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Nr. 267 vierter Blatt

GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Mittwoch, N. November 1934

115. Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

Tage und Wochen waren dahingegangen ... Robbt) Herman hielt nun schon alle Fäden des iiroßen Betriebes fest in seinen Händen.

Er war eine enorme Arbeitskraft, und sein Tempo isilte sich unwillkürlich allen Mitarbeitern mit. Zwi­lchen Edelgard und ihm war es nach dem ersten Zu- sommenstoß zu keinem weiteren mehr gekommen.

Robby Herman bemühte sich, gleichmäßig und ILflich zu sein. Edelgard wiederum setzte alle ihre Kräfte ein, um keinen Anlaß zum Tadel zu geben. &o war zwischen ihnen äußerlich das sachliche Ver­hältnis wie zwischen einem Vorgesetzten und einer Angestellten.

Aber unter der Decke der höflichen Ruhe schwang e was anderes. Eine Spannung lag zwischen beiden. § ie fühlten es sehr wohl. Oft, wenn Edelgard mit i; rem Stenogrammblock dasaß und die Diktate Di-

Aber sie schien für alles nur diese eisige Abwehr zu haben.

Ich erwarte also bis morgen früh alles fix und fertig."

Mit diesen kurzen Worten hatte er das Büro ver­lassen.

Hätte Robby Herman sich in diesem Augenblick besonnen und wäre er noch einmal zurückgekehrt, dann hätte sich ihm ein anderes Bild geboten. Kaum war die Tür zwischen ihm und Edelgard zugefallen, da war es auch mit Edelgards Fassung vorbei. Blaß sank sie auf den Stuhl vor ihrem Arbeitstisch. Wie hart seine Stimme geklungen hatte! Wenn sie ihn wieder mit etwas verletzt hätte?

Ach, ihr ganzes Bestreben ging doch nur dahin, ihn nichts merken zu lassen von ihren wahren Emp­findungen. Wenn sie nur für ihn arbeiten durfte, war sie ja schon glücklich. Aber vielleicht traute er es ihr nicht zu, daß sie alles schaffen würde? Zweifelte vielleicht an ihrem guten Willen? Oder aber sie sah starr vor sich hin wollte er auf eine unauf­fällige Weise sie von ihrem Posten hier entfernen.

Gewiß, so mußte es sein. Erst hatte er ihrer Bitte um Enthebung von ihrem Posten als seine Privat­sekretärin nicht nachgegeben. Vermutlich weil er ihr zeigen wollte, wer hier der Herr war. Jetzt aber, nachdem er ihr das bewiesen, jetzt wollte er sie nicht mehr hier haben. Er täuschte Rücksicht auf sie vor, um eine andere Sekretärin hier hereinzunehmen.

Ihre Augen brannten. Ein Zug harter Entschlossen­heit grub sich um ihren weichen Mund. Nein, er sollte nicht glauben, daß sie die Arbeit nicht leisten konnte. Wenn er auch sonst ihr Feind war, die Ach­tung vor ihrer Arbeit wollte sie sich verdienen.

Sie fuhr sich über die Augen. Nicht denken jetzt, nicht grübeln, befahl sie sich: arbeiten, arbeiten! Morgen früh mußte alles* fix und fertig sein.

Robby Herman saß in der Weinstube von Kuntze mit ein paar Herren zusammen. Man sprach über ein paar große Transaktionen und die neuen Ver­suche der Farbenfilmphotographien.

Das ist aber dumm" Direktor Herman griff in seine Brusttascheich hatte mir extra das Memorandum, das mir soeben von unserer Zentrale in Neuyork zugegangen, mitbringen wollen. Es sieht doch aus, als ob mir jetzt zu entscheidenden Ver­besserungen kämen. Ich wollte es Ihnen, meine Herren, heute zeigen."

Wirklich schade", sagte der dicke Holländer van Steuwen.Ich muß nun leider morgen fort und kann nicht mehr zu Ihnen kommen, Herr Direktor Herman."

Herman sah auf die Uhr:

Wissen Sie was, meine Herren, ich fahre schnell ins Büro und hole das Schriftstück. Ich habe ja meinen Wagen draußen. Bis Sie die nächste Flasche leer haben, bin ich schon wieder zurück."

Robby Herman erhob sich und ging schnell aus dem Lokal.

Wn, 1005 fiele i|t?

Zfioman von Klothilde v. Stegmann.

Sein dunkelgrüner Sportwagen parkte draußen, von dem Angestellten des Restaurants mit betreut. Er sprang hinein und fuhr an. Gut, daß die Straßen jetzt in der späten Abendstunde ziemlich leer waren, so konnte er ein tüchtiges Tempo vorlegen. Denn vom Westen der Stadt bis hinaus in den östlichen Vorort zu dem Werk war es weit.

Er sah auf die Uhr es war gerade vierund­zwanzig. Nun, wie er van Steuwen kannte, ging der nicht nach Hause, ehe er die richtige Bettschwere hatte. Die aber pflegte erfahrungsgemäß erst nach mehreren Flaschen Weines sich einzustellen. Außer­dem war die Sache so wichtig, da tonnte man sich schon ein paar Nachtstunden um die Ohren schlagen.

Das Bürogebäude draußen an der Grenze der Stadt lag im Dunkeln. Alles schlief. Robby Herman überlegte einen Augenblick, ob er den Pförtner wecken sollte, damit er ihn hinaufführe. Aber mochte der Mann seine Nachtruhe haben. Den Schlüssel zum Seitenportal hatte er wie die anderen Direktoren stets bei sich.

Langsam ging er beim Schein der Notbeleuchtung durch das stille Haus. Plötzlich, in der zweiten Etage, lauschte er. Es war ihm, als wären in den Zimmern über ihm Schritte gegangen. Er blieb stehen, horchte schärfer. Waren das wirklich Schritte? Und in seinem Zimmer? Es lag gerade über der Treppe dieses Flügels. Aber das war doch Unsinn. Wer konnte denn jetzt hier sein?

Doch, obwohl er sich sagte, es müßte eine Sinnes­täuschung gewesen sein instinktiv dämpfte er seine Schritte. Nun ging er fast lautlos Stufe um Stufe empor. Der Seitenkorridor lag dunkel, nur vom Hofe her kam der schwache Schein einer Laterne. Nun war er oben.

Plötzlich war es ihm, als klappte eine Tür. Mit einem Sprung hatte er die Tür feines Arbeits­zimmers aufgerissen. Kein Mensch. Auch nebenan in dem Zimmer mit den gesicherten Schränken, in denen die Geheimpapiere lagen, niemand. Er zog seinen Schlüssel heraus, stellte das Schloß ein. Merk­würdig, es funktionierte nicht reibungslos wie sonst, sondern nur unter Schwierigkeiten.

Vielleicht habe ich die Buchstaben des Geheim­schlosses falsch eingestellt, dachte er, zog den Schlüssel heraus, drehte nochmals. Endlich bekam er es her­aus, aber es hakte. Er hatte ja gleich gegen diese Konstruktion etwas eingewandt. Aber man hatte nun hier einmal in der deutschen Zentrale diese Schlosser. Sie umzuändern, würde erhebliche Kosten verursacht haben.

Nun öffnete er die schwere, eisenbeschlagene Schranktür. Im zweiten Fach links lag das Kuvert mit der Denkschrift über die neue Farbenphoto­graphie von Filmen. Er zog das Fach auf, es klemmte ein wenig. Hätte er nicht zugefaßt, der Umschlag wäre in der Spalte hängengeblieben.

(Fortsetzung folgt!)

Sie feroft hatte es ja einmal ihrer Mutter ge­sagt, jedes Mädchen würde Kutschners Werbung iveglückt annehmen. Nur sie wartete immer noch nuf etwas anderes.

Kutschner war ihr lieb, wie kein Freund einem üeber sein konnte. Und doch, seine Frau zu werden, vavor bangte es ihr. Er brachte ihr sein volles Herz entgegen. Durste sie ihm weniger geben? Immer schwerer und verwirrender legten sich alle niefe Empfindungen auf sie. Wenn ihr doch einer vaten könnte!

Aber sie hatte ja niemanden als die Mutter. Und d,ie mochte sie nicht in ihre Verwirrung hinein­ziehen. Und plötzlich sah sie wieder vor sich das Besicht Direktor Hermans, so wie sie es in dem Lächeln damals erblickt. Wie mochte er sein, wenn er einer Frau Freund war, Beschützer und Berater?

Aber schnell schob sie diesen Gedanken hinweg. Ts war keine Zeit, zu träumen. Man mußte der Wirklichkeit ins Gesicht sehen. Direktor Herman war chr nicht Freund. Er war ihr Feind. Und nur einen c ab es auf der Welt, der alles für sie getan hätte: Lutfchner.

Er schrieb mir neulich, Mutti. Es waren nur fin paar dienstliche Angelegenheiten; unten fugte er bann ein paar persönliche Worte an. Er scheint sich cut einzuarbeiten und eine interessante Tätigtet m haben. Aber so schreibt er er denkt doch xhr oft nach hier zurück." .....

Und an dich! dachte Frau von Dömtz zärtlich; über sie sprach es nicht aus. So kreisten die Ge­danken beider Frauen um denselben Menschen und jias gleiche Thema. Aber keine hielt die Zeit für iijefommen, diesen Gedanken Worte zu verleihen.

rektor Hermans aufnahm, fühlte sie es fast körper­lich: seinen fragenden, forschenden Blick. Schaute sie aber auf, so sah sie in ein Paar kühle Männeraugen, die über sie hinwegblickten. Wenn sie ihm die Mappe mit den Unterschriften hereinbrachte, wenn sie neben ihm am Schreibtisch stand, um auf irgendeine Frage etwas zu erläutern, dann ging es wie ein elektrischer Strom von ihm zu ihr.

Ein banges und heißes Gefühl erfüllte sie; sie war erst ruhiger, wenn sie sich aus seiner Nähe entfernen konnte. Aengstlich vermied sie m solchen Momenten, ihn anzusehen. Und das war gut. Denn hätte sie ihn angeschaut, ihre Verwirrung wäre noch gesteigert worden.

Die Blicke Robby Hermans ruhten in unbeobach­teten Augenblicken immer länger auf Edelgard. Die süße Linie ihrer Wangen, der weiche Schimmer ihres lichtblonden Haares, dieses ganze Scheue und Herbe ihrer Art sie waren wie ein süßer, schöner Traum.

Und es geschah, daß Robby Herman alles vergaß: Vergangenheit und Gegenwart. Vergaß, daß er schon einmal mit heißem Entzücken in ein solches helles Mädchengesicht geschaut. In solch leuchtende Augen­sterne.

Vergaß, daß dieser Zauber getrogen und hinter der lieblichen Hülle ein kalter, berechnender Mensch gestanden. Er vergaß Margaret, und wie er um sie gelitten. Aber auch die Gegenwart vergaß er. Fort waren die bösen Worte, die zwischen ihm und Edelgard von Dönitz gefallen. Fort war alles, was Studczynfki ihm über ihren Hochmut und ihre Geldgier gesagt.

Nichts blieb als dies reine, scheue Mädchengesicht, der holde Zauber ihrer Schönheit. Oft hatte es ihm schon auf den Lippen geschwebt ein Wort, das alles zwischen ihnen löste.

Am liebsten hätte er sie um Verzeihung gebeten für feine Brutalität damals. Aber es ergab sich keine Gelegenheit dazu.

Edelgard hastete förmlich aus dem Zimmer, sowie ihre dienstlichen Obliegenheiten erledigt waren. Und er war trotz seiner Weltgewandheit in allen Dingen Frauen gegenüber doch noch immer etwas der un­gewandte Junge von früher.

Ein einziges Mal hatte er ein persönliches Wort gewagt. Es war an einem Tage besonders viel zu tun gewesen. Ein paar große Generalversammlun­gen lagen dicht hintereinander. Von einem Tage zum andern mußten Berichte und Protokolle geschrieben werden.

Wenn es Ihnen zuviel wird, Fräulein von Dönitz, dann lasse ich Ihnen noch jemand aus einer der andern Abteilungen zum Schreiben beigeben", hatte er gemeint.

Nein, danke, Herr Direktor. Ich schaffe es allein." Sie hatte es sehr knapp gesprochen. Es klang wie­der hochmütig und abweisend, beinahe verletzend. Und er war verletzt. Schön! Wenn sie es nicht wollte, dann eben nicht. Er hatte es gut gemeint.

9er wehrpMche Kamps um das Sei.

Von Major a. O. Otto Lehmann.

Die Stickstof f erzeug ung rettete 1914 den deutschen Munitionsersatz und machte uns unabhän­gig von der Salpeterzufuhr aus Ueberfee. Die Che­mie brachte uns die Möglichkeit der Masfenerzeu- gung von Motorenbetriebsstoff, von Benzol, aus der reichlich vorhandenen Kohle. Als wir später 1916 die rumänischen Erdölfelder in die Hand be- kamen, waren wir auch mit Oel und Leicht- benzin wieder hinreichend versorgt. Die wirt­schaftliche Kriegführung war von schweren Sorgen entlastet.

Der wehrpolitlsche Kampf um das Oel der Welt geht mit zunehmender Schärfe weiter, weil die Tech­nik, die zum Teil schon stark überzüchtete Motori- fierung und Mechanisierung der Heere, der Luftkrieg und die Flotten mit ölgefeuerten Diesel­motoren einen riesenhaften Verbrauch an Dreib­und Schmierstoffen ergeben. Das hochmotorifierte französische Heer hängt einfach an der Delfrage, wie jedes Land, das Oel nicht im eigenen Lande hat, sondern es aus Ueberfee heranführen muß. Das er­zeugt militärische Unsicherheiten, die auch durch augenblickliche Mächtekonstellationen nur sehr be­dingt behoben sind.

Der englisch-persische Delftreit ist seinerzeit aus­gehandelt worden man zankt sich klugerweise nicht um das Oel; das französische Bündnis mit den Sowjets geht in der letzten Konsequenz auf den rus­sischen Erdölreichtum zurück. Im letzten Nach- iragsetat vom 28. Juni 1934 bewilligte der Senat 1ür die Marine und für die Marinefliegerei 595 Millionen Francs für unterirdische Behälter von Oel und Benzin. Das fertige Benzin wird nach und nach verschwinden, man wird nur noch Del ein» lagern und in gleichem Maße entstehen bereits tie Raffinieren, die das eingeführte Rohöl z u Benzin verarbeiten. Das französische Kriegs- eninifterium subventioniert die Betriebsstofs-Gesell- ßchaften sehr großzügig für das Einlagern von Oel unb Benzin als Mobilmachungsreserve. Das Quan» tum, das als totes Kapital unter der Erde liegt, macht etwa ein Drittel des französischen Friedens­verbrauchs aus, dessen heutige genaue Höhe schwer zu beziffern ist.

Schaut man sich die Weltkarte einmal näher an, Ifo liegt die Masse des Erdölvorkommens in Nord­amerika, im nördlichen Südamerika und in Mexiko fest in amerikanischen Händen. England Kat eigenes Oel in Hinterindien und in Persien. Lilles liegt über See, ebenso wie das teils hol­ländische, teils englische Oel auf Sumatra und Borneo. Eeuropa selbst ist arm an Erdöl, die reich­ten Leute sind Rußland in Baku und Rumä - m i e n in Ploesti. Dieses Festlandöl wird vielleicht noch ergänzt durch deutsches Oelvorkommen in Hannover, aber das ist noch kein Faktor, mit dem ernsthaft gerechnet werden kann.

Festlandöl und Ueberseeöl bestimmen in Zukunft mehr mH mehr die Allianzen und Freundschaften i)er Völker. Die Chemie wirkt da insoweit störend nus dem Hintergründe, als sie bemüht ist, den na- furgeborenen Grundstoff, das Rohöl, wirksam zu ersetzen. Oel ist heute im Zeitalter der militäri» iichen Motorisierung und Mechanisierung wertvoller Is Gold. Kein Krieg der Zukunft ist ohne Sicher­stellung der Oelzufuhr zu gewinnen. Der zähe Kampf um die Seerüstungen, besser um die Nichtab- i rüftung der See, bekommt damit ein wesentlich an­deres Gesicht: auf Unterseeboote und Kreuzer will Keine Macht verzichten, denn in Zukunft wird der Kreuzerkrieg auf und unter dem Wasser auf den Dellinien der Welt, auf dem Atlantik zwischen Ame- tita und Europa und auf der Oftafienlinie via Suez

und Gibraltar siehe auch den Kampf um das Mittelmeerbecken ganz andere Formen anneh­men,, gegen die unsere Kriegsbräuche harmlose Scherze waren.

Die Lage der Erdölgebiete beherrscht die Weltpo­litik. Waren noch bis zur Jahrhundertwende Kohle und Eisen die Grundstoffe der Kriegsführung, so kam man schon 14 Jahre später mit ihnen nicht mehr aus. Frankreich will heute die Sowjets als kontinentale Oel-Lieferanten haben, man traut in Paris der englisch-amerikanischen Freundschaft nicht mehr ganz und strebt nach Unabhängigkeit von die­sen Lieferanten aus Ueberfee. Ob der Weg von Baku nach Paris, den man über Land und über See führen kann, so ganz sicher ist, das müssen die Franzosen allein entscheiden.

Mit der militärischen Förderung des Rohöl-Mo­tors erstrebt man nicht nur die Verbrauchser­sparnis, die gegenüber dem Benzin und Benzol ganz erheblich ist (etwa ein Drittel); mit der Ge- wichtsersparms z. B. bei Flugzeugen erweitert sich der Aktionsradius und verschwindet die akute Feuersgefahr. Was aber für den Kriegsfall viel wichtiger ist, man kann den Grundstoff ver­wenden und erspart den ganzen Herstellungsprozeß vom Oel zum Benzin. Zudem sind diese Anlagen wichtige Angriffziele für die Bombenflotten. Das wehrpolitische Jdealziel für alle Heereszwecke ist also ein Motor, der auf der Erde, auf dem Wasser und in der Luft den primitivsten Grundstoff, das Rohöl, zufriedenstellend verarbeitet.

Die geographische Lage der natürlichen Oelvor­kommen, dieser unschätzbaren, weil noch nicht ersetz­lichen Erdschätze, bedingt im Kriege eine besondere Kontrolle der Verkehrswege von der Oelquelle zum Verbraucher. Diese Kontrolle wird sogar die strategischen Maßnahmen der Parteien wesentlich beeinflussen. Die wirtschaftliche Friedenskontrolle hat England zusammen mit Amerika in der Hand, man nennt dascontrol without occupa» tion". Die amerikanisch-englischen Konzerne beherr­schen den Oelverbrauch der Welt, eine gewisse lieber* Produktion verhindert vielleicht, daß die unterein­ander restlos glücklich sind. Die gleiche Kontrolle heißt im Krieg, soweit sie auf dem Meer sich ab­spielt, Kreuzerkrieg; Landwege sichert man durch entsprechende Mächtegruppierungen. Am fran­zösisch-russischen Beispiel kann man ganz aktuell die wehrpolitische Bedeutung um das Oel der Erde er­kennen. Schafft die Chemie eines Tages die Massen­herstellung von wirklich brauchbaren Treib- und Schmierstoffen aus Rohstoffen, die man im eigenen Lande zur freien Verfügung hat, so geht der Kampf der Welt automatisch wieder rückläufig auf Kohle und Eisen zurück, wobei dann die Kohle die dop­pelte Bedeutung gewinnen würde, weil sie vermut­lich der Grundstoff ist.

Am 15. September 1917 sandte Clömenceau an Wilson folgendes Kabel:Im entscheidenden Moment dieses Krieges, wo das Jahr 1918 militäri­sche Operationen von größter Bedeutung bringen wird, dürf-n die Armeen Frankreichs auch nicht einen einzigen Augenblick einem Mangel an Benzin ausgesetzt sein, das für die Lastkraftwa­gen, die Luftschiffahrt sowie für die Feldartillerie­traktoren erforderlich ist. Der minimale Vorrat an Benzin, wie er von dem Oberbefehlshaber für die Ar­meen Frankreichs festgesetzt ist, muß 44 000 Ton­nen betragen bei einem monatlichen Verbrauch von 30 000 Tonnen. Dieser unentbehrliche Vorrat be­läuft sich heute nur noch auf 28 000 Tonnen, und es besteht die Gefahr, daß er binnen kurzem bis auf ein Nichts herabsinkt, falls nicht unverzüglich außergewöhnliche Maßnahmen von den Vereinigten Staaten ergriffen werden. Der Präsident Clemen- ceau bittet persönlich den Präsidenten Wilson, von Amts wegen den nötigen Machtspruch zu tun, um 100 000 Tonnen an Tankdampfern zur unverzüg­lichen Fahrt nach den französischen Häfen zu ver-

I anlassen. Wollen d i e Alliierten den Krieg nicht verlieren, so muß das kämp­fende Frankreich zur Stunde des stärksten deutschen Angriffs im Besitz des Benzins sein, das für die kommenden Schlachten wie Blut unent­behrlich ist."

Besser kann man die wehrpolitische Bedeutung des Oels nicht beweisen. Denn 1918 waren die Heere Frankreichs noch lange nicht in dem Umfange auf Motorisierung abgestellt wie heute und England konnte selbst nicht genügend heranschaffen. Wilson bekam es mit der Angst um das in die Brüche gehende amerikanische Kriegsgeschäft zu tun und schickte innerhalb von drei Wochen 42 000 Tonnen

Benzin, der Benzinfaden riß auch bis Kriegsende nicht mehr ab. Zur gleichen Zeit bauten wir den U-Boot­krieg weiter ab ... Der Weltkrieg war doch ein Krieg der ölbesitzenden Mächte gegen die Detlefen, die sich nur die rumänischen Oelfelder erobert hat­ten. Gelang uns das nicht rechtzeitig, waren wir fertig.

Die nicht sichtbaren Zusammenhänge zwischen Po­litik, Wirtschaft und Wehrmacht sind außerordent­lich lehrreich. Man sieht nicht immer den Grund, wenn sich neue Lagen ergeben, Ententen schwanken und neue entstehen. Alle' diese Dinge werden nicht aus Zuneigung geboren, sondern von kriegswirt­schaftlichen Notwendigkeiten einfach diktiert.

Von der Gedenkfeier der Schlacht bei Tanga.

Don der Gedenkfeier der Schlacht bei Tanga, die anläßlich des 20. Jahrestages dieser Ruhmestat unserer Ostafrikaner am Bremer Kolonial-Denkmal ftattfanb: General von Lettow-Vorbeck (mit Süd­wester), der heldenmütige Verteidiger von Deutsch-Ostafrika, schreitet mit dem Führer der Reichswehr« Ehrenkompanie die Front der teilnehmenden Verbände ab.

Obecheffen.

Oer Führer dankt Kirtorf.

st. Kirtorf, 13. Nov. Im Vorjahre vollzog die Gemeindevertretung die Ernennung unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler zum Ehrenbürger Kirtorfs. Dieser Tage traf nun auf dem hiesigen Bürger­meistereiamt ein Schreiben von der Reichskanzlei ein, das folgenden Wortlaut hat:

An den Gemeinderat Kirtorf (Oberhessen). Die Verleihung des Ehrenbürgerrechs von Kirtorf er­füllt mich mit aufrichtiger Freude. Ich nehme die Ehrenbürgerschaft an und bitte, dem Gemeinderat meinen ergebensten Dank sowie meine besten Glück­wünsche für das Blühen und Gedeihen von Kirtorf aussprechen zu dürfen.

Mit deutschen Gruß! Adolf Hitler."

Neue Bürgermeister im Kreise Gießen.

Folgende Bürgermeister in Ortschaften des Kreises Gießen wurden bestellt und verpflichtet: Heinrich W e b e r zu Göbelnrod, Heinrich S o h l X. zu Rüd- dingshausen, Landwirt Rudolf Reitz zu Inheiden und Karl Maul zu Rieder-Bessingen.

Oer Bürgermeister von Schlitz tödlich verunglückt.

LPD. Schlitz (Oberhessen), 13. Nov. Arn Diens­tag kurz vor 15 Uhr wurde an einem Bahnüber­gang beim Bahnhof Hutzdorf auf der Strecke Bad SalzschlirfNiederaula der Kraftwagen des Bürger­meisters Schmidt aus Schlitz von einem Trieb­wagen angefahren und zur Seite geschleudert. Bürgermeister Schmidt war sofort