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Evangelischekirchenfiihrer-TagMginWittenberg

Unterredung gehabt. Die Unterredung wird morgen fortgesetzt werden.

Die wir dazu noch erfahren, fand die Unter­redung unter vier Augen statt. An dem Frühstück nahmen il a. teil: der Senator und frü­here Parteisekretär G i u r a t i, der Staatssekretär Suvich, der Parteisekretär S t a r a c e, der ita­lienische Botschafter in Berlin Cerruti, Baron Aloisi und andere hohe Staats- und Parteibe­amte. Auf deutscher Seite waren anwesend Reichs­auheuminister Frhr. von Reurath, der deut- sche Botschafter in Rom, von Hassel, Gruppen- führer Brückner, Pressechef Dr. Dietrich u. a. Ferner traf Geheimrat Asch mann, Pressechef im Auswärtigen Amt, im Flugzeug von Berlin kommend in Venedig ein.

Oer Gegenbesuch Mussolinis.

Eine Stunde nach der Rückkehr des Führers ins Grandhotel machte ihm der Ducedort seinen Gegenbesuch. Begleitet von Parteisekretär S t a r a c e, Unterstaatssekretär S u o i ch, dem Chef der Miliz, P e r u z z i, und seinem Schwiegersohn C i a n o, fuhr Mussolini vor dem Grandhotel im Motorboot vor und trat auf die Landungsbrücke. Im Eingang des Hotels traf er mit dem Führer zu­sammen, der ihm entgegenkommen war. Mit Mnem freundlichen Lächeln begrüßten sich beide Staats­männer und schüttelten sich die Hände. Dann schrit­ten sie in lebhaftem Gespräch die Treppe hinauf zu den Räumen des Führers. Nach kurzem Beisammen­sein verließ dann Mussolin-i, vom Führer wieder bis zum Ausgang begleitet, das Grandhotel. Bei der Abfahrt im Motorboot wandte er sich dann noch einmal lebhaft um, mit den Augen nach dem Führer suchend, der unter der Türe stehengebl-ieben war.

Wittenberg, 14. Juni. Kirchenamtlich wird mitgeteilt: Am Donnerstag kamen in der Lutherstadt Wittenberg die evangelischen Kirchen­führer zu einer Arbeitstagung zusammen. Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Schloß- kirche, in der sich die Kirchenführer aufs neue zu dem Glauben der Reformation bekannten, eröffnete der Reichsbischof im Festsaal des Rathauses die be­deutsame Tagung der Kirchenführer.

Der Rechtswalter der Deutschen Evangelischen Kirche, Ministerialdirektor Jaeger, gab in grund­sätzlichen Ausführungen einen Rückblick über die kirchengefchichtliche Entwicklung und ze-ichnete dann die großen Aufgaben der evangelischen Kirche. Die Wucht der gewaltigen Geschehnisse in unserem Volks­leben stelle der Kirchenführung Aufgaben größten Ausmaßes. In fester und le­bendiger Verbundenheit zu den Be­lt enntnisgrund lagen der Kirche komme es in entscheidender Stunde darauf an, e i n f e st e s und klares Verhältnis zwischen der evangelischen Kirche und dem natio­

nalsozialistischen Staat zu finden. Mini­sterialdirektor Jaeger behandelte im weiteren Ver­lauf seiner bedeutsamen Rede die Berufung eines Verfassungsausschusses, dem die große Aufgabe zufallen dürfte, die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche auszubauen und zu vertiefen.

Der Reichsbischof, in dessen Hand die Lei­tung der Tagung lag, entwickelte im einzelnen d i e Aufgaben des Verfassungsausschusses und be­tonte, daß die freie, schöpferische M i t a r beit aller Mitglieder die Voraussetzung für den Erfolg sein werde. Im weiteren Verlauf der Tagung wurden von denVertretern derLanües- k i r ch e n die für den Verfassungsausschuß geeig­neten Mitglied er namhaft gemacht. Nach anregender Aussprache und im gegenseitigen Ver­trauen wurde die bedeutsame Tagung der evange­lischen Kirchenführer, in der eine große Zahl drin- gender Fragen erörtert wurde, durch ein Gebet des Mitgliedes des Geistlichen Ministeriums, Dr. En­ge l k e , geschlossen.

Festlicher Aiisklang des ersten Tages.

Konzert im Hofe des Oogenpalastes.

Am Donnerstag um 22 Uhr fand im Hofe des Dog enp a l a st e s ein Konzert statt, zu dem Mussolini den Führer und sein Gefolge eingeladen hatte. Der Hof des Dogenpalastes war nicht sehr hell beleuchtet. Dunkle Schatten spielten in den Spitzbogen seiner Architektur. Scheinwerfer aber beleuchteten die Rückseite des Hofes, die den im ersten Stock­werk um den ganzen Hof herumlaufenden Säulen­gang mit den frühen Spitzbogen einer wunderbar durchgebildeten Renaissancefassade erglänzen läßt.

Kurz vor 22 Uhr erscheint links auf der großen Freitreppe im Hintergrund der Duce mit seinem Gefolge. Er durchschreitet den ganzen Säulengang um den Hof herum und nimmt gegenüber dem Orchester in dem mittleren Säulenbogen Platz. Die Giooinezza begrüßt ihn, und begeistert huldigt ihm das Publikum. Fünf Minuten später ertönt neuer Beifall. Der Führer schreitet in Beglei­tung seines Gefolges über die große Freitreppe. Kurz begrüßt ihn Mussolini mit einem herzlichen Händedruck, und die beiden Staatsmänner nehmen Seite an Seite allein in einem Säulenbogen Patz. Neben ihnen befinden sich der Staatssekretär S u - v i ch, Außenminister v. Neurath und Botschaf­ter v. Hassel auf der einen, Gruppenführer Brückner, Dr. Dietrich und die anderen Her­ren des Gefolges des Führers auf der anderen Seite.

Ein ziemlich starker Wind hatte sich gegen Abend aufgemacht, und als der Führer vom Grandhotel über den Großen Kanal fuhr, schaukelten die Gon­deln, die zur Feier des Abends mit Lampions illu­miniert hatten, heftig auf den Wellen. Auch wäh­rend des Konzerts dauerte der Wind an. Noch mehr machte sich im Hofe das laute Rufen der großen Menschenmenge bemerkbar, die sich außen auf dem Markusplatz versammelt hatte und immer wieder in die skandierten Rufe ausbrach: Duce, Duce, Duce, ein Ausruf, der ähn­lich dem deutschen ist: Wir wollen unseren Führer

Mselralen in bet

London, 15. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der Nach- richtenteil der Zeitungen wird vollständig von den Meldungen über die geschichtliche Zusammenkunft in Venedig beherrscht. Die Berichterstatter beschrän­ken sich in Ermangelung zuverlässiger Nachrichten über den Inhalt der Besprechungen der beiden Staatsmänner in der Hauptsache auf die Schilde­rung der eindrucksvollen Szenen, die sich von dem Augenblick der Landung des Flugzeuges des Füh­rers bis zur großartigen Festbeleuchtung in Vene­dig abgespielt haben.

Times" sagt, es gilt als unwahrscheinlich, daß irgendein formelles Dokument unterzeichnet werde. Zweifellos ist Mussolini der Ueberzeugung, daß der Friede Europas nur gesichert werden kann durch eine Aktion, die in Einklang mit den Grund­sätzen des Viermächtevertrages unternommen wird. Mussolini ist der Ansicht, daß die Lage im Fernen O st e n durch die Unfähigkeit der Groß­mächte unnötigerweise erschwert worden ist. Die Zusammenkunft wird begrüßt als zeitgemäßer Be­weis, daß Deutschland keineswegs allein steht.Daily Telegraph" sagt,

sehen. Die große Begeisterung ist, abgesehen von dem einmaligen Ereignis der Tage auch deshalb besonders stark, weil der Duce seit elf Jahren zum ersten Male wieder in Venedig weilt.

Das Programm des Abends sah vor allem Werke von D e rd i und Wagner vor, also der zwei größten dramatischen Komponisten, die Italien und Deutschland hervorgebracht hat. Unter den Männern, die einzelne Stücke und Arien sangen, war der berühmte Tenor P e r t i l e , der Sopran E i g n a n und der Koloratursopran Mercedes C a p s i r. Der zweite Teil des Abends umfaßte das Vorspiel und das große Duett aus dem dritten Akt desLohengrin" und den Abschluß bildete das Meistersinger-Vorspiel. Den Schluß des Konzertes bildeten, so wie die beiden Staatsmänner durch ihre Nationalhymnen schon zu Beginn begrüßt worden waren, das Deutschland- und das Horst-Weffel-Lied, der Königsmarsch und die Giooinezza.

Unter lebhaftestem Beifall verlassen Mussolini und Hitler ihre Plätze, und unten im Hof drängt das Publikum durch die geöffnete Tür hinaus zum Hafen. Ein zauberhaftes Bild bietet sich, als nun in bengalischer Beleuchtung das weite Rund auf­leuchtet. Unmittelbar vor dem Dogenpalast haben zahllose Gondeln mit Lampions Auf­stellung genommen, und die Gondeliere grüßen mit hochgehobenem Ruder. Der Führer und der Duce mit Gefolge sind auf den vorderen Säulengang im ersten Stock des Dogenpalastes getreten und sehen von dort das unvergleichliche Bild. Im Hintergrund leuchtet in roten und grünen Farben die Kirche San Giorgio und weiter rechts die Einmündung des Kanals der Giodecca sowie die Kirche Santa Maria della Salute. Nach kurzer Zeit aber ver- schwinden die hohen Gäste und einige Motorboote schießen in die farbige Nacht hinaus durch Die Brücke, die den Dogenpalast mit dem nächsten Ge­bäude verbindet. Kurze Zell darauf ist der Führer im Grandhotel wieder eingetroffen.

englischen presse.

Hitler habe nach seiner ersten Begegnung mit Mussolini seiner Bewunderung für ihn beredten Ausdruck gegeben. Mussolini werde die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund unter Bedingungen unterstützen, die Deutschland vor jeder Demütigung schützen würden.Daily Expreß" über­schreibt seine MeldungDie modernen Napoleons sind allein in Napoleons Villa". Das Blatt spricht von der dramatischsten Szene der Nachkriegsge­schichte, der Begegnung der Führers des. Südens mit dem Führer des Nordens. Es verlaute aus ausgezeichneter Quelle, den Hauptgegenstand der Erörterungen habe die Frage gebildet,' wie Deutsch­land und Italien sich zusammentun könnten, um der Gefahr des russisch-französischen Bündnisses und der geplanten Bildung einer europäischen Front gegen die beiden Hauptrevisions­mächte, Deutschland und Italien, entgegenzuwirken. Hitler und Mussolini hielten die französisch-russische Gefahr für so groß, daß sie wahrscheinlich die österreichische Frage durch einen Gottesfrieden regeln werden.

Interessiertes Echo in Paris.

Paris, 15. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Offenkun­dig beeinflußt kennzeichnet die ZeitungExcel- f i o r" die französische Einstellung zur Begegnung von Venedig wie folgt: Die französischen Reaie- rungsFreife erwarteten ruhig die Ergebnisse der Aussprache Hitlers mit Mussolini. Frankreich habe van einem derartigen Meinungsaustausch nichts zu befürchten. Alles, was die Annäherung und die Zusammenarbeit der Völker begünstigen könne, ent­spreche dem aufrichtigen Friedens- und Versöh­nungswunsch, der die französische Politik in Europa kennzeichne. Alles, was auf andere Ziele ausgehe, könne die französische Regierung nicht bedrängen, da sie entschlossen sei, die Rechte Frankreichs zu be­haupten und zu verteidigen. In dieser Hinsicht sei zwischen Rom und Paris fein Mißverständnis mög- lich Die französisch-italienische Annäherung bleibe weiter auf der Tagesordnung der französischen Außenpolitik.

Der Sonderberichterstatter desM a t i n" in Ve­nedig erklärt, das Interesse der Besprechungen liege natürlich bei der Abrüstungsfrage und der etwaigen Rückkehr Deutschlands nach Genf. Italien, das sich stets für unmittelbare realistische Verhand­lungen ausgesprochen habe, sei heute in besonders günstiger Lage, um mit Deutschland unvoreinge­nommen den diplomatischen Horizont abzutasten. Mussolini stehe es ebenso frei, den Reichskanzler auf die Vorteile einer Rückkehr nach Genf aufmerk­sam zu machen, wie auch das Programm der Rüstungen und der Kontrolle gründlich durchzu­sprechen. Was Italien nach dem mageren Genfer Ergebnis besondere Sorge bereite, sei die Möglich­keit eines Wiederauflebens des Wett- rüstens.

Petit Journal" erklärt, italienischerseits hab- man sich Mühe gegeben zu betonen, daß die Begegnung von Venedig nicht gegen Frankreich gerichtet fei. In Deutschland habe man sie als eine Warnuna an die Mächte hingestellt. DerF i - garo" sagt, Italien schalte jetzt wieder die deut­sche Karte in sein Spiel ein. Der Viererpakt sei für den Duce vor allem ein Mittel gewesen, sich

Frankreich zu nähern, ohne deshalb das deutsch- italienische Band zu durchschneiden und ohne diesen Kurswechsel zu sehr zu betonen.Ordr e" glaubt ganz im Gegensatz hierzu, der Führer und der Duce seien darin einig, Frankreich in der Rüstungsfrage die Hände zu binden. Mussolini wolle außerdem, daß Deutschland auf den Anschluß verzichte.L e Jour" sagt, 'Frankreich habe von der Begegnung nichts zu befürchten. Die Poli­tik Doumergues und Barthous sorge für Sicher­heit.Ami du Peuple" schreibt, die Be­gegnung der beidenDiktatoren" könne für den Frieden in Europa glückliche Folgen Haden, wenn es z. B. Mussolini gelänge, die Anschlußfrage aus- zuschalten oder Deutschland zur Rückkehr nach Genf zu bewegen. Frankreich könne dem Besuch des Führers in Venedig vollkommen ruhig zusehen.

Italienische preffestimmen zur ersten Begegnung.

Mailand, 15. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Auch die Freitagspresse steht ganz im Zeichen Des Zu­sammentreffens des Führers mit Mussolini. Die großen italienischen Blätter haben ihre besten Jour- naliften nach Venedig entsandt, die den äußeren Rahmen des Treffens bis in alle Einzelheiten schil­dern. Die Stimmen der ausländischen Presse finden überall Wiedergabe und stärkste Beachtung. Alfredo Signoretti, der Chefredakteur derStampa", schreibt zu der gestrigen ersten Unterredung der beiden Staatsmänner, daß angesichts der historischen Begegnungen zweier Männer, die über die Lebens­fragen und den Frieden sprächen, kein Platz für irgendwelche Indiskretionen sei. Für eine solche parlamentarische Mentalität wäre in Genf der goldene Boden. Faschistischer Stil sei es aber, zu warten, bis die Führer selbst sprächen. Signoretti verweist dann auf die Atmosphäre stärkster Herzlichkeit und Wärme, die in Venedig zwischen den beioen Staatsmännern immer wieder erneut zutage trat. Auch(Sortiere

della Sera" schreibt, daß man noch nichts Konkretes über den Inhalt der ersten Unter­redung sagen könne, da das eine Ausgeburt der Phantasie sein würde. Was man aber sagen könne, sei, daß der ganze Tag die Bedeutung des Ereig­nisses, das heute die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich ziehe, bestätigt habe.

Kampf um dieRüstungskredite in Frankreich.

Doumergue droht mit Auflösung der Kammer.

Paris, 14. Juni. (DNB.) Die Kammer befaßte sich am Donnerstagnachmittag mit den von der Regierung angeforderten und von den zuständigen Ausschüssen befürworteten Militärnachtrags­krediten. Da das Ergebnis der Abstimmung mehr oder weniger vorauszusehen ist, war das Interesse der Kammer nicht übermäßig lebhaft. Der Abg. Mach leugnete zwar nicht, daß ein Volk sich verteidigen müsse, bestritt aber die Richtigkeit der Verwendung der bereits bewilligten Kredite und die Zweckmäßigkeit der noch angeforderten Kredite. Er warnte vor der Illusion, daß Frankreich dank der neuen Kredite an Schlagkraft gewinne. Man werde damit nur andere Mächte zu weiteren Rüstungen veranlassen. Habe Frankreich nicht genug mit feinen 5400 Flugzeugen und seinen 270 modernen Bom­bern? Keine Macht, weder Italien, Rußland, noch England, besitze so viel.

Ministerpräsident Doumergue antwortete, er habe zwei Kriege miterlebt, 1870 und 1914. Zwei­mal sei Frankreich von demselben Landeange­griffen" worden. Seit 1918 habe Frankreich nicht aufgehört, abzurüsten. Man könne sich aber mit Recht fragen, ob das anderswo auch der Fall ge­wesen sei. Die Verabschiedung der Vorlage sei umso notwendiger, als Deutschland dieser Tage beschlossen'habe, aufzurüsten, um Frankreich vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Kammer müsse die Vorlage sofort verabschieden, andernfalls würde er tun, was feine Auffassung von feiner Pflicht

Transsemoratomm für alle Ausländsanleihen tritt am Utili in Kraft.

Eine Erklärung des Aeichsbankpräsidenten.

Berlin, 14. Juni. (DNB.) In der heutigen Sitzung des Zentralausfchuffes der Reichsbank machte der Reichsbankpräfident Mitteilung von einer A e n d e ru n g der Transferrege­lung mit Wirkung ab 1. Juli. Der Reichs­bankpräsident führte dazu aus, es sei seit den enor­men Kreditrückforderungen des Auslandes im Som­mer 1931 klar gewesen, daß der Devisenvorrat und -anfall Deutschlands sehr rasch absinken würden, wenn nicht eine völlige Aenderung in den Wirtschafts- und Kreditbeziehungen des Aus­landes zu Deutschland einsetzen würde. Trotz der ge­waltigen Schrumpfung des Welthandels auf etwa ein Drittel des Jahres 1929 und obwohl Deutsch­land auf den Bezug ausländischer Rohstoffe als Veredelungs- und Industrieland angewiesen fei, habe Deutschland es fertiggebracht, bis vor einem Jahr einen solchen Ausfuhr- Überschuß zu erzielen, daß nicht nur die Rück Zahlung etwa der Hälfte feiner ge­faulten Auslandsverpflichtungen er­folgen konnte, sondern auch die Zinsen für die andere Hälfte regelmäßig entrich- t e t wurden.

Runmehr fei aber, nachdem Deutschland seine sämtlichen Auslandsanlagen und seine Kolonien, die als Rohstofflieferanten vor dem Kriege wachsende Bedeutung für Deutsch­land hatten, nachdem die hauptsächlichsten Konkurrenzländer durch Entwertung ihrer Währungen die deutsche Ware von eigenen und vom Weltmarkt zu verdrängen suchen und schließlich durch ständige Zolterhöhun- g e n und Einfuhrkontingente der deutsche Absatz immer mehr geschmälert wurde, der Zeitpunkt gekommen, wo der Valuta­transfer auf die noch bestehende Auslands­verschuldung für Deutschland zur völligen Unmöglichkeit geworden sei.

Der Layton-Bericht vorn August 1931 habe fest- gestellt, daß mehr als die Hälfte der privaten Ausländsanleihen Deutschlands zur Bezahlung von Reparationen v er wandt worden feien. Dieser Betrag sei also bereits einmal trans­feriert worden, und nun solle er zuzüglich aller dar­auf liegenden Zinsen noch einmal transferiert werden. Das deutsche Transferproblem von heute sei also wirtschaftlich nichts anderes als das Reparationsproblem von gestern. Die­ser politische Ursprung des Transferproblems habe Deutschland niemals verhindert, seine vertrag­lichen Verpflichtungen gegenüber den Inhabern der deutschen Anleihen voll anzuerkennen, und es habe sämtliche Schuldner verpflichtet, ihre vollen Zinsen und Tilgungen bei der hierfür gebildeten Konver- sionskasse in Reichsmark einzuzahlen. Zahlungs­unfähigkeit liege nicht vor. In feinem gegenwärtigen Ausmaß habe der Gold- und Devisenbestand praktisch überhaupt nicht mehr

den Charakter einer Notenreserve; er sei selbst als Grundlage für die technische Abwicklung des Zah­lungsverkehrs mit dem Ausland unzureichend.

Das llebermah der Deflationspolitik und die Absperrung gegen den deutschen Export habe Deutschland eine Arbeitslosigkeit von sechs Mil- lionen Menschen gebracht. Das deutsche Volk fei nicht bereit, noch einmal eine solche Gefahr auf sich zu nehmen. Auch die soge­nannte Devalvation müsse es. ablehnen. Das Ausland werde eine hierdurch forcierte Export­politik nicht ruhig hinnehmen, wegen der hier­durch erhöhten Rohstoffpreise könnten wir dar­aus aber auch nicht eine Steigerung unserer Devisenerlöse erwarten. Die deutsche Reichs­mark werde stabil gehalten; hierzu habe man die Macht. Ohne eine internationale Ge­schäftsbelebung werde kein Transfer möglich fein. Die Industrieländer mühten mehrRoh- stoffe kaufen, damit die Rohstoffe produ­zierenden Länder mehr industrielle

Waren kaufen könnten.

Der Reichsbankpräfident teilte dann den Beschluß über die neue Transferregelung, die am 1- Juli in Kraft tritt, mit Sie entspricht in allen Einzelheiten dem Vorschlag, den die Reichsbank der Transferkonferenz unterbreitet hat. Hiernach findet somit für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1934 ein Bartransfer nicht statt. Die weiteren Vorschläge der Reichsbank sind in der jetzigen Rege­lung enthalten. Der laufende Zahlungsverkehr ge­genüber dem Ausland wird durch die Regelung, die sich nur auf die in die Konversionskasse eingezahlten Verpflichtungen bezieht, nicht berührt. Im Anschluß an die Mitteilung der Reichsbank hat der Reichs­finanzminister der BIZ. in Bafel mitgeteilt, daß auch für den Dien st der Dawes- und Poung-Anleihe vorübergehend bis auf wei­teres Devisen nicht mehr verfügbar sind. Dieser Miteilung sind noch Angaben über die un­veränderte Weiterzahlung des Anleihedienstes in Reichsmark und die Erklärung zugefügt, daß Rechte und Sonderstellung dieser Anleihen nicht präjubi- ziert werden sollen. In einer Note, die morgen in den Hauptstädten der Länder, in denen die Aus­ländsanleihen des Reiches aufgelegt worden sind, überreicht werden wird, wird ferner die Zwangs­lage, die zu diesem Schritt führte, eingehend er­läutert. Darin wird erklärt, daß besondere An­strengungen erforderlich sind, den Schuldentransfer wieder zu ermöglichen. Dazu sei vor allem die Mithilfe der Gläubigerländer durch vermehrte Warenabnahme nötig. Es werden dann die Gründe aufgeführt, weshalb auch der Dienst der im Ausland aufgenommenen Reichs­anleihen von dem Transferaufschub nicht ausge­nommen werden kann. Endlich wird die Bereitschaft zu Erörterungen über praktische Abhilfemaßnah­men ausgesprochen.

ihm vorschreibe. Der ehemalige französische Mini­sterpräsident D a l a d i e r hat in den Wandelaän- gen der Kammer angekündigt, daß er gegendie Vorlage Stellung nehmen werde. Er werde außerdem die Frage der zweijährigen Militärdienst­zeit aufwerfen. Ministerpräsident Doumergue betonte seinerseits, daß er, selbst wenn die Kammer die Kredite ablehnen sollte, was jedoch unwahrschein­lich sei, diese Kredite auf dem Wege desDe- k r e t s und auf feine persönliche Verantwortung den Ressorts zur Verfügung stellen. Sollte ihn die Kammer stürzen, so werde er vom Senat ihre Auf­lösung verlangen.

England Hali fein Wort Macdonald zur deutschen Gleich­berechtigung.

London, 14. Juni. (DNB.) Premierminister Macdonald sprach im Wahlkreis Seaham Dur- Ham. Solange wir in Unterhandlungen standen, ist es stets vollkommen klar gewesen, daß Deutsch­land auf dem Fuße der Gleichberechti­gung behandelt werden würde. Soweit es auf Großbritannien ankommt, wird das auch der Fall sein. Wir haben unser Wort gegeben und wir werden es halten. Wir Engländer haben un­seren Beitrag zum Abrüstungswerk geleistet, und ich richte an Deutschland die dringliche Bitte, seinen Beitrag zu diesem Werk zu leisten, indem es anderen Nationen keinen An­laß gibt Zweifel in die deutsche Politik zu setzen. Wir wollen ein Abrüstungsabkommen, das sämt­liche Länder Europas einbegreift Ich spreche, von dem Wunsch beseelt, den Beitritt Deutschlands zu erleichtern, es aus, daß jede Nation, die guten Willens ist, bereit fein sollte, am Beratungs- t i s ch mit Platz z u nehmen und sich zu be­mühen, zu einem gegenseitigen Uebereinfommen zu gelangen. Wenn die betreffende Nation dann nicht das erlangen sollte, was sie für recht und billig hält, bann hat sie immer noch die Möglich­keit, den Beratungstisch zu verlassen.