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Nr. 26 Drittes Blatt

Mrtzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vveryessen)Zamstag, 15. September <934

Momentbilder von der Obstversteigerung.

Eßt deutsches Obst!

Der zivile Lustschutz und seine Vedeuinng

Ein sechstägiger Kursus.-Ein Rundgang.

Der Reichsluftschutzbund, Landesgruppe Hessen- ?/.heinland-Süd, führt seit Montag hier in eigens infür zur Verfügung gestellten und zum Teil spe- ksell ausgebauten Räumen einen Lehrgang für iie n zivilen Luftschutz durch, der mit dem heutigen Abend beschlossen wird. Um die Arbeit h diesem Lehrgang kennenzulernen, war am gestri- c°n Freitag den Vertretern der Behörden, Organi- fltionen und der Presse Gelegenheit gegeben, für kurze Zeit am Unterricht teilzunehmen und auf emem Rundgang Einblick zu gewinnen in die prak­tische Arbeit dieses Kursus. Der Rundgang war außerordentlich demonstratio und ließ einerseits die Bedeutung des Luftschutzes, anderseits die Not- mendigkeit einer sachgemäßen Schulung aller derer, i)$ dazu berufen sind, im Ernstfälle tätige Hilfe zu lessten, erkennen.

iAuf Einladung der Ortsgruppe Gießen des ^«ichsluftfchutzbundes hatten sich Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Provinzialver- raltung, des Kreisamts, der Stadt Gießen, der svnchswehr, der Polizei, der Universität, des stsLB., des Arbeitsdienstes, der Technischen Not- sisfe, der Feuerwehr, der Freiwilligen Samtäts- Icionne vom Roten Kreuz, des Hausbesitzer-Vereins kib der Presse eingefunden.

Der Führer der Ortsgruppe Gießen, Dr. Wal­li ach, hieß die Gäste willkommen. Der Führer Ifü Luftschutzlehrganges, Obertruppführer Hafner, I7iriß in einer fu**ion gfnfnrn*» hen Sinn des

Lehrganges und die Art seiner Arbeit. Dann folgte man dem Lehrgangsleiter auf dem Rundgang.

Nachstehend sei kurz der Sinn des Luft­schutzes und die Art der Arbeit des Kurses um­rissen.

Lustschutz ist Selbstbehauptungswille!

Deutschland ist in der Luft noch wehrloser als auf dem Wasser und zu Lande. Das wissen wir alle, und es braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden.

Welche Gefahren können uns aus der Cuff drohen? Die größte ist nicht, wie irrtümlich gemeint wird, die der Gase oder, richtig aus­gedrückt, der chemischen Kampfstoffe, sondern die der Brandbomben.

Diese werden in einem Gewicht von 250 Gramm bis zu 2 Kilogramm hergestellt. Ein Bombenflug­zeug kann davon eine erhebliche Menge mitnehmen. Man unterscheidet zwei Arten s>on Brandbomben: die Elektron-Thermit-Brandbombe und die Phos- phor-Bandbombe. Beide sind mit Wasser nicht zu löschen. Man kann sie nur abdecken mit Sand und auf unbrennbarer Unterlage ausbrennen lassen. Unbrennbar heißt hier nur Stein oder Sand, da durch die große Hitze einer Elektron-Thermit-Brand- bombe auch Eisen sofort durchschmilzt.

Geaen die Wirkungen von chemischen. Kampf-

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Oben links: Auf dem Wege zur Versteigerung. Rechts: Die Kaufliebhaber bei der Versteigerung.

Unten links: Der Polizeidiener und der Protokollführer inmitten der Steigerer. Rechts: Beim Schauen und Prüfen während der Versteigerung.

Wer in diesen Tagen auf unseren Landstraßen wandert oder fährt, wird sich nicht nur von dem schönen Bild der Heimat im Spätsommerschmuck be­glückt fühlen, sondern er wird auch große Freude über Äen reichen O b st s e g e n empfinden, der beider­seits der Landstraßen, von den Obstbaumstücken der Äecker und aus den Gärten das Auge des Be­schauers entzückt. Wohin man blickt, überall find die Bäume mit köstlichen Aepfeln, Birnen, Zwetschen überreich beladen. Das leuchtet im Scheine der Spät-

Die Händler aus oer Stadt.

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sommersonne in herrlichen Farben, in einer Viel­fältigkeit und wunderbaren Harmonie des Tons, wie sie nur die Allmacht des großen Schöpfers aller Dinge so schön uns Menschenkindern geben kann. Wir haben in diesem Jahre allen Grund, voll tiefer Ehrfurcht am Erntefesttag auch für diesen reichen Segen dem Allmächtigen von Herzen Dank zu sagen ...

Die Fülle des Ertrages und die gute Qualität der Früchte machen es uns allen im kommenden Der- sorgungsjahre noch mehr als bisher zur Pflicht, dem vaterländischen Gebot zu folgen: Eßt deut­sches O b st ! Wer danach handelt, hilft dem Obst­bauer, stärkt die Grundlagen der straßenbesitzenden Derwaltungskörperschaft, in unserem Falle der Pro­vinz Oberhessen bzw. der Gemeinden, dient damit seinem Volke, indem er es freimacht von Zahlungs­verpflichtungen an das Ausland, und erweist sich selbst einen Nutzen, da er als Glied des Volkes ja auch die Erleichterung der Last der Volksgesamt­heit angenehm verspüren wird. Und in der Quali­tät kann unser deutsches Obst es bestimmt mit jeder ausländischen Konkurrenz aushalten ...

Nun sind überall die O b st v e r st e i g e r u n - g e n im Gange. Da drängen sich die Kaufliebhaber vom Lande und aus der Stadt schon am frühen Vormittag um die Bäume mit dem reichen Frucht­segen. Sachkundig und umsichtig walten die Beauf­tragten der zuständigen Behörde ihres Amtes, denn der Ertrag der Obstversteigerung spielt im Haus­halt der öffenlichen Körperschaften vielfach eine her­vorragende Rolle. Ein Gebot, treibt das andere; zum ersten, zum zweiten, zum ..., und wieder zum ersten, zum zweiten, zum ... usw. bis schließlich einer der Bieter das Rennen gemacht hat. Ist das Angebot annehmbar, dann wird ohne weiteres der Zuschlag erteilt, und weiter geht's zum nächsten Baum bis der ganze Versteigerungstermin er­ledigt, d. h. alles Obst untergebracht ist. Mittler- weile hat bereits das Brechen der herrlichen Früchte begonnen. Mit Leitern, Körben, Säcken oder stroh- gefütterten Wagen, oft auch mit Obstkisten und Lastautos geht's ernst und bedächtig, hier und da auch mit frohem Wort, an das große Abräumen

des Baumes, der treu und unermüdlich seinen Le- besnsaft gespendet hat für die köstlichen Früchte, die nun durch Menschenhand von ihm genommen wer­den, um Menschen zu erquicken und ihrer Existenz dienstbar zu sein.

Die Goldparmänen werden gebrochen.

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stoffen und der Splitter- und Sprengbomben schützen wir uns in den Schutzräumen.

Als Schuhraum wählen wir uns einen Keller­raum, der kampfsfoffsicher, splittersicher und einsturzsicher gemacht werden mutz.

Das alles lernt man nicht aus Büchern oder Bil­dern, indem man ähnlich einem Kochbuchrezept dazu sagt:Man nehme Sand, Schaufel, Eimer usw.", sondern das muß man handwerksnzäßig ge­lernt haben. Und das ist gar nicht so schwer, wie wir uns überzeugen konnten. Wir sind mit dem Reichsluftschutzbund der Meinung, daß mit gutem Willen und keiner Scheu vor schmutzigen Händen diese gewaltige Luftschutzarbeit um die Hälfte ver­einfacht wird.

Der Trupp bildet hier in einem sechstägigen Lehrgang, der von morgens bis abends dauert, 100 Personen aus. Diese 100 Personen setzen sich zusammen aus Männern, Frauen, Jungen und Mädels. Sie werden nicht nur theoretisch, sondern vor allen Dingen praktisch ausgebildet und haben dann die Aufgabe, andere weiter auszubilden.

Ausgehend davon, dah die Praxis auch hier die beste Cehrmeisierin ist, wird das Löschen oder besser gesagt Abdecken von Brandsätzen auf einem richtigen Dachboden geübt.

Feuer sieht man spritzen, es knallt und raucht, und die Hausfeuerwehr, angetan mit alten Kleidern, einem festen Kopfschutz, Atemschutzgerät, deckt schnell und sicher die Brandsätze ab. Kleinere Brände wer­den verblüffend einfach mit einem nassen Lappen an einer Stange, einer Feuerpatsche ausgeschlagen oder mit einer Kübelspritze gelöscht.

Der Lehrtrupp richtet außerdem noch zwei Häuser

vom Dachboden bis zum Keller für den Luftschutz ein. Dachböden werden von überflüssigem Gerüm­pel befreit, zum Zwecke der Verminderung der Brandgefahr. Es ist unglaublich, was alles auf einem Dachboden gestellt wird! Die Schutzräume werden mit einfachsten Mitteln eingerichtet. Da werden Unterzüge unter die Decke eingezogen, Stempel daruntergesetzt und verkeilt. Ein Vorraum wird als Gasschleuse hergerichtet, die Fenster ab­gedichtet und eines davon als Notausgang herge­richtet. Vor die Fenster werden Sandsäcke gegen die Splitter und Sprengwirkung gepackt.

Die Arbeit des Reichsluftschutzbundes und seiner Lehrtrupps erschöpft sich nicht in dieser rein schu­lungsmäßigen Arbeit, sondern darüber hinaus in dem Willen, das ganze deutsche Volk zu einer Volks­gemeinschaft zusammenzuschweißen, die im Ernst­fall genau so tapfer und treu ausharrt, wie das Heer an der Front.

Tag des Deutschen Volkstums" in Gießen.

Am 16. September wird überall im deutschen Vaterland der Tag des deutschen Volkstums als Fest der deutschen Schule" würdig gefeiert. Dieser Tag soll der deutschen Jugend die tiefe Blutsver­bundenheit aller Deutschen, wo immer sie wohnen mögen, zum Bewußtsein bringen. Am gleichen Tag und zu derselben Stunde versammeln sich überall im Vaterland unzählige junge deutsche Menschen­kinder, welche ihres deutschen Volkstums in ernster Feier gedenken und welche an diesem Tag ihrem Deutschtum Treue schwören wollen fürs ganze Leben.

Das deutsche Volk ist ein 100-Millionen-Dolk; aber nur 64 Millionen Volksgenossen leben im Reich. Da gilt es, mit aller Eindringlichkeit und in heili­ger Verantwortung vor allem der deutschen Jugend das Bewußtsein einer Einheit aller Deutschen in der Welt nahe zu bringen. Die Jugend soll sich ja vorbereiten, dereinst einmal das Dritte Reich nach den Gedanken des Führers auszugestalten.

Der 93 b 21. ist mit der Aufgabe betraut worden, basFest der deutschen Schule" durchzuführen. Alle Kräfte des Landesverbandes Hessen sind aufgerufen worden, dazu beizutragen, daß der Gedanke einer unlösbaren Verbundenheit der 100 Millionen Deutschen tief in die Herzen der Jugend sich ein­grabe.

Auch die Gießener VdA. - Schulgrup­pe n sind eifrig am Werke, diesen Festtag so vor­zubereiten, daß er allen ein Erlebnis werde. Der Tag des deutschen Volkstums" wird in Gießen am 16. September im Eafs Leib festlich begangen. Zur Ausgestaltung einer würdigen Feier tragen sämt­liche Gießener Schulgruppen bei. Schülerinnen der Neuen Pestalozzischule tragen Gedichte vor, die VdA.-Gruppe der Goetheschule singt und turnt, die S t u d i e n a n st a l t tanzt einen Sudetentanz und singt ein Volkslied mit Block- flötenbegleitung. Die Alte Pestalozzischule stellt eine Pyramide und versinnbildlicht die ver­lorenen deutschen Gebiete. Die Schiller schule bringt ein schlichtes Spiel zur Darstellung:Wir suchen Deutschland!" Eine gemeinsame Riege der Oberrealschule, des Gymnasiums und des Realgymnasiums bringt Turnvorfüh­rungen. Schulrat N e b e l i n g hält eine Ansprache. Das Orchester der Oberrealschule umrahmt und ver­bindet mit Orchesterstücken. Der VdA. hat also ein reichhaltiges, ernstes, würdiges Programm aufge­stellt. Der Veranstaltung wird, so Haffen wir, ein volles Haus beschieden sein. (Näheres siehe heutige Anzeige!)

Zeppelin-Fahrt über den Autobahnen.

LPD. Frankfurt a. M., 14. Sept. Das Luft­schiffGraf Z e p p e l i n", das mit einer Reihe von Teilnehmern am Münchener Internationalen Straßenbaukongreß und dem Generalinspekteur für das deutsche Straßenbauwesen eine Fahrt zur Be­sichtigung der Autobahnen gemacht hatte, erschien heute vormittag einige Minuten vor 8 Uhr über dem Frankfurter Flughafen. Um 8.15 Uhr wurde die Landung glatt vollzogen. Am Fenster der Führergondel erschien Dr. Eckener, gleich darauf der Führer der heutigen Fahrt, Ka- vitän Flemming. Die geladenen Gäste, an der Spitze Reichsstatthalter Sprenger und Ober­bürgermeister Staatsrat Dr. Krebs, begaben sich dann zu dem Luftschiff. Die Fahrgäste stiegen bald darauf aus und äußerten sich begeistert über die Fahrt. Von Frankfurt aus nahmen andere Kon­greßteilnehmer eine zweite Besichtigungsfahrt über die südwestlichen Teile d?r Autobahn vor. Nach kaum 20 Minuten Aufenthalt ging der neue Auf­stieg vor sich.

Das Luftschiff beendete um 17.37 Uhr seine Fahrt im Flughafen Frankfurt-Rebstock. An Bord befan­den sich 62 Teilnehmer am VII. Internationalen Straßenbaukongreß, davon 50 Vertreter von 21 ausländischen Nationen. Die Besichtigungsfahrt führte von Heidelberg über Mannheim nach Frank­furt, von dort über St. Goar, Köln und das In­dustriegebiet nach Hannover, Hildesheim, zur Was­serkuppe und schließlich über Darmstadt nach Frank­furt zurück. Die Teilnehmer äußerten sich begei­stert über den Fahrtverlauf und über die großen Fortschritte im Bau der Autobahnen, die ihnen zum Teil von früheren Besichtigungen her bekannt waren.

An den Führer und Reichskanzler wurde von den ausländischen Fahrtteilnehmern fol­gendes Telegramm gerichtet:

Ausländische Teilnehmer des VII. Internationa­len Straßenbaukongresses aus allen Teilen der Welt grüßen als Gäste der deutschen Regierung den Reichskanzler und Führer des Deutschen Reiches vom Zeppelinflug mit dem Generalinspektor über die Reichsautobahnen, voll Bewunderung über die Leistungen der deutschen Technik. Die Teilnehmer von Bolivien, China, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Groß-Britannien, Holland, Britisch» Indien, Niederländisch-Jndien, Italien, Japan, Nor­wegen, Palästina, Polen, Portugal, Rumänien, Tschechoslowakei, Schweden, Schweiz, Spanien."

Der abermalige Start des Luftschiffes zur Rück­fahrt nach Friedrichshafen erfolgte unter dem Jubel der Tausende von Besuchern um 18.15 Uhr. Wenige Minuten später verschwand es in südwestlicher Richtung.