: Ausrücken der Bürgerwehr nach dem provisorischen Stations-Ge­bäude, Uhr Empfang des ersten Bahnzuges und der mit ihm anlangenden Fremden unter Sal­ven der Bürgerwehr. 10 Uhr 50 Minuten Abgang des ersten Festzuges nach Marburg, woran die Bürgerwehr welche unterdessen die Waffen ab­gelegt hat Antheil nimmt. Rückkunft des Zuges Abends 61/a Uhr.

1850 4. September:

Jahrgang 1750 21. April:

Es ist uns ein kleines Büchlein zu Gesicht gekom­men / welches in diesem Jahre zu Lemgo bey Joh. Henr. Meyer in 8. auf 56. Seiten gedruckt worden / und folgenden Titul führet: Versuch wie bie Meteora bes Donners unb Blitzes / Item bes Aufsteigens der Dünste / ingleichen des Nordscheines aus elec- trischen Würkungen herzuleiten und zu erklären sind / entworfen und den Herrn Naturkündigern zur Prüfung vorgelegt von I. B. Dir thun desselben aus der Ursache hier Meldung / weil viele theils auf die Würkungen der Eledricität sehr neugierig sind / theils dieselbe als einen unnützen Zeitvertreib ver­spotten. Der Raum (äffet uns nicht zu / einen hinreichenden Auszug aus demselben zu machen: wir können aber nicht umhin / dieselbe sowohl der witzi­gen und der Gründlichkeit nahe kommenden Einfällen halber / als auch der muntern Schreibart wegen / den Liebhabern anzupreisen. Man findet darin eine wenigstens allen bisherigen an Wahrscheinlichkeit vorzuziehende Erklärung von dem Ursprünge des Donners unb Blitzes aus ber Electricität der Erd­kugel / als einer grossen Electrischen Maschine / unb den unelectrischen Wolken. Das Auftteigen der Dünste unb ihre Erhaltung in der Höhe wirb sehr artig auf bie Erfahrung reducirt / da ein electri- scher Stab die kleine Golbblättlein / welchen er erst seine Kraft mitgetheilet / von sich in bie Höhe wirft / und in einer gewissen Entfernung von sich erhält. Der Norbschein wirb von ber glänzenden und nicht günbenben Materie hergeleitet / bie sich um die elec- trische Kugel bey Nachtzeit sehen (äffet. So wenig man leugnen kann / daß bey verschiedenen Stellen bedenkliche Einwürfe übrig bleiben /so wenig kann man doch dem Verfasser den Ruhm absprechen / daß er mit einer guten Scharfsinnigkeit gedacht und geschrieben.

Jahrgang 1770 6. November:

Es ist in den hiesigen wöchentlichen Anzeigen vom Jahr 1766 gemeldet worden, daß sich in dem zwey Stunden von hier entlegenen Fürstl. Nassau- Weilburgischen Dorf Hörnsheim ein paar alte Ehe­leute fänden, welche damals albereit das 71te Jahr ihres Ehestandes bey noch guten Leibes- unb Ge- müthskräften angetreten hätten. Dieses seltene Paar würbe nun im Jahr 1767. burch ben Tob bes Mannes Caspar Zörken getrennet, welcher ben 4ten May starb, nachbem er fein Alter beyläufig auf 91 unb ein halb Jahr gebracht, unb von 9. Kinbern 42. Enkel unb 56 Urenkel mithin 107. Nachkömmlinge erlebt hatte. Die Frau aber, Ca­tharina, gebotene Köcherin, ist ben 21ten Merz bes jetzt laufenben 1700ten Jahres fast 94. Jahre alt unb Lebens satt gestorben, nachbem sich ihre Nach­kommenschaft immittelst auf 124 Personen gemehret hatte; von welchen an ihrem Sterbetage noch 80. am Leben waren. Beybe behielten ben Gebrauch ihrer Vernunft bis an bas Enbe.

Jahrgang 1795 26. September:

Bekanntmachung.

Nachbem bas Tabaksrauchen an gefährlichen Orten wie auch auf ben öffentlichen Strafen feit einiger Zeit roieber so sehr eingerissen ist, unb ver­schiebens Beschwerben barüber eingekommen, als wirb hierburch verorbnet: baß Niemanb an ge­fährlichen Orten unb auf ben öffentlichen Strafen weber bei Tag noch bei Nacht Tabak rauchen solle, gegenfalls ein solcher im Betrettungsfall in 1 Rthlr. Strafe genommen werben wirb.

Giessen ben 22ten September 1795.

Fürstl. Hess. Polizeideputation daselbst.

Jahrgang 1799 23. März:

Bekanntmachung.

Sollte eine Hör-Maschine, nach dem Vorschlag tm R. A. Nurn. 275. vom 26. Nov. 1798. pag. 3154. ff. zu Stande gekommen seyn, so daß solche auf dem

Heimaizeiiung zu sein, ist eine Ehre,

die verpflichtet! Von jedermann als Heimatzeitung empfunden un­anerkannt zu werden, bedingt Leistungen durch Geschlechterfolgen hindurch. Strikte Voraussetzung zu dieser ehrenden Anerkennung ist eine Tai!

Oie Tat ist die Summe der Leistungen einer Zeitung für Heimat und Volk. Oie Ehre muß erworben sein durch die Tat in Jahrzehnten und Jahrhunderten. Nur so wächst eine Heimatzeitung heran. Ihr Ehrenname wird nicht in derNedaktionsstube geprägt, nicht durch Werbung erreicht, sondern aus dem Volke heraus geboren. Nur so begründet die Heimatzeitung ihre enge Verbundenheit mit Heimat und Familie. Nur so sind im Verlaufe von fast zwei Jahrhunderten Heimat, Familie und Heimatzeitung zu einem Begriff geworden.

Um bie aus meiner Fabrick fommenbe Sorte von anbern ähnlichen unterscheiben zu können, mache ich noch bas Publikum barauf aufmerksam, baß bie« selbe sowohl im Wasserzeichen als auf bem Papier bie Etiquette Ludwig Heinrich Thorbecke führt.

Ein beliebiger Versuch ber Herren Rauchliebhaber wirb sie, wie ich mir schmeichle, balb von ber Aecht- heit biefer Sorte, ihres wohlfeilen Preises ohn- geachtet, überzeugen.

Giessen am 18ten Mai 1820.

Georg Philipp Gail.

Jahrgang 1820 16. Dezember:

Bekanntmachung.

Eine zahlreiche Gesellschaft aus Mitgliebern jeben Stanbes bahier ist übereingekommen, nach bem Beispiel in mehreren anberen Stäbten, bie lästige unb selbst ber Gesunbheit oft schäbliche Art ber Be­grüßung im Freyen, burch Hutabnehmen unb Ent­blößen bes Hauptes, unter sich abzustellen, unb nur burch Erheben ber Hanb gegen ben Hut, nach Art ber Militärs, zu grüßen.

Jnbem sie bas verehrte Publikum von biefer Uebereinfunft benachrichtiget, unb Jebermann Höft liehst bazu einlabet, schmeichelt sie sich, baß Niemanb in biefer Art zu grüßen, einen Mangel an Achtung, Aufmerksamkeit ober an Höflichkeit, finben werbe.

Giessen am löten Dec. 1820.

Jahrgang 1832 28. Juli:

Vermischte Bachrichten.

Mittwochs am 11. b. M., Mittags zwischen 11 unb 12 Uhr, befertirte in bie Gärten nahe der

morgen, als ben 4ten November, verschiebens fehens- werthe Kunstfertigkeiten, unb körperlichen Bewegun­gen, theils oberhalb, theils unterhalb bem Wasser, ausführen. Sämmtliche Experimente werben von vier Personen, worunter sich zwei Damen befinben, vorgenommen. Sie werben eine Jagb probuziren, unb zugleich ein überraschenbes, in vielen Mannich- fattigfeiten bestehenbes, griechisches Branb- unb Wasserfeuerwerk abbrennen, unb unter anbern auf bem Wasser fechten, speisen 2c.

An bas hiesige verehrungswürbige Publikum wenbet er sich mit ber Bitte um zahlreichen Zu­spruch. Der Schauplatz ist ohnfern ber Pulvermühle unb ber Anfang präcis 3X>Uhr bes Nachmittags.

Joseph Nicolai, aus Griechenlanb.

Jahrgang 1849 17. Februar:

Kuriosum.

Ein seltenes unb zugleich interessantes Beispiel ber Ersparniß unb ber Vereinigung ber verschieben- artigften Talente in einer Person liefert bas Dörfchen Winnerob im Regierungsbezirke Gießen. Der Bür­germeister im genannten Orte ist ein zünftig ge­lernter Maurer, ein Besenbinber unb Holzmacher, außerbem aber auch Nachtwächter, Kuhhirt, Schweine­hirt unb Ortsbiener.

Als Bürgermeister bezieht er 50 fl. Büreaukosten, als Küh- unb Schweinehirt 5 Malter Korn unb 5 Malter Gerste, als Nachtwächter unb Ortsbiener 25 fl.

OerGießenerAnzeiger