nr. 162 Drittes Blatt
Samstag, 14. Juli 1934
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus Oer prvvtnzialhauptstaOI.
Deutscher liosentag.
Turnen und Sport der Reichswehr.
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Von rechts nach links: Der Kommandeur unseres Gießener Bataillons, Oberstleutnant von Wachter, der Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 15, Oberst Kienitz, der, Regimentsadjutant Hauptmann G e b b, Major Offenbacher vom Gießener Bataillonsstab, der Gießener Bataillonsadjutant Oberleutnant Breithaupt.
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Beim Hindernislauf muß ein großer Wagen überklettert werden.
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Oberst Kienitz besichtigt die Soldaten beim Turnen am Reck: der Offizier im Vordergrund: Regimentskommandeur Oberst Kienitz, links rückwärts der Bataillonskommandeur Oberstleutnant von Wachter.
Bildberichterstattung: Photo-Pfaff, Gießen.)
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Die Hindernisläufer müssen unter einer Brücke durchkriechen.
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Von Eugen Siebert.
„Rosen auf den Weg gestreut Und des Harms vergessen, Eine kurze Spanne Zeit Ist uns zugemessen"
singt Hölty und gibt damit jener Rosenfreude Ausdruck, die in der Frühsommerzeit diese schönste Blume deutjcher Gaue weckt. Die Rose ist nicht nur ein Sinnbild der Liebe, der Sommerfröhlichkeit, sondern auch Symbol geworden für Ausdrucksformen germanischen Kunstgefühls. In der Edda wird ein Hag von roten Rosen erwähnt, die Recken der deutschen Sage aus der Völkerwanderung kämpften im Rosengarten Kriemhilds, Worms am Rhein. Das feine Maßwerk der Gotik mit seinen Zacken bildet das Gerank der Rosen nach, und die großen runden Fenster mit ihrem zierlichen Wert von Gestein und ihren leuchtenden Schmelzfarben alter Glasmacherkunst heißen heute noch Rosen. Die Rose jubelt und trauert im deutschen Volkslied. „Unter Rosen" wartet die Braut, der bekannte oberschwäbische Ländler „Rosenstock, Holder blüht" vermählt den urdeutschen Holunder, dessen heil- hringtznde Eigenschaften schon in grauen Zeiten benutzt wurden, und der der Freya, der Göttin der Schönheit und Ehe heilig war, mit der Rose am Hag. In einem Kinderliedchen wird die Rose als Blüte beim Tanz gefeiert, eine uralte Sage nahm Storm zum Anlaß, um zu erzählen, beim Singen der Nachtigall habe die Rose ihre Schönheit geöffnet, und Mörike läßt ein Mädchen klagen:
„Rosenzeit, wie bald vorbei Blst du doch gegangen, Wär mein Schatz blieben treu — blieben treu Sollte mir nicht bangen".,,
Die Rose ist von allen arischen Völkerschaften als symbolische Blüte verehrt worden. Die alten Perser, die sich selbst Arier, also die Glänzenden, Edelen nannten, widmeten der Rose einen Kultus, der bis zu Firdusi, bis ins 11. Jahrhundert, lebendig blieb. Diese Perser waren an Zucht und Sitte den umliegenden semitischen Völkern turmhoch überlegen. In Germanien blühte die Rose am Hag, also am Walde. Sie war nicht von jenem schweren Duft südlicherer Gegenden, aber schon früh wurde aus dieser Hainrose eine Form gezüchtet, die in ihrer weiteren Entwicklung als hundertblättrige Rose schon in der germanischen Frühzeit und dem ganzen Mittelalter angepflanzt worden ist. Der tausendjährige Rosenstrauch am Dom zu Hildesheim besteht aus dieser hundertblättrigen Rose. Mit dem Auskommen der Marienverehrung wandte sich die Vorliebe der Minnesängerzeit und der Jungblüte des deutschen Volksliedes für die Rose als Blume der Liebe ins Religiöse. Maria im Rosenhag, die Rose als Marienrose, wurde, da die Blüte aus Dornen entspringt, Sinnbild jener Lebensauffassung, wonach Glück und Leid im Leben verwoben sind und, wie Meister Ekkehard, einer der deutschesten und tiefen religiösen Denker des Mittelalters, es auffaßte: „Aller Kreaturen Glückseligkeit ist mit Bitternissen gemenget" Luthers Sinnbild und Wappen war die fünfzackige Rose mit dem Kreuz in der Mitte, das Kreuz auf ein flammendes Herz gelegt, und Luther faßte auch die Erdenpilger- schaft des gläubigen Christen dahin auf:
„Des Christen Herz auf Rosen geht, Wenns mitten unterm Kreuze steht."
Die Rose war das Sinnbild der Gottesminne, jener Vertiefung des religiösen Gefühls, die unsere Mystiker erstrebten, und Luthers Vers entspricht durchaus dieser Auffassung. Aber wenn hie und da behauptet wird, die Rose fei auch Vorbild eines Femesterns, der freien westfälischen Gerichtsbarkeit, gewesen, so entspricht das nicht den Tatsachen, denn ein derartiges Zeichen hatte die Feme nicht. Dagegen wurde vielfach Recht vor dem Eindringen der römischen Jurisprudenz in offenen Gerichtshallen gesprochen, deren gotisches Maßwerk aus den oben angeführten Gründen in einer Rosette endigte und daher zum Namen Rosenlaube führte. Das Märchen hat seine goldenen Fäden um dieses Blütenwunder gesponnen. Das Märchen vom Dornröschen ist weiter entwickelt worden bis zum „Röslein auf der Heiden", für das Goethe ein altes Vorbild fand:
„Wenn mich schon die Dornen stechen, Will ich doch die Ros abbrechen, Wer die Rosen will abbrechen, Muß nit achten der Dornen Stechen."
Und das Lied von der blühenden goldenen Zeit ist heute noch lebendig mit Goethe» volkshaftem Lied
Die Mannschaften beim Boxen.
Von jeher wurde schon im alten Heer bei der Ausbildung auf gutes Turnen großes Gewicht gelegt. In unserer Reichswehr ist dazu noch eine umfangreiche Ausbildung in fast allen Sportdisziplinen hinzugekommen. Es gibt wohl keinen Reichswehrsoldaten, der nicht nur im Turnen, sondern auch in mehreren Sparten des Sports voll und ganz seinen Mann stünde. Die vielseitige sportliche Durcharbeitung des Körpers gibt dem Soldaten die Fähigkeit, im militärischen Dienste Höchstleistungen zu
vollbringen und dadurch den Aufgaben des Soldaten in weitgehendster Weise gerecht zu werden. Die systematische und eifrige sportliche Ertüchtigung hat in unserem Reichsheer aber auch hervorragende Mannschaftsleistungen gebracht, wie sie bei Heeres- meisterschaften, Regiments- und Bataillonswettkämpfen usw., aber auch im sportlichen Wettbewerb mit Vereinen sehr oft in ausgezeichneter Weise in Erscheinung traten. Diese sportliche Aufbauarbeit in unserer Reichswehr verdient mit Recht die
Beim Tauziehen.
warmherzige Sympathie aller deutschen Volksgenossen und unverändert reges Interesse an den sportlichen Wettkämpfen, an denen sich unsere Soldaten beteiligen.
Wir bringen vorstehend einige Bilder von der sportlichen Ausbildung der Mannschaften unseres Gießener Bataillons, die dabei von dem Regimentskommandeur Oberst Kienitz besichtigt werden.
vom wehrhaften Röslein.
Der Deutsche hat sich stets seelenhaft verwandt gefühlt mit dem Boden und den Blüten und Bäumen, die ihm Heimat waren. Er weiß um die Dornen, aber er erlebte immer wieder, daß aus dieser Herb- und Wehrhaftigkeit des Dornenstrauches die reine Rosenblüte aufleuchtete und wie ein Freuderuf ihn mahnte, sich der Schönheit seiner Welt und seiner Heimat zu freuen. Wenn im neuen Deutschland der einsgewordenen Volkheit ein Tag der Rosen gesetzt wurde, dann wollen wir an ihm aufnehmen alles das, was in der schönen Sommerszeit die Werdelust und Rosenpracht uns kündet. Aber wir wollen auch daran denken, daß, als die Rosen blühten, vor 20 Jahren Deutschlands Jungmännerkraft gegen eine Welt in Waffen marschierte, Helm und Wehr mit Rosen geschmückt...
Verkauf von Rosen ohne Bändchen für Mutter und Kind.
Die zuständige Reichsstelle des Sonderbeauftragten für die Bearbeitung sämtlicher Gartenbaufragen beim Reichsnährstand hat folgende Anordnung erlassen: Um zum „Tag der deutschen Rose" die erforderliche Anzahl kurzgefchnittener Rosen zur Verfügung zu haben, ordne ich hiermit an, daß an den Tagen vom 12. bis 14. Juli 1934 kurz geschnittene Rosen nicht gehandelt werden dürfen. Der Absatz der kurz geschnittenen Rosen ist an diesen Tagen nur über die Sammelstellen, die von den Gebietsbeauftragten für die einzelnen Rosenlieferanten angegeben wurden, möglich oder kostenlos zur Ausschmückung der Festwagen an die dafür angegebenen Stellen. Davon werden langgeschnittene Rosen von über 20 Zentimeter Stiellänge und sonstige Blumen und Schnittblumen nicht betroffen.
Daten für Samstag, 14.Juli.
1606: der Maler Rembrandt Harmensz von Ryn tn Leiden geboren (gestorben 1669); — 1874: der Dichter Wilhelm von Scholz in Berlin geboren; — 1918 (bis 17. Juli): Angriffsschlacht Marne und Champagne,
Wo blühen in Deutschland die meisten ^Rofen?
„In Steinfurth", werden viele Leser sagen, „denn dort stehen ganze Felder in Rosenblute mehr als dort wird es wohl nirgends geben. Wohl ist Steinfurth als Rosendorf bis weit über die Grenzen un- eres Vaterlandes berühmt, gehen noch jetzt ein großer Teil der Pflanzen und der Rojen selbst in alle Erdteile, aber es gibt in Deutschland Städte, die sich des wohlklingenden Namens „Rosenstadt" rühmen dürfen. Da sind zu nennen: Eltville, idyllisch gelegen im zartklimatischen Rheingau als die „Stadt der Rosen und Reben" und Bad Kreuznach an der Nahe das „Bad der Rosen und Nachtigallen". Rosenruhm haben noch das alte Coburg mit seiner trutzenden Feste und Eutin in Holstein, wo sich kems der aus roten Backsteinen erbauten Haryer und Gemäuer ohne den herrlichen Schmuck roter Rankrosen befinden soll. Zweibrücken in der Pfalz hat einen im Jahre 1912 angelegten Rosengarten aufzuweisen, in dem gelegentlich einer deutschen Rosenschau 50 000 Rosen gezählt wurden.
Alle deutschen Rosenstadte jedoch werden von Sangerhausen übertroffen, das in seinem Rosarium nicht nur den größten deutschen Rosengarten besitzt, sondern darüber hinaus eine einzigartig dastehende öffentliche Rosensammlung Europas aufzuweisen hat. Der Rosengarten wurde im Jahre 1903 durch den Verein deutscher Rosenfreunde gegründet, und niemand der dorthin oder in die Nähe zu reisen kommt, sollte'versäumen, das Rosarium aufzusuchen. Jetzt werden dort bereits über 300 000 Rosen, darunter mehr als 800 Arten, Abarten und Wildrosen aller Teile der Welt gezählt. Die Sammlung hat mehr als 9000 Sorten. Nicht weniger als 22 Normalmorgen Land nimmt der Rosengarten ein. Daneben ist ein Versuchsgarten errichtet, der vor allem auch der Prüfung der Neuheiten dient.
Als Rosenmuseum könnte man das Rosarium auch bezeichnen, da sich dort u. a. auch die berühmt gewordene Rojengruppe aus Goethes Garten
zu Weimar besindet, an der der große Dichter seine naturwissenschaftlichen Studien ausführte.
NS -Gemeinschaft,,Kraft durchIreude^
Betr. Rheinfahrt am 22. Juli.
Die Fahrpreise (5,50 mit Mittagessen und 4,90 ohne Mittagessen) müssen sofort auf unserer Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 10, em- gezahlt werden. Ausgabe der Fahrkarten erfolgt ab Donnerstag, 19. Juli.
Das diesjährige Gleibergfest.
Am kommenden Sonntag findet auf der Burg Gleiberg das traditionelle G l e i b e r g f e st statt. Die ganze Woche über wurden die Vorarbeiten erledigt, um am Sonntag mit einem richtigen Volksfest aufwarten zu können. Insofern unterscheidet sich das diesjährige Gleibergfest von den anderen, als zum ersten Male in diesem Jahre die Veranstaltung gemeinsam von Arbeitern und Studenten getragen wird. Nach dem Bündnis zwischen NSBO. und Studentenschaft haben sich in Gießen Arbeiter der Faust und der Stirn in einem Singkreis und Orchester vereinigt Diese Vereinigung wird mit Liedern und Musikstücken in den alten Winkeln der Burg die Festteilnehmer erfreuen. Es ist die Gewähr geboten, daß das diesjährige Gleibergfest ein in echt nationalsozialistischem Geiste aufgezogenes Volksfest werden wird. Aus diesem Grunde hat es sich der Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger nicht nehmen lassen, zu diesem Gleibergfest persönlich zu erscheinen.
Der 116er=i£og in Gießen.
Wie der Presse- und Propagandaausschuß des 116er-Tages 1934 uns mitteilt, sind die Vorbereitungen für den 116er°Tag fast abgeschlossen. Das Programm steht fest. (Man beachte die heutige Anzeige!) Die Gliederung und Aufstellung des F e st z u g e s ist ebenfalls bereits festgelegt. Der Zug ist in folgende Gruppen gegliedert
1. Gruppe: Herolde und Reiter; Reichswehr- Ehrenkompanie; SA.-Ehrensturm Standarte 116; I. R. K. W. 116; R. I. R. 116; L. I. R. 116.
2. Gruppe: Reitergruppe; R. I. R. 222; I. R. 186; R. I. R. 254; I. R. 390; I. R. 418.
3. Gruppe: Arbeitsgemeinschaft der Gießener Militär- und Regimentsvereine, einfchl. NSDFB. ^Stahlhelm); Gießener Vereine; Festwagen.
Der Festzug wird am Oswaldsgarten und am Wernerwall aufgestellt werden.
Die Fahnen des Regiments werden von der Traditionskompanie am Samstag, 21. Juli, am Bahnhof abgeholt. Andere Formationen nehmen hieran nicht teil.
Wie der Empfangsausschuß berichtet, sind auch die Vorarbeiten für die S o n d e r z ü g e mit den entsprechenden Anschlüssen zum Abschluß gekommen. Sonderzüge mit 60 Prozent Fahrpreisermäßigung werden auf den Strecken von Frankfurt, Lauterbach und von Büdingen nach Gießen und zurück gefahren. Die Fahrpreisermäßigung wird auch von den Stationen aus gewährt, die nicht an der Sonderzugstrecke liegen. Nur müssen die Fahrkarten an den Ausgangsstationen vorher bei dem Einsteigebahnhof des Sonderzuges bestellt und beim Lösen der Fahrkarte für die Nebenstrecken vor- gezeigt werden. Ferner werden im Umkreis von 75 Kilometer um Gießen am 21. und 22. Juli von allen Bahnhöfen Sonntagskarten nach Gießen ausgegeben. Die Fahrpläne der Sonderzüge und der Anschlüsse werden in den nächsten Tagen bekannt werden.
Die von auswärts eintreffenden alten 116er werden bei ihrer Ankunft von einer Musikkapelle in alter 116er-Uniform am Bahnhof abgeholt.
Die Bevölkerung unserer Stadt wird _ gebeten, durch reiche Schmückung der Häuser den alten llöern einen würdigen Empfang zu bereitem


