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keinen Zustand einer permanenten Revolution oder gar eine segensreiche Entwicklung.mittels periodisch wiederkehrender Revolten.

Ich habe unter den zahllosen Akten, die ich in der vergangenen Woche durchzulesen verpflichtet war, auch ein Tagebuch gefunden mit den .Aufzeichnungen eines Mannes, der 1918 auf die Bahn des Widerstandes gegen die Gesetze geworfen wurde und nun in einer Welt lebt, in der das Gesetz an sich zum Wider- st and zu reizen scheint; ein unerschüttern- oes Dokument, ein ununterbrochenes Konspirieren und dauerndes Ver­schwören, ein Einblick in die Mentalität von Menschen, die, ohne es zu ahnen, im Nihilis­mus ihr letztes Glaubensbekenntnis gefunden haben. Unfähig zu jeder wirklichen Mit­arbeit, gewillt gegen jede Ordnung Stellung zu nehmen, erfüllt von Haß gegen jede Autorität fin­det ihre Unruhe und Unrast nur mehr Befriedigung in der dauernden gedanklichen und konspirativen Beschäftigung mit der Zersetzung des jeweils Be­stehenden. Viele von ihnen sind in der Frühzeit unseres Kampfes mit uns gegen den vergangenen Staat angerannt, die meisten von ihnen aber hat schon im Laufe des Kampfes die innere Disziplin­losigkeit- von der disziplinierten nationalsozialisti­schen Bewegung fortgeführt. Der letzte Rest schien ich dem 30. Januar ausgeschieden zu sein.

Die Verbundenheit mit der nationalsozialisti­schen Bewegung war in dem Augenblick gelöst, da diese selbst als Staat Objekt ihrer patho­logischen Abneigung wurde. Sie sind aus Prinzip Feinde jeder Autorität und daher überhaupt nicht zu be­kehren. Leistungen, die den deutschen neuen Staat zu festigen scheinen, erregen ihren er­höhten haß wie denn überhaupt diesen Oppo­sitionellen aus Grundsatz eines gemeinsam ist: sie sehen vor sich nicht das deutsche Volk, son­dern die ihnen verhaßte Institution

derOrdüung. Sie erfüllt nicht der Wunsch, dem Volk zu helfen, als vielmehr die tren­nende Hoffnung, der Regierung möchte ihre Arbeit zur Rettung des Volkes mißlingen. Sie sind daher nie bereit, den Segen einer Hand­lung zuzugeben, als vielmehr erfüllt von dem Willen, aus Prinzip jeden Erfolg zu bestreiten und aus jedem Erfolg die möglichen Fehler und möglichen Schwächen herauszuführen. Diese dritte Gruppe pathologischer Feinde des Staates ist deshalb gefährlich, weil sie für jeden Versuch einer Revolte ein Reservoir williger Withelfer so­lange darstellen, als sich nicht aus dem Zustand der chaotischen Auseinandersetzung eine neue

Ordnung herauszukristallisieren beginnt.

Ich muß nun aber auch der vierten Gruppe gedenken, die manchesmal, vielleicht sogar ungewollt, aber dennoch eine wahrhaft destruktive Tätigkeit ausübt. Es sind dies jene Menschen, die einer ver­hältnismäßig kleinen Gesellschaftsschicht ange­hören, im Nichtstun Zeit und Anlaß finden zur mündlichen Berichter st attung über all das, was geeignet ist, eine ebenso interessante wie wichtige Abwechslung in ihr im übrigen vollständig belangloses Leben zu bringen. Jedes Geschwätz, das sich in diesen Zirkel verliert, wird wie zwischen zwei Hohlsiegeln immer wieder einander zurückgegeben. Ihre Bedenken, bilden sie sich ein, seien die Sorgen der ganzen Nation. In Wirklichkeit ist dieses Drohnenvölkchen nur ein Staat im Staate, ohne jeden lebendigen Kontakt mit dem Leben, den Empfindungen, Hoffnungen und Soraen des anderen Volkes. Sie sind aber gefährlich, weil sie Bazillenträger sind der Unruhe, der Unsicherheit, der Gerüchte, Behaup­tungen, der Lügen und Verdächtigungen, Verleum­dungen und Befürchtungen und so beitragen zur Erzeugung einer allmählichen Nervosität, bei der es am Ende schwer ist, die gegebene Begrenzung im Volke zu erkennen oder zu finden.

Oiezweite" Revolution.

Oie Richtlinien des Führers für die SA. werden sabotiert.

Wenn auch das nationalsozialistische Regime von Anfang an sich mit diesen verschiedenen Gruppen abfinden mußte und auch abgefunden hat, so trat doch seit einigen Monaten eine Stimmung auf, die man endlich nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen konnte. Das erst vereinzelte Geschwätz von einer neuen Revolution, von einer neuen Umwälzung, von einem neuen Aufstand, wurde allmählich so intensiv, daß nur eine leicht­sinnige Staatsführung darüber hätte hinweggehen können. Man konnte nicht mehr alles das einfach als dummes Gerede abtun, was in Hunderten und endlich Tausenden von Berichten mündlich und schriftlich darüber einging. Noch vor drei Monaten war die Parteiführung überzeugt, daß es sich einfach um das leichtfinige Geschwätz politischer Reaktio­näre, marxistischer Anarchisten oder aller möglichen Müßiggänger handeln würde, dem jede tatsäch­liche Unterlage fehle. Mitte März habe ich veran­laßt, Vorbereitungen zu treffen für eine neue Propagandawelle. Sie sollte das deutsche Volk gegen den Versuch einer neuen Ver­giftung immunisieren Gleichzeitig damit aber gab ich an einzelne der Parteidienstellen den Befehl, den immer wieder auftauchenden Gerüchten einer neuen Revolution nachzugehen und, wenn möglich, die Quellen dieser Gerüchte aufzufinden. Es ergab sich, daß in den Reihen einiger höherer SA. - Führer Tendenzen auftraten, die zu ernstesten Bedenken Anlaß geben mußten. Es waren zunächst allgemeine Erscheinungen, deren innere Zusammenhänge ohne weiteres nicht klar waren.

1. Entgegen meinem ausdrücklichen Befehl und entgegen mir gegebener Erklärung durch den Stabschef Röhm war eine Auffüllung der SA. in einem Umfange eingetreten, die die innere Homogeniät dieser einzigar­tigen Organisation gefährden muhte.

2. Die nationalsozialistische weltanschau­liche Erziehung trat in den erwähnten Bereichen höherer SA.-Dienststellen mehr und mehr zurück.

3. Das naturgegebene Verhältnis zwi­schen Partei und SA. begann sich lang­sam zu lockern. 7Nit einer gewissen Planmäßig­keit konnten Bestrebungen festgestellt werden, die SA. von der ihr von mir gestellten Wission mehr und mehr zu entfernen und sie anderen Aufgaben oder Interessen dienstbar zu machen.

4. Die VeförderungenzuSA.- Füh­re r n ließen bei Rachprüfungen eine vollständig einseitige Bewertung eines rein äußerlichen könnens oder oft auch nur einer vermeintlichen intellektuellen Befähigung erkennen. Die große Zahl ältester und treue st er SA. - Wänner trat immer mehr bei Führerernennungen und Stellenbesehungen zurück, während der in der Bewegung nicht sonderlich hoch beachtete Jahrgang 1933 eine unverständliche Bevorzugung erfuhr. Eine man­chesmal nur wenige Monate dauernde Zuge­hörigkeit zur Partei, ja nur zur SA. genügte zur Beförderung in eine höhere SA.-Dienststelle, die der alte SA.- Führer nicht nach Jahren erreichen konnte.

5. Das Auftreten dieser zum großen Teil mit der Bewegung überhaupt nicht verwachsenen einzelnen SA.-Führer war ebenso un n a ti o n al- sozialistisch, wie manchesmal geradezu a b st o ß e n d. Es konnte aber nicht übersehen werden, daß gerade in diesen Kreisen eine Quelle der Beunruhigung der Bewe­gung auch dadurch gefunden wurde, als ihr mangelnder praktischer Rationalsozialismus sich in sehr unangebrachten neuen Revolutions­forderungen zu verschleiern versuchte.

Ich habe auf diese und eine Reihe weiterer Miß­stände den Stabschef Röhm hingewiesen, ohne daß irgendeine fühlbare Abhilfe, ja auch nur ein erkennbares Eingehen auf meine Aus­stellungen eingetreten wäre. Im Monat April und Mai nahmen diese Klagen ununterbrochen zu. Zum ersten Mal erhielt ich in dieser Zeit aber auch aktenmäßig belegte Mitteilungen über Besprechungen, die von einzelnen höhe­ren SA.-Führern abgehalten worden waren und die nicht anders als mitgrobe Ungehörigkeit" be­zeichnet werden mußten. Zum ersten Mal wurde in einigen Akten unableugbar bewiesen, daß in solchen Besprechungen Hinweise auf die Notwen­digkeit einer neuen Revolution gegeben wurden, daß Führer die Aufforderung erhielten, sich für eine solche neue Revolution innerlich und sach­lich vorzubereiten. Stabschef Röhm versuchte alle diese Vorgänge in ihrer Wirklichkeit abzustreiten, und erklärte sie als versteckte Angriffe gegen die SA.

Wtares Regiment stellt höchste An- fordemngen an das persönliche Verhalten der zur Iiihmng Berufenen.

Die Belegung einzelner dieser Vorfälle durch An­gaben Beteiligter führte zur schwersten Miß- Handlung dieser Zeugen, die meist aus den Reihen der alten SA. stammten.

Ich habe früher stets betont, daß ein autori­täres Regiment besonders hohe Verpflichtungen besitzt. Wenn vom Volke gefordert wird, daß es einer Führung blind vertraut, muß diese Führung dieses Vertrauen aber auch durch Leistung und, durch besonders gute Aufführung sich verdienen. Fehler und Irrtümer mögen im einzelnen unterlaufen, sie sind auszumerzen. Schlechte Aufführung, Trunkenheitsexzesse, Be­lästigung friedlicher anständiger Menschen aber sind eines Führers unwürdig, nicht nationalsozialistisch und in höchstem Maße verabscheuungswürdig. Ich habe da­her auch stekß gefordert, daß an das Benehmen und die Aufführung nationalsozialistischer Füh­rer höhere Anforderungen gestellt werden als bei übrigen Volksgenossen. Wer selbst eine höhere Achtung wünscht, muh dieser Forderung durch eine höhere Leistung entsprechen. Das primitivste, was von ihm gefordert werden kann, ist, daß er in seinem Leben der Mitwelt gegenüber kein

schmähliches Beispiel gibt. Ich wünsche daher auch nicht, daß Rationalsozialisten wegen solcher Delikte milder beurteilt und be­straft werden als sonstige Volksgenossen, son­dern ich erwarte, daß ein Führer, der sich so vergißt, strenger bestraft wird als im gleichen Fall ein unbekannter Mann. Und ich möchte hier keinen Unter­schied wissen zwischen Führern der politischen Organisationen und Führern der Formationen unserer SA.» SS HI. usw.

-Die Entschlossenheit der nationalsozialistischen Staatsfuhrung, solchen Exzessen einzelner unwür-1 öiger Elemente, die Partei und SA. nur mit Schande beladen, ein Ende zu bereiten, führte z u ehr heftigen Gegenwirkungen von

Stabschefs. Erste nationalsozia- listische Kampfer, bn> zum Teil fast 15 Jahre lang für den Sieg der Bewegung gerungen hatten, und nun als hohe Staatsbeamte an führen­den Stellen unseres Staates die Be­wegung repräsentierten, wurden wegen ihres Vorgehens gegen solche unwürdigen Elemente zur Verantwortung gezogen, d h Stabschef Röhm versuchte, diese ältesten Streiter der Partei durch Ehrengerichte die sich zum Teil aus jüngsten Parteigenossen oder sogar aus

Nichtparteigenossen zusammensetzten maß­regeln zu lassen. Diese Auseinandersetzungen führ­ten zu sehr ernsten Aussprachen zwischen dem Stabschef und mir, in denen mir zum erstenmal Zweifel in die Loyalität dieses Man­nes aufstiegen.

Rachdecki ich viele Monate lang jeden sol­chen Gedanken von mir zurückge­wiesen Halle, nachdem ich vorher jahre­lang mit meiner Person diesen Mann in unerschütterlicher Treue und Kameradschaft gedeckt hatte, be­gannen mir nun allmählich Warnungen vor allem auch meines Stellvertreters in der Parteiführung Rudolf Heß Bedenken einzuflößen, die ich selbst beim besten Wollen nicht mehr zu entkräften vermochte. Es konnte vom Monat Mai ab keinem Zwei­

fel mehr unterliegen, daß Stabschef Röhm sich mit ehrgeizigen Plänen beschäftigt«, die im Falle ihrer Verwirklichung nur ZU schwersten Erschütterungen führen konnten. Wenn ich in diesen Monaten immer wieder zö­gerte, eine letzte Entscheidung zu treffen, geschah es aus zwei Gründen:

1. Ich konnte nicht so ohne weiteres mich mit dem Gedanken abfinden, daß nun ein Verhältnis, das ich auf Treue aufgebaut glaubte, nur Lüge fein sollte.

2. Ich hatte noch immer die stille Hoffnung, der Bewegung und meiner SA. die Schande einer solchen Auseinandersetzung zu ersparen und die Schäden ohne schwerste Kämpfe zu be­seitigen.

Röhms Wühlarbeit in der E>N.

Allerdings brachte das Ende des Monats Mai immer bedenklichere Tatsachen an das Tageslicht. Der Stabschef begann sich nicht nur innerlich, son­dern auch mit seinem gesamten äußeren Leben von der Partei zu entfernen. Alle die Grundsätze, durch die wir groß geworden waren, verloren ihre Gel­tung. Das Leben, das der Stabschef und mit ihm ein bestimmter Kreis zu führen begann, war für jede nationalsozialistische Auffas­sung unerträglich. Es war nicht nur furchtbar, daß er selbst und sein ihm zugetaner Kreis alle Gesetze von An st and und ein­facher Haltung brachen, sondern schlimmer noch, daß dieses Gift sich nunmehr in immer größeren Kreisen auszubreiten be­gann. Das Schlimmste aber war, daß sich allmäh­lich aus einer bestimmten gemeinsamen Veran­lagung heraus, in der SA. eine Sekte zu bil­den begann, die den Kern ei ne r Verschwö­rung nicht nur gegen die normalen Auffassungen eines gesunden Volkes, sondern auch gegen die staatli che Sicherheit abgab.

Die im Monat Mai vorgenommenen Durchprü­fungen der Beförderungen in einigen be­stimmten SA.-Gebieten führten zu der schrecklichen Erkenntnis, daß Menschen ohne Rücksicht auf na­tionalsozialistische und SA.-Verdienste in SA.-Stel- lungen befördert worden waren, nur weil s i e zum Kreise dieser besonders Veran­lagten gehörten. Einzelne, Ihnen wohlbe­

kannte Vorgänge, z. B. der des Standartenführers Schmidt in Breslau, enthüllten ein Bild von Zuständen, die als unerträglich angesehen werden muhten. Mein Befehl, dagegen einzuschrei­ten, wurde theoretisch befolgt, tatsächlich aber sabotiert.

Allmählich entwickelten sich aus der Führung der SA. drei Gruppen: Eine kleine Gruppe von durch gleiche Veranlagung zusammenge­haltenen Elementen, die, zu jeoer Handlung fähig, sich blind in der Hand des Stabschefs Röhm befanden. Es waren in erster Linie die SA.-Führer E r n st aus Berlin, Heines in Schle­sien, Hayn in Sachsen, Heydebreck in Pom­mern. Neben diesen stand eine zweite Gruppe von Führern der SA., die innerlich nicht zu diesem Kreise gehörte, allein aus einfacher soldatischer Auffassung sich dem Stabs­chef Röhm zum Gehorsam verpflichtet fühlten. Und diesen gegenüber stand eine dritte Gruppe von Führern, die aus ihrer inneren Abnei­gung und Ablehnung kein Hehl mach- t e n und daher zum Teil von verantwort­lichen Po st en entfertnt worden waren, zum anderen Teil beiseite geschoben und in vieler Beziehung außer Betracht gelassen wurden. An der Spitze dieser infolge ihrer grundsätzlichen Anständigkeit abgelehnten SA.-Führer stand der heutige Stabschef Lutze sowie der Führer der SS. Himmler.

(Schleichers plan für den Umsturz.

Ohne mich jemals davon zu verständigen, und ohne daß ich es zunächst auch nur ähnle, hal Stabschef Röhm durch Vermittlung eines durch und durch korrupten Hochstaplers, eines Herrn v. A., die Beziehungen zu General Sch le i- ch e r ausgenommen. General Schleicher war der Wann, der dem inneren Wunsche des Stabschefs Röhm den äußeren Ausdruck ver­lieh. Er war es, der konkret die Auffassung fixierte und vertrat, daß

1. das heutige deutsche Regiment unhaltbar sei, daß

2. vor allem die Wehrmacht und sämt­liche nationalen Verbände in einer Hand zusammengefaht werden müßten, daß

3. der dafür allein maßgebende Wann nur Stabschef Röhm sein könnte, daß

4. Herr von Papen entfernt werden mühte und er bereit sein würde, die Stelle eines Vizekanzlers einzunehmen, daß wei­ter auch noch andere wesentliche Veränderungen des Reichska- b i n e t t s vorgenommen werden müßten.

Wie immer in solchen Fällen begann nunmehr das Suchen nach den Männern für die neue Regie­

rung, immer unter der Annahme, daß ich selbst in meiner Stellung wenigstens für zunächst belassen wurde. Die Durchführung dieser Vorschläge des Ge­nerals von Schleicher mußten schon imPunkt 2 auf meinen nie zu überwindenden Wider st and stoßen. Es wäre mir weder sachlich noch menschlich jemals möglich ge­wesen, meine Einwilligung zu einem Wechsel im Reichswehrministerium zu geben und die Neubeset­zung durch den Stabschef Röhm oorzunehmen. Erstens aus fachlichen Gründen: Ich habe seit 14 Jahren unentwegt versichert, daß die Kampforgani­sationen der Partei politische Institutionen sind, dienichts zutun haben mit dem Heere. Es wäre sachlich in meinen Augen eine Desavouie­rung dieser meiner Auffassung und 14jährigen Po­litik' gewesen, an die Spitze des Heeres nun den Führer der SA. zu berufen. Ich habe auch im No­vember 1923 an die Spitze der Armee einen O f - fizier, den General Ludendorff, vorgeschlagen und nicht meinen damaligen SA.-Führer Haupt­mann Göring.

Zweitens wäre es mir menschlich unmöglich ge­wesen, jemals in diesen Vorschlag des Generals von Schleicher einzuwilligen. Als diese Absichten mir bewußt wurden, war mein Bild über i) en inneren Wert des Stabschefs Röhm schon derart, daß ich ihn vor meinem Gewissen und um der Ehre der Armee wegen erst recht nie­mals hätte mehr für diese Stelle zulassen können.

Reichspräsident und Wehrmacht sind unantastbar

Vor allem aber: die oberste Spitze der Armee ist der Generalfeldmarschall und Reichspräsident. Ich habe als Kanzler in seine Hand meinen Lid abgelegt. Seine Per­son ist für uns alle unantastbar. Wein ihm gegebenes Versprechen, d i e A r m e e als unpolitisches Instrument des R e i che s zu bewahren, ist f ü r m i ch b i n - d e n d aus innerster Ueberzeugnng und aus meinem gegebenen Wort. Es wäre mir aber weiter eine solche Handlung auch menschlich un­möglich gewesen gegenüber dem Wehr­mini st er des Reiches. Ich und wir alle sind glücklich, in ihm einen Ehrenmann sehen zu können vom Scheitel bis zur Sohle. Er hat die Armee aus innerstem Herzen versöhnt mit den Revolutionären von einst und ver­bunden mit ihrer S t a a t s f ü h r u n g von h e u t e. Er hat in treuester Loyalität sich zu dem Prinzip bekannt, für das ich selbst mich bis zum letzten Atemzuge einsehen werde. Es gibt im Staate nur einen Waffenträ­ger, die Wehrmacht. Und nur einen Träger des politischen Willens: dies ist die nationalsozialistische Partei. Ieder Gedanke eines Eingehens auf die Pläne des Generals von Schleicher wäre meinerseits aber nicht nur eine Treulosigkeit

gegenüber dem Generalfeldmarsall und dem Reichswehrminister gewesen, sondern auch eine Treulosigkeit gegenüber der Armee. Denn so wie General von Blomberg als Wehrminister im nationalsozialistischen Staat im höchsten Sinne des Wortes seine Pflicht erfüllt, so tun dies auch die übrigen Offiziere und Soldaten. Ich kann von ihnen nicht fordern, daß sie im einzelnen ihre Stellung zu unserer Bewegung finden: aber keiner von ihnen hat seine Stellung der Pflicht dem na­tionalsozialistischen Staat gegen­überverloren. Weiler aber könnte ich auch nicht ohne zwingendsten Grund die Wänner entfernen lassen, die am 30. Januar mit mir das Versprechen zur Rettung des Reiches und Volkes gemeinsam abgegeben haben. Ls gibt Pflichten der Loyalität, die man nicht verlet­zen darf und nicht verletzen soll. Und ich glaube, daß vor allem der Wann, der in seinem Hamen die Ration zusammengeführt hat, unter keinen Umständen treu­los handeln darf, wenn nicht ansonst nach innen und außen jedesVertrauenin Treu und Glauben verschwinden müßte.

Oie Vorbereitungen für dieNacht der langen Messer"

Da der Stabschef Röhrn selbst unsicher war, ob Versuche in der bezeichneten Richtung wohl bei mir auf Widerstand stoßen würden, wurde der erste Plan festgelegt zur Erzwingung dieser Ent­wicklung. Die Vorbereitungen hierzu wurden um­fangreich getroffen.

1. Planmäßig sollten die psychologischen Voraussetzung für den Ausbruch

einer zweiten Revolution geschaffen werden. Zu diesem Zwecke wurde durch SA.- Propagandastellen selbst in die SA. die Be­hauptung hineinverbreitet, die Reichswehe beabsichtige eine Auflösung der S A., und später wurde ergänzt, ich sei leider für diesen Plan persönlich gewon-