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fel bfinfen. Silberne Eßbestecke lege man In das Wasser, in dem die Kartoffeln gekocht werden, lasse sie zehn Minuten darin liegen, reibe sie ab und lege sie bis zur nächsten Mahlzeit fort. Sie blinken nur so!

Wollene Herren st rümpfe laufen beim Waschen stets ein. Da viele Männer auch während der warmen Jahreszeit wollene Strümpfe (aus ge­sundheitlichen Gründen) tragen, bedeutet ihre Wäsche eine wahre Qual, des mangelnden Ergebnisses we­gen. Nie wollene Strüpfe einweichen, sondern jeden Strumpf in kaltem Seifenwasser gesondert waschen.

Buntes

Späte Heimkehrer.

Zwanzig Jahre sind seit dem Beginn des Welt­krieges verflossen und man sollte meinen, daß alle, die aus diesem Kriege heimkehren konnten und wollten, längst wieder in der Heimat wären und doch haben erst in diesem Jahre zwei Männer sich wieder aus der Ferne heimgefunden, denen das Schicksal übel mitge^pielt hat. Fedor T o f e i war bei Kriegsbeginn mit seinem ungarischen Honved- Regiment an die Front gekommen, und schon nach einigen Tagen hatten ihn die Russen gefangen ge­nommen, da er als Verwundeter sich nicht mehr seiner Feinde erwehren konnte. Nach seiner Gene­sung brachte man ihn in ein Gefangenenlager im Kaukasus. Als im Jahre 1917 die Revolution in Rußland ausbrach, entfloh er, und damit begann seine 15jährige Odyssee. Nach Jahr und Tag traf er unterwegs einen Landsmann, mit dein er ge­meinsam zur ungarischen Heimat zurückkehren wollte. Bei dem Versuch, den Dnjestr zu durch­schwimmen, um das rumänische Ufer zu erreichen, wurde sein Kamerad von den Russen beschossen und versank in den Fluten. Fedor Tofei bettelte sich durch Rumänien nach seiner Karpathenheimat durch. Als er in sein Dorf zurückkehrte, fand er seine Frau wiederverheiratet vor. Sie wollte ihn auch nicht wiedererkennen und erklärte ihn für einen Betrüger. Tofei ließ sich dadurch nicht einschüchtern; es gelang ihm, über 100 Ortsgenossen zu finden, die ihn wiedererkannten und vor Gericht eidlich seine Echtheit bestätigten. Die Frau mußte ihm sein Eigentum zurückgeben, sonst wollte er nichts mehr mit ihr zu tun haben.

Der zweite Fall betrifft den Sepp Garny vom 174. Infanterie-Regiment in Saarbrücken. Er kam nach dem Osten und gelangte mit seiner Truppe 1916 nach Tiflis. Ruhr und Typhus wüteten schwer unter der Truppe und auch Sepp kam ins Hospital. Sein Regiment mußte Tiflis räumen und ließ ihn als nichttransportfähig zurück. Russische Revolu­tionstruppen rückten in die Stadt, doch bei guter Pflege genas er wieder. Er rückte heimlich aus dem Lazarett aus und gelangte nach einigen Wochen zu deutschen Siebtem' bei denen er arbeitete. Auch fand sich eine Siedlerin, die ihn zu heiraten bereit war. Dann kamen die Roten, tauften den Ort auf den NamenRosa Luxemburg", ließen aber sonst die Siedler in Ruhe. Sepp hatte sich ganz gut ein­gelebt, wurde aber von einem unerträglichen Heim­weh gequält Er schrieb viele Briefe nach Hause, doch nie bekam er Antwort, weil seine Briefe bei der russischen Zensur einfach liegen blieben. In seinem Heimatort wurde er schließlich amtlich für tot erklärt. Um so größer war die Ueberraschung, als 1928 doch ein Bries von ihm dort eintraf. Sepp schrieb u. a. er habe keinen Paß und bat, ihm einen zu schicken. Zu seinem größten Kummer erfuhr er aus der Antwort, er müsse sich an den französischen Konsul wenden, denn seine Heimat sei französisch geworden. Erst in diesem Jahre ge­lang es ihm, heimzukommen.

Oer tfn-ail und der Pechvogel.

Als Hauptursachen bei den Unglücksfällen, die sich alljährlich in Fabriken und Betrieben und auf der Straße ereignen, werden gewöhnlich Lichtsinn, Sorglosigkeit und mangelhafte Einrichtungen ge­nannt Man fordert darum eine gründliche Auf­klärungsarbeit bei den Arbeitern und Angestellten durch Anbringen von Warnungstafeln und den

ausrecken, umwenden, wieder recken, spulen, zum Trocknen hängen. Sobald sie im feuchten Zustand zusammengepreßt liegen, laufen sie ein und wer­den unbrauchbar. Zusatz von Salmiak ist beim Spülwasser zu empfehlen.

Das Gemüse will nicht weich werden, obwohl es pünktlich aufs Feuer kam. Oder ob man sich gerade heute verspätet hat? Kleines Hilfmittel ist Natron, auch ein winziges Stückchen Soda hilft den Garprozeß zu beschleunigen. Versagt auch nicht beim zähen Fleisch. Also nicht vergessen, hilft Aer- ger sparen. Schü.

Allerlei.

Schutz freiliegender Maschinenteile in den Fabriken und im Straßenverkehr die Beachtung der Signale, Straßen- und Wagenverbesserungen, eine schärfere Kontrolle der Geschwindigkeiten der Fahrzeuge und viele andere Maßnahmen. Daß alle diese Vor­beugungsmaßnahmen nicht den eigentlichen Kern des Problems erfassen, hat C. S. Myers in London in einer Vorlesung bargelegt, über die dieDeutsche Medizinische Wochenschrift^ berichtet. Nach Ansicht dieses Sachverständigen beruhen mehr als die Hälfte aller Unfälle in Fabriken nicht auf fehlerhaften Maschinen, und auch die Opfer des Straßenverkehrs können durch die obenerwähnten Vorbeugungsmaß­nahmen nicht vermindert werden. Mindestens 80 vom Hundert aller Todesfälle beruhen nach Myers auf demmenschlichen Faktor", der noch wenig er­forscht worden ist. Nicht die Polizei, noch der Richter oder der Ingenieur können darum eine wesentliche Hilfe bringen, sondern vor allem der Industrie- Psychologe, der diesen menschlichen Faktor im tätigen Leben untersucht. Der Kampf gilt vor allem den sog.Pechvögeln", den Leuten, die sehr leicht einen Unfall erleiden; sie müssen durch psychologische Un­tersuchungen ausfindig gemacht und von den ent­scheidenden Arbeitsplätzen, wo besonders Aufmerk­samkeit vonnöten ist, entfernt werden, da sie für sich selbst und für andere gefährlich sind. Die Wich­tigkeit des menschlichen Faktors beim sicheren Auto­fahren hat das Myers unterstellte englische Natio­nalinstitut für Jndustriepsychologie durch eine An­zahl von Prüfungen festgestellt Diesen Prüfungen kann sich jeder Autofahrer unterziehen, was für ihn selbst von größtem Vorteil ist, so gewährt heute eine bekannte englische Versicherungsgesellschaft den Selbstfahrern, die diese Prüfungen bestanden haben, eine lOprozentige Ermäßigung der Unfallversiche­rung. Nach den Untersuchungen von Myers wird also die Bekämpfung der Verkehrsgefahren und der Fabriksunfälle nicht nur durch Schutzmaßnahmen und wiederholte Verwarnungen erreicht werden können, sondern vor allem durch eine psychologische Schulung, die selbstverständlich am meisten Erfolg verspricht, wenn sie von Jugend an erfolgt.

Tanz auf der Kirchturmspitze.

Ueber den Dächern von London spielte sich kürz­lich ein Schauspiel ab,, das viele Tausende von Zuschauern sand. In den Straßen drängte sich die Menge, der Verkehr stockte, und atemlos starrten die Passanten zum Turm der St. Nikolai-Kirche hinauf, auf dem in schwindelnder Höhe ein Mann mit wilden Handbewegungen herumtanzte. Seit kurzem ist der Turm nämlich mit einem Gerüst umgeben, da der Wetterhahn repariert werden soll; an diesem Gerüst mußte der Unbekannte nun un­bemerkt bis zur höchsten Spitze hinaufgeklettert sein, zu der nur eine schwanke Leiter hinausführte. Ver­gebens bedeutete man ihm von der Straße aus, er möge herunterkommen; ohne die Gefahr des Ab­sturzes zu sehen, tanzte er auf der schmalen Fläche der obersten Galerie bin und her und wurde auf die Zurufe aus der Menge eher verwegener als vorsichtiger. Schließlich wagten zwei Polizeibeamten den Aufstieg; vor den Augen der bangenden Zu­schauer erkletterten sie Plattform nach Plattform, bis sie in die Nähe des seltsamen Tänzers auf der Kirchturmspitze kamen. Nun stand ihnen aber die schwerste Aufgabe bevor, denn der Unbekannte wollte sich zunächst durch kein Zureden bewegen lassen, feinen Platz in der luftigen Höhe zu räumen. Mit wilden Gesten drang er auf die Beamten ein

und wollte sich nicht in die Tiefe hinabgleiten lasten. Dann aber wurde er plötzlich ganz willfährig und ließ sich zu den Leitersprossen führen. Der eine Beamte ging voraus, der Tänzer folgte ganz apa­thisch, und der andere Beamte machte den Beschluß. Der Abstieg dauerte unendlich lange, denn schließlich mußten die beiden tapferen Polizisten den Mann an Armen und Beinen halten und ihn von Sproße zu Sprosse stützen.Wir hielten den Atem an, vis die drei endlich den Fußboden erreichten," berichtete einer der Zuschauer, und ein anderer fügte an­erkennend hinzu:Die Polizisten führten eine der kühnsten Taten aus, die ich je gesehen habe. Wenn der Mann sich beim Abstieg gewehrt hätte, würden alle drei in die Tiefe gestürzt fein." Der Kirchturm­kletterer wurde sofort in eine Klinik übergeführt.

Ueberraschungen beim Tier-Transport.

In einem großen Zoologischen Garten, in dem merkwürdige Tiere aus aller Welt in verschieden­artigsten Verpackungen eintreffen, erlebt man manchmal eigenartige Überraschungen. So erzählt z. B. ein Angestellter des Londoner Zoo, daß kürz­lich ein Posten von dreißig schwarzgoldenen Erd- schlangen aus dem malaiischen Archipel angemeldet worden war. Als die große Zinnkiste anlangte, in der die Tiere verpackt waren, und der Direktor des Reptilien-Hauses sie öffnete, fand er nur sechzehn Schlangen, die allerdings unnatürlich dick waren, auf dem Boden der Kiste. Wo die fehlenden vier­zehn geblieben waren, darüber konnte man sich durch einen Blick auf die angeschwollenen Leiber der andern leicht unterrichten. Aber Schlangen ver­mindern sich in der Regel nicht beim Transport, sondern vermehren sich. Eine Kiste, die eine einzige Giftschlange enthalten sollte, bot nach der Oeffnung den Anblick eines regen Familienlebens, denn um die Mutter herum befanden sich zwölf kleine Schlan­gen, die sich fast ebenso schwer wie das große Tier herausneymen ließen. Diese Vermehrung während der Reise kommt auch bei andern Neuankömmlin­gen vor. So hatte ein Zoo ein paar Dingos, austra­lische wilde Hunde, bestellt, die zu Zuchtzwecken verwendet werden sollten. Der Frachtschein für die großen Kisten führte dem Auftrag gemäß als In­halt drei Dingos an, aber man fand dann nicht weniger als fünfzehn Tiere, da die zwei weiblichen unterwegs je einem halben Dutzend Jungen das Leben geschenkt hatten. Mit der Zucht war also schon vor der Ankunft ein recht stattlicher Anfang gemacht worden. Bei solchen Tiertransporten muh man sehr vorsichtig sein und lange Erfahrung haben. Als einige Biber aus Kanada nach einem europäischen Zoo gebracht wurden, nahm der Packer zwar auf die Eigenart der Passagiere Rück­sicht, indem er einige Holzblöcke hinzufügte, damit die eifrigen Nager auf der langen Reise für ihre Zähne etwas zu tun hätten. Aber er wählte eine gewöhnliche Holzkiste und unterschätzte den Arbeits­eifer der Tiere, die nicht nur die Hölzer völlig zer­nagten, sondern sich auch an die Kiste selbst mach­ten und auf dem Schiff sich den Weg ins Freie bahnten, so daß eine aufregende Biberjagd an Deck stattfinden mußte. Bisweilen macht der Inhalt der Pakete, die im Zoo eintreffen, zunächst einen merk­würdigen Eindruck. In einer Sendung, die aus Korea im Londoner Zoo eintraf, fand man eine gewöhnliche Büchse für chinesischen Tee, aber sie Enthielt keine duftenden Teeblätter, sondern einen mit Erde vollgestopften Kürbis und vorsichtige Nach­forschung förderte eine kleine etwa sieben Zenti­meter lange Kröte zum Vorschein; es war eine sehr seltene Art, die auf diese Weise bei bestem Wohl­befinden die lange Reise zurückgelegt hatte, denn in der Erde befanden sich zugleich die Insekten­larven, die ihre Lieblingsspeise sind.

Kampf mit einer Eule.

Einen seltsamen Kampf hatte kürzlich eine Bäue­rin aus Chawton, einem kleinen Ort in der Nähe der englischen Stadt Alton zu bestehen. Sie ging des Abends über den Gutshof, um den Kücken Futter zu bringen; als sie an einem der Apfelbäume vorbeikam, stieß ein gewaltiger Vogel aus dem Ge­äst auf sie herab. Es war eine Eule, deren aus- gebreitete Flügel eine Spannweite von fast einem Meter hatten.' Sie fetzte sich auf den unbedeckten Kopf der Bäuerin und zerkratzte ihr mit den Kral­

len das Gesicht so daß sie, um ihr Augenlicht be­sorgt war. Vor Schreck, Schmerz und Angst stieß die Frau gellende Schreie aus und schlug zugleich auf die wütende Eule ein, und es gelang" ihr auch, das Tier nach einem Kampf, der ungefähr eine Minute dauerte, wieder in den Baum hinaus zu verscheuchen. Indessen war auf die verzweifelten Hilferufe hin ein Bauernbursche mit einer Flinte herbeigekommen, der die riesige Eule alsdann ab. schoß. Die Bäuerin erzählte, daß sie sich vor dem Vogel zunächst nicht gefürchtet habe.Als die Eule mich aber angriff, erschrack ich ganz fürchterlich," berichtete sie. ,',Jch wußte, daß dieses Tier seit einer Woche in der Umgebung des Hofes war, denn wenn ich abends zum Hühnerhaus ging, flatterte es stets immer über meinen Kopf hin. Aber ich hätte niemals gedacht, daß die Eule mich angreifen würde.

HunDfunfprogramm.

Donnerstag, 15. November:

6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgcn- fpruch Choral. 7: Frühkonzert. 8.30 bis 8.45: Gymnastik. 9: Werbekonzert. 9.15: Musik am Mor­gen. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. 10.45: Prak­tische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: So- zialdienft. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst, Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebe- zirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtfchaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderstunde. 16: Nachmittagskonzert. 18: Spani­scher Sprachunterricht. 18.15: Bücher, die uns erwar­ten. 18.25: Neue deutsche Dichtung. 18.35: Katechis­mus für Sprachfünder. 18.45: Von Hamburg: Reichsbauerntagung 1934. Eröffnung des Things im Kongreßzelt auf dem Osterfeld. 19.05: Unter­haltungskonzert. 19.30: Lieder zur Laute. 19.45: Tagesspiegel. 20: Nachrichten und Mitteilungen aus dem kulturellen Leben. 20.10: Saar-Umschau. 20.30: Zwischen Jlme und Maine". Heimatlandschaft um Goethe. 21.10: Wiener Volksmusik. 22: Nach­richten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Von Washington: Worüber man in Amerika spricht. 22.30: Lieder von Adolf Jensen. 23: Nacht­musik. 24: Nachtmusik.

Freitag, 16. November:

6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgen­spruch Choral. 7: Frühkonzert. 8.30 bis 8.45: Gymnastik. 9: Werbekonzert. 9.10: Nachrichten. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Rat­schläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: 'Mittagskonzert I. 13: Saardienst, Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirt­schaftsbericht für die Saar. 15.15: Für die Frau. 16: Nachmittags-Doppel-Konzert. 18: Von Goslar: Reichsbauerntagung 1934. Reichsbauernrat in ber Kaiserpfalz zu Goslar. Festsitzung und Vereidigung durch den Reichsbauernführer. 18.40: Unterhal­tungskonzert. 19.50: Politischer Kurzbericht. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation: Sinfonie Nr. 3 Es=2)ur, Werk 97. (Rheinische Sinfonie.) Von Rodert Schumann. 20.50: Hokus-Pokus. Lustspiel von Kurt Götz. 22.10: Nachrichten. 22.15 Nachrich­ten aus dem Sendebezirk. 22.20: Saarländer spre­chen. 22.35: Der Zeitfunk bringt die Sportvorschau. 23: Unterhaltungs- und Tanzmusik. 24: Nachtmusik. 1 bis 2: Kammermusik.

Amtsgericht Gießen.

Wegen Tierquälerei wurde der in Gießen wohn­hafte F. H. mittels Strafbefehls zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Dagegen legte der Angeklagte Einspruch ein. Die gestrige Hauptverhandlung er­gab, daß der Angeklagte im Streit mit dem An­zeiger einer Taube, die letzterer in der Hand hielt, mit einem Hammer fahrlässigerweise auf den Kops aeschlagen hat. In Anbetracht der Fahrlässigkeit des Angeklagten erkannte das Gericht auf eine Geld­strafe von 20 RM. evtl, fünf Tage Gefängnis. Der Angeklagte trägt außerdem die Kosten des Ver­fahrens.

Sensation in Nom.

Von unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, im November.

Es ist wie im Mittelalter, wo große Ereignisse durch seltsame Vorzeichen angekündigt wurden: feurige Ruten standen am Himmel, in den Stra­ßen lieferten sich die Hunde förmliche Schlachten, das Geld verlor plötzlich feinen Wert und ein Knäb- lein wurde geboren, das hatte vierzehn Finger und einen Schweinsrüssel. Und richtig, kurz darauf griff der Massenwahn um sich, es kam zum Kinder­kreuzzug!

Gestern fiel in Ancona ein Fischregen, der Wein ist mißraten und in Rom sah man am heiligten Tage ein Mädchen, bas auf einem Zweirad fuhr!

Also, stellen Sie sich vor, ich verbürge mich für die Wahrheit, ich habe es mit eigenen Augen ge­sehen: mitten im Verkehrsgewühl ber Via Nazionale tauchte eine Maschine auf, bie auf zwei mit Luft­reifen versehenen Näbern lief, unb im Sattel saß rittlings!! ein junges Mäbchen, nein, keine Puppe, kein Scherz eines Warenhauses, ein blon- bes Mäbchen von Fleisch unb Blut, es trat wie ein Mann auf Pedale unb fuhr so zum Entsetzen unb Gaubium ber Zuschauer zwischen ben Automo­bilen hinburch, an ben Schaufenstern unb sogar ohne Furcht an bem Verkehrspolizisten vorbei, ber auf seinem Thron zur Salzsäule erstarrte. Jetzt ist es so weit, jetzt kommt der jüngste Tag.

Die einzige Erklärung, bie sich ber aufgeklärtere Teil bes Volkes für die seltsame Erscheinung zurecht macht, ist die, baß es sich um eine Frembe han­deln müsse, vielleicht um eine Akrobatin, bie für ein kommendes Variete Reklame machen wollte, ja ja, so muß es fein. Hat man nicht auch schon radfahrende Elefanten gesehen? Oder mindestens Schimpansen?

Leider kann ich, nachdem ich das Phänom inter­viewt hatte, den aufgeregten Tanten nur zur Hälfte Recht geben. Eine Fremde war es wohl, ein Mädel aus Südtirol, das aber regelrecht in Stel­lung nach Rom ging unb ahnungslos fein Rabl mitnahm, sogar öffentlich benützte. Ob sie es ein zweitesmal wagen wird, steht dahin. Man radelt nicht ungestraft unter Palmen.

Man darf es nördlich der Traditionsfcheide, jen­seits von Florenz, vor allem hinter Bologna. Dort in der großen Tiefebene, wo es Fabriken gibt, sieht man Radfahrerinnen sogar häufig, sie treten in Rudeln auf unb machen bie Lanbstraße unsicher. Weshalb bie Rabfahrer zanzare heißen, Straßen­schnaken, unb ich muß gestehen, es gibt reizende Schnaken darunter. Aber für Nom war so etwas

bisher unerhört. Weiter im Süden würde es ge­radezu als unsittlich gelten und entsprechend ge­sühnt werden. Gewiß ist nach unb nach, sehr all­mählich, mit bem Motorrab auch bie Motorbraut aufgetaucht, aber niemals sitzt sie rittlings, niemals, unb wenn sie sich an ben Vorbermann anklammern muß wie ein Tintenfisch an ben Taucher, um nicht aus ber schwebenben Wagrechten in einen liegenben Zustanb zu geraten. Wie ein Mann in ben Sattel steigen unb gar noch selber die Pebale treten, so baß jebermann bie B Bei, nein, ich kann es gar nicht aussprechen nicht mööööglid)!

Doch ist immerhin zehn gegen eins zu wetten, daß bas unglaubliche Beispiel Schule machen unb bie zücht- unb glockenlose, licht- unb bremsenlose Rablerwelt Roms bemnächst burch Fahrräber mit angenehmerer Besatzung aufgehellt werben wirb, ohne daß besroegen bie ewige Stabt untergeht.

Die enge Hose.

Hine altösterreichische Anekdote, mitgeteilt von Peter Purzelbaum.

Felbzeugrneister Benebek, ber gefeierte Held von Mortara unb ber nachmalige Besiegte von König- grätz, fommanbierte im Jahre 1865 bie II. öster­reichische Armee. In Oberitalien, in Verona, lag er bamals mit seinem Stabe in Garnison.

Im ganzen Heere war ber hohe Herr alsAb­justierungsreiter" gefürchtet, worunter man solche Vorgesetzte verstaub, die auf die Vorschriftsmäßig- feit des Anzuges ihrer Untergebenen großen Wert legten. Benedeks scharfe Jagdleidenschaft galt in erster Linie ben von ben jüngeren Herren getrage­nen unb sehr beliebten überengen Beinkleibern, welche bie Leutnants wie man scherzend meinte ihrem Schneider um bie Ohren schlugen, falls sie bei ber Anprobe überhaupt hineinkamen.

Eines Tages erblickte er vor der Porta Nuova an ben Beinen eines ahnungslosen Reiters bie verpönte enge Hose. Das Gesicht konnte er nicht erkennen, bazu war ber Mann zu weit entfernt. Benebek fetzte sich also in Trab, um an ihn heran­zugelangen Doch der andere witterte Unrat unb tat begleichen.

Der Kommanbierenbe geht in Galopp über jener ebenfalls. Das Tempo verschärft sich deiber- seits, und nun beginnt eine wilde Jagd quer über bie Piazza dArmi, bas Veroneser Exerzierselb, welches ein Eisenbahnbamm seiner ganzen Länge nach burchschneidet.

War ber Ausreißer der gewandtere Reiter, so hatte dagegen ber General den Vorteil eines be­deutend schnelleren Pferdes. Er gewann Raum und

konnte bereits ben Augenblick berechnen, wo er jenen am Kragen halten würbe.

Da kommt, gerade wie sie ben Bahnbamm er­reichen, der Schnellzug VenedigMailand heran- gebrauft.

Der Verfolgte, zwischen zwei Feuer geraten, be­denkt nicht lang, gibt seinem Gaul bie Sporen unb setzt mit einem schneibigen Doppelsprung über bie Schranken.

Benebek war als mutiger Mann bekannt, doch er war General, bazu ein General in ben Sech­zigern Husarenstückerln solcher Art taugten daher nicht mehr für ihn. Also läßt er ben Kurierzug vor­über unb ber anbere ist außer Gefahr.

In ben nächsten Tagen führten alle Bemühungen, bie Person bes Verbrechers festzustellen, zu nichts. Er war unb blieb unauffindbar.

Da eines Abends, als er schon alle Hoffnung aufgegeben hatte erblickt Benedek beim Betreten des Offiziers-Kaffeehauses an der Piazza Brä (jetzt Piazza Vittorio Emanuele) direkt vor sich ein waagerecht in bie Luft ausgestrecktes Bein, bas Bein eines Billarbspielers, ber soeben mit vorgelegtem Oberkörper einen schwierigen Stoß ausführt.

Benebek sagte kein Wort. Aber als ber Betres- fenbe nach erfolgreichem Stoß ben Fuß roieber niederstellen will, konnte er es nicht nicht weil bas Bein in einer Hose steckte, bie prall unb knapp wie ein Trikot war, fonbern weil der Komman­dierende es am Knöchel festhielt.

Hab' ich ihn endlich! Hab' ich ben sauberen Vogel!"

Der Gehaschte mußte, immerfort festgehalten, seinem Vorgesetzten auf einem Fuße bis in bie Mitte bes Lokals nachtanzen, bis ihn biefer enblich freiließ.

Dann trat Benedek einen Schritt rückwärts, warf den Kopf in ben Nacken und fragte:

Sie! Auf Ehr' unb Gewissen! Waren Sie's oder waren Sie's net?"

Exzellenz zu Befehl ja!" stammelte der andere. »

Na, Ihr Glück, daß Sie's eingestehen. Denn wissen's: mir hätten's boch kein I für ein U vor­gemacht zwei solche Zahnstocher gibts in ganz Verona net! Jetzt fagen's selbst: Wohin gehören Sie für bie Frechheit, Ihren Kommanbierenben an ber Nase herumzuführen?"

In... Arrest... Exzellenz!"

Richtig! Auf wie lang?"

Auf... acht... Täg ..."

,Höher!"

... zehn... Tag..

Na, sagen wir: vierzehn Tage aber weil Sie ein ganzer Kerl finb unb Kurasch gezeigt

haben, so will ich Nachsicht walten lassen. Ihre Straf' soll sein, baß Sie morgen bei mir speisen unb meinen Herren haarklein bie ganze G'schicht' erzählen, wie sie sich zugetragen hat."

Der fliegende Fuchs.

Von allerlei wunberlichen fliegenben Tieren, wie er sie auf Jnsulinbe beobachtet hat, plaubert ber berühmte Tierkenner unb Tierfreunb Paul Eipper im Novemberheft von VeIhagen & Klasings Monatsheften. Er erzählt von fliegenben Fröschen, Eidechsen, Schlangen unb Säugetieren. Der größte unb geschickteste Flieger von allen ist jeboch ber bis zu anberthalb Meter tlafternbe Kalong. Er lebt auf den inbisch-malaiischen Inseln, in den llrroälbern unb Fruchthainen. Er ist nicht gerabe schön; Hals unb Kopf finb gelbrot, Bauch rostfarben, Rücken tiefbraun, bie Flatterhaut fast schwarz. Zu Hunderten unb Tausenben hängen diese Tiere an einem einzigen Baum, kopfabwärts, in ihre Flughaut eingewickelt, so baß man bei einiger Phantasie an mephistophelische Zwergteufel benten könnte, bie in ihre schwarzen Geistermäntel gehüllt umgekehrt unb von oben her bie Welt belauern. Zwar schlafen bie Flugfüchse meist unter Tag; aber sie schwirren, burch ein Geräusch auf­gescheucht, sofort scharenweise umher. Millionen von Flugfüchsen brängen sich zuweilen auf verhältnis­mäßig engem Raum zusammen. Weil sie sehr ge­fräßig finb, überfallgleich bie Fruchtgärten von Java heimsuchen, werben sie zur Lanbplage. Sir fressen nicht nur Feigen ober Mangos, sondern auch Insekten, kleine Wirbeltiere, ja selbst Fische in flachen Gewässern. Oft glaubt man, daß dunkle Vögel sich auf einem Teich nieberlaffen, mit ihren Krallenfüßen Fische packen unb zum nächsten Baum fliegen, bis man sieht, baß sich bie Räuber zum Verzehren ber Beute kopfabwärts aufhängen, bem3 nach Flugfüchse finb. Wenn sie auch aufcerorbentlid) viel Schaden anrichten, so sind sie für ben Menschen selbst ganz ungefährlich. Dennoch hat sich um sie ein Kranz oon ßegenben gebilbet; sie finb burchaus als Ungeheuer verschrien, sei es wegen ihrer nächt­lichen Lebensweise ober infolge bes knarrenden, kreischenden Geschreis und ber beträchtlichen Körper­größe. Jebenfalls sehen viele Menschen in den Flugfüchsen furchtbare Vampyre, Blutsauger, meu- chelrnörberische Harpyen, unb Eipper erinnert sich aus feiner Kinberzeit, baß auf ben Jahrmärkten in ben Menagerien Sübbeutschlanbs gegen Sonber- eintrittsgelb solch ein Teufelswesen gezeigt unb vom Ansager mit bumpfer Stimme in all feinen Scheuß­lichkeiten erklärt würbe.