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war — schließlich doch der Hereingefallene zu sein.
Oberheffen
langt den volkswirtschaftlich gerech. t e n Preis. Einen Preis, der sich aus dem notwendigen Erzeugerpreis der Be- und Verarbeitungs
quote und der Spanne des Handels zusammensetzt und dennoch für die Verbraucher tragbar ist. Da es sich um lebensnotwendige Verbrauchsgüter der Nation handelt, die nur im Rahmen dieser gesetzlichen Regelung verteilt werden müssen, kommt das Risiko des Handels selbstverständlich in Fortfall.
Die Spanne wird so verringert und der Erzeugerpreis gehoben, ohne daß der Verbraucher damit belastet werden muß. Allerdings muß nunmehr der Erzeuger sich nach dem tatsächlichen Bedarf des Volkes richten und so eine Uebererzeu- gung vermeiden. Dafür wird er schon beim Beginn des Jahres die Gewißheit einer bestimm- ten Einnahme baden und die Nutzung seines Hofes das ganze Jahr hindurch darauf abstellen können. Er hat es nun nicht mehr nötig, bei jedem
Gelnhausen und Gießen sind erreicht. Ein Zug fährt 9.35 Uhr aus Lich und ist um 10.40 Uhr in Grünberg, der Anschluß an den Zug, der 12.20 Uhr in Gießen eintrifft, ist erreicht.. Auf der Rückfahrt wird in Lich der Anschluß an den Reichsbahnzug erreicht, der 15.05 in Gießen ist. Ein Abendomnibus nimmt 19.35 die Reisenden von Gießen und Gelnhausen in Lich mit. Der Wagen erreicht den Zug, der 20.47 Uhr von Gießen in Grünberg eintrifft, so daß man bis 20.12 Uhr in Gießen bleiben kann und doch noch einen Zug nach dem Heimatorte hat. Am Mittwoch und Samstag ist allerdings die Lage dadurch anders, daß man schon 18.26 Uhr in Grünberg abfahren muß. Es ist aber vorgesehen, daß ein schnellerer Wagen den Zug 18.50 Uhr aus Gießen abwarten kann.
Wenn man nun noch weiß, daß diese günstigen Fahrgelegenheiten sehr schlecht benutzt werden und daß die Bahnverwaltung im letzten Jahre über 8000 Mark bei dem Omnibusverkehr zugesetzt hat, so wundert man sich nur über zwei Dinge: erstens, daß die Verbindung überhaupt noch so aufrechterhalten wird, da sie nachweislich.nicht rentiert, zweitens, daß man klagt, daß die Verbindung nicht noch besser sei. Denn selbst früher war sie nicht besser. Man soll doch froh und dankbar sein,
feit gesetzt und anerkannt werden.
Daß Sonntagszüge, die auf der Strecke seit 25 Jahren nur sehr gering besetzt waren, meistens sogar ohne Passagiere liefen, nicht gefahren werden, ist allerdings ein Schönheitsfehler, der aber bei der kritischen Lage der Bahn getragen werden muß.
Kurz: es wäre ebenso unwahrhaftig wie undenkbar, wollten wir mit den Gemeinden der oberen Strecke nicht anerkennen, daß die Butzbach-Licher- Eisenbahn, so gut wie es eben geht, allen nötigen Bedürfnissen entgegenkommt. Wir hoffen mit der Bahnverwaltung, daß bessere Zeiten dann auch die restlose Erfüllung aller Wünsche bringen.
Landkreis (victzen.
* Lich, 14. Juli. Der Landesverband der Schafzüchter in Hessen-Nassau veranstaltet hier eine Schafbockoer st eigerung. Interessenten können aus der heutigen Anzeige Näheres ersehen.
* Londorf, 13. Juli. Die 70 Jahre alte Witwe Katharina Fabel von hier erlitt bei einem schweren Srurz st arte Verletzungen der Schulter und der Gelenke, die ihre Uebersührung in die Chirurgische Klinik zu Gießen erforderlich machten.
Kreis Büdingen.
* Nidda, 13. Juli. Der 21 Jahre alte Elek- triker Friedrich D e b u s i verunglückte bei der Arbeit dadurch, daß ihm ein starker Stahl- splitter in die Brust eindrang. Mit einer chweren Verletzung, mußte der bedauernswerte junge'Mann der Chirurgischen Klinik zu Gießen zugeführt werden.
Kreis Alsfeld.
* Alsfeld, 13. Juli. Die hiesige „Oberhessische Zeitung" berichtet heute folgendes: Ein gewisser S. aus Frankfurt versuchte im Auftrage von obskuren Elementen aus Alsfeld und Zell die Nat.-Soz.
Landesobmann Seipel in den Reichsbauernrat berufen.
LPD. Friedberg, 13.Juli. Der Landesobmann der Landesbauernschaft Hessen-Nassau und Kreisleiter des Kreises Friedberg, W. Seipel, ist vom Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister D a r r ä als lebenslängliches und ordentliches Mitglied in den R e i ch s b a u e r n r a t berufen worden. Trotz dieser Berufung wird es dem Pa. Seipel auch weiterhin möglich sein, seine Tätigkeit als Landesobmann und Kreisleiter auszuüben.
Gattenmord im Vogelsberg.
♦ Schotten, 14. Juli. In dem kreisorte k a u l st o ß verstarb am Dienstagnachmittag der 55 Jahre alte Otto Ortwein, ein Vater von 8 Kindern. An seinen Tod knüpften sich mancherlei Gerüchte, die davon wissen wollten, daß der INann keines natürlichen Todes geworben fei. Die von diesen Erzählungen sofort benachrichtigten zuständigen Behörden in Schotten und die Staatsanwaltschaft, sowie die Kriminal- potizelstelle Gießen leiteten umgehend eine Untersuchung ein, die ergab, daß die Ehefrau ihrem TNanne, während dieser an einer Verbrennungswunde krank darniederlag, am Freitagmorgen Salzsäure in den Kaffee geschüttet hatte, die der TNann auch im Kaffe trank. Dadurch trat aber der Tod des Mannes noch nicht ein, so daß sich die Frau zu einem neuen Gewalt- a k t entschloß, weit sie die Absicht hatte, ihren Mann zu beseitigen. Am Dienstagnachmittag begab sie sich an das Krankenlager des Mannes und schlug diesem mit einem Hammer dreimal mit großer Wucht auf den Kopf, während sie den Mann gleichzeitig am halse packte und würgte. Durch das würgen und die Hammerschläge auf den Kopf, in Verbindung mit der durch die Salzsäure geschwächten Widerstandskraft des Körpers trat der Tod des Mannes unmittelbar nach der grausigen Tat ein. Die Täterin, die 35 Jahre alte Frau Karoline Ortweln, wurde noch am Dienstagnachmittag verhaftet, ebenso der mit in ihrem Hause wohnende Vater der Mörderin, der 62 Jahre alte Friedrich h a i n z. Die Verhafteten wurden in das Amtsgerichtsgefängnis in Schotten eingeliefert, wo sie sich zur Zeit noch befinden. Unter der Last des Veweismaterials hat die Frau ein volles Geständnis abge-
ware, zum frei verfügbaren Privatbesitz machte. Jahrhundertelang ertrug das deutsche Bauerntum das Joch dieser Knechtschaft, Ströme deutschen Blutes flössen im Kampf der Bauern um ihre Freiheit, bis Adolf Hitler im Reichserbhofgesetz die Grundsätze des Odal zu neuem Leben erweckte.
Der Geist eines freien, aufrechten Mannestums durchpulst nun wieder den Staat. Nur ein solcher wird erkennen können, daß nicht der Gedanke der Rentabilität der einzelnen Wirtschaften das Geschick eines Standes oder des gesamten Volkes bestimmt, wie es der Liberalismus lehrte, sondern ihre Einordnung in die Gesamtheit. Nur diese verschafft gerechte Preise und das Einkommen, das jedem auf Grund seiner Arbeitsleistung zukommt. Nicht der Landwirt, der der gerissenste Kaufmann ist, soll eine hohe Rentabilität seines landwirtschaftlichen Betriebes haben, sondern jeder Bauer und Landwirt soll, verwurzelt mit seinem Grund und Boden, in sich die ungeheuere Verpflich- tuna gegenüber seinem Volk fühlen und danach handeln.
Politik bestimmt die Wirtschaft und nicht umgekehrt. Deshalb mußte, weil die Politik der tragende Teil ist, auf agrarpolitischem Gebiet die Wandlung kommen, die den Weg des deutschen Bauerntums grundsätzlich änderte: das Reichserbhofgesetz. Erst in zweiter Linie konnte das agrarwirtschaftliche Gebiet in Angriff genommen werden. Aber auch hier mußte der Geist des Nationalsozialismus gestalten. Auf dem Markt der lebensnotwendigen Erzeugnisse entstand bisher stets im „freien Spiel der Kräfte" eine steigende oder fallende, oft auch ins Uferlose fallende Preislage. Und in dieser ungebundenen, sich selbst überlassenen Wirtschaft wurzelte wiederum die Weltwirtschaftskrise mit all ihren ungeheuerlichen Erscheinungen. Das Reichsnähr- standsgefetz und die zusätzlichen Gesetze über den Zusammenschluß der Mühlen, über den Verkehr mit Milcherzeugnissen, Eiern und jetzt auch mit Schlachtvieh brechen grundsätzlich mit dem Auf und Ab der Preise als Ergebnis des freien Spiels der Kräfte auf dem liberalistischen Markt. Es sollen hierbei keine festen Kartellpreise zur Sicherung von Gewinnen geschaffen werden, sondern diese Maßnahmen wurden getroffen aus dem Willen heraus, der ganzen Nation zu helfen. Der Nationalismus denkt an die Kaufkraft des ganzen Volkes und o e r -
daß wir mit viel Arbeit und Kampf diese Verkehrsmöglichkeiten erreicht haben, und soll sie nicht durch unbillige Forderungen in Gefahr bringen. Freilich hat sich die Gemeinde Münster durch Kurzsichtigkeit selber aus dem Omnibusverkehr aus- gefchaltet, indem sie als einzige Streckengemeinde durch Kündigung der Obligationen die Bahn in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Dadurch wurde eine kostspielige Stichfahrt nach Münster aufgegeben. Daß gerade die Bürgermeisterei Münster diesen kurzsichtigen Beschluß eines verflossenen Gemeinderats nicht teilte, muß in alle Oeffentlich-
l e g f. Der mitverhaftele Vater der THörberin bestreitet jede Schuld; die Untersuchung ist nach dieser Richtung hin noch im Gange. Zwischen dem ermordeten Wanne einerseits und der Wörde- rin und ihrem Vater anderseits herrschten schon eit längerer Zeit tiefgehende Zwistig- 'eiten, die sogar ausgesprochen feind seli- jjen Charakter angenommen hatten. In diesen zerrütteten Familienverhällniffen ist auch der Beweggrund zu der furchtbaren Tat zu erblicken.
Butzbach-Licher Eisenbahn AG.
Wir erhalten die nachstehende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung. D. Red.
Der Bericht in Nr. 160 zweites Blatt des „Gieß. Anz." ist geeignet, ein falsches Bild von der Verkehrslage der Strecke Lich — Grünberg zu wecken. Wenn Bürgermeister Heß- Münster von den Verkehrswünschen der Gemeind e n der oberen Strecke Lich—Grünberg gesprochen hat, die dahingingen, daß ein Morgen- und ein Abendzug zu der Mittagsverbindung gewünscht würden, so zeigt ein Blick in den Fahrplan, daß die Gemeinden Nieder- Bessingen, Ober-Bessingen, Ettingshausen und Queck- born diese Verbindung haben. Ein Autoomnibus fährt früh 6.12 Uhr aus Lich und ist gegen 7 Uhr in Grünberg, so daß die Reisenden die Verbindung nach der Stadt Gießen durch Anschluß an Zug 7.14 Uhr ab Grünberg haben. Auf der Rückfahrt ist der Wagen 8.05 Uhr in Lich, die Anschlüsse nach
Deutsche Arbeiterpartei in Mißkredit zu bringen. S. ist ein ausgesprochener Wichtigtuer. Der Kreisleiter ließ den Mann, der verschiedentlich als Beauftragter der Gauleitung bzw. der Reichsleitung aufgetreten war, kurzerhand verhaften und später zu seiner Bestrafung nach Frankfurt verbringen.
< Ober-Ohmen, 13. Juli. Das No t- st a n d s p r o j e k t der Gemeinde, zirka e i n Kilometer Wegebau am Galgenberg, ist beendet. Die dadurch freigewordenen Arbeiter sind nun bei Meliorationsarbeiten in Beschäftigung gebracht worden. Es handelt sich hierbei um die Schleifung von größeren Unebenheiten auf Gemeindewiesen in der „Engelstruth". Nach Fertigstellung dieser Arbeit können die Wiesen auch an diesen Stellen mit der Maschine gemäht werden. — Die Arbeiten am Schwimmbad schreiten rüstig vorwärts, so daß demnächst mit der Eröffnung eines geregelten Badebetriebes gerechnet werden kann. — Durch den Wiederaufbau der durch das Großfeuer niedergeleaten Gebäude ist eine ganze Anzahl Maurer in Arbeit gekommen. Hier hat sich überhaupt in diesem Jahre eine rege Bautätigkeit entfaltet, wozu nicht unwesentlich die Gewährung staatlicher Zuschüsse beigetra- gen hat.
* Ruppertenrod, 13. Juli. Durch einen unglücklichen Sturz trug die 63 Jahre alte Witwe Elise Horst so schwere Verletzungen am Oberkörper, insbesondere an den Schultern, davon, daß sie nach -der Chirurgischen Klinik in Gießen verbracht werden mußte.
Der Präsident des Volksgerichtshofes, dessen Mitglieder durch den Reichskanzler ernannt wurden, ist Dr. Fritz Rehn, Senatspräsident beim Berliner Kammergericht.
Wir stehen am Anfang der Entwicklung des deutschen Bauerntums, und eine große Erziehungsarbeit muß noch am deutschen Bauern und im deut- chen Volk geleistet werden. Wer sich mit den Ge- etzen der nationalsozialistischen Agrarpolitik befaßt, )arf nicht in kleinlicher Kritik nur das sehen wollen, was ihm persönlich unangenehm ist, aber zum Wohle der Allgemeinheit dient. Man muß mit ehrlichem Herzen die Größe der Aufgabe, den klaren und geraden Weg und das hohe Ziel zu erfüllen bereit sein, die uns der Führer hier zeigt. Der Nationalsozialismus wird das Blut an den Boden fesseln, er verlangt Achtung vor dem Erbgut, vor dem Wert des deutschen Bauern auf deutscher Scholle. Heute schon ist der Begriff das Odal, der Begriff von Blut und Boden zu einem Wahrzeichen geworden, dessen fundamentale Bedeutung nicht mehr angezweifelt wird. Klar ist der Weg vorge- i zeichnet, den wir gehen müssen, klar liegen die Auf- Verkauf die Jagd nach dem höchsten Preis mitzu- gaben vor uns. Groß und heilig weist uns'unser machen, um dann — wie es nur zu oft der Fall Blut den Weg zum Ziel des Führers.
Zwei Mnner und Hiida
Vornan von Hermann W. Walber.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
4 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Ja — und nun war er auf dem besten Wege dazu. Nur wenige Wochen trennten ihn von unermeßlichem Reichtum und großer Macht.
Griff jetzt das Schicksal mit einem Male nach ihm?
Sollte er wieder zurück in die Welt der Mya Körber?
Nein! Dieser Walter Knauer durfte und sollte ihm keinen Strich durch die Rechnung machen.
Und hartnäckig überlegte er, was zu tun fei.
Es galt, den für feine Zukunft gefährlichen Menschen unschädlich zy machen.
Aber wie? Das war die Frage, mit der er sich abquälte.
Er setzte seinen Hut auf. Zunächst wollte er einmal feststellen, in welcher Abteilung der Gegner tätig war. Er mußte ihn sprechen, um zu wissen, wie er sich wohl verhalten würde.
Er hatte sich bald nach Knauers Abteilung durchgefragt.
Maschinen ratterten, Motoren summten.
Knauers Arbeitsplatz war in einer Ecke, hinter Warenstapeln. Niemand sonst sah, wie der „Neue", allgemein im Betrieb nannte man ihn so, sich hinter den Arbeiter stellte und ihn beobachtete.
Walter Knauer spürte, daß sich hinter seinem Rücken jemand aufhielt. Er wandte den Kovf. Als er sah, wer bei ihm stand, stellte er mit schnellem Handgriff die Maschine ab und sprang von seinem Hocker hoch.
In dieser beiden Menschen Augen leuchtete glühender Haß!
Dieser Kontrast!
Starkes Parfüm mischte sich mit dem Oelgeruch der Maschine.
Der eine Mann im blauen Anzug, mit schwieligen, zu Fäusten geballten Händen, der andere geschniegelt, elegant, die eine Hand lässia in der Hosentasche, die zweite in den Westenausschnitt eingehakt.
Es klang herrisch, als sollte von vornherein jeglicher Widerspruch abgeschnitten werden:
„Warum arbeiten Sie nicht weiter?"
Da reckte sich der andere zu seiner vollen Höhe. Die Muskeln an den aufgekrempelten Armen strafften sich.
„Ein Hans Kirchhoff hat mir nichts zu befehlen — vor allem hier nicht."
Hans von Kirchhofen erbleichte. Also — aus d e r Ecke wehte der Wind. Es schien, als wollte er sich auf den Arbeiter stürzen.
Der aber hob drohend die Faust:
„Hüte dich, Erbärmlicher!"
Dann drehte er sich um, war mit einemmal wie die Gleichmut selber, kümmerte sich um nichts weiter und war gleich darauf in seine Arbeit so vertieft, als sei überhaupt nichts vorgefallen.
Hans von Kirchhofen biß sich vor ohnmächtiger Wut auf die Lippen.
Er sah jetzt klar. .
Dieser Mann da war sein grimmiger Feind, der ihn bei Gelegenheit vernichten würde.
Er sah die rasend rotierenden gewaltigen Treibriemen.
Es ging ums Ganze!
Wenn nun jetzt — einer der Riemen — den Knauer — mit emporziehen würde ...
Und schon hatte er mit festem Griff hinterrücks den Nichtsahnenden gepackt. Fest umklammerte er dessen Arme und Brust. Seine Wut, seine Angst vor der Rache des anderen verliehen ihm Bären- kräfte.
Ein Körper flog mit hartem Ruck gegen das Maschinenwerk!
Ein Schreckensschrei!
Ein Schrei, wie ihn nur Todesnot gebiert...
Ein Menschenkörper flog zur Decke, wurde noch ein zweites Mal von der Gewalt des Treibriemens mit herumgerissen und schlug dann reglos zu Boden.
Unbewegt sah Hans von Kirchhofen, was er an- qerichtet hatte. Auf die entsetzt herbereilenden Arbeiter machte er den Eindruck eines Menschen, dem der Schrecken Glieder und Zunge gelahmt hatte. t ,
Ein Unglücksfall! Alarm in den Werken!
Sanitäter eilten herbei. Ein Arzt war ebenfalls sehr schnell zur Stelle.
„Er lebt!" Aber des Arztes Mienen druckten Zweifel darüber aus, ob der Aermste noch lange leiden würde. v -
Mit dem Krankenwagen wurde Walter Knauer, der ohne Besinnung lag, ins Krankenhaus gebracht.
Die polizeiliche Vernehmung Kirchhofens, des einzigen Augenzeugen, ergab einwandfrei den Tatbestand eines bedauerlichen Unglucksfalls, der allerdings jedem unerklärlich war. Knauer galt allgemein als vorsichtiger, sorgfältiger Arbeiter.
*
Mya Körber hatte den Mietwagen an der Straßenecke verlassen und war die kurze Strecke bis zu Kirchhofens Villa zu Fuß gegangen Auf ihr Klingeln öffnete ein Diener, der die Besucherm abwies.
„Herr von Kirchhofen ist nicht zu Haufe!
Sie ließ sich jedoch nicht so kurzerhand abfertigen.
„Ich warte, bis er zurückkehrt." ,
Damit drängte sie sich durch die Tur Dem Diener — er war erst wenige Tage im Dienst — war sie unbekannt, und er dachte mit helllosem Schreck an das, was jetzt kommen mußte. Der Herr hatte nicht gestört fein wollen. .
Im oberen Flur knarrte eine Tur Leichte Schritte waren auf dem Teppich, der die Treppe bedeckte, hörbar.
Die Liebenswürdigkeit selbst, ging Hans von Kirchhofen auf die Besucherin zu und lud sie nach höflichem Handkuß zum Nähertreten ein.
Als sich die Tür hinter den beiden geschlossen hatte, streifte der Hausherr die Maske ab, und zynisch wandte er sich an Mya:
„Was verschafft mir die hohe Ehre?"
„Du fragst?"
Ein liebendes Weib stand da, zag und in banger Erwartung.
„Bitte, nur nicht sentimental werden! Sage klipp und klar, was dich herführt! Nach Geld kann dein Verlangen nicht gehen, davon hast du selber genug. Aber ich bin trotzdem bereit, falls..."
„Hans, du weißt, wie ich dich liebe! Komm und fei wieder der alte!" x
Die schwarzhaarige Frau fiel schluchzend auf einen der Lederstühle.
Der Mann schnippte mit den Fingern wie einer, dem etwas lästig ist.
„Was soll diese Szene! Du hättest sie dir ersparen können. Du warst gut und lieb zu mir, du hast mir geholfen. Das will ich durchaus anerkennen. Glücklicherweise komme ich bald in die Lage, dein anständiges Benehmen auch anständig zu bezahlen."
Wie eine Furie stand da plötzlich Mya Körber vor ihm. lieber das vom Weinen entstellte Gesicht zog Trotz und Haß.
„Ich verzichte auf dein Geld, das du mir erschwindeln willst. Ich hasse dich und — wen ich hasse, der mag sich fürchten."
Hans von Kirchhofen griff nach ihren Hand- gelenken und hielt sie fest.
„Mit Drohungen willst du kommen, Weib? Was weißt du denn von mir? Gar nichts! Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben! Du stehst mir im Wege."
Und bann preßte er gleich hinterher noch durch •bie zusammengebissenen Zähne:
„Ich scheue vor nichts zurück — hörst bu — vor nichts." r
Damit brückte er sie von sich ab, baß sie taumelte:
„So, nun bist bu im Silbe. Unb nun verlasse mein Haus."
Mya Körber wagte nichts gegen die rohe Gewalt. Sie packte ihre Taschen, wischte sich schnell, mit einem Tuch über bie Augen, um dann wortlos bas Zimmer zu verlassen.
Kurz barauf ftanb sie im Freien.
Sie warf noch einen Blick auf bas Haus unb ballte ihre Rechte zu einer Faust.
„Diese Demütigung wirb bir nicht vergessen!" Wie man nur jemanbem so lästig werben konnte! Mit biesen Worten schüttete Hans von Kirchhofen das Erlebnis von sich ab. Er freute sich, daß er so deutlich geworden war: Die rückte ihm jetzt hoffentlich nicht mehr auf den Leib!
Und dennoch, eigentlich war es doch schade, daß er sich jo hatte hinreihen lajjen.
So manche angenehme Erinnerung war mit der schwarzen Mya für ihn verknüpft.
Ein hübsches, rassiges Weib!
Es wäre schließlich nicht nötig gewesen, jegliche Brücke mit ihr abzubrechen.
Aber — machte er denn nicht einen guten Tausch?
Hilda Geyerling war ja zwar ein ganz anderer Typ als die schwarze Here. Sie war aber in ihrer Art auch hübsch und stattlich, und Leidenschaft besaß sie ganz sicherlich ebenfalls, eine Leidenschaft, die von Liebreiz umkleidet war. Er würde diese Leidenschaft schon zu entfesseln wissen.
Der Gedanke an Hilda erinnerte ihn an feine Pflicht. Er hatte doch zugesagt, die Damen ins Theater zu begleiten.
So gab er denn Befehl, den Wagen bereitzuhalten.
Er lachte!
Das war für ihn eine Überraschung gewesen, als Mutter Geyerling ihm vor einigen Tagen den funkelnagelneuen „Mercedes" schenkte.
Nun ja, es hatte sich da um die Antwort auf fein Verlobungsgeschenk gehandelt, das in einem Perlenhalsband bestand. Eine schöne Stange Geld hatte ihn das gekostet. Er war aber nicht daran vorbeigekommen, und vorläufig konnte er die Ausgabe noch verschmerzen.
Das „Geschäft" bei Mya Körber hatte seinen Mann ernährt, und darüber hinaus ließ sich manches auf die hohe Kante legen. Erfolge auf dem Turf und an der Börse hatten das ihrige dazugetan.
Immerhin — sein Lebensaufwand war schließlich auch, nicht billig, und Ewigkeiten würde sein Vermögen jedenfalls nicht reichen.
Sorgen? Bewahre!
Es galt nur, sich vorzusehen! Und waren denn nicht seine Vorbereitungen zu dem ganz großen Wurf weit genug gediehen?
Eines nur durfte er nicht vergessen.
Er telephonierte das Krankenhaus an und erkundigte sich nach dem Befinden Knauers.
Die Auskunft lautete für ihn beruhigend. Der Verunglückte war bis zur Stunde noch befinnungs- los. „ _
„Es steht höchst bedenklich!" sagte man ihm. „Es liegt eine schwere Gehirnerschütterung vor. Dazu kommen die Knochenbrüche. Man kann stündlich das Ableben erwarten."
Er hängte den Hörer an. Er war befriedigt.
Nun würde er wohl bis an fein Ziel kommen.— Knauer stirbt und dann war die Bahn frei!--
Er steuerte den Waaen selbst. In wenigen Minuten war er an der Villa Geyerling, wo er bereits sehnsüchtig erwartet wurde.
Eine Viertelstunde später saß Kirchhofen mit Hilda und Liesgreta Geyerling in der Loge des Staatstheaters, und sie lauschten den feierlich-festlichen Klängen von Wagners „Meistersingern".
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