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Nr. 87 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesien)

Samstag, l4-April 1934

Aus der Provinzialhauptstadt

in im bei die

gelernt. Auch im Hessenlande, das stets mit vorderster Linie stand, seit im Jahre 1847 Gartenhaus des ehemaligen Klosters Arnsburg L i ch das erste Rettungshaus und damit auch Innere Mission begonnen wurde.

Helfer geworden zu sein. Wie in seinem Verwal­tungsamt, so ließ er sich auch bei der Führung der Gießener Hochschulgesellschaft nur von dem Grund­satz strenger Sachlichkeit und unbedingter Lauterkeit alles Handelns leiten. Dadurch erwarb er sich bei den Mitgliedern der Gießener Hochschulgesellschaft das uneingeschränkte Vertrauen aller, so daß es ihm ermöglicht wurde, sein Ehrenamt fruchtbar und för­derlich für die Universität zu verwalten. Sein segens­reiches Wirken als unermüdlicher Organisator der Hilfe für die Wissenschaft an unserer Universität, wie auch als sorgfältiger Berater in allen Dingen, die mit diesem Ehrenamt irgendwie im Zusammen­hang standen, fand mit Recht die wohlverdiente An­erkennung der Universität durch seine Ernennung zum Ehrensenator unserer Hochschule und neuer­dings zum Ehrendoktor der Juristischen Fakultät, welch' letztere ihm jetzt bei seinem Scheiden aus Gießen in dankbarer Gesinnung dargebracht wurde.

Wer Provinzialdirektor Dr. Graes als Mensch, Verwaltungsbeamter und als Freund und Förderer der Wissenschaft kennen gelernt hat, wird jhm auch nach seinem Fortgang von Gießen uneingeschränkte Wertschätzung und aufrichtige Anerkennung seiner Leistungen im Dienste unserer Provinz und unserer Universität bewahren. Das nahezu vollendete Jahr­zehnt seines Wirkens an der Spitze der Provinz Oberhessen und des Kreises Gießen und seine gpt achtjährige Tätigkeit als ehrenamtlicher Leiter der Gießener Hochschulgesellschaft werden in der Ge­schichte unserer engeren Heimat stets in Ehren und mit Dankbarkeit vermerkt sein.

beobachten oder ihn als ausgesprochenen Typ des korrekten Beamtentums und gewissenhaften Dieners der Allgemeinheit kennenzulernen.

In ehrenamtlicher Tätigkeit schuf sich Provinzial­direktor Dr. Graef ein bleibendes Gedenken in unserer Provinz durch seine langjährige, uneigen­nützige und mit großer Hingabe an die Sache ge­leistete Arbeit als Vorsitzender der Gießener Hoch­schulgesellschaft. Im Dezember 1925 in dieses Ehren­amt berufen, vollbrachte Provinzialdirektor Dr. Graef durch und mit der Gießener Hochschulgesell­schaft für unsere Universität so hervorragende Werke der Förderung und Stütze unserer Wissenschaft, daß ihm in besonderem Maße das Verdienst zugespro­chen werden muß, durch seine Maßnahmen gerade in den Jahren der schwersten Bedrängnis unserer Alma water Ludoviciana einer ihrer tatkräftigsten

letzungen erlitten. Der Landwirt Ludwig Roos L wurde anscheinend ebenfalls von dem Faß getroffen und erlitt schwere innere Verletzungen, denen er bald erlag. Der Lenker des Fuhrwerks, der 14jährige Johann Roos, und die Schwester von Sunhilde Schulze blieben unverletzt. Einige auf dem Felde beschäftigte Leute eilten den Unglück­lichen zu Hilfe.

Achtung! Achtung! . . .

Die Arbeitsschlacht schafft weiteren Millionen Volksgenossen Arbeit und Brot. Die seit langem ungewohnte Arbeit kann Anlaß zu zahlreichen llnglücksfällen werden!

Große Summen müssen dauernd aufgewendet wer­den, um die Wunden, die der Unfallteufel schlägt, zu heilen, und die Opfer zu entschädigen, oder ihre Hinterbliebenen vor dem Untergang zu bewahren. Darum muß jeder darauf bedacht sein, Unfälle zu verhüten, dadurch die Soziallasten zu vermindern und Not und Kummer zu vermeiden. Jeder deutsche Volksgenosse trage zur Unfallverhütung bei, indem er sich und seine Mitmenschen nicht leichtsinnig in Gefahr bringt. Vorsicht ist niemals gleichbedeutend mit Feigheit, sondern Vorsicht ist Klugheit!

provinzjaldlrettor Vr.h. c. Graes.

Am morgigen Sonntag wird der frühere Leiter der oberhessischen Prooinzialverwaltung, Provinzial- direktor Dr. h. c. Graef, unsere Stadt verlassen und nach München übersiedeln, wo er seinen Ruhe­stand verleben wird. Mit Provinzialdirektor Graef scheidet ein Mann aus unserer Stadt und aus der Provinz Oberhessen, der durch seine ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften und durch seine korrekte Amtsführung sich in weiten Kreisen der Bevölke­rung von Stadt und Land hohe Wertschätzung er­worben hat.

Provinzialdirektor Heinrich Leonhard Graef stammt aus Rheinhessen, wo er am 23. Mai 1869 ins Monsheim (Kreis Worms) geboren wurde. Nach dem Schulbesuch in Monsheim und in Worms

AusparteiamtlichenBekanntmachungen

Der NSLB. Gießen-Land lädt die Mit- ( glieder des Bezirksvereins zu der am morgigen = Sonntag, 13 Uhr, in Großen-Linden stattfindenden [ Einweihung des neuen Schulhauses ein. Minifter- . rialrat Ringshausen wird sprechen.

Im Ring Gießen-Stadt des BdM. ; fällt der für morgen, Sonntag, angesetzte Dienst ! aus.

Die Ortsgruppe Gießen-Nord veranstaltet in der Zelle 5 am Montag, 16. April, 20.30 Uhr, Blockabend für Block 1 und 2, am Mittwoch, 18. April, 20.30 Uhr, Blockabend für Block 3 und 4. Beide Blockabende finden in derStadt Marburg", Marburger Straße, statt. Es wird vollzähliges Er­scheinen erwartet.

Die Bezirksleitung Gießen des KDAJ. gibt bekannt, daß die noch fehlenden Mitgliedskarten bei der Reichsleitung nochmals dringend reklamiert wurden. Mit Rücksicht auf die im Entstehen be­griffene Reichskammer der Technik ist die Werbung von Mitgliedern zu verstärken. Jedes KDAJ.-Mit­glied soll dem KDAJ. ein neues Mitglied zuführen. Monatsbeitrag 1 RM. (für Erwerbslose 50 Pf.). Eintrittsgebühr 3 RM. (1,50 RM ). Parteigenossen, die vor dem 31. Dezember 1932 der NSDAP, bei­traten, zahlen keine Eintrittsgebühr.

Das Amt für Beamte Kreis Gießen weift darauf hin, daß am heutigen Samstag, 14. April, Unterrichtslehrgänge für die hessischen Gemeindebeamten, die der Vorbereitung der dies­jährigen Verwaltungsprüfungen dienen, beginnen. Die Teilnehmergebühr beträgt 30 RM. Der Unter- richt findet Samstag nachmittags auch in Gießen tatt. Anmeldungen zur Teilnahme sind an den Leiter des Amts für Beamte zu richten.

Kreisleitung der NSDAP. Gießen.

Amt für Volkswohlfahrt.

Für die Kreisgeschäftsstelle des Amtes für Volks- Wohlfahrt wird für die ehrenamtliche Tätigkeit ein Pg. oder Pgin. mit Kenntnissen in Stenographie und Schreibmaschine gesucht.

Heil Hitler!

gez.: K l ö ß, Kreisamtsleiter der NSV. s ^Das Erwachen der Seele."

Die Landesfilmstelle Südwest der NSDAP., Frankfurt a. M., veranstaltet für die NS.-Frauen- schaft am 21. April in Gießen eine Filmvorführung. Zur Vorführung gelangt der FilmDas Erwachen der Seele". Alle, die Kinder haben, und alle, die sich mit Kindern beschäftigen, erhalten durch dieses aufschlußreiche und gut durchgearbeitete Filmwerk Aufklärung und Anregung. Die NS.-Frauenschaft erwartet, daß alle Volksgenossen durch den Besuch der Veranstaltung ihr Verständnis für die Kinder als zukünftige Träger unseres Staates und für die Wichtigkeit des NSV.-HilfwerkesMutter und Kind" bekunden.

Oer Bolkstag der Inneren Mission in Gießen.

Am morgigen Sonnlag wird in allen evange» lischen Kirchen von der Inneren Mission gepredigt. In der Stadtkirche und im Johannessaal werden um 20 Uhr Lichtbildervorträge über die Arbeit bei

Dank der hessischen Regierung.

D a r m st a d t, 13. April (LPD.) Das Staats­presseamt teilt mit: Ministerialdirektor Dr. Schäfer ist auf seinen Wunsch nunmehr endgültig aus dem staatlichen Dienst geschieden. In Würdigung der Lebensarbeit dieses ausgezeichneten Beamten hat der Herr Staatsminister ihm nachfolgendes Handschreiben zugehen lassen:

Hochgeehrter Herr Ministerialdirektor!

Von Ihrem Antrag auf Versetzung in den Ruhe st and habe ich Kenntnis genommen. So sehr ich Ihr Ausscheiden aus dem Dienst bedaure, will ich mit Rücksicht auf Ihre Gesundheit diesem nicht im Wege stehen. Es drängt mich jedoch, Ihnen für Ihre lange Jahre hindurch dem Staate als Ministerialdirektor und Leiter der Hessischen Finanz- verwaltung geleisteten ausgezeichneten und ersprieß­lichen Dienste den Dank der Regierung aus­zusprechen. Sie haben unter den schwierigsten Ver­hältnissen in aufopferungsfreudiger und selbstloser Weise für das Land Hessen hervorragendes geleistet. Ich verbinde damit noch die ergebene Bitte, daß Sie, soweit es Ihr Gesundheitszustand zuläßt, Ihre wertvollen Dienste mir und damit dem Lande Hessen auch für die Folge noch zur Verfügung stellen. Das Bewußtsein treuester Pflichterfüllung darf Sie in den Ruhestand hinüberbegleiten: möge dieser ein in jeder Beziehung gesegneter für Sie fein.

Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener

gez. Jung, Staatsminister."

Hessischer Soldaientaa.

60jährige Verbandsfeier derhassia".

D a r m st a d t, 13. April. (Lpd.) Am 9., 10. und 11. Juni findet in Darmstadt die Feier des 60- jährigen Bestehens der Kriegerkame­radschaftHassia" statt. Dem Festzug, der den Glanzpunkt der Festtage bildet, wird der Leit­gedankeVolk und Wehrmacht" zugrunde liegen. Große Hauptwagen werden dies betonen

vorgesetzte das Dienstleistungszeugnis im Entwurf durch evtl, übergeordnete Dienststellen vorzulegen.

2. Als Behördenleiter im Sinne dieser Verfügung sind u. a. anzusehen der Leiter des Personalamts, der Landespolizeiführer, die Leiter der Ministerial- abteilungen, die Kreisdirektoren, die Landgerichts­präsidenten, die dienstaufsichtsführenden Richter bei den Amtsgerichten, die Oberbürgermeister und Bürgermeister der Städte und Landgemeinden, die Leiter der Forst- und Vermessungsämter, die Amts­vorstände bei den Körperschaften des öffentlichen Rechts usw. In Zweifelsfällen ist beim Personal­amt des hessischen Staatsministeriums anzufragen.

3. Die bisher bei den einzelnen Behörden be­stehenden innerdienstlichen Anordnungen über Aus­fertigung von Beschäftigungsnachweisen für Beam­tenanwärter und bergt bei Versetzung von einer Dienststelle zur anderen, werden hierdurch nicht be­rührt. Hierunter fallen auch die im Bereiche der Landespolizei bestehenden Anordnungen bezüglich Beurteilungen bei Kursen und der Dienstbücher für Anwärter usw. Die Dienstleistungszeugnisse für ausscheidende Angehörige der Landespolizei sind jedoch in allen Fällen von dem Landespolizeiführer zu vollziehen.

4. Am Schluffe jedes Dienstleistungszeugnisses ist ein Vermerk darüber aufzunehmen, ob bereits Er­hebungen über die nationale und politische Zuver­lässigkeit angestellt wurden und mit welchem Er- aebnis. Verneinendenfalls ist zu vermerken, daß hierüber Nachteiliges in der verflossenen Zeit nicht bekannt geworden ist.

5. Alle dieser Verfügung entgegenstehenden An­ordnungen werden hiermit aufgehoben.

und das Ganze eindrucksvoll gliedern. Die Fest­wagen dzw. Festgruppen werden zusammengestellt nach den Entwürfen des Kunstmalers Hohmann (Darmstadt). Die hessischen Regimenter marschieren in ihren historischen Uniformen und umrahmen die bunten Aufzüge der Vereine und Innungen, die ihre eigenen Wagen stellen Der Zug erreicht sei­nen Höhepunkt in der Verherrlichung unserer gro­ßen Führer, des Reichspräsrdenten Generalfeldmar­schalls von Hindenburg und des Volkskanzlers Adolf Hitler als Schützer des Friedens.

Schrecklicher Unglücksfall in Astheim.

Großvater und Enkelin von einem umstürzenden

Pfuhlfuhrwerk erschlagen.

LPD. Groß-Gerau, 13. April. In Astheim ereignete sich gestern nachmittag ein schreckliches Unglück. Der 14 Jahre alte Johann Roos war mit Jauchefahren beschäftigt. Dabei be­gleiteten ihn sein Großvater, der Lanowirt Ludwig Roos 1., sowie die beiden Kusinen des jungen Roos, Sunhilde Schulze und deren Schwester, die sämtlich auf dem Fuhrwerk saßen. Kurz hinter Astheim auf dem Brückenweg, der etwas ab- ällt, wollte der Junge die Pferde anhalten. Dabei chlug die Deichsel des Fuhrwerks hoch, das Pferd prang nach links aus, so daß das Fuhrwerk die 2,50 Meter hohe «.Böschung des Brückenwegs h i n u n t e r*ft ü r 31 e. Die 11- jährige Sunhilde S ch ul z e kam bei dem Sturz direkt unter das Pfuhlfaß zu liegen und wurde auf der Stelle getötet. Sie hatte sowohl am Kopf, wie am Rückgrat schwere Ver-

ftuinerte er an den Universitäten München, Berlin und Gießen. Ostern 1892 bestand er die Universi­tätsprüfung und im Herbst 1895 die juristische Staatsprüfung. Von 1896 bis 1898 war er als Regierungsassessor an den Kreisämtern in Worms, Bensheim, Mainz, Alsfeld und Dieburg tätig. Als Kreisamtmann wirkte er sodann in Dieburg, Heppenheim und Bensheim, bis er im Mai 1901 als Ministerialsekretär in das Ministerium des In­nern berufen wurde, wo er in dieser Amtseigen­schaft bis zum Oktober 1905 wirkte. Von da ab bis zum Juni 1911 war er ständiger Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern, sodann bis zum April 1916 Vortragender Rat im Ministerium des In­nern. Den Weltkrieg machte er längere Zeit als Hauptmann d. R bei einem Feldartillerie-Regiment mit. Vom April 1916 bis Juni 1921 stand er als Kreisdirektor an der Spitze des Kreises Dieburg, vom 1. Juli 1921 bis zum 1. Juli 1924 war er Kreisdirektor in Friedberg. Von Anfang Juli 1924 ab stand er als Provinzialdirektor an der Spitze der oberhessischen Prvvinzialdirektivn und »zugleich als Kreisdirektor des Kreises Gießen an der

Spitze unserer Kreisverwaltung.

Provinzialdirektor Dr. Graef übernahm sein Amt als Leiter der Provinzverwaltung und als Kreisdirektor in Gießen als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Provinzialdirektors und Kreisdirektors Matthias, der feine Hauptkraft kurz vor feinem Ableben darauf verwandte, aus dem furchtbaren Zusammenbruch der Inflationszeit ein neues Werk der Verwaltung und der Provinz- und Kreiseinrich­tungen aufzubauen, als ihn der Tod überraschend abrief. Provinzialdirektor Dr. Graef nahm das Werk feines Amts-vorgängers mit starker Energie, mit Geschick und großem Weitblick auf. Es gelang ihm, die durch die Inflation und durch mancherlei Deflationsschwierigkeiten auch in unserer engeren Heimat sehr kompliziert gewordenen Verhältnisse glücklich zu meistern und unserer Provinz ein festes Fundament für ihre wirtschaftlichen Unternehmun­gen, wie auch für eine einwandfreie Verwaltungs­arbeit zu schaffen, auf dem die Aufbauarbeit in erfolgreicher Weise gedeihen konnte Bei seiner Tätigkeit als Verwaltungsbeamter ließ sich Pro­vinzialdirektor Graef stets nur von rein sach­lichen Gesichtspunkten und von dem Grundsatz der unbedingtesten Sauberkeit in der Verwaltung leiten. Damit erreichte er nicht nur eine musterhafte Ver­waltungsführung in seinem Amtsbereich, sondern er gewann auch das volle Vertrauen der Be­völkerung in Stadt und Kreis Gießen, ebenso in der ganzen Provinz Oberhessen. Auf dieser Grund­lage bemühte er sich allezeit mit großem Eifer um die Forderung der Interessen und Aufgaben der Provinz Oberhessen. Mit besonderer Energie und größter Umsicht widmete er sich dem Ausbau und der Pflege des oberhessischen Straßennetzes, da­neben aber auch der sorgfältigen Führung der wirtschaftlichen Unternehmungen der Provinz. Hand in Hand mit dieser guten Aufbauarbeit auf dem Gebiete des Verkehrswesens und der Gemeinwirt­schaft widmete er seine stärkste Sorgfalt der Finanz- gebahrung, die unter seiner Leitung von allen Ex­perimenten ferngehalten wurde und infolgedessen auch in der Zeit des weitverbreiteten Verfalls der öffentlichen Finanzen durch Mißwirtschaft und Kor­ruption stets gesund und sauber blieb, so daß fein Nachfolger in der Staatsverwaltung in Gießen, Kreisdirektor Klo st ermann, ihm anläßlich dsr jüngsten Provinzialtagsitzung mit Recht den herz­lichen Dank der' Provinz Oberhesfen für seine gute Amtsführung aussprechen konnte Dieser Ehrung bee scheidenden Provinzialdirektors wird sich jeder Mitbürger in Stadt und Land voll und ganz an- fschließen, der Gelegenheit" hatte, sein Wirken zu

Wer ist dein Nächster?

Von Pfarrer Dr. Berger, Darmstadt.

Das gewaltige Winterhilfswerk des deutschen Vol­kes ist ohne Beispiel in der Geschichte der Völker. Daß freie Liebe Millionen Volksgenossen, die in Not sind, aus innerster Verbundenheit heraus das Lebensnotwendige darreicht, ist ein Werk, zu dem christlicher Geist freudig Ja gesagt hat und bei dem die Evangelische Kirche an ihrem Teil mitzuarbeiten bereit gewesen ist. Denn sie weiß ja, daß im Sinne ihres Meisters, der ihr das Gleichnis vom barm­herzigen Samariter erzählt hat, jede fremde Not wie eigene empfunden werden muß. Die christliche Liebe hat auf die Frage: Wer ist der Nächste zum Helfen" nur eine Ant­wort: D u selbst! Sie kann sich nicht damit ent­schuldigen, daß sie sagt:Andere stehen näher!" Wer war der nächste dem, der unter die Räuber fiel?" So fragt Jesus und er antwortet:Der, der die Barmherzigkeit an ihm tat!"

Nun gibt es leider in Deutschland außer der Not der Arbeitslosen noch große andere Nöte, die dem christlichen Gewissen und der christlichen Liebe nicht weniger auf die Seele gebunden sind. Mochte man früher fein Auge und keinen Sinn dafür haben. Seit der Tätigkeit des Hamburger Pfarrers Johann Hinrich Wichern, also seit fast hundert Jahren, haben auf einmal die Menschen sehen

Im Laufe der Jahrzehnte ist aus den ersten An­fängen eine reich verzweigte, außerordentlich segens­volle Arbeit geworden. Wir nennen nur einige Zahlen aus der Inneren Missionder evan­gelischen Kirche in Hessen: 91 Anstalten insgesamt werden unterhalten. Der Ausbildung der nötigen Hilfskräfte dienen 2 Mutterhäuser, 1 Pfarr- aehilfinnen- und Wohlfahrtspflegerinnenschule, 2 Kinderschulseminare, 1 Krankenpflegeschule. Träger der Arbeit sind außerdem: 172 evangelische Kinder­gärten, 164 Gemeindepflegestationen, 21 evangelische Wohlfahrtsdienste, 30 Dekanatserziehungsvereine.

Das sind nackte Zahlen, hinter denen eine Un­summe von segensvoller Arbeit steckt. Von den Kräften der Inneren Mission werden im Lande unterhalten: 9 Krankenhäuser, 1 Heil- und Pflege­anstalt für Epileptische und Schwachsinnige, 1 Krüp­pelheim, 1 Krüppellehrlingsheim, 1 Handwerker­heim, 21 Altersheime, 1 Wöchnerinnenheim, drei Säuglings- unb Kleinkinderheime, 3 Zufluchtsheime für gefährdete Mädchen und Frauen, 1 Mädchen­heim für Gefallene, 4 Erziehungheime, 6 Heime für berufstätige Mädchen und Frauen, 3 Haushal­tungsschulen, 1 Mädchenlyzeum, 6 Schüler- und Schülerinnenheime, 1 Kinderheilstätte, 2 Mütter­erholungsheime, 2 Jugenderholungsheime, 9 Er­holungsheime für Erwachsene, 8 Hospize, 5 Wan­derherbergen, 5 Stadtmissionen, 8 Bahnhofsmis­sionen, 1 Auswandererberatungsstelle. Das mag ge­nügen, obwohl es noch nicht alles ist. Insgesamt stehen Tag für Tag im Hessenlande 3286 Betten, die meist überbelegt sind, für Notstände aller Art zur Verfügung. Und das alles wird getragen von keiner anderen äußeren und inneren Kraft als der christlichen, evangelischen Liebe!

Mit besonderem Dank erfüllt es, daß unter An­erkennung der geleisteten Arbeit von staatlicher Seite die Erlaubnis gegeben wurde, am kommen­den Sonntag in ganz Deutschland einen Volks- ta g der Inneren Mission abzuhalten Er soll nicht nur durch Opfer die Möglichkeit der Er­haltung aller der genannten Werke schaffen, son­dern auch die innere Bereitschaft zur Mitverant­wortlichkeit aus christlichem Glauben und christli'cher Liebe stärken.

Wenn am kommenden Sonntag der Appell an alle Evangelischen in ganz Deutschland ergeht, dann denkt an die große Zahl der Notleidenden, Elen­den, Krüppel, Epileptischen! Wer ist der nächste zu helfen? Jeder! Jeder, der nicht nur dem Na­men nach Christ ist, sondern etwas vom Geist des Lebendigen in sich fühlt!

Die Ausstellung von Dienstleistungs- zeuonisten für Beamte usw.

Der hessische Staatsminister (Personalamt) hat folgende Verfügung über die Ausstellung von Dienstleistungszeugnissen für Beamte, Angestellte . und Arbeiter, sowie Angehörige der Landespolizei an alle unterstellten Behörden erlassen:

1. Dienstleistungszeugnisse, die nach außen in Er­scheinung treten ober an andere Behörden ober Parteidienststellen der NSDAP, weitergegeben wer­den, sind künftig nur noch durch den Behördenleiter ober seinen Vertreter zu vollziehen. Soweit es dem Behördenleiter nicht möglich ist, eine eigene Be- ' urteilung abzugeben, hat der unmittelbare Dienst­