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Nr. 65 Erstes Blatt

M- Jahrgang

Donnerstag, 15. März 1934

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ZtaNenKgevKMischeWende.

Von unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, 13. März 1934.

Geopolitisch betrachtet, war Italien bis zum Welt­krieg eher eine Insel als eine Halbinsel, denn wir­kungsvoller als Wasser trennten es von Europa die Wälle der Alpen und des mächtigen Habsburg. Folgerichtig trieb Italien daher eine S e e p o l i t i t, feine Kraft gravitierte nach dem nahen Orient und nach der nordafrikanischen Küste, seine Kolonial­bestrebungen hielten sich in den vorsichtigen Gren­zen, die mit den Einflußzonen der Nachbarseemächte Frankreich und England gerade noch vereinbar waren. Die dritte Seemacht, die unter dem Doppel­adler, hatte es auf Kolonien nicht abgesehen, und so war das Mittelmeer leidlichausbalanciert". Ein Gleichgewicht, das durch den türkisch-italienischen Krieg, dem Wegbereiter des Weltkrieges, noch nicht wesentlich gestört wurde, denn seine territorialen Ergebnisse waren bekanntlich schon lange als ge­gebener Faktor in den britischen Berechnungen ein­gesetzt.

Inseln zog die eingeschlossene Seemacht an sich, so viel sie konnte; die wenigsten Menschen wissen aufzuzählen, was aus dem Jnselgewirr von Istrien bis Rhodos eigentlich zum Königreich gehört, und diese Entwicklung ist auch nichts weniger als ab­geschlossen. Dagegen sah es Len Vorgängen auf dem Lande, in Bosnien, Herzegowina und Albanien, stets mit verschränkten Armen zu, nolens volens, weil die Landpolitik die Domäne eines stärkeren Nachbarn war. Auch der an sich riesige Landerwerb in Tripolitanien war bis in die jüngste Zeit hinein nur strategisch zu werten, als Küstengebiet und Flottenstützpunkt. Italiens Zukunft, so schien es, lag auf dem Wasser. Da brachte das große Schicksals­jahr 1918 d i e Wendung.

In dem Augenblick, als das Habsburgerreich überraschend schnell und überraschend gründlich zer­fiel, stand Italien plötzlich vor einer ungeheuerlichen Bresche, einer Bresche gerade dort, wo seine See­politik aufhörte, sein Reich, seine Macht, sein Ein­fluß aufhörte. In diesem Augenblick ein geo­politischer Musterfall mußte Italien seine P o l i t i k ä n d e r n , ob es wollte oder nicht. Wenn ein Damm bricht, dann, strömt das Wasser mit elementarer Gewalt durch die Bresche, man kann nicht sagen, das sei richtig oder falsch, es ist eben so. Und Italien muß heute gleichermaßen handeln, gleichviel, wie man nun dieses Durchbrechen in den freien nordöstlichen Raum bezeichnen mag. Die Geopolitik war schon da, bevor mir den Begriff formuliert und einen Ausdruck dafür gefunden hatten; ganz ähnlich unternimmt jetzt Italien etwas, was sich noch nicht sachgemäß registrieren läßt. Wir erleben ein Ereignis, das so logisch ist, wie zum Beispiel ein Eisenbahnunfall logischerweise eintreten kann, obwohl ihn niemand wünschte. Oder, wer es lieber mit der Psychologie hält: Mussolini könnte jetzt einen Monolog beginnen wie Wallen­stein: Wär's möglich, könnt ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt?

Nein, er könnte nicht mehr zurück, die naturgewollte Politik, die Geopolitik schreibt ihm sein Handeln vor. Italien muß fortan Kon­tinentalpolitik treiben es sei denn, daß ein Nachbar sich über Nacht erheben und die Bresche, das Einfallstor wieder verstopfen würde. Schon dieser Gedanke zwingt Italien zum zweiten Schritt: es darf diesen Nachbarn nicht so stark werden lassen, daß er ihm in den Weg treten könnte.

Alles geht nun seinen Gang. Die bisherige Jnsel- macht faßt Fuß auf dem Festland und entwickelt sich dort nach alten Gesetzen und Spielregeln. Wer gerne Vergleiche gebraucht, mag an die tatsächlich ähnliche Entwicklung im fernen Osten denken und es Oesterreich und Ungarn überlassen, wer sich von beiden als Mandschukuo und wer als Jehol fühlen will. Wir wollen den Vergleich nicht so weit treiben, denn schließlich haben wir es nicht mit chinesischen Provinzen und Schattenkaisern zu tun, wohl aber mit der Eifersucht der Großmächte, die sehr interessiert um das Schachbrett im Donauraum herumstehen. Es ist nicht anzunehmen, daß sie den Dingen nocheinmal einen albanischen Lauf lassen. Valona, Durazzo, Zogu damals drückte man ein Auge zu, weil Italien nur seinen Adriabesitz zu arrondieren schien; im Donauraum aber schnei­den sich Kraftfelder von weitaus größerer Be­deutung.

Niemand vermag heute zu sagen, wie weit die Stoßkraft Italiens reicht, und so wird das Rätsel­raten in der internationalen Presse um dieAb­sichten" Roms verständlich. Gestehen wir ruhig ein, daß Italien selber noch über feine Ziele im Un­klaren ist und daher auch nicht, im Gegensatz zu Japan, über einen genau durchdachten Aufmarsch- plan verfügt. Es ist infolgedessen auch ausgeschlossen, daß die Romgespräche dieser Woche schon zu ein­schneidenden Beschlüssen oder gar zu internationalen Bindungen von unwiderruflicher Bedeutung führen werden. Dollfuß und Gömbös vertreten die in erster Linie interessierten Länder, das ist alles; von einer neuen Aufteilung der Welt kann noch lange nicht die Rede fein.

Zollunion, Konsultativpakt, Restaurierung usw. usw. alles Schlagworte ohne Gehalt, denn alle dieseLösungen" wären keine. Es geht um viel größere Dinge, muß um größere gehen, wo eine Großmacht sich anschickt, das Erbe der Habs­burger anzutreten und das Gesicht Europas zu wandeln. Man bedenke, daß sogar der Kampf ums Mittelmeer nun in den Hintergrund treten wird, vielleicht eines Tages, fo paradox es klingt, auf dem Lande entschieden werden wird! Der Weg nach Budapest, heißt es heute in Rom, geht über Wien, und dieser Weg muß immer frei bleiben! Wie die Kraftoerhältnisse augenblicklich liegen,

England kämpst um seinen Abrüstungsvorschlag.

Eden berichtet im Unterhaus über seine Rundreise.

London, 14. März. (DNB.) Trotz der all­gemein herrschenden Ansicht, daß vor Eingang des französischen Memorandums jede Erörterung der Abrüstungsfrage eine Rechnung ohne den Wirt sein muß, sprach der Arbeiterabgeordnete Morgan Jones am Mittwoch im Unterhaus über das Abrüstungsproblem. Er beurteilte die Lage sehr pessimistisch und sagte, daß man gegenwärtig beinahe wieder den Vorkriegszustand erreicht habe. Es sei daher sehr wichtig, daß die englische Regierung ihre Stellungnahme völlig klar stelle und mitteile, ob sie gegen oder für den Völkerbund und gegen oder für die Abrüstung sei.

Großsiegelbewahrer Eden

erklärte im Namen der Regierung, es fei im gegen­wärtigen Augenblick sehr unerwünscht, über die Antworten Bericht zu erstatten, die er von den Regierungen Frankreichs, Deutschlands und Italiens während feiner europäischen Rundreise erhalten habe. Er wolle jedoch über gewisse Eindrücke berichten, die er während seiner Reise erhalten habe.

Die lange Verzögerung der Abrüstungskonfe­renz sei nicht darauf zurückzuführen, daß sich die Sachverständigen nicht über die Zahl der Tanks usw. einigen könnten, sondern vielmehr darauf, daß die Staaten der Welt kein ge­nügendes Vertrauen und nicht ge­nüg e n b Wut aufbrächten. Frankreich sei immer noch seit Ende des Krieges um feine Sicherheitbesorgt. Wan müsse aber auch in Rechnung ziehen, daß Deutschland die­selben Gefühle, in anderer Gestalt aus­gedrückt, haben könne.

Frankreich sei so überzeugt, keine Angriffsabsichten gegen irgendeinen anderen Staat zu haben, daß es kaum glauben könne, daß ein anderes Land, dem keine entsprechenden Rüstungen erlaubt sind, sich nicht vollkommen sicher in der Nachbarschaft Frankreichs fühle. Das Bevölkerungsproblem eben­so wie diehalbmilitärische Ausbildung" in Deutsch­land erhöhten die Befürchtungen Frankreichs. Ein anderer Beweggrund der Franzosen werde auch von England geteilt. Die Franzosen könnten nur schwer glauben, daßeine große westeuropä­ische Macht sehr lange mit guten Absichten von Genf wegbleiben könne". Von Zeit zu Zeit kämen Ereignisse vor und würden Reden gehalten, die diese Befürchtungen erhöhten. Der Großsiegel­bewahrer wies dabei, wie später auch andere Mit­glieder des Unterhauses, auf eine kürzlich von General G o e r i n g in Potsdam gehaltene Rede hin und fuhr dann fort: Diese Dinge würden nicht so wichtig sein, wenn das Vertrauen zwischen den Staaten instinktmäßig und tief wäre. Da dies aber gegenwärtig nicht der Fall sei, hätten solche an sich geringen Dinge große Bedeutung.

Wenn man versucht, durch die deutsche Brille zu sehen, dann ist es ohne Zweifel eine deutsche Auffassung, daß Deutschlands eigene Sicherheit ebenso ein le­benswichtiges Interesse für die Deutschen sein kann wie die französische Sicherheit für Frankreich. Deutschland würde ohne Zweifel erklären, daß es lange a u f die Gleichberechtigung gewartet hat und die Deutschen kaum glauben können, daß Frankreich immer noch mehr Sicher­heit wünscht.

Da dies die gegenseitigen Meinungen nicht der Regierungen, sondern der nationalen Gefühlsäuße­rung seit mehreren Jahren sind, ist es klar, daß sie nicht leicht ausgesöhnt werden können. Auf die Frage: Was denn getan werde, um das internatio­nale Vertrauen wiederherzustellen und die Lücke zwischen Frankreich und Deutschland zu überbrücken? könne man antworten, daß die Lage zwar besorg­niserregend, aber nicht verzweifelt sei. Wir müssen zwei Ziele verwirklichen, sonst tragen wir nicht genügend zur Wiederherstellung des Vertrauens in Europa bei:

1. Ist eine Vereinbarung zu verwirklichen, die eine gewisse den Wirklichkeiten der

Gegenwart Rechnung tragende Ab­rüstung enthält, kurz: eine Konvention auf der Grundlage unserer neuerlichen Denkschrift.

2. Muß versucht werden, das volle Ansehen des Völkerbundes wie-derherzustellen, das

Die Debatte.

In der auf die Ausführungen Edens folgenden Debatte greift Winston Churchill (Konservativ) die Abrüstungspolitik der englischen Regierung scharf an. Eden habe den Franzosen einen Ab­rüstungsplan vorgelegt, dessen Durchführung bedeu­ten würde, daß Frankreich in Europa keine stärkere Armee als Deutschland, Polen oder Italien haben würde. Es erscheine ihm höchst unwahrscheinlich, daß Frankreich dem zustimmen würde, am wenig­sten im gegenwärtigen Augenblick. Die Auffassung, daß Abrüstung Frieden bedeute, sei falsch. Die große Gefahr der englischen Außenpolitik sei die, daß England von den Franzosen verlange, sich selbst zu schwächen. Die nachdrückliche Forde­rung auf Abrüstung sei der einzige Grund für die große Degeneration Europas. Auch England müsse daher jetzt -für seine Sicherheit sorgen.

Der frühere Innenminister Sir Herbert S a - muel (liberal) sagte, die gefährliche Lage der Abrüstungskonferenz sei ohne Zweifel auf die deutsche Revolution, den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und dasWiederaufleben des militaristischen Geistes in Deutschland" zu­rückzuführen. Er glaube aber nicht, daß man Deutschland einen Zustand der Abrüstung a n - gefidjts einer gerüftefenIDelf auf- zwingen könne. Seiner Weinung nach müsse die Rüstungsgleichheit in Europa zugestanden werden.

Das konservative Witglied Steel W a i t - land sagte, die deutsche Regierung gqße Deutsch-

Außenminister Sir John Simon erklärte zum Schluß der Aussprache, angesichts des begrenzten Zweckes der Reise Edens sei es ganz unangebracht, von einem Erfolg oder Fehlschlag zu sprechen. Eden habe feine Mission mit be­wunderungswürdiger Gewandtheit erfüllt. Die er­zielten Ergebnisse seien von allererster Bedeutung für die unmittelbaren weiteren Besprechungen. Churchill habe sich jeder Abrüstung heftig widersetzt. Er und andere, die denselben Stand­punkt verträten, sähen sich aber vor die einzige Möglichkeit gestellt, einem ungeregelten- ftungsmettberoerb der ganzen Welt zuzu­stimmen. Es wäre eine schreckliche Aussicht. Wenn alle Abrüstungsbemühungen fehlschlagen würden, würde ein f ch n e 1 le s 9t ü ft e n einsetzen, das un­geregelt, unbegrenzt und durch keinerlei Heber» wachung oder Nachprüfung gehemmt wäre, kurz eine Aufrüstung im Nebel. Das Fehlen einer Vereinbarung würde bedeuten, daß Verdacht und Furcht zu groß wären, als daß sich die Völker einigen könnten. Es würde ein Rückschlag für alle Bemühungen zur internationalen Zu­sammenarbeit fein. Weit besser sei daher ein A b - kommen mit beschränkten Rüstungen, selbst wenn es eine Wiederaufrüstung mit sich bringen würde.

Der Außenminister behandelte dann den Ge­danken der Beschränkung des Luftkrie­ges nicht durch Abschaffung oder Herabsetzung der

dieser nur durch die aktive Mitgliedschaft aller großen westeuropäischen Mächte genießen kann. Eine mög­lichst alle in Frage kommenden Staaten umfassende Mitgliedschaft des Völkerbundes ist ein unerläßliches Element.

land neue Hoffnung, können wir behaupten, daß Deutschland im Unrecht ist, das sich ohne Waffen inmitten einer voll ge­rüsteten Wett befindet?

Der konservative Abgeordnete Lampson sprach energisch für eine Reform des Völkerbun­des, um dadurch einen Wiederbeitritt Deutschlands zu ermöglichen. Die zwei Hauptfehler des Völker­bundes feien die Einbeziehung des Völkerbunds­statuts in die Friedensoerträge und die Straf­aktionen. Unter diesen Umständen könne man kaum 'einsehen, wie eine Revision der Friedensverträge zustandegebracht werden solle. Jedermann wisse ge­nau, daß einige europäische Staaten, einschließlich Frankreich und die Staaten der Kleinen Entente, sich jeder Revision aufs bitterste widersetzen.

Der Konservative Lumley erklärte, seiner Mei­nung nach werde Deutschland sich eine zweitklassige Stellung nicht weiter gefallen lassen. Frankreich verlange Garantien, habe aber noch nicht gesagt, welche Gegenlei st ungen es bringen wolle.

Der Liberale Henderson Steward sagte u. a.: Hitler hat der Welt gezeigt, daß er s e i n W o r t hält, und feine Unterschrift unter dem Schriftstück würde gegenwärtig ein unschätzbarer Vorteil fein.

Der Konservative Evans führte Klage darüber, daß die öffentliche Meinung Englands in außen­politischen Fragen führerlos fei. Deutschland sei einig und werde durch Ideen vorwärts getrieben, bie eine dynamische Kraft darstellten. Da die öffentliche Meinung in Deutschland einig sei, erringe Deutschland einen diplomatischen Sieg nach dem anderen. In der kurzen Zeit von zwei Jahren sei Deutschland aus einem Zustand der Schwäche in einen Zustand der erneuerten Stärke marschiert.

Luftstreitkräfte, sondern dadurch, daß gewisse Gebiete verschont werden, und daß die Luftwaffe nur gegenüber militärischen Objekten benutzt würde. Es bestehen sehr be­trächtliche Schwierigkeiten in der praktischen An­wendung dieses Gedankens.Was ist ein mili­tärisches Objekt? Ist die Hauptstadt eines Landes, in der sich die Regierungsgebäude be­finden, ein militärisches Objekt, oder stellt man sich vor, daß durch geographische Experimente besondere Gebiete festgelegt werden, die verschont werden sollen? Wenn man durch ein internationales Ab­kommen die Abschaffung bestimmter Ar­ten von Luftwaffen' und gleichzeitig eine Nachprüfung und Ueberwachung erzielen könnte, dann würden diese in Frage kommenden Waffen wirklich abgeschafft werden. Wenn man jedoch unter der anderen Methode diese Waffen beibehält, aber die Bedingung stellt, daß sie in bestimmten Gebieten nicht benutzt werden sollen, dann wäre es immer möglich, ein solches Abkommen zu brechen, weil nämlich die Waffen vorhanden sind."

Die Politik der englischen Regierung ziele in erster Linie auf die A u f r e ch t e r h a 11 u n g des Friedens hin. Der Friede Europas sei wichtig für Englands eigene Wohlfahrt und möglicherweise auch für Englands eigene Sicherheit. An zweiter Stelle ziele die englische Regierungspolitik auf eine Abrüstungskonvention auf den niedrigsten R ü st u n g s st a n d, der vereinbart werden könne.

Oeuifchlands Anspruch auf gleiche Sicherheit durchweg anerkannt.

Sie Furcht vor unkontroMertem Wettrüsten.

Steuert England auf ein Lufiabkommen hin?

dürfte man auch sagen, geht über Wien hinweg. So sieht es in Wirklichkeit aus.

Eine weitere Hauptfrage, neben der über die Stoßkraft Italiens, betrifft bie Gegner, die sich feiner kontinentalen Entwicklung (worunter selbst- verständlich keine territoriale Ausdehnung zu ver­stehen ist) in den Weg stellen könnten. Jeder denkt in diesem Augenblick sogleich an Deutschland, der Italiener selber hat das Gefühl, daß er nun zwangsläufig dieBagdadlinie" kreuzen und den Drang nach Osten" stören müsse. Ist das richtig? Deutschland kann, muß aber nicht ein Hin­dernis sein. Wird nicht die Kleine Entente die Straße in den Donauraum sperren? Auch das bleibt fraglich. Menschlich ist es, in jedem Eindring­ling wie er Italien zu fein scheint zunächst einen Feind zu erblicken; daß man dann auf ein­mal mit ihm geschäftseinig wird, ist aber auch schon dagewesen. Und in diesem Falle spricht sogar sehr viel für die Annahme, man werde allgemein im Donauraum mit allerhand schönen Dingen handeln, nur nicht mit Maschinengewehren.

Das eine freilich ist sicher: Italien steht jetzt im Lande und wird sich nicht mehr ver­

drängen lassen, so wenig wie in Albanien. Viel­leicht wäre die Doppelrnonarchie eine bessere Lösung gewesen, dann hätte man eben damals in den Schlössern um Paris herum daran denken müssen. Jetzt ist es zu spät. Jetzt begnügt sich Italien nicht mehr mit der Rolle des Dritten im Bunde. Mög­lich, daß es Oesterreich in Triest einen Freihafen einräumen wird, wie Ungarn in Fiume. Aber in erster Linie denkt es an fein Hinterland. Die Würfel sind gefallen, und ein Nachfolger Cäsars ist es, der sie warf.

Die Vorbereitung der Dreierkonferenz in Rom.

Nom, 14. März. (DNB.) Bundeskanzler Doll­fuß legte am Mittwoch vormittag an den Königs­gräbern im Pantheon und am Grabmal des un­bekannten Soldaten Kränze nieder. Um 12 Uhr wurde er vom Duce in Privataudienz emp­fangen. Gegen Abend machte Mussolini bei Dollfuß feinen Gegenbesuch. Die erste Dreierbespre­chung zwischen Mussolini, Dollfuß und Gömbös wird am Donnerstag stattfinden. Gömbös

unterrichtete sich am Mittwochvormittag in der ungarischen Gesandtschaft über den bisherigen Ver­lauf der Besprechungen zwischen dem ungarischen und dem italienischen Sachverständigen und dem österreichischen Gesandten. Um 11 Uhr wurde er d o n Dollfuß besucht. Bald darauf hatte er eine Unterredung mit dem deutschen Botschafter von H a f f e 11. Mussolini gab am Abend zu Ehren von Dollfuß und Gömbös ein Bankett, an dem die Gesandten Oesterreichs und Ungarns beim Quirinal, die Mitglieder des italienischen Kabinetts und zahlreiche andere hervorragende Persönlich­keiten teilnahmen. An das Bankett schloß sich ein glänzender Empfang, zu dem das Diplomatische Korps und die hohen Staatsbeamten erschienen waren.

Paris erwartet nichts von den römischen Vesprechnngen

Paris, 15. März. (DNB.-Funkspruch.) In den Meldungen über die Besprechungen in Rom kommt zum Ausdruck, daß man ihre Bedeutung nicht zu überschätzen geneigt ist. Der römische Haoas-