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Doktor Brunners Freude war unverkennbar. Fröhlich hob er sein Glas gegen das Rosemaries. Mit einem Hellen Klang stießen die Gläser zusammen.
„Daß ich das noch erleben durfte, das Kmd Helga Bergmanns in meinem Hause zu haben, versöhnt mich jetzt mit meinem ganzen einsamen Leben!" sagte er bewegt.
„Du sprichst von meiner Mutter immer so warm und herzlich, daß ich glauben könnte, du hättest sie selber sehr gern gehabt, Onkel."
„Wer hätte das nicht, Rosemarie? Ich habe sie nicht mehr und nicht weniger geliebt, als sie alle die göttliche Bergmann liebten. Aber wir armen Sterblichen! Kein Funke Hoffnung war für uns da. Immer blieb sie unnahbar und kühl gegen die unbändige Anzahl ihrer Verehrer. Na, und ganz schlimm wurde es, als Ehrenhard Neuß sie für sich gewonnen hatte. Nie spielte sie schöner als in dieser Zeit ihrer ersten Liebe. Das war kein Mensch mehr, der da auf den Brettern stand, das war eine Göttin, die die Worte der Dichter so lebendig machte, daß sich das Innerste der Menschenherzen zuoberst kehrte. In jener Zeit gab Berlin ihr den Namen: die göttliche Bergmann! Kind, Kind! Kannst du mich nun verstehen, wenn ich mir als letzten Wunsch - meines Lebens vom Schicksal erbitte, daß es diese große Zeit durch dich noch einmal lebendig werden läßt? Aber kein Neuß darf kommen, keiner, keiner, der dich zum Weibe begehrt. Ein Schaffender muß frei sein!"
Rosemarie war von Brunners Worten aufs tiefste erschüttert. Schon oft hatten sie über ihre Mutter gesprochen, aber noch niemals hatte sich Brunner so von seiner eigenen Begeisterung hinreißen lassen.
Ein feuchter Glanz lag in ihren Augen, und zaghaft klangen ihre Worte, als sie sagte:
„Daß ich dich niemals enttäuschen möchte, Onkel! Ob 'ich jemals die Größe meiner Mutter erreichen werde? Vielleicht entmutigt es mich auch, immer von euch an ihrem Maßstab gemessen zu werden... Und dann, schon manchmal stand ein unseliger Stern über meinem Leben. Der Name meiner Mutter war rein, aber an mir hängt ein Makel, den ich in aller Zukunft nicht los werde. Du glaubst nicht, wie manchmal eine Angst in mir nagt, daß es eines Tages herauskommen könnte, welcher furchtbare Verdacht auf mir ruht. Je höher ich stehe, um so tiefer ist dann der Absturz."
Und wieder, wie schon einmal vor Jahren, gingen in diesem Augenblick ihre Augen weit in die
Betr.: Die Ausführung des Gesetzes über den Ur- kundenftempel vom 12. August 1899; hier: Erhebung der Stempelabgabe für Verkaufs-, Spiel- und Waagautomaten, für automatische Kraftmesser, für öffentlich aufgestellte Klaviere und sonstige Wusikwerke.
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Rosemarie...
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Amtliche Bekanntmachungen des Kreisamts Gießen.
Betr.: Gesetz zum Schuhe der nationalen Symbole.
Von der Reichsregierung sind irn Einvernehmen mit den Sachbearbeitern der Länder unterm 12. Februar 1934 Richtlinien über die Handhabung des Gesetzes zum Schutze der nationalen Symbole ergangen, die durchweg der in Hessen geübten Praxis entsprechen und nachstehend veröffentlicht werden. 1574C
Bei Entscheidungen über Verwendung nationaler Symbole sind die Richtlinien des Reiches künftig streng einzuhalten.
Neue Richtlinien für die Handhabung des Gesetzes.
Berlin, 18. November.
Unter dem 12. Februar hat der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda neue Richtlinien für die Handhabung des Gesetzes zum Schutze der nationalen Symbole vom -19. Mai 1933 erlassen. Darin heißt es:
1. Bildet der Gegenstand selbst das Symbol, so ist eine Verwendung und Verbreitung nur dann zulässig, wenn er ein Erzeugnis der bildenden Kunst oder des Kunstgewerbes ist, z. B. Bilder und Plaketten führender Persönlichkeiten. Hakenkreuze an Anstecknadeln oder Ketten, SA.-Figuren.
2. Wird das Symbol an dem Gegenstand oder in Verbindung mit ihm dargestellt, so ist seine Verwendung nur dann zulässig, wenn der Gegenstand selbst oder seine Bestimmung eine innere Beziehung zu dem Symbol hat, z. B. das Hakenkreuz an der Fahnenspitze. Nicht zulässig ist die Verwendung des Symbols insbesondere, wenn dieses zu dem Zwecke angebracht wird, den Gegenstand zu verzieren oder seine Absatzfähigkeit zu steigern, z. B. Verwendung des Hakenkreuzes oder der deutschen Farben auf Kinderspielbällen, Sparbüchsen, Papier, Manschet- tcnknöpfen, Schokoladen- und Tabakpackungen. Die Verwendung des Symbols zu Reklamezwecken ist in jedem Falle unzulässig.
3. In allen Fällen der Ziffer 1 und 2 ist die Verwendung des Symbols unzulässig, wenn dessen Ausführungen minderwertig oder mit entstellendem Beiwerk versehen ist, z. B. bei künstlerisch minderwertigen Bildnissen, bei selbstleuchtenden Haken-
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Feme durch Wände und Türen hindurch — wie die einer Seherin.
Aber Doktor Brunner war heute nicht dazu aufgelegt, sich von dunklen Gedanken übermannen zu lassen. Er wollte Licht sehen. Glanz und Ruhm für Rosemarie.
„Aber Rosemarie, kleiner Angsthase! Wie kannst du nur noch immer so bange sein? Nach diesem herrlichen Erfolg, den du schon bei deinem ersten Auftreten hattest. Die Vergangenheit laß begraben sein! Dein Herz ist lauter und rein, und du bist vor Gott und dir selbst ohne Schuld — das ist genug. Ich — ich glaube an deinen Erfolg! Nur in einem Punkte laß dich warnen, obwohl diese Warnung unnötig ist, gerade bei dir. Die Männer werden dich umschwärmen und verehren, wie sie deine Mutter umschwärmt und verehrt haben. Aber laß dich nie hinreißen, einem aus Einsamkeit oder Mitleid die Hand zu reichen! Wenn du nicht eine ganz große Liebe erleben kannst, dann bringe keinem das Opfer! Das Leben ist lang, und ein Zurück ist schwer."
„Und mein Herz wird nicht sprechen, Onkel. Niemals. Bei keinem wieder. Einen habe ich geliebt, der keinen Glauben an mich hatte, und ich — ich hätte mein Herzblut geben können für ihn. Ach, meine kurze Liebe war nur ein Traum vom Glück, aber ich weiß, daß ich davon zehren werde mein Leben lang."
„Armes, liebes Kind!" sagte Doktor Brunner leise, aber ein Groll war in ihm gegen den Mann, der diesem jungen Weibe, das er liebte, wie er ein eigenes Kind nicht herzlicher hätte lieben können, das Schönste im Leben genommen- hatte — die Liebe.
Zart lenkte er das Gespräch auf ein anderes Thema.
„Nun ist deine Tante schon lange wieder daheim. Hat sie dir schon geschrieben?"
Rosemaries Augen strahlten auf.
„Ach, einen wundervollen Brief habe ich von ihr bekommen. Sie ist heute noch so begeistert wie damals. Es hat ihr ja alles hier so sehr gefallen. Aber am glücklichsten war sie, daß wir uns alles einmal vom Herzen heruntersprechen konnten, was sich in der langen Zeit so angehäuft hatte."
„Und das war wohl sehr viel?" lachte Doktor Brunner.
„O ja!" Rosemarie nickte. „Schade, daß es so kurz war. Nun müssen wir wieder lange warten."
In Doktor Brunner zuckte ein Gedanke auf und nahm blitzschnell greifbare Form an:
„Möchtest du die Tante immer hier haben, Rosemarie?"
Rosemarie sagte ahnungslos «freudig: „Ja!" Doktor Brunner merkte, wie sehr es ihr aus dem Herzen kam.
Platz genug war in dem großen, eleganten Hause, und für Rosemarie, die so leicht zur Schwermut neigte, war es vielleicht ganz gut, wenn sie
volles Stöhnen. Es war ja alles Lüge gewesen, was er gesagt, alles nur Lüge!
Mit müden Gebärden zog sie das Kleid über. Das schlichteste, unauffälligste hatte sie gewählt und wußte doch nicht, wie schön sie darin aussah.
Schlank hob sich ihr weißer Hals aus dem dunklen Rot, und wie mattschimmerndes Gold lagen die Locken auf ihren Schultern.
Als sie sich mit einem schelmischen Knicks vor Brunner verneigte, riß dieser erstaunt die Augen
Kindchen, du siehst ja fabelhaft aus! Na, da wird der Fürst aber Augen machen."
Rosemarie erschrak. Sollte sie gerade das Gegen- teil von dem erreicht haben, was sie wollte? Häßlich wollte sie aussehen, sehr häßlich, denn der Gedanke, daß seine Blicke wieder wie damals so unablässig auf ihr ruhen würden, machte ihr schon jetzt Unbehagen.
Doch nun war keine Zeit mehr zu langen lieber- legungen. Jeden Augenblick konnte der Fürst em» treten.
Und er kam. „ .
In anregender Unterhaltung verlies das kleine Abendessen. . , _
Rosemaries Befangenheit wich, sie konnte gegen ßueberg schon etwas Freundlichkeit aufbringen. Kein bewundernder Blick streifte sie, kaum daß er an sie persönlich eine Frage richtete.
Fast schien es Rosemarie, als sei sie in einem Irrtum gewesen, wenn sie geglaubt, daß der Fürst damals bei Hiller für sie besonderes Interesse gezeigt hatte. Es war wohl ihre große Erregung nach dem ersten Debüt, die sie Dinge hatte sehen lassen, die nicht existierten.
Heute jedenfalls empfand sie ihn wesentlich angenehmer. Seine ganze Art, sich zu geben, verriet alte Kultur. , , e .
Kleine, dumme Rosemarie! Sie hatte feine Ahnung davon, wie es in Wahrheit in dem Herzen des Fürsten aussah, wie meisterhaft er sich beherrschte, um seine Empfindungen für sie nicht zu verraten. „
In seinem Herzen klangen tausend Glocken. Wenn eine Fürstin ßueberg werden würde, dann nur Rosemarie Bergmann! Ihre Erscheinung und ihr hoher seelischer Adel zeichneten sie aus vor allen anderen Frauen, die seinen ßebensroeg bisher gekreuzt hatten. Die jüngste Fürstin ßueberg wurde sich vor ihren Vorgängerinnen nicht zu schämen brauchen. r
Aber er hatte Zeit. Einmal wollte er Rosemarie durch eine ungestüme Werbung nicht erschrecken, und dann war es ja so außerordentlich reizvoll, ganz zart und leise um sie zu werben.
Gegen elf Uhr bereits zog sich Rosemarie zurück. Die Herren waren allein.
Ein herzlicher Ton schwang in ihrer Unterhaltung.
(Fortsetzung folgt. 1
kreuzen.
4. Durch Erlaß von Polizeiverordnungen (§ 8 d. Ges.) ist die Verwendung von Symbolen durch Singen und Spielen von Liedern und bei der Wiedergabe von Erzeugnissen der ßiteratur oder die Vorführung minderwertig, wenn die Vorführung unter Umständen erfolgt, die der Würde des Symbols nicht entsprechen, z. B. das Spielen der Nationalhymne in Potpourris '
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Großen-Linden für das Rj. 1934 liegt vorn 15. März 1934 ab acht Tage lang auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 1582V
Großen-ßinden, den 14. März 1934.
Hessische Bürgermeisterei: ßang.
. , ohne Zustim
mung der Reichsleitung der NSDAP, (des Reichsgeschäftsführers (München, Braunes Haus) verwendet werden, ßiegt im Zeitpunkt der Entscheidung eine Erlaubnis oder ein Verbot der Reichs- leitiing vor, so ist die entscheidende Behörde hieran gebunden, ßiegt die Stellungnahme der Reichsleitung noch nicht vor, so ist sie vor Erlaß der Entscheidung einzuholen und dieser zugrunde zu legen.
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Von allen denjenigen Personen, die ausweislich unseres Verzeichnisses im Jahre 1933 Automaten usw. angemeldet und die Abgabe entrichtet haben, wird die Stempelabgabe zwangsweise beigetrieben werden, wenn sie nicht bis spätestens 15. April 1934 ihre Automaten usw. bei dem Kreisamt zur Abmeldung gebracht oder die Abgabe bezahlt haben.
1. Wer in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften oder an anderen öffentlichen Orten und Plätzen einen Geschicklichkeitsspiel-. Verkaufs- oder Waagautomaten oder automatischen Kraftmesser, sowie wer in einem öffentlichen Wirtschaftslokal ein Klavier oder sonstiges Wusikwerk auffteüen will, hat zuvor bei dem Kreisamt seines Wohnortes oder Aufenthaltsortes eine Erlaubniskarte zu erwirken und für die ßöfung dieser Karte die in Nr. 10 des Tarifs vorgefehe Stempelabgabe zu entrichten.
Die Abgabe beträgt jährlich:
Für besonders leistungsfähige Instrumente kann die Stempelabgabe bis auf den zweifachen Betrag erhöht werden.
Stempelpflichtig sind auch solche Musikwerke, die keinen Geldeinwurf haben.
Die Aufstellung von Automaten für Bahnsteigkarten ist stempelfrei.
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einen lieben, verständnisvollen Menschen um sich hatte.
Im Moment sprach Doktor Brunner kein Wort mehr darüber, aber er beschloß, sich die Sache einmal genau zu überlegen. Vielleicht war hier eine Möglichkeit, Rosemarie, die sonst niemals einen Wunsch äußerte, einmal eine ganz große Freude zu machen.
Schmunzelnd erhob er sich, um auf fein Zimmer zu gehen, wo er jeden Mittag ein Stündchen zu ruhen pflegte.
„Im übrigen, daß ich es nicht vergesse: Mache dich ein bissel schön, Rosemarie. Heute abend haben wir fürstlichen Besuch!"
Rosemarie lachte.
„Im Ernst, Kindchen", sagte Brunner heiter. „Du erinnerst dich wohl an Fürst ßueberg? Er hat sich für heute abend angefagt."
Rosemarie brauchte nicht zu überlegen. In ihrer Seele stieg klar und deutlich das Bild eines großen, blonden Mannes auf, der sie mit ernsten Augen anschaute.
„Es ist gut, Onkel! Ich werde mich selbstverständlich sehr schön machen." Aber ihr scherzhafter Ton klang etwas gezwungen.
Rosemarie hatte gar keine ßuft, sich heute abend besonders schön zu machen.
Für wen denn? Für den Fürsten? Oh, wenn er wüßte, wie gleichgültig er ihr war! Es war ja so nebensächlich, was sie heute abend anzog. So entschloß sie sich zu einem schlichten, bordeaux- farbenen Kleid.
Auch in diesem Augenblick kreisten ihre Gedanken wieder um Wangenheim. Rosemarie war nicht eitel, aber einmal, wünschte sie sich, einmal sollte er mich in diesen schönen Kleidern sehen. Ob er nicht doch ein wenig verwundert wäre, was für eine Dame aus dem kleinen Tippfräulein geworden war?
Und doch, wie glücklich war sie damals gewesen in ihren billigen Kleidern, die Tantchen oft in den Nächten so geschmackvoll und nett wie nur möglich für sie genäht hatte.
Ach, und so jubelnd hatte ihr Herz niemals wieder geschlagen wie damals, als sie selig und mit heißgeküßten ßippen nach ihrem ersten Ball die Treppen hinaufgeeilt war. Oft hatte sie ihn heimlich angeschaut, wenn er so elegant neben ihr ging, und sich gefragt, ob er sich ihrer einfachen Kleidung nicht schämte. .
Und einmal, ach, wie genau wußte sie noch jeöes seiner Worte, hatte sie befangen auf ihren billigen Mantel geschaut, als er sie in ein vornehmes ßokal eingeladen hatte; aber da hatte er sie lächelnd bei der Hand genommen und gesagt:
„Was ist dir denn, ßiebling? Komm nur, wie du bist, so bist du für mich die Schönste, und wehe dem, der dir die Achtung versagen wollte!"
Ganz deutlich klangen noch heute seine Worte in ihren Ohren. Ihren ßippen entrang sich ein quäl
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