Ar. 216 Zweites Blaff
Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, September 1934
löt und einen guten Einblick in die Verhältnisse
n ren sicher kluge Worte, aber die Einsicht des ein;
etoas ändern. Uebrigens sagen die Holländer
gedehnten Großindustrie der Silikate, in welcher künstliche Bausteine aus hydraulichen Bindemitteln
versehen eingeborene Polizisten in tadellosen Uni-
Ize-.iers vom 1. September und Nr. 210 des Gießener formen lAiigeigers vom 8. September. Lampei
süd-
fuhr.
Men Hotel verschwindet. Für die Schiffstage brin- die „Hafentage" eine Häufung der Arbeit: Es io-nmen neue Passagiere, es gilt neue Fracht zu Äirnehmen und das mitgebrachte Gut zu löschen, Lcsei ist zu überlegen, wie man die Zeit einteilt.
hergestellt werden, die der Bautechnik ganz neue Möglichkeiten eröffnen, von denen sich die alten Zeiten nichts träumen ließen, oder bis zu der Massenproduktion eines klaren, farblosen, fehlerlosen Glases, das ein wahrhaft edler Baustoff der Neuzeit geworden ist, oder zu den künstlerischen Schöpfungen der heutigen Porzellanindustrie mit ihrem herrlichen Reichtum an Formen und Farben!
Eine besonders interessante Stellung nimmt die
* Vergleiche Nr. 204 des Gießener Anzeigers vom 1. September und Nr. 210 vom 8. September.
Ein jedes völkergeschichtliche Museum zeigt die Anfänge der Bereitung von Nutzgegenständen und Werkzeugen erst aus rohen Naturstoffen, wie Feuerstein, Nephrit und dergleichen, dann die weitere Entwicklung zu behauenen und kunstvoller bearbeiteten Werksteinen und Bausteinen, und schließlich zum klaren, farblosen oder gefärbten Glas. Welch ein langer Weg allerdings bis zu der heutigen aus
stationiert. Heute sind es 24 Engländer, vier Holländer und nur zwei deutsche. Japaner? Nein,
shials Beauftragte des „Sicherheitsdienstes" aus- riuen und die Herausgabe etwa gehamsterter Le- briimittel verlangten. Sie oollführten beträchtlichen Sim, mißachteten alle Proteste, zerkratzten mit ifrtn vernagelten Stiefeln das Parkett, sagten allen willichen Haushaltsmitgliedern schauerliche Dinge Uit zogen schließlich unter Mitnahme eines halben Rih es, das sie in der Speisekammer fanden, davon
lies war nicht nur eine Verletzung der Exterritori- iMiüt jener südosteuropäischen Macht, also ein diplo- mi jcher Zwischenfall reinsten Wassers, sondern es :Mi auch ein gewaltsamer Eingriff in das Ernäh-
verdrückte, und einen Zahlmeister, der zum Nachtisch ein großes Stück mecklenburgischer Bauernwurst in die Kabine mitführte ... Der Seemann übrigens, der sich nicht inbrünstig in die vielen Spezialschüsseln mit Labskaus, Curry mit Huhn und Reis oder gar Salzfleisch „kniete", muß noch geboren werden.
i den Verkehrsdienst. Es gibt rote und grüne Lampen, „Stop" und „Go"; Polizisten mit Ver-
Wir machen im Hafen fest. Um uns herum am Pier und an Bojen, hinter dem gewaltigen Wellenbrecher, liegt Schiff an Schiff. Zweiunddreihig sind hier, drei große Postdampfer werden noch er- ~ .......l deutscher Hansa-
dampfer. Im Jahre 1911 waren hier acht große deutsche Schiffe, elf Engländer und ein Holländer
Das Rohstoffproblem und die technische Forschung
M Bezug auf Borneo.- „Sie sollen nur kommen; in demselben Augenblick fliegen alle Del»
Das Kalb des Konsuls
Bon Karl Lerbs.
Goethe als Anekdotenerzähler.
In seinen Werken, Briefen und Gesprächen haben wir viele Zeugnisse dafür, daß Goethe ein kurzweiliger und hinreißender Geschichtenerzähler gewesen ist. Unter Freunden entfaltete auch der alte Goethe noch eine bezaubernde Erzählungskunst. „Es spricht von allem mit", berichtet z. B. Johanna Schopenhauer, „erzählt immer zwischendurch kleine Anekdoten, drückt niemand durch seine Größe. Wenn er erzählt, ist er immer die Person, von der er spricht." Eckermann bemerkte einmal, er entsinne sich nicht, daß Goethe je in Gotha gewesen sei. „Das hat so seine Bewandtnis", erwiderte er lachend, „ich bin dort nicht zum Besten angeschrieben. Ich will Ihnen davon eine Geschichte erzählen. Als die Mutter des zuletzt regierenden Herzogs noch in hübscher Jugend war, befand ich mich dort sehr oft. Ich saß eines Abend bei ihr allein am Teetisch, als die beiden zehn- und zwölfjährigen Prinzen, zwei hübsche blondlockige Knaben, hereinsprangen und zu uns an den Tisch kamen. Ueber- mütig, wie ich sein konnte, fuhr ich den beiden Prinzen mit meinen Händen in die Haare mit den Worten: ,Nun, ihr Semmelköpfe, was macht ihr?' Die Buben sahen mich mit großen Augen an, im höchsten Erstaunen über meine Kühnheit — und haben es mir später nie vergessen!" Johanna Schopenhauer berichtet von einem Abend bei Goethe, an dem einige junge Schauspieler da waren und er mit ihnen sein Jugendwerk „Die Mitschuldigen" las. Er hatte selbst die Rolle 'des Gastwirtes übernommen und deklamierte so voll Feuer und Leben, hatte das Komische so in seiner Gewalt, daß die Anwesenden nie etwas Vollendeteres der Art gehört hatten. Zwischendurch rief er den jungen Leuten halb komisch erzürnt und halb im Ernst zu: „Seit ihr denn gar nicht verliebt? Verdammtes junges Volk! Ich bin 60 Jahre alt, und ich kann's besser!" Goethe aß zuweilen bei der Herzogin Amalie in Ti furt zu Mittag. Er beschwerte sich, daß der Mundkoch Goullon so oft Bauernkraut vorsetzte, und als es ihm eines Tages wieder aufgetischt wurde, ging er voll Verdruß ins Nebenzimmer, wo er einen Jean Paulschen Roman auf dem Tisch liegend fand und etwas darin las. Dann aber sprang er auf und sagte: „Nein, das ist zu arg! Erst Sauerkraut und dann 15 Seiten aus Jean Paul! — das halte aus, wer will!"
! es kein Wunder, daß das an sich schon national taff geeinte Volk sich immer fester zusammen- cLieße, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Der Lchuldige sei nicht derjenige, der zuerst losschlage, Indern diejenigen, die durch ihre Rüstungen den Ksammenstoß unvermeidlich gemacht hätten. Das
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Singapore, im August 1934.
Wir steuern von Süden her Insel und Hasen von penang an. Damit ist hmterinoijch-brilijcher Bo» Den erreicyl. Die Halbinsel Malakka, die sich von Siam bis dicht an den Aequator zieht, liegt wie sm riesiges Sperrfort am Dfttor des engUjcy-lndl- ichen Reiches. Sie Ichließt das Südchinesijche Meer nach Westen ab und gewinnt für England um so «roßere Bedeutung, als der japanische Expansions- . rang im letzten Jahrzehnt immer bedrohlichere For- !nen anmnunt. Wo man auch hintornrnen mag: Upan istdasTagesgejpräch in den Klubs, lei. Geschäftshäusern und Hotels. Auch auf unserem Schiff wird lange und ausgiebig über den Osten !<jprochen. Besonders interessant werden die Er-
q eilen in d i e Luft!". Man sieht also, daß iD.-klich Spannungen ernster Art vorhanden sind ..
Wir sind währenddessen in P e n a n g angekom- nim. Das für den Osten typische Hafenbild: „Vor- Fngerte gebirgige Inseln, Molen und Wellen- ircher, ein Peak (Aussichtsberg), und von weitem f.Clbar das Gebäude der Hafengesellschaft mit einer kragen Palmenpromenade Lavor, die in einem
die durch den Kälberfang etwa hervorgerufenen innerpolitischen Schwierigkeiten für weniger schlimm M-.o_ .als die vorher drohenden außenpolitischen; vielleicht .Imponderabilien" nannte. I achtete er in dem Mann einen zweiten Salomo, der
: rmisprogramm ihres konsularischen Vertreters, mibföroar hatten die Eindringlinge damit im Innern ihionft so friedliebenden Mannes die einzige Saite Iküfjrt die kriegerische Klänge von sich zu geben iirianbe war. Er holte sich, ächzend vor Zorn, Rat l\< inem Kollegen, der eine andere südosteuropäische ! Dicit repräsentierte und innerlich erheitert, aber i pifcirlid) mit schwerem Ernst den Standpunkt ver- ilrt daß hier ein außergewöhnlich ruchloser, nach- ÜTklid) zu ahnender Uebergriff geschehen und das lsiüWe Recht politischer Vertreter verbrecherisch crnijütaftet sei.
Sir Generalkonsul, also bestärkt, begab sich heim, dll: ich einige Ordensbänder durchs Knopfloch, fetzte fienn Staatszylinder auf und fuhr in seinem Kraft- t ü:g-.n, auf dessen Kühler die Miniaturflagge der Hlüv4europäischen Macht flatterte, beim Chef des ^Lh^cheitsdienstes vor. Dieser, ein schlichter Ma» BlHeiDon riesigem Körperbau, aber geringer Amts» eitv.ng, stand eben an einem Pult und unterzeich- r i«r rnicht ohne Anstrengung eine Anzahl von Er- Ime . Er warf auf den erregten Besucher nur einen sichten Blick und knurrte eine Bemerkung etwa des Wrscj'ts: Er habe stets eine unüberwindliche Ab- niejimg gegen Männer mit Zylindern gehabt und nuis! daher bitten, den Ankömmling sogleich aus st n>i Gesichtskreis zu entfernen, widrigenfalls er fifefein weiteres Benehmen keinerlei Gewähr leisten fi&-' . Sein Adjutant indessen, nicht minder riefen» hiv; :aber etwas welterfahrener, daher zu Kom- P 'rrVfen geneigt, klärte ihn darüber auf, daß der TJSr Vertreter eines fremden Staates fei, und die Hiy ukehrung rauher Sitten daher das zur Folge hMir könne, was er „Imponderabilien" nannte. I
kommen meist lange vor Abfahrt abgekämpft an Bord, kriechen zufrieden in die Kabine, überrechnen ihre Ausgaben und freuen sich auf den Gongruf zum Essen. Was gibt es wohl heute? Schweinskopf mit dicken Bohnen, gebackenen Aal und irgendeine
Vgl. die Aufsätze in Nr. 198 des Gießener An- zeciiers vom 25. August, Nr. 204 des Gießener An-
Entwicklung der deutschen Zementindustrie ein. Die Tatsache, daß hydrauliche Bindemittel aus Kalk durch Brennen hergestellt und dann zu Luftmörtel verarbeitet werden können, mag uralte Erkenntnis sein. Im neuzeitlichen Sinne haben wir die ersten Anfänge einer eigentlichen Zementindustrie jedoch bei den Römern festzustellen, die in vorbildlicher Weife unter Verwendung eines deutschen Rohmaterials, des Rhein-Trasses, einen aus, gezeichneten wasserdichten Mörtel gewannen, wie sie ihn z. B. zu ihren Wasserleitungen benutzten. Ein solches Material muß auch heute noch als eine vortreffliche Lösung des Zementproblems anerkannt werden. Im neuzeitlichen Sinne kann von einer eigentlichen Zementgewinnung erst seit der Erfindung des Portlandzements gesprochen werden. Diese jüngste Silikatindustrie, an die sich auf deutschem Boden durch die Verwertung der Eisenhochofenschlacken auch noch die Hütten- ze mente angeschlossen haben, stand von Anfang an fast ausschließlich unter dem Einfluß der exakten wissenschaftlichen Forschung. Es wurden systematisch die Reaktionen zwischen Kalk und Ton beim Brennen untersucht, die Konstitution des ,Klinkers" durch Anwendung der mikroskopischen Technik der Gesteinsuntersuchung weitgehend erhellt, sowie die Erkenntnisse der Kolloidchemie erfolgreich angewandt. Eine Unsumme von wissenschaftlichen Erfahrungen birgt sich in den angedeuteten Erkenntnissen; die Allgemeinheit hat von den Erfolgen solcher Arbeiten wohl nur als Ergebnis erfahren, daß fast Jahr um Jahr die Eigenschaften der Zemente, vor allem deren Druckfestigkeit verbessert wurden.
Deutschland ist an silikatischen Rohstoffen e i n reiches Land. So besitzt die Norddeutsche Tiefebene als Gabe der Tertiärzeit und der eiszeitlichen Umgestaltungen Glassande und Tone für alle keramischen Zwecke in reichster Fülle und Mannigfaltigkeit, dabei von einer Vorzüglichkeit und Reinheit, daß sie den höchsten technischen An- sprüchen gerecht werden. Es sei hier vor allem hin- gewiesen auf die Edelfande der Lausitz in der jüngeren Braunkohlenformation, so das berühmte Vorkommen von Hohenbocka, welches feiner hohen Reinheit wegen überaus geschätzt wird. Glassande für gewöhnlichere Gläser, wie Haushaltungsglas, Fensterglas ufro. finden sich in solcher Fülle, daß eine Aufzählung nicht möglich wäre. Ganz besonders wirtschaftliche Bedeutung besitzen für die Keramik die in der Ob er Pfalz sich findenden sogenannten Pegmatitsande, da diese Feldspatsubstanz reichlicher enthalten.
kehrsanzeigern oder weißen Aermeln. In den herrlich angelegten Villenstraßen leben auffallend viele Chinefen, die einen großen Teil des Zinn- und Gummigeschäftes in Händen haben. Große Krankenhäuser, verschwenderisch ausgestattete Erholungsheime, Klubs, Sportplätze aller Art, Renn- und Poloplatz, Prachtgebäude der Handelsgesellschaften, der obersten Gerichte, des Gouverneurs, der Banken ufw. geben den englischen Niederlassungen ihr Gepräge. Man möchte fast von dem Anfang einer neuen englischen Kolonialkultur sprechen, die sich dem japanischen Ideal einer groß- asiatischen Kultur in den Weg stellt. Der Trieb, englisch zu scheinen oder gar zu werden, steckt in jedem Eingeborenen oder Zugewanderten. Der Besitz einer Uniform ist ein hohes Ziel, und man wundert sich über die Soldaten der malaiischen Sultanate, die, der Form nach unabhängig, doch in jeber Beziehung englisch wirken: Englisch die Uniform, die Kaserne, der Drill — die Sprache.
Englisch ist auch der Sport, der den ganzen Osten erobert hat. Und im Sport allein findet sich
Der Chef des Sicherheitsdienstes, dem bisher lediglich verhältnismäßig primitive Erfahrungen auf innerpolitischem Gebiet zur Seite standen, sah sich hier plötzlich sozusagen in die Weltpolitik eingespannt, und zwar auf eine Weise, die alles andere eher als behaglich war. Er hatte keine Ahnung, welcher Art die angedrohten Weiterungen sein konnten, und auch die angedrohten „Imponderabilien" waren ihm gänzlich unbegreifbar; ebensowenig war es ihm gegeben, die mehrfach erwähnte Exterritorialität mit bem halben Kalb in eine sinnvolle Beziehung zu setzen. Doch würbe es ihm nach kurzem Bebenken klar, baß biese gefährlichen Fremdworte nebst Folgen schleunigst aus ber Welt geschafft werben mußten Zu biefem Zwecke erschien es ihm als das Beste, wenn er sich an bas Greifbare hielt. Das in ber Rähe ber Stabt gelegene Altenlanber Felb, wo sich große Viehherben reicher Bauern tummelten, tauchte als Rettungsgürtel vor seinem geistigen Auge auf. ®r rief einen feiner Leute herbei unb erteilte ihm einen Befehl, ber im reizvollen Originalbilbe hier stehen muß: „Lop mal hen na ’n Olenlanner Felle un fang for den Keerl ’n Kalfl" Den ibeellen Teil ber Genugtuung glaubte er burch ben an feinen Besucher gerichteten Satz: „— un bann entschulbigen Sie man!" hinlänglich zu erlebigen. Der Generalkonsul, durch biese Wenbung ber Dinge seinerseits etwas aus ber Fassung gebracht, zog sich hierauf stumm zurück.
Balb darauf erschien in bem Hause, das mit bem Wappen ber südosteuropäischen Macht geziert war, in ber Tat ber entfanöte Beauftragte; er trug ein kunstgerecht geschlachtetes unb hergerichtetes ganzes Kalb auf ber Schulter, begab sich bamit in bie Küche, legte es auf ben Tisch unb ging, ohne ein Wort zu reben.
Es ist nicht bekannt geworden, baß ber Generalkonsul gegen biese Form ber Wiebergutmachung irgendwelchen Wiberspruch erhoben hätte. Man kann biefes Schweigen, ganz nach Belieben, auf verschobene Grünbe zurückführen: Vielleicht hatte er Mitleib mit bem Chef bes Sicherheitsdienstes unb hielt
In zwei Tagen muß man in Singapore fein, unb zwar möglichst in ben Morgenstunben, weil man sonst einen kostspieligen Tag verliert. Außerbem kann es regnen, unb bann ruht bie Arbeit. Unser Schiff bringt Zwiebeln, Baumwolle, Eisenstangen, Teer, Kistenbretter, Kopra unb Ammoniak. Das be- beutet Anstrengungen für bie Offiziere, bie Mannschaft unb bas übrige Personal. Man versteht bes« l)alb gar nicht, woher eigentlich bie vielen Hafen- lieber kommen, bie bie Abenteuer bes Seemanns in ben Häfen besingen. Soviel Zeit, um Sensationen zu erleben, hat er in der Regel gar nicht. Unb außerbem: Was ein richtiger Seemann ist unb schon Jahrzehnte nach Ostasien fährt, ber bleibt an Bord, schont seine Knochen unb spart Gelb.
Die Passagiere schließlich, bie schon tagelang vom Hafen unb allem Drum unb Dran träumten unb bann wie eine Herbe Fohlen an Lanb stürzten,
Miner Kapitän auf großer Fahrt
Von Vera Eraener.
Ich habe heute einen Kapitän gesehen, ber trug einen grünen Luftanzug unb war schätzungsweise 3®ei Jahre alt. Auf kurzen, stämmigen Beinchen stanb er auf ben Kissen seines blitzsauberen Wagens wie auf einer Kammanbobrücke unb birigierte seine Leute mit hellen, juchzenben Lauten. Augen gerade- aus unb bie Hanb am Steuer (will sagen, auf bem heruntergeschlagenen Verbeck), so erteilte er feine Befehle, unb willig gehorchten ihm alle. Die junge Mutter, bie ben Wagen schob, Lumpi, ber Hund, ber zickzack nebenher trottete, unb bas kleine Mäb- chen, bas eigentlich -gar nicht zur Familie gehörte, sich aber angefchlosten hatte, weil sie ben kleinen Kapitän so nieblich fanb. Unb niedlich war er auch! Das bestätigten bie Blicke sämtlicher Vorübergehen- ben unb bie freunblidjen Zurufe.
»Frohe Fahrt, kleiner Mann!" riefen sie und winkten ihm noch eine Zeitlang nach. Aber der Kapitän sah weder nach rechts noch nach links und ließ sich nicht vom Wege abbringen, wie sich bas für einen richtigen Kapitän gehört, unb erst als er Lanb sichtete — ben großen Sanbhaufen, in ben ihn feine Mutti immer zum Spielen setzte — da krähte er ein paarmal vergnügt und schlug die dicken Patschhändchen zusammen.
„Stop!" schrie er, „Stop!", aber weil er es in feiner Sprache schrie — einer vokalreichen aber etwas undeutlichen Sprache — deshalb verstanden ihn nicht alle. Nur die Mutti verstand ihn unb brachte bie kleine Brigg zum Stehen. Zappelnb unb mit wilbem Getrampel stieg ber Herr Kapitän von der Kommandobrücke herunter, ließ Mannschaft Mannschaft sein und widmete sich dem Festlande und dem dazu gehörigen Sand.
Und wenn man ihm zusah, mochte man schon gar nicht mehr glauben, daß er eben noch ein Mann ber großen Fahrt unb ber wilben Meere gewesen war, fonbern man mußte ihn für eine regelrechte Landratte halten, beren heimisches Element einzig unb allein ber weiße Sanb war.
Doch als bann alle Spiele bis zur Erschöpfung gespielt unb unzählige Sanbkuchen gebacken waren, ba verlangte es ben Kapitän bvch roieber auf sein Scfjiff, unb mit brolligen, jetzt ein wenig müben Gesten lenkte er heimwärts. Durch bie abendlichen Straßen ber Stabt unb vorbei an freundlich lächeln» ben Menschen. Denn fast alle lächelten, als sie ihn so bahinfahren sahen, ben kleinen Kerl in bem bunten Höschen unb mit bem blonben Schopf über ben großen, braunen Augen
„Gut Winb ahoi, kleiner Kapitän!"
III*.
Deutsche Rohstoffe für Glas, Porzellan und Autobahnen.
Von Professor Dr. Wilhelm Eitel, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Znstiiuies für Silikat- sorschung, Berlin.
Hunderttausende von beutschen Arbeitern verdienen ihr tägliches Brot in deutschen Glashütten, Porzellan-, Steingut- und Steinzeugfabriken, wie in den großen Zementwerken, die vor allem in den dichtbesiedelten Jndustriegegenden Deutschlands sich niedergelassen haben. Ihrem Wesen nach sind diese Industriezweige Teilgebiete der großen deutschen chemischen Industrie, aber von besonderer Eigenart, weil sich ihre Rohstoffe im Mutterschoß der deutschen Erde oorfinden und zwar in Form der sogenannten Silikate, d. h. den Sauerstoff- verbinoungen des Siliziums. Zu ihnen gehören ferner auch das Aluminium, der Kalk und die Magnesia. So bilden die Silikate eine Welt für sich, die der Welt der belebten Stoffe und ihrer Grundsubstanzen, der Kohlenstoffverbindungen, in der Natur nebengeordnet ist. Für den Haushalt des Menschen besitzen sie um ihrer großen Dauerhaftigkeit, ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Druck und Wärme willen, eine zumindest ebenso große Bedeutung wie die Metalle.
Ostens" heißt es: „Japan ist der Spiegel der gesamten Gedankenwelt Asiens." Und an anderer Stelle ist die Rede von „Japan, Sammlerin indischer Ideale und chinesischer Ethik."
Penang ist wie ein großer Garten. In ganz Englisch-Indien wirb nämlich größter Wert auf ben Ausbau ber Straßen gelegt, unb die Autostraßen suchen ihresgleichen in der Welt. Ueberall
öer Engländer der Ueberfee mit den anderen Völkern. Man ist früh morgens auf den Sportplätzen, dann im „Office", man „luncht", Office bis 4 ober 5, bann ein „Drink" im Club, Sport, Ankleiben für ben Abenb, bas „Dinner". In allen Hotels bes englischen Jnbien unb weiter bis nach China hinein tanzt man mit Hingebung. Zweimal in ber Woche ist offizieller Abenb in großer Toilette. Aber man kann sich kaum etwas Langweiligeres (für deutsche Begriffe) vorstellen, als ein „Dancing". Der Jazz ist nicht etwa überholt, fonbern lebt in seiner verschrobensten Form weiter. Allerbings wirb auch Walzer getanzt, ober vielmehr getreten. Die Kolonien tanzen eigentlich nicht, sie treten einen Tanz zusammen. Man schleicht, bie Dame im Arm, im Saal umher, man vertritt sich bie Beine, man schleift gemeinsam, unauffällig, kalt, ohne Behagen. Man genügt einfach einer Pflicht. Die Amerikaner können es schon besser. Sie sinb ausgelassener, unb es kann sein, baß ein innig verschlungenes Paar weltenfern burch ben Saal segelt, steif unb boch roenbig, heiter unb bvch verträumt.
Japan, das Tagesgespräch auf einem Ostindiendampfer
Don unserem nach Tokio enksandken R.W.-Äerichierstaüer^
trterungen, als Angehörige bes britischen ). vlonialheeres aus Singapore unb Be- einte der britischen Oelgese 11schaft in ’iorbborneo an Bord kommen, um die Bequemlichkeiten eines Hapagdampfers für Tage ober Wochen ■a genießen. Meist sind es Urlauber, bie über Ja- pn unb Amerika nach Europa fahren ober solche, ...... —---------
te eine Erholungsfahrt Singapore—Singapore : ber herrlichen Früchte ber Sübfee, Mangos, Feigen, wer China unb Japan antreten. Alle glauben an- Pvmeloes ober gar Durians. Ich kenne einen Ka- lshmen zu dürfen, daß eine Auseinandersetzung pitän und viele Passagiere, die vom Schweinskopf r it Japan bevorstehe, weil es die Vorherrschaft im zweimal und von den dicken Bohnen \ dreimal fernen Osten unb damit eine Kontrolle bes ge|amten aßen ...Ich kenne einen ersten Offizier, ber nach Bembels forbere. 'Dian erzählt von großartigen anftrengenben Hafentagen brei Schweinskoteletts SsrteibigungsDorbereitungen in Singapore unb fhla» - v v " ' "
r la unb versichert, Rußlanb stehe am Amur „be- nt". Die gleichen Gespräche also, bie in Europa : führt werden. Sie wirken nur hier viel plastischer, i: man die Stätten der angeblich bevorstehenden i_iseinanbersetzungen selbst vor Augen hat.
Ein Amerikaner, der seit 45 Jahren in Manila
fimonnen hat, wies sehr überzeugend daraus hin, V B im Osten sich jeder von jedem bedroht fühle ____ O__M, 1-_l______r|,. _
ir b niemanb ben Mut habe, bie Dinge einmal ruhig wartet. Dort brüben liegt auch ein z besprechen. Statt besten rüste man so lange, bis 1 ' ~ ~ '
lenes Tages bie Gewehre von selbst los«
8 n g e n. Wenn Japan bie Vorbereitungen seiner (!:gner immer stärker zu fühlen bekomme, dann
Daraufhin fah sich der Chef, ein wenig herabge-1 das Streitobjekt, da es bereits geteilt war wieder ftimmt durch das bedrohlich klingende Fremdwort, zu einem Ganzen fügte; vielleicht auch war er zu veranlaßt, den Besucher nach seinen Wünschen zu *“*•* rc-e—1“1- *- r ~ ~ " -
I fragen. Der Generalkonsul holte tief Atem; Aerger 5ser konsularische Vertreter einersübosteuropäischen über bie anfänglich so schlechte Behanblung, das
Litcht in einer Hansestadt, ein beleibter, harmloser, Bewußtsein schändlich verletzter Rechte und der
tollgelittener Mann, mußte es in den ersten No- Schmerz um bas halbe Kalb verliehen ihm eine
Hlbertagen bes auch sonst unheilvollen Jahres Berebsamkeit, bie wie ein Hagelwetter auf ben
M8 erleben, baß einige schwer bewaffnete, mit roten Gegner herab- ober richtiger an ihm in bie Höhe Gdi.eifen geschmückte Männer fein Haus betraten, c“f
wir haben erst zwei japanische Schiffe gesehen. Japanische Menschen? Es ist fast unheimlich, aber es ist uns noch kaum ein Japaner begegnet. Dafür ein lebhaftes Gemisch inbisch-malayischer Rassen, zahlreiche Chinesen unb Angehörige von Gebirgsvölkern ber tibetanisch-chinesischen Grenze. . . , z Jnbvchina: ein Durcheinanber von Kulturen, keine
Men mirb _an„ ber „Japanerpsychost" schwerlich Geschlossenheit. Ein Auseinanberfluten, das keine Kraft zu neuer Staatenbildung zuläßt. Die Engländer wissen das und haben daraus reiche Erfolge in ihren kolonialen Eroberungszügen geerntet. Weiter im Osten aber gewinnt ein anderes Jnselvolk in stärkster Geschlossenheit immer mehr an weltpolitischer Bedeutung, und das große Problem der Zukunft für Englanb und Holland ist die immer deutlicher in Erscheinung tretende Führerrolle im Osten, die Japan einmal für sich in Anspruch nehmen wird und schon heute ankündigt. In den „Idealen des
der Erkenntnis gelanat, daß Form, Beschaffung und prozentuale Bemessung der Entschädigung mit öen Gepflogenheiten der von ihm vertretenen osteuropäischen Macht im Einklang stand.


