den Sitzen und durch eine Minute schweigenden 23er- harrens Ausdruck gab
Den Abschluß der Feier bildeten der vom „F roh- sinn-Quartettverein" unter Chormeister Leib eindrucksvoll gesungene Chor „Sonnenaufgang" von Cornelius und die in bekannter Meisterschaft von Chormeister Schöttler (Violine) und Kreischormeister Blaß (Klavier) wiedergegebene Cavatine von Raff.
Sie geschäftliche Sitzung
Kreiswalter Koch begrüßte zu Beginn der Sitzung die Presse, dann den Gauchormeister Pro- fefsor Dr. T e m e s v a r y ; sein weiterer Gruß und Dank galt dem Frohsinn-Quartett- verein, dem Kreischormeister Blaß und dem Chormeister Schöttler, ferner begrüßte er die Dereinsoertreter aus Stadt und Land.
Nach der Feststellung der oben erwähnten Zahl der Dereinsoertreter stellte Kreiswalter Koch den Zusatzantrag zur Tagesordnung, auch den Kreis- Walter für feine Geschäftsführung zu entlasten und damit über seine (Kochs) Amtsausübung zu ur- teilen. Hierauf erstattete er den
Geschäftsbericht.
In dem Bericht ging der Kreiswalter von dem Stand der Sängerorganisation im Oktober 1932 aus, er erinnerte dabei an den schweren Druck, oer damals auch das Gesangvereinswesen belastete, verzeichnete weiterhin mit freudiger Genugtuung den Durchbruch der nationalsozialistischen Revolution, die von den Sängern als rettende Tat begrüßt wurde, und gab anschließend einen eingehenden Ueberblick über die Arbeit der organisatorischen Neugestaltung innerhalb des Hessischen Sängerbundes und in der Provinz Oberhessen. Während der Gau Gießen-Stadt und Land des Hessischen Sängerbundes nach der Machtübernahme durch die NSDAP, und nach der Auflösung der marxistischen Gesangvereine 86 Vereine mit 5287 Sängern umfaßte und infolge dieser Größe nur schwer zu übersehen war, gehöuren seit der Neuorganisation zum Sängerkreis Gießen 56 Vereine mit 3178 Sängern. Der Kreiswalter berichtete in seinem Rückblick weiterhin über den Zusammenschluß und über die Gleichschaltung von Gesangvereinen, über die bedeutsamsten Veranstaltungen der Sänger während der Berichtszeit und erwähnte schließlich noch folgende Ehrungen von Sangesbrüdern: Für 40- jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Friedrich Weber und Ludwig V i e h m a n n (Arion Klein - Linden), Jakob Sommer IV., Georg Sommer V., Georg Häuser XIV., Georg Mandler (Jugendfreund Steinberg), Karl Reu schling IV., Philipp Balser, Karl Balser IX., Heinrich Nikolaus, Karl R e u s ch- l i n g III. (Germania Steinberg), Ph .Schmidt II. (Germania Großen - Linden), Heinrich Vogel (Teutonia Nordeck), Ludwig Schäfer II., (Eintracht Steinberg), Wilhelm Müller (Germania Kirchgöns), Karl Stiehl (Sängervereinigung Wieseck), Jean Heß (Liederkranz-Heiterkeit Gießen), Karl Burger, Sängerkranz Watzenborn); für 50jährige Mitgliedschaft: Joh. Vogt (Frohsinn Hochelheim), Johannes Leun IX., (Harmonie Großen-Linden), Heinrich Magnus II. und Ludwig Nepp (Germania Großen-Linden), Heinrich Wagner (Konkordia-Harmonie Rödgen), Heinrich Dern (Harmonie Großen-Linden), Heinrich Mohn (Adam - Jsheimscher - Gesangverein Grüningen); für 25jährige Dorstands- tätigkeit: Johannes Schmidt (Frohsinn Hochelheim), Ludwig Velten XI. und Heinrich Dern VI. (Harmonie Großen-Linden), Heinrich Geißler, Heinrich L u h II. und Heinrich Degen I. (Germania Großen-Linden).
Bei dieser Gelegenheit wurde dem Sangesbruder Heinrich Dern (,,Harmonie"-Großen-Linden) der Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes, dem Sangesbruder Heinrich Mohn (Adam - Jsheim'scher- Gesangoerein, Grüningen) die Ehrennadel des Hessischen Sängerbundes und der Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes für 50jährige Sängerschaft überreicht; ferner den Sangesbrüdern Heinrich
Geißler, Heinrich L u h II. und Heinrich Degen I. (sämtlich ,,Germania"-Großen-Linden) die Ehrennadel für Verdienste vom Hessischen Sängerbund für 25jährige Vorstandstätiakeit ausgehändigt. Die Geehrten wurden von der Versammlung mit dreifachen Heilrufen ausgezeichnet.
Im Namen der Ausgezeichneten dankte Sangesbruder Heinrich M o h n - Grüningen mit beredten und von hoher Begeisterung für die Segnungen des deutschen Liedes erfüllten Worten. Der Redner pries dabei in ergreifender Weife die gewaltige seelische Kraft im deutschen Liede, gab seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß im nationalsozialistischen Deutschland das deutsche Lied wieder seinen gebührenden Platz erhalten habe und dankte zum Schluß mit herzlichem „Heil Hitler!".
Kreiswalter Koch würdigte mit warmen Worten den starken Idealismus des Sangesbruders Mohn und empfahl allen Sängern, dem ausgezeichneten Vorbild dieses Sängerveteranen nachzueifern.
Die Versammlung erklärte sich ohne Aussprache einstimmig mit dem Geschäftsbericht einverstanden.
sicherte. Kreiswalter Koch sprach der Versammlung für diese Kundgebung herzlichen Dank aus.
Der Bericht über die Kasse
wurde von dem Kreisschatzmeister Latsch. Dau- bringen erstattet. Ein Abschluß konnte noch nicht fertiggestellt werden, da noch zahlreiche Vereine, vor allem große, mit ihren Beitragszahlungen rückständig sind. Diese Zahlungen sollen im Laufe dieser Woche nachgeholt werden, damit bis zum Gauvertretertag am nächsten Sonntag in Wetzlar der Abschluß vorliegt. Dem Schatzmeister wurde volles Vertrauen ausgesprochen.
Bericht des Musikausschusses.
Kreischormeister Blaß teilte bei diesem Bericht mit, ob ein Wertungssingen im nächsten Jahr stattfinden werde, könne sich erst in nächster Zeit ergeben. Für das Wertungssingen seien schon bestimmte Pläne vorbereitet. Für diese Veranstaltung werde nur durchaus wertvolles Liedgut geboten.
Wünsche.
Kreiswalter Koch wünschte von allen Vereinsführern die pünkliche und rasche Erledi
Wir stellen vor: Frau Barbara Zurrhelm.....
... die Gattin des Malers Reginald Zurrhelm, eine Dame, nicht wahr, „schön, seltsam und fremd",... „keine Knospe mehr, eine Blüte am Mittag"... auch sie taucht verwirrend auf und unter in dem kleinen Kreise von Menschen, die eine Abendgesellschaft im Hause des Konsuls Finkender) zusammengeführt hat. Zst es möglich, ist es statthaft, diese schöne Frau in eine Beziehung zu bringen zu der scheinbar unendlichen Kette von Vermutungen, Ver- düchiigungen,Zweifeln und ungelösten Fragen, die sich aus dem Diebstahl des Perlenschmuckes der Konsulin ergibt? Da ist dieses kaum be- merkte Zusammentreffen mit dem Holländer
Stromdeck, da ist ein nächtliches Telephongesprach, die Fußspur lm Schlafzimmer der Konsulin... und endlich die winzige Spur im nächtlichen park: in den Sand geschrieben ein großes B... der Name Barbara. Was bedeutet das alles? Führt die Spur weiter oder ist sie falsch? Fragen über Fragen. — Jeden Tag laufen Ant- Worten bei uns ein. Wollen Sie nicht auch mitraten: wer ist der Dieb in unserem Roman, von dem heute in den Familienblättern eine neue Fortsehung erscheint...
Wer hat das Halsband gestohlen?
Entlastung des kreiswalters.
Unter der Leitung des stellvertretenden Kreis- Walters Eberle- Lollar wurde über die Entlast un g des Kreiswalters Koch ent- schieden. Sangesbruder Eberle würdigte mit Worten der Anerkennnung und Dankbarkeit die eifrige und unermüdliche, stets nur von sachlichen Gesichtspunkten geleitete Tätigkeit des Kreiswalters Emil Koch, mit dessen Amtsführung die Sänger zufrieden sein könnten. Der gleichen Auffassung gab die Versammlung Ausdruck, indem sie ohne Aus
gung aller Geschäfte mit der Kreisführung. Das Wertungssingen im vorigen Jahre habe finanziell gut abgeschnitten. Er habe die Absicht, den Sängerkreis in drei Gruppen zu teilen und innerhalb dieser Gruppen das W e r t u n g s - fingen 1935 an drei verschiedenen Sonntagen abzuhalten. Die Veranstaltungen sollten nicht alle in der Stadt, sondern auch einmal auf dem Lande stattfinden. Ob das Wertungssingen 1935 durchgeführt werde, sei zur Zeit noch unbestimmt.
Gauchormeister Professor Dr. Temesvary teilte
spräche einstimmig dem Kreiswalter Entlastung er-1 mit, die Bundesleitung des Hessischen Sängerbundes teilte und ihm damit ihres vollen Vertrauens Der- • habe beschlossen,
im 3uni nächsten Jahres das hessische Gan- Sängerfeff in Gießen zu veranstalten.
Auf dem Gau-Sängertag in Wetzlar am nächsten Sonntag werde endgültig entschieden, ob sich dieser Plan durchführen lasse. Wenn dieses Sängerfest in Gießen stattfinde, falle das Wertungssingen aus. Die Vorbereitungen zu dem Gau-Sängerfest müßten dann mit allem Nachdruck geleistet werden. Weiter berichtete der Redner über die große Deutsche Sängertagung in Trier und betonte in diesem Zusammenhang die schon in Trier anerkannte Notwendigkeit, Verständnis füreinander zwischen den jungen und den älteren Sängern zu schaffen. Er wies dann auf die hohen Ideale des deutschen Männergesangs hin und erklärte dabei, die Sängertage seien nicht mehr eine interne Sache der Gesangvereine, sondern eine Angelegenheit der Gesamtheit des deutschen Volkes. Er wünschte zum Schluß den Einsatz aller Kräfte, damit für die bevorstehenden großen Aufgaben gründliche Vorarbeit geleistet werden, aus der würdige Leistungen erstehen könnten.
Kreiswalter Koch und die Versammlung stimmten dem Gauchormeister in vollem Umfange zu.
Aus der Mitte der Versammlung wurden dann folgende Wünsche vorgebracht: Aufhebung der Verpflichtung der Vereine, für die a r b e i t s l ö s e n M i t g l i e d e r und für die Ehrenmitglieder Beiträge an d en Sängerbund zu zahlen, da die Vereine dieser Verpflichtung nicht mehr nachkommen können; der Antrag soll vom Kreiswalter am nächsten Sonntag in Wetzlar vorgebracht und unterstützt werden. — Die Bestandserhebung über die Stärke der Vereine nicht nur am Jahresbeginn vorzunehmen, sondern auch eine Zwischen- bestandserhebung einzuführen, damit den Veränderungen in der Stärke der Vereine Rechnung getragen werden kann. — Senkung der Beiträge an den Hess. Sängerbund. — Neuregelung des Pflichtbezugs der S ä n g e r w a r t e. — Beisteuer zum Winterhilsswerk aus Mitteln des Sängerkreifes Gießen. — Abhaltung eines Wertungssingens in Heuchelheim. — Unterstützung bei der Durchführung des N S. - K u I- turprogramms.
Befreiung vom SA.-Dienst zum Singsiunden- befuch.
Hierzu gab der Gießener Vertreter der Reichsmusikkammer, Chormeifter Kasten, bekannt, daß nach einer Verfügung des Stellvertreters des Führers, Reichsminister Rud. H e ß , die Sänger zwecks Singstundenbesuchs vom SA.-Dienst zu befreien feien. Diese Verfügung habe folgenden Wortlaut:
Der Präsident der Reichsmusikkammer hat in Verfolg feiner Pläne zur Neugestaltung des deutschen Musiklebens an mich die Bitte gerichtet, ihn hierbei zu unterstützen.
Alle innerhalb der NSDAP., der SS., SA. oder NSDFB., der NSBO. und der DAF. tätigen Personen sind, sofern sie einen Ausweis einer Unterorganisation oder eines Mitgliedes (Dirigent oder Musiklehrer) der Reichsmusikkammer vorzeigen, für Proben und Aufführungen einer der Reichsmu iE* kammer angehörigen Untergliederungen, sowie ür Musikunterricht vom Dienst zu befreien. Darüber hinaus ist es erwünscht, die Bestrebungen der Reichsmusikkammer in bezug auf die Neugestaltung des deutschen Musiklebens zu unterstützen und zu fördern.
II.
Ich ersuche ferner die obengenannten Formationen, alle das Musikleben betreffenden Fragen im engsten Einvernehmen mit der Reichsmusikkammer zu regeln und den Anordnungen des Präsidenten der Reichsmusikkammer gemäß Reichskulturkammergesetz und seinen Durchführungsverordnungen Folge zu leisten.
München, 16. August 1934. gez. R. H e ß.
Der Abschluß. •
Damit waren die Beratungen abgeschlossen. Kreiswalter Koch brachte zum Schluß dreimalige, mit Begeisterung aufgenommene Sieg-Heil-Rufe auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, das deutsche Vaterland und das deutsche Lied aus.
seile Heine Mteiötii.
Jaoman von Gert Rothberg
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.).
14 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Er lachte auf sie nieder. Und Käthe blickte ihn ratlos an. Was konnte sie noch sagen, damit sie die Stelle bekam/ Hatte sie nicht lauter dummes Zeug geredet, was keine Empfehlung war? Hätte sie nicht lieber lagen sollen, daß ihr ihr alter Chef ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt hatte, das sie ihm rnygen zusenden konnte, falls er es wünschte?"
„Sie fragen mich gar nicht, wo der Posten ist? Wohin Sie reisen müssen?"
„Das ist gleich. Ganz gleich ist es. Ich gehe in jede Einsamkeit."
Es durchzuckte ihn.
Was war denn das für ein kleines, süßes, unverdorbenes Geschöpf? Na, er wollte es wagen, wollte sie aus all den jetzigen Verhältnissen herausnehmen.
„Wenn es nicht unbescheiden ist, möchte ich gern, daß meine Freundin auch mitkommt. Vielleicht kann sie irgendwo untergebracht werden?"
„Kleine Käthe, lassen Sie Fräulein Schieber ruhig hier! Eine von Ihnen möchte doch wohl bei Mama Kulick bleiben — nicht wahr? Und dann — wenn es Ihnen in der ländlichen Stille gefällt--ihr
gefällt es bestimmt nicht! Glauben Sie mir."
Käthe fühlte, daß er sie von Olga trennen wollte, und spürte einen heißen Schmerz im Herzen.
Ganz allein sollte sie —?
Aber er hatte ja recht! Wie undankbar wäre es gegen die gute alte Mama Kulick, wenn auch noch Olga von ihr ginge! Und — ja, es war wohl wahr: Olga fühlte sich ganz wohl im Wirbel und Trubel des Lebens. Sie hatte nur den merkwürdigen Wunsch gehabt, sie, Käthe, vor allem zu schützen.
Wie merkwürdig das doch war!
Käthe sah zu Olga hin, die wieder mit dem jungen Seeoffizier tanzte. Olga war glücklich heute! So hatte sie es sich einst geträumt, und heute, ein einziges Mal im Leben, hatte sich der Traum verwirklicht. Olga fühlte sich als große Dame und besaß einen schneidigen Kavalier.
Und plötzlich dachte Käthe: Arndt von Berken hat mit vielen Damen heute abend getanzt. Nur mit mir nicht. Er will mich aus all der Gefahr des jetzigen Lebens herausnehmen; aber er denkt gar nicht daran, die Grenze zu überschreiten, die er zwischen sich und mir sehen will —
„Sie werden mich also auf mein Gut Berkenhofen begleiten, wo ich den Posten einer Gutssekretärin M)on längst einrichten wollte Meine Schwester Brigitte führt die Bücher mit; aber sie wird froh sein, wenn sie endlich mal nach dieser Seite hin ein bißchen entlastet wird."
Brigitte!
Ganz genau wußte Käthe, daß er damals im Ab- teil von einer Brigitte gesprochen hatte einem Freunde gegenüber. Und wenn sie oft, so oft an ihn dachte, dann dachte sie auch immer an jene Brigitte, die feine Frau fein würde.
Und nun sagte er, daß Brigitte seine Schwester sei.
Käthe wagte nicht, ihn anzusehen. Wenn er wüßte, daß sie glücklich darüber war, daß Brigitte feine Schwester war!
! Gut Berkenhofen!
Sie sollte vielleicht immer in seiner Nähe sein — wie wunderbar das wäre! Welch ein Glück das für sie bedeutete!
Still und wunschlos wollte sie dahinleben, wenn sie ihn nur ab und zu sah. Wenn er manchmal mit ihr sprach!
Und daß er sie aus dem Leben der Großstadt herausnehmen wollte, das machte sie unendlich glücklich. Freilich, daß sie nun nicht mehr mit der guten alten Mama Kulick zusammensein würde, das tat ihr weh. Und Olga hatte sie doch auch sehr lieb gewonnen. Aber sie konnte ihnen zuweilen, wenn sie Geld bekam, etwas schicken. Einige Stück gute, frische Butter, ein Stück guten Landspeck, frische Eier und anderes mehr. Und sie würden sich bann darüber freuen, würden an sie denken. Und sie, Käthe, sie war dann in Berkenhofen, in seiner Nähe, und würde glücklich sein. Sie liebte ihn!
Schon die ganze Zeit ihres Beisammenseins über hatte sie es gewußt. Sie liebte Arndt von Berken!
Mochte ringsum alles zusammenstürzen ob dieser unerhörten Anmaßung. Sie konnte es nicht ändern — sie liebte ihn.
Aber sie würde diese Liebe ganz, ganz tief in sich verschließen. Niemals durften er, noch ein anderer Mensch je etwas davon merken.
Und wenn er eines Tages heiratet — was dann?
Käthe zuckte zusammen, blickte auf, sah gerade hinein in seine Augen, die sinnend auf ihr ruhten.
Er reichte ihr die Hand.
„Also — engagiert! Zweihundert Mark im Monat bei freier Station. Manchmal wird es ein bißchen hart fein — ich bin beim Diktat rücksichtslos."
„Ich schreibe sehr schnell", versicherte Käthe und wurde doch schon über und über rot, weil es ihr vorkam, als lobe sie sich
Er aber sagte ganz sachlich:
„Dann ist es gut. Im Sommer haben wir sehr viel zu tun, im Winter wird es etwas gemütlicher sein."
„Jawohl — aber ich arbeite sehr gern!" „Wann können Sie frühestens von hier weg?" „Nächste Woche."
„Sehr gut! Da wollte ich gerade nach Hause fahren. Richten Sie sich also auf Ende nächster Woche auf die Reise ein."
„Jawohl, Herr von Berken!"
„Und möchten Sie jetzt nach Hause?"
„Ja, sehr gern! Ich bin müde, und so spät bin ich noch nie heimgekommen."
Jedes Wort war Wahrheit — er fühlte es.
Und wieder war das seltsame Grübeln in seinen großen Augen.
Die Herren begleiteten die Mädchen nach Hause. Man nahm einen Wagen, und Olga und der Seeoffizier kamen aus dem Lachen nicht heraus. Und als sie sich voneinander verabschiedeten, da sagte Kapitänleutnant von Bodenstein aanz ernsthaft:
„Das war ein wirklich schöner Abend. Schade, daß man weiter muß. Soll ich Ihnen mal eine Ansichtskarte schreiben?"
„Das wäre himmlisch."
Olga gab ihm schnell ihre Adresse. Dann sah Bodenstein an dem hohen Hause hinauf.
„Hm! Nobel wohnen Sie? Gewiß erste Etage?"
„Nein, vierte! Bei Frau Kulick, und auch noch im Hinterhause!"
„Ach?"
„Ja! Nicht wahr, unsere Kleidung heute abend sah anders aus. Die hatte uns ja auch die Berani geschenkt."
Er lachte ein bißchen ungläubig, dann sagte er: „Ein Scherz?"
„Nein! Vollster Ernst!"
Bodenstein schwieg. Und vielleicht ging ihm in I diesem Augenblick doch etwas in Trümmer. Er drückte Olgas Hand herzlich in der seinen.
„Auf Wiedersehen! Ich würde mich freuen, wenn ! uns der Zufall noch einmal zusammenführte!"
Dann verabschiedete sich Bodenstein von Käthe Randolf.
„Auf Wiedersehen, Fräulein Randolf!"
„Auf Wiedersehen!"
Arndt von Berken sagte zu Käthe:
„Nun ordnen Sie alles; nichts vergessen und dann frisch in ein neues Leben hinein! Und — es ist gut, wenn Olga Schieber hier zurückbleibt. Wenn Sie boch eines Tages eine riesengroße Sehnsucht packt, bann können Sie immer mieber hierher zurück — nicht wahr?"
„Ich glaube nicht, baß diese Sehnsucht je kommen wirb", sagte,das Mädchen leise und entzog ihm die kleine Hand.
Da wandte er sich ab und sagte Olga Schieber Lebewohl. Und dann fuhren die Herren zurück.
Die Portierfrau, die auf einige Stunden ihren Mann ablöste, sah giftig hinter den beiden Mädels her. Dachte: Hier darf man nur bloß noch denken. Ja nischt sagen, aba denken! Und die haben eben doch Kavaliere, und was for welche. Na, mein drbent» liches Lieschen kann ba nicht mit. Nee. Der wollte ich auch heimleuchten. Freilich, nu jeht se einfach angezogen jegen bie Bälje, und der Kulick darf man nid) mal was lagen. So ist man die Welt von heute.
Die Frau Vortie machte sich wieder in der Loge über ihren Hintertreppenroman her; sie war gerade dabei, wie der eifersüchtige Ehemann einen völlig Unschuldigen niederschoß.
Und während die Mutter las, sich gruselte und dabei einen großen Apfel aß, hob der Chauffeur Fritz Künnecke die Portiertochter Lieschen zum Fenster hinein.
„Wenn man in sechs bis acht Wochen heiraten will, nid) wa, bann küßt man sich, so oille man will!"
Unb Fritz Künnecke trollte sich.
„Ich glaube schon, Käthe, daß das ein großes Glück für Sie ist!"
Frau Kulick hatte zwar Tränen in den alten, guten Augen; aber sie riet Käthe boch bazu, bas zu tun, was bas Beste war. Obgleich sie eine Mieterin einbüßte, bie ihr lieb geworben war wie eine Tochter, unb bie immer so pünktlich bezahlt hatte. Unb Frau Kulick sah bann so etwas kommen für das Kinb, bas man heute noch gar nicht erfassen und ermessen konnte.
Aber sie sagte nichts! Sie dachte sich nur das Schönste, Allerschönste für das blonde schöne Mädel. Denn wenn der Mann zwei Augen im Kopfe hatte, dann würde er ja wissen, welch ein Edelstein bie kleine Käthe mar, bie aus kleinen Verhältnissen stammte, bie aber boch ein wertvolles Menschenkind war! Wohl wert war sie es, baß ein reicher Mann sie zu sich emporhob!
Mama Kulick träumte ihren herrlichen Traum mit offenen Augen weiter unb sah nur immerfort auf Käthe.
Olga aber sagte:
„Ich begreife bich nicht. Der schöne Arnbt von Berken hat sich benommen wie ein Klotz. Nicht eine einzige Tour hat er mit bir getanzt. Du bist boch auch jung, unb er hätte dafür sorgen müssen, daß du dich amüsiert hättest."
„Sage nichts gegen ihn, Olga! Er ist ein guter Mensch!"
Da sah Olga Schieber sie groß an und schwieg.
Aber sie meinte doch, als Käthe sich am Ende der nächsten Woche von ihr verabschiedete.
„Ihr kommt doch mal mit Frau Kulick im Sommer. Es mird schon einen kleinen netten Gasthof geben. Da miete ich euch ein Zimmerchen, unb ben ganzen lieben Tag seid ihr draußen in der guten Luft und laßt euch von der Sonne bescheinen."
„Ja, das wollen mir machen!"
Mit jähem Ruck manbte Käthe sich ihr zu, fragte:
„Olga, hättest du mitkommen wollen?"
„Nein? Sei nicht böse, Käthe! Ich möchte hierbleiben. Es gefällt mir jetzt hier, und die Berani K, ich würde ab und zu eine Rolle bekommen.
— vielleicht komme ich doch noch hinauf. Die Hoffnung habe ich ja jetzt wieder. Wenn ich auch nicht gerade eine Berani werden Fann, aber zu einer etwas größeren Rolle langt es vielleicht doch?"
„Ich wünsche dir alles Glück, Olga!"
Ich dir auch, Käthe! Und nun reife mit Gott, und schreibe gleich einmal, damit wir uns nicht allzulange um dich zu sorgen brauchen."
„Ich schreibe bald." (Fortsetzung folgt.)


