Nr. 137 Drittes Blatt
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)
Der Führer der Obergruppe II Gruppenführer Sleinhoff in Gießen!
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In der Mitte: Führer der Obergruppe 9, Gruppenführer S t e i n h o f f; links im Vordergrund: Führer der Standarte 116, Ober-Sturmbannführer Lutter; rechts hinter ihm: Führer der Brigade 147: Standartenführer Schmidt; rechts im Vordergrund: Gruppenführer Beckerle.
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Im Vordergrund links: Gruppenführer Beckerle; rechts neben ihm Ober-Sturmbannführer Lutter; dahinter rechts Sturmbannführer Eick (Stabsführer der Brigade 147); im Bilde rechts Sturmbannführer und Standartenadjutant M ü n k e r.
Anläßlich einer Besichtigung verschiedener Stürme weilte der Führer der Obergruppe IX, Gruppenführer Steinhoff, sowie Gruppenführer Beckerle, der Führer der Brigade 147: Standartenführer Schmidt, und Stabsführer der Brigade 147, Sturmbannführer Eick, am Samstag, 9 , und Sonntag, 10. Juni, in Gießen. Das Ergeb-
nis der eingehenden Besichtigung war ein zufriedenstellendes.
Am Samstagabend fanden sich die Führer mit dem Führer der Standarte 116, Obersturmbannführer Lutter, und dessen Adjutanten, Sturmbannführer M ü n k e r auf der Hardtterrasse inmitten etwa 1000 SA.-Kameraden zu einem schön verlaufenen Kameradschaftsabend zusammen.
Oer Dank des Asien Kreuzes.
Am Ende der Rotkreuzwoche sagen wir allen Behörden, Parteigliederungen und Verbänden herzlichen Dank für Teilnahme und Unterstützung.
Insbesondere danken wir der Gießener Bevölkerung für ihre neu bewiesene Opfersreudigkeit.
Für das Deutsche Rote Kreuz Gießen:
Er n st j) ö r r.
Während der Flaggenhissung am Depot der Sanitätskolonne.
Die Gefallenen-Gedenkfeier am Ehrenmal der 116er.
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Bor dem Gondergerichi.
Unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor H ä ck l e r (Darmstadt) trat das Sondergericht zusammen. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Weinheimer.
Das Gericht befaßte- sich zunächst mit dem Heinrich M a p p e s aus Gietzen. Der Angeklagte behauptete in Form eines groben Witzes, alle die Maßnahmen, die die Reichsregierung zur Behebung der Arbeitslosigkeit trifft und die erzielten Erfolge seien gelogen. Außerdem beleidigte der Angeklagte in recht unflätiger Form die SA., die SS. und die HI. und sonstige Einrichtungen des heutigen Staates. Während der Vertreter der Anklage eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten beantragte,
erkannte das Gericht auf eine solche von 6 Mona t e n.
Der Schmiedemeister Heinrich Ruhl aus Groß- Felda sollte im Jahre 1931 rumänische Wertpapiere aufgekauft haben, ohne dieselben gemäß gesetzlicher Vorschrift angemeldet zu haben. Da die Beweisaufnahme weder einen Vorsatz noch eine Fahrlässigkeit des Angeklagten ergab, wurde er f r e i gesprochen. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.
Der schon erheblich vorbestrafte Ludwig Funk aus Gießen wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt wegen Verbrechens im Sinne des § 2 der Verordnung vom 21. März 1933. Der Angeklagte trug unberchtigterweife ein Parteiabzeichen, unter dessen Schutz er anläßlich einer Kundgebung des Stahlhelms skandalierte. Der Vertreter der Anklage
Oie Schauermänner.
Von per Schwenzen.
An Bord des „Kong Halfdan". Die Winschen rasseln, die Ketten klirren, straffen sich, die Last, je sechs in doppeltes Tau gefaßte Säcke, schwebt über die Bordwand, senkt sich, stoppt, leicht durch Pfiff und Ruf gesteuert, bis sie rasselnd in die breite Deckluke taucht. Aus dem Schiffsbauch klingt rauh und melodisch der Singsang der „Schauerleute", die abhaken, Schlingen lösen und stapelnd die Last im Schiffsleib verteilen. „Hiev — upp!" Der Haken rasselt empor. ... v
Die Mannschaft des Schiffes hat wahrend des Ladens und Löschens Feierabend, amüsiert sich m Sankt Pauli, pennt in den Kojen, oder genießt die Arbeit anderer in andächtigem Zuschauen. Ein norwegischer Matrose steht neben mir, die Shagpferfe im Munde, ein stattlicher Bursche. Ich will gerade eine ethnologische Wanderung durch seine typisch skandinavischen Rassenmerkmale antreten, als er mich anredet: „Hvor kommer De fra? (Woher kommen Sie?) „Aus Berlin." „Aus Berlin?? Js nid) möglich! Wat macht denn det olle dofe Dorf, fünf Jahre ha' ich det nich jesehen... Das Spreewasser tritt dem guten Jungen aus den Augen. Jcb setze mich vor Rührung und Staunen beinahe auf ein Petroleumfaß/ „S?e sind Berliner?" Na und ob. Aba jetzt fahr' ick schon fünf Jahre zu See^ Id) bin verheiratet in Norwegen, in Moß. Ich setze mich endgültig auf das Petroleumfaß. (Meine Heimatstadt!) „Moß, det olle dofe Nest, das bei Südwind nach Tran riecht und bei Nordwind nach Cellulose. Wie gehts, wie stehts? Was macht der deutsche Konsul Rönneberg? Hat er noch seinen ^önnebergr Der Berliner schreit mich verzückt nn" Rönneberg? Wien Bata hat er an nur je- NZLMLW- ick dem Mann jarnich wieda jut machen.
Id) reiße Zigaretten aus den Taschen, die Hal te fällt üb'? die Reeling, ich kriege Fieber es muß etmas geschehen. Unter
mehl eine fühlende Brust I „öierou
“’fite“ - upp'" Die Dämmerung sollt über den die -kktrischen Scheinwerser b-l-uchten bereits Luke und Quai. „3a", m°mt° der Berl ner .In hartes Leben auf S°-, aber Matrose ÄS’”™.äk« Leinenbeutel vom Haken u”b tv> einen
der Kaffeeflasche. Der Steward des Schiffes kommt vorüber, und Fritz versucht sein Glück: „Tag Steward, giww uns man’n Aquavit." Der Steward blinkert vergnügt mit den Augen, drückt dem Schauermann eine Mark in die Hand: „Drink an Land, du Fritz."
„Js 'n gauden Kierl," belehrt uns Fritz. „Hei kann man nich so, as hei wol will. Hei kennt uns ja gaud, weil wir immer an Bord sind, nid). Sie sind wohl kein Hamborger? Ich bin ja auch kein, ich bin ja Sweizer, seggt min Modder, ick heww man bloß noch kein Berg seh'n... Tja — nu mok wi fiftein. (Pause). Der Dampfer geht gleich weiter, da sollen wir Mais übernehmen von einem Transatlanter."
Inzwischen kommt der Kapitän und verlangt von mir als dem einzigen Passagier des Frachtdampfers meinen Paß, denn eben klettert die Hafenpolizei über das Fallreep an Bord.
Nicht lange, und der Schleppdampfer bugsiert uns durch den Hafen, da schon die Bullaugen und Bordlichter der Schiffe aus aller Herren Länder durch das halbe Licht schimmern. Mit besonderer Genehmigung des Hafenmeisters darf der „Kong Halfdan" bei vorgerückter Stunde, kurz vor Schluß des Frachtbetriebes, zwischen zwei mächtigen Trans- atlantern festmachen, die schmale Bucht für eine Stunde sperrend. Linker Hand liegt die mächtige „Holsatia". Das Schiss überragt uns mit zwei hohen Stockwerken. Es ist „aufgesetzt", befindet sid) nicht auf Fahrt, sei es, daß geeignete Fracht fehlt oder daß das alte Fahrzeug in Dock gebracht und, restauriert oder gar abgewrackt, ins „alte Eisen" geschickt werden soll. Rechter Hand harrt der riesige Süd-Amerikafahrer, unser, der uns 200 Tonnen Mais abgeben soll. Zwischen den Schiffen ragt auf einem schwimenden Quai der mächtige „Elevator", ein Rieseninsekt mit vielfach gewickelten Eisenqliedern, das spinnenartig den Bauch, das Motorhaus, in der Mitte trägt. Ein plumper Rüssel oder Legestachel hängt herab, hoch aus dem Gehäuse empor und abwärts in das größere Schiff gesenkt, greifen zwei dünnere, schlauchartige Fühler. Mit Signal, Geschrei und Winschengeras- sel wird der Rüssel in die Luke unseres Schiffes gerichtet Der Motor im Bauch des Insektes arbeitet Zwanzig Sekunden Pause und schon rauscht, in der automatischen Waage inzwischen genau gewogen, der goldene Maisstrom herab, prallt gegen eine Bretterschiene, an Stricken in der Luke schwebend, an und wird ins Innere des Schiffsrumpfes gelenkt. Je zwei Tonnen laßt em Hebeldruck durch ungeheure Saugkraft durch die Schlauche ziehen, wiegen und hemiederstromen, 150 Tonnen, iaa sind BMP Doo«n de- b'inde D-"
bei handelt es sich noch um einen mittleren Elevator, während der große Typ das Doppelte bewältigt. Saugend und speiend, zitternd vor Kraft, stellt das stählerne Reptil ein gigantisches Symbol des ewigen Verdaunungsprozesses dar, ein mechanisches Beispiel für die herrliche Gefräßigkeit des Lebens.
Unten, an der Mündung des goldenen Hagels, in Mais und Schweiß, um ihr Leben schaufelnd, stehen Fritz und seine Genossen. Der weiße Staub der Hülsenfasern fliegt in der Luft. Zum letzten Male faucht das Reptil. Die Schauermänner kriechen todmüde, aus Seitenluken halb emporgezogen, hervor, wickeln Seil und Lumpen von den Fußgelenken, werfen sie über Bord, bergen Leinen- käppchen in der Rocktasche, bürsten die Schuhe mit dem Bordbesen.
„Tjä, min Herr", klagt der Schweizer. „Da steht man nun mitten in dem goldenen Ueberfluß. Aber noch kein ein Pfund Mais oder Kaffee kann man smuggeln. Die Polizei paßt bannig auf. Einmal habe ich 28 Mark Geldstrafe gezahlt, da halt' ich mir eine „Diebesnaht" gemacht, das ist eine Naht in dem Futtersack, längs, wissen Sie, und dann gefüllt und um den Bauch, wie so eine doppelte Wurst... aber mich haben sie dabei gekriegt. Ich hab' kein Glück. Mein Freund Hein, Der erst drei Wochen im Hafen ist, der fmuggelt und hat Glück, obwohl ich in die Beziehung eigentlich viel kultivierter fein müßte, von wegen die Erfahrung, nich?"
Die letzte Tonne saust hernieder. Die Schauermänner klopfen ihre Mützen aus, die Luke wird gedichtet.
Wieder stampft der Schlepper vor uns her. Die dicke Rauchwolke verhüllt ab und zu feine Bordlichter, die Stahltrosse vom Bug unseres Bootes zittert ins Dunkel hinaus, dem offenen Meere zu.
Zeitschriften
— Als Gegenstück zu dem im März-Hest veröffentlichen erschütternden Bilderdokument über den Verfall einer erbkranken Familie bringt das Juni- Heft der Monatsschrift „Neues V o l k", Blätter des Raffepolitischen Amtes der NSDAP., einen ausführlichen Bildbericht aus dem Stammbuch einer erbgejunben Familie. Er zeigt uns, wie Erbgesund- heit, Lauterkeit unb Tüchtigkeit durch sieben Generationen hindurch Träger des Aufstiegs der Familie sind, daß Erbgesundheit und Kinderreichtum zugleich die Voraussetzungen bilden, der Volksgemeinschaft tüchtige, wertvolle Männer und Frauen zu schenken. Ein reizvoll bebilderter Aufsatz „Taufe auf Helgoland" leitet über zu dem weiteren wertvollen Jn- hatt des He^te«. aus dem wir die Aufsätze „Krä
mergeist in der Ehe", „Wert der Rasse", „Mensch und Sport", „Kind und Frau" hervorheben. Wie immer, bringt auch das Juni-Heft prächtige Abbildungen. (Verlag „Neues Volk", Berlin &W 19).
Das Organ des Reichsausschusses für Volksgesundheitsdienst und der Deutschen Gesellschaft für Ras- senhygiene „Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW) enthält u. a. die Rede von Ministerialdirektor Dr. G ü t t auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Raffenhygiene, in der er den Weg zu neuem, wertvollen Bevölkerungszuwachs Deutschlands durch Förderung der gesunden Familien und durch rassenhygienische Erziehung der Jugend zeigt. Privatdozent Dr. H. F. Krallinger führt in seiner Arbeit „Die Erbträger des Menschen und seiner Haustiere" zum erstenmal die Ergebnisse der Zellen- und Samenteilung an Säugetieren und Menschen vor. Die Arbeit N. Wetekams über „Beziehungen zwischen Sterblichkeit und Geschlecht" ist begründet auf seinen Forschungen in dem niedersächsischen Dorf Vasbeck, das durch Jahrhunderte feine Eigenart und alten Geschlechter bewahrt hat. Professor Tirala erklärt an biologischen Beispielen die Nachteile der „Ras- senmischuna". Dr. med. Leonhardt klärt die Frage „Deutsche Rasse ober Nordische Rasse im deutschen Volk". Kleinere Beiträge aus Nassenhygiene unb Bevölkerungspolitik beschließen die Reihe anregender Aufsätze.
— Der große zeitgenössische Komponist, Richard Strauß, dessen letztes, 1933 uraufgeführtes Werk „Arabella" über alle großen deutschen Bühnen ging, und der jetzt an einer neuen Oper „Die schweigende Frau" arbeitet, erfährt im neuen Heft der Illustrirten Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) anläßlich seines 70. Geburtstages, eine eingehende Würdigung. Johannes Reichelt spricht in einem interessant und vielseitig bebilderten Artikel über den Künstler und Menschen Richard Strauß. Zu den Werken des Meisters hat Professor Alois Kolb Radierungen geschaffen, die Straußsche Musik in das Bild umsetzen. Auch von der ersten Reichs-Theater-Woche in Dresden bringt die Nummer Zeichnungen aus der dort aufgeführten Oper „Julius Caesar". — Die Bildreportage „Gelehrter und Staatsmann" gibt eine anschauliche Darstellung vom Leben des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Professor T. G. Masaryk.
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Professor Dr. Alfred Schittenhelm, Drbina- rius für innere Medizin an der Universität Kiel, hat einen Ruf an die Universität München angenommen.


