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Die Richter des Volksgerichtshofes

Berlin, 13. Juli. (DNB.) Amtlich wird mit­geteilt: Der Herr Reichskanzler hat auf Vorschlag des Herrn Reichsministers der Justiz gemäß Ar­tikel III § 2 des Gesetzes zur Aenderung von Vor­schriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom 24. April 1934 (Reichsgesetzblatt 1/143) a u f die Dauer von fünf Jahren zu Mit­gliedern des Volksgerichtshofes er­nannt:

1. Senatspräsident beim Kammergericht Dr. Rehn, Berlin;

2. Senatspräsident B r u n e r, München;

3. Senatspräsident Springmann, Düssel­dorf-Wuppertal;

4. Landgerichtsdirektor Schauwecker, Bres­lau;

5. Landgerichtsdirektor Dr. Schaad, Düssel­dorf;

6. Landgerichtsdirektor Dr. Merten, Kiel;

7. Amtsgerichtsrat Dr. Zieger, Altona;

8. Landgerichtsdirektor Dr. Köhler, München;

9. Landgerichtsdirektor Hartmann, Dresden;

10. Landgerichtsdirektor Lämmse, Stuttgart; 11. Landgerichtsdirektor Lu a e r, Karlsruhe;

12. Landgerichtsdirektor Dr. Löh mann, Ham­burg;

13. Oberst Busch, Kommandeur des Jnf.-Rgts. Rr. 9, Potsdam;

14. Oberstleutnant Reinecke, im Reichswehr­ministerium;

15. Fregattenkapitän Förster, im Reichswehr­ministerium;

16. Korvettenkapitän Rollmann, im Reichs­wehrministerium;

17. Dr. H e r z l i e b , im Reichswehrmmlstermm;

18. Flieger-Kommodore Fritz Christiansen;

19. Flieger-Kommodore F elmy;

20. Flieger-Kommodore Wenninger;

21. Flieger-Kommodore S t u m p f f;

22. Flieger-Kommodore Wimmer;

23. Obergruppenführer Staatsrat vonJagow;

24. Gruppenführer Freiherr von Eber st ein;

24. Gruppenführer Meyer-Quade;

26. Gruppenführer Staatssekretär Hofmann, München;

27. Gruppenführer Hauptmann a. D. Weiß, Berlin;

28. Regierungsrat K l i tz i n g, Schwerin/Mecklen- burg, Gauleitung;

29. Landesbauernführer Bredow, M. d. R., Manschnow-Oderbruch;

30. Kreisleiter W o r ch, Brauer und Mälzer, Karlsruhe;

31. Flugleiter Hartmann, Dessau;

21. Justizinspektor Angermann, Breslau, Gauleitung.

Ferner hat der Herr Reichsminister der Justiz gemäß § 2 der Verordnung über den Volksgerichts­hof vom 12. Juni 1934 (Reichsgesetzblatt 1/492) den Senatspräsidenten beim Kammergericht Dr. Fritz Rehn zum Präsidenten des Volksgerichts­hofes und Vorsitzenden eines Senats und die Se­natspräsidenten 'Wilhelm B r u n e r und Eduard Springmann zu Vorsitzenden eines Senats des Volksgerichtshofes bestimmt.

England und die pakipläne.

Große Aussprache im Unterhaus.

London, 13. Juli. (DRB.) Im Unterhaus er­klärte Außenminister Simon u. a., Barthou sei hauptsächlich gekommen, um über die mögliche Schaffung eines gegenseitigen Hilfeleistungs- p a k t e s zu sprechen, der eine Anzahl von Ländern in Osteuropa umfassen würde. Der Plan ent­halte in erster Linie einen gegenseitigen Hilfelei­stungspakt zwischen Sowjet-Rußland, den baltischen Staaten, Polen, der Tschechoslowakei und Deutschland. Der Pakt würde dem Bei­spiel von Locarno folgen. Ein weiterer Punkt gehe dahin, daß Rußland in gewisser Hinsicht mit Locarno in Verbindung ge­bracht werde. Dies würde in der Form einer Garantie Rußlands an Frankreich auf der einen Seite und an Deutschland auf der anderen Seite geschehen, falls sich eine Lage ergebe, die den ursprünglichen Locarnovertrag wirksam werden lasse. Eine von Frankreich ange­botene Versicherung geben, werde sich so­wohl auf die russischen Grenzen, als auch auf die Ost grenze Deutschlands beziehen. Es sei ein Pakt der regionalen Garantien. England könne eine neue Abmachung zwi­schen europäischen Staaten, die darauf ab­ziele, eine Kombination gegen eine andere aufzubauen, nicht durch eine mora­lische Unter st ützung ermutigen. Eng­land übernehme keinerlei neue Verpflich­tungen. Es sei wichtig, daß Sowjetrußland unter dieser Abmachung in den Völkerbund ein­trete. England sei bereit, Rußland herzlich im Völkerbund zu begrüßen. Dieses Uebereinkommen sollte eine vernünftige Anwendung des Grundsatzes der deutschen Gleichbe­rechtigung in einemSystem derSicher- h e i t für alle Nationen vorsehen. Deutschland müsse ein Mitglied dieser neuen Kombination werden, wenn sie zustandekomme. Deutschland würde in einer solchen Kombination, wenn es daran teil­nehmen wolle, sehr wertvolle zusätzliche

Versicherungen unter dem System der Sicher­heit erhalten.

Das neue System, wenn es zustande käme, würde im wahrsten und vollständigsten Sinn g e - genseitiger Natur sein und könnte unter keinen Umständen als eine ausgewählte Kombi­nation zwischen gewissen Mächten betrachtet werden. Die englische Regierung habe beschlossen, ihre An­sicht bekanntzugeben, daß ein Ostpakt der gegenseiti­gen Garantien, begründet auf den strengsten Grund­sätzen der Reziprozität und abgefaßt mit dem ech­ten Ziel, die Grundlagen des Friedens in der Welt durch Schaffung einer weiteren Basis der gegen­seitigen Garantien zu stärken, die Unterstüt­zung der englischen Regierung und des englischen Volkes wohl verdiene. Die englische Regierung habe bereits in Verbindung mit anderen Mächten gestanden und ihnen nahegelegt, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Erfolg der Verhandlungen sicherzustellen. Er freue sich, mit­teilen zu können, daß er eine Verlautbarung von Mussolini erhalten habe unter der klaren Voraussetzung, daß der Ostpakt der gegenseitigen Garantien keinerlei Verpflichtungen mit sich bringe, betrachte die italienische Regierung Ab­machungen auf einer Grundlage der Wechselseitig­keit mit Sympathie, insbesondere wenn solche Vorschläge neue Möglichkeiten in der Form der Begrenzung und Herabsetzung der- st u n g e n bieten und die Gleichheit der Rechte um­fassen.

Der liberale Abg. Mander

kam dann auf die Gerüchte über ein neues englisch-, französisches Militärbündnis zu sprechen. Neuer­dings hätten gewisse Besprechungen zwischen hohen Offizieren der Armee und der Luftwaffe Frankreichs und Englands stattgefunden. Man habe gehört, daß diese militärischen Verhandlungen im Sinne der Vorkriegsbesprechungen im Gange gewesen seien. Ferner sei gesagt worden, daß zwar

keine neuen Verpslichtungen und Abmachungen ein­gegangen würden, daß aber Gedanken geäußert worden seien, wie z. B. über die Errichtung von Flugzeugstützpunkten auf dem Festlande, die als eine O p e r a t i o n s b a s i s für englische Streitkräfte dienen könnten, und daß in Eng­land Maßnahmen für die Entsendung eines Expeditionskorps nach dem Fe st lande geprüft würden. Wenn diese Dinge nur'von einer Gruppe von Nationen erwogen würden, dann wäre ein solches Vorgehen Höch st unerwünscht. Man hoffe, daß die Regierung in diesem Zusammen­hang eine Erklärung abgeben würde.

Winston Churchill

erklärte: Seiner Ansicht nach solle der Völkerbund die Bildung von Regionalpakten für die gegensei­tige Sicherheit gegenüber Angreifern unterstützen. Dieser Prozeß könne möglicherweise zur Schaf­fung einer internationalen Streit­kraft, insbesondere einer internationalen L u s t m a ch t führen. Nach einem Loblied auf Ruß­lands Politik, die eine Politik des Friedens fei, ging Churchill zu seinem üblichen Angriff auf Deutschland über. Deutschland hätte bereits Aufrüstungsmaßnahmen und zwar besonders in der Luft ergriffen. Die deutsche zivile Luftfahrt seigi­gantisch^ und es sei gut möglich, daß die deutsche Luftfahrt nächstes Jahr um diese Zeit stärker als die englische sein werde. In Deutschland so be­hauptete er ständen zwei oder drei Männer an der Spitze der Politik. Es gebe keine öffentliche Mei­nung und kein Parlament. Nach seiner Meinung könnten Männer in dieser Lage versucht sein, sich von einer großen Gefahr im Innern zu befreien, indem sie sich in ein ausländisches Abenteuer ge­fährlichster und katastrophalster Art stürzten.

Sir Austen Chamberiam

erklärte, die Aufnahme dieses Vorschlags in Deutsch­land würde der Prüfstein sein, an dem man fest­stellen könne, welchen Zweck Deutschland mit seiner Forderung nach Rüstungsgleichheit verfolge, und ob es sich mit 'Sicherheit zufriedengebe, oder die Ober­herrschaft verlange.

Lordsiegelbewahrer Eden

schloß die Aussprache mit einem Hinweis auf die Gerüchte von einer neuen englisch-französischen militärischen Zusammenarbeit ab. Die Antwort auf die Frage, ob vor oder während der Besprechungen zwischen den englischen Ministern und Barthou zu irgendeiner Zeit militärische Verhandlungen statt­gefunden hätten, oder ob solche Besprechungen über­haupt durchgeführt worden seien, müsse ein be­stimmtesNein" sein.

Rumänischer Besuch in Paris.

Paris, 11. Juli (DNB.) Der rumänische Mini­sterpräsident T a t a r e s c u ist in Begleitung des rumänischen Finanzministers in Paris eingetroffen. Außenminister Barthou hat Tatarefcu über die Ergebnisse seiner Londoner Besprechungen unter­richtet, vor allem hinsichtlich der O st paktpläne, die auf Vorschläge des rumänischen Außenministers Titulescu zurückgehen. Die französische Regierung hat Wert darauf gelegt, durch den Empfang des rumänischen Ministerpräsidenten in Paris den engen Charakter der französisch-rumänischen Beziehungen 3U unterstreichen. Man rechnet damit, daß Ende dieses oder Anfang nächsten Monats auch König Karol zu einem Besuch nach Paris kommen werde.

Aus aller Well.

Line Spazlerstock'Ausstellung.

In Bandoeng auf Java wird zur Zeit eine interessante Spazierstock-Ausstellung abgehalten, in der Erzeugnisse der noch sehr jungen, auf Betreiben der niederländischen Behörden ins Leben gerufenen eingeborenen Schnitz- und Drechsel- kunst gezeigt werden. Von den 4000 Stöcken, mit denen die Schau beschickt ist, ist fast jedes Exemplar

ein kostbares Wunderwerk, es sind Luxusspazier- stöcke, die sich nur ein Lord leisten kann und so sind auch aus England schon bezeichnenderweise dis ersten Bestellungen in Bandoeng eingelaufen. Alle Stöcke sind aus javanischen Edelhölzern, einige auch aus Ebenholz von Borneo angefertigt, mit Elfenbein-, Gold- und Silberknöpfen versehen, einige sogar mit juwelenbesetzten Goldringen. Der Preis des wertvollsten Stockes, dessen Ring von Brillanten nur so funkelt, beziffert sich auf 6000 Mark nach deutschem Gelde.

Oer Weg des Blutes.

Von Landesbauernführer Dr. Wagner.

Der Kampf des nationalsozialistischen Staates hat dem deutschen Bauern seine Freiheit wiedergegeben, das stolzeste und höchste Gut seiner Väter. Sein Recht, dieses urdeutsche Recht, ist ihm wieder eigen geworden. Diese Freiheit bedeutet aber nicht das Anrecht auf ein egoistisches Ausleben des Daseins ohne Rücksicht auf den Nebenmenschen, sie stellt im Nationalsozialismus eine ungeheuere Ver­pflichtung gegenüber Volk, Sippe und Familie dar. Durch dieses Verantwor­tungsbewußtsein des Einzelnen gegenüber der Ge­samtheit wird die Freiheit des Bauerntums und damit des ganzen Volkes erreicht. Wer den Na­tionalsozialismus nur mit dem Verstand zerglie­dern will und ihn nicht mit dem Herz und einer heißen Liebe zu Deutschland erfassen kann, wird niemals die gewaltige Größe dieser Gedanken be­greifen lernen, diesen heroischen Willen zur Opfer­bereitschaft, der selbst bis zum Einsatz des Lebens führt. Der deutsche Bauer hat in der Geschichte bewiesen, daß er f ü r seine Freiheit jedes Opfer zu bringen bereit ist. Aus einem bhits- mäßigen Instinkt heraus erkannten unsere Väter, daß ihr Kampf der Erhaltung ihrer Eigenart und der Reinhaltung ihrer Rasse in geistiger und kör­perlicher Hinsicht galt. Und sie führten diesen Kampf getreu und tapfer.

Der germanische Bauer wußte nichts von Ver­erbungsgesetzen, wie sie die Wissenschaft unserer Tage erforschte, aber er glaubte an das Blut als den Träger der seelischen und körperlichen Eigenschaften der Vorfahren. Nicht das Leben erst gestaltet den Einzelnen, seinen Charakter und sein Wesen, sein ganzes Tun, sondern er bringt diese Eigenschaften in schicksalhafter Uebertragung aus der Kette der Ahnen mit. Das war der instinkt- sichere, blutsmäßige Glauben unserer germanischen Vorfahren, für den erst nach vielen Jahrhunderten exakteste Forschung den wissenschaftlichen Beweis erbrachte. Und deshalb finden wir bei ihnen diese hehre Ahnenverehrung, deshalb die strenge Gesetz­gebung im Eheleben, aber auch deshalb die un­lösliche Verbindung der Sippe, des Blutes mit dem Boden durch das Odal. Wie die Freiheit des Volkes, der Sippe und der Familie in der Be­schränkung des Einzelnen lag, so war auch das Odal nicht Eigentum des Einzelnen, sondern es war das Eigentum der ganzen Sippe.

Dieses Wort Odal kommt von ob = Eigentum und dem Begriff des A l l. Ein Wort voll innerer Größe, ein Geschenk des Alls, ein Geschenk Gottes, der Sonne und des Lichts an die Sippe. Das Odal war frei, unbelastbar und unver­äußerlich. Und der Anerbe als Führer des Geschlechts war nur der Verwalter des Odals. Wer von einem Odalshofe stammte, war ein freier Mann, er warobalig" oberadelig". Blut unb Boben wirb hier zu einer Einheit, bie in ber Reinhaltung bes Blutes ihre Verehrung ber Ahnen zum Ausbruck brachte. Das Odalsrecht ist ber Garant für bie Erhaltung eines blühenden und gesunden Volkes. Nicht nur die Sicherung der Ernährungsgrundlage wird hierdurch gewährleistet, sondern auch die Hochhaltung der Ehe und damit der Rasse.

Wir hatten ein gesundes Bauernrecht, bis das ärtfremde römische Recht den Boden zur Handels-

Wilhelm von Scholz.

Zum 60. Geburtstag des Dichters.

Von Hans Sturm.

Es ist in meinem Horoskop vorgezeichnet", schrieb der nun 60jährige Dichter, Denker und Deuter Wil­helm von Scholz einmal vor Jahren,baß mein Leben wie ein Pendel zwischen zwei Polen hin und her schwingt: einem starken tätigen Verhältnis zur Oeffentlichkeit als Teilnehmender und Beteiligter, mit in den Strudel Gerissener und auf der an­deren Seite stillster menschenferner innerer Versen­kung. Die meisten Planeten auf der einen Seite im sogenanntenHause der öffentlichen Wirksamkeit"

oder in Beziehung zu ihm und ihm gegenüber (Saturn, ber geheimnisvolle, allein als Grundmacht meines Daseins."

Aus diesem ewigen Aspekt sieht unb beutet Wil­helm von Scholz sein Werden, Wesen unb Wirken er spürt, wie diesesGesetz der Auskehr und Ein­kehr über ihmbesonders zwanghaft waltet". Er ist wie der immer Wandernde:

Zeitlose Ewigkeit war einst dein Traum.

Längst wurdest du Zeit und wanderst durch den v _ Raum.

Du weißt, dein Weg ist nur ein kurzes Stück, Dein Ziel der Abend, doch dein Schritt ist Glück.

Von seinem äußeren Leben ist wenig zu berichten: er wurde am 15. Juli 1874 in Berlin geboren, seine Ahnen flammen jedoch aus dem Schlesischen; mit 16 Jahren kam er auf das väterliche Gut Seeheim bei Konstanz, wo er einezweite Heimat" fand. Nach abgeschlossenen Universitätsstudien ging er nach München, wo er im Jahre 1899 zuerst bie Bühne betrat. Abwechselnd wohnte er dann in Seeheim Weimar, Meran, Hohenschäjttarü fa} Aartal, Dter*

Hambach im Odenwald, zwischenher war er auf län­geren Reisen in Italien, der Schweiz, den Nieder­landen, Vorarlberg und Tirol; hin und wieder lebte er auch in Berlin. Acht Jahre, von 1914 bis 1922, fügte er sichin die festumschriebene Tätigkeit des ersten Dramaturgen unb Spielleiters am Stutt­garterHoftheater", kehrte bann aber wieder in das altgewohnte freie Schriftstellerleben zurück.

In diesem äußeren Umriß fügt sich bas Werden meiner Dichtung leicht ein. Meine ersten Verse ent­standen früh. Aber erst nach meiner Leutnantszeit (1895) schrieb ich Gedichte, von denen mir einige heute noch wertvoll sind." Als er seine Lyrik zu veröffentlichen begann, wurde er bald alsNeuklas- sizist" abgestempelt, allerdings mehr seiner ersten Dramen wegen, und. so wurde seine Dichtung hier und da übersehen. Und doch gehört sie zu dem rein­sten, persönlichsten, dichterischen Ausdruck unserer Zeit und wird noch gelesen werden, wenn das viel- fältige lyrische Gestammel dieser Tage verschollen ist. Man lese still vor sich hin:

Spätes Morgengrauen.

Die nachtkühl beschlagenen Fensterscheiben rührt draußen das Tagesgrauen an, durch den Spiegelschein meiner Kerze treiben ee Morgenwolken heran.

, Licht und ich im ziehenden Grauen, Aus des Glases raumwerdender Tiefe rinnt Welt. Durch den verlöschenden Spiegel schauen Gebirge, See und Wipfel im Wind.

Im Wesentlichen sind es die Beziehungen zwischen innen und außen, die Scholz gestaltet, er spürt den Mächten des Jchs und der Umwelt nach und sucht ihr gegenseitiges Sichdurchdringen tief und dichte­risch zu formen. Immer wieder lockt ihn das Raum­problem (doch nicht das mathematische), das er ohne alles physikalische, physiologische und psychologische Beiwerk erfassen will, er sucht auch nicht die Struk­tur desabsoluten Raums" zu veranschaulichen oder gar den synthetischen Aufbau der verschiedenen Raumdimensionen durch Projektion eines Punktes aus der nächsthöheren Dimension zu zeigen, er will den schöpferischen Raum mtt Worten umreißen:

Wer bist du?

Der Gestaltende, der Waltende.

Und du?

Bin der Gewahrende.

Mein Leib, das Blut, bas in ihm kreist, mein dunkles Sein, wird mir zu Geist; was ohne Worte in mir spricht, wird mir zu Wort, wird mir, wird mir zu Licht.

Ich bin der Offenbarende.

Gott und Nichts ist ihm der uferlose Raum:

Du sinkst in ihn auftastenden Gesichts, fühlst, wie fein Atem saugend dich erhebt, und ruhst doch, du und er: umschlossenes Nichts. Früh schon wandte sich Wilhelm von Scholz dem

Bühneoftück zu. Leu ujtL» großen Lrjolg brache

ihm das historische DramaDer Jude von Kon­stanz", ein Spiel aus Deutschlands unseligen Tagen. Tragische Wucht leiht die unberechenbare Unerbitt­lichkeit des Schicksals dem TrauerspielMeroe"; alles, Gestalten und Geschehen, steht im Zwielicht des Unwirklichen, selbst die merkwürdige Heiterkeit der indischen SeelenwanderungskomödieVertauschte Seelen". Zu nennen wären nochDie gläserne Frau",Die Feinde",Gefährliche Liebe" und die vielgespielten StückeDas Herzwunder" undDer Wettlauf mit dem Schatten"; hier wird das Pro­blem des zweiten Gesichts behandelt, jedoch nicht sensationell, sondern aus dem Erstaunen eines nachdenksamen Menschen heraus.

Der Dichter Scholz kommt von der Mystik des Mittelalters über Hölderlin und Novalis, das ver­rät er auch in seinen epischen Arbeiten. Auch hier bringt er in bie verborgenen Grünbe vor, bie ben meisten als bas Unwirkliche unbekannt finb, bie aber bem Geheimnis des Göttlichen näher find als die lebendigste Wirklichkeit. Neben kleineren Er­zählungen schrieb erPerpetua", den Roman der Schwestern Breitenschmitt, der in Augsburg um 1600 spielt und in behaglicher Breite die Geschicke der Zwillingsschwestern des Lichterziehermeisters malt. Im Schatten des großen Meisters Ekkehard steht die großangelegte ErzählungDer Weg nach Jlok". Der fromme Capistran ist Organisator des Türkenkrieges um 1455 und braust als Diplomat und Inquisitor durch die Handlung dieses Buches; Kloster Jlok ist die Stätte, wo er zu Gott eingeht. In all seinen Prosaarbeiten, besonders in den feinen kleineren Erzählungen, etwa derAntwer­pener Sage" oderAlbrecht Dürers Erlebnis", schaut der Dichter hinter die Dinge, ohne sich im Unwirklichen oder Phantastischen zu verlieren.

Hieran hindert ihn sein ausgeprägtesKunst­denken", das ihn andererseits zu tiefen Betrachtun­gen über das Drama oder über Fragen des Da­seins, des Zufalls und ähnlicher Probleme führt. Sein Werk wird wachsen und bleiben, weil dem großen Schweigen des Draußen er immer wieder Antwort gibt aus dem großen Schweigen seines Innern.

Baueniwappen.

Daß der Bauer seinen eigenen Adel hat, ben wir heute besser zu würdigen verstehen, als es früher der Fall war, zeigt sich in dem Brauchtum des Bauernwappens, das besonders in niedersächsischen ländlichen Kreisen lange Zeit gepflegt wurde. Wir dürfen in diesem bäuerlichen Wappenwesen nicht etwa eine Nachäffung adeliger Sitten erblicken, son­dern die Bauernwappen sind organisch aus der rechtlichen und sozialen Stellung gewisser bäuer­licher Gemeinden erwachsen. Der Ursprung des Wappens ist ja nicht etwa im ritterlichen Turnier- wejen 411 suchen, jpubm ss tzch uraltes Sinnbild

des Heeres oder einer Heeresabteilung, ein Hoheits­zeichen, das später auf die den Kriegern verliehe­nen Aemtern und Lehen überging. Bei freien Bauern, die ihren eigenen Heerbann und ihr eige­nes Recht besaßen, ergab sich somit die Wappen- gebung als Selbstverständlichkeit. Diese Entwicklung beleuchtet H. Rüther an dem Beispiel ber Friesen der Länder Wursten und Hadeln in der Zeitschrift Niedersachsen". Die Wursten an der Niederweser, die alten Worthsaten, hatten ihr Land dem Meere in langem Kamps abgewonnen und saßen als freies Volk auf eigenem schwer erobertem Boden. Ihre Obrigkeit, die sechzehn Ratgeber, ordnete die Ver­waltung und schloß Verträge mit den Hansestädten und Kirchenfürsten. So bildete die Wurster Land­schaft durch viele Jahrhunderte eine echte und rechte Bauernrepublik, die selbstverständlich ihr eigenes Hoheitszeichen, ein Wappen, führte, und die Bauern­geschlechter legten sich Wappen zu, entweder in An­lehnung an die Haus- und Hofmarken ober durch Uebertragung der Zeichen ihres Amtes, das in ein­zelnen Familien erblich war, auf das Geschlecht selbst. Das verbreitetste Wappen der Wurster ist der halbe Reichsadler. Die Ueberlieferung besagt, daß er ihnen vom Kaiser Rotbart zum Dank dafür ver­liehen wurde, daß sie ihn auf feiner Römerfahrt be­gleiteten und bei einem Uebersall in Rom retteten. Während die Wurster schließlich unter die Bot­mäßigkeit des Erzbischofs vom Bremen gerieten und ihre politische Unabhängigkeit verloren, blieb das Land Hadeln bis in die neueste Zeit eine Bauernrepublik, auch noch unter der Herrschaft des Herzogs von ßauenburg; es verlor seine Privile­gien erst, als es unter preußische Verwaltung kam. Das kleine Land, das fünf Quadratmeilen groß ist und 17 000 Einwohner hat, besaß sein eigenes Ge­richt und Recht, eigene Schule und Konsistorium. Die zwölf Kirchspiele übten mit ihren Schultheißen und den drei Landschöffen die Gerichtsbarkeit, und die amtierenden Bauern führten das Amtsfiegel vielfach als Familienwappen. Daneben wurden für diesem Zweck die Haus, und Hvfmarken verwendet, die wohl aus den alten Runen hervorgegangen sind. Der Inhaber einer solchen Marke setzte sie, wenn er des Schreibens unkundig war, unter Urkunden und unterzeichnete, wenn er schreiben konnte, mit Unterschrift und Marke. Die gebräuchlichsten Zeichen, die den Charakter als Wappen erhielten, sind die Wolfsangel, das Stundenglas, Keffelhaken, Krähen­, Merkurstab. Daß man auch die Phantasie mit« pieken ließ, beweisen manche merkwürdigen Wap­penbilder; es findet sich darunter sogar der leib­hafte Satan. Die Zeichen sind auf Kirchenstühlen und Grabsteinen erhalten, da man sein Wappen auch ins Jenseits mitnehmen wollte. Im Zusam­menhang mit der neuen Bedeutung, die die Fami­lienforschung in weiten Kreisen gewinnt, dürste auch das bäuerliche Wappen seine Auferstehung erleben als ein stolzes Zeichen des freien deutschen Bauerntums,