gleich schaffen können, Gelegenheit geben, darüber zu befinden. So habe ich es beispielsweise als Unrecht empfunden, daß man Männer nach den Bestimmungen der für normale Zeiten geschaffenen Ge- setze be- und verurteilte, die in den'ersten Monaten nach der Machtübernahme aus ehrlichem kämpfe- risschen Wollen für die nationalsozialistische Revolution gegen die bestehenden Gesetze verstoßen hatten. Revolution bedeutet Kampf, und revolutionärer Kampf führt bisweilen aus Notwendigkeiten heraus zu Ungesetzlichkeiten. Kein Volk der Erde kann über uns richten, weil im Laufe dieses Ringens hier und da auch einiges geschehen ist, was in ruhigen Zeiten nicht vorgekomm^p wäre. Revolutionen waren bei anderen Völkern ungezügelt und regellos. Die nationalsozialistische Revolution hat sich in unerhörter Disziplin und Gesetzlichkeit vollzogen. Es erschien mir daher widersinnig und dem Gebote einer wahren Gerechtigkeit widersprechend, diejenigen, die sich in selbstloser Hingabe für die Sache hatten hineinreißen lassen, unter Hinweis auf diese auch von ihnen nicht ermöglichte Gesetzlichkeit der Revo- lution zu bestrafen.
Der Führer hat den Zustand der Revolution inzwischen für beendet erklärt. Vir haben uns in die Zeit geordneten Neuaufbaues durchgekämpft. Der Führer hat in feinem Amnestie- gefeh vom 7. August 1934 noch einmal in hochherzigster Weise Gnade geübt. Wer sich jetzt gegen die Gesetze des Staates vergeht, handelt gegen den Willen des Führers, handelt gegen die Bewegung, gegen den Staatsgedanken und gegen unsere Weltanschauung. Er verläßt damit die heilige Treuepflicht gegenüber dem Führer; denn die Treue der Gefolgschaft heißt Gehorsam. Er handelt damit auch gegen die Volksgemeinschaft, die vom Geiste und Willen des Führers erfüllt und getragen wird. Das gilt für jeden, aber auch jeden Volksgenossen.
Wir alten Nationalsozialisten haben im Kampfe, haben in den langen Jahren der Kampfzeit von unserem Führer gelernt, selbstlos der Sache zu dienen und selbstlos und uneigennützig nur einem uns tätig hinzugeben, der großen, heiligen Liebe zum deuschen Volke, zur deutschen Volksgemeinschaft. Wir haben nicht gekämpft, um Vorteile vor anderen zu erlangen. Hätten wir das getan, so verdienten wir nicht den Namen ehrlicher Kämpfer, so verdienten wir nicht die Achtung vor uns und unserem Kampf, die wir heute fordern können und fordern. Für uns gilt weiter in unserem Kampf das große Gesetz des Führers!
„Alles um des Volkes willen tun, in allem nur an das Volk und feine Gemeinschaft denken!"
Wohin es führt, wenn wir dieses Gesetz vergessen, das haben uns die Ereignisse, die wir in der Mitte dieses Jahres erleben mußten, mit erschütternder Deutlichkeit gezeigt. Die harte und entschlossene Tat des Führers war auch deshalb erforderlich, um eine Zerstörung der Rechtssicherheitzuvermeiden und damit die bedrohte Volksgemeinschaft zu retten. Wie ist diese vielleicht größte Rechtstat vom Ausland mißverstanden worden! Wie hat man zu erklären versucht, hier habe Willkür geherrscht, hier sei ohne ordentliche Gerichte verurteilt worden und ähnliches mehr. Meine Herren, für das deutsche Volk ist das erledigt durch das Wort des Richters in dieser Stunde, des Führers, der erklärt hat: In dieser Stunde der höchsten Gefahr sei er allein der vom Volke gewählte Führer, oberster und alleiniger Gerichtsherr der deutschen Nation.
Das Aufalmen des ganzen Volkes, seine Zustimmung, feine dem Führer bezeugte glühende Begeisterung in jenen Tagen, sprachen ein beredteres Zeugnis für das Rechtsempfinden des Volkes, als alle anderen Dinge je vermocht hätten.
Darum bitte ich auch hier noch einmal die Herren Richter und Staatsanwälte, gerade die heutige Lage mit einem besonderen Takt zu behandeln. Sie haben eine sehr wichtige, eine unerhört notwendige, aber auch sehr diffizile Aufgabe. Noch denken wir alle zunächst an die jahrelange leidenschaftliche Kampfzeit gegen einen Staat, den wir gestürzt haben und dessen Gesetze wir nicht anerkennen konnten. Aus diesem Grunde hämmert und schlägt noch in zahllosen unserer Kämpfer das Gefühl, daß ihnen Unrecht widerfährt von dem damaligen Staat, durch den Mund der damaligen Richter, die auch heute noch im Amte sind. Sie mögen sich nur einmal in die Seele dieser kleinen Kämpfer hineinversetzen und mögen daraus erkennen, was für eine unerhört wichtige Aufgabe Sie heute zum Zusammenhalten der Volksgemeinschaft haben.
Sie müssen auf der einen Seite das unerbittliche Recht sprechen lassen, auf der anderen Seife darf die Ihnen durch unsere Auloriläl gegebene Wachlslellung nicht mißbraucht werden, um, wie es bei Richtern, die innerlich die Volksgemeinschaft des nationalsozialistischen Staates nicht anerkennen wollen, vorgekommen ist, die schwersten härten des Gesetzes in Sonderheit gegen Rationalsozialiften sprechen zu lassen. (Lebhafter Beifall.)
Viele Arbeit von uns im Aufbau des Staates, viel Reden und Predigen von uns, um das Rechtsempfinden im Volke zu stärken und um das Recht rote» iber in feine alte Sicherheit einzuführen, wird zerstört, wenn der einzelne fühlt: die Strafe gegen dich fällt nach dem härtesten Strafmaß aus, nicht um der Tat willen, die du getan hast, sondern weil du Nationalsozialist bist; man will nicht dich, man will die Bewegung treffen. Ja, da muß ich sagen, da zündet man einen gefährlichen Funken an, und wenn ich das Empfinden haben muß, daß das mit Absicht geschieht, dann sage ich weiter: Das grenzt auch an Verrat. Wenn erst in das Empfinden des Volksgenossen das Gefühl kommt, daß seine Führer ihn verlassen und verraten hoben, daß er, wie in früheren Zeiten, unter einem Brüning und Grvener deshalb erneut und erschwert verfolgt wird, weil er Nationalsozialist ist, dann hat das selbstverständlich mit Recht nichts mehr zu tun, und mag zehnmal die äußere paragraphenmäßige Form hier Recht haben, mag zehnmal der Richter sagen: Gesetzmäßig bin ich gezwungen, die Höchststrafe auszusprechen, wenn jeder das Empfinden hat, daß dioses Recht ein Fauftschlag ins Gesicht des wahren Rechtsempfindens des Volkes ist. (Lebhafter Beifall.) Hier muß ich betonen:
Gerade bei den Richtern und Slaalsanwällen liegt es, Hand in Hand mit uns die neue Rechtssicherheit aufzubauen, von allen Seiten, aber im nationalsozialistischen Geist, der Der- föhnendes in sich trägt.
Volksgemeinschaft, meine Herren, verlangt Selbstlosgkeit; sie verlangt aber auch Vertrauen und hilfsbereites Verstehen jedes einzelnen gegenüber den Volksgenossen. Falsche Milde, falsche Humanität sorgen nur dafür, Rechtsbegriffe und Rechtssicherheit zu untergraben, zu unterwühlen, zu zerstören. Falsche Milde hat zu allen Zeiten die Rechtssicherheit zerstört und den Staat selbst untergraben. (Lebhafter Beifall.) Entspricht es dem Rechtsempfinden, der Rechtssicherheit, wenn Raubmörder dem Steuerzahler noch weiter zur Last fallen sollen, wenn sie — gänzlich unsinnig, da sie ja doch nicht wieder in die Volksgemeinschaft eintreten können — nun ewig hinter Gittern leben sollen? Hier ist die Milde falsch verstanden? Hier ist die wahre Milde die, jene Elemente zu schützen, die von ihnen angegriffen waren.
Ich habe daher vom ersten Tage an rücksichtslosen Kampf und Vernichtung allen denen angesagt, die aus Selbstsucht und asozialem Treiben die Gemeinschaft und ihre Glieder gefährden und stören. Ich habe grundsätzlich dort die Begnadigung verweigert, wo Menschenblut vergossen war, wo gemordet worden war.
Und der Erfolg? Sehen Sie sich die Statistik durch, vergleichen Sie einmal die Raubmorde vor unserer Machtergreifung und danach, — und Sie werden erkennen können, daß in einem Monat im Jahre 1932 allein in Berlin mehr Raubmorde geschehen waren, als im ganzen Jahre 1933 im gesamten Preußen. Ich meine, das spricht eine deutliche Sprache.
Wir Nationalsozialisten haben kein Verständnis für überspitzte Rechtstüfteleien. Wir lehnen es ab, jedem Querulanten und Denunzianten die Möglichkeit zu ungetrübtem Ausleben feiner lästigen und gefährlichen Neigungen zu geben. Wir bezeichnen es nicht als Rechtssicherheit, wenn der Staat feine Organe und feine Machtmittel denen treulich zur Verfügung stellt, die unter diesem Recht ihn und feine Zwecke bekämpfen wollen. Das ist für uns jedenfalls nicht Rechtssicherheit, sondern Verbrechen am Volk und seiner Gemeinschaft.
Wir wollen alles hin, am dieser Gemeinschaft zu dienen, um jedem Volksgenossen Lebens- raum, Lebenssicherheit, Lebensfreiheit und damit Lebens- und Berufsfreude zu gewährleisten und ihm fo die Möglichkeit garantieren, als Teil der Gemeinschaft zu leben und zu wirken. Das ist das Rechtsbewußtsein, wie es in der liefe des deutschen Menschen stets gelebt hat. Das ist die Rechtssicherheit, die wir als Grundlage der Volksgemeinschaft anerkennen und verstehen. Und diese Rechtssicherheit müssen und werden wir erneut stärken und stabilisieren für jedermann und gegen jedermann.
Im Kampfe gegen falsches Recht und Rechtlosigkeit hat Adolf Hitler das Dritte Reich geschaffen. Sorge jeder an feinem Platze, auf den ihn der Führer gestellt hat, dafür, daß es in die Geschichte des Reiches als das Reich der Gerechtigkeit eingeht mit dem altpreußischem Grundsatz: suum cuique — Jedem das Seine! (Lebhafter Beifall.)
Nachdem Ministerpräsident Göring seine Rede beendet hatte, wandte sich der Präsident der Akademie für deutsches Recht, RejchsjuWommlffar Dr. Frank an den Ministerpräsidenten mit folgenden Worten: Parteigenosse Göring! Sie haben durch Ihre Ausführungen der Akademie für deutsches Recht den nationalsozialistischen deutschen Juristen, der gesamten deutschen Rechtsfront des Dritten Reiches eine Parole gegeben, an die wir uns kameradschaftlich halten werden. Seien Sie überzeugt, daß Ihr flammender Aufruf zum Rechtsbewußtsein und zum Rechtsgewissen im Dritten Reich in uns leidenschaftlichen Widerhall findet und daß wir nur eine Sehnsucht haben, die große nationalsozialistische Idee, die Sie uns heute hier vorgetragen haben, endlich auch in der deutschen Justiz verwirklichen zu können.
Dr. Frank schloß die Vollsitzung mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Sieg-Heil auf den Führer, der unserem Volk ewiges Recht in Frieden und Freiheit erkämpfen werde.
Deuffchlan- tvünschi ruhige Saar-Abstimmung! Störenfriede sind nur die deutschfeindlichen Hetzer.
Wir wollen zahlen, laßk uns zahlen mH dem, was Deutschland leisten kann, mit Waren und Diensten. Aber Waren von Deutschland ab- lehnen und gleichzeitig Bezahlung von Deutsch, land zu fordern, das ist ei» wirtschaftlicher
Irrsinn, und ist nicht durchführbar.
Ich hoffe, daß wir schließlich doch einmal mit diesen ganz selbstverständlichen und gcyiz klaren Be. weisgründen Gehör finden werden.
Vorläufig bleibt uns nichts weiter übrig, als deg bisherigen Weg zu gehen; jeden Versuch zu machen, unsere Ausfuhr zu fördern, aber auch unsere Ein. fuhr aus dem Auslande einzufchränken. Dabei bat der Minister ein Wort nicht anzuwenden, das er Haffe, das.Wort: Ersatzstoffe. Was wir selbst erzeugen, sind nicht Ersatzstoffe. Ebensowenig wie der Rübenzucker kein Ersatzstoff war für den Rohrzucker.
Der neue Devisenplan wird zweifellos Schwierigkeiten bereiten, niemals aber fühlbaren Mangel bringen, wenn nicht das deutsche Volk selbst die Heroen verliert und durch ungerechtfertigte Hamsterei Schäden herbeiführt, zu denen kein Anlaß vorliegt. Hamsterei würde nur zur
Preistreiberei führen.
Daß die Regierung jeder Preistreiberei scharf entgegentrit, hat sie durch die (Ernennung Dr. Goerdelers zum Preiskommissar und durch dessen Sofortmaßnahmen bewiesen. Alle diese Finanz- und Wirtschaftsmaßnahmen der Regierung bedeuten nicht das Ende der freien Wirtschaft. Der Staat schreibt nicht jedem betrieb die Einzelheiten seines Handelns vor, sondern er gibt nur die Richtlinien, mit denen er die Wirtschaft lenkt und leitet, um aus der marxistischen Entstellung der Begriffe von der Ehre der Arbeit und der Ehre d-es Handelns herauszukommen. Stürmischen Beifall fand der Minister, als er erklärte:
Der königliche Kaufmann war in dem Augenblick verschwunden, als über dem Hauptbuch nicht mehr stand: „Mit Gott". Falsch wie der ganze Marxismus war auch sein Glaube an ein
Primat der Wirtschaft vor der Politik.
Mit dieser Lehre machte der Staat selbst der Wirtschaft Konkurrenz. Je stärker ein Staat ist, um fo weniger hat er es nötig, selbst Wirtschaft zu treiben. Darum ist unser Staatsziel: Ein starker, ehrbarer Staat, und in der Hut dieses Staates eine freie ehrbare Wirtschaft.
Kein Empfang
des russischen Botschafters beim Führer.
Saarbrücken, 13. Nov. (DNB.) Die Ab- st i m m u n g s f o m m i f f i o n hat am Dienstag eine Bekanntmachung erlassen, in der sie hervor- hebt, daß es hinsichtlich der Abstimmung drei v o l l k o m m^ n gleichberechtigte Parteien gebe, oon Denen keine als bevorzugt und ebensowenig als minderwertig anzusehen sei. Zu ihrem großen Bedauern habe die Kommission jedoch eststellen müssen, daß in politischen Versammlun- ;en, sowie in der Presse leider die eine ober andere Der genannten Parteien in ihrer Gleichberechtigung angegriffen worden fei. In einzelnen Fällen fei man auch gegen politische Gegner mit so viel Druck und Drohungen vorgegangen, daß es berechtigt scheine, von politischem Terror zu sprechen. Die Kommission sieht sich gezwungen, in Zukunft eine solche Haltung, die nach der geltenden Gesetzgebung unzulässig ist, dem zuständigen Staatsanwalt zur Kenntnis zu bringen.
Zu diesem Erlaß der Abstimmungskommission ist darauf hinzuweisen, daß deutscherseits immer wieder der Wunsch laut geworden ist, den Abstimmungskampf in ruhigster und gemäßigster Form abzuwickeln, da in der faardeutschen Bevölkerung weder die Neigung, noch die Veranlas- ung besteht, den Kampf um die gesicherte deutsche Abstimmung mit unnötiger Schärfe zu betreiben. Durch die von der Regierungskommission wider- pruchslos geduldete Einmischung landfrem- ) e r und nicht abstimmungsberechtig- ter Elemente wurde der Abstimmungskampf erst in ein Stadium gebracht, das die Abstim- mungsfommiffion zu vorstehender Warnung veran
lassen konnte. Es sei hier nur auf das unverantwortliche Treiben der Marley-Kommifsion hingewiesen, die wochenlang im Sinne ihrer separatistischen Geldgeber im Saargebiet ihr Unwesen trieb und in der Welt einen Verleum - dungsfeldzug gegen die deutsche Sache an der Saar entfesselte. Eine Beruhigung im Abstimmungskampf an der Saar würde sofort eintreten, wenn man sich endlich zu einer Entfernung der ohne jede innere Berechtigung in die saardeutsche Abstimmung eingreifenden Emigran- t e n entschließen würde. Damit würde der Verwirklichung des Wunsches der Abstimmungskommis- sion auf eine reibungslose Abwicklung des Abstimmungskampfes am wirksamsten Rechnung getragen werden.
Zahlreiche englische Bewerber für die Saarpolizei.
London, 13. Nov. (DNB.) Im Kriegsamt sprach am Freitag eine größere Anzahl von B e - werbern für die Saarpolizeitruppe vor. Die zunehmende Zahl dieser Bewerber gegenüber der Vorwoche ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Saarpolizeifrage in der letzten Zeit von der gesamten Presse eingehend besprochen worden ist. Während der letzten zwei Tage haben etwa 15 0 Männer, größtenteils ehemalige aktive Offiziere, im Kriegsamt und viele haben zum selben Zweck im Auswärtigen Amt vorgesprochen. Wenige Bewerber besaßen jedoch die notwendige Eignung, die vor allem in guter Kenntnis der deutschen und französischen Sprache besteht.
Oeffentliche Finanzen und Wirtschaft.
Eine Rede des Reichsfinanzministers. — Das Ziel: ein starker, ehrbarer Staat
Berlin, 13. Nov. (DNB.) Die Mitteilungen ausländischer Zeitungen, denen zufolge der russische Botschafter vom Führer und Reichskanzler letzthin erneut empfangen worden fei, treffen, wie wir auf unsere Erkundigung oon unterrichteter Seite erfahren, nicht zu.
Oer Stellvertreter desFührers gegen Byzantinismus.
Berlin, 13. Nov. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers hat folgende Verfügung erlassen:
„Zu meinem größten Befremden finde ich in der Presse immer wieder Aufforderungen zum Flaggen und byzantinische Begrüßungsartikel gelegentlich der Anwesenheit ober Durchfahrt führender Parteigenossen — im eigenen Gebiet ober in Parteizeitungen bes eigenen Bereichs__
sowie geschmacklose ©eburtstagsarti- kel, bie bie verherrlichten Führer, bamit aber aud) die Bewegung an sich lächerlich machen und mit der für Nationalsozialisten gebotenen Zurückhaltung keinesfalls zu vereinbaren find. Das Ansehen füh» render Parteigenossen kann in den Augen der Partei- und Volksgenossen nur durch ßeiftung gehoben werden und durch das Vertrauen, das sie sich durch Taten und in persönlichem Verkehr zu erwerben verstehen. Ich verbiete hiermit Ich/- malig jede Beweihräucherung, ihre Ver- a n l a [ f u n g ober Dulbung in der Presse ober sonstigen Oeffentlichkeit unb werbe in Zukunft un- nachsichtlich bie jeweils Schulbigen ohne Rücksicht auf ihre ftüheren Verbienste ihrer Aemter entheben."
Der Landesstettenleiter auch Landeskulturwalter.
und eine freie ehrbare Wirtschaft.
DNB. Aachen, 13. Nov. In Aachen sprach am Montagabenb ber Reichsminister ber Finanzen, Graf Schwerin von Krosigk, über „Oeffentliche Finanzen und Wirtschaft". Er erinnerte an die Scheinkonjunktur, die mit Hilfe der Auslandskredite erzeugt wurde, und an den großen Fehler, daraus nicht die Reserve zu schaffen für die Krifenzeit, die unvermeidlich in dem Augenblick kommen mußte, in dem die Kredite nicht mehr floffen. Die dann folgende Drosselung der Ausgaben verringerte nicht nur alle Einnahmen, sondern erhöhte auch die Ausgaben für die Arbeitslosigkeit unb schädigte die Steuermoral.
Die erste Wende dieser Politik kam Ende Januar 1933, als man die Sicherung des Haushaltes aufbaute auf das Vertrauen des Volkes, praktisch geschah das durch Vermehrung und Verstärkung der öffentlichen Aufträge einerseits und den Anreiz zur Vermehrung der Privataufträge andererseits. Auch das zusätzliche Arbeitsbeschaffungsprogramm war nicht eine künstliche, sondern eine echte Arbeitsbeschaffung, weil es gleichzeitig der Wirtschaft Anstoß zur Initiative gab.
Mit Nachdruck wies ber Minister auf die Notwendigkeit hin, bie Arbeiterschaft, die am stärksten den Wirkungen von Krisen ausgesetzt sei, durch (Sieb(ung frifenfeft zu machen. Für bie Belebung ber privaten Initiative nannte der Minister zahlreiche Beispiele, u. a. bie Steuererleichterungen unb bie Ehestandshilfe. Hier sei eine sehr dringlich gewordene Bevölke- rungspolitik durchgeführt worden, weil unser Volk im Begriff stand, zu fterben. Wirtschaftlich war es einer ber unfaßbarsten Irrtümer der Nachkriegsjahre, zu glauben, die Arbeitslosigkeit könne durch Verminderung ber Kinderzahl bekämpft werben. Wenn bas neue Einkommensteuer-Gesetz nicht überall volle Zufriedenheit hervorgerufen habe, so sei bas zu verstehen, aber jede Steuersenkung habe ihre Grenzen. Hier liege die Grenze in der Vorbelastung der kommenden Jahre burch bie Rückzcchl ber Kredite, bie zur Finanzierung
der zusätzlichen Arbeitsbeschaffung ausgenommen worden sind.
Die oft gestellte Frage, woher das Geld für bie Finanzierung der Arbeitsbeschaffung genommen wurde, beantwortete der Minister dahin, daß es in Wechseln von den Sparkassen und Banken, u. a. auch von der Reichsbank, gegeben worden sei. Die Einlösung dieser Wechsel belaste zwar die kommenden Jahre, aber abgesehen davon, daß im Jahre 1933 gar keine andere Wahl gegeben war, sei es eine einfache Rechnung, zu beweisen, daß die Rückzahlung der Wechsel durch die Ersparnisse aus Aufwendungen für Arbeitslosenhilfe und Steuermehreinnahmen aus der Wirtschaftsbelebung gesichert sei.
Auf dem Gebiet der F i n a n zw i r t f ch a f t roer» v ^ir beftimmt nicht pleite gehen, erklärte der Minister, machte aber auf Gefahrenherde aufmerksam. Alte Weiber beiderlei Geschlechts machten aus einer leicht verständlichen Knappheit die lieber» treibung eines Mangels. Es fei ganz selbstverständlich, daß die Deckung des neugeweckten Mehrbedarfs auch eine vermehrte Einfuhr von Rohstoffen erfordere. Die Devisenschwierigkeiten seien eine Folge des Versailler Diktats.
Deutschland, das industrieintensivste Land der Welt, sei durch das Versailler Diktat das roh- stosfärmste und damit kapitalärmste Land geworden. Das sei etwas, was es sonst in der Dell nicht gebe.
Stets seien die großen Industrieländer Gläubiger gewesen und hatten Kredite an die Rohstoffländer gegeben, die damit ihre Rohstoffe bezahlten. Nachdem uns unsere Rohstoffgebiete genommen worden feien, wir also mehr noch als früher Rohstoffe kaufen und mit Devisen bezahlen müßten, sollten wir auch politische Schulden bezahlen. Das Ausland, das wohl wisse, daß eine solche Bezah- lung nur durch Ware möglich sei, verweigere die Abnahme dieser Waren. Das sei widersinnig. Wir haben stets unseren Gläubigern gesagt:
DNB. Berlin, 13. Nov. Im Zuge der Vereinheitlichung von Partei und Staat muß erreicht werden, daß die gleichen Aufgaben in der Partei und im Staate im allgemeinen auch von den gleichen Personen verwaltet werden. Die Gaupropagandaleiter in der Partei find demgemäß auch die Leiter der Landes- ft e llen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. In Verfolg dieser Regelung müssen auch die Reichskulturkammern der Einheit von Partei und Staat eingegliedert werden. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat deshalb angeordnet, daß die ßanbesfteHenleiter und Gaupropagandaleiter von jetzt ab auch die Aufsicht über bie Arbeit der Reichs kultur- fammern in ihrem Gebiet als ßanbes- kulturwalter ausüben. Die Einzelkammern und ihre ßndesverbände sind angewiesen, ihre Gebietsgliederunaen und Organisationen im Reiche denjenigen der Landesstellen und Gaupropagandastellen anzupassen und zu unterstellen. Bei der personellen Besetzung dieser Stellen haben die Gav leiter Vorschlags- und Einspruchsrecht. Die Ernew nung erfolgt dann durch die Präsidenten der KaM' mern. Richtlinien für die Durchführung dieser Anordnung im einzelnen werden in Kürze ergehen.
Oer Londoner Besuch von Ribbentrops.
ß o n b o n, 13. Nov. (DNB.) Herr v. Ribbentrop wurde heute vormittag im Auswärtigen Amt von Staatssekretär Sir John Simon empfangen, der bei dem gestrigen Besuch Herrn v. Ribbentrops nicht hatte anwesend fein können.
Der Besuch Dauerte etwa 45 Minuten. Beim Verlassen des Auswärtigen Amtes erklärte Herr v. R ib b e n t r o p , er habe über den Gegenstand seiner Unterredung keinerlei Mitteilung zu macken.
Auch in britischen amtlichen Kreisen werden nunmehr die Vermutungen, daß Herr v. Ribbentrop nach ßonbon gekommen fei, um die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund nach seiner Befreiung von den Abrüstungsbeftimmungen des Versailler Vertrages zu erörtern, in Abrede gestellt.


