Reifeprüfungen für Nichtschüler und Nichtschüle- rinnen finden in Hessen im Frühjahr 1935 statt. Der mit 1,50 Mark stempelpflichtigen Meldung, die beim Hessischen Staatsministerium, Ministerial- abteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum einzureichen ist, sind unter Angabe der Se flauen Anschrift des Prüflings beizufügen: ebenslauf mit zwei Lichtbildern, Leumundszeugnis, Nachweis des Bildungsganges, der Vorberel- tung auf die Prüfung sowie das Abgangszeugnis der zuletzt besuchten öffentlichen höheren Schule. Prüflinge, die zuletzt eine private Vorbereitungs- anstalt besucht haben, müssen außerdem ein vollständiges Zeugnis dieser Schule, in dem alle Fächer mit Noten über die Leistungen bezeichnet sind, vorlegen.
Meldungen von Bewerbern, die nicht in Hessen wohnen, können nur dann berücksichtigt werden, wenn der Wunsch zur Ablegung der Prüfung an einer hessischen höheren Lehranstalt in eingehender Darlegung begründet wird. Voraussetzung für die Zulassung von Bewerbern, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und deren Eltern nicht in Hessen wohnen, ist die Genehmigung der zuständigen Heimatschulbehörde (Oberpräsident der Provinz, Abteilung für höheres Schulwesen usw.) zur Ablegung der Prüfung in Hessen.
Bei der ebenfalls stempelpslichtigen Meldung für eine Prüfung zur Erlangung der Reife für Prima oder Obersekunda genügt die Vorlage des Lebensganges, Leumundszeugnisses, des letzten Schulzeugnisses und des Nachweises über die Art der Vorbereitung. Für die Zulassung gelten im allgemeinen dieselben Bestimmungen wie für die Reifeprüfung.
Meldungen zu Ergänzungsprüfungen, die ebenfalls nur im Frühjahr und Herbst stattfinden, sind auch mit 1,50 Mark stempelpflichtig; es genügt hier die Vorlage einer beglaubigten Abschrift des Reifezeugnisses.
Die mit der Abnahme der Prüfung betraute Direktion teilt dem Bewerber die erfolgte Zulassung sowie Zeit und Ort der Prüfung mit und gibt auf Anfrage über Gegenstände der Prüfung Auskunft; an das Hessische Staatsministerium, Ministerial- abteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum, sind derartige Anfragen nicht zu richten.
Weisungen der Direktion ist zu entsprechen; ihre Anfragen sind alsbald und ausführlich zu beantworten, andernfalls kann die Zulasiung von ihr versagt werden.
Meldeschluß am 1. Januar 1935. Verspätet einlaufende oder durch nachträgliche Vorlage von Nachweisen ergänzte Gesuche werden nicht berücksichtigt, pflichtmäßige Leibesübungen auch in
den Handelslehranstalten.
In einem Ausschreiben an die Handelslehranftal- ten wird von der Ministerialabteilung für Bildungswesen angeordnet, daß, ausgehend von dem Grundsatz, daß überall dort, wo die deutsche Jugend zu schulischer Arbeit zusammenkommt, pflichtmäßig Leibesübungen zu betreiben sind, auch in den Han- delslehranstalten die körperliche Ertüchtigung einzubeziehen ist.
Allgemeine Einführung der Sütterlinschrist.
Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum hat in einer Verfügung an die Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und die Kreis- und Stadtschulämter angeordnet, daß in Abänderung der Verfügung vom 24. Oktober 1934 die Schriftformen nach Sütterlin ohne Einschränkung mit Beginn des Schuljahres 1935/36 einzuführen find.
Die Benutzung von Gchulräumen durch Vereine.
Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum hat den Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und den Kreis- und Stadtschulämtern nachstehende Verfügung über die Benutzung von
SflüWnisiimßDfl.
Roman von Rainer Selben.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
15. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
8. Kapitel.
Mac Lean überlegte einen Augenblick. Was hatte er eigentlich am nötigsten zu tun? Ja, richtig, er wollte im Warenhaus von Selfridge einige Einkäufe machen. Für das, was er vor hatte, brauchte er einen Anzug, der in feinem Garderobeschrank nicht vertreten war, und in dem man ihn noch nicht kannte.
Das Warenhaus von Selfridge lag an der Ecke der großen Oxford Street. Lange Reihen von eie» aanten" Autos hielten davor. Unaufhörlich ging die Glastür, von einem würdevollen Portier bedient. Es war Ende der Woche und einer jener Ausnahmetage, in denen Angestellte und Hausfrauen auf einen besonders günstigen Einkauf hoffen durften.
Sämtliche Lichter in dem Warenhaus brannten trotz des Vormittags. Strahlende Helle lag in allen Stockwerken. Die Waren, geschickt ausgelegt, boten sich lockend den Augen der Käufer. Mac Lean schob sich durch die Menschenmassen vorwärts zur Rolltreppe. Die Abteilung, die er besuchen wollte, lag im zweiten Stock.
Als er von der Rolltreppe rechts in den Gang einbog, kam ihm der Geschäftsführer entgegen.
„Na, wo brennt's denn bei Ihnen?" Er hielt den Vorbeirasenden am Rockknopf fest.
„Wieso brennen? Wie kommen Sie darauf, Mister Mac Lean?"
Der aufgeregte Mann versuchte den Unbefangenen zu spielen. Denn ein paar Passanten hatten Mac Leans Worte gehört und blieben neugierig stehen.
Mac Lean schob seinen Arm halb unter den des Geschäftsführers und meinte leiser:
„Na, kommen Sie erst einmal ein Stückchen weiter, lieber Freemann! Es tut nicht gut, wenn man Ihnen gleich ansieht, was los ist."
Der Geschäftsführer schaute den Detektiv fassungslos an. Er fuhr sich in die Tasche, holte sein Taschentuch heraus und tupfte sich die heiße Stirn ab.
„Ja, kommen Sie, Mac Lean", sagte auch er leise, daß niemand etwas hören konnte. „Es ist wie ein Wink des Schicksals, daß Sie gerade hier im Haufe sind."
„Nächstens werde ich mich noch als Winker auftun", meinte Mac Lean lachend. „Das mit dem Wink des Schicksals und meiner Person, das hat mir vor ein paar Tagen auch einer gesagt. Na, also los, Freeman?"
Die beiden Männer gingen schweigend weiter. Freeman steuerte auf das Direktionsbüro los. ।
Schulräumen durch Vereine zur Kenntnis gebracht: „Der Präsident der Reichsmusikkammer hat dem Herrn Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung davon Mitteilung gemacht, daß von den Chor- und Volksmusikvereinen, die für Uebungszwecke Schulräume, insbesondere Aulen benutzen wollen, vielfach unverhältnismäßig hohe Entschädigungen verlangt und dadurch der Arbeit dieser Vereine unerwünschte Hemmungen bereitet würden.
Die Bestrebungen der bezeichneten Vereine, die sich in immer steigendem Maße der Neugestaltung deutschen Musiklebens und der Pflege deutschen Volkstums widmen, verdienen weitgehende Förderung.
Es erscheint angebracht, daß Chor- und Volks- musikoereinen, die sich durch Inanspruchnahme von Schulräumen einen für ernste Arbeit geeigneten Rahmen schassen wollen, bei Berechnuna der Entschädigung Entgegenkommen gezeigt wird. Im allgemeinen werden ihnen nur die Kosten für Beheizung, Beleuchtung und Reinigung — allenfalls bescheidene Gebühren für die tatsächliche Abnutzung — in Rechnung zu stellen sein.
Auf Veranlassung des Herrn R^ichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung ersuchen wir, durch geeignete Maßnahmen für die praktische Durchführung dieser Anregung Sorge zu tragen."
Oer Erweiterungsbau der Katholischen Kirche.
Seit 1. Oktober herrscht auf dem Platze vor der Katholischen Kirche an der Liebigstraße rege Tätigkeit. Der Ausbau der Katholischen Kirche, die bisher nur in einem Teil des Gesamtprojektes stand, war begonnen und mit viel Energie betrieben worden. Es bedurfte umfangreicher Erdbewegungen, insbesondere an dem an der Straße gelegenen Teile des Platzes. Die Arbeiten sind inzwischen rasch Dorangetrieben worden. Das Mauerwerk für den breit ausgelegten Treppenaufstieg ist bereits erstellt und läßt feine zukünftige Form schon erkennen. Das Turmfundament ist ebenfalls fertig. Interessant ist die Tatsache, daß für die Schaffung des Turmfundamentes eine Masse von 300 Kubikmeter Beton aufgewandt wurde. Ferner sind die Grundmauern für das neue Kirchenschiff fertiggestellt. Gegenwärtig ist man u. a. mit der Anfuhr der Backsteine für das Mauerwerk beschäftigt. Am Bau schaffen ständig etwa 35 Arbeiter, die durch diese großzügige Bauausführung für geraume Zeit lohnende Beschäftigung haben. Wenn die Witterung weiterhin günstig bleibt, werden die Arbeiten mindestens bis Sockelhöhe fortgesetzt. Die Ausführung der Bauarbeiten ist der hiesigen Firma A b e r * mann übertragen.
Vornotizen.
— Tageskalender für Freitag: Amt für Beamte, Kreis Gießen, 20 Uhr, Caf6 Leib, Versammlung; Redner: Pg. Hopfenmüller. — NSBL., Fachschaft für neuere Sprachen, 16 Uhr, Oberrealschule, Sitzung. — NS. - Gemeinschaft ,Kraft durch Freude", 15 bis 19 Uhr, Haus der DAF., Baftelausstellung. — Stadttheater, 20 bis 22.15 Uhr, „Das Spiel von den heiligen drei Königen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Fürst Woronzeff". — Astoria-Lichtfpiele, Seltersweg: „Das Rätsel einer Nacht". — Reichskammer der bildenden Künste, Turmhaus am Brand, 16 bis 18 Uhr, Weihnachts-Ausstellung. — Volkshochschule, Hörsaal 33, 2. Vortrag „Mit 1000 Kamelen zur Jupiter-Ammon-Oase" (mit Lichtbildern).
— Stadttheater Gießen. Heute abend: Felix Timmermans' „Das Spiel von den heiligen drei Königen" nach der Weihnachtslegende von Felix Timmermans unter der Spielleitung des Intendanten.
— Volks Hochschule. Der Vortrag „Mit tausend Kamelen zur Jupiter-Ammon-Oase^ findet heute statt. Siehe heutige Anzeige.
*
** Evangelisch-kirchlische Personalien. Ernannt wurden: der Pfarramtskandidat
„Aha!", Mac Lean deutete auf einen Gang, von dem aus ein paar Herren in schwarzen Anzügen sehr eilig ihnen entgegenkamen, „die haben das gleiche an ihrer Kasse konstatiert wie Sie!"
Jetzt sah der Geschäftsführer Freeman geradezu entsetzt aus.
„Hat Ihnen einer schon etwas gesagt, Mac Lean?"
Mac Lean schob Freemann zur Tür des Direktionsbüros hinein.
„Gesagt gerade nicht. Aber wenn Sie in der linken Hand ein paar Banknoten halten, mein Lieber, und die andern Leute, die da kommen, auch ihre Hand so eigentümlich zur Faust geballt — nun, bann kann ich mir die Sache schon denken. Falschgeld, Freeman! Hab' ich recht?"
Freeman sank in dem leeren Direktionsbüro auf einen Sessel.
„Sie haben recht, Mac Lean. Falschgeld in geradezu unerhörten Mengen. Stellen Sie sich vor: Ich werde von der Hauptkasse unten angerufen, und da erzählt man mir die Bescherung. Hier sehen Sie die Pfundnoten! Und so täuschend nachgemacht, daß sogar unsere tüchtigsten Kassiererinnen sie nicht erkannt haben. Aber da kommen ja die andern."
Wirklich wurde die Tür geöffnet, und die drei Herren im schwarzen Anzug stürzten atemlos herein.
„Wissen Sie schon, Freeman?" sagten sie alle drei wie aus einem Munde. „Aha, Sie haben schon Mac Lean zu Hilfe gerufen."
Mac Lean lachte:
„Ja, sehen Sie, meine Herren, Mister Freeman hat eben Ahnungen. Er wußte, was hier passieren wird. Und er hat mir suggeriert, ausgerechnet jetzt einen Anzug bei Ihnen zu kaufen, wo Sie mich brauchen. Eigentlich müßten Sie mir daraufhin auf den Anaug Prozente geben."
„Machen Sie keine Scherze, Mac Lean", versetzte Freeman mißmutig. „Die Sache ist ernst genug."
„Also bitte, nehmen wir sie ernst. Wollen Sie mir erzählen?"
Mac Lean setzte sich gemütlich hin, schlug ein Bein über das andere, holte sich eine Zigarette heraus und ließ sich berichten.
Nach den übereinstimmenden Erzählungen der Abteilungsleiter und des Geschäftsführers Mister Freeman hatten fick die Dinge so zugetragen: In dem heutigen starken Geschäftsgang wurden an allen Kaffen größere Summen bezahlt. Ein paar Kassiererinnen fiel es auf, daß gerade heute besonders viel Fünfpfundnoten eingeliefert wurden. An Kasse fünf, wo die Zahlung für echte Teppiche geleistet wurde, war es der einen Kassiererin plötzlich nicht möglich, diese Noten zu wechseln. Sie schickte aus diesem Grunde ein Bündel Noten herunter an die Hauptkasse. Dort befand sich, wie er aussagte, gerade Mister Freeman. Der Haupt- kassierer nahm das Bündel Banknoten, um es zu
Jrmfried Martin aus Weilmünster mit Wirkung vom 1. Dezember 1934 ab zum Pfarrverwal- ter der erledigten Pfarrei Massenheim, Dekanat Wiesbaden-Wallau; der Pfarramtskandidat Albrecht Heß aus Oberursel i. T. mit Wirkung vom 1. Dezember 1934 ab zum Pfarrverwalter der erledigten Pfarreien Bornich und Dörscheid, Dekanat St. Goarshausen, mit dem Sitz in Bornich; der von Seiner Durchlaucht dem Fürsten Alexander zu Erbach-Schönberg zu Schönberg (Hessen) erfolgten Präsentation des Pfarrers Jakob Reinheimer au Bad Wimpfen, Dekanat Zwingenberg, auf die Pfarrei König (Odenwald), Dekanat Erbach, ist mit Wirkung vom 1. Januar 1935 ab die Bestätigung erteilt worden. In den Ruhestand versetzt wurde:
der Pfarrer Johann Heinrich Dauer zu rod, Dekanat Lauterbach, auf feinen Antroa Wirkung vom 1. Januar 1935 ab.
** Eine Ausstellung in der Ali, schule wird im Anzeigenteil unseres heutig Blattes angekündigt. Interessenten seien befonber darauf hingewiesen.
** Unfall bei der Arbeit. Der 25 suu alte Monteur Eugen Lehnhardt aus Bad gJJ- verunglückte bei seiner Arbeit in einem hiesigen brikgebäude dadurch, daß ihm ein schweres Eisens auf den Fuß fiel und er eine erhebliche Quetsch^, erlitt. Er wurde durch die Freiwillige Sanitä,-' kolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische
Betriebsführer und Gefolgschaft!
Der Kampf um die nationalsozialistische Gestaltung der Betriebe hat begonnen! Die Abteilung „Schönheit der Arbeit" der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wird das gesamte schaffende Deutschland darüber aufklären, daß Arbeitsfreude nur in dem Betriebe benscht, wo für Gesundheit, Sauberkeit und Schönheit gesorgt wird. Darum überprüft eure Arbeitsstätten! Weg mit den „Bruchbuden und Knochenmühlen" im nationalsozialistischen Deutschland!
Schafft Arbeitsstätten, in denen jeder mit Freude an die Arbeit geht!
Gebt nicht nur den Maschinen, was sie brauchen, gebt dem arbeitenden Volksgenossen, was seiner würdig ist: einen freundlichen, gesunden Arbeitsplatz. Weg mit den verrotteten Umkleide-, Wasch- und Aborträumen, weg mit dem Dreck und Gerümpel in den Fabrikhöfen, weg mit allem, was
früher einmal die Arbeitsstätten verhaßt ge^ hat! Betriebsführer, zeige dich wahrer Führer, sorge für das Wo' deiner Gefolgschaft während ber fr’ beit und in d e n Pausen. Männer » Frauen der Gefolgschaft, zeigt euch als Thta sozialisten, packt mit an und schafft euch schönt I beitsstätten!
Der Wettbewerb um die Schönheit der Arbeite ginnt! Die Abteilung „Schönheit der Arbeit" fa- bereit Wartet nicht, bis Mißstände ans Tagest gebracht werden, handelt von selbst!
Schönheit der Arbeit in allen deutschen Beftlefo
Heil Hitler!
Die Deutsche Arbeitsfront
NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" Abteilung „Schönheit der Arbeit".
Kinder.Weihnachtsfeier.
Eine schöne Veranstaltung -er Gießener NG-Frauenschaff.
Die NS.-Frauenschaft der Stadt Gießen hatte für Mittwoch und Donnerstag nachmittag die vier unteren Klassen aller Gießener Volksschulen ins Cafö Leib gerufen, um den Kindern in Begleitung ihrer Lehrer und Lehrerinnen ein prächtiges Krippenspiel vorzuführen und ihnen in vielen lebendigen und eindrucksvollen Bildern die wunderbare Ge- schichte der Geburt des Heilandes zu offenbaren.
Der weihnachtlich hergerichtete Saal, mit viel Tannengrün und Silberband und schönen Adventskränzen geschmückt, erwartete die frohe Kinderschar und war bald erfüllt von der vielstimmigen und erwartungsvollen Unruhe all der kleinen Gäste, die mit strahlenden Augen der Dinge harrten, die da kommen sollten.
Bevor sich der Vorhang öffnete, richtete die stellvertretende Kreisfrauenschaftsleiterin, Frau Wrede, herzliche Begrüßungsworte an all das kleine Publikum und forderte es sodann zum gemeinsamen Mitsingen des schonen, alten Weihnachtsliedes „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind" auf. Und während die Kinder mit großer Hingabe und viel Eifer das Lied fangen, öffnete sich die Saaltür, und vom Verkündigungsengel geführt durchzogen die himmlischen Heerscharen den Saal, um dann in einem wirkungsvollen Bilde auf der Bühne Aufstellung zu nehmen. Drei stattliche, in die Farben des Abendhimmels gekleidete Sternträger begrüßten in einem besonders schönen Vorspruch alle Jungen und Alten, alle Kleinen und Großen, alle Schaffenden und Altersmüden und alle, die des Heilandes warten.
Mit einem zarten dreistimmigen Engelchor begann ibann das Spiel. Man hörte die Verkündigung des Erzengels Gabriel und sah nach dem Schätzungserlaß des römischen Kaisers Maria und -Joseph auf dem beschwerlichen und ermüdenden Wege nach Bethlehem. Ihr rastloses Suchen und inniges
Flehen um eine Unterkunft für die hereinbrechenk Nacht erweichte nicht das harte Herz des losen Wirtes Guldenreich. Im weiteren Fochü:.- der Handlung hörte man die Zwiesprache 6er xr der Stadt lagernden frommen Hirten und ihreu-^ der himmlischen Engelschöre fromme Lieder. Ihr am eindrucksvollsten und großartig in Vielseitig' und Gestaltung war das Schlußbild: Marie- aus fernen Himmelshöhen, vom leifen AbE) herniedergetragenes, unendlich partes, holdes §-> genlieb und die Anbetung des im Stalle yik" hem auf Stroh gebetteten Jesuskindes durch ü vom Stern zur Krippe geführten, das Heil suchr> den Menschenkinder.
Während der Vorhang langsam bas eben ftb! schaute und erlebte Weihnachtswunder verWtr, dir Kinderschar noch ganz im Banne biefes Erlebnisses stand und all die alten, schönen Weihnachtsliedr: noch in ihnen nachklangen, öffnete sich zum zweite: Male die Saaltüre, und zwei richtige, peLyM mummte Weihnachtsmänner traten herein, mÜM zwei hochbeladene Handwagen mit vielversprechtt dem Inhalt hinter sich herziehend. Sie verteilte, von vielen helfenden Frauenhänden unterstützt, Cr- schenkbeutelchen mit Weihnachtsgebäck, die von alht Kindern mit viel Freude in Empfang genommen wurden.
Die Darsteller des Stückes waren Schüler uni Schülerinnen der Oberrealfchule, die sich für dieser schönen Zweck mit viel Eifer, größtem Fieihe uir mnigfter Hingabe zur Verfügung gestellt fyatlr und die alles daran setzten, befte Leistungen i erzielen.
Die NS.-Frauenschaft hatte, wie auch im Dcriffl Jahr, für dieses Krippenspiel die Anregung ff ben. Sie hofft, allen Kindern eine rechte w Nachtsvorfreude übermittelt zu haben.
sortieren. Dabei kam ihm eine Note zwischen die Finger, die ein wenig dünner als die anderen schien.
„Es war kaum spürbar", erklärte Mister Freeman, „und es hätte wohl Qjid) fein anderer herausbekommen. Aber der Hauptkassierer war lange Jahre in der Filiale einer Londoner Großbank tätig und hat also für Banknoten ein Fingerspitzengefühl. Der Kassierer stutzte. Ich sah, wie er seine Arbeit unterbrach. ,Da stimmt doch etwas nicht, Mister Freeman', sagte er. Er holte seine Lupe, breitete das Bündel Noten auseinander. Und da stellte sich die Bescherung heraus."
„Das ist ja sehr interessant", sagte Mac Lean. „Wieviel solcher Noten können es denn ungefähr sein?"
„Soweit ich bis jetzt einen Ueberblick habe, handelt es sich um eine Summe von fünftausend Pfund."
„Aber an unserer Kasse sind ja allein für zweitausend Pfund falsche Noten ausgegeben worden," warfen die Abteilungsleiter ein.
Mac Lean notierte.
„Also hätten wir bereits siebentausend. Na, wenn wir noch ein wenig warten, dann ... Na also", sagte er, als die Tür wieder aufgeriffen wurde, „sagt' ich's nicht: mit einiger Ruhe und Geduld kriegen wir noch so ein paar Tausender zusammen."
„Was ist ist zu tun? fragte Surboum.
„Haben Sie schon Ihren Warenhausdetektiv verständigt?"
„Nein, das konnten wir noch nicht, weil die Meldungen eben erst eingelaufen sind. Außerdem war es uns noch nicht klar, wie wir die Sache anfassen könnten. Wir haben sämtliche Kassiererinnen an den Kassen schon gefragt. Keine besinnt sich, daß eine größere Anzahl Banknoten von ein und demselben Kunden in Zahlung gegeben worden ist. Wenn die Falschmünzer in einer ganzen Kolonne aufgetreten sind, wird es außerordentlich schwerhalten, die Schuldigen zu finden. Soll ich vielleicht die Detektive rufen, Mister Mac Lean?"
Mac Lean machte eine abwehrende Bewegung.
„Nein, danke! Wir wollen die geschätzten Kollegen zunächst in Frieden lassen. Es steht wirklich zu erwarten, daß man heute noch nicht sehr viel herausbekommen wird. Halt — eins könnte man versuchen! Lassen Sie doch einmal feststellen, Mister Freeman, ob heute große Warenposten mitgenommen worden sind oder ob größere Einkäufe den Kunden ins Haus geschickt werden sollen. Es ist ja nicht anzunehmen, daß die verehrten Spitzbuben, um einen Hampelmann zu kaufen, gerade eine Pfundnote wechseln werden. Ich schätze, sie haben für ihr gutes Gaunergeld gute Waren gekauft. Vielleicht kann man aus den Versandlisten irgend etwas herausfinden. Es wäre nett, wenn Sie das inzwischen feststellen würden, Mister Freeman. Und nun, Good bye, meine Herren, ich werde nun endlich Ihre Anzugabteilung beehren, sonst be
komme ich heute meine neue Kluft nicht mehl/ bin in einer halben Stunde wieder zurück. ! leicht können Sie mir dann schon etwas W- mitteilen. Aber hören Sie: Wenn ich mir jetzt eirr Anzug ins Haus bestelle — ich habe nämlich » fällig auch nur Fünfpfundnoten —, bitte, den!" . Sie nicht, daß ich derjenige, welcher, bin/
Er grüßte lachend und ging gemächlich | Mister Freeman sah ihm nach.
„Der hat gut lachen", sagte er. „Wir sitzen B । hier mit dem dicken Kopf und den falschen Jbw- Und ob die Methode Mac Leans zum Ziele — na, da habe ich doch noch sehr meine Zwei"
In der Versandabteilung des Warenhauses ®ur* fieberhaft gearbeitet. Junge Mädchen saßen" Pulten, hatten große Listen vor sich, lieber ihm । Arbeitsplätzen befand sich der Ausgangspunkt eiv kleinen Hausrohrpost. Metallische Röhren gM1? Ein leises Surren ging alle Augenblicke durch I hindurch. Dann öffnete sich eine Klappe, wart kleine Papprolle heraus. Ein junges nahm schnell die Papprolle, öffnete sie, halte - darin befindlichen Papiere heraus und utB leere Papprolle in die Rohrpoströhre yinioflW Gleich machte sie sich dann wieder an die » ' sortierte die Versandzettel, die ihr durch W poft zugestellt worden waren. biz
Abgeteilt von dieser Rohrpostabteilung . Dersandräume. Hier herrschte ein f,e®eJJ Tempo. Alle Augenblicke wurden Ballen. i.? ’ Möbelstücke, zusammengerollte Läufer, irgendwelchem Inhalt durch die Warenlai^v den Etagen des Warenhauses herabgebrachi- .
Angestellte standen schon bereit. Mit einem auf einen elektrischen Kopf öffneten fü 9,e «Lr stühle. Auf einer Rollbahn wurden die , heruntergefahren bis in den Cerfanöraum- während schon hier unten das Sortieren r sausten die Fahrstühle wieder herauf, u Lasten zu holen. iaawA. &
Hunderte von Händen waren hier oesqas . galt es, einen Posten gekaufter Wäsche P0 verpacken, in Seidenpapier zu verhüllen, tons zu legen, die Laufzettel zu „mergle flj ' registrieren und das fertig verschnürte P. fjnf einen großen Tisch zu legen. Dieser Tita) Art lausendes Band. Er bewegte sich ' vorwärts bis zur Ausgabe. Dort lflB nflui’ junge Mädchen, die nun die Nummern zettel mit ihren Notizen verglichen, um ' wenn die Üebereinftimmung der Adreg stellt war, die Waren herauszulassem «fotfe
In dies fieberhafte Leben und Tre . A,
der Geschäftsführer Freeman. Alles P9 $enn unterbrach für einen Augenblick feine a mu6fe Mister Freeman sich hier unten sehen irgend etwas in dem Betrieb nicht ganz« zur Kontrolle hier unten hatte er J Reihe andere höhere Angestellte.
(Fortsetzung folgtk)


