unermüdliche Sammlertätigkeit große Werk voran, so daß ein unschätzbarem Werte geschaffen
Max Buchner der ratende und
Gießen, der eine entfaltete, kam das Kulturdenkmal von werden konnte.
Immer blieb Dr.
stellte einen dem obigen Urteil entsprechenden An- trag.
Gegen den Karl Bauden aus Trier wurde das wegen Spionageverdacht und Herabwürdigung der deutschen Verhältnisse eröffneten Verfahren zwecks Anstellung weiterer Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft abgesetzt.
Da ein Angeklagter nicht erschien, wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen.
„Kampf der Gefahr!"
Ein Vortrag über Städtische Verkehrsregeln.
mit Verständigkeit und Herzensgüte, verborgene Kräfte zu wecken und anzuregen verstanden. So dankt ihm die Universitätsstadt Gießen die Erhaltung eines ihrer berühmtesten Prunkstücke, Deutschland aber eines der wertvollsten Kulturdenkmäler.
„Der Krieg hat uns Haushalten gelehrt! Die Chemie ist darin Meisterin, so daß sie vom volkswirtschaftlichen nicht weniger als vom ideellen Standpunkt aus gepflegt werden müßte, denn sie führt in die großen Geheimnisse der Natur ein, sie regt die Phantasie mächtig an, schärft die Beobachtung und erfüllt die Seele mit einer heiligen Stimmung", so schreibt, er einmal in seiner weitschauenden Art, als sollte es eine Mahnung gerade für unsere heutigen Tage sein. So sei sein unermüdliches Bestreben, mit der Erhaltung des Liebig- Laboratoriums in Gießen die großen Kulturaufgaben des Friedens zu fördern, wertvolles Vermächtnis und heilige Verpflichtung. H. K.
Reichsbund Volkstum und Heimat.
Unsere Mitglieder werden zu reger Beteiligung am Schiffenberger Heimattag am 17. Juni herzlichst eingeladen. Näheres im Anzeigenteil.
Im Cafä Leib fand gestern abend auf Einladung der NSV. - Abteilung „Schadenoerhütung" ein Schulungsabend statt, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag über „Städtische Verkehrsregeln" stand. Der Redner des Abends, Polizeiinspektor Kröt- z i n g, führte u. a. aus:
„Kampf dem Verkehrsunfall" laute die Parole. Warum diese Parole? Die Entwicklung der Technik habe eine ungeheure Steigerung des Verkehrs mit sich gebracht. Allenthalben seien neue Probleme aufgetaucht und die Motorisierung des Straßenverkehrs habe Fragen von weittragender Bedeutung heraufgerufen. Der rasche Verkehr sei nicht nur zu einer staatlichen, sondern vor allem zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Deshalb habe der Verkehr auch alle Förderung erfahren müssen. Der Führer Adolf Hitler habe die weittragende Bedeutung des motorisierten Verkehrs erkannt und dementsprechende Maßnahmen getroffen. Den Vorsprung, den das Ausland hinsichtlich des Straßenverkehrs habe, müßten wir aufzuholen bemüht sein.
Die Gefahren, die mit der Steigerung des Verkehrs verbunden seien, dürften aber nicht Anlaß sein, die weitere Entwicklung des Verkehrs zu behindern, die Gefahren müßten vielmehr ausgeschaltet werden und zwar durch die Mitwirkung aller Beteiligten. Das Ziel sei auch hier der Schuh der Volksgemeinschaft.
Es stehe fest, daß 95 v. H. aller Verkehrsunfälle auf Fehler der Menschen zurückzuführen seien und nur etwa 5 -o. H. der Unglückfälle einer höheren Gewalt zugeschrieben werden könnten. In seinen weiteren Ausführungen, zu denen der Redner auch eine große Anzahl von sehr einprägsamen Lichtbildern zeigte, beschäftigte er sich mit den verschiedensten Verkehrssünden. Wenn ein Unfall passiert sei, dann beschuldigte stets einer den anderen. Wichtig sei es vor allem, Erziehungsarbeit an sich selbst zu leisten. Denn sie diene nicht allein dem eigenen Wohl, sondern auch dem Wohl der Mitmenschen. Die Aufklärung, die die Verkehrserziehungswoche vermitteln wolle, gehe alle Gruppen der am Verkehr Beteiligten an. Wenn jeder Erziehung an sich selbst übt, dann werde es eines Tages auch möglich fein, die ungeheure Anzahl der Verkehrsunfälle wesentlich zu beschränken.
Noch fordere der Verkehr jährlich fast 10 000 Tote und mehrere hunderttausend Verletzte. Der Schaden, der durch Verkehrsunfälle jähr-
unterstützende Helfer. Längst hatte er sich in eine führende Stellung (in Norwegen) hinaufgearbeitet, aber sein ganzes Sinnen und Trachten galt der Förderung der Chemie im deutschen Volke und der Heranbildung tüchtiger Chemiker, „damit", wie er
1918 schrieb, „die Tüchtigsten aus dem deutschen Volke, das wie kein anderes Volk für die Chemie begabt ist, die ihnen von der Natur gegebene Befähigung des Forschens und Erfindens zum Nutzen des Vaterlandes und zum Nutzen unserer deutschen Kultur im kommenden Frieden entwickeln und ausnützen und der deutschen Volkswirtschaft neue Werte schaffen können".
Mit der Tat ging er voran, gründete die Gesellschaft für chemische Apparate und Maschinen (Dechema) und darauf die „Achema", die Ausstellung chemischer Apparate, die sich zu einer der glänzendsten Schauen deutschen Erfinder- und Technikergeistes entwickelte. Trotz seiner vielen Arbeit kam Direktor Dr. phil. Buchner, dessen erfolgreiche Arbeit durch die Verleihung des Titels eines Dr.- Jng. ehrenhalber verdiente Anerkennung gefunden hatte, gern nach Gießen zur früheren Arbeitsstätte seines großen Meisters, den er als schöpferischen Geist und Forscher von Gottes Gnaden verehrte.
Jetzt hat ein Höherer seinem arbeitsreichen Vorwärtsdrängen ein Ziel gefetzt. Nicht nur der Wissenschaft und Technik hat er bahnbrechende Fortschritte aufzeigen können, sondern auch durch sprühenden Gedankenflug und großen Ideenreichtum, gepaart
Aus her Provinzialhauptstadt.
Or. Max Buchner Hannover f *
Erinnerungen an den Gründer des Llebig-TIluseums.
„Fortschritt finden", das war das Motto des ebenso rastlosen wie immerwährend grübelnden Forschers und Praktikers Max Buchner, der jetzt kurz vor Vollendung seines 68. Lebensjahres in Hannover gestorben ist.
Bei aller Bescheidenheit, die den stets freundlichen und liebenswürdigen Süddeutschen auszeichnete, verfolgte er mit unbändigem Arbeitseifer zäh und ausdauernd sein einmal gestecktes Ziel und die Erfolge blieben nicht aus. Dieses heitere Gemüt war sicher ein Erbaut seiner schönen bayerischen Heimat, der altehrwürdigen Bischofsstadt Bamberg und der forschende, grübelnde Sinn mag ihm, der einer Buchhändlerfamilie entstammte, ebenso im Blute gelegen haben.
Frühzeitig fühlte er sich zu den Naturwissenschaften hingezogen. Nach seinen Studien auf der Technischen Hochschule in München und der Universität Würzburg wurde er zunächst Verlagsbuchhändler in dem bekannten C. C. Buchnerschen Verlag in Bamberg, dessen Teilhaber er wurde. Seinen Neigungen und seinem Temperament entsprach dieses stille Nachgehen nach der Wissenschaft nicht, er wollte selber tätig den Dingen auf den Grund dringen. „Die Welt muß erarbeitet sein", war sein Ausspruch. So studierte er noch Chemie und trat 1898 bei der Chemischen Fabrik Boehringer (Mannheim-Waldhof) ein.
Er erkannte wie kein anderer das revolutionierende Prinzip der von Justus von Liebig geschaffenen Chemie in allen seinen Möglichkeiten für Landwirtschaft, Technik und Volkswirtschaft. Seines Meisters Liebig Worte: „Wissenschaft und Industrie bilden heutzutage eine Macht, die von Hinoernissen nichts weiß, die er in seinem elften chemischen Brief ausgesprochen hatte, blieben ihm tief eingeprägt und er war sich darüber klar, daß auch die Zukunft noch unter Liebigs Einfluß stehen würde.
So ging der Abteilungsvorstand der Chemischen Boehringer-Werke daran, den Plan der Erhaltung der ehrwürdigen Arbeitsstätte des größten aller deutschen Chemiker zu verwirklichen. Vor jetzt 25 Jahren, Ende des Jahres 1909, gelang es Buchner, einen Arbeitsausschuß gu bilden, der Anfang 1910 „einen Aufruf zur Erhaltung des alten Gießener Liebig-Laboratoriums" an die Männer der deutschen chemischen Wissenschaft und Technik richtete, der auch Erfolg hatte. Bereits am 27. Juli 1911 konnte die „Gesellschaft Liebig-Museum" mit dem Sitz in Gießen gegründet werden, die ihre Aufgabe in der Erhaltung und Erwerbung, sowie der Wiederherstellung des Liebig-Laboratoriums und der Errichtung eines Liebigmuseums in seinen Räumen sah. Das Protektorat übernahm der.Großherzog von Hessen. Durch die in hochherziger Weise gestifteten Summen durch Geh. Medizinalrat E. Merck in Darmstadt konnte das Gebäude erworben werden.
Dank der außerordentlichen Mühe und Hingabe des Geh. Medizinalrats Prof. Dr. R. Sommer in
lich entstehe, belaufe sich auf jährlich nahezu 2,5 Milliarden.
In der Verkehrserziehung müsse vor allem der Hebel an der Jugend angesetzt werden. Die Erkenntnis der Gefahr und der gute Wille allein genügten nicht immer, es müsse in jedem Falle Verkehrsdisziplin gewahrt werden. Jeder Einzelne habe in dieser Hinsicht Pflichten der Allgemeinheit gegenüber.
Wer einmal durch fahrlässiges handeln einen Verkehrsunfall veranlaßt habe, der vielleicht sogar zum Tode eines der Beteiligten geführt habe, werde sein ganzes Leben lang darunter leiden,
ganz abgesehen von der zu gewärtigenden Freiheitsstrafe. Jeder Fußgänger müsse über die Verkehrsregeln unterrichtet sein, jeder Lenker irgendeines Fahrzeuges müsse die einschlägigen Verkehrsbestimmungen genau kennen. In seinen weiteren Ausführungen gab der Redner, unterstützt durch sehr klare Lichtbilder, einen Ueberblick über die wichtigsten Bestimmungen und jene Regeln des Verkehrs, gegen die am meisten verstoßen wird. Er schilderte im einzelnen das Verhalten des Fußgängers auf dem Gehsteig, auf der Fahrbahn, bei dem Ueberschreiten von Plätzen und Straßen usw. Er kennzeichnete ferner das Verhalten des Fußgängers dem Fahrzeug gegenüber und gab so einen vollkommenen Ueberblick über die vielen Möglichkeiten, einen Unfall von vornherein zu verhindern.
Nicht weniger eingehend beschäftigte sich der Vortragende amchmtt den Verkehrsregeln, die der Radfahrer, der Motorradfahrer, der Kraftwagenführer und der Fuhwerkslenker zu beachten haben. So hörte man von den Regeln des Ueberholens, des Ausweichens, des Haltens und Anhaltens, und allen den Pflichten, die ein verantwortungsbewußter Fahrzeugführer zu erfüllen hat. Zum Schluß erläuterte der Redner noch die vielen Zeichen und Schilder, die der Verkehrsregelung dienen. Der vielseitige interessante Vortrag wurde mit ungeteiltem Interesse verfolgt. Der Redner fand dankbaren Beifall.
Mit der Aufforderung, die Anregungen des Abends hinauszutragen in alle Bevölkerungskreise und mit der Bitte für die Verbreitung des Heftchens „Kampf dem Verkehrsunfall", das jeder Volksgenosse besitzen müsse, Sorge zu tragen, fand der Schulungsabend seinen Abschluß. Mit einem dreifachen „Sieg- Heil!" gedachte man des Führers* Adolf Hitler.
Aus parteiamtlichen Bekanntmachungm
Die Ortsgruppe Gießen-Ost hält am Freitag, 22. Juni, 20.30 Uhr, in Verbindung mit der Ortsgruppe Gießen-Nord im Caf6 Leib ihre Mitgliederversammlung ab.
Die NS. - Frauenschaft teilt mit, daß jeden Freitag nachmittag in der Nähstube, Alte Klinik, Liebigstraße, von 3 bis 5 Uhr, Näharbeiten zum unentgeltlichen Nähen ausgegeben werden. Die Mitarbeit ist den Mitgliedern zur Pflicht gemacht.
Nationalsozialistischer Buni) deutscher Technik (NGBOT.)
(Früher KDAJ., Bezlrksleikung Gießen.)
Die Auflösung des KDAJ. und Umgestaltung desselben in den NS.-Bund Deutscher Technik (NSBDT.) erfordert eine grundlegende Neugestaltung der Organisation, die einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Bis dahin bleibt die Gliederung des bisherigen KDAJ. unverändert bestehen, die Zahlung der Beiträge hat an das Postscheckkonto 6469 Frankfurt a. M., KDAJ.-Bezirksleitung Gießen, wie bisher zu erfolgen, solange keine anderen Weisungen ergehen.
Der nächste Schulungsabend findet am Mittwoch, 20. Juni, 18.30 Uhr, im Caf6 Ebel, Burggraben, statt. Es spricht entweder der Kreisschulungsleiter Pg. Michel oder der Kreispropagandaleiter Pg. Schmelz über ein Thema aus der Vorzeit des deutschen Volkes. Die Teilnahme an diesem Schulungsabend ist Pflicht für alle KDAJ.-Mitglieder des Bezirks Gießen, soweit sie sich an diesem Abend in Gießen befinden.
Gäste sind, wie immer, willkommen!
gez. Kurz, Bezirksleiter.
Vertagung der Stadtratssihung.
Die auf gestern nachmittag anberaumte öffentliche Sitzung des Stadtrats mußte wegen Beschlußunfähigkeit — einige Mitglieder der Fraktion waren durch anderweitige Inanspruchnahme am Erscheinen verhindert — ausfallen. Die Erledigung der Tagesordnung wurde auf später vertagt.
Oie Auszahlung der Oienstbezüge in Hessen.
Der Hessische Staatsmini st er teilt in einem Erlaß an die unterstellten Behörden u. a. mit, daß vom Monat Juni 1934 an die Dienstbezüge der Beamten und Staatsdienstanwärter sowie die Der- sorgungsbezüge der Wartestandsbeamten, Ruhegehaltsempfänger und Hinterbliebenen von Beamten Mitte des Monats fürden laufenden Monat gezahlt werden. Für den Monat Juni 1934 erfolgt also Zahlung am 15. Juni. Die Zahlung der Bezüge der Angestellten und der Kanzlei- und Bureaugehilfen erfolgt jeweils am 25. eines jeden Monats. Fällt dieser Tag auf einen Sonntag, so ist der vorhergehende Werktag Zahltag.
Echwerkriegsbeschädigtenfahrt nach Gladenbach.
Das NSKK. veranstaltet am kommenden Sonntag, 17. Juni, in Gemeinschaft mit dem DDAC. eine Schwerkriegsbeschädigtenfahrt nach Gladenbach. Für diese Fahrt wurden nicht weniger denn 70 Kraftwagen zur Verfügung gestellt, so daß etwa 200 Kriegsbeschädigten Gelegenheit gegeben ist, die Reise mitzumachen. Die stattliche Wagenkolonne wird sich um 12.30 Uhr nach der Aufstellung der Wagen auf Oswaldsgarten in Bewegung setzen und über Rodheim, Fellingshausen, die „Eiserne Hand", Frankenbach und Erdhausen nach Gladenbach fahren. Die Schwerkriegsbeschädigten lernen auf dieser Fahrt ein präcktiges Stückchen deutscher Heimat kennen. Die SA., die NS.-Frauenschaft und der DdM. in Gladenbach treffen bereits die Vorbereitungen für die Aufnahme der Gäste. Die NS.-Frauenschaft und der DdM. haben die Bewirtung der Schwerkriegsbeschädigten mit Kaffee und Kuchen übernommen; die Ortsgruppenleitung, die Behörden und die SA.-Führung werden durch ihre Anwesenheit ihre Verbundenheit mit der Frontgeneration be-
Was mein einst war
Vornan von Klothilde von (Sfegmann:
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)
5 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Viertes Kapitel.
Das Zimermädchen Christa, das allmorgendlich die unteren Wohnzimmer aufzuräumen hatte, kam mit Besen und Wedel in das Herrenzimmer.
Da prallte sie zurück — wahrhaftig da faß der Herr Baron noch immer über seinen Büchern, und die elektrische Lampe auf dem Tisch brannte am hellen Tage. Erschrocken wollte sich Christa wieder zurückziehen, schon schlich sie auf den Fußspitzen zur Tür, wandte sich noch einmal um, da ging es ihr wie ein Grauen über oen Rücken — der Herr Baron laß in einer so komischen Haltung am Schreibtisch, so zusammengesunken.
Und ehe sie es noch richttg ausdenken konnte, brach ein schriller Schrei aus der Kehle des Mädchens. Es rannte, immer schreiend, die Treppe hinunter in die Halle, wo der alte Kersten gerade dabei war, die Teppiche mit dem Staubsauger zu reinigen. Er warf den Staubsauger mit einer erschreckten Bewegung hin. Was war geschehen, daß Christa stolpernd und schreiend die Treppen hinunterrannte?
„Der Herr, der Herr", schrillte Christas Stimme. Sie fiel dem alten Kersten fast in die Arme. Der stieß sie rücksichtslos beiseite. So schnell seine zitternden Beine ihn tragen konnten, rannte er die Treppe von der Halle hinauf ins Herrenzimmer.
Indes lief Christa, immer sinnlos schreiend, weiter, hinunter in die Küche und alarmierte mit ihrem Angstgeschrei das ganze Haus. Nur Edele, die mit Miß Fenton, ihrer Engländerin, in einem Seitentrakt des Schlosses wohnte, hörte nichts.
Als die ausgescheuchte Dienerschaft aus der schreienden Christa endlich ein paar Worte herausbekommen konnte, da ging Entsetzen über aller Mienen. Alles, was in der Küche versammelt war, rannte gleichfalls durch die Halle dem alten Kersten nach, hinauf zum Herrenzimmer.
Da hielten sie den Schritt an und schwiegen erschüttert.
Dor dem Schreibtischstuhl kniete schluchzend der alte Kersten und hielt die Hand seines toten Herrn.
*
Eine Stunde später jagte das Auto der Polizeibehörde aus der Kreisstadt in den weiten Hof von Swanebloe. Edele, die es kommen sah, ahnte den Zweck nicht. Mann hatte ihr vorläufig noch verbergen können, was für eine Tragödie sich auf dem Schloß Swanebloe abgespielt hatte.
Der Vater hätte wichtigen Geschäftsbefuch!, hatte ihr Miß Fenton mit mühsam beherrschtem Gesicht getagt, und da so schönes Wetter wäre, wolle man
sogleich eine Schlittenfahrt nach der Försterei von Swanebloe unternehmen und das Lernen auf den anderen Tag verschieben.
Jauchzend war Edele aus dem Bett gesprungen und begriff nicht, wieso Miß Fenton, die sonst so Strenge, jetzt so nachsichtig war. Aber sie machte ich keine Gedanken darüber. Gerade als die Herren )er Polizei in den Hof fuhren, lenkte auch der chwarz lackierte Schlitten mit Edele und Miß Fenton aus dem Schloßhofe.
Mit tränenblinden Augen sah der alte Kersten dem Schlitten nach.
Er sah noch einmal Edeles lachendes, blühendes Kindergesicht, dann ging er schleppenden Schrittes, um der Gerichtskommission zu öffnen.
Nach ein paar Tagen war alles vorbei. Die Untersuchungen der Behörden waren beendet, das Gutachten des Distriktsarztes erstattet: Herzschlag stand als Todesursache auf dem Totenschein — die Untersuchung hatte nichts anderes ergeben. Es war ja auch sehr wahrscheinlich, daß die vielen Aufregungen der letzten Zeit den Baron plötzlich gefällt hatten.
*
Alles war vorbei. Das Begräbnis wurde still begangen. Nur wenige Menschen folgten dem Sarge. Denn seit der Baron sein wüstes Spielerleben geführt hatte, waren fast alle die alten Freunde aus der Umgebung wie aus der Stadt ferngeblieben. Schluchzend ging Edele zwischen dem Geistlichen und ihrer englischen Erzieherin dem Sarge nach. Aus dem schwarzen Mantel und unter dem schwarzen Hut sah das süße Gesicht plötzlich gereift und erwachsen aus.
Als Edele nach der Beerdigung ins Schloß zurückkehrte, wartete in dem Salon em fremder, steifer Herr auf sie — es war der Vormundschaftsrichter der Stadt.
./Mein Beileid!" sagte er und gab ihr eine kalte, gleichgültige Hand. Edele schluchzt« leise auf — und der Beamte ließ ihr kaum Zeit, sich zu fassen.
Er sagte geschäftsmäßig:
„Bitte, sehen Sie sich, Fräulein Edele! Ich habe Über Ihre Zukunft mit Ihnen zu sprechen. Leider wäre sie recht trübe, wenn sich nicht ein Wohltäter gefunden hätte, der noch ungenannt bleiben und der für Sie sorgen will. Er will für Ihre weitere Erziehung Sorge tragen, do ja Ihr Vater nichts an Vermögen für Sie hinterlassen hat, und auch das Schloß überschuldet ist. Sie werden also in einer Pension in England bis zu Ihrem siebzehnten Jahre, erzogen werden; die dazu nötigen Gelder sollen regelmäßig übersandt werden. Der betreffende Wohl- toter knüpft nur eine Bedingung daran — daß Sie morgen schon abreifen."
"Morgen schon!" flüsterte Edele. „Darf ich nicht wenigstens noch ein paar Tage — ich möchte doch Abschied nehmen können, von dem Grab und von allem hier, und von —"
Sie sprach nicht weiter, und ein heißer Tränen
strom floß über ihr schmal und blaß gewordenes Gesichtchen.
Der Vormundschaftsrichter räusperte sich ungeduldig.
„Es ist so bestimmt worden, und Sie werden sich fügen müssen. Je eher Sie die Trennung vollziehen, um so weniger schmerzlich ist es für Sie. Sie können hier doch nicht allein bleiben — kurz unb gut, es ist schon so das Beste."
Hilfeflehend sah Edele den Richter an:
"Darf ich denn wenigstens noch einmal in die Stadt hineinfahren, meinem Jugendfreunde Malte Blomberg Lebewohl sagen?"
„Ich bebaure, bas nicht zugeben zu können", war bie ungebulbige Antwort bes Beamten. „Ihr Gönner verlangt strikt, baß Sie sofort aus biefcr Umgebung hier herauskommen. Sie müssen sich schon nach seinen Wünschen richten, Fräulein Ebele, benn er ist ber einzige Mensch auf ber Welt, ber für Ihre Zukunft sorgen kann. Sie müssen sich zusammennehmen; man erwartet von Ihnen, baß Sie sich in bas Unvermeibliche fügen."
Mit bleichem, trübem Gesicht war Malte von ber Beerdigung bes Barons zurückgekommen. Auf seine flehentlichen Bitten hatte ber Vater ihn mitgenommen zu bem Leichenbegängnis — scheu und blaß hatte er hinten in der kleinen Trauerversammlung gestanden. Kaum hatte er gewagt, an Edele heranzugehen, die in dem schwarzen Kleid und Mantel so fremd, so verändert war. Wie gern, wie gern hätte er ihr ein Wort gesagt! Mehr gesagt als dies kurze Beileidswort. Bitter stieg es in ihm auf: Wäre er nur älter, nur ein paar Jahre — dann würde er neben Edele stehen, sie schützen können vor allem Kummer der Welt. So aber war er noch ein Knabe — und konnte nichts tun.
Daheim in seinem Zimmer stand das kleine Spielwerk, das er in sinnloser Eifersucht zerschlagen hatte. In mühsam heimlichen Abendstunden hatte er es wieder in Ordnung gebracht — und immer auf eine Gelegenheit gewartet, es Edele zu geben. Nun stand sie fern von ihm, und das kleine Kunstwerk war fertig, aber er sah keine Möglichkeit, Edele zu erreichen.
Am Abend der Beerdigung war er in das Zimmer des Vaters gekommen, der, wie immer, in feinen Schriften vergraben faß. Aber als er das bleiche Gesicht feines Sohnes sah, legte Doktor Blomberg die Akten beiseite:
„Nun, mein Junge — was führt dich zu mir?" „Eine Frage, Vater! Darf ich immer noch nicht, darf ich auch jetzt noch nicht hinaus nach Swanebloe zu Edele?"
„Warum fragst du?"
„Weil ich auch ohne deine Erlaubnis hinausfahren mühte, jetzt, wo Edele solch schweren Kummer hat."
Doktor Matthias Blomberg sah mit heimlichem Wohlgefallen auf seinen Jungen — auf fein ent
schlossenes und dabei bescheidenes Gesicht. Das war Blut von seinem Blut. Man konnte ihm vertrauen.
Statt einer Antwort winkte er seinen Sohn neben sich:
„Setz dich einmal her zu mir, mein Junge, unb laß uns wie Männer miteinander reden. Was glaubst du wohl, warum ich das Verbot deiner Freundschaft mit der kleinen Komtesse Edele aussprechen mußte?"
„Ich weiß es nicht, Vater!"
„Hör' mich an, mein Junge! Ich habe sehr wohl gefühlt, was ich dir mit diesem Verbot antat — und daß du vielleicht innerlich gegen mich rebelliert hast. Es ist ja auch schwer für einen jungen Menschen, ein Gebot hinzunehmen, ohne daß ihm die Gründe einleuchten. Daß du es getan hast, zeigt mir, daß du mir vertraust. Das macht mich froh, mein Junge, denn ohne Vertrauen geht es zwischen Eltern und Kindern nicht. Jetzt kann ich dir die Gründe nennen, aus denen mir auf die Dauer ein näherer Verkehr zwischen uns und den Bewohnern von Swanebloe nicht richtig erschien. Jetzt, wo der Baron tot ist, darf ich sprechen. Auf Swanebloe, mein Junge, ging es in den letzten Jahren seit dem Tode der Baronin nicht mehr zu, wie es in einem Edelmannshause zugehen muß. Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen. Es wird dir genügen, wenn ich dir sage, daß der Baron in der letzten Zeit durch schlechte Gesellschaft und Spiel in große Schwierigkeiten gekommen ist. Ich habe ihm mehrfach geholfen, aber das letztemal mußte ich ihm seine Bitte abschlagen. Er war ruiniert, und jeder, der ihm noch zu Hilfe gekommen, wäre in diesen Strudel mit hineingezogen worden. Es gab harte Worte zwischen uns, die ich jetzt bereue. Aber in der Sache selbst habe ich nichts zu bereuen. — Es gibt Grenzen der Hilfsbereitschaft, die man nicht überschreiten darf, will man nicht an sich und seinen Kindern zum Verbrecher werden."
„Aber Edele und ich, Vater? Was hat das alles mit mir und Edele zu tun?"
Der Vater schwieg.
Sollte er seinem Sohne die Wahrheit sagen? Sollte er ihm sagen, was er fürchtete? Daß zwischen Malte und Edele eine Liebe war, kindlich noch, nicht bewußt ihrer selbst — und man fürchten mußte, diese Kinderliebe würde eines Tages in eine andere, heißere Liebe umschlagen? Nein, er wollte den Sohn nicht vor der Zeit zum Bewußtsein dieser Dinge wecken. So antwortete er denn:
„Nach dem, was zwischen Edeles Vater und mir vorgefallen, mein Junge, konnte ich dich nicht mehr nach Swanebloe lassen. Der Baron war ein hitziger Mensch. Wer garantiert mir dafür, daß er dich als Sohn eines ihm nun verfeindeten Mannes gut aufnehmen würde? Außerdem, die ganze Erziehung auf Swanebloe gefiel mir schon lange nicht. Edele hat viel, sehr viel von ihrem Vater — und es ist besser, ihr kommt nicht mehr zusammen."
(Fortsetzung folgt.)


