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Vertreter hat den Eindruck gewonnen, daß die Be­sprechungen nicht den Zweck irgendeines politischen Abkommens verfolgten. Es sei unwahrscheinlich, daß irgendwelche endgültige Abkommen, auch keine han­delspolitischen, abgeschlossen werden würden.Echo de Paris" glaubt ebenfalls nicht daran, daß die Be­sprechungen zum Abschluß wirklich nutzbringender Verträge führen würden. Der Grund dafür liege besonders darin, daß Ungarn auf keinen Fall die Beziehungen zu Deutschland

abbrechen werde, und auch Italien könne aus verschiedenen Gründen den Forderungen Un­garns nicht restlos nachkommen. Mussolini könne sich nicht mit Frankreich und der Kleinen Entente Über­werfen. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet sei daher zu erwarten, daß die in Rom getroffenen Abkom­men nur nach außen hin bedeutungsvoll aus­sähen, während in Wirklichkeit die Wiederherstellung des Gleichgewichts in Mitteleuropa noch recht lange auf sich warten lassen dürfte.

Oer französische Kammerausschuß stützt -en Kurs Barthous.

Paris, 14. März. (DNB.) Der Kammeraus­schuß für auswärtige Angelegenheiten hat nach einer Beratung über die außenpolitische Lage und die Abrüstungsfrage einstimmig folgende Ent­schließung angenomen:

Der Ausschuß bestätigt seine Politik, die der kontrollierten und in der Sicher­

heit organisierten Abrüstung gün­stig ist. Er ist weiterhin gegen die Wie­deraufrüstung Deutschlands und wünscht lebhaft die Ausarbeitung eines allge­meinen Abkommens zur Begrenzung der Rü­stungen, um die Gefahren zu vermeiden, die die Wiederaufnahme des Wettrüstens für den Frieden bedeuten würde."

In der Sitzung standen sich zwei Auffassungen schroff gegenüber. Der Abgeordnete V i e n o t schlug eine Entschließung vor, nach der Deutschland in den Grenzen des italienischen Vor­schlages zur Ausrüstung ermächtigt werden möge. Man könne versuchen, Deutschland die Ach­tung vor den Verträgen aufzuzwingen. Eine derartige Politik sei aber im Augenblick nur durch Anwendung einer bewaffneten Streitmacht

oder gar durch einen Präventivkrieg mög­lich. Die zweite Möglichkeit bestehe darin, kein Ab­rüstungsabkommen zu unterzeichnen, auf der ande­ren Seite auch nichts gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands zu unternehmen und damit dem R ü st u n g s w e t t l a u f die Türen zu öffnen. Die dritte und von ihm befürwortete Lösung bestehe im Abschluß eines Abkommens, das, wenn es vielleicht auch nicht als Abrüstungsabkommen gelten könne, doI zum mindesten eine kontrollierte Rü­stungsbegrenzung ermögliche.

Gegen diesen Vorschlag wandte sich der Abge­ordnete Fribourg, er erklärte, Deutschland habe nicht das Abkommen mit Frankreich abge­wartet, um seine Rüstungen und Effektivbestände heraufzusetzen. Wenn Deutschland heute die Zu­stimmung Frankreichs fordere, so verfolge es da­bei nicht den Zweck, seine Streitmacht zu erhöhen, denn dies sei, bereits geschehen, vielmehr wolle es ein Zugeständnis erhalten, das für Frankreich eine glatte moralische Kapitulation bedeuten würde. Die Folgen einer solchen Haltung würden sich bei den ersten internationalen Schwierigkeiten zum Schaden Frankreichs auswirken, dem man oorwerfen würde, die Aufrüstung Deutschlands sanktioniert zu haben.

Die britische presse wenig

London, 15. März. (DNB.-Funkspruch.) In ihren Besprechungen der Parlamentsaussprache über die Abrüstungsfrage heben die Londoner Blät­ter hervor, daß sich nichts Abschließendes über die Aussichten sagen lasse, solange die Welt noch a u f die französische Antwort warten muß. Allgemein wird auf die Bemerkung Edens hinge­wiesen, daß es keinen anderen Weg gebe als die Richtlinien der britischen Denkschrift.Time s" schließt sich den abfälligen Bemerkungen ausdrück­lich an, die in der Unterhaussitzung über die letzte Rede des Reichsministers Göring gefallen sind und behauptet, es handele sich um eineHerausfor­derung", die das gegenseitige Vertrauen zerstören müsse.' Wenn dauerndes Vertrauen zwischen den einzelnen Nationen hergestellt werden könnte, dann würde die Rüstungsverminderung beinahe automa­tisch folgen. Das Blatt wendet sich aber auch gegen Churchill, dem es vorwirft, er habe es ver­säumt, seine Ausführungen über Abrüstungsbereit­schaft und Sicherheit bis zu ihrem logischen Ende fortzusetzen, während es in England mehr und mehr Leute gäbe, die es täten. Der logische Schluß laute, daß alle Länder eine gemeinschaft­liche Verantwortung übernehmen müß­ten, daß sie alle bereit sein müßten, gemeinsam gegen jede Verletzung einer Konvention einzutreten, die die Fähigkeit des einzelnen zu Vergeltungsmaß­nahmen geschwächt habe. Die britische Regierung sei nicht gerade bereit, jedem Lande, das in Schwie­rigkeiten gerate, zu Hilfe zu eilen, wohl aber mit anderen über die Schritte zu beraten, die gegen ein Land zu unternehmen wären, das die Konvention verletzt und dadurch das ganze System der Rüstungsbegrenzung gefährde.

Daily Telegraph" sagt u. a., ein Zusammenbruch

der britischen Wehrmaßnahmen nötig werde. Frank­reich sei weder vom Locarno- noch vom Kelloggpakt befriedigt, weil der eine so begrenzt in der Reich­weite und der andere zu unbestimmt gehalten sei. In diesem Punkt aber gebe es keine Hoffnung auf eine Aenderung der britischen Politik.

Mißvergnügen in Paris.

Paris, 15. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Pa­riser Morgenpresse gibt die Ausführungen des Lordsiegelbewahrers und des Außenministers Si­mon im englischen Unterhaus sehr ausführlich wie­der. Don wenigen Ausnahmen abgesehen, nehmen die Blätter aber keine redaktionelle Stellung zu den Erklärungen.Jour" spricht von einemenglisch- deutschen Druck" auf Frankreich. Edens Ausführungen hätten in Frankreich Ueberraschung ausgelöst. Man habe bisher angenommen, daß sich Eden der Ansicht Mussolinis mehr oder weni­ger angeschlossen habe und daß London sogar Wert darauf lege, die italienische und die englische An­sicht in Einklang miteinander zu bringen. Heute müsse man aber feststellen, daß man sich geirrt habe, denn der englische Standpunkt weiche grund­sätzlich von dem italienischen ab, weil England die deutsche Wiederaufrüstung" mit einer französischen Abrüstung verbunden sehen wolle. Bei den Aus­führungen Edens handele es sich ebenso wie bei der letzten Üeutsck^n Note um einen Druck. Man hoffe vielleicht in England, daß die französische Re­gierung, um einen Abbruch der Besprechungen zu vermeiden, noch einmal den gefährlichen Weg beschreiten werde, der ihre Vor­gänger so weit gebracht habe. Es sei aber zu hoffen, daß Frankreich in einer klaren und ent-

der Abrüstungskonferenz werde die britische Sicher-1 schlossenen Darlegung die Verantwortlich- heit so gefährden, daß dann sofort eine Revision »feiten f e st l e g e.

Prinz Sixtus von Bourbon-Parma f.

Oer Vermittler bei Habsburgs Bemühungen um einen Sonderfrieden.

Ein trübes Kapitel aus dem Weltkrieg.

Habsburgs Dank fürdeutsche Nibelungentreue".

Paris, 14. März. (DRV.) Prinz Sixtus von Vourbon-Parma ist am Mittwoch kur; nach 15 Uhr in Paris gestorben. Er stand im 48. Lebensjahr. Die frühere Kaiserin Zita, deren Bruder er war, und andere Mitglie­der der Familie weilten am Sterbebett.

Das Ableben des Prinzen Sixtus von Bourbon- Parma, des Bruders der Exkaiserin Zita von Habsburg, weckt die Erinnerung an ein Kapitel der Niedertracht und des Verrates aus dem Weltkrieg. Die Kaiserin Zita hatte den willensschwachen Kaiser Karl geradezu in eine Sonderfriedens­stimmung versetzt. Deutschland hatte im schweren Jahre 1917 bereits eine Gelegenheit versäumt, den Ring der Feinde zu sprengen. Die auf Oesterreichs Betreiben erklärte Loslösung Polens von Rußland machte es dem Zaren unmöglich, zum Frieden zu gelangen. Am 14. März 1917 hatte der Zar ab­gedankt. Um die gleiche Zeit schickte Poincare, der fürchtete, daß die Kriegspartei in Rußland bald am Ende ihres Lateins sei, den Bruder der Kaiserin Zita, Prinz Sixtus, nach Wien. Prinz Sixtus hatte im belgischen Heere als Artillerie­leutnant gekämpft. Sein Halbbruder Elias diente in der österreichischen Armee. Heber das, was Prinz Sixtus erreichen sollte, hat er 1920 in französischer Sprache Erinnerungen veröffentlicht, die jedoch nicht ins Deutsche übertragen werden durften, weil die Exkaiserin Zita durch diese Aufdeckung der wenig schönen Rolle ihres Gatten, des letzten habs­burgischen Kaisers Karl, eine Rückwirkung auf die Thronaussichten ihres Sohnes Otto befürchtete.

Prinz Sixtus hatte also die Aufgabe, die k. u. k. Monarchie von Deutschland zu lösen. Dann wäre Deutschland isoliert gewesen, denn weder die Briten noch die Franzosen dachten daran, mit Deutschland einen Frieden ohne Sieger und Besiegte abzu­schließen. Insofern war Prinz Sixtus der Ge­täuschte. Kaiser Karl aber ging in die Falle. Er schrieb am 24. März 1917 einen Brief an Poincar 6, in dem er Oesterreichs Friedens­

bereitschaft betonte und versprach, bei Kaiser Wil­helm darauf hinzuwirken, daß die Reichslande Elsaß-Lothringen an Frankreich abgetreten würden. Don diesem Briefwechsel hatte Graf Czernin, der österreichische Außenminister, keine Ahnung. Am 4. April trafen Kaiser Karl und Graf Czernin in Homburg mit Kaiser Wilhelm zusammen. Dort hat zwar Kaiser Karl angeregt, ob es möglich sei, zu einem Frieden zu gelangen, wenn Deutschland auf die Reichslande verzichtete, aber von seinem Urias-Brief sagte er nichts. Dieser Brief ist am 31. März 1917 Poincarä übergeben worden. Die Verhandlungen gingen noch eine Zeitlang hin und her, aber schon Ende 1917 brach Frankreich die Sonderfriedensverhandlungen ab, da der Entente die Schwäche Oesterreichs offenbar geworden war.

Mittlerweile sickerte das Gerücht durch, Kaiser Karl und.die Kaiserin Zita hätten bei Poincarö um einen Sonderfrieden gebettelt. Kaiser Karl gab sei­nem Außenminister, dem Grafen Czernin, sein Ehrenwort, niemals einen solchen Brief geschrieben zu haben. Darauf veröffentlichte Clemen- ceau, damals Frankreichs Ministerpräsident, am 9. und 12. April 1918 den Brief des Kaisers, und damit war vor aller Welt die Rolle des Kaisers, der Kaiserin und des Hauses Bourbon-Parma ent­larvt.

Giaviskys Protektoren.

Der Polizei wurden die Hände gebunden.

Paris, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Der par­lamentarische Untersuchungsausschuß im Stavisky- Skandal verhörte höhere Beamte der Sicher­heitspolizei, die übereinstimmend der Auf­fassung waren, daß Stavisky sein Betreiben nur dem großen Einfluß verdankt, den seine Freunde und er in politischen und parlamentarischen Krei­sen gehabt hätte. Einer der vernommenen Beamten erklärte sogar, daß er'von feinem Vorge­setzten gezwungen worden sei, den Bericht über einen von ihm ermittelten Betrüger gegen seine eigene Heberzeugung abzusassen, weil man an­geblich auf gewisse Parlamentarier Rücksicht nehmen mußte, die sich für die be­treffenden Personen verwandt hatten. Ein anderer Zeuge sagte aus, er sei an der Verhaftung eines Buchmachers auf dem Rennplatz durch

den ehemaligen Direktor de»Volonte gehin­dert worden, der ihm drohte, den damaligen Mi­nisterpräsidenten Tardieu zu benachrichtigen. Der Zeuge erklärte ferner, daß er nach der Auf­deckung eines Z e h n - M i l l i o n e n - D leb­st a h l s im Kasino von Juan-les-Pins (Riviera) eine Rüge von einem Vorgesetzten er­halten habe, weil angeblich zwei Minister, die den Wahlkreis von Juan-les-Pins vertreten, einge- fchritten waren. Man habe ihm befohlen, sich nicht mehr um die Angelegenheit zu kümmern.

lieue Maßnahmen gegen die Freiheitskämpfer in Estland.

Reval, 15. März. (DNB.) Nach einer amt­lichen Mitteilung sind bisher 500 Anhänger der Freiheitskämpfer in Hast genom­men worden. Ineinigen ländlichen Bezirken war die Zahl der Verhafteten so groß, daß die Ver­hafteten in Vereinshäusern und Schulen unter­gebracht werden mußten. Unter den weiteren Ver­hafteten befinden sich neben vielen Reserveoffizieren und Rechtsanwälten auch viele Beamte. So wurde in Petschur fast der gesamte Beamtenbestand des Grundbuchamtes und Der Friedensrichter verhaftet. Eine Landgemeinde Südestlands blieb ohne ärztliche Hilfe, da Arzt und Apotheker ver­haftet wurden. Der leitende Arzt des Krankenhauses in Oberpahlen wurde in dem Augenblick verhaftet, als er gerade eine Operation durchführen mußte. Die Operation erfolgte dann unter polizei­licher Bewachung. Der Verkehrsminister hat den

ihm unterstellten Beamten, die der Freiheitskämpfer- bewegung angehört haben, nahegelegt, ihr Ab» schiedsgesuch einzureichen, da sie sonst ent­lassen würden. Mit ähnlichen Maßnahmen wird auch bei den übrigen Behörden gerechnet. Bisher wurden 36 Mann des Schutzkorps aus­geschlossen, da sie der Freiheitskämpferbewe­gung angehört hatten. Es wird ferner mit der Entlassung einer größeren Zahl von Offizieren des Schutzkorps gerechnet. Das Schutzkorps, eine frei­willige Selbstschutzorganisation aller Stände, deren Hauptaufgabe im Kampfe gegen den Kom­munismus besteht, hat viele Angehörige der Freiheitskämpferbewegung.

Oie englischen Flottenmanöver durch schwere Stürme behindert.

Die englischen Flottenmanöver auf der Höhe von Gibraltar sind durch schwere Stürme be­einträchtigt worden. Die Schiffe haben gegen außerordentlich schweren Seegang zu kämpfen ge­habt. Die Manöver wurden am Mittwochfrüh be­endet. Die ZerstörerDimy" undVersatile" trafen vormittags in Gibraltar ein und gingen sofort ins Trockendock, da sie bei dem stürmischen Wetter schwer beschädi'gt worden waren und erhebliche Lecks aufwiesen. Nachmittags kamen der KreuzerDevonshire" und das Unter­seebootRover" in Gibraltar an und wer­den aus dem gleichen Grunde wie die anderen Fahrzeuge ins Trockendock gehen. Während des Manövers gab es einen Unfall auf dem Kreu­zerDevonshire", bei dem ein Mann getötet und ein anderer beide Beine brach.

Das Amt berpröbfle in der neuen Landeskirche Aaffau-Heffen.

Im amtlichen Gesetz- und Verordnungsblatt der Evangelischen Landeskirche ist ein Kirchengesetz ver­öffentlicht worden, das Stellung und Aufgabe der fünf Pröbste in Hessen näher umschreibt. Der Probst führt die Oberaufsicht über die Pfarrer und Dekane seines Bezirkes. Er ist ihr Führer und Seelsorger. Der Probst ist in seinem Bezirk der Vertreter de s Landesbischofs in geist­lichen Angelegenheiten. Er ist diesem für die Ent­faltung des kirchlich-religiösen Lebens verantwort­lich. Er hat den Landesbischof über das kirchliche Leben seines Bezirkes fortlaufend zu unterrichten und erhält von ihm Weisung für die Ausübung feines Amtes. Der Probst erhält eine Pre- di g t st ä t t e. Er hat das Recht, in jeder Ge­meinde seines Bezirks nach deren Ordnung geist­liche Amtshandlungen vorzunehmen, insbesondere zu predigen und an jeder kirchlichen Veranstaltung, auch von kirchlichen Vereinen, mit­zuwirken.

Der Probst hat insbesondere folgende Aufgaben, soweit diese nicht der Landesbischof sich vorbehält: Er berät die Dekane, Pfarrer, Hilfsgeistlichen und Kandidaten seines Bezirkes, beaufsichtigt deren Arnfs- und Lebensführung und berichtet dem Landesbischof. Er verschafft sich genaue Kennt­nis von den Zuständen in den Gemeinden und Dekanaten durch regelmäßige Visitatio­nen. -Die Visitationsordnung erlaßt der Landes­bischof. Er wahrt die kirchlichen Belange auf dem Gebiet der Schulen und nimmt sich des ge­

samten Dienstes an der Heranwachsen­den Jugend an. Er pflegt und überwacht die freie kirchliche Arbeit und das kirchliche Vereinsleben. Er versammelt die Dekane seines Bezirkes in der Regel halbjährlich zu einer Arbeitstagung und trägt Sorge für die Förde­rung der wissenschaftlichen Fortbil­dung, für Austausch der Erfahrungen und für Festigung der amtsbrüderlichen Verbundenheit der Geistlichen seines Bezirks. Er erteilt Urlaub bis zu vier Wochen unter Anzeige an den Landes­bischof. Er regelt die Vertretung in drin­genden Fällen. Er führt besondere ihm vom Lan­desbischof erteilte Aufträge durch.

Der Probst wird vom Landesbischof er­nannt und entlassen; fein Amtssitz wird vom Landesbischof bestimmt.

Oie Auflösung der kirchlichen Gemeindevertretungen.

Ein weiteres ftirchengeseh bestimmt: Die nach den Verfassungen der bisherigen evangelischen Landeskirchen in Hessen, in Rassau und Frankfurt (Main) bestehenden kirchlichen Gemeinde­vertretung en (Kirchengemeindevertretungen, Gesamtvertretungen, Stadtsynoden) sind aufge- l ö st. Ihre verfassungsmäßigen Zusländigkel- t e n gehen auf d i e Kirchenvorstände (Vor­stände der Stadtsynoden, Gesamtvorstände) über.

Reichsbahn und Motorisierung.

Naturgemäße Fortentwicklung beider Verkehrsmittel.

Berlin, 14. März. (DNB.) Auf einem Presse­empfang sprach Dr. ing. h. c. Dorpmüller, Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, über das ThemaReichsbahn und Motorisierung". Er führte u. a. aus: Der Urkern jeder Meinungsverschieden­heit zwischen Reichsbahn, Kraftverkehrsunterneh­mer, Spediteuren und der Autoindustrie ist nichts anderes gewesen, als die Sorge der Reichsbahn für die Erhaltung ihres auf gemeinwirtfchaft- licher Grundlage aufgebauten Tarifgebäudes. Die für die Bevölkerung so wichtigen Massen­güter können wir nur deshalb zu so niedrigen Frachtsätzen fahren, weil wir aus den hoch­wertigen Gütern ungefähr 30 v. H. unserer gesamten Gütereinnahmen herausholen. Dieser Grundsatz wurde van den Kraftwagenbesitzern nicht beachtet. Nachdem aber jetzt ein autoritärer Staat einen ganz anderen Druck im Sinne des Allgemeinnutzes ausüben kann, haben wir die Aus­sicht, daß Kraftwagen und Reichsbahn das gleiche g e m e i n w i r t s ch a f t l i ch e Tarif­system annehmen.

Die Eisenbahnen werden nach wie vor ihre gro­ßen Vorzüge behalten, aber derjenige Verkehr, den der Kraftwagen im Sinne des Gemeinwohls ge­winnen kann, muß auch auf den Kraft­wagen übergehen.

Von dem Gesichtspunkt aus aber betrachtet, daß ein allmählicher Ausgleich zwischen den beiden Verkehrsmitteln stattfindet, ist es Pflicht der Reichs­bahn, dafür zu sorgen, daß beide Verkehrsmittel sich naturgemäß weiter entwickeln. Daß wir auf diesem Gebiet arbeiten, mögen Sie daraus erkennen, daß Ihnen auf der Autoausstel- tung neben den Vergasermotoren für b i e Straßenfahrzeuge, auch ein Wagen vorge­führt worden ist, der mit Holzgas betrieben

wird, ja auch ein zweiter Wagen, der nach dem Doble-Prinzip mit Dampf betrieben wird. An­dererseits ist die Reichsbahn auch zur Motori­sierung der Schiene selb st übergegangen. Der diesel-elektrisch betriebene Hamburger Schnell­triebwagen ist Ihnen bekannt, und ich sage nichts Neues, wenn ich Ihnen mitteile, daß wir bereits eine Reihe von weiteren Schnelltrieb­wagen in Bestellung gegeben haben, die etwa 23 Hauptstrecken der Reichsbahn von zu­sammen fast 9000 Kilometer Länge bedienen sollen. Ich gab ja schon vor einigen Tagen bekannt, daß es unsere Absicht ist, die Geschwindigkeit auf unseren Eisenbahnen derartig zu steigern, daß es möglich sein wird, von Berlin aus die Hauptstädte in Deutschland in einem Tage zu erreichen und von dort wieder nach Berlin zurückzukehren, wobei noch genügend Aufenthaltszeit in der fremden Stadt übrig bleibt, um geschäftliche Angelegenheiten zu ordnen.

Die Motorisierung der Landstraßen durch die Reichsbahn mögen Sie daraus erkennen, daß die Reichsbahn sich entschlossen hat, in großem Um- fange öie Lastkraftwagen in ihr Verkehrs­programm einzusetzen. Im Herbst hat beispiels­weise die Reichsbahn 1140 Lastkraftwagen in Auf­trag gegeben und die Beschaffung von weiteren 780 Wagen eingeleitet. 19 Reichsbahnausbesserungs­werke haben Jnstandsetzungsabteilun- g e n für diese Lastkraftwagen erhalten und sind mit besonderen Kraftwagenwerk st ätten ausgerüstet worden. Für die Ausbesserung der kleinen Schäden stehen 34 Kraftwagenbetriebswerke zur Verfügung und zur Unterbringung der Wagen werden zunächst 230 Kraftwagenstationen einge­richtet. In 17 Fahrschulen werden tausende von Fahrern nach einheitlichen Richtlinien ausgebildet.

Aus aller Well.

250 Tote bei einer Dynamitexplosion in Mittelamerika.

Das Reuyorker Büro der All America Cable Co. erhielt eine Meldung aus der mittelamerikanischen Republik Salvador, wonach bei einer Dynamit- e x p l o s i o n in der Hafenstadt La Libertad etwa 250 Menschen ums Leben gekommen sind. Das durch die Explosion ;um Ausbruch gekommene Feuer hat bereits vier Häuserblocks, darunter das Stadthaus, in Asche gelegt. Nachträglich wird noch bekannt, daß insgesamt 2 5 0 ft i ff e n Dynamit, die im Hafenamt lagerten, in die Luft ge­flogen sind. Der größte Teil der Hafengebäude wurde durch die Explosion und den sich daraus ent­wickelnden Brand zerstört. Telephon und Telegraph nach La Libertad sind unterbrochen. Außer den Toten sind eine Anzahl Schwerverletzter zu beklagen, von der Stadl San Salvador ist eine

Rote ftreuz - Abteilung nach La Libertad abge­gangen.

Versicherungsbefruger bringen einen Desermünder Fischdampser zum Sinken.

Am 26. März sank bei gutem Wetter in der Nähe von Island der Wesermünder Fischdampfer Wotan". Die Besatzung konnte gerettet werden. Da die Art des Schiffsunfalles verdächtig war, wurden bei der Rückkehr der Besatzung V e r h a f - tungen oorgenommen. Es wurden der Reeder Kuhr sowie der erste Maschinist Skoerup hin­ter Schloß und Riegel gesetzt. Die ruchlose Tat konnte nunmehr aufgeklärt werden; Kuhr und Skoerup sind voll geständig. Skoerup behauptete zunächst, daß das Schiff unter dem Kessel leckge­sprungen sei. Er brachte für feine Angaben sogar Zeugen bei. Bei den Aussagen dieser Zeugen ent­wickelten sich jedoch erhebliche Widerspräche. Am Tage darauf gestand Skoerup, daß er den Damp­fer auf ganz raffinierte Art zum Sinken ge­bracht hatte. Die Vorbereitungen waren bereits