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Nr. 157 Erstes Blatt
184. Jahrgang
5reitag, 15. Jun! 1954
von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt ^ernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen
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-sGietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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ftOTitfurt °m Main 1168« Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätrvuch- uni» Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B
Abschied in München
Hier sand die erste Aussprache statt
Die Villa Reale Pisani in Stra bei Venedig.
Stadt Venedig,
licher Erwartung.
sogenannte Deronese-Zirnrner. Es trägt mythologische Deckenmalereien von Veronese.
Das Grand Hotel, der frühere Palazzo Fini am Canals Grande, wo der Führer Wohnung genommen hat.
Der Führer mit dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath (links) und seinem Adjutanten, Gruppenführer Brückner (rechts), die ihn auf seinem Fluge nach Venedig begleiteten.
Die Lagunenstadt festlich geschmückt.
Schon als mir kurz nach 9 Uhr mit ^nem Motor- boot hinaussuhren z u m L . d ° zum Flughaf- d =
Freitreppen, die von den Palästen und Kirchen hinunter führen an die Kanäle. Auf den Torpedobooten, die längs des Weges vom Flughafen zum „Grandhotel" an Canale Grande festgemacht hatten, trat die Besatzung bereits an. Weit leuchteten die Paradeuniformen der Marinesoldaten. Polizeiboote furchten das Wasser, daß die Wogen hoch aufspritzten und überall roifrbe letzte Hand angelegt.
Am Flughafen selb st waren Ehrenformationen aller italienischen Waffengattungen angetreten. Da stand die Infanterie in flachem Stahlhelm, daneben eine Abteilung Artillerie, dann, an ihren gelben Ausschlägen erkenntlich, eine Abteilung Kolonialtruppen, weiter eine Abteilung der Marine und eine Abteilung der Fliegertruppen. Mussolini, der schon bald nach 9 Uhr auf dem Flughafen eingetroffen war, sah man in angeregtem Gespräch mit dem deutschen Botschafter von Hassel. Der Flughafen war hermetisch abgesperrt. Nur besonders Geladene hatten Zutritt, Angehörige der Führung der Faschistischen Partei und hohe italienische Regierungsbeamte. Man bemerkte u. a. auch Staatssekretär Suvich, ferner Generale und hohe Offiziere.
Die große Flughalle war ausgeräumt worden, um der Maschine des Führers Platz zu geben. Die Stirnwand war mit einer großen Hakenkreuzflagge geschmückt, die flankiert wurde von der italienischen Trikolore mit dem Liktoren-Bündel. Flugzeuge der italienischen Marine kreisten in Staffeln um den Flugplatz und flogen dann dem Flugzeug des Führers entgegen. Kurz vor 10 Uhr landete die Streckenmaschine Rom—Berlin.
Oer Willkomm.
Herzliche Begrüßung zwischen beiden Staatsmännern.
Als sich die Kabine des Flugzeugs öffnete und der Führer in Zivil und im Mantel an der Tür erschien, intonierte die Militärkapelle das Deutschlandlied. Der Führer trat zunächst auf Mussolini zu, der wenige Schritte vom Flugzeug mit hohen italienischen Würdenträgern und dem deutschen Botschafter wartete. Beide Männer drückten sich die Hand und sahen sich fest in die Augen. Wir alle, die wir dabei zu sein das Glück hatten, wußten diesen Moment, daß wir Zeuge eines historischen Augenblicks geworden waren.
durch eine Freifläche ein langes, schmales, kanal- artiges Wasserbecken zieht. Das Ganze wird abgeschlossen durch ein niedriges Orangeriegebäude. Als der Führer, der unterwegs immer wieder von der Bevölkerung und faschistischen Abteilungen begrüßt wurde, an der Villa Stra eintraf, ging ihm Mussolini entgegen und begrüßte ihn; dann schritten Mussolini und der Führer durch die weite Halle des Schlosses hinaus in den Park, den der Führer zunächst besichtigte. Nach dem Essen gegen 15 Uhr begann die erste Unterredung zwischen den Führern der beiden großen Völker. Am späten Nachmittag traf der Führer dann auf dem gleichen Wege wieder im Hotel Grande in Venedig ein. Auf der Rückfahrt blieb der Führer mit seinem Motorboot etwas zurück, um noch das berühmte C o n d o t t i e r e - D e n k m a l des Colleoni zu besichtigen. Er traf kurz nach 17.30 Uhr im Grand-Hotel ein, nachdem wenige Minuten vorher der Duce auf dem Canale Grande das deutsche Standquartier passiert hatte.
Oie amtliche Mitteilung.
lieber die erste Unterredung Hitler—Mussolini in Stra wird folgendes amtlich bekanntgegebenr Der Ches der italienischen Regierung hat dem deutschen Reichskanzler heule ein Frühstück in der Villa Pisani in Stra gegeben. Rach dem Frühstück haben die beiden Regierungschefs eine über zweistündige
Des Führers Besuch in Venedig.
Herzlicher Empfang durch das italienische Volk. - Erste vertrauensvolle Aussprache mit dem Ouce. - Festlicher Abschluß des ersten Besuchstages.
3ur Villa Pisani in Stra, wo am Mittag die erste historische Unterredung Mussolinis mit dem Führer stattfand.
Durch den Eanal Grande nach Stra.
Der Willkomm für ben Führer durch die Bevölkerung Venedigs war überaus herzlich. Es erschollen immer wieder die Rufe: „E v i v a H i t l e r o und dann immer mieser: „Hitler! Hitler! Hitler!" und dazwischen wieder das „Eviva" und brausendes Händeklatschen. Auf der Freitreppe der Kirche San Giorgio hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Aus dem Canale Grande promenierten Motorboote und Gondeln, besetzt von Neugierigen, die den Führer sehen wollten. Als gegen 12 Uhr dann der Führer mit seinen Begleitern sich hinunter zur Anlegestelle begab, um zur Piazzale Romano und von dort mit einem Auto nach Stra zu Fahren, empfing ihn erneut brausender Jubel. Zahlreiche Deutsche aus Italien hatten sich dort angesammelt und brachten dem Führer ihre Huldigung dar. Die Sirenen der Schiffe und Motorboote heulten, und durch ein Spalier von zum Gruß erhobenen Armen fuhr das Motorboot des Führers den Canal Grande hinauf, vorbei an den historischen Palästen, die kilometerweit diesen Kanal säumen, vorbei auch am Palazzo Dendramin, wo Richard Wagner seine Augen für immer schloß.
Die Zimmer des Führers im Grand- Hotel, dem alten Palazza Fini, haben eine historische Bedeutung. Zahlreiche Staatsoberhäupter haben hier bereits gewohnt, Könige aus aller Welt. Die Zimmer find mit künstlerischen Möbeln aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet, die Wände tragen die Wappen alter venezianischer Familien. An den Wänden hängen Bilder aus der venezianischen Schule Diepolos. Der große Empfangsraum, in dem am Freitag das Essen für Mussolini gegeben werden wird, ist der sogenannte S a n s o v i n o. Der Raum ist mit grünem Brokat ausgespannt und mit wertvollen venezianischen Spiegeln aus Morano geschmückt. Das Schlafzimmer des Führers ist das
Oer Alpenstug des Führers.
Der Flug des Führers über die Alpen war fein erster derartiger Flug. So war er — der begeisterte Alpenfreund — naturgemäß besonders gespannt auf die Eindrücke, lieber Tirol lag leider eine dichte Wolkendecke, hinter dem Brenner jedoch rissen bann die Wolken und D 2600 „Jmmelmann" mit Bauer, dem ersten Piloten des Führers, am Steuer konnte sich von 4000 Meter etwas tiefer schrauben. Brixen war zu sehen, und bann bie herrliche zerklüftete Felsen- roanb ber Dolomiten. Der Führer setzte sich, um eine noch schönere Sicht zu haben, zu bem Piloten. Man sah bann bie steil abfaüenbe Mar- molata, bie wie ein Gruß aus einer Urwelt erschien, bie venezianischen Alpen, bann bie weite oberitalienische Tiefebene unb einem Urftrom gleich bas ungeheuer weite, aber wasserarme Flußbett ber Piave. Helbenfriebhöfe, bäum« umkränzt, auf benen Deutsche und Italiener ge- meinfam von den schweren Kämpfen ausruhen, die hier einst getobt haben, sind Symbol dafür, daß die Zeit des Mißverständnisses vorbei ist, da zwei große Völker, die nun nichts mehr trennt unb bie alles oerbinbet, gegeneinander stauben, zwei Völker, die heute bie gleichartige Staatsstruktur unb bie gleiche innenpolitische Entwicklung besonbers eng verbindet. Der Flug ging bann überPadua hinüber z u b e n Lagunen Venebigs , bas zweimal umflogen würbe, nach Morano, ber Stabt bes venezianischen Glases, einer jener Inseln, bie zur Dogen-Republik Venedig gehörte, bem Libo unb bann in einer Schleife noch hinaus auf die Adria, die in tiefem Blau heraufglänzte. Dann setzte das Flugzeug zur Landung an.
Mussolini fährt zum Empfang des Führers.
Venedig, 14. Juni. (DNB.) Mussolini hat sich heute morgen gegen 8.30 Uhr von der Villa Pisani in Stra, feinem Aufenthaltsorte aus, aufgemacht und ist in einem Motorboot durch den Kanal Grande in Richtung zum Flugpla tz Sa n Ni - colo am Lido gefahren, um den Führer dort zu empfangen. Gegen 9 Uhr kam das Motorboot des Duce am „G r a n d h o t e l" vorbei, wo die deutschen Gäste absteigen. Eine große Reche geschmückter Motorboote mit den Herren der Umgebung bes Duce folgte ihm. Der Zugdurch ben Kanal Granbe bot ein farbenprächtiges Bild. Von allen Ufern aus würbe ber italienische Regierungschef der in voller Uniform erschienen war, lebhaft bejubelt. Ganz Venedig, das in strahlendem Son- nenschein bei herrlichem blauen Himmel bahegt, steht unter bem Einbruck bes kommenben Ereignisses.
Venedig in freudiger Erwartung.
Das Horst-Wefsel-Lieb erklang. Dann schritten Mussolini unb ber Führer unter ben Klängen ber Giovinezza, gefolgt von bem Parteisekretär unb bem Generalstabschef ber Miliz Terruzzi, bie Front der Ehrenformationen ab. Darauf führte Mussolini ben Führer zur Motorbootflottille. Mussolini unb ber Führer fuhren stehenb im ersten Boot. Daran schlossen sich bann bie Boote mit ben überigen Ehrengästen. Durch bie große Lagune ging bann bie Motorbootfahrt, vorbei an der Torpedobootsflottille, wo bie Be- satzung bie Ehrenbezeugungen erwies, vorbei am Dogenpalast, am Marcusplatz zum Granbhotel. Am Granbhotel verließ der Führer bas Motorboot unb oerabfdiiebete s i ch von Mussolini, ber S^tabt d"as OB Ub'^sest'- mit seiner Begleitung weiterfuhr zum Piazale I' bot fön ben alten Palästen Romano, bem großen neuen Platz auf bem bie vor unh Deutschlanbs. einigen Wochen eingewechte Autostraße nach Wen jamÄ-7 sich überall auf den bre.len Mestre beginnt. Van dort fuhr der Duc- hinaus
Oie erste Begegnung.
Die erste Aussprache -zwischen bem Führer unb Mussolini fanb in ber Villa Reale Pirani in Stra statt. Am Piazzale Romano ging bie Fahrt über bie große Autostraße nach Fisina unb von bort entlang bem Brenta-Kanal bis Stra. Diese Fahrt vermag ein Bilb zu geben von italienischer Volkspsyche unb von bem Geiste, mit bem bas italienische Volk an seinem Führer hängt, mit bem es aber auch ben Führer bes beutschen Volkes achtet. Aus allen Fenstern hing bie grün-weiß-rote Trikolore mit bem ßiftorenbünbel. lieber bie Straßen waren immer roieber in Riesenschrift bie Worte geschrieben: „Duce, Duce, Duce!" unb an verschobenen Stellen „Hitler!" An ben Häusern klebten große Plakate, bie 10-, 20- unb 30maI bie Worte trugen: „Duce, Duce, Duce!", eine Form ber Begeisterung, bie sich nicht nur auf einen Mann, fonbern auch auf einen Begriff, auf ein Wort mit aller Intensität konzentriert. In ben kleinen Orten trat gerabe bie Ballila an, um auf ber Rückfahrt bes Führers Spalier zu bitten unb ihn zu begrüßen. Dann trafen wir lange Kolonnen von Jungfaschisten, bie riesige, fünf Meter große Plakate mit bem Kopf Mussolinis mit sich führten unb bie bei unserem Erscheinen in Beifallsklatschen unb laute Rufe: „Es lebe Deutschland" ausbrachen.
Schloß Stra ist ein zweistöckiger weißer Bau, von einem großen Park umgeben, hinter dem sich
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