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Vornan von Anny von panhuys.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, -alle (S.)

18. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Einundzwanzig st es Kapitel.

Auch Frau Steffi erfuhr jetzt, warum der Fremde gekommen. Sie telephonierte und bestellte die ein­zige Unterrichtsstunde ab, die ihr Mann heute gegen Abend hätte erteilen müssen. Dann saß man im Musikzimmer, und Erich Merten erklärte:

Zunächst müssen die Taler in die richtige Reihen­folge gelegt werden, und zwar nach den Jahres­zahlen, die alle verschieden sind."

Er tat es, lächelte.

So das hätten wir! Jetzt müssen die Taler herumgedreht werden."

Er tat es, nickte.

So, das wäre auch in Ordnung! Und jetzt be­ginnt die eigentliche Arbeit."

Er nahm den ersten Taler zur -and.

Es ist eine komplizierte und doch einfache Sache, -ier, nehmen Sie das Papier, Fräulein Olden, und notieren Sie die Buchstaben, die ich Ihnen dik­tiere. Dann geht es schneller, als wenn ich das auch tun muß. Die Zeichen sind griechische Buchstaben, die aber für deutsche Worte verwendet wurden. Doch in etwas erschwerter Form. Das Alphabet muß von rückwärts nach vorwärts benützt werden. Der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets be­deutet, daß der erste des deutschen gemeint ist. Ver­stehen Sie?"

Natürlich verstand man, und Erich Merten, der ein griechisches Alphabet aus der Tasche gezogen, unter das er schon die dem Sinn der Taler unter­zulegenden deutschen Buchstaben gestellt, diktierte langsam:

MEINEN 1"

Er sagte:

Das ergibt also das Wort: Meinen."

Er diktierte weiter, und so kam auf dem ersten Taler zusammen: Meinen Reichtum soll die Frau nicht... Auf dem zweiten Taler stand: haben, ich hasse sie. Wenn... Der dritte brachte: mein Sohn gescheit ist, l ö st er... Der vierte hatte die Inschrift: das Geheimnis und zerbricht... Der fünfte Taler zeigte keine Inschrift, sondern die Gravierung eines Wappens, in dem man eine ausgestreckte offene -and sah, auf der mit weit ausgebreiteten Flügeln ein Schmetterling saß.

Der sechste Taler war ebenfalls inschriftlos, nur eine geschlossene Tür war darauf eingraviert.

Erich Merten lächelte.

Bis jetzt haben wir zusammen: Meinen Reich­tum soll die Frau nicht haben, ich hasse sie. Wenn

mein Sohn gescheit ist, löst er das Geheimnis und zerbricht..."

Er schaltete eine winzige Pause ein, vollendete: Zerbricht das Wappen über unserer -austür! Den Schluß ergeben die beiden kleinen Zeichnungen."

Niemand sprach. Schwer und lastend lag die Stille über dem großen Zimmer.

Donata war ganz eigentümlich zumute. Ihr war es, als drücke eine harte Faust gegen ihre Kehle das Atmen wurde ihr schwer. Sie dachte jetzt, wie auch ihre Eltern, an das Wappen über der -aus­tür, an die -and mit dem Schmetterling. Das alte Familienwappen, von dem man nicht recht wußte, wo es sich herleitete, und von dem niemand Ge­brauch machte, außer dem Urgroßvater, der sehr darauf gehalten haben sollte. In einer alten Bibel von ihm sah man das Wappen auch hinein­gezeichnet.

Werner Olden lief quer durch das große Zimmer, fuhr immer hastiger über seine -aare. Ein Zeichen von Nervosität bei ihm. Er schüttelte den Kopf

Ist doch nicht zu glauben, auf was für Ideen Menschen verfallen können! Wenn's wahr ist, was die Taler erzählen, wenn's nicht -umbug ist, von dem alten -errn! Gott hab ihn selig! Ich will nicht richten, aber die arme Urgroßmutter tut mir wahr­haftig noch heute leid."

Frau Steffi meinte, und sie verfiel unwillkürlich in einen Flüsterton:

Wenn die Taler aber die Wahrheit sagen, dann müßte Tobias Oldens Reichtum, seine plötzlich ver­schwundenen Juwelen, unter oder hinter dem Wap­pen über der-austür zu finden sein nicht wahr?"

Erich Merten nickte.

Allerdings, Frau Olden, dort müßte der Reich­tum zu finden sein."

Aber man kann doch nicht das Wappen ab­schlagen und damit zugleich alles über der -austür einreißen", rief Frau Steffi erschreckt.Das würde doch den Nachbarn auffallen und schließlich ist's nachher nur eine Irreführung von dem bösen Alten."

Erich Merten zuckte die Achseln.

Auf die Irreführung, die immerhin möglich ist, müssen Sie es ankommen lassen. Aber ich bin über­zeugt, was auf den Talern steht, stimmt genau. Und ich denke mir, man kann der Sache von innen, vom -ausflur aus zu Leibe gehen. Der alte -err hat ebensowenig wie Sie die Aufmerksamkeit und Neugierde seiner Nachbarn erregen wollen. Im übrigen macht das Suchen nicht so viele Umstände, wie Sie sich das wahrscheinlich vorstellen, -aus- frauen haben nur Angst vor Maurerschmutz, vor breitgetretenem Kalk und Mörtel. Aber solch kleine Unannehmlichkeiten rechnen doch nicht bei der gro­ßen Aussicht."

Werner Olden bangte.

Es ist nur fatal, daß man einen Maurer in die Sache einweihen müßte."

Merten wehrte ab:

|Ist doch gar nicht nötig. Wenn Sie mich ein wenig mit Handreichungen unterstützen wollen, -err Olden, falls es nötig sein sollte, nehme ich alles auf mich. Ich bin in meinem buntbewegten Leben auch schon Maurer gewesen. Lassen Sie mich nur zum Dienst antreten."

Er machte eine lässige -andbewegung.

Sehen Sie, wenn ich mir nicht zu viel Zeit mit dem Entziffern der Taler gelassen, als sie in meinem Besitz gewesen, und ich hätte das allein gelesen, was ich Ihnen jetzt mitgeteilt: weiß der -immel, ich hätte den Mut aufgebracht, hinter Ihrem Rücken die Nachforschungen über Ihrer -austür vorzu­nehmen. Ich hätte abgewartet, bis Sie einmal alle nicht zu -ause gewesen wären, oder ich hätte Sie von zu -ause unter einem Vorwand weggelockt. Kein Mensch braucht etwas von der Sache zu er­fahren. Sie müssen nur für einige Stunden sicher sein, daß niemand kommt und uns stört. Wenn Sie wollen, bin ich gleich bereit, mich ans Werk zu machen. Es ist noch früh. Vielleicht haben Sie einen alten Anzug, den ich benützen könntemein Anzug ist mir zu schade. Außerdem brauche ich eine Leiter und verschiedenes -andwerkszeug."

Donata sagte hastig:

Vater, ich halte es für das Beste, wenn das, was doch getan werden soll, möglichst schnell ge­schieht. Ich bekenne, ich fiebere vor Spannung, und um diese Zeit dürfte kaum noch jemand zu uns kommen. Ich glaube, vor Störung sind wir jetzt völlig sicher. Sollte es trotzdem draußen schellen, öffnen wir einfach nicht."

Ich bin auch gespannt", bekannte Merten und lachte:Ich bin am allergespanntesten!"

Werner Olden überlegte nicht lange, und so stand denn Merten eine halbe Stunde später schon drau­ßen auf dem Flur auf einer Leiter. Er trug jetzt ein paar alte -ofen des -ausherrn, die er aller­dings hatte umkrempeln müssen, sonst würde er daraufgetreten haben. Werner Olden war fein -andlanger, und die -austür war verschlossen. Man ging von dem Standpunkt aus: wenn niemand zu -ause wäre, könnte man ja auch niemand auf­machen.

Alles erledigte sich viel einfacher, als selbst Merten angenommen, der besonders zuversichtlich ans Werk gegangen. Don innen, hinter halben Steinen, fand sich ein knapp fünfundzwanzig Zentimeter langer und zwanzig Zentimeter hoher -olzkasten, der aber vollständig mit Eisenblech beschlagen war. Ein ein­faches Schloß war davor angebracht, zu dem der passende Schlüssel an einer kurzen Drahtkette hing. Das Einfachste vom Einfachen war alles, aber das empfanden die vier Menschen kaum, die das Er­scheinen des Kastens mit Lauten des Erstaunens begrüßten.

Schon hatte Werner Olden den Kasten in Emp­fang genommen, und er trug ihn in das Zimmer wie ein Geburtstagsgeschenk, stellte ihn auf den Tisch, seufzte atemlos:

Ich ertrage die Spannung kaum mehr!"

Erich Merten wandte sich ab, trat an das Fenst» Mich darf und braucht es nicht zu kümmern was sich in der Kassette befindet. Mir liegt nur qJ meiner ausbedungenen Belohnung. Wenn der auch nur leidlich wertvoll ist, werden Sie mir qet-r Ihr Wort halten, -err Olden!"

Er stand mit dem Rücken zum Zimmer, uitz Olden fand: der Gauner verfügte über Taktgefühl

Nach einem Weilchen hörte Merten, wie Wernp Olden den Deckel der kleinen Truhe zufchlug. darauf wurde ihm die erfreuliche Kunde:

Sie können das Geld irt wenigen Tagen 6 halten fetzen wir fest von heute an in eine Woche."

Fein!" Erich Merten wandte sich um. Er strahl', und rieb sich die -ände.Ich habe schon fane> einen Reflektanten für mein Geschäft, und mit dj Geld von Ihnen dazu haue ich ab. -ier in J Gegend habe ich letzthin wenig Glück gehabt, ud Sie werden nie mehr etwas sehen oder hören ool mir."

Er zog sich im Nebenzimmer wieder um, unb el dunkelte bereits, als er das kleine -aus in Born-! heim verließ. Ein Maurer sollte die kleine Dehnung über der -austür wieder in Ordnung bringen. Aus­reden, um den Schaden zu erklären, gab es genug

Nachdem Merten gegangen, sahen sich die br« Menschen an, als wollten sie sich auf diese Weh überzeugen, daß sie nicht träumten, und Wem-, Olden schlug schließlich wieder den Deckel der Heiner Truhe zurück.

Sie enthielt kein Geld, keine Papiere, bie irr Laufe der Zeit vielleicht hätten wertlos roerbej können, sondern, in seidenen Lappen gut geborger, Schmuckstücke der verschiedensten Art, vor alle,! aber lose Juwelen.

Es gehörte kaum ein Kennerauge dazu, die Eb heit festzustellen. Am nächsten Tage aber gab Besuch bei einem Juwelier, dem Werner Olden eh paar der Stücke vorlegte, volle Gewißheit. Es Han- bette sich um erlesene Edelsteine, deren teilwchr Verkauf sogar in dieser Zeit, in der die Nachfnzr nach solchen Dingen gering war, auch bei billiger Abstoßung ein Vermögen bringen mußte. Der Enke! und die Urenkelin des bösen Tobias Olden batten erst gefunden, was er feinem Sohn zugedacht.

Unter dem Siegel der Verschwiegenheit ersck Detlef Westkamp durch Donata das Neueste.

Sie betonte:

Vater wünscht nicht, daß über die Sache ge­sprochen wird. Detlef, der Gauner hat ja auch wirk­lich verhältnismäßig anständig gehandelt."

Ihm aber war zumute, als packe ihm die schöne Donata Olden eine zu schwere Last auf. In j einen Ohren fauste und brauste das Blut. Das Schichl meinte es fast zu gut mit Donata.

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