den Unterricht, in der zeitweisen Verpflanzung städtischerJugendaufdasLand. Jugend, die in den steinernen Einöden der großen Städte ausgewachsen ist, die meistens durch Wohnungs- und Wirtschaftselend' körperlich, geistig und charakterlich zu Schaden gekommen ist, atmet hier ein Jahr lang die Gesundheit der Scholle und des Bodens. Gerade in diesem kritischen Entwicklungsalter, in dem der junge Mensch steht, wenn er die Schule verläßt, wird ihn das Leben auf dem Lande und das Zusammenarbeiten in der Kameradschaft Gleichaltriger besonders fördern und zum Guten beeinflussen.
Die notwendigen Vorarbeitungen sind bereits in Angriff genommen. Mit das schwierigste Problem dürfte die Auslese der Führer und Heimleiter sein, die vornehmlich aus den Reihen der Junglehrer und Jugendführer genommen werden und gegenwärtig in besonderen, vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht veranstalteten Kursen geschult werden. Die Heime selbst, zu denen auch geeignete Jugendherbergen verwandt werden sollen, werden durchschnittlich mit 70 bis 100 Jungmannen oder Mädchen belegt. Zumeist wird es sich bei dem Ostern dieses Jahres beginnenden Landjahr noch um einen Versuch handeln, was unter anderem auch darin zum Ausdruck kommt, daß der Kultusminister es ausdrücklich nur als ein „Probejah r" bezeichnet. Aber es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß, wenn die notwendigen Erfahrungen gesammelt worden sind und die Auslese und Schulung der aeeig- neten Führer und Leiter gelungen ist, das Landjahr zu einem wichtigen und wertvollen Glied im Aufbau des nationalsozialistischen Erziehungssystems werden wird.
Die Reise des polnischen Außenministers Oberst Beck nach Moskau hat eine Fülle von Kombinationen und Gerüchten ausgelöst, die sich im wesentlichen darum drehten, die russisch-polnischen Ber- Handlungen hätten die Lagein E st land, Lettland und Litauen zum Angelpunkt. Diese Versionen sind vom polnischen Außenministerium zurückgewiesen worden, aber irgendwann muß natürlich das Verhältnis von Moskau und Warschau zu den baltischen Staaten selbst geklärt werden, da in diesen Staaten zumeist Parteiregierungen bestehen, deren Tendenzen weder mit denen von Moskau noch von Warschau übereinstimmen. Es ist von Moskau in seiner jetzigen, vor allem durch den Fernen Osten aber auch durch wirtschaftliche Schwierigkeiten hervorgerufenen Zwangslage lediglich ein Zug von Realpolitik, wenn vom Kreml aus darauf verzichtet wird, die kommunistischen Elemente in den Anrainerstaaten weiter zu unterstützen. Eine autoritäre, nicht durch Parteien zersplitterte Staatsmacht ist besser in der Lage, solche inneren Verwicklungen und marxistischen Machenschaften niederzuhalten als Regierungen von Gnaden zerfahrener Parlamente. Diese'^für Moskau bittere Erkenntnis hat die Sowjetaußenpolitik nicht gehindert, die entsprechenden Folgerungen zu ziehen.
Rach Abschluß des ungarischen Uebere-in- kommens mit Rußland hat der ungarische Außenminister Kanya ganz offen die Gründe klargelegt, weshalb Ungarn Moskau anerkannt habe. Er hat gemeint, für die ungarische Regierung seien lediglich außenpolitische Erwägungen in Betracht gekommen, denn in Ungarns schwerem Kampf sei jede diplomatische Unter st ützung willkom- men. Dieser Kampf geht bekanntlich, was der Mi- nister nicht sagte, um die Revision des Trianon- Dertrages, und es scheint, als ob in Moskau in der Beziehung gewisse Zusagen gemacht worden sind. Der ungarische Außenminister fügte hinzu, die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Rußland ändere an den innerpolitischen Verhältnissen in Ungarn nichts.
Diese saubere Abgrenzung bestimmtauch die polnische Politik. Oberst Beck hat unter Marschall Pilsudski den außenpolitischen Sturs Polens vom Ballast der Völkerbundsaktenfabrik befreit, und durch die direkte Verständigung mit Berlin, die in Polen allgemein begrüßt worden ist, die Sicherheit Polens gegenüber den Besorgnissen, die man in Warschau sonst hegte, g e st e i g e r t. Diese Befreiung von Sorgen macht Polen heute zu einem sehr bestimmten und verhandlungsfähigen Partner mit dem übermächtigen Rußland, da Polen nicht mehr zwischen den russischen und den deutschen Zangenbacken sitzt und in Moskau daher bestimmt auftreten kann. Dem machen die Russen um so mehr Konzessionen, als die Verfassungsänderung Polens den Sieg des autoritären Staatsgedankens darstellt und die in sich zerfahrenen polnischen Parteigruppen, auch die nationaldemokratische Opposition, in völlige Zersetzung geraten sind. Zwar ruft noch die PPS., die Polnische Sozialdemokratie, nach der Diktatur des Proletariats, aber die Sozialdemokratie sowohl wie die Kommunisten, die in Polen nur illegal arbeiten, haben an Mitgliederschwund zu leiden. Der polnische Parteienstaat gehört der Geschichte an, damit wurde der autoritären Legierung die Möglichkeit gegeben, eine vorurteilslose Außenpolitik ohne Rücksicht auf die ehemalige Pariser Vormundschaft zu führen.
Mißerfolg -er französischen Kontingentierungspolitik
Der Beschluß der englischen Regierung, die französischen Kontingentierungsmaßnahmen mit Züsch l a g s z ö l l e n auf wichtige französische Ausfuhrwaren zu beantworten, ist eine Bestätigung des Fiaskos dieser französischen Handelspolitik. Die französische Regierung hat schon im Jahre 1933 versucht, durch eine immer stärkere Ausdehnung ihres Kontingentierungssystems die Passivität der französischen Handelsbilanz zu verringern. Dieser Versuch ist erfolglos geblieben. Aus der jetzt vorliegenden amtlichen französischen Statistik ergibt sich, daß es Frankreich zwar gelungen ist, die Einfuhr im Jahre 1933 auf 28,425 Milliarden Franken gegenüber 29,808 Milliarden im Jahre 1932, d. h. um 1,383 Milliarden herabzudrücken. Gleichzeitig ist aber auch die französische Ausfuhr von 19,705 im Jahre 1932 auf 18,433 im Jahre 1933, also um 1,272 Milliarden zurück- gegangen. Die Handelsbilanz ist also nach wie vor um 10 Milliarden Franken passiv.
Trotzdem ist Frankreich nicht nur auf dem einmal betretenen Weg weiter geschritten, sondern es hat sein Kontingentierungssystem sogar in rücksichtsloser Weise verschärft. Seit August v. I. sind zunächst alle französischen Einfuhr- kontingente auf 25 v. H. ihres bisherigen Umfangs ermäßigt worden. Diese 25 v. H. werden allen Ländern gleichmäßig zugeteilt. Der R e st von 75 v. H. sollte den einzelnen Ländern nur gegen entsprechende Ge- genlei st ungen im Verhandlungswege wieder zuerkannt werden. Die anderen Länder sollten also für die Erhaltung ihres bisherigen handelspolitischen Besitzstandes noch eine Gegenleistung gewähren.
Das bisherige Ergebnis der Kontingentierungs
politik ist vom französischen Standpunkt aus alles andere als erfreulich. Der erste Mißerfolg war das Scheitern der deutsch-französischen Verhandlungen, in denen die französische Regierung glaubte, ohne jede Gegenleistung von Deutschland einen einseitigen Verzicht in Höhe von 300 Millionen Franken durchsetzen zu können. Die von der französischen Regierung offenbar a l s Warnungssignal an andere Staaten gedachte Kündigung des deutsch-französischen Han
delsvertrages hat allerdings die übrigen Staaten — Italien, England, Belgien usw. — nicht davon abgehalten, ihrerseits Gegenmaßnahmen zu ergreifen. So hat es die französische Regierung mit ihrer im Sommer beschlossenen Kontingentierungspolitik erreicht, mit ihren wichtigsten Abnehmerstaaten in handelspolitische Konflikte zu geraten. Das Kabinett Doumergue findet hier eine Erbschaft vor, deren baldige Liquidierung dringend im französischen Interesse liegt.
Günstige Berufsausfichten für -ie Schulentlassenen.
Berlin, 14. Febr. (DRB.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, der besonders die Vorsorge für die Unterbringung der nicht zum Hochschulstudium zugelassenen Abiturienten übernommen hatte, unterrichtete die Presse über den Stand der bisher auf diesem Gebiet in die Wege geleiteten Maßnahmen. In der gesamten Wirtschaft zeigt sich ein großes Entgegenkommen, so daß dje Aussichten als relativ günstig betrachtet werden können, obwohl von den insgesamt 40 000 Abiturienten rund 30 000, die keine Hochschulzulassung erhalten, nach der Entlassung dem Berufsleben zugeführt werden müssen. Schätzungsweise werden diesmal doppelt so viel V o l k s s ch ü - l e r wie 1932 zur Entlassung kommen, und zwar 600 000 Knaben und 600 000 Mädchen. Auch für die Dolksschüler sind die Aussichten relativ sehr günstig. Einmal wird ein gewisser Hundertsatz von vornherein durch das beabsichtigte Landjahr aus- scheiden, dann zeigt sich aber auch eine grundsätzlich andere Einstellung der Wirtschaft, die der Unterbringung günstig ist.
Während man in den vergangenen Jahren von Lehrlingseinstellungen wegen der damit verbundenen langfristigen Bindung im Lehrvertrag gerne absah, ist jetzt die Wirtschaft bei einer grundsätzlich hoffnungsvollen Einstellung zur weiteren Entwicklung viel eher als früher bereit, wieder Lehrlinge aufzunehmen. Auch zeigt sich d a s H a n d- roerf bei der Unterbringung von Lehrlingen sehr aktiv. Sollte es sich doch ergeben, daß nicht alle Schulentlassenen sofort auf geeignete Weise im Berufsleben untergebracht werden, so sind für diesen Fall Kurse in Aussicht genommen, um zu verhindern, daß die Jugendlichen beschäftigungslos auf die Straße getrieben werden.
Schwierigkeiten werden sich allerdings bei den Frauenberufen ergeben. Man wird mit einem größeren Ueberschuh an Mädchen, die nicht untergebracht werden können, rechnen müssen, vor allem in den kaufmännischen Berufen. Die Berufsberatung wird hier auf die eigentlichen fraulichen Berufe das Hauptaugenmerk richten. Auf jeden Fall soll erreicht werden, daß die jungen Mädchen so weit wie möglich zusammengefaßt werden, um in landwirtschaftlicher und haus- wirtschaftlicher Arbeit ausgebildet zu werden.
Sozialistische Kampfansage an das Kabinett Doumergue.
Paris, 14. Febr. (DRB.) Die sozialistische Kammerfraktion hat eine Entschließung angenommen, die eine scharfe Kampfansage an das Kabinett Doumergue bedeutet. Die Fraktion will Donnerstag geschlossen gegen d i e Regierung st im- men und die sofortige Auflösung der Kammer fordern. Sie verlangt außerdem, daß dem noch einzusetzenden Untersuchungsausschuß ge- richtliche Vollmachten gegeben werden. Die Sozialisten werden sich im übrigen jedem Versuch widersetzen, die Haushaltsberatungen zu beschleunigen, indem man über jedes Ministerium auf einmal abstimmt, ohne in die Einzelberatungen der Artikel einzutreten. Die sozialistische Fraktion hat ferner beschlossen, in den nächsten Monaten in einer großen Anzahl von öffentlichen Versammlungen gegen die Regierung Propaganda zu machen. Allein für nächste Woche sind 50 Versammlungen vorgesehen.
Um den Absichten des Abgeordneten H e n r i o t gegenüberzutreten, der am Donnerstag die Regierung auffordern will, D a l a d i e r und seine mitverantwortlichen Minister wegen der Schießereien vom Dienstag und Mittwoch unter Anklage <zu stellen, haben die Sozialisten beschlossen, einen Gegenvorschlag einzubringen, wonach dem einzusetzenden Untersuchungsausschuß Vollmacht erteilt werden soll, auch die Verantwortlichkeit von Mitgliedern der Action Fran^aise und der Kriegsteilnehmervereinigung „Feuerkreuz" an den letzten Unruhen nachzuprüfen. Leon Blum wurde beauftragt, in feiner Rede vor der Kammer auch auf die letzten Ereignisse in Oe st erreich einzugehen. Das neue tschechische Kabinett
Prag, 14. Febr. (DRB.) Der Widerstand der tschechoslowakischen Nationaldemokraten gegen die von der Regierung geplanten Währungsmaßnahmen hat am Mittwochnachmittag zum Rücktritt der tschechoslowakischen Regierung geführt. Der Präsident der Republik hat den bisherigen Ministerpräsidenten M a l y p e t r mit der Neubildung der Regierung beauftragt. Neben Malypetr. verblei- b e n in der neuen Regierung u. a. Außenminister Benesch. Neu treten in die Regierung ein Han- delsminister Doftalef, der bisher das Minifte- Pjjm für öffentliche Arbeiten verwaltete, und Professor K r c m a r als Minister für das Schulwesen unö für Volksaufklärung. Der bisherige Kultus- mimfter Dr. Alfred Meißner übernimmt das Ministerium für soziale Fürsorge, das bisher Dr. Ludwig Czech innehatte. Innenminister wird der bisherige Obmann des Haushaltsausschusses des parlamentarischen Kontrollausschusses Dr. Cerny. Schwere Ausschreitungen streikender
Bauarbeiter in ganz Spanien.
Madrid, 14. Febr. (DNB.) Am Mittwoch tarn es m Madrid an mehreren Stellen der Stadt, besonders in den Außenbezirken, zu Ausschreitungen der streikenden Bauarbeiter. Mehrere Läden und eine Markthalle wurden von größeren Gruppen von Arbeitern und Frauen gestürmt und ausgeraubt. Im Vorort Ciudad Lineal zertrümmerten die Extremisten die Fensterscheiben der Straßenbahn mit Steinen. Die anrückenden Ueberfallkom- manöos wurden ebenfalls, besonders von Frauen, mit Steinen beworfen. Eine Kapelle wurde von den Streikenden in Brand gesetzt und die Feuerwehr am Löschen verhindert. In der Vorstadt Ventas griff eine Gruppe von Streikenden mehrere Mitglieder katholischer Frauenoerbände, die mit dem Verteilen von Wäsche und Kleidung an bi* dortigen Armen beschäftigt waren, an und entriß ihnen die Gaben, die sie dann auf der Straße ver - brannte. In einem Dorf der Provinz Sevilla machten mehrere Demonstranten einen Polizisten nieder, der sie verhaften wollte. In einem anderen Dorf erschossen Sozialisten auf der Straße einen Arbeiter, der sich nicht am Streik beteiligte. Auch in der Provinz Leon kam es zu Zu- sammenstößen zwischen verschiedenen politischen Gruppen, wo ebenfalls ein Toter und zahlreiche Verwundete auf dem Platze blieben. In Barcelona überfielen mehrere maskierte Syndikalisten einen Straßenbahnzug, den sie in Brand steckten. 3n Orviedo schoß eine Arbeiter der Militärwaffen, fabrik einen Artilleriehauptmann nieder, da dieser ihn zur Rede gestellt hatte.
Knox beantragt internationale Truppen für das Saargebiet.
Was wird der Oreierausschuß dazu sagen?
Genf, 14.Febr. (DJIB.) Wie wir erfahren, ist beim Völkerbundssekretariat ein Antrag des Vorsitzenden der Regierungskommission des Saargebietes Knox eingelaufen, der f ü r den Dreieraus- schuh des Völkerbundsrates bestimmt ist. Dieser Dreierausschuß, der aus Baron Alois i (Italien), Lanti11o (Argentinien) und 7U a darin g a (Spanien) besteht, tritt bekanntlich am Donnerstag, den 15. Februar, zu feiner zweiten Sitzung zusammen. In dem Antrag soll von der Regierungskommission das verlangen gestellt worden sein, zur Verstärkung der saarländischen Polizei internationale Truppen herbeizuschaffen.
Der Antrag wird nicht nur im Saargebiet, sondern auch beim Dreierausfchuß nicht geringe Verwunderung Hervorrufen; denn bisher ist auch nicht
das RUndeste bekanntgeworden, was die Regierungskommission zu einer solchen Maßnahme recht- fertigen könnte. Im Gegenteil hat die saarländische Bevölkerung trotz vieler Maßnahmen, die ihre (Erbitterung mit Recht hervorriefen, bisher eine geradezu bewunderungswürdige Haltung bewahrt. Von Unruhen oder irgendwelchen Maßnahmen seitens der Saarbevölkerung ist nirgendwo etwas laut geworden. Allerdings hat die Saarbevölkerung keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie nichts Sehnlicheres wünscht als zum Reich zurückzukehren, aber das ist kein Anlaß, einen Antrag wie den obigen einzureichen, nach dem das Saargebiet nicht etwa als ein autonomes Gebiet, sondern als ein Kolonialge- b i e t behandelt wird.
Gin verlogener Aufruf der Dollfuß-Front.
Gemeine Verleumdung des deutschen Nationalsozialismus.
Wien, 14. Febr. (DNB.) Die Vaterländische Front des Herrn Dollfuß hat in Wien und in den österreichischen Bundesländern e i n Flugblatt verteilen lassen, das an der Spitze das Krückenkreuz trägt, das Zeichen der sogenannten „Vaterländischen Front", einer Organisation ohne Anhänger, und das an die Arbeiter Oesterreichs gerichtet ist. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut:
„Auf die Barrikaden schicken sie Euch, Eure Führer, die im Auto flüchteten. Tote und Verwundete find das Ergebnis dieser schweren Stunden. Ihr wurdet schmählich im Stich gelassen. Arbeiter Oesterreichs, denkt an Eure gemordeten und gemeuchelten Brüder im Dritten Reich. Denkt an die Zertrümmerung aller sozialen Rechte und Errungenschaften durch den Rationalsozialismus. Was Eure verbrecherischen Führer versuchten, ist schmählicher Verrat an Euch, Euren Lieben, an Eurer Heimat Oesterreich. Ieht gilt es, sich klar zu entscheiden. Der einzige, der Euch Hilst, ist Dollfuß. Arbeiter Oesterreichs, vereinigt Euch mit allen guten Oesierreichern in der Stunde der Gefahr. Oesterreich braucht Euch, Ihr braucht Oesterreich."
Dazu bemerkt das Deutsche Nachrichtenbüro: Dieser Aufruf des Herrn Dollfuß istderHöhepunkt der Verlogenheit und Gemeinheit und wird auch den letzten österreichischen Arbeitern, die Herrn Dollfuß noch nicht durchschaut haben sollten, die Augen öffnen. Erst läßt Herr Dollfuß mit Kanonen die Arbeiterwohnhäuser zusammenschießen, dann läßt er ein Blutbad anrichten, das 500 Tote fordert, darunter zahlreiche unschuldige Frauen und
Kinder. Im gleichen Augenblick appelliert derselbe Herr Dollfuß an die Arbeiter, sich zu ihm zu bekennen nach dem Grundsatz „Zuckerbrot und Peitsche!" Ein Stück aus dem Tollhaus aber geraoezu ist es, wenn Herr Dollfuß, der 500 Arbeiter abschlachten ließ, gleichzeitig nach der Methode „Haltet den Dieb" auf Deutschland hinweist und von den in Deutschland angeblich gemordeten und gemeuchelten Arbeiterbrüdern spricht. Herrn Dollfuß kann nur gesagt werden, daß die deutsche Revolution bei einer Bevölkerung, die elfmal so groß wie die Oesterreichs ist, nicht einen Bruchteil der Todesopfer gefordert hat, die Dollfuß' verbrecherischer Verzweiflungskampf gegen die österreichische Arbeiterschaft zur Folge hatte. Ausgerechnet Dollfuß, der Vertreter des Großkapitals, ausgerechnet die Regierung Dollfuß, die als schärfster Exponent des reaktionären Arbeitgebertums gilt, preist sich den österreichischen Arbeitern als Verfechterin seiner sozialen Rechte an. Und diese Regierung Dollfuß wagt es, von einer Zertrümmerung aller sozialen Rechte und Errungenschaften durch den Nationalsozialismus zu sprechen, obwohl die nationalsozialistische Regierung sich als eine der sozialistischsten Regierungen der Welt erwiesen hat, indem sie den schaffenden deutschen Menschen die modernste Sozialverfassung der Welt gab. Die österreichischen Arbeiter seien nur an die Worte des ehemaligen sozialdemokratischen Reichstagspräsidenten und Führers des Deutsch-Oesterreichischen Volksbundes Paul L ö b e erinnert, der gerade in diesen Tagen einer belgischen Zeitung zugab, daß alle die sozialistischen Forderungen, die die Sozialdemokratie nicht verwirklichte, vom Nationalsozialismus in die Tat umgesetzt worden sind. Die österreichischen Arbeiter werden wissen, was sie von dem falschen Zungenschlag des Herrn Dollfuß zu halten haben.
Der Reichsrat aufgehoben.
Eine Folge der VerfaffungSreform. - Auch die Ländervertretungen beim Reich fallen fort.
Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
§ 1-
1. Der Reichsrat wird aufgehoben.
2. Die Vertretungen der Länder beim Reich fallen fort.
8 2.
1. Die Mitwirkung des Reichsrates in Recht- fetjung und Verwaltung fällt fort.
2. Soweit der Reichsrat selbständig tätig wurde, tritt an seine Stelle der zuständige Reichsmini st er oder die von diesem im Benehmen mit dem Reichsminister des Innern bestimmte Stelle.
3. Die Mitwirkung der Bevollmächtigten zum Reichsrat in Körperhaften, Gerichten und Organen jeder Art fällt fort.
§ 3.
Die zuständigen Reichsminister werden ermächtigt. im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern ergänzende Bestimmungen zu treffen und bei der Bekanntmachung einer Neufassung gesetzlicher Vorschriften, die aus diesem Gesetz sich ergebenden Aenderungen zu berücksichtigen.
Berlin, den 14.Februar 1934.
Der Reichskanzler: Adolf Hitler. Der Reichsminister des Innern: Frick.
♦
Die Reichsregierung gibt dazu folgende B e - grunbung bekant:
„Aufgabe des Reichsrates war nach der Weimarer Verfassung (Artikel 60) die .Vertretung der deutschen Länder bei der Gesetzgebung und Verwal- tuno des Reiches'. Nachdem durch das Gesetz vom 30. Januar 1934 (Reichsgesetzblatt I Seite 75) die
0 • I1 r e $ *e b e r Länder auf das Reick) Überlegungen und die Landesregierungen der Relchsregierung unterstellt sind, bleibt für eine mit den Befugnissen des Reichsrates ausgestattete Körperschaft kein Raum mehr.
der durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. Marz 1933 eingeführten vereinfachten Gesetz
gebung wirkt der Reichsrat nicht mehr mit, auch nicht bei den zur Ausführung der Re- aierungsgefetze ergehenden Verwaltungsoorschriften. Die etwa notwendige Information der Landesregierungen geht nicht mehr über den Reichsrat, sondern über die Reichsstatt - halt e r. Es verblieb sonach nur die Mitwirkung des Reichsrates bei Ausführungsvorschriften zu den früheren Parlamentsgesetzen und den Notverordnungen, ferner die Mitwirkung bei den Verwaltungsakten. Auch diese dem Reichsrat bislang noch vorbehaltene Tätigkeit hatte sich auf Grund der geänderten Geschäftsordnung in den letzten Monaten fast ausschließlich in der Form eines schriftlichen (Umlauf-) Verfahrens abgespielt.
Bei den Befugnissen, die dem Reichsrat vor allem auf dem Gebiete der Verwaltung verblieben, ist zu unterscheiden zwischen der Mitwirkung des Reichsrates und seiner s e l b ft ä n » bi gen Betätigung. Ueberall ba, wo ber Reichsrat neben einem Reichsorgan, meist ber Reichsregierung ober einem Fachminister tätig mürbe, fällt b i e f e meist in ber Form ber „An- ' hörung", „Zustimmung", ober „Genehmigung" sich vollziehenbe Mitwirkung ersatzlos fort (§2, Absatz 1) soweit nicht auf Grunb bes § 3 im Einzelfall eine anberroeitige Regelung getroffen wirb. Das gleiche gilt für bie Fälle, in benen bem Reichsrat ein Vorschlagsrecht für die Besetzung von Beamtenstellen unb begleichen zustanb.
In ben Fällen ber felbftänbigen Betätigung bes Reichsrates, bie auf bem Gebiete ber Verwaltung burch „autoritative Festsetzung", durch „Verleihung", Ernennung", „Wahl", burch ben Erlaß von Geboten ober Verboten burch Entziehung von Rechten, durch bie Festsetzung von Bebingungen usw. in Erscheinung trat, bedarf es für den fort- fallenden Reichsrat der Bestimmung eines Ersatzes- an seine Stelle tritt gemäß § 2 Absatz 2 der zuständige Reichsmini st er oder bie von biefem im Benehmen mit bem Reichsminister bes Innern bestimmte Stelle.
In zahlreichen Körperschaften unb Organen ber oerschiebensten Art war bie Mitwirkung von Bevollmächtigten zum Reichsrat vorgesehen. Die Mitwirkung ber Bevollmächtigten zum Reichsrat entfällt in Zukunft (§ 2 Absatz 3)."


