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AMT FÜR VOLKS WOHLFAHRT DEUTSCHES FRAUENWERK’ N.S. FRAUENSCHAFT
Rose! — Königin unter den Blumen!
Am kommenden Samstag/Sonntag sollst du in keinem Bureau, in keinem Wartezimmer, an keiner Arbeitsstelle fehlen!
Den deutschen Arbeiter der Stirn und der Faust wirst du durch deine Farbenpracht erfreuen! Allüberall, wo deutsche Menschen zusammenkommen, wirst du zu finden sein!
In keinem Schaufenster, keiner Auslage wirst du fehlen. Ueberall wirst du Freude und Bewunderung auslösen!
Denn alle wollen sie durch dich am kommenden Samstag/Sonntag beweisen, daß sie zu Opfern bereit sind! Der deutsche Arbeiter, der deutsche Gelehrte — vor allem aber die deutsche Jugend — sie alle kaufen dich, deutsche
Rose! - Königin unter den Blumen!
Promenaden-Konzerte des Stadttheater-Orchesters.
Samstag, 14. Juli.
Die Promenaden-Konzerte des Stadttheater-Orchesters am Mittwoch- und Samstagabend finden regelmäßig Mittwochs von 20 bis 21 Uhr und Samstags von 18 bis 19 Uhr statt. Mit dieser Regelung dürfte allen Wünschen der Besucher Rechnung getragen sein.
Das Konzert am heutigen Samstag sieht folgendes Proaramm vor: ,Zn Treue fest", Marsch von Teike. „An der schönen blauen Donau", Walzer von I. Strauß. Ouvertüre zu „Dichter und Bauer", Suppö. Phantasie über die Oper „Werther", Masse- net. „Ungarische Tänze Nr. 5 und 6", Brahms. Potpourri aus der Operette „Mikado", Sullivan. „Deutschlands Ruhm", Marsch von Schröder. Leitung Konzertmeister K e r z i s n i k.
Sonntag, 15. Juli.
Anläßlich des „Tag der Rose" der 316.« Dolkswohlfahrt (Mutter und Kind) hat sich
das Orchester des Stadttheaters eben- falls in den Dienst der Sache gestellt. Es wird am Sonntagmorgen unter der Leitung von Konzertmeister Kerzisnik am Stadttheater em Pro- menaden-Konzert in der Zeit von 11 bis 12 Uhr veranstalten. Das Programm sieht folgende! Darbietungen vor: „Deutschlands Waffenehre , Marsch von Blankenburg. Ouvertüre zur Operette „Der Zigeunerbaron" von I. Strauß. „Rosen aus dem Süden", Walzer von I. Strauß. Fantasie über die Oper „Cavalleria rusticana" von Mascagm. Paraphrase über die Rosenlieder von Eulenburg, Potpourri aus der Operette „Die lustige Witwe" von Lehar. „Der Rose Hochzeitszug", Charakterstück von Jessel. „Seid einig", Marschpotpourri von Morena.
Vom Reichsverband der Deutschen Artistik.
Der Reichsverband der Deutschen Artistik e. D., Mitglied der Reichstheaterkammer, gibt folgendes bekannt: Es genügt vollständig, wenn ein auf- tretender Künstler im Besitz einer Mitgliedskarte oder eines Ausweises einer anderen Fachschaft der Reichskulturkammer ist. Es kann also jeder Künstler, der der Reichsmusikkammer oder der Bühnengenossenschaft angehört, auch in den Unternehmen auftreten, die nach §§ 33a und 55 RGO. nicht zulassungspflichtig sind. Dies enthebt den betreffenden Künstler jedoch nicht der Verpflichtung, Beiträge an uns zu zahlen, für die Zeit, in der er in Häusern sein Geld verdient, für die der RDA. zuständig ist.
Bornotizen.
— Tageskalender für Samstag: Licht- fpielhaus, Bahnhofstraße: „La Bataille". — Gießener Radfahr-Derein 1885, 20 Uhr, „Karlsruhe", Meisterschaften im Saal-Fahren des Bezirks Gießen, verbunden mit Sommernachtsfest. — Deutsche Stenographenschaft, 20.30 Uhr, Hotel Hindenburg, Mona tsvevsammlu ng.
— Tageskalender für Sonntag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „La Bataille". — Oberhessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brand, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung „Das Tier im Bild". — Gleiberg, Gleibergfest. — Waldeslust, 18 Uhr, Tanzmusik. — Radfahrerverein, 6 Uhr, Schützenhaus, Start zum „Großen Straßenpreis von Gießen"; 16 Uhr, Sportplatz 1900, Bahn-Radrennen.
Gießener Wochenmarttpreise.
* Gießen, 14. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10^, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (grürt), das Pfund 15, Weißkraut 15, Gelbe Rüben, das Bund 10, Rote Rüben 10, Spinat, das Pfund 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25, (gelb) 25, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 12, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte) 5XA Pf., der Zentner 5 Mark, (neue), das Pfund 8 bis 10 Pf., Falläpfel 8, Himbeeren 25 bis 30, Birnen 25 bis 35, Aprikosen 30, Kirschen 15 bis 25, Heidelbeeren 25 bis 30. Stachelbeeren 12 bis 15, Johannisbeeren 12 bis 18, Mirabellen 30 bis 35, Pflaumen 30 bis 35, junge Hähne 70 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 60 bis 80 Pf., Gänse 85, Tauben, das Stück 50 bis 70, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 30, Einmachgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch (Suppengrünes) 5, Rettich 5 bis 10, Sellerie 25, Radieschen, das Bund 10 Pfennig.
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♦♦ Verlegung eines Feuermelders. Der Feuermelder, der sich bisher am Hause Frankfurter Straße 63 befand, wurde nach dem Hause Klinik st raße 22 (Maternus) verlegt.
** Das Museum im Alten und Neuen Schloß ist am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
** Blumenschmuck-Wettbewerb in Gießen. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Gießen fordert in unserem heutigen Anzeigenteil zur Beteiligung an dem Blumenschmuck-Wettbewerb auf. Näheres ist aus der Anzeige ersichtlich.
♦* Das Fundsachenverzelchnls. Die Polizeidirektion teilt mit: Das Verzeichnis über die im Monat Juni gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf-Phllipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Mongten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.
** V^C. Gießen. Die Juliwanderung führte — wie man uns berichtet — nach Bahnfahrt bis Lollar anfangs am Bahndamm und der Lahn entlang über die Lahnbrücke, die eine schöne Aussicht erlaubt, durch Wißmar in das liebliche Wißmarbachtal, das schönste Tal unserer näheren Umgebung. In den herrlichen, ruhigen Buchenwäldern wanderte es sich gut, trotzdem die Sonne heiß am wolkenlosen Himmel strahlte. Meist den schwarzen Strichen entlang führte der Weg bis zum Forsthaus Waldhaus. Hier hat unser Zweigverein vor kurzem wieder zwei neue Wegebezeichnungstafeln angebracht, auf denen alle Zeichen vermerkt und erläutert sind, die diesen vielbesuchten Ausflugsort berührten. Nach längerer Rast ging die Wan
derung mit den roten Keilen stets durch prächtigen Wald an zahlreichen Grenzsteinen der ehemalig preußisch-hessischen Grenze entlang bis zur Krumbacher Straße. Von hier begann der Anstieg zum Dünsberg. Das letzte und steilste Stück wurde den weißen Strichen gefolgt, die den bequemsten Weg zur Höhe zeigen. Der Turmwächter hatte viel zu tun, um die sehr große Wanderschar mit Erfrischungen zu bedienen. Bei dem klaren Wetter war die Aussicht vom Turm selten günstig. Schwer fiel die Trennung von dem geliebten Berg. Der Abstieg erfolgte nach den schwarzen Punkten über die alten Ringwälle. Plötzlich lichtete sich der Wald und jetzt, vom Waldrande aus, sahen wir in dem milden Schein der Abendsonne unsere Heimatburgen Gleiberg und Vetzberg liegen. Ein überraschend schöner Anblick! Nach kurzem Marsch war Bieber, das Endziel der Wanderung, erreicht. Während der Schlußrast hielt VHC.-Bruder I m - m e l noch einen interessanten Vortrag über die Ringwälle des Dünsbergs und über unsere Vorfahren, die diese mächtigen Schutzwälle errichtet haben.
Lager des Jnjliiutö für
Wirtschaftswissenschaft
der Universität Gießen in Lauterbach.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeterlt:
Im Rahmen der Semesterarbeit der staats- wissenschaftlichen Abteilung der Philosophischen Fakultät der Universität Gießen fand in der Zeit vom 5. bis 9.Juli in ßaüferTatf) ein Auhenseminar statt, dessen Führung Professor Bechtel hatte.
Die Lagerteilnehmer — rund 25 Studenten und Studentinnen — beschäftigen sich mit eingehenden Untersuchungen über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Stadt und des Kreises Lauterbach.
Die Grundlagen für eine erfolgreiche Arbeit waren in den beiden ersten Semestermonaten durch Einzeluntersuchungen kleiner Arbeitsgemeinschaften über die wirtschaftsgeographischen Verhältnisse, die Bevölkerung, die Landwirtschaft, die Industrie, die Geschichte und die Standortbedingungen des Kreises gelegt worden. Der Arbeitsplan sah neben Betriebs- und Forstbesichtigungen ergänzende Referate von Betriebsleitern, Verwaltungsbeamten und politischen Führern — u. a. des Kreisdirektors, des Bürgermeisters und des Freiherr!. Riedeselschen Kammeroirektors — vor. An die einzelnen Vorträge schlossen sich ausgedehnte Aussprachen, die der Klärung schwebender Fragen in Stadt und Kreis Lauterbach dienten. Führungen durch Museen und Besichtigungen alter Kunstdenkmäler ergänzten und rundeten das Bild, das der Kreis Lauterbach bot.
Ls ist zum ersten TNale an unserer Universi- kät der Versuch durchgeführl worden, in. Form
einer Lagergemeinschaft praktische wirtschaftliche Probleme eines Teilgebietes der gesamtdeutschen Wirtschaft zu untersuchen. Der Erfolg, den die Arbeit aufzuweisen Hal und die bereitwillige Unterstützung und das Interesse aller beteiligten staatlichen und privaten Stellen haben die Richtigkeit des Gedankens erwiesen, in kleinem Rahmen und mit begrenzten Aufgaben wissenschaftlich wertvolle Arbeit durch eine Lagergemeinschaft leisten zu lassen.
Don nicht zu unterschätzender Bedeutung war die unmittelbare Berührung der Lagerteilnehmer mit den führenden Leuten der Verwaltung und der Wirtschaft.
Weitere Lager, die z. T. die Arbeit des Lauterbacher Außenseminars weiterführen sollen, sind für die kommenden Semester geplant. Sie sollen, wie das soeben abgeschlossene Seminar, zeigen, daß
die Hochschule die Verbindung mit dem tätigen Leben der Ration neu gefunden hat und sie nicht mehr verlieren roilL
In der gemeinschaftlichen Arbeit, dis den Erfolg des Einzelnen hinter dem der Arbeitsgruppe und des gesamten Lagers zurücktreten läßt, offenbart sich jene sozialistische Haltung, die dem Studenten von heute und morgen eigen sein soll und die ihm in der Gemeinschaft seines Volkes seine bestimmten Aufgaben und Pflichten zuweist.
Weitere Venchie aus dem Lager Gleiberg.
Oer Kameradschaftsabend am Donnerstag
vereinigte die LagerteUnehmer mit den zahlreich erschienenen Gästen im Burghof der Ruine. Bei fröhlichem Lied und Wort herrschte bald lustige Lagerstimmung. Das Kameradschaftshaus der Gießener Studentenschaft und die aus Arbeitern und Studenten gebildete Musikoereinigung überraschten das Lager mit ihrem Besuch und erfreuten sämtliche Anwesende durch ihre Darbietungen. In einem Teil der Ruine sand die Generalprobe der obengenannten Vereinigung für das Gleibergfest am kommenden Sonntag statt. Um nicht unfern Lesern allzuviel von den Darbietungen zu ver-' raten, wollen wir nur erwähnen, daß wohl als Höhepunkt die Nachtmusik von Mozart bezeichnet werden kann. Nach Schluß der Probe ichtete der
Rektor unserer Universität
noch einige Worte der Begrüßung an die Versammelten. Es sei schon zur Tradition geworden, daß der Rektor die jeweiligen Lagerteilnehmer begrüße, aber gerade diese Begegnung mit den Leuten vom Arbeitsdienst sei für ihn eine besondere Freude. Denn der Weg zur späteren gemeinsamen Zusammenarbeit zwischen Dozenten- und Studentenschaft, wie wir sie vorbildlich schon über ein Jahr hier in Gießen hätten, führe den Studenten zunächst durch den Arbeitsdienst und im Anschluß daran durch das Kameradschaftshaus.
Zwei Dinge verpflichteten uns zur engsten Verbundenheit: einmal das Gefühl des unermeßlichen Reichtums, daß wir Zeugen einer so großen Zeit seien, der ganze Jubel, daß wir
Kieme Sommerfrische.
Von Hans Thyriot.
Nicht nur vor die Tugend, sondern auch vor die Sommerfrische haben die unsterblichen Götter den Schweiß gesetzt. Auf Bahnsteig 5 werden drei große Koffer, ein leichter Kinderwagen, ein geräumig-weitmaschiges, prall gefülltes Netz und der gute Teddybär m einen friedlichen Personenzug verladen. Erst dann können Pappi und Mutti nebst großer und kleiner Tochter und einiger, unter diesen Umständen nicht mehr nennenswerten beweglichen Habe Platz nehmen. Nunmehr ist das Abteil leidlich besetzt.
Für die kleine Tochter, welche erst eben ein Jahr alt geworden ist, bedeutet die alsbald beginnende Bahnfahrt ein unerhörtes Erlebnis ihres jungen Lebens. So muß es vor hundert Jahren den Leuten zumute gewesen sein, die sich mit Todesverachtung und unter stillen Stoßgebeten dem ersten Eisenbahn- zug anvertrauten, welcher bekanntlich ein abenteuer« 'ches Vehikel gewesen ist. Die kleine Nina steht stumm, die Speckärmchen fest um den Hals ihrer Mutter gepreßt, auf deren Schoß und hat weder für etwelche bunte MuhkÜhe auf dem Felde noch ur Die .sommerlichen Reize der oberhessischen Land- schaft ein Auge. Mutti kann nicht finden, daß es •u\aUfroblc,,e ^rt ^hler würde, aber hinter Nidda ift der Bann gebrochen, und die kleine Tochter beginnt, Arm in Arm mit dem guten Teddy, im Ab- teil emsig zu lustwandeln, von den griffbereiten Monden ihrer Eltern treulich behütet.
. AO oie längste und engste Autobusfahrt nimmt em Ende. Mit Gerumpel und Geholper taucht der schwere gelbe Wagen in die kühle Dämmerung des von wuchtigen Türmen flankierten, berühmten Jerusalemer Tores und alsbald in die malerischen Gassen der altertümlichen Stadt Büdingen.
Weniae Stunden später stehst du auf dem Ausguck des Felsenneftes hoch über der Straße und über der Stadt. Zauberhaft zeichnet sich die Silhouette des dicken Schloßturmes über den riesigen alten Bäumen des fürstlichen Parkes vom Hellen Himmel ab, der sich langsam mit den Sternbildern des Juli und mit einer silbernen Mondsichel bestickt. Von der „Mar- tinswand" her streichen mit schrillem Schrei' zwei Turmfalken und stehen bald rüttelnd still in der klaren Luft. Von der Straße herauf weht ein süßer Lindenduft durch die kühle Dämmerung, und wenn du die unvergängliche Melodie finden willst zu dem Bilde, das dich in seiner linienklaren Schönheit rings umgibt, dann mußt du leise die Verse vom alten Claudms vor dich hinsagen:
Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar...
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Kein Laut stört den Schlaf des Gerechten in der Nacht, wenn die abendlichen Grillen müd geworden und verstummt sind. Am Morgen weckt dich ganz ländlich ein Hahnenschrei, und alsbald steht der junge Taa vor dir in lockender Fülle und aller Ungebundenheit dessen, der Urlaub hat. Nur flüchtig beeinträchtigt dein nahrhaftes Frühstück auf der Veranda die Erinnerung daran, wieoiele Stunden du „sonst" um diese Zeit schon geschafft hast. Heute machst du nicht die kleinste Meldung „Aus aller Welt" zurecht, und niemand ruft durch den riesengroßen Park, Herr Doktor möge sich eilends in die Setzerei begeben und zwo stattliche Feuilletons umbrechen. Dergleichen flüchtige Erinnerungen würzen sogar das ausgiebige Frühstück des verruchten Urlaubers.
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Statt in die Setzerei zu gehen, wird er nun vielmehr feinen Tag mit einem erfrischenden Bad beginnen und rüstet zum Aufbruch ... Aber ehe er sich ins Grüne entfernen kann, erscheint die von Nachtschlaf und Morgenfläschchen zu vielen Taten und neuen Erlebnissen gestärkte kleine Tochter und wünscht mit ihrem Vater, von dem sie ansonsten nicht viel zu sehen kriegt, auf Entdeckungen aus- zuziehen. Winzig und rosig kommt sie auf ihren dicken Beinen über die herrlich große und breite und weiche Wiese im Park herbeigewurzelt. Der- weile erscheint aber von der andern Seite Harras, schöner Hund, guter Hund, großmächtiger Hund, acht Jahre alt und noch so schrecklich verspielt ... Das Kind bleibt stehen, sagt andächtig „Warna!" und will weiter; Harras will auch weiter, und im Vorbeilaufen läßt er nur einmal so von ungefähr seinen wundervoll dicken, buschigen Hundeschwanz zur Seite wedeln und wedelt damit ganz sänstlich die kleine Tochter um. Die sitzt auf der Wiese und wundert sich ungemein, aber der Wauwau dreht sich nicht einmal um, sondern entfernt sich gelangweilt.
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Nina entdeckt bald, daß diese neue Welt hier um und um mit „Wawas" bevölkert ist, und dabei ist es ganz belanglos, ob das Geschöpf zwei, vier oder sechs Beine hat, ob es mit Haaren oder Federn begabt ist —: was sich bewegt und weder Mensch noch Auto ift, heißt Wawa. Die Welt ist einfach, und die Welt ist schön. Nur die zehn kleinen Küken, die
im Schutze ihrer Mutter spazieren gehen dürfen, heißen „Pipiep".
Die große Tochter erlebt ganz andere Sensationen. Sie hat ein frisch gewaschenes rotes Ferienkleid an. Das ärgert den Puterhahn schon von weitem, und dieser schlanke Vogel verändert alsbald sein Aussehen auf eine beängstigende und noch nie erlebte Weise: er wird rund und dick und furchtbar auf- geplustert, die Flügel schleifen am Boden, der Stoß fächert sich, der Kopf ift blau und rot gesprenkelt, und über den Schnabel hängt ihm eine komische und auch etwas beunruhigende rotfleischerne Nase herunter ... ein wahrhaft schreckenerregendes Ungetüm ist der also geschwollene Puterhahn.
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Deshalb hören wir alle mit Freuden Herrn Quicken st edt, dem das ganze Felsennest mit Haus und Park und Steinbruch und viel Land rundum gehört, bei dem wir wohnen und paradiesisch aufgehoben sind, im Kaninchengehege den Raben Jakob zum Futter locken. Jakob mit seinen gestutzten Flügeln kann nicht fortfliegen, ift aber noch sehr scheu und bloß von weitem zu besichtigen. Dafür kann man aber die Kaninchen stundenlang in großer Zahl und aus nächster Nähe genießen. Sogar mit welkem Salat und allerlei anberm Grünzeug kann man sie füttern, große und ganz kleine, weiße, gescheckte, braune und fiibergraue. Sie find so herrlich weich; nichts Köstlicheres für die dicke kleine Kinderhand mit den fünf Babygrübchen, als auf so ein warmes, seidenweiches Häschenfell zu patschen.
Nina steht inmitten, bewahrt schwankend ihr erst vor kurzem mühsam erkämpftes Gleichgewicht und stößt viele kleine schrille Schreie des vollkommenen Entzückens aus. Die ganze Welt ift mit Wawas bevölkert. Und manchmal kommt eins von ihnen mit schnupperndem Näschen ganz nah herbei und macht ein schlankes Männchen, um sich das Kohlblatt aus Muttis Hand zu holen. Wenn aber das beweglich hoppelnde und schnuppernde Wesen so dicht herankommt, wird es der kleinen Tochter doch ein wenig unheimlich: sie strebt emsig auf Muttis Arm und gibt sich erst oben, vom sicheren Port, aufs Neue ihrem Entzücken hin.
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Schön ift die Welt. Schön im Juli, in den Sommerferien, im Felsennest über Büdingen. Schwere- los reiht sich der Tag an den Tag. Jeder Morgen ersteht aufs Neue in strahlender Bläue — wenn auch am Nachmittag sich drohende Wolken überm Wald zusammengezogen haben, wenn auch ein fer- nes Wetterleuchten unfern ersten Traum über- funtelt. Wir wissen, wie nötig der Regen ist, guter.
gesegneter, anhaltend rauschender Regen, und doch genießen wir Sonne und gesunde Wärme des hohen Sommers, die tiefe Bläue des Himmels überm vielfältig gestuften und gebrochenen Grün der weiten Wälder.
Und wenn wir an den steinernen Keulenmännern vorüber in den fürstlichen Schloßhof treten und die weißen Pfauentauben mit klatschendem Flügelschlag vorn Gesims zu uns herunter geweht kommen, dann können wir eine Sekunde lang die Augen schließen und uns nach Venedig auf den Markusplatz träumen. Undankbare und luftige Phantasie: die Wirk» lichkeit ist stärker und umfängt uns mit Duft und Glanz einer schönen Heimat. Mit allen Sinnen nehmen wir die guten Gaben des Jahres in uns auf: Lindenblüte und dunkles Geläut der Bienenvölker, im heißen Mittag würzige Himbeeren und von Saft strotzende Sauerkirschen, kühles Bad und kühlen Abendtrunk und Tanz im Wirtsgarten, die rastlose Musik der Grillen und das silberne Gestirn überm nächtlichen Wald.
Caruso als Bauchredner.
Neben dem Ruhm, der größte Tenor der Welt 3U sein, hat Caruso auch den allerdings etwas bescheideneren des Bauchredners. Er selber erzählte gern, welchen durchschlagenden Erfolg er gerade mit dieser Kunst bei einer Tournee durch Amerika erringen durfte. „Es war im Schloß eines Neu- yorker Millionärs an den Ufern des Hudsons", berichtete Caruso, „man hatte mich hierher zu einem kleinen Abschiedsdiner von sechzehn Couverts eingeladen. Man tafelte im Garten und bat mich, auch einmal eine Probe meiner Kunst als Bauchredner zu geben. Ich war nicht gerade aufgelegt, ging aber doch zu einem Baume in der Nähe und rief nach oben: „Hallo! Wer ist denn da oben." Aber ehe ich selbst eine Antwort vortäuschen konnte, antwortete mir aus der Baumkrone herab eine dünne und hohe Stimme: „Ich bin's. Ich wollte mir das Fest hier einmal ansehen." — „Und wer hat Ihnen erlaubt, uns hier zu belauschen?" fragte ich, ohne mein Erstaunen zu verraten. Die Stimme entgegnete: „Der zweite Kammerdiener, er ist mein Bräutigam". Und so ging die Unterhaltung noch ein paarmal hin und her, bis mich das kleine Fräulein da oben in dem luftigen Versteck, das den Tränen sehr nahe war, dauerte, und ich mich scherzhaft von ihr verabschiedete. Als ich mich aber nun wieder den Gästen zuwandte, die das Gespräch offenen Mundes mit angehört hatten, erntete ich großen Beifall und wurde wegen der Natürlichkeit meiner Bauchrednerei sehr gelobt."


