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Bernkastler Doktor.

Eine Sage von der Mosel.

Der Erzbischof Bohemund von Trier wurde von einem bösen Fieber heimgesucht, das keinem Heil­mittel weichen wollte. Da zog er sich auf seine Burg Bernkastel an der Mosel zurück, denn er meinte, daß er in der Einsamkeit und fern von den Amts­geschäften vielleicht Genesung finden könne. Aber auch hier verließ ihn die Krankheit nicht, und er wurde immer schwächer. Da befahl er, daß man jeden vor ihn lassen sollte, der da käme, um ihm ein Heilmittel zu bringen, ließ auch bekannt machen, daß, wer da glaube, das böse Fieber bannen zu können, einer großen Belohnung sicher wäre.

Es kam aber bald niemand mehr, denn wo die klügsten Aerzte der Zeit schon alles versucht und nichts auszurichten vermocht hatten, wie sollte da ein anderer helfen können? Schon begann der Bi­schof alle Hoffnung, daß er, jemals von seinem schlimmen liebel befreit werden würde, aufzugeben, da sollte ihm endlich doch noch Hilfe kommen.

Im Hunsrück lebte ein alter, tapferer Rittersmann, der nach einer kampfreichen Jugend und nach vielen Kämpfen und Kampfspielen seiner Mannesjahre den Rest seiner Tage still auf seiner Burg verbrachte und zwar vornehmlich im Weinkeller. Auch dieser alte Ritter hörte von dem Erzbischof, der auf seiner Burg Bernkastel saß und nicht recht leben und ster­ben könne, weil ihm kein Arzt das böse Fieber vertreiben könne, und daß er jeden zu ihm zu lassen befohlen habe, der ein Heilmittel dagegen wüßte.

Der alte, gemütliche und lustige Herr saß gerade vor einem Faß voll auserlesenem Bernkastler Wein, als ein Diener ihm die Neuigkeiten von dem ihm wohlbekannten Bischof brachte.

Soll mir Gott!" rief er hocherfreut.Seine erz- bischöfliche Gnaden hat den Nagel in der Faust und weiß nicht, wo er ihn hinschlagen soll! Hat man je ein köstlicheres Gewächs in die Kehle ge­gossen, als diesen Bernkastler? Das ist der wahre Doktor, und der Teufel soll mich holen, wenn ich nicht unfern guten Bischof, der mir in der Spohn- Heimer Fehde das Leben gerettet hat, damit kurie­ren kann!"

Alsobald machte er sich auf, packte nicht ohne stille Wehmut sein noch halbgefülltes Faß auf einen Wagen und fuhr nach Bernkastler Burg. Unten an­gekommen, lud er das Faß auf seine starken Schul­tern und stieg den Berg hinein. Hier machte aber nicht nur der Turmwächter, sondern auch die Die­nerschaft Schwierigkeiten, den in so sonderbarem Aufzuge ankommenden Mann einzulassen.

Was soll das heißen, ihr Flegel?" schnob er sie an.Habt ihr nicht strengsten Befehl, jeden einzu- lassen, der eurem armen Herrn ein Heilmittel gegen sein böses Fieber bringt?"

Das war ja nun freilich etwas anderes, sie muß­ten gehen und melden, daß ein Mann da sei, der ein Heilmittel bringe.

Trübe saß der kranke Erzbischof in seinem Zim­mer in einem hohen Lehnstuhl hinter einem Tisch, der zur Hälfte mit Gläsern und Flaschen besetzt, zur anderen Hälfte aber leer war, und ließ sich von der Sonne, welche freundlich durch das Fenster strahlte, bescheinen. Nicht wenig erstaunt aber fuhr er empor, als er den ihm wohlbekannten Ritter mit einem Faß auf den Schultern bei sich eintreten sah. Er glaubte nicht anders, als daß es auf einen lustigen Schwank des alten, lustigen Herrn abge­sehen sei; denn daß der ihm ein Heilmittel bringen könnte, hielt er für kiusgeschlossen.

Gott zum Gruß, Herr Ritter! Was bringt §hr mir da Schönes?"

Keuchend fetzte der Alte feine Last, die ihm gar nicht leicht geworden war, auf den leeren Teil bes Tisches ab, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte:Gott zum Gruß und Euch, Herr Erz­bischof! Ich habe vernommen, Ihr läget an einem üblen Gebrechen darnieder und kein Doktor könne Euch helfen. Da bin ich denn als rechtschaffener Lehnsmann des erzbischöflichen Stuhles gekommen, um Euch wieder auf die Beine zu bringen."

Da seid Ihr mir recht willkommen", antwortete der Erzbischof,wenn Ihr einen Rat wißt, so gebt ihn mir ohne Zögern an."

Bei unserer Lieben Frauen!" rief der Ritter, »ich kann Euch helfen! Hier liegt der Hase im Pfeffer!"

Der Kranke erhob sich gar erstaunt, deutete zwei­felnd auf den ziemlich umfangreichen Behälter und meinte:Träumt Ihr, Herr Ritter? Dies Faß?"

Nichts weniger als dieses Faß, Herr Erzbischof. Es enthalt aber allein das wahre Lebenselixier. Jaat Eure Quacksalber getrost zur Burg hinaus; gießt ihnen ihre höllischen Tränke in ihre eigenen verruchten Gurgeln und vertrauet allein dieser mei­ner Medizin."

Nun ergriff er einen auf dem Tisch stehenden Romer, drehte den Hahn des Fasses auf und ließ den duftigen, edlen Bernkastler Rebensaft in das Glas strömen. Dabei vergaß er aber nicht, ein Zweites Glas für sich selbst zu füllen.

Nicht leicht entschloß sich der Erzbischof, diese selt­same Arznei einzunehmen, doch endlich dachte er: fiat alles andere bisher nicht geholfen, so kannst du es ja mit diesem Mittel auch einmal versuchen, und die beiden zechten wacker darauf los. Belehrt, daß dieser kostbare Trank von seinen eigenen Reben- hüaeln stamme, fuhr der Erzbischof danach mit diesem Heilmittel fort Und siehe, bas Fieber schwand sichtlich dahin und war nach wenigen Wo- chen für immer gebannt. Der Wein, welcher solches Wunder vollbracht hat, führt heutzutage noch den NamenBernkastler Doktor".

* Großen-Linden, 13. Sept Der acht Jahre alte Sohn Werner des hiesigen Mechanikers Volk fiel gestern beim Spielen so unglücklich, daß er den r-echten Unterarm brach. Der be­dauernswerte Junge mußte nach Gießen in die Klinik gebracht werden.

tu. L a n g - G ö n s, 13. Sept. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich wie gestern schon kurz gemeldet D. Red. gestern abend bei der Dreschmaschine. Gerade als die Arbeit beendet war, wurde der Arbeiter Julius P l ö g e r von hier vom Treibriemen der Häckselmaschine erfaßt und so unglücklich gegen d i e Ma­schine g es ch l e u de r t, daß er in schwer verletz­tem Zustand nach der Chirurgischen Klinik gefahren werden mußte, wo er kurz danach starb. Der Ver­storbene hinterläßt eine Frau und zwei Kinder (13- und löjährig).

Rodheim a. d. H o r l o f f, 13. Sept Hier ereignete sich gestern abend ein Unalücksfall, der zum Glück noch glimpflich verlief. Der Bäcker Rudel hielt mit feinem Bäckerwagen auf der Straße vor einem Hause und verkaufte Brot. Ein vorüberfahrendes Auto brachte das Pferd 3 u m Scheuen. Bäcker Rudel ergriff sofort die Zügel des durchgehenden Tieres, wurde aber von dem Vorderrad des Wagens erfaßt und zu Fall ge­bracht. Das Rad ging ihm über Arm und Bem. Don einem schnell vor das Pferd springenden be­herzten Mann wurde das Gefährt zum Stehen ge­bracht. Auch dem Autolenker war der Vorfall nicht entgangen. Er machte sofort Halt und nahm Rudel im Auto mit nach Hungen zum Arzt, wo er verbunden wurde. Zum Glück für Rudel blieben Arm und Bein bei dem Unfall ganz, nur Haut­abschürfungen an Arm, Bein und im Gesicht trug er davon.

Kreis Büdingen.

* Büdingen, 13. Sept. Zum Schutze der Felder und Obstbäume nachts im Felde weilende Landwirte aus Büdesheim stellten an der Landstraße nach Heldenbergen zu einen Kraft­wagen fest, dessen Insassen dabei waren, durch Schütteln der Obstbäume billiges Ob st zu ernten. Die nächtlichen Apfeldiebe, die da­bei ein Auto mit in denBetrieb" stellten, wurden namentlich ermittelt und zur Anzeige gebracht.

KreiS Alsfeld.

# Aus dem Ohmtal, 13. Sept. Bei der Jagd auf Rebhühner muß man die Feststellung machen, daß die Hoffnungen auf gute Strecken nicht erfüllt werden. Trotz des trockenen Wetters sind die Völker recht dünn gefät, in manchen Gemarkungs­strichen, wo sonst mehrere Ketten anzutreffen wa­ren, stößt man nur auf eine oder manchmal auch gar keine. Die Grummeternte ist so gut wie beendet. Wenn noch ergiebiger Regen fällt, kön­nen die abgeernteten Wiesen als Hutweide noch aus­genutzt werden. Vereinzelt wird schon mit dem Ernten der Kartoffeln begonnen.

ss. Grebenau, 13. Sept. Dieser Tage wurde in der hiesigen Turnhalle von der G a u f i l m (teile Hessen-Nassau der TonfilmDer Schimmelreiter" vorgeführt. Der Film hat seine Wirkung auf die sehr zahlreichen Zuschauer nicht verfehlt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

(D Hörnsheim, 13. Sept. Unerwartet ver­schied hier der Landwirt Louis Volk. Der Verstor­bene war lange Jahre Mitglied des engeren Vor­standes der alten Bauernschaft des Kreises Wetzlar. Vor einigen Jahren übernahm er den Vorsitz des damals neugegründeten Kreisschafzuchtverbandes. Unter seiner Führung hat sich der Verband, wie auch die Schafzucht im Kreise Wetzlar sehr gut entwickelt. Für die Kreisbauernschaft -Wetzlar legte Bauer Otto Schneider am Grabe einen Kranz nieder; für den Schafzuchtverband Tierzuchtdirektor Dr. Tomede (Biedenkopf), der in warmen Wor­ten der Verdienste des Verstorbenen um die hei­mische Schafzucht gedachte. Von den örtlichen Ver­einen legten die Vorsitzenden des Kriegervereins, des Gesangvereins, und des Schützenvereins Kränze nieder.

* Dornholzhausen, 13. Sept. Beim Spielen auf der Straße kam heute das sechs Jahre alte Söhnchen Reinhold des Wegewärters Arnold so unglücklich zu Fall, daß es den rechten Arm brach und der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden mußte.

auf die uneigennützige Einrichtung, die seit Jahr­zehnten auf dem Roichsbahngebiet besteht und die auch im Ausland als vorbildlich anerkannt wird. Deshalb soll jeder Volksgenosse ger$ die Arbeit der Bahnhofsmission durch seine Gabe unterstützen.

** Bataillonstag des ehemaligen mobilen Landsturm-Inf. -Bataillons Gießen (XVIII/9). Am 7. Oktober treffen sich die Kameraden des ehem. mobilen Landsturrn-Jnf.- Batls. Gießen (XVIII/9), dem vorwiegend Ober- Hessen angehörten, zu einer Wiedersehensfeier in Gießen. Vormittags findet auf dem Neuen Friedhof eine Gefallenen- und Toten-Gedächtnisfeier für die Heimgegangenen Kameraden statt, anschließend will man sich zum kameradschaftlichen Zusammensein vereinen, der Nachmittag wird eine gemeinsame Feier mit Musik und Vorträgen bringen. Anfragen und Mitteilungen der alten Kameraden werden von

Hauptmann d. L. Dr. Töpelmann, Gießen, beantwortet.

♦♦ Zu dem Verkehrsunfall im Gie­ßener Bahnhof, über den wir gestern berich­teten, teilt uns der Musiklehrer Otto Will, Gie­ßen, Löberstraße 12, mit, daß er durch den Anprall der Lokomotive an das Abteil des Zuges, in dem er gerade saß, eine Prellung am Hinterkopf erlitten habe und zugleich starke Anzeichen eines Nerven­schocks aufgetreten seien. Er befinde sich deshalb in ärztlicher Behandlung.

** Beim Sport verunglückt. Gestern kam die 12 Jahre alte Tochter Hilde des Pflegers Siegel, Friedensstraße 45 wohnhaft, bei Hebun­gen auf dem Sportplatz unglücklich zu Fall. Das Mädchen brach dabei das linke Bein und mußte der Chirurgischen Klinik zugeführt werden.

Oberheffen.

SA.-Aufmarsch in Bad-Nauheim.

Bad - Nauheirn, 13. Sept. Arn kommen­den Sonntag findet hier ein großer SA.-Auf­marsch der SA.-Standarte 222, der SA.-Stan­darte R 116 und der übrigen Einheiten des Kreises Friedberg statt. Nach einem Appell am Sonntag­morgen auf der Seewiese in Friedberg und dem Marsch durch Friedberg erfolgt der Abmarsch nach Bad-Nauheim, wo an zwei Plätzen (Sportplatz, Goldstein) im Verlauf eines großen Lagerlebens die gemeinsame Verpflegung stattfindet. Von den Verpflegungsplätzen geht es dann nach dem Fest- platze am Hochwalde, wo in feierlicher Handlung die Vereidigung der SA.-Anwärter durch den Füh­rer bet Gruppe Hessen, Gruppenführer B e ck e r l e- Frankfurt a. M., erfolgt. Bei dieser Vereidigung wird erstmals das der Standarte 222 in Nürnberg vom Führer verliehene und mit der Blutfahne ge­weihte Feldzeichen zugegen fein. Nach dem Rück­marsch in die Stadt findet am Nachmittag am Tennis-Cafö ein Vorbeimarsch vor den SA.-Füh- rern statt. Um den Bewohnern Oberhessens billige Gelegenheit zum Besuch des großen Aufmarsches zu geben, geben die Reichsbahndirektion Frankfurt am Main und die Butzbach-Licher Eisenbahn von allen Stationen im Umkreise von 50 Kilometer Sonntagsfahrkarten aus.

Trachten- und Heimatfest in Homberg

* Homberg, 14. Sept. Nur noch kurze Zeit trennt uns von dem am 15. und 16. September stattfindenden großen Trachten- und Hei­matfest in Homberg. In Erwartung der zahl­reichen Gäste, darunter führender Persönlichkeiten, wird überall eifrig an der Ausschmückung unseres Städtchens gearbeitet. Schon das reichhaltige Pro­gramm des Samstagabend, das Tänze der Trach­ten, Hans-Sachs-Spiele, Volkschöre, Vorträge usw. vorsieht, dürfte viele Besucher anziehen, zumal auch Ministerialrat Ringshausen anwesend sein wird. Den Höhepunkt der Veranstaltung wird der große Trachtenfestzug, der sich am Sonntag um 13 Uhr in Bewegung setzt, bilden. In diesem Zuge sind die Trachten der Schwalm, Erfurtshausen, Groß-Seelheim, Erksdorf, Herbstein, Rüdigheim, Cappel, Schweinsberg, Langenstein, Ebsdorf, Ruhl­kirchen, Hinterländer, Holzhausen, Moischt vertreten. Jede Gruppe bringt besonders finnig ausgestattete Wagen, die irgendein Ereignis aus dem Leben zum Ausdruck bringen (Hochzeit, Spinnstube), auch wer­den die einzelnen Jahreszeiten durch gebende Bil­der" sinngemäß dargestellt. Das Handwerk wird selbstverständlich auch gebührend mitwirken. Echtes deutsches Volkstum soll an dem Besucher vorüber­ziehen. Auf dem Festplatz werden sich die Trachten­gruppen nach Altväterart im Kreise drehen. Ein Volksfest mit Tanz großen Stils soll die Besucher nicht nur herbeiziehen, sondern auch nach echtdeut­scher Art erfreuen. An diesem Tage wird in un­serem lieben Vaterland des VDA. (Verein für das Deutschtum im Ausland) besonders gedacht. Das Zusammenfallen dieser Veranstaltung mit unserem

Trachtenfest darf als günstiger Umstand bezeichnet werden, da beide das gleicke Ziel verfolgen. (Wir verweisen auf die heutige Anzeige.)

Lanvkreis Gretzen.

y. Ruttershausen, 13. Sept. Gestern abend fand im Saale des Gastwirts O. Schön, dahier, eine gut besuchte Versammlung der Ortsgruppe für Luftschutz statt, die von Dekan G u fi­rn a n n im Auftrage des Leiters fir. Will (Lollar) eröffnet und eingeleitet wurde. Werbeleiter Eberle Lollar hielt einen interessanten, instruktiven Vor­trag über Luftschutz, seine Notwendigkeit und Zweck. Nach dem Vortrag, der mit großem Beifall begrüßt wurde, zeigte der Redner eine Reihe illustrierender Lichtbilder. Sodann wurden einige organisatorische Fragen erledigt, fir. Will ernannte Dekan Guß­mann zum Ortsgruppenführer des Luftschutzes, Bürgermeister Schwarz zu seinem Stellvertreter und Konr. Bodenbender zum Ortswerbeleiter. Mit Dank und Mahnung, daß jeder beitrete, denn Luftschutz tut not", schloß der Ortsgruppenführer mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und dem von den Anwesenden gesungenen ersten Vers des Deutschlandliedes die wohlgelungene Ver­sammlung.

wg. Großen-Buseck, 13. Sept. Die Landes­filmstelle der NSDAP, veranstaltete am Dienstag­abend im Saale des Gastwirts Wagner eine Ton­filmvorführung, die von den hiesigen Volks­genossen stark besucht war. Im Anschluß an einen Film, der eine Reihe schöner deutscher Landschafts­bilder brachte, wurde der HauptfilmVolldampf voraus!" gezeigt, der das Leben und Arbeiten in der deutschen Seefischerei schilderte. Die Vorfüh­rungen fanden allgemein lebhaften Beifall.

* Beuern, 13. Sept. Durch Sturz bei der Arbeit erlitt der 51 Jahre alte Maurer Josef Kehr von hier schwere innere Verlet­zungen uni) Verletzungen in der Beckengegend, die seine Uebersührung in die Chirurgische Klinik notwendig machten.

+ Grünberg, 13. Sept. Wegen Ausbesse­rungsarbeiten am Damm des unteren Tei­ches im Brunnental wurde dieser Tage der Teich abgelassen. Der von den Fischereipächtern dabei oorgenommene Fischfang ergab nur eine verhältnismäßig kleine Beute: 4 Aale, 8 Forellen (ein- bis zweipfündig), ferner knapp einen halben Zentner Spiegelkarpfen und Golddorfe (Barsche), deren Gewicht zwischen 3/< und IVz Pfund schwankte sowie eine Menge kleiner Schleien. Die Brut war vor vier Jahren eingesetzt worden, sie hatte sich in dieser Zeit nur gering entwickelt. Vielleicht ist dies eine Folge des Teichwassers; denn der Teich ent­hält mehrere Quellen, die ihn speisen und die so ergiebig fließen, daß ein starker Ueberlauf vor­handen ist, der als Triebkraft beim städtischen Wasserwerk dient. Früher war der Teich, der nur reines Quellwasser enthält, nur mit Forellen be­setzt, erst die jetzigen Pächter haben den Versuch mit andern Fischarten gemacht.

Der Schmied von der Ronneburg."

VHC.-Treffen des Güdostgaues auf der Ronneburg.

Hehr und trutzig ragt die Feste, deren Bewohner die Lande verwalteten und bewachten für ihre Herren, die weitab wohnten. Im Sonnenglanz schimmert ihre Dachung rötlich in der Bläue des Aethers, sieht das Grau alten Gemäuers freund­licher aus im strahlenden Licht. Fahnen wehen von Turm und Hoftor. Erhaben, weit überragend Dor­burg und Burg, steht stolz und wachend oer Berg­fried mit dem schönsten Kuppelabschlufi von allen Burgen in deutschen Landen. Weit blickt man von seiner hohen Warte in dieser klaren Sicht ringsum.

Zu Füßen der Burg, auf grünem Plan, glänzt ruhend das silbrige Weiß eines Segelfliegers. Still und verlassen liegt es da. Drüben auf der Straße von Vonhausen sieht man winzige, sich bewegende Punkte, sonntägliche Spaziergänger, lieber dem Ort oben auf Dem Höhengrat liegen mit seiner Kirche mit Spitzturm die Gebäulichkeiten der Herrn­huter, dabei in verlassener Ruhe ihr Friedhof. Die Wege von Hessen sind belebt. Auch drüben aus dem Wald kommen Leute das sind wohl welche vom DHC.-Gau aus der Kinziggegend, sie breiten sich auf der Wiese gegen die Aufgangswege aus und kommen näher, lieber die Vorburg hinweg sieht man hinein in die Gebäude des Ronneburghofes, in dem die Ernte heimgegangen, schaut hinauf nach Alt-Wiedermus, wo bald die Kerbmusik aufklingen wird zu Tanz und Fröhlichkeit zur Nachfeier. Weit im Hintergrund sieht man zum Schloßberg, um den sich der Flecken Selbold gruppiert, sieht weitere Ortschaften und die augenfälligsten Punkte dieser

Landschaft in schönstem Reiz dieses Sonntagmit» tags. Unten im Hof der Vorburg häufen sich Men­schen, immer mehr strömen durch das Einfahrts­tor, vor dem auf den Wiesen, zwischen den Büschen hell die Zelte schimmern, zwischen denen dünner Rauch aufsteigt, wahrscheinlich vom Eintopf-Mit­tagsmahl. Nun häuft es sich auch von Menschen im inneren Burghof. Auf dem Rundgang des Burg- friebs wirds leer, klappernde eilige Schritte ver­hallen die steile Rundtreppe hinunter.

VHC.-Bruder N i e ß - Büdingen steht im Hof in­mitten feiner Zuhörer und erzählt von dem Wer­den und dem Auf- und Ausbau der Burg. Jahr­hunderte ziehen an uns vorüber in schneller Daten­folge. Zeiten, die alle Lebensschattierungen in sich schließen. Bis des Aufblühens ein Ende, bis die Verfallserscheinungen kamen und der Verfall, da die stolze Burg mit ihrer geschichtlichen Dlomantif, mit ihrer stilschönen unb reichen Architektonik oon weit abständigen Gezeiten, aufgebaut in Jahrhun­derten, ein Opfer der Zerstörung kaum eines Jahr- zehnts wurde. Nun ist es nicht zu ermöglichen, eine Restaurierung vorzunehmen, da diese nach ober­flächlicher Schätzung einen Betrag von über 200 000 Mark kosten würde, und dieser ist nicht aufzubringen. So liegt die Burg, notdürftig er­halten, in Schutt und Verfall und wartet auf eine bessere Zeit, die ihr Kleid flicken, ihre Schönheit restaurieren wird.

Fanfaren schmettern auf dem Turm, dröhnen ihr Lied festlich hinein in die mittägliche Stille. Die

Erzbischof Bohemund aber soll dieser hilfreichen Arznei fortan unwandelbar treu geblieben sein, und als er im Jahre 1366 zugunsten des Erzbischofs Kuno von seinem geistlichen Amte und der Landes- regierung zurücktrat, ließ er sich unter anderen Ein­nahmen vornehmlich auch aus der Bernkastler Kel­lerei jährlich zwanzig FuderDoktorwein" über­weisen. H. S.-K.

Schirokko.

Von unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, im September.

Vor die Freuden der Vendemmia, der Weinlese im Oktober, haben die Götter den Schirokko gesetzt, und zwar den feuchtwarmen, den Septemberschi- rokko. Monatelang regnete es nicht mehr, Tag für Tag spannte sich über die verschmachtete Erde jener blaue Himmel, den die fernen Romantiker und die Eintagsfliegen der Rompilger anschwärmsn, die unter ihm leidenden Seßhaften aber so schrecklich fad finden. Plötzlich, unter dem üblichen südlichen Theaterdonner, verwandelt sich die blaue Glocke in eine graue Schüssel, sie entleert sich laut und schnell über Rom wie über allen Seebädern, so daß die Saison am Strand schlagartig abbricht, fast immer genau am 31. August, und statt der ersehnten Ab- kühlung stellt sich der Schirokko ein, das Gespenst aller, Der Schlagetot der Nervösen und Herz­leidenden.

Er hat etwas vorn drückenden Föhn, dieser warme Wind, aber er weht nicht, er ist nichts als Druck. Und daher sucht er nicht nur die für feine fragwürdigen ReizeDisponierten" heim, wie etwa das Heufieber, sondern auch die Gesunden, mit Vor­liebe oft gerade die Bärennaturen. Es gibt Menschen, die sich bei Schirokko genau so benehmen wie bei Fliegerangriffen: sie kauern sich in die hintersten Kellerwinkel und warten apathisch das Ende der Himmelsplage ab.

In den Gerichtsverhandlungen tritt der Schirokko nicht selten als deus ex machina auf, denn der An­geklagte braucht nur zu behaupten, der Verteidiger zu beweisen, der Richter die Bestätigung von oer Wetterwarte zu erhalten, daß am kritischen Tage Schirokko geherrscht habe, und schon sind die mil­dernden Umstände gegeben. Bei Affekthandlungen schiebt man ihm ohne weiteres die Hauptschuld in die Schuhe. Zu solchen Zeiten kommt es sogar vor, man konnte es erst kürzlich wieder hören, oaß sich Liebespaare duellieren. Wenn in Rom der erste nackte Mann auftaucht und sich in ein Brunnen­becken stürzt ober adamharmlos ins Kaffeehaus tritt, bann beginnt der Sommer; wenn das Nasenabbei- fen einsetzt, ist der Herbst da. Früher wimmelten

die Zeitungen von solchen ausführlich geschilderten Kalendererscheinungen, jetzt ist leider dieschwarze Chronik" verboten und damit dem Tintentrinken der unglücklich Liebenden ein Ende gemacht wor­den. Sicher lastete der Schirokko über Straßen unb Amtsstuben, wennplötzlich Signorina Graziella das vor ihr stehende Tintenfaß ergriff und auf einen Zug ausleerte". Um die Wahrheit zu sagen, ist das Nachlassen dieser Volkssitte eben auch dem Umstand zuzuschreiben, daß Graziella nun nicht mehr spaltenlangin die Zeitung kommt" und so­mit nicht mehr durch öffentliche Hervorhebung ihrer Schönheit, ihrer ergreifenden Liebe und dramati­schen Verzweiflung einen Druck auf den verräte­rischen Liebhaber ausüben kann.

Im Sommer haben wir unsere vierzig Grad im Schatten und stöhnen, im September sind es nur noch 30 unb 35, aber wir stöhnen, schwitzen unb schimpfen bas Doppelte. Kein Eiskaffee vermag etwas gegen bas unentgeltliche römische Bad aus­zurichten, wir hocken triefend im Caldarium, wir Bleiben ein Dampfkessel, ob wir nun unsere Arbeit auf Stand verrichten oder wie eine Lokomotive daoonbrausen. Ein Königreich für einen Gletscher- bach!

1 Zuweilen treibt der Ghibli, der Wüstenwind, den Flugsand übers Meer, bann gibt es jene merkwür- bigen Dämmerungserscheinungen am Himmel, es fällt Blutregen, es fällt Sandregen, es regnet sogar Frösche unb Fische, wenn man ben Provinzbericht' erftattern glauben bars; bennoch ist ber SalM' grüß ein kühles Ueberdiestirnestreicheln gegeniM bem Höllenatem bes Schirokko. Ganz ähnlich emp' finbet man ja oft im nordischen Winter einen kür« renden Frost nicht so unangenehm wie einen bei' ßenden Ostwind, wenn auch das Thermometer unter ihm zehn und zwanzig Grade mehr zeigt.

Die Theater svielen noch nicht, die Oper beginnt gar erst an Weihnachten, die Kinos freuen sich ihres ausschneßbaren Himmels. In den Parkanlagen sieht man abends Soldaten und donne di servizio n°q) immer in abnehmenden Abstand auf den Bänken sitzen, in ben Straßen tobt die südliche Freude am selbsterzeugten Lärm, in den Fenstern bietet man Konservenmusik feil. Der Schirokko spritzt aus aue Nervenspitzen wie das St. Elmsfeuer. Memlye mit Ruhe- ober gar Stillebedürfms sind fehl om Ort.

Für das Land hat die Treibhausluft freilich auch ihr Gutes. Die zunderdürr gebrannten Wiesen e wachen langsam aus ihrer Sommerstarre, rieselt in die Wurzeln, sie saugen gierig Ie0 Wassertropfen, und wenn die Winterstarre Norden einsetzt, dann beginnt mit unaezugeu Wiesenrausch selbst in der Campagnasteppe 0 zweite Frühling.