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Nr. 268 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Donnerstag, 15. November 1934

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Siehener Anzeiger

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Eine amerikanischeLustbrücke" über den Güllen Ozean.

Geschwaderflug nach den Philippinen als Probe für die Verbindung mii neuen Flughäfen.

London. 15. Nov. (DRV. Funkspruch.) Ende dieses Monats wird ein Geschwader amerikanischer Amphibien-Flugzeuge einen Massenflug über den Stillen Ozean nach den Philippi­nen unternehmen. Von San Franzisko soll die Reise nach f) aroal gehen (3200 Kilometer), von Hawai nach Guam (der größten der amerikani­schen Mariannen-Jnseln, südlich von Japan, 4800 Kilometer) und von Guam nach Manila (1600 Kilometer), der Hauptstadt der Philippinen. Der ganze Flug wird in Formationen unternom­men. Der Flug bildet den Teil eines planes,eine Luftbrücke über den Stillen Ozean zu bauen". Man nimmt an, daß im Falle des Fehl­schlagens der Flollenkonferenz befesiigteStüh- punkte und Flughafen auf Guam, der Dake-Insel und der Midway-Insel geschaffen werden sollen.

hierin wird eine Antwort auf den gemeldeten Bau von Flughafen auf den unter ja- panischem Mandat stehenden ehemals deutschen Inseln der Mariannen- gruppe erblickt, von denen der eine auf Saipan nur eine Flugstunde von Guam entfernt ist. In englischen Sachverständigenkreisen glaubt man, daß die Vereinigten Staaten, falls sie die in Aussicht genommenen Flugstützpunkte ausbauen, in verhält­nismäßig kurzer Zeit 1000 Bomben- und Torpedo­flugzeuge in Reichweite der japanischen Inseln zu­sammenziehen können.

Das amerikanische Heeressliegerkorps fordert in einem Gesuch an den haushaltsausschuh 8 0 0 neue Flugzeuge, durch die die amerika­nische Luftstreitmacht zur größten und mo­dern st en Luftflotte der Mell gemacht werden soll. 500 von den Maschinen sollen veraltete Flugzeuge ersehen, so daß die tatsächliche Erhöhung 300 Flugzeuge betragt. Es wird vorgeschlagen, den Bau der neuen Maschinen über drei Jahre zu ver­teilen, nach deren Ablauf die Vereinigten Staa­ten 2 4 0 0 Militärflugzeuge besitzen würden.

Englands Verteidigung.

Bier neue Flugplätze.-Ersatz alter Kriegsschiffe.

London, 14. Nov. (DNB.) Im Oberhaus er­klärte der englische Kmegsminister Lord Heil­shorn, daß die Entwicklung der neuen Kriegs­mittel keineswegs die Bedeutung der alten Waffen verringere. Die Schlachtschiffe stellten immer noch den wichtig st en Teil der Kriegs­flotte dar, ein Ersatz der veralteten Schiffe dieser Gattung hätte schon längst in Erwägung gezogen werden müssen. Die Frage der Kreuzer für die Auf­rechterhaltung der Seeverbindungen verdiene ernsteste Aufmerksamkeit. Wenn Baldwin erklärt habe, daß Englands Grenze am Rhein liege, so habe er damit nicht sagen wollen, daß es auf dem euro­päischen Festlande ein bestimmtes Land gebe, das notwendigerweise der Erbfeind Großbritanniens sei. Baldwin habe vielmehr die Tatsache vorge­schwebt, daß die Wirksamkeit eines Luft­angriffes in hohem Maße von der Entfer­nung des Angriffs st ützpunktes abhänge, und je weiter dieser Stützpunkt entfernt sei, desto größer sei die Aussicht für die eigene Fliegerei, dem Feinde den Weg zu verlegen. Das Luftfahrtministe­rium plane die Errichtung von vier neuen Militärflugplätzen, das Gelände dafür sei bereits ausgesucht. Auch seien Maßnahmen zur Er­höhung der Zahl ausgebildeter Flieger getroffen worden.

Ribbentrops Besuch in London

Eden gibt im Unterhaus Auskunft.

London, 14. Nov. (DNB.) Im Unterhaus wurde der Lordsiegelbewahrer über die Bespre­chungen mit Herrn von Ribbentrop befragt. Die Antwort Edens lautete: Auf Ersuchen der deutschen Botschaft wurden Vereinbarungen getrof­fen, um Herrn von Ribbentrop einen Besuch beim Staatssekretär des Aeußeren und bei mir zu er­möglichen. Die Unterredung fand demgemäß am Montag und am Dienstag im Foreign Office statt. Es hat sich jedoch nichts ergeben, was über eine freundschaftliche Unterhaltung hinausging. Neue Vorschläge sind nicht

unterbreitet worden, und es ist aus der Unterredung keine neue Entwicklung hervorgegangen.

Auf die weitere Frage, ob dem Lordsiegeb bewahrer eine Ze.itungsmeldung zu Gesicht gekom­men sei, wonach bei den Unterredungen dieArt und der Zweck der in Deutschland im Gange be­findlichen Wiederaufrüstung" erörtert wor­den sei, erwiderte Eden: Ja, ich habe die Zeitungs­meldung, auf die hier Bezug genommen wird, gesehen. Sie ist unbegründet. Eine Erklärung der in der Meldung behaupteten Art ist nicht abgegeben worden. Die Unterredungen gingen

nicht über die in meiner Antwort dargelegten Grenzen hinaus, und ich mißbillige es, daß sie eine politische Bedeutung erhalten, die sie nicht verdienen. Auf die weitere Frage, ob dem Lordsiegelbewahrer bekannt sei, daß diese privaten Besprechungen bei anderen Nationen viel Argwohn verursachten, gab Eden keine Antwort.

*

Times" zufolge hatte Herr von Ribbentrop am Mittwoch eine private Zusammenkunft mit General Smuts, bevor dieser auf dem Luftwege die Rückreise nach Südafrika antrat.

Deutschlands Außenhandel im Oktober wieder aktiv.

16 Millionen Ausfuhrüberschuß namentlich an Fertigwaren der chemischen Elektro- und Maschinenindustrie.

Berlin, 15. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Die deut­sche Handelsbilanz schließt im Oktober e r st m a l s seit März d. I. wieder mit einem Aus­fuhrüberschuß, und zwar von 16,4 Millionen RM. gegenüber einem Einfuhrüberschuß von 1,9 Mill. RM. im Vormonat ab. Im Oktober des ver- gangenen Jahres war die Handelsbilanz noch mit 98 Mill. RM. aktiv.

Die Einfuhr war nur wenig verändert. Sie ging von 352,2 Mill. RM. im Vormonat a u f 3 4 9,5 Mill. RM. zurück. Nach der Saison­tendenz pflegt die Einfuhr im Oktober anzusteigen. Insbesondere gilt dies für Rohstoffe und Fertigwaren. Gerade diese hat aber im Okto­ber dieses Jahres st a r k abgenommen. Die Fertigwareneinfuhr ging von 74,8 auf 61,6 Mill. RM. zurück. Die Verminderung enthält in erster Linie auch Textilwaren. Die Rohstoffeinfuhr ermäßigt sich von 199,8 auf 185,6 Mill. RM. hier hängt die Verminderung zu einem erheblichen Teil damit zusammen, daß die Einfuhr von Del- früchten und Oelsaaten, die in den Vor­monaten vergleichsweise hoch lag, stark gesun­ken, und daß ferner die nach der Saisontendenz übliche Einfuhr von Baumwolle diesmal fast ganz ausgeblieben ist.

Im Gegensatz zu Rohstoffen und Fertigwaren hat die Lebensmitteleinfuhr beträchtlich zu- genommen, und zwar von 75,5 Mill. Mk. auf 101 Mill. Mark. Die Einfuhr im September war

indessen verhältnismäßig gering. An der Steige­rung der Einfuhr sind zu einem erheblichen Teil Waren beteiligt, deren Einfuhr regelmäßig im Oktober zuzunehmen pflegt, wie Ob st und Südfrüchte. Darüber hinaus war aber auch die Einfuhr von Gerste, Kaffee (noch Lager­abrechnungen), Butter und Eiern beträchtlich erhöht.

Die Ausfuhr, die bereits im Vormonat ge­diegen ist, ist im Oktober nochmals, und zwar von 350,3 auf 3 6 5,9 Mill. Mark gestiegen. Die Steigerung entfällt eben-so wie im Vormonat f a ft ausschließlich auf Fertigwaren. Die Fertigwarenausfuhr stieg von 277,9 auf 290,3 Mill. Mark. Die Zunahme ist noch etwas stärker als im Jahre 1933. Die Fertigwarenausfuhr war im Okto­ber, mengenmäßig betrachtet, um 19 v. h. höher als im Juli dieses Jahres. Im Durchschnitt der Jahre 1929 bis 1930 betrug die Zunahme in der gleichen Zeit etwa 15 v. H. Die Steigerung der Fertigwarenausfuhr verteilt sich auf den größten Teil der Fertigwarengruppen. Zugenommen hat insbesondere die Ausfuhr von Werkzeugmaschinen, elektrischen Maschinen und elektrotechnischen Erzeug­nissen, chemischen und Eisenerzeugnissen. Rückgängig war lediglich die Ausfuhr von Textilwaren. Die R o h st o f s a u s f u h r stieg von 65,6 auf 67,5 Mill. Mark. Die Erhöhung ist ausschließlich einer Stei­gerung der Steinkohlen ausfuhr zuzu­schreiben. Die Lebensmittelausfuhr stieg geringfügig von 6,7 auf 7,9 Mill. Mark.

Seihte spricht aus her Gründungsfeier des AGOFB. (Stahlhelm).

Magdeburg, 14. Nov. (DNB.) Die große Traditionsfeier des NSDFB. (Stahlhelm) erreichte am Dienstag in dem Traditions-Fe st kom- m e r 5 im Magdeburger Kristallpalast ihren Höhe­punkt. Bundesführer Neichsminister Franz S e l d t e i hielt die Festrede. Er ging zurück in die Zeit des | furchtbaren Zusammenbruchs und der Schmach, in ! die Zeiten einer Revolution, die nur eine Revolte mar, in der Feigheit, Egoismus und Verbrechertum sich an die Spitze des Staates setzen konnten. Mit allen, die mit ihm durchgehalten hätten, fühle er sich verbunden, und wenn er im vorigen Jahre das Stahlhelm-Ehrenzeichen stiftete, so er­weitere er heute das Ehrenzeichen auf die Jahrgänge 1931 bis 1 9 3 2. Aus der Er­kenntnis heraus, daß der kommende Führer ein politischer Führer sein müsse, habe derStahlhelm" sich dem Manne zur Verfügung gestellt, der über 33 Parteien hinweg rücksichtslos und mit hartem Schlag das deutsche Schicksal schmiedet. Adolf Hitler habe demStahlhelm" sein Ver­trauen gegeben, und dafür sage er, der Red­ner, ihm Dank. Franz Seldte schloß mit der Ver­sicherung, daß das Ziel desStahlhelm" niemals derStahlhelm" selbst gewesen sei, sondern im­mer nur Deutschland. Und wenn etwas zu­sammenführe, wenn uns etwas in dieser Stunde zusammengeführt habe, dann sei es nur der Be­griff Deutschland, den ein jeder ausweiten könne nach seiner Phantasie, der aber immer das schönste sei, was wir im Lebens- und im Daseinskampf haben.

Franz Seldte richtete an den Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler folgendes Telegramm:

Zum Gedenktag der Gründung des Stahlhelm

vor 16 Jahren haben sich, wie alljährlich, die alten Frontsoldaten und Kämpfer in Magdeburg, der Gründungsstadt, versammelt. Sie gedenken der Opfer und der langen Zeit des g e meinfamen Befreiungskampfes. Sie sprechen ihrem Frontkameraden und ihrem Führer Adolf Hitler im Gedenken verständnisvoller Mit­arbeit erneut das Gelöbnis soldatischer Treue und Gefolgschaft mit dem auf­richtigen Wunsche aus, daß seine großen Ziele und seine Aufbauarbeit für Deutschland zu unser aller Besten von vollstem Erfolg gekrönt sein möge.

Mit frontsoldatischem Gruß und mit Heil Hitler!

Im Namen der alten Kameraden: gez.^F r anz Seldte."

An den preußischen Ministerpräsidenten, General Hermann Göring, wurde folgendes Telegramm gesandt:

Die anläßlich des 17. Gründungstages des Stahl­helm im Magdeburg versammelten Kameraden des NS. Deutschen Frontkämpferbundes (Stahlhelm) grüßen ihr Ehrenmitglied in solda­tischer Verbundenheit.

Front Heil Hitler! Gez. Franz Seldte."

Auf das Telegramm Seldtes an den Führer ist folgende Antwort eingegangen:

Den in Magdeburg anläßlich des Gedenktages der Gründung des Stahlhelm versammelten alten Frontsoldaten danke ich h e r z l i ch st für das Gelöbnis treuer Gefolgschaft. Ich erwidere die Grüße in kameradschaftlicher Ver­bundenheit.

Adolf Hitler."

Von Mcdvnald bis SmniS.

Von unserem (-)-Äerichterstatier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

London, 13. November 1934.

Die klassische Doppel ft eUung der englischen Politik zwischen Europa und, Uebersee ist selten so deutlich herausgekommen wie in den beiden großen Reden, die Premierminister Mac - d o n a l d in Guild-Hall und sein Kollege aus Südafrika General Smuts wenige Tage später im Londoner Institut für Internationale Angelegen­heiten gehalten haben. Das Thema war beide Male das gleiche: Friede und Völkerbund, beide Männer sind durchaus in der Lage, für die große Britische Völkergemeinschaft verbindlich zu sprechen. Um so merkwürdiger berührt die Tatsache, daß unter der Oberfläche eines gemeinsamen Bekennt- nisses zum Weltfrieden die einzelnen Werturteile und Richtlinien doch wesentlich verschieden liegen.

Um nur das Wichtigste vorwegzunehmen, so ließ Macdonald durchblicken, daß England Schul- ter an Schulter mit Frankreich und Italien seine Rolle alsFriedensmacher" in letzter Zeit mit Erfolg durchgeführt habe und auch weiter durchführen werde. Smuts dagegen kam nach seinem Ueberblick über die Weltlage unzwei- heutig zu folgendem Schlüsse:Für mich liegen die künftige Politik und die Verbindung unserer großen Britischen Gemeinschaft mehr auf Seiten der Vereinigten Staaten als bei irgend einer anderen Gruppe auf der Welt. Wenn jemals die Wege auseinandergehen und wir in einer künftigen Krise vor die Wahl gestellt werden, dann sollten mir meiner Ansicht nach in Amerikas G e - s e l l s ch a f t der unbekannten Zukunft entgegen- schreiten ... Die Britische Gemeinschaft steht mit ihren Füßen in beiden Welten."

Das Aktuelle an dieser alten und oft erörterten Fragestellung liegt nun darin, daß je nachdem, ob der Engländer vonZuhause" oder der von draußen spricht, die Einstellung zum Volker- bunb im allgemeinen und zur deutschen Gleich­berechtigung im besonderen wechselt. In schmerz­lichem Gedenken an seine früheren Bemühungen ium die Genfer Abrüstung, hat Macdonald in bewegten Worten über Deutschlands angeblich selbst gewollte Vereinsamung geklagt und die Dinge so dargestellt, als ob wir von einemunfeli- -gen Wahnkomplex" besessen seien. Dieser ganze »Spuk werde verfliegen, wenn das nationalsozia­listische Deutschland schleunigst und als reuiger Büßer nach Genf zurückkehre. Was die militärischen. Rüstungen in Europa selber anbetrifft, so hat der langjährige Vorkämpfer einer Angleichung nach unten lediglich die bittere Lehre aus den ganzen fruchtlosen Debatten unterstrichen, daß nämlich ,A b r ü ft u n g als Beispiel" von feiten eines 'einzelnen Staates den Frieden nicht mehr för­dern könne, sondern im Gegenteil einen g e f ä h r- lich en Anreiz zum Angriff auf diese schwächste Stelle biete.

Ueberflüffig zu sagen, daß der vielgeprüfte Pazi- I fist Macdonald dabei an England selber iund an die neuerstehende Luftflotte gedacht hat, «deren Bedeutung für den Schutz der britischen Jn- fein der Staatssekretär für Luftfahrt gleich nachher «auf demselben Bankett in Guild-Hall in den höchsten ?Ausdrücken gepriesen hat. Anscheinend steht der ver­antwortliche Leiter der britischen Gesamtpolitik, und rmit ihm auch fein Außenminister Simon, den speziell europäischen Verwicklungen zu nahe, um zu bemer­ken, daß sein Argument für die Notwendigkeit einer «vermehrten englischen Verteidigungsmacht im Mut- ierlanbe in unvergleichlich höherem Grad für Deutschland ßutrifft! Es heißt, kein diplomatisches Geheimnis verraten, wenn man aus Liefern Punkt die bewußte Zurückhaltung des augen­blicklich in London weilenden Herrn von Ribben­trop erklärt, die der englischen Presse so großes Kopfzerbrechen macht. Hat man drüben wirklich im Ernst geglaubt, der Führer und Reichskanzler habe nichts Eiligeres zu tun, als Deutschland ohne wei­teres wieder im Völkerbund anzumelden?!

Aus der Ferne gesehen, d. h. also mit den Augen ves Generals Smuts, sieht sich die Sache etwas anders und, wie man zugeben muß, weniger einteilig an. Zwar hat der Südafrikaner die Kreudsche Sprechweise, die anscheinend bei den Angelsachsen noch nicht aus der Mode gekommen i st, ebenfalls ausgenommen und in schöner Unpar- ieilichkeit den Versailler Siegern ihrenAngstkom­plex" und den Besiegten von gestern ihrenMmder- wertigkeitskomplex" bescheinigt. Wichtiger ist jedoch, ioaß er mit deutlicher Anspielung Frankreich als toie einzige Nation in der Welt bezeichnet, die heute tatsächlich für den Kriegsfall schlagfer- l:i g dasteht. Damit wollte General Smuts die aufrichtige Friedensliebe des französischen Volkes im keiner Weise anzweifeln, aber es geht ihm um Vie klare Feststellung, daß die Welt also auch der Völkerbund gegenwärtig nicht Frankreich, sondern Deutschland etwas schuldig sind. Die kehlende Gleichberechtigungvergifte Deutschlands Herz und Seele" und deswegen müsse man schleu­nigstd i e völlige Gleichberechtigung mit den anderen anerkennen, und zwar frei heraus, aufrichtig und ohne Vorbehalt". Der :ius Versailles nicht gerade als Deutschenfreund be­kannte Südafrikaner vergaß nicht hinzuzufügen, daß !,r diese Politik keineswegs dem Nationalsozialis­mus zuliebe, sondern aus ganz egoistischen Jnter- ifssen für die einzig mögliche halte.

In der Tat finden wir in den Ausführungen des Generals Smuts noch eine andere Stells, die in Frankreich und vielleicht auch bei manchen europä« sichen Engländern wenig Freude Hervorrufen wird. Ct lehnt nämlich nicht nur jede Militarisierung des Völkerbundes zum Zweck kriegerischer Sanktionen krttegorisch ab, sondern fährt bann fort:Ich kann

mir nicht vorstellen, daß die Dominions in eine m solchen Völkerbund bleiben und sich verbürgen würden, die Kriege der Alten Welt auszufechten: und wenn die Dominions den Völker­bund verlassen, dann ist Großbritannien gebunden, ihnen zu folgen". Es liegt auf der Hand, daß ein Amerika ne r genau s o hätte sprechen können, nur daß er der englischen Politik keine Vorschriften machen kann!

Wir Deutsche jedenfalls, die wir unsere Gleich­berechtigung nur im Rahmen eines wirklichen europäischen Friedens suchen und erhalten können, dürfen dankbar dafür sein, wenn hier einmal in dürren Worten gesagt wird, daß wir n i ch t m e h r im Jahr 1914 leben! Englische Landungsplätze in Frankreich sind zweifelhaft Friedensgarantien: der erklärte Wille sämtlicher Angelsachsen über dem

großen Meer, nicht mehr in Europa kämp­fen und sterben zu wollen, scheint uns auch für Herrn Macdonald und den Völkerbund das durchschlagende Argument zur Vernunft.

Oer NG.-Gtuhentenbund alleiniger Träger der studentischen Erziehung.

Berlin, 14. Nov. (DNB.) Reichserziehungs­minister Rust hat an den Reichsführer der Deut- fchen Studentenschaft Aeickert folgendes Schrei- den gerichtet:

Der Führer und Reichskanzler hat meinem Vorschlag einer Aenderung der stu­dentischen Verfassung zugestimmt, die die

Deutsche Studentenschaft als Gesamtoertretung der Studierenden von der bisherigen RNtverantwor- tung für die politifch-weltanfchauliche Schulung und Erziehung entbindet und diese Aufgaben dem National soziali ft i sch en Studentenbund ausschließlich und allein verantwortlich überläßt. Es soll damit die von mir erstrebte Schaffung einer einheitlichen welt­anschaulichen und politischen Autorität für den Studenten erreicht werden. Im Hinblick aus diese kommende Neuordnung ersuche ich Sie, bereits jetzt die Führung und Richtunggebung der gesamten stu­dentischen Erziehung, insbesondere die Lösung der kameradschastshausfrage. dem NS StB. zu überlassen."