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Nr. 62 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Mittwoch, 14. März M4

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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der

Das pariser Echo

Rom. 13. März. (DNB.) Bundeskanzler Doll­fuß ist am Dienstag um 21.45 Uhr mit dem Son­derzug Mussolinis in Rom eingetroffen. Zum Empfang hatten sich der Duce, die Staats­sekretäre Rossini und S u o i ch, ferner der Sekre­tär der Faschistischen Partei S t a r a c e, der Prä­fekt von Rom, der Gouverneur von Rom, sowie zahlreiche hohe Beamte des Außenministeriums ein­gefunden. Bei der Abfahrt dankten Dollfuß und Mussolini der grüßenden Menge mit dem Faschisten­gruß.

Bundeskanzler Dollfuß gewährte nach seiner An­kunft einem Vertreter derAgenzia Stefani" eine Unterredung. Er erklärte, Italien handele in der Frage der Gesundung der wirtschaftlichen und poli­tischen Verhältnisse im Donau raum naturgemäß auch in seinem Interesse, allein die Bedeutung des italienischen Planes liege eben darin, daß er mit den eigenen Interessen Italiens auch die Lebens­notwendigkeiten der anderen Völker und Staaten berücksichtige. Er freue sich, daß in dieser Beziehung zwischen Italien und Oesterreich volle Uebereinstim-

Ueber den Inhalt der Unterredung- ist bisher nichts bekannt geworden. Sie dürfte in erster Li­nie die Besprechung zu Dritt, die vielleicht schon am Mittwochnachmittag stattfindet, vorbereitet haben. Am Dienstagnachmittag erwiderte Musso­lini in der ungarischen Gesandtschaft den Besuch Gömbös'. Letzterer macht auch bei dem G r o ß m e i- ster des Maltheser-Ordens und etwas später bei Kardinal Sincero Besuche. Um 19.30 Uhr wurde er vom Pap st in Privat­

Japans Vorposten in Afrika.

Wachsender Einfluß in Abessinien.

Zwischen London, Rom und Paris hat ein reger Gedankenaustausch über Abessinien eingesetzt. Sowohl die Engländer als auch die Ita­liener fühlen sich nicht wohl bei dem Gedanken, daß I a p a n in Abessinien steigenden politi­schen und wirtschaftlichen Einfluß ge­winnt und daß es jetzt sogar dazu übergegangen ist, die Heeresmacht Abessiniens zu modernisieren und mit neuzeitlichen Waffen, namentlich m i t Kampfflugzeugen auszurüsten. Nicht wirtschaftliche Gründe allein sind es, die Japan ver­anlaßt haben, sich das abessinische Absatzgebiet zu öffnen. Sie wollen unzweifelhaft Abessinien zu einem Vorposten machen, der ausersehen ist, wenn es einmal nötig sein sollte, namentlich die Englän­der zu beunruhigen. Abessinien stößt an den Su­dan, der das Baumwollreservoir des britischen Weltreiches werden soll. Aber auch die Italiener sind beunruhigt. Sie können in allernächster Nähe ihres Kolonialbesitzes ein militärisch gutgerüstetes Abessi­nien nicht gebrauchen. Aber vorläufig ist nicht zu erkennen, wie man den japanischen Einfluß aus Abessinien wieder verdrängen kann, zumal Abessi­

nien offenbar selbst Geschmack daran gefunden pai, die Freundschaft eines Staates zu besitzen, der prak­tisch ganz Ostasien beherrscht und mit dem auch England sich nicht gern in irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen einlassen möchte.

Fast 60000 Bausparer mit einer Gesamtsumme von 294 Mittronpn.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband stellte eine Bilanz der öffentlichen Bausparkassen für das Jahr 1933 auf, aus der sich eine Steigerung des Bausparerbestandes gegenüber dem Vorjahre um 16,4 v. H. und der Gesamtvertragssumme um 14 o. $). ergibt. Am 31. Dezember 1933 waren bei den 15 öffentlichen Bausparkassen 58 435 Bausparer vorhanden, deren Bausparverträge eine Gei'amt- fumme von 294,1 Millionen Mark ausmachten. Am 31. Dezember 1932 waren 50 211 Bausparer mit einer Gesamtsumme von 257,9 Millionen ermittelt worden. Die Gesamtzuteilung konnten die öffentlichen Bausparkassen im Jahre 1933 voll­st ä n d i g aus eigenen Mitteln u m 21,4 Millionen steigern, so daß vom Jahre 1929 bis zum Stichtag des Berichtsjahres insgesamt 66 476 Millionen Mark zugeteilt wer­den konnten, und zwar an 10 744 Bausparer.

Minister als Angehörige der Sozialdemokratischen Partei innerhalb' und außerhalb des Parlaments eine revolutionäre Propaganda entfalten, die ihres­gleichen sucht. DerRevolutionsreisende" Largo Caballero versuchte dabei die Errichtung der revolutionären Arbeiter-Einheits­front, die bisher nur deshalb nicht zum Abschluß gekommen ist, weil die Anarchosyndikalisten als Vertreter der direkten Aktion dem sozialistischen Bonzentum gegenüber eine offenbar unüberwind­liche Abneigung und ein gerütteltes Maß Miß­trauen haben. Was sie aber natürlich nicht hindern würde, im Fall des offenen Kampfes gegen den Staat Seite an Seite mit ihren sozialdemokratischen Brüdern" vorzugehen. Die augenblickliche Taktik der sozialdemokratischen Leitung läßt diesen Schluß zu. Ohne gewisse Zusicherungen würde man es sich im Madrider Volkshaus wohl überlegt haben, ganz zielbewußt auf den Generalstreik in g an z Spanien hinzuarbeiten. Heute jedenfalls tft bie Lage so, daß von einem Tag auf den anderen mit dem revolutionären Angriff in Spanien gerechnet werden muß. Eine günstigere Gelegenheit zum Los­schlagen als unter dieser Regierung wird der Marxismus wohl nicht mehr finden!

gen zu bewegen und Deutschland von seinen Rü­stungsforderungen abzubringen. Frankreich nehme bei den römischen Besprechungen die einzig logische Haltung ein, in dem es vollkommen abseits bleibe. DerPopulaire" schließlich schreibt u. a., Italien habe nichts anzubieten, was für Oesterreich oder Ungarn denVerlustderVor- teile ersetzen könnte, die Deutschland ihnen biete.

Litwinow will einen neuen Gicherheitsptan Vorschlägen.

London, 14. März. (DNB. Funkspruch.) Der Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt, die Sowjetregierung wolle wiederum eine a k - tive diplomatische Rolle in Europa spielen. In der Erwartung, daß die Abrüstungsver­handlungen fehlschlagen, bereite Litwinow einen neuen Sicherheitsplan vor. Dieser würde aus einem Pakt gegenseitigen Beistandes und einem Nichtangriffsabkommen bestehen. Alle Mächte sollen zur Teilnahme eingeladen werden. In dem Plan werde die neue Definition besAn- g r e i f e r s enthalten sein, die in den im Sommer

dem die Zusammenfassung dieser Kräfte in neuer entsprechender Form zum Zwecke der Wiedergesundung des Wirtschaftsle­bens und der gemeinsamen Kulturarbeit ermög­licht, ein Ziel, das niemanden von der Mit­arbeit ausschließen wird, weil seine Er­reichung im Interesse aller liegt.

Gömbös bei Mussolini.

Rom, 13. März. (DNB.) Ministerpräsident Mussolini empfing heute mittag den ungari­schen Ministerpräsidenten Gömbös. Die Unter­redung dauerte über IV2 Stunden und trug einen sehr herzlichen Charakter.

Bedeutung.

Frankreichs New

England wird auf die Ablehnung vorbereitet.

Spanien zwischen Mrkismns und Zaschismns.

Don unserem v. Gss.-Äerichterstaiter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, im März 1934.

Die innerpolitische Lage in Spanien zeichnet sich heute durch eine Spannung aus, wie sie seit dem Sturz der Monarchie nicht mehr vorhanden war. Hinsichtlich ihrer Verfahrenheit könnte man höch­stens noch eine Parallele im Jahre 1923 finden, d. h. in der Zeit kurz vor dem Staatsstreich des Generals Primo de Rivera, der zu dessen Diktatur und siebenjährigen Herrschaft führte. Man ist ver­sucht zu glauben, daß auch heute das bestehende Durcheinander nur dann beseitigt werden kann, wenn ein st a r k e r Mann die schleifenden Zügel des Staates an sich reißt und das unselige Parla­ment nach Hause schickt.

Eine Möglichkeit hierzu gab ohne Zweifel die eben erst überwundene Kabinettskrise, auf deren Ausgang die besten Kräfte Spaniens ihre Hoffnung gesetzt haben. Zur großen Ueberraschung des gan­zen Landes aber hielt es der Staatspräsident unbe­greiflicherweise für richtig, den eben zurückgetretenen Lerroux mit der Kabinettsneubildung wieder zu beauftragen. Und diesem romantischen Revolu­tionär des vergangenen Jahrhunderts, der heute, Millionär geworden, immer noch von seiner kämpfe­rischen Jugend träumt, ohne dabei mehr zu sein als ein guter Großpapa, fiel nichts anderes ein, als dem Präsidenten der Republik alsLösung' sein bisheriges Kabinett vorzuschlagen mit der einzigen Aenderung in drei Portefeuilles. Es sind dies das Finanz-, das Innen- und das Unterrichtsministerium, die nunmehr mit Leuten be­setzt worden sind, die um eine Nuance wei - ter rechts stehen als ihre bisherigen Inhaber, die auf Druck der Rechten wegen ihrer ausgespro­chenen Linkstendenz in die Wüste geschickt worden sind.

Die alten parlamentarischen Methoden, die, m Spanien bereits im Jahre 1923 zum völligen Fiasko des Parlamentarismus geführt haben, ver­hinderten die einzig mögliche Lösung: das entschie­dene Herumreißen des Steuers nach rechts. Wenn man versucht, den Hintergrund dieses Theaterspiels zu erkennen, kommt man zu der Ueberzeugung, daß es sich hier um einen letzten Schachzug der Freimaurerei handelt, der auch Lerroux ange­hört, und die sich verzweifelt gegen ihre Ablösung in der Leitung der spanischen Politik durch den po­litischen Katholizismus wehrt. Selbstverständ­lich hatte auch Frankreich seine Finger in bie-

Paris, 14. März. (DNB.-Funkspruch.) Mit bevorstehenden französischen Antwort auf die englischen Abrüstungsvorschläge, die jetzt täglich in der Presse abgehandelt wird, be­schäftigt sich Mittwoch Pertinax imE ch 0 de P a - ris". Auch er erklärt es für ausgeschlossen, daß die französische Regierung diesen Vorschlägen zu­stimmen wende. Typisch für den Verfasser ist die Begründung, daß eine solche Zustimmungeiner Legalisierung der Vertragsverletzung, die Deutschland durch die Aufrüstung begangen habe", gleich käme. Frankreich könne nicht einmal zugeben, daß es in seiner Freiheit zur Durchführung der notwendigen Perteidigungsmaß- nahmen irgendwie eingeschränkt werde.

Petit Parisien" sagt ebenfalls eine negative Ant­wort voraus. Die einzigen Schwierigkeiten, die der Abfassung der französischen Antwort noch entgegen­ständen, lägen in d e r Form, in der man den französischen Standpunkt darlegen wolle. Es genüge jedoch die letzte französische Note an die Reichs­regierung und den Brief Barthous an den Vor­sitzenden der Abrüstungskonferenz, Henderson, nach­zulesen, um überzeugt zu sein, daß sich die fran­zösische Regierung auch diesmal mit der nötigen Klarheit und Geschmeidig­keit ihrer Aufgabe entledigen werde. Man habe französischerseits genügend aus die Ge­fahren aufmerksam gemacht, die die englischen und italienischen Abrüstungsvorschläge für die franzö­sische Sicherheit gedeuteten. Es scheine aber, als ob man bisher die Frage ganz außer acht gelassen habe, daß die englischen Vorschläge eine direkte Untergrabung des Versai11 er Dertra-

Paris, 14. März. (DNB.-Funkspruch.) Die römischen Besprechungen werden von der Pariser Presse sehr aufmerksam verfolgt und eingehend kommentiert. Ganz allgemein steht man in Frankreich dem Plan Mussolinis nicht ab­lehnend gegenüber, weil man in ihm die ein­zige Möglichkeit sieht, Oesterreich dem deut­schen Einfluß zu entziehen.Journöe Industrielle" schreibt, man müsse französischerseits anerkennen, daß Italien der Vorposten für den Siegerstand gegen dendeutschen Drang nach dem Osten" sei. DerQuotidien" begrüßt es, daß auch Italien eingesehen habe, daß wirtschaftliche Maß­nahmen am geeignetsten seien, den Anschluß zu verhindern. Es stehe allerdings fest, daß Italien allein Oesterreich nicht helfen könne.Ordre" schreibt, Frankreich könne nur wohlwollend allen Bemühun­gen gegenüberstehen, die darauf gerichtet seien, die Aufsaugung Oesterreichs durch Deutschland zu ver­hindern und die wirtschaftliche Erneuerung und das gute Einvernehmen im Donaubecken sicher zu stellen.Journal" schließt sich den zustimmenden Kommentaren der übrigen französischen Presse nur bedingt an und erklärt, daß Mussolini nur dann ein wahres Friedenswerk vollbringe, wenn es ihm gelinge, Ungarn zum Verzicht auf Gegenforderun-

fem Spiel.

Die Meinung des Landes aber spielte wahrend der letzten Regierungskrise wieder eine ebenso ge­ringe Rolle wie fast stets, wenn es sich um die Interessen internationaler Mächte dreht. Die Oes- fentlichkeit jedenfalls erklärte schon von der ersten Stunde des Bekanntwerdens des neuen Kabinetts des dritten Kabinetts Lerroux! ab,daß es f 0 unter gar keinen Umständen ginge". Tatsächlich ist denn auch kein Mensch mit dieser so­genannten Lösung zufrieden, und die neue Regie­rung hängt infolgedessen restlos in der Luft. Es ist anzunehmen, daß schon die erste Abstimmung im Landtag zu einem Mißtrauensvotum fuhren wird, wenn nicht irgend eines jener üblen parla­mentarischenWunder" geschieht, die ja auch bei uns noch in abschreckender Erinnerung sind. Die Linke steht natürlich zu diesem Kabinett noch feind­licher als zu dem bisherigen, und die Rechte wird ihr ihre Unterstützung nicht geben, weil man sie, die die einzige Hilfe für eine derartige Regierung darstellt, nicht einmal konsultiert hat.

Nicht außer Acht gelassen werden darf allerdings, daß die katholische Rechte in gewisser Weise jenes Ergebnis der Regierungskrise mit ver­schuldet hat, weil sie eine Zauberpolitik betreibt, die man kaum mehr verstehen kann. Man scheint auf dieser Seite immer noch Angst vor der eigenen Courage zu haben, denn sonst hätte der Führer der katholischen Volksaktion, Gil Nobles, diese Gelegenheit unbedingt ergreifen müssen, um dem in den Novemberwahlen zum Ausdruck gebrachten Volkswillen zum vollen Erfolge zu verhelfen. Das Volk hat damals sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß es d o n faulen Kompromissen nichts mehr wissen will. Es hat den roten und röt­lichen Machthabern eine selten gesehene Abfuhr er­teilt. Nur die Angst vor Gewaltakten der Linken hat immer wieder verhindert, daß diesem Willen Gerechtigkeit widerfuhr.

Es ist völlig klar, daß tn Spanien, ebenso rote im übrigen Europa, der Kampf zwischen Rechts und Links besser gesagt, zwischen Internationa­lismus und Nationalismus - über kurz ober lang ausgetragen werden muß. Der spanische -

Largo Caballero, Führer der Sozialisten, hat ohne Zweifel recht, wenn er behauptet daß es heute auch in Spanien nichts anderes mehr gäbe, als Marxismus ober Fafchism u s. Die Kraftprobe muß also bestauben werben. Maßgebend bei dieser Auseinandersetzung wird sein, ob der po­litische Katholizismus, der in der katholischen Volks- ciktion verkörpert ist und sich bemüht, einen be­sonderen päpstlichen Faschismus aufzuziehen, klug genug fein wird, die Differenzen mit dem eigent­lichen Faschismus rechtzeitig zu begraben unb mit ihm gemeinsam vorzugeben. So aber wie bie Lage heute ist, muß bie ganze Hoffnung bes Laubes sich auf bie Gewehre und Maschinengewehre der P 0 - lizei stützen.

Allem Anschein nach drängt die augenblickliche Lage zur Entscheidung in kürzester Frist. Die Mar­xisten sind im ganzen Lande von ihrer Propaganda­tätigkeit zur Aktion übergegangen. Ohne daß sie jemand daran gehindert hätte, konnten frühere

mung bestehe.

Italien Oesterreich und Ungarn, fuhr Dr. Doll­

fuß fort, haben ja ein gleich starkes Interesse baran,, - - - - v - r .* . .. -r *----

an ber Donau einen Zustand Herstellen zu helfen, audienz empfangen. Am Abend gab der un= in dem sich die wertvollen Kräfte in diesem, für das garische Gesandte beim Vatikan ein Essen, an dem ganzen europäische Land so wichtigen Gebiet nicht außer Gömbös auch ber Karbiualstaatssekretär im Kampf miteinanber aufreiben, son-1Pacelli teilnahm.

Auch Dollfuß in Rom eingetroffen.

Der österreichische Bundeskanzler über den Zweck der Oreierzusammenkunff.

Francois-Poncet beim Reichsaußenminister.

Berlin, 13. März. (DNB.) Reichsminifter des Auswärtigen Freiherr v. Neurath empfing den französischen Botschafter Francois-Pon­cet, um ihm bie deutsche Antwort aus das am 14. Februar übergebene französische M e - moranbum in der Abrüstungssrage zu über­mitteln; hierbei erläuterte der Reichsaußenminister dem sranzösischen Vertreter in mündlichen Aus­führungen den Inhalt der deutschen Mitteilungen, parisweiß noch keineEmzeihetten

Paris, 14. März. (DNB.-Funkspruch.) Zu ber Antwort ber Reichsregierung auf bie letzte fran­zösische Note weiß bie Morgenpresse über bie amt­liche beutsche Verlautbarung hinaus nichts zu be­richten. Es hat ben Anschein, als ob ber Wort­laut ber Note in ben späten Abenbstunben bes Dienstag noch nicht am Quai d'Orsey v 0 r l a g.

Lebiglich ber Berliner Berichterstatter besMa­lin" glaubt hinzufügen zu können, baß bas Schrift­stück acht Maschinenseiten umfasse. Es sei inver­träglicher Form" gehalten, enthalte aber gerabe in bezug auf bie bisherigen beutscb-franzö- sischen Abrüstungsbesprechungen keine Neuig­keit e n. In Berlin selbst gebe man sich feinen Erwartungen mehr hin, sonbern sei ber Ansicht, baß die Zukunft der Abrüstungsfrage von den französisch-englischen Bespre­chungen abhängen werde. Man sei sich fer­ner darüber im klaren, daß es nicht leicht sei, Frank­reich zur Abrüstung zu bewegen, wenn ihm nicht gleichzeitig in Gewicht fallende Sicherheits- gar a n ti e n gewährt würden. Der Zweck der deutschen Note sei der, den Faden nicht ab­reißen zu lassen. Man wünsche deutscherseits, so mochte der Berichterstatter es barstellen,bie Ver­antwortlichkeit für ben Abbruch ber Besprechungen abzuwälzen". Die in ber amtlichen Verlautbarung erwähnten ergänzenben münblichen Mittei­lungen an 'ben französischen Botschafter in Ber­lin seien allem Anschein nach nicht von erheblicher

Garantie. Man bürfe barüber nicht im Zweifel fein, baß bies auherbem ben lob bes Volker» b u n b e s bebeuten würbe.

Oie Antwortnote wird Ende der Woche fertiggestellt.

Paris, 13. März. (DNB.) Am Dienstag fanb unter bem Vorsitz bes Präsibenten ber Republik ein Ministerrat statt. Außenminister B a r => th 0 u gab über bie französische Note Aus­kunft, bie in Beantwortung ber letzten englischen Abrüstungsbenkschrift aufgesetzt wirb. Die enb - gültige Fassung wirb bem Ministerrat am Freitag ober Samstag zur Billigung unterbreitet werben. Eine Einberufung bes Obersten Rates ber nationalen Derteibigung zur Erstattung eines Gut­achtens soll nicht mehr vorgesehen sein, ba ber Oberfte Militärausschuß bereits bie Abrüstungsfrage vom technischen Stanbpunkt aus eingehenb geprüft habe.

g e s unb des Völkerbund spaktes be­deuteten.

Hier geht bas Blatt zu einem wenig höflichen Angriff 'auf Englanb über, in bem es fortfährt, man müsse sich fragen, was aus ber Achtung vor ben Verträgen werbe, wenn sich eine Macht das Recht anmaße, grundlegende Aenderungen an diesen Verträgen vorzunehmen, ohne die anderen Mächte vorher zu befragen, und was aus dem ganzen Teil V des Versailler Vertrages werde, der die Militärklauseln enthalte, wenn'er nicht nur von Deutschland mit Füßen ge­treten" werde, sondern auch von denjenigen Mächten, die ihn dem Reich aus persönlichen Gründen eigener Sicherheit aufgezwungen hätten. Eine solche Politik könne vielleicht Italien genehm sein, das niemals für den Völkerbund besondere Beachtung gehabt habe. Sie führe aber nur zu einem improvisierten und auf wenige Mächte be­schränkten Abkommen ohne ernste Durchführungs-