Cs wurden dann die Gehalts- und Tan - tiemenzahlungen an Bredow erörtert. Bredow erklärte, er habe an Gehalt 28 500, später 22 000 und in den letzten Jahren nach Erhöhung seiner Bezüge auf ein Ministergehalt rund 30 000 Mark bezogen. Für seine Tätigkeit als Vorsitzender des Aufsichtsrats in neun örtlichen Sendegesellschaften und als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender in zwei weiteren Sendegesellschaften habe er dann noch weitere Tantiemen bezogen. Neben seinem Gehalt als Rundfunkkommissar hätten ihm jährlich 1 2 000 Mark als Dispositionsfonds zur Verfügung gestanden, aus dem er sämtliche Spesen zu tragen gehabt habe. Die einzelnen Bezüge von den einzelnen Gesellschaften könne er nicht genau angeben. Er könne nur sagen, von 1926 bis Ende 1932 habe er bei allen Gesellschaften zusammen e tro a 53000 Mark jährlich an Tantiemen und Aufwandsentschädigungen bezogen.
Der Buchsachverständige Donath sagte auf Befragen: Nach Prüfung aller Unterlagen der einzelnen Sendegesellschaften der RRG. und der Funkdienst-GmbH. hat Bredow insgesamt in den sieben Jahren seiner Tätigkeit ein Einkommen aus dem Rundfunk von 39 7 41 8 Mark bezogen. Den Dispositionsfonds habe Bredow voll in Anspruch genommen, aber nicht wesentlich über-
Oer Rücktritt des belgischen Kabinetts.
B r ü s s e l, 13. Nov. (DNB.) In der K a m m e r, die heute nachmittag zu einer neuen Tagung zusammentrat, hielt Ministerpräsident de Ba: o q u e - ville eine längere Rede, die mit der Erklärung schloß, daß das jetzige Kabinett das wirtschaftliche und finanzielle Wiederausbauprogramm, das es auf Grund der von der Kammer im Sommer bewilligten Sondervollmachten durchzuführen unternommen habe, nichtzuEnde führen könne, weil unter den Ministern in letzter Zeit Meinungsverschiedenheiten über die weitere Fortsetzung entstanden seien. Der Ministerpräsident erklärte, daß die beiden Minister ohne Amtsbereich, van Zeeland und Jngenbleek, bereits in der vorigen Woche ihm ihre Demission überreicht hätten. Unter diesen Umständen habe er sich entschlossen, dem König die Demission des Gesamtkabinetts zu überreichen. Nach der Rede des Ministerpräsidenten, die von der Kammer mit großer Teilnahmslosigkeit ausgenommen wurde, verließen die Minister geschlossen den Saal. Der Präsident der Kammer hob darauf die Sitzung auf.
Oer italiemsch-südsiawische Gegensatz.
Belgrad, 13. Nov. (DNB.) Wie bekanntgeworden war, hatten die nationalen Organisationen und Vereine in Agram am Montag die Absicht, vor dem italienischen Konsulat große Kundgebungen gegen den Abschluß des Vertrages von Rapallo zu veranstalten, der am 12. November 1920 zwischen Italien und Südslawien unterzeichnet wurde und durch den von feiten Südslawiens Fiume als Freistaat anerkannt werden mußte. Die Polizei war jedoch in Bereitschaft und erstickte die Kund
gebungen schon im Keime. Die Demonstranten zogen daraufhin vor das französische und das deutsche Konsulat, wo sie ihre Veranstaltung unter Hochrufen auf Deutschland und auf Frankreich und Schmährufen auf Italien abhielten. In politischen Kreisen erregt der Umstand, daß auch vor dem deutschen Konsulat Sympathiekundgebungen stattgefunden hatten, großes Aufsehen.
Das Marseiller Attentat vor dem Völkerbund?
Belgrad, 13. Nov. (DNB.) Zu der Unter- r e d u n g des französischen Gesandten in Belgrad, N a g g i a r, mit Außenminister Laval am Montag berichtet die „Prawda" aus Paris, daß Nag- giar dem Außenminister über die zwischen- staatlichen Folgen des Marseiller Königsmordes und über den Standpunkt Südslawiens unterrichtete. Das Blatt teilt ferner mit, daß Laval und der Belgrader Gesandte auch über die Art verhandelt hätten, wie der Marseiller Anschlag vor den Völkerbund zu bringen sei.
Sowjeischecksfür-iespanischen Aufständischen.
Madrid, 13. Nov. (DNB.) Bei Haussuchungen in Barcelona hat die Polizei Schriftstücke beschlagnahmt. Unter diesen befinden sich Scheckabschnitte, aus denen hervorgeht, daß die katalanischen Aufständischen bedeutende Geldunterstützungen aus der Sowjetunion bezogen haben.
Oie 2Rofc Armee lernt fremde Sprachen
Moskau, 14. Nov. (DNB.) Im Hause der Armee und Marine in Leningrad wurden besondere A u s b i l d u n g s k u r s e für Offiziere und Mannschaften zur Erlernung der deutschen, englischen und frai^ösischen Sprache eingerichtet. Das Oberkommando des Leningrader Militärbezirks hat Prämien für diejenigen Offiziere und Mannschaften zur Verfügung gestellt, die die drei fremden Sprachen in der kürzesten Zeit erlernen.
Aus aller Well.
Wegen fahrlässiger Tötung und Autoflucht verhaftet. Warnung an verantwortungslose Kraftfahrer.
Wie schon berichtet, ist dieser Tage der 22jährige Landwirt und SA.-Scharführer Karl Bauer aus Freckenfeld bei Schaidt in der Pfalz auf dem nächtlichen Heimweg von der Kirchweih von einem Auto überfahren und getötet worden, während seine Braut mit dem Schrecken davonkam. Der verantwortungslose Autofahrer, der, ohne sich um sein Opfer zu kümmern, daoongerast war, konnte jetzt in Karlsruhe ermittelt und fest genommen werden. Es handelt sich um einen gewissen Konrad Ringle aus Karlsruhe, der mit einem Geschäftsreisenden eine Fahrt nach Schaidt gemacht hatte. Er wird sich wegen fahrlässiger Tötung und A u t o f l u ch t zu verantworten haben.
Der unerwünschte Emigrant Kisch versucht vergeblich, in Australien zu landen.
Der aus Deutschland geflüchtete kommunistische Schriftsteller Egon Erwin Kisch, dem die australische Regierung verboten hatte, in Australien zu landen, machte den Versuch, von dem Dampfer, auf dem er zurückgehalten wird, an Land zu entkommen. Wenige Minuten, bevor der Dampfer abfahren sollte, sprang Kisch vom Deck auf den Kai, verstauchte sich aber auf den Eisenbahnschienen den Fuß und wurde sofort wieder von der Polizei f e st- genommen. Kisch behauptete, man könne ihn nicht wieder an Bord zurückbringen, denn er sei auf dem Land verhaftet worden und stehe daher unter Landgerichtsbarkeit. Trotzdem wurde Kisch ohne Federlesens an Bord des Dampfers zurückgebracht, der kurz darauf abfuhr. In einem Schreiben des australischen Innenministeriums wird betont, daß nach Mitteilungen aus anderen Dominions Kisch als „unerwünschter Einwohner und Besucher Australiens" anzusehen ist.
Hinrichtung eines Raubmörders.
Am 13. November 1934 ist der am 2. Oktober 1911 geborene Joseph Knospe in Oels (Schlesien)
h i n g e r i ch t e t worden. Knospe war vom Schwurgericht in Oels wegen Raubmordes an der Kolonialwarenhändlerin Else Weinert in Frey- Hain zum Tode verurteilt worden. Der preußische Ministerpräsident hat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, da der Verurteilte, der wiederholt, darunter wegen schweren Raubes vorbestraft ist, sein Opfer, das ihm früher sogar Wohltaten erwiesen hatte, in rohester Weise zu Tode gemartert hat.
England im Rebel.
Große Teile von England und Schottland waren am Dienstag in dichte Nebelmassen gehüllt. In den Midlands fanden vier Personen infolge des unsichtigen Wetters den Tod, davon zwei bei Kraftwagenunfällen. Die beiden anderen waren Eisenbahnbeamte, die das Herannahen eines Zuges nicht bemerkten und über fahren wurden. In einem Ort in Northamptonfhire, wo der Nebel die Eisenbahnschienen schlüpfrig gemacht hatte, setzten sich 20 Eisenbahnwagen in Bewegung und entgleisten. Der Verkehr war einige Heit gestört. Auf der Höhe von Lowestoft ereigneten sich nicht weniger als sechs Zusammenstöße von Fischdampfern, doch wurde nur Sachschaden angerichtet. Der Eisenbahn- und Schiffahrtsverkehr war in verschiedenen Teilen des Landes behindert.
Türkisches Lastauto verunglückt. — Sechs Tote, zwei Verwundete.
Am Ufer eines Flusses be-i Trapezunt (Türkei) stürzte ein Lastkraftwagen aus 40 Meter Höhe ab. Don den Insassen, sieben Frauen, wurden fünf g e° tötet und zwei verwundet. Auch der Fahrer hat den Tod gefunden.
Der „mechanische Sarg". — Lin neues Kriegsgerät.
Der englische Oberstleutnant M a r t a l hat ein neues Kriegsgerät erfunden, dem man den unheimlichen Namen „mechanischer Sarg" gegeben hat. Es handelt sich um ein Raupenfahrzeug von 90 Zentimeter Breite und etwas mehr
als zwel Meter Lange, das mit einem 4-?8-Motok angetrieben wird und einem erwachsenen Mann gerade bis ansKnie reicht. An der Stirnseite trägt dieser Miniaturtank ein Maschinengewehr. Das neue Kriegsfahrzeug, das naturgemäß ein nur sehr qc» ringes Ziel bietet, ist zwar vorläufig auf seine Lei» stungsfähigkeit hin noch nicht genügend geprüft worden, doch verspricht man sich in militärischen Kreisen sehr viel von dieser Erfindung.
Zusammenstoß zweier Dampfer im Golf von Mexiko. 17 Menschen ertrunken.
Zwei Vergnügungsdampfer, die Ausflügler be. förderten, sind infolge eines heftigen Sturmes auf der Höhe der Carnen-Jnseln an der Küste des Staates Campeche im Golf von Mexiko zusam- mengestoßen. 17 Menschen, unter ihnen auch Frauen und Kinder, sind ertrunken. Unter den Todesopfern befindet sich auch der berühmte mexi- konische Stierkämpfer Luis y r eg.
Kunst und Wissenschaft.
Der Komponist Max Burkhardt f-
Der Dirigent und Komponist Dr. Max Burk» Hardt ist in Berlin, 63 Jahre alt, gestorben. Burkhardt, der früher als Kapellmeister in Leipzig und Köln gewirkt hatte, kam 1906 nach Berlin, wo er 1916 die nach ihm benannte Chor-Vereinigung gründete, aus der sich später die Max-Burkhardt- Gemeinde herauskristallisierte. Als früher Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung hatte Burkhardt mit wachsenden Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers richtete er seinen Chor als „NS.-Chor" wieder auf. Als Komponist hat Burkhardt einige Opern, sinfonische Werke und Lieder veröffentlicht.
Wettervoraussage.
Auch heute fetzt sich rings um Deutschland noch verbreitete und erhebliche Niederschlagstätigkeit fort, die besonders starkes Ausmaß wieder über Ober- Italien angenommen hat. Gleichzeitig steigt über fast ganz Europa der Luftdruck an, und zwar besonders kräftig im Südosten, so daß wir auch weiterhin nur durch flache Tiefausläufer des westlichen Tiefdruckgebietes berührt werden.
Aussichten für Donnerstag: Vielfach neblig und nur «selten aufheiternd, immer noch vereinzelte Niederschläge, Temperaturen wenig geändert, nachts vereinzelt leichter Frost, veränderliche Winde.
Lufttemperaturen am 13. November: mittags 6,1 Grad Celsius, abends 2,6 Grad; am 14. November: morgens 1,4 Grad. Maximum 7,1 Grad, Minimum 1,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. November: abends 5,2 Grad; am 14. November: morgens 4,4 Grad Celsius. — Niederschläge 0,2 mm.
Haupkschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. V.: Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriat, für den übrigen Teil Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. X. 34: 10 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei
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