in Millionen Haushalten verfeuert. Die Hausfrau schätzt neben handlicher Form und vereinfachter Heizarbeit seine hohe Heizkraft. 45 v. H. des elektrischen Stromes sind aus Rohbraunkohle ent- standen, fast 80 v. H. aller deutschen Backöfen werden mit Briketts geheizt, das sich auch in Gewerbe und Industrie vielseitiger Verwendung erfreut.
Braunkohlen bedeuten uns Warme, Licht und Kraft zugleich! Große Industrie- und Kraftwerke haben sich im Braunkohlengebiet angesiedelt. Weithin sind die dünnen Rauchfahnen sichtbar, die, aus hohen Schornsteinen quellend, das Lied der Arbeit künden, tausend fleißige Hände rühren sich im deutschen Braunkohlenwerk, und eine Armee von Handwerkern und geschulten Arbeitern, die von der Instandsetzung und Erneuerung der häuslichen Feuerstätten leben, und wieder eine andere Armee, die in den Braunkohlenbergwerken den umfangreichen Maschinenpark betriebsfähig erhält, ist am Werk.
Wir können uns glücklich preisen, im Besitz von Bodenschätzen zu sein, die uns keine Macht der Welt streitig machen kann, die uns in die Lage versetzen, unseren gesamten Licht-, Kraft- und Wärmebedarf selbst zu decken, womit der deutschen Nationalwirtschaft ungeheure Werte erhalten bleiben.
Neichöstatthalter Sprenger auf dem Grauberg.
Am Samstag weilte der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, auf dem Glaube r g, um dort ein Unterkunftshaus des Freiwilligen Arbeitsdienstes, der an den Ausgrabungsarbeiten unter Leitung des oberhessischen Denkmalpflegers Dr. Richter beschäftigt ist, zu weihen und gleichzeitig den neuesten Stand der Ausgrabungsarbeiten in Augenschein zu nehmen. Die Einweihungsfeier und die weiteren Stunden des Besuches nahmen nach jeder Richtung hin einen schönen Verlauf. Ein wohlgelungener Kameradschaftsabend vereinigte die Gäste, die Arbeitsdienstmänner und die Bevölkerung am Abend in Glau- berg. Wir werden morgen näher berichten.
Ehrentagung der alten Kämpfer der Standarte 116 in Laubach.
Am 20. und 21. Oktober findet in L a u b a ch eine Ehrentagung der alten Kämpfer der SA.-Standarte 116 statt. An der Zusammenkunft nehmen ungefähr 600 alte Kämpfer der SA. mit den Feldzeichen und Fahnen der Standarte 116 teil.
NS.-Lehrerbund, Gießen.
Mittwoch, 17. Oktober, 15.30 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums Bezirksversammlung der Fachschaft 2 (Höhere Schule).
1. Vortrag von Studienrat Krämer über Hördt, Durchbruch der Volkheit.
2. Vortrag des Kreisfachschaftsleiters über Nationalsozialistische Unterrichtsgestaltung.
3. Aussprach.
Gäste willkommen!
Sonderzüge
zum Grünberger Gallusmarkt.
Aus Anlaß des Gallus Marktes in Grünberg verkehren am Mittwoch, 17. Oktober, nachstehende Sonderzüge:
1. Gießen ab 9.35 Uhr, Rödgen ab 9.46, Großen- Buseck ab 9.51, Reiskirchen ab 9.57, Saasen ab 10.03, Göbelnrod ab 10.07, Grünberg an 10.12 Uhr.
2. Burg» und Nieder - Gemünden ab 11.15 Uhr, Nieder-Ohmen ab 11.23, Mücke ab 11.29, Grünberg an 11.36 Uhr.
Von den Fahrkartenausgaben der Strecken Butzbach — Gießen — Fronhausen, Wetzlar — Lollar — Grünberg, Gießen — Alsfeld, Wetzlar — Gießen, Mücke — Hungen und Hungen — Gießen werden Sonntagsrückfahrkarten nach Grünberg mit folgender Geltungsdauer ausgegeben: Zur Hinfahrt vom 16. Oktober 12 Uhr bis 18. Oktober: zur Rückfahrt vom 16. Oktober 12 Uhr bis 18. Oktober, 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt).
^OVIlOtlAClL
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 14.30 Uhr, „Kennst Du das Land Italien"; ab 16 Uhr „Die große Chance".
Oberhessischer Kunstverein.
Ruth Schaumann und Erich Heckel.
Der Kunstoerein eröffnete das Ausstellungsprogramm dieses Winters am Sonntag mit Arbeiten von Ruth Schaumann, München, und Erich Heckel, Berlin. Ruth Schaumann verdankt ihre verhältnismäßig weitreichende Volkstümlichkeit doch wohl in erster Linie ihren Büchern, ihren zarten Geschichten und Gedichten, wovon wir unseren Lesern zahlreiche Proben im Feuilleton und in der Unterhaltungsbeilage gegeben haben. Aber gerade wem die Dichterin Schaumann ein fester Begriff ist, wird von hier aus sogleich und mühelos den Zugang auch zu ihren mancherlei Bildern und Bildwerken finden und wird in deren Betrachtung begreifen, daß beides, Bild und Wort, Klang und Gestalt, aus einer vollkommenen Einheit des Gefühls, der Anschauung und des Weltbildes hervorgegangen ist. Freilich scheint es ohnehin nicht schwierig, Zugang zu finden zu dieser Kunst: sie bietet sich dem Beschauer dar ohne Voraussetzungen und Vorbehalte, sie wirkt immer sehr einfach, schlicht und innig, ausstrahlend ein zartes, frommes und ganz weibliches Gefühl. Doch mangelt den Bildern und Figuren jegliche Süßlichkeit, denn diese Frau hat einen hellen und entschiedenen Sinn für Reife und gültiges Maß. Manche ihrer Gestalten erscheinen wie aus dem Mittelalter heraufgeholt, aus verschollenen Legenden oder vergilbten Heiligengeschichten zu neuem Leben erweckt; aber auch hier wird man nichts Historisierendes ober Absichtliches bemerken, sondern alles scheint empfunden und geformt aus einem vollkommenen und persönlich gerundeten Weltgefühl. In dieser Ausstellung sieht man die verschiedensten Techniken nebeneinander für die oft überraschende künstlerische Vielseitigkeit der Ruth Schaumann Zeugnis ablegen: Plastiken in Terrakotta und Majolika, in Bronze und Kunststein, Hinterglasbilder auf Gold, Holzschnitte, Handzeichnungen, Scherenschnitte und Porzellanmalereien. Da gibt es zum Beispiel ein entzückendes Service aus der Berliner Manufaktur, jedes Stück anmutig und individuell bemalt mit allerlei Fischen, mit Meerweibchen, Muschel, Krebs und Seepferdchen geziert. Dann gibt es da Majolika-Plastiken, Figuren wie aus einem alten Eoan- aelienbuch herausgeschnitten oder von einem gotischen Kirchenpfeiler heruntergeholt: Engel, musizierend mit Laute und Schalmei oder auf einem Fabeltier reitend; kniender Hirt und törichte Jungfrau und eine Madonnengestalt mit der geneigten Kopfhaltung und jener typischen Körperbiegung der gotischen Plastik. Alles ganz zart bemalt, laviert,
** Studentenpfarrer Sucker, der seit 1^ Jahren an der Universität Gießen tätig war, wurde von dem preußischen Ktultusministerlum mit einem Lehrauftrag für evangelische Religwnslehre und Methodik des Religionsunterrichtes an der Hochschule für Lehrerbildung in Lauenburg (Pommern) betraut. Pfarrer Sucker, der ams Schlesien stammt, hatte in Berlin, Greiswald und in Gießen studiert und war vor feiner Berufung nach Gießen u. a. zwei Jahre in Offenbach tätig. Er war nicht nur ein guter Prediger, sondern auch em echter Kamerad, den der SA.-Pi. 23/116 ungern scheiden sah Auch der Bund heimattreuer Schlesier verliert durch seinen Fortgang seinen rührigen zweiten Vereinsführer.
* * Dienstjubiläum. Der Derwaltungssekre- tär bei der hiesigen Stadtverwaltung, Herr Adolf O ck e l, sieht Montag, 15. Oktober, auf eine 25jäh- rige ununterbrochene Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Gießen zurück.
* * Die Dien st stunden der Industriell n d HV andelskammer Gießen sind von heute ab auf die Zeit von 8 bis 16 Uhr, Samstags von 8 bis 13 Uhr, bestimmt worden. Den Firmen des Kammerbezirks wird empfohlen, möglichst am Vormittag zur Erledigung ihrer Angelegenheiten vorzusprechen.
* '* Straßensperre. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird die Plackst raße vom 15. Oktober bis 17. November für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt.
* * Zug der Schneegänse. Am Freitag, 14.40 Uhr, überflogen sechs Schneegänse in 80 bis 100 Meter Höhe in der Richtung nach Westsüdwest das Südviertel unserer Stadt. Ihr „kräh, kräh" schreiend, verschwanden sie, in der bekannten Keilform fliegend, in der Richtung des Lahntals.
* * Sturz mit d e m Fahrra.d. Durch einen Bruch der Lenkstangengabel an seinem Fahrrad stürzte in der Kaiser-Allee der 25 Jahre alte Elektromonteur Otto Ruckstuhl so unglücklich, daß er mit Verletzungen der Hände und der Brust der Klinik zugeführt werden mußte.
* * Ein Auto verbrannt. Am Samstagnachmittag geriet auf der Landstraße Gießen—Lich zwischen Steinbach und dem Albacher Hof ein Per
sonenauto, das von Frk. von Rabenau gesteuert wurde, in Brand. Die Flammen, deren Entstehung auf einen Vergaserbrand zurückzuführen ist, zerstörten den Kraftwagen vollkommen. Glücklicherweise gelang es den Insassen, rechtzeitig aus dem Wagen zu springen, so daß erfreulicherweise Menschenleben nicht zu Schaden kamen.
* * Kriegeroer ein Gießen. Ihe Oktober- Monatsversammlung wurde am Mittwoch, wie man uns berichtet, am Deroinslokal Caf6 Ebel abgetyab ten. Als der.erste Vereinsführer, Kamerad Trum- pert, die Versammlung eröffnete, mar her grofje Saal des Eaf6 Ebel dicht besetzt. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hielt Kamerad Bankdirektor (Briefebauer einen Vortrag uder die Spionage im Weltkriege und von der feindlichen Propaganda. Kamerad Griefebauer, der nach seiner Verwundung im Felde in der Spionageabtei- lung beim Generalkommando des 18. Armeekorps in Frankfurt tätig war, konnte an Hand zahUeicher Zeitungen und feindlicher iUuftmerter Zeitichriften mit feinen interessanten Ausführungen die Zuhörer in Spannung halten. Reicher Beifall wurde dem Vortragenden zuteil, und der 1. Veremsfuhrer fprach ihm namens des Vereins den Dank aus. Der Verein zahlt zur Zeit 403 Mitglieder, 164 Kamera- Len sind der SA.-Referve II beigetreten. Von den Neuangemeldeten wurden fünf anwesende Kameraden durch den ersten Dereinsführer in feierlicher Weise verpflichtet. Kamerad T r ü m p e r t teilte mit, Laß am 20. und 21. Oktober eine Sammlung zugunsten des Volksbundes deutscher Kriegergräber stattfindet und daß ein Vortrag von Professor Kausfmann für den 11. November geplant sei. Kamerad Albin Klein als Leiter der Kleinkaliber- schieszabteilung konnte die erfreuliche Tatsache berichten, daß 4 Gießener Kriegervereinsjungschützen den Hassiawander e h r e n p r e i s für dauernd mit 600 Ringen erschossen hätten, ein ganz seltenes und sehr gutes Resultat. Diese Iungschützen sind nunmehr zum alljährlichen Schiefewettstreit des Reichskriegerbundes Kyffhäuser zugelassen. Der für Juli 1934 anberaumte und damals ausgefallene Reichskriegertag wird im Jahre 1935 in Kassel abgehalten. Eine Sammlung für notleidende Kameraden ergab ben Betrag von 8,07 Mark. In den Pausen konzertierte 'ine Hauskapelle.
Gänger-Tagung in Gießen.
Kreis-Dertretertag des Sängerkreises Gießen.
Unter der Leitung des Kreiswalters Emil Koch (Gießen) hielt der Sängerkreis Gießen im Gau XII des Deutschen Sängerbundes gestern nachmittag im „Aquarium" zu Gießen eine Chorleiterbesprechung und einen Kreis- Vertretertag ab. Die gut besuchte Tagung wurde mit der
Sitzung her Chorleiter
eingeleitet. Nach Begrüßungsworten des Kreiswalters Emil Koch erftattefe Kreischormeister Blaß einen
Bericht über die Arbeit des Kreises im verflossenen Jahr.
Er führte dabei u. a. aus: Das abgelaufene Arbeitsjahr stand unter keinem günstigen Stern. Doch zeige das Wertungssingen, daß in musikalischer Beziehung die Vereine nicht zurückgegangen sind. Der SA.-Dienst wird von vielen Sängern als Vorwand benutzt, den Singstunden fernzubleiben. Es gilt, diese Sänger wieder in die Vereine zurückzuführen. Vor Experimenten ist zu warnen. Der Redner kam hierbei auf die sog. offenen Singstunden zu sprechen. Auch diese enthalten einen guten Kern. Es soll nicht verkannt werden, daß diese offenen Singstunden dem Gedanken der Volksgemeinschaft bestens dienen. Weiter kennzeichnete der Redner die St e l l u n g des Chorleiters. Er soll Führer sein. Dazu gehört aber rastlose Weiterbildung. Besonders den jüngeren Chorleitern muß das gesagt werden. Sie müssen sich das nötige Rüstzeug verschaffen. Die Zeit erfordert ganze Männer und ganze Künstler. Die Meinungen platzen heute aufeinander. Da ist es nötig, daß jeder einzelne Chor
leiter es so weit bringt, daß er sich ein eigenes Urteil über die verschiedenen Strömungen auf dem Gebiete des Chorgesanges bilden kann. Die Chorwahl muß der Leistungsfähigkeit des Vereins entsprechen. Die vorgesetzten Stellen im Deutschen Sängerbund sehen daraus, daß die Vereine aufwärts schreiten. Deshalb ist unter Umständen die Bestellung eines Vormundes für schlecht geleitete Vereine vorgesehen. Für die Arbeit im kommenden Jahre sollen in erster Linie die Chore, die vom Deutschen Sängerbund zu billigen Preisen heraus- gegeben werden, Verwendung finden. Für das vorgesehene Wertungssingen ist aus diesen Thören ein Chor auszuwählen. Die Wahl des zweiten Chores ist den Vereinen freigestellt, jedoch soll darauf gesehen werden, daß nur einwandfreies Liedgut zum Vortrag kommt. Die Möglichkeiten hierbei sind groß. Der Musikausschuß hat eine Liste geeigneter Liederblätter des Deutschen Sängerbundes aufgestellt, die für den genannten Zweck geeignet sind. Den Chorleitern ist die Möglichkeit gegeben, die Partituren der betreffenden Chore einzusehen.
Kreiswalter Koch und Kreischormeister Blaß begrüßten dann den inzwischen eingetroffenen Kreis- amtsleiter von „Kraft durch Freude" Christ und den Leiter des Lobedachores Ziegler.
Kreisamtsleiter Christ dankte den Gesangvereinen, die sich bei dem „offenen Singen" im Stadttheater am Samstag zur Verfügung gestellt haben, das vollen Anklang gefunden habe.
Herr Ziegler machte dann grundsätzliche Ausführungen über
das offene Singen.
Es geht hierbei um das Volkslied an sich. Das Volkslied in seiner schlichten Einstimmigkeit und der
ein wenig gehöht oder vertieft. Ernster und strenger wirken daneben die Holzschnitte, deren Figuren, vielfach ebenfalls leicht koloriert, aus tiefen Schattenflächen hervorwachsen. „Mondaufgang" heißt ein Blatt, „Am Kamin" ein anderes. Nikolaus und Christophorus, Passionsbild und weihnachtliche Krippe. Von den größeren Plastiken nennen wir ferner die bronzene „Eva" und ein Detail der Pieta in der Frankfurter Frauen-Friedenskirche. Dieselbe Sparsamkeit der Mittel, die Verhaltenheit des gleichsam verschleierten Ausdrucks wie in den Holzschnitten und Plastiken kennzeichnet auch Figuren und Gesichter auf den Handzeichnungen: eine flüchtig abbrechende Kontur, ein hingewischter Schatten, eine leichte Lavierung — das ist schon alles und heißt dann vielleicht „Betrachtung", „Kleine Lesung", „Die Liebenden", „Die Reue", „Himmels- pofaunift" oder „Fastnachthündchen". Zum Schluß wollen wir nicht vergessen, auf die Scherenschnitte und auf vier Blätter aus einem noch unveröffentlichten Kinderbuch hinzuweifen.
*
Der Berliner Maler Erich Heckel, dessen meist große Bilder (Del und Aquarell) die andere Hälfte des Ausstellungsraumes füllen, ergeben in ihrer herben und männlichen Haltung einen ausgesprochenen Gegensatz zu der Bildnerei der Dichterin Schaumann. Die Arbeiten von Heckel, die man hier vereinigt findet, sind für unser Gefühl schwer oder gar nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen in ihrer unruhigen Farbigkeit und oft schroffen Linienführung. Neben einer koloristisch sehr harten Figuren-Komposition wie der klassischen Schauspielszenerie mit Vogelmasken findet man (an der gleichen Wand) ein farblich so gedämpftes und empfindliches Bild wie das Aquarell mit den Frauenakten ober, als Gegenstück links, eine Blumengruppe, deren Feingliedrigkeit an fernöstliche Vorbilder erinnert. Eines der ftimmungsmäfeig und farblich feinsten Stücke ist für unser Gefühl das Gartenbild mit Kürbis und Sonnenblumen. Neben einzelnen Porträts („Erinnerung an James Enfor"; Bildnis der Frau des Malers) und Akten machen die landschaftlichen Motive, nicht nur zahlenmäßig, den entscheidenden Eindruck der Sammlung aus. Sie charakterisieren sich fast alle durch eine gewisse Leidenschaftlichkeit des motivischen Ausschnittes: schroffe Felsbrüche, tiefe Einschnitte und Gebirgsgruppen, bewegte See und ziehende Wolken. Dem entsprechen eine energische, männlich feste und un- sentimentale Handschrift, trockener Auftrag, scharfe Kontur und meist intensive Raumgliederung, wie etwa in der aus dem Jahre 1933 stammenden Landschaft mit der 8-sormig in den Wald einmündenden Straße. Noch seien erwähnt die offenbar
südlicheren, sommerlich heiteren und hellen Landschaften mit tiefem Blick auf den bergigen ober be- roalbeten Horizont; bas Landschaftliche hinter bem Ensor-Bilb, besten mcrfmürbig sachliche unb starre Perspektive burch einen zartblci.cn Himmel mit rosigen Wölkchen wohltuend gelockert unb gemUbert wirb; bie robusten Akte ber babenben Knaben unb ein von ferne an Van Gogh erinnernber Männerkopf. —y—
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Der Vorsitzenbe des Kunstvereins, Geh. Rat O l t, hieß am Sonntagvormittag bie Erschienen herzlich willkommen unb erteilte bann Prof. Thormaeh- l e n vom Laridesmuseum in Kastel als einem besonders guten Heckel-Kenner das Wort zu seinem Einführungsvortrag. Der Vortragende bemerkte zunächst, eine solche Einführung sollte — nach bem Wort „Bilbe, Künstler, rebe nicht!" — eigentlich nicht notroenbig sein; wir feien aber alle in biefer Zeit ein wenig hilflos geworben in ber Kunst bes Auges, wie an naheliegenben Beispielen erläutert würbe. Prof. Thormaehlen sagte ferner, es sei keine germanische Eigentümlichkeit, mehr burch bas Ohr als burch bas Auge aufzunehmen; er wies auf bie grunbsätzlichen Unterschiebe beiber Erlebnisformen unb auf bie Gefährlichkeit aller Theorien unb Ismen hin. Viele ftünben auch heute noch befrembet vor den Bilbern Heckels. Man müsse aber fragen, was den Künstler zu neuen Formen treibe. Prof. Thormaehlen gab in großen Zügen einen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung: aus ber Ablehnung der Historienmalerei unb des akademischen Stils ergab sich die Hinwendung zum Immateriellen; auch diese Bewegung ging zu Ende. Zwischen 1900 und 1910 entdeckte dann die Generation Heckels eine neue Leidenschaft in Van Gogh; man suchte unb fand bas erregenbe Erlebnis in Lanbschaft unb Atmosphäre. Heckel steht heute in der Generation um fünfzig. Der Kreis, dem er angehört, zeichnet sich durch seine Neigung zum Sozialen und die Ablehnung aller Bürgerlichkeit in der vergangenen kaiserlichen Epoche aus. Später erfolgte eine neue Rückwendung zum Figürlichen, zum menschlichen Bilde. Manches erinnert, wie Prof. Thormaehlen ausführte, bei Heckel an Caspar David Friedrich und Thoma; hinter ber oft groben Erscheinungsform^er- birgt sich große Empfinblichkeit bes Gefühls. Heckel sucht gleichsam das Gesicht ber einzelnen deutschen Landschaft im Bilde zu erfassen mit ihren ganz be- fonbern Lichtern und Reflexen. Der Vortragende belegte seine Darstellung mit einzelnen, ausführlich gewürdigten Beispielen aus der gegenwärtigen Sammlung. Auch Heckel gebe, so betonte er abschlie- feenb, in seinen Bildern einen Ausschnitt des deutschen Wesens; ihm gebühre als einem ber feinsten
schlichte Kanon sollen in die breite Maste des Volke? hineingestellt werden. Die Gesangvereine haben sich auf die Dierstimmigkeit feftgelegt. Sie wollen das Volkslied, Volksliedchöre und Kunftchöre in formvollendeter Weife zum Vortrag bringen. W i r wollen das Publikum zur tätigen Mitarbeit heranziehen. Unsere Arbeit kommt den Gesangvereinen augute, indem mancher bei dem offenen Singen seine musikalischen Fähigkeiten entdeckt und in den Gesangverein hineingeht. In früheren Zeiten war es so, daß im Konzert das Publikum tätig Anteil nahm. Erst im liberalistischen Zeitalter wurde es anders, es erfolgte eine Trennung in Musizierende und Zuhörer. Nur das aktive Musizieren, meinte der Redner, führe zum inneren Erleben.
Dieser Ansicht trat ber Gauchormeister Prof. Dr. Temesoary entgegen. Er betonte ausbrücklich bas hohe Verbienst ber von Herrn Ziegler gekennzeichneten Bewegung. Wohl habe bas liberaliftischs Zeitalter oft ein musikalisches Genießertum groß- gezogen, aber es gebe boch auch eine Aktivität ber Zuhörer, die zum inneren Erlebnis ber Zuhörer führt. Es bilbe sich eine Gemeinschaft der Aus- führenben unb ber Zuhörer.
Am Schluß dieser interessanten Aussprache wurde allerseits festgestellt, daß alle bem gleichen Ziele zu- ftreben und Gegensätze nicht bestehen. Beide Seiten sagten einander gegenseitige Unterstützung zu.
Es wurde dann noch beschlossen, baß bie CHÖrr zum
Hterfungsfmgen
bis zum 1. Januar in den Händen bes Musikausschusses sein müssen, ber auch bie letzte Entscheidung über beren Zulassung hat.
Gauchormeister Professor Dr. Temesvary machte bann noch bie Mitteilung, baß vorgesehen sei, bas hessische Sangerfest 1935 in Gießen abzuhalten. Es sei beabsichtigt, babei Gruppensingen ber leistungsfähigsten Kreisvereine, ferner brei bis vier Massenchöre unb auch oratorienartiges Singen. Melbungen werben balbigft erbeten. Das Fest solle Mitte Juni nächsten Jahres stattfinben. Oberbürgermeister Ritter habe den Plan sehr beifällig aufgenommen unb seine Unterstützung zugesagt. Hierauf schloß Kreiswalter Koch bie Sitzung.
Der Kreis-Verireieriag.
An biefer Tagung unter bem Vorsitz des Kreiswalters Emil Koch nahmen bie Vertreter von 48 Gesangvereinen bes Kreises Gießen teil; bie Vertreter von acht weiteren Vereinen — zum Sängerkreis Gießen gehören insgesamt 56 Vereine — fehlten zum Teil ' entschuldigt, zum Teil ohne Entschuldigung. Zunächst fand eine
Ehrung der Toten
statt. Chormeister Schüttler (Violine) unb Kreischormeister Blaß (Klavier) leiteten bie Gebenkfeier in feiner Weife mit ber Arie von Tenaglia ein. An- schließend fang ber „Frohsinn-Oartettver- e i n" unter ber Stabführung bes Chormeisters Leib mit prächtiger Gestaltung ben Schubert'schen Chor „Heilig, heilig ist ber Herr".
Kreiswalter Emil Koch hielt fobann bie Gedenkrede, in der er einleitend auf die Zeit des Kriegsausbruchs im August 1914 hinwies unb an ben bamals überall in unserem Volk zutage getretenen hohen vaterlänbischen Schwung, bie volle Hingabe jebes einzelnen für Heimat und Vaterland erinnerte. Viele Sangesbrüder haben diese Hingabe mit dem Heldentode für die deutsche Heimat besiegelt. Er brachte bann ben Zusammenbruch von 1918 unb ben innerdeutschen Bruberkampf in Erinnerung, bei bem beutsche ©rüber unb Schwestern sich als Feinde gegenüberftanben, lenkte bie Gebauten auf bas Ringen der nationalsozialistischen deutschen Freiheitsbewegung hin, in dessen Verlauf hunderte von deutschen'Volksgenossen im Kampf gegen den Bolschewismus und die rote Pest ihr Leben verloren. Schließlich gedachte er noch des getreuen Ekkehart des deutschen Volkes, des greifen Feldmarschall- Reichspräsidenten von Hindenburg, dessen hohes und unwandelbares Pflichtbewußtsein jedem deutschen Volksgenossen als leuchtendes Beispiel immer vorschweben werde. Ihnen allen und den verstorbenen Sangesbrüdern gelte das treue und dankbare Gedenken, dem bie Versammlung burch Erheben von
unb gewissenhaftesten beutschen Maler unserer Zeit ein Platz etwa neben Thoma unb C. D. Friedrich.
Geh. Rat Olt bankte bem Vortragenben, wünschte für bas kommenbe Wintersemester einen besseren Besuch, als er im Somer zu verzeichnen war, unb erklärte bie Ausstellung für eröffnet
Oie Gefangene in der Telephonzelle.
Zuweilen bichtet bas Leben nicht nur einen Roman, sondern sogar ein Hörspiel, wie es reizender nicht hätte erfunden werden können So klingelt kürzlich beim Nachtredakteur des „Daily Mail" das Telephon, und ein treuer Leser macht darauf aufmerksam, daß in einer Telephonzelle des North- cliffe House eine junge Dame in unfreiwilliger Gefangenschaft schmachtet. Der Redakteur macht bie Nummer des Apparates ausfindig und ruft kurz entschlossen dort an. Eine weinerliche Stimme meldet sich: „Hier Miß Hall! Bitte helfen Sie mir! Ich telephonierte gerade (leises Zögern) mit meinem Freund unb verabredete mich mit ihm für den Abend. Da wurde offenbar die Telephonzelle um sieben Uhr nach den Dienststunden abgeschlossen. Und nun —". „Warum rufen Sie nicht am Postamt an?" — „Ach, ich habe keinen Groschen mehr!" Der Redakteur verspricht Hilfe, verbindet sich mit dem Hauptpostamt und schildert in ergreifenden Worten die Lage der Verliebten. Die Antwort ist sehr unbefriedigend; vom Hauptpostamt aus kann man nicht helfend cinschreiten, denn ber Apparat steht in der Obhut eines Beamten, ber den Schlüssel mit nach Hause nimmt, aber man will versuchen, ihn unb ben Schlüssel ausfinbig zu machen. Der Helfer ruft wieder bei ber (Befangenen an und übermittelt die Nachricht, die noch viel Geduld erheischt. Nur ein Schluchzen antwortet. Vielleicht wartet ber Angebetete nun schon ungebulbig an der verabredeten Stelle, und ein Lebensglück steht auftbem Spiel. Vor bem Telephonhäuschen, klagt nun bie junge Dame, stehe eine große Zuschauermenge, deren keineswegs traurigen Mienen sie in dem Glashaus völlig hilflos ausgeliefert fei. Dreiviertel Stunden währe dis Haft nun schon! Der getreue Helfer verspricht, hin und roi'eber anzurufen, um ihr bie Zeit ZU verkürzen. „Taufend Dank!" haucht es. Es ist mittlerweile später als acht geworden. Gerade im dramatischen Augenblick führt der Helfer das dritte Gespräch. Der schluchzenden Anmeldung: „Hier Miß Hall!" folgt ein aufatmendes: „Gott sei Dank, man kommt!" Man hört den Schlüssel rasseln, dann das Hurrarufen der Zuschauer. Die kleine Dame stürzt zum Rendezvous. Der hilfreiche Redakteur hängt lächelnd ein.


