Nr. 240 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 13. Oktober 1934
Der Grünberger Gallusmarkt 1934.
Nun steht der liebe, alte und doch immer wieder junge Gallusmarkt wieder vor der Tür. Er gilt als einer der größten Jahrmärkte Oberhelsens, der auf ein Alter von über 450 Jahre schon zurückblicken kann, gute und schlechte Zeiten überdauert, stets seine Anziehungskraft auf die Umgebung ausgeübt hat und das Herbst-Stelldichein für den vorderen Vogelsberg, einen Teil der Wetterau, das Buseckertal und sogar den Ebsdorfer Grund bildet. Zwar ist die Beschickung früherer Jahre — in den 70er und 80er Jahren noch durchschnittlich 400 Krämerstände, 200 bis 300 Stück Rindvieh und oft bis 2000 Schweine — in der letzten Zeit nie wieder erreicht worden, weil die heutigen Verkehrsmittel die tägliche Belieferung auch des entferntesten Dorfes mit allen möglichen Dingen ermöglichen. Allein die letzten Jahre zeigen, daß auch in der Jetztzeit der Markt noch von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist, wies er doch in diesen Jahren stets eine Beschickung von durchschnittlich 1000 Ferkeln und etwa 120 bis 150 Krämerständen auf. Eine Vorbedingung dazu ist auch in der günstigen Lage Grünbergs gegeben, das durch seine Bahnverbindungen und die hier kreuzenden Hauptstraßen der wirtschaftliche Mittelpunkt der drei oberhessischen Kreise Gießen, Alsfeld 'und Schotten ist. Selbstverständlich bietet auch die Grünberger Geschäftswelt alles auf, um den Marktbesuchern mit ihren Waren dienen zu können, denn für sie ist der Markt eine Haupteinnahmequelle des Jahres. In allen Läden herrscht ein stetes Kommen und Gehen der Käufer, und manche Geschäfte müssen an den Markttagen Hilfspersonal einstellen, um ihre zahlreichen Kunden bedienen zu können. Den größten Umsatz weisen wohl die Gastwirtschaften, Metzgereien und Bäckereien auf. Muß doch so manches Borstentier sein Leben lassen, um zur Herstellung der großen Mengen Wurst „Alles e Griewe " und anderer leckerer Dinge zu dienen, die hochaufgetürmt in den Metzgerläden sich oen Marktbesuchern präsentieren, und schier unzählbar ist die Menge der beliebten mürben Wecke, welche die Bäckereien für den Markt hergestellt haben. Und I'doch finden diese Vorräte alle Absatz, oft ist am Ende des ersten Markttages schon alles ausverkauft und schnell muß in der Nacht Ersatz für den zweiten Lag beschafft werden. Müssen doch die Wirtschaften mb Kaffeestuben außer den stets benutzten Räumen »och weitere Räume — „Gallmährts Ower- turne" — zur Aufnahme der vielen Gäste be- : eithalten.
Die Zahl der Marktbesucher geht in die Tausende: i-eispielsweise wurden im Jahre 1907 am Bahnhof Brünberg etwa 5000 bis 6000 Personen gezählt, heute erreicht die Bahn diese große Zahl an Fahrgästen zwar nicht mehr, denn als neues Verkehrsmittel ist das Auto mit ihr in Wettbewerb getre- !?n, und von allen größeren Orten der Umgebung rerkehren Omnibusfahrten zum Gallusmarkt, die lom Morgen bis spät in die Nacht vollauf zu tun loben. Selbstverständlich ist auch der Bahnverkehr immer noch ein sehr starker, denn außer den fahr- slanmäßig verstärkt fahrenden Zügen läßt die Kahnverwaltung noch Sonderzüge verkehren, und h entgegenkommender Weise sucht sie durch Aus- ccibe von Sonntagskarten den Besuch des Marktes zu erleichtern.
Grtzß und unabsehbar ist die Menschenmenge, die tuf der Käswiese, dem eigentlichen Marktslatz, auf- und abwogt, wie ein Strom den ganzen Tag zwischen Stadt und Marktplatz hin unb t-r flutet. Sind auf der Käswiese die Hallen stark besetzt, Buden und Stände stets umlagert, so zeichn auch die Geschäftshäuser, Wirtschaften, lLetzgerläden und Bäckereien innerhalb der Stadt (orten Zuspruch. Bei schönem Wetter spielt sich r,ohl der Hauptteil des Marktlebens auf dem eflenHicben Marktplatz ab, während regnerisches Wetter die Marktbesucher mehr zum Aufsuchen der Lokale in der Stadt zwingt. Wie sich daher mancher ßrünberger Geschäftsmann das Wetter für den ßollusmarkt wünscht, ergibt der zu einem geflügeltem Worte gewordene Ausspruch eines vor einigen Hihren verstorbenen, durch seine Originalität weithin bekannten Grünberger Gastwirtes: „W a n n irer f e nur h i e hun, dann kann so en igiener Landrege eansetz e." Allgemein spielt ja das Wetter nicht die entscheidende Rolle |iir den Besuch des Gallusmarktes, wie bei anderem Veranstaltungen. Selbstverständlich begrüßt nun es, wenn schönes Wetter ist, aber man nimmt euch schon ein bißchen herbstliche Kälte und etwas Äcgenwetter mit in den Kauf, und selbst die Erzählungen manches alten Marktbesuchers von dem spiichwörtlich gewordenen „Gallmährtsdre d", in dem die Stiefel stecken geblieben seien, bringen bem Besuch des Marktes keinen Abtrag. Dafür hat min sich das ganze Jahr auf den Gallusmarkt ge-
Hessischer Hof
GrOnberg, Am Gallusmarkt
kz D Dienstag, Mittwoch u. Donnerstag
Erstklassige
Stimmungs-Kapelle!
lirene Metzgerei:: Bekannt gute Küche :: Solide "reise Hessen-Quell:: Pilsner :: Beste Weine
von dem
Bürgermeisters und Hissung der Marktfahne. Letzteres bedeutet, daß die Stadt drei Tage unter Marktrecht steht: Anordnungen des Marktmeifters und seiner Gehilfen, die als Zeichen ihrer Amtswürde mit langen Säbeln ausgerüstet sind, ist Folge zu leisten, außerdem ist für die Dauer des Marktes die Polizeistunde aufgehoben. Am Mittwoch ist Pferde-, Rindvieh- und Schweinemarkt, anschließend Krämermarkt und
ganz Besonderes, die heimatliche Kirmes bleibt weit hinter ihm zurück, zu zahlreich und neuartig sind die Eindrücke, die es in Grünberg auf dem großen Jahrmarkt mit all feinem Drum und Dran erlebt; er ist ein Erlebnis, das meist zeitlebens haftet.
Wenn so die Bewohner der näheren und weiteren Umgebung Grünbergs von Kindheit an den Gallusmarkt miterleben, von seinen Sehenswürdigkeiten das ganze Jahr hindurch reden, dann ist es leicht zu erklären, daß alljährlich die große Wallfahrt der Nachbardörfer zu der Stadt auf dem grünen Berge an ihrem höchsten Feiertage einsetzt. Daß er im Bewußtsein der Jugend zu den Feiertagen rechnet, das ergibt sich aus jener Antwort eines Grünberger Schulbüb- leins, das auf die Frage des Pfarrers nach den hohen Feiertagen prompt erwiderte: „Weihnachten, Ostern, Pfingsten und G a l l m ä h r t". Wenn die Antwort vielleicht auch eine Sage ist, die große Bedeutung des Marktes, die man ihm allseits beimißt, wird durch sie treffend zum Ausdruck gebracht. Wir sehen aber auch daran, welcher Zauber sich an das Wort „Gallmährt" als Grünberger N a t i o n a l f e st knüpft und wie fest verwurzelt er im Volksleben ist. Sogar die Zeit wird nach ihm berechnet, und die Ausdrücke „vor'm Gallmährt!" und ..nqch’m Gallmährt" sind hier gang und gäbe.
Wie verläuft nun der d iesjährige Gallusmarkt? Am Sonntag vor dem Markt findet in der Turnhalle ein großer Heimatabend statt. Hierbei wirkt der oberhesfische Heimatdichter Georg
freut, den läßt man sich nicht vom Wettergott ver- Heß (Leihgestern) mit einer Trachtengruppe aus derben. C* * v r ,r~'" " 1 * ~ ‘ "
Erksdorf (Mitglieder des Reichsbundes Volkstum
Besonders den Kindern wird er als d a s g r o ß e und Heimat) mit. Ein Vortrag von Studienrat i. R. Ereignis d e s Jahres in strahlendem Glanze Walther über „Grünberger Familiennamen", hingestellt. Wie oft wurde ihr Eifer bei der sommer- Mufikvorträge des „Goetheorchesters" unter Leitung lichen Arbeit, wenn er allzu sehr zu erlahmen von Dr. Herdt und Gesangsvorträge des Män- drohte, mit den Worten wieder neu entfacht: „Ihr nerchores vervollständigen die Darbietungen des Kenn, seid fleißig, bann dürft'r aach met off de Abends. Dieser Heimatabend soll gleichzeitig für Gallmährt!" Die Aussicht, an den Freuden und den Reichsbund Volkstum und Heimat werben. Am Sehenswürdiakeiten des Marktes teilnehmen zu Dienstagabend findet auf dem Marktplatz ____
können und das versprochene „Mähr tst eck" be-Rathause die feierliche Eröffnung des Marktes wirkten Wunder. Gerade in den Augen der Kinder j statt: Platzkonzert des Musikvereins, Ansprache des hängt ein besonderer Glanz und Schimmer an bem r' ' '
Namen Gallusmarkt, er ist für bas Dorfkinb etwas
Volksbelustigung auf bem Juxplatz, sowie Tanz in ben Sälen m ber Stabt. Der Juxplatz wirb in biefem Jahre befonbers reichhaltig beschickt; es werben erwartet zwei Karussells, ein Wiener Praterrab, ein humoristisches Velobrom, ein Flohzirkus, eine Völkerschau mit asiatischen Degenschluckern unb inbianischen Messerwerfern, eine Afsenbressurschau mit 26 Affen, ein Bellachini- Zaubertheater, ein Kasperltheater usw. Der Donnerstag bringt Fortsetzung bes Krämermarktes unb ber Volksbelustigung. Auch hat Lanbesbauernführer Dr. Wagner, ber bei ber großen Kundgebung bes vorjährigen Gallusmarktes anwesend war, wiederum sein Erscheinen für diesen Tag zugesagt, um bei einer Kundgebung ber Bauernschaft zu sprechen. Am folgenben Sonntag findet bann in der Turnhalle die Ziehung der G a l l u s m a r k t - Lotterie statt; als Ausklang des Marktes werden auf dem Juxplatze die Abschlebsvorstel- Lungen gegeben.
Selbstverständlich wird auch die Stadt während der Markttage, wie das schon seit einer Reihe von Jahren üblich ist, wiederum reichen Flaggen- unb Wimpelschmuck tragen.
Volksleben brachte. Ein kurzer Schmalfilm gewährte einen Einblick vor unb hinter bie Kulissen bes Stabt- theaters Gießen. Das Goetheorchester, unter Leitung ™nrJ.'eLar3t ®r- H ° rdt, wartete mit mehreren Musikstücken auf.
* ® r ü ni n g e n, 12. Oft. Ein tüchtiges Mutterschwein befinbet sich im Besitze unseres Ortsburgers Lanbwirts Friebrich Mohn in ber Langgasse. Das Tier hat 19 Ferkel qewor- fen, oon benen 18 Stück leben unb gesund fmb. Das nennt man mit Recht Schweineglück.
* Hungen, 12. Oft. Die Ortsbauern- schäft Hungen setzte in ihrer gestrigen Der- samlung bie Kartoffelpreise frei Keller ber Verbraucherschaft wie folgt fest: Weißfleischige Kar- toffeln 2,60 RM., gelbfleischige 2,90 RM., Jnbustrie 3,25 RM. pro Zentner. Als Bauernspende für das Winterhilfswerk sollen ein Zent- ner Speisekartoffeln unb 10 Pfunb (Betreibe als Minbestabgabe pro Morgen ber Anbaufläche abge- liefert werben.
Kreis Friedberg.
LPD. F r i e b b e r g , 12. Oft. Am kommenden Montag wirb in ber hiesigen Zuckerfabrik mit ber biesjährigen Zuckerrübenkampagne begonnen. Die Anfuhr der Zuckerrüben ist bereits im (Bange.,
+ Butzbach, 12. Oft. In ber jüngsten Monats- Versammlung der Ortsgruppe der NSDAP, hielt der Bezirksschulungsleiter Studienrat Dr. R o e s ch e n einen Vortrag über den beutschen Osten. In ausführlicher Weise gab er einen Heber- blick über bie Entwicklung des Deutschtums in ben Grenzgebieten unb schilberte bie Tätigkeit ber Kolonisten (Fürsten, Ritter, Orden usw.) in diesen Pro- Dingen während des Mittelalters bis zur Neuzeit. Ortsgruppenleiter Pg. Schneider gab noch eine Anzahl Rundschreiben ber Partei bekannt unb schloß in der üblichen Weise die Versammlung. — Ein nachahmenswertes Beispiel hat die hiesige Gastwirtschaft Werb gegeben, dadurch, daß sie noch am Tage der Eröffnung des Winterhilfs- werks für bedürftige Volksgenossen 100 Mittagessen zur Verfügung gestellt hat.
Obecheffen.
Pfarrer Laut-Nidda f.
y. Nidda, 12. Oft. Heute in der Mittagszeit verschieb plötzlich infolge eines Herzschlages Pfarrer Laut bahier im 58. Lebensjahre, nachdem er noch furz zuvor in ber Volfsschule Religionsunterricht erteilt unb bann verschiebens Be- rufsgeschäfte erlebigt hatte. Sowohl bie Gemeinbe Nibba, als auch bie zu biefem Kirchspiel gehörigen Orte, nämlich Bab Salzhausen, Kohben, Unter- Schmitten unb Michelnau, verlieren in ihm einen treuen Seelsorger, ber ftänbig bestrebt war, mit seinen Glaubensgenossen in enger Verbinbung zu bleiben, es in leutseliger Weise verstaub, bie Herzen aller zu gewinnen, ber auch lebhaften Anteil an Leib unb Fr ebb ber Familien nahm. Bevor er bie Seelsorge bahier im Jahre 1922 übernahm, roirfte er nach Verwenbung in oerschiebenen Orten etwa 11 Jahre in Dietzenbach, bas er infolge ber barna- ligen politischen Verhältnisse verließ, um sich hier, nicht weit von seinem Vaterstäbtchen Laubach, ganz seinem Berufe hingeben zu können. Bebauerlicher Weise sollte er bie Früchte seines jahrelangen Strebens für ben unlängst enblich beschlossenen Orgelneubau, ber im nächsten Jahre ausgeführt werben soll, nicht mehr erleben.
Das Bahnprojekt Nidda -Schotten.
* N i b b a , 12. Oft. Gegenwärtig schweben wegen ber Verlegung ber Bahnlinie Nibba — Schotten aus bem Ortsbereich von Kohben heraus Erwägungen zwischen ben an ber Durchführung biefes Projektes beteiligten Stellen, ber Provinzialbireftion Oberhessen, ber hessischen Regierung, ber Reichsbahnbirektion Frankfurt unb bem Arbeitsamt Gießen, um auf biefe Weife bie von ber Bevölkerung unb ben Verkehrsintereffenten schon seit langer Zeit gewünschte En11astung ber Lanbstraße in Kohben von bem Eisenbahnbetrieb zu erreichen. Zunächst finb gewisse Vorbereitungsarbeiten in bie Wege geleitet worben, um vor allem einen Anhaltspunkt über bie Höhe ber Kosten zu gewinnen Ob unb wann sich bie Absicht einer solchen Verlegung ber Bahnstrecke, bie vielen Erwerbslosen Beschäftigung bieten würbe, burchführen lassen wirb, ist heute noch nicht abzusehen, wenn auch bie Bemühungen um bie Verwirklichung bes guten Vorhabens mit allem Ernst betrieben werben.
1OO Jahre hessisches Gtaatsbad.
= Bab-Nauheim, 12. Oft. Im fommenben Jahre kann unser Bab auf fein lOOjähriges Bestehen zurückblicken. Aus biefem Anlaß soll bie Saison zu einer Jubiläumssaison ausgestaltet werben. Es ist an eine Reihe besonderer Veranstaltungen auf künstlerischem unb sportlichem Gebiet aebacht, wie auch an bie Herausgabe einer Festschrift unb an eine Heimat- unb babegeschichtliche Ausstellung. Gestern fanb unter bem Vorsitz von Finanzrat Dr. Diehl- Darmstabt eine grunb- legenbe Besprechung statt, an ber sämtliche Stel
len teilnahmen, bie an ber Jahrhunbertfeier interessiert sinb. Es würben verschiebens Ausschüsse ge= bilbet, bie bie Vorarbeiten für bie einzelnen Veranstaltungen in Angriff nehmen.
Landkreis Gietzen.
§ Mainzlar, 12. Oft. Nachbem ber hiesige Gastwirt Friebrich Koch seine moberne Obstkelterei- Anlage zur Herstellung von Obstwein unserer Einwohnerschaft zur Verfügung gestellt hat, finb unsere Dorfbewohner immer mehr zur Bereitung von Most übergegangen, ber dann zu Wein oder zu Honig verarbeitet wird. Hierdurch haben unsere Obstzüchter und Landwirte Gelegenheit, nichtgängige Obstsorten nutzbringend zu verwerten,
4- ® r ü n b e r g, 12. Oft. Gestern hielt ber hiesige Turnverein aus Anlaß ber Reichswerbewoche „Gesunbe Frauen burch Leibesübung" ein Schauturnen mit seiner Turnerinnenabteilung ab. Vereinsführer Wenzel sprach einleitenb kurz über bie Bebeutung bes Frauenturnens unb gab einen Ueberblirf über feine Entwicklung in ber Deutschen Turnerschaft. Die bann gezeigten Darbietungen waren sehr vielseitig unb ben wichtigsten Gebieten bes Frauenturnens entnommen: Körperschule, Hebungen an ben Geräten in zwei Stufen — Anfängerinnen unb Fortgeschrittene — Frei- unb Keulenübungen, Hebungen mit bem Mebizinball, sowie als Abschluß heitere Turnspiele. Die Leitung ber Hebungen lag in den Hänben von Frauenturnwart Geh- ringer unb ber Vorturnerin Gertrub Bock. Die Besucher, unter benen bie NS.-Frauenschast fast vollzählig vertreten war, haben wohl alle ben Ein- brurf mitgenommen, baß ber Uebungsbetrieb im hiesigen Turnverein recht gut geleitet wirb unb recht vielseitig ist, benn neben einfachen, von jebem zu leiftenben Hebungen würben auch schöne unb oollenbete Leistungen gezeigt. Hoffentlich bringt ber Abenb gute Erfolge für bas Frauenturnen. — Dieser Tage fanb hier ein Werbeabenb für bie Deutsche Bühne in bem Saale Beltrop statt. Dr. R u ck e l s h a u s e n, ber Führer ber NS- Kulturgemeinbe in Gießen, hielt einen Vortrag. Er erwähnte bie Grünbung ber Deutschen Bühne, bie eine künstlerische unb kulturelle Erneuerung auf geistigem Gebiete anftrebe unb bie es als Hauptaufgabe betrachte, ben gering begüterten Volksgenossen unsere Kulturgüter zu dermitteln. Besonders ist hierbei auch an ben Besuch Des Gießener Stabtthea- ters gebucht. Dieses gibt für bie Mitglieber ber NS.- Kulturgemeinbe jeben Monat zwei Vorstellungen zu verbilligten Preisen, währenb bie Bahn ben Besuch biefer Vorstellungen burch Ausgabe von Sonntagskarten ebenfalls oerbilligt Die Höhe bes Beitrags für bie Mitgliebschaft zur NS.-Kulturge- meinbe ist gering bemessen: Einzelmitglieber 1 Mk., bei Einschluß ber Ehefrau 1,20 Mk. jährlich, sofern bas Einkommen unter 300 Mark im Monat beträgt. Weiter sprachen noch bas Mitglieb bes Gießener Stabttheaters, Herr Löser, ber über bie Tätigkeit ber Schauspieler sprach, sowie Dr. Rub. Fischer (Gießen), ber Anekboten aus bem oberhessischen
Kreis Alsfeld.
# Ruppertenrob, 12.Oft. Reife Kirschen im Oktober kann man gegenwärtig an ber Straße zwischen hier unb bem Nachbarort Groß- Eichen pflücken. Es hanbelt sich hierbei um einen ber bekannten Wilb- ober Vogelkirschbäume, ber zur Zeit mit schwarzen Früchten behangen ist. Als die wilden Kirchen allgemein reiften, begann bi es er Baum erst zu blühen. Die Erscheinung ist allerdings nicht auf bie biesjährige Wetterlage zurückzuführen, denn der Baum ist bekannt dafür, daß feine Früchte erst um diese Zeit reifen.
O Maulbach, 12. Oft. Gestern spielte hier das Mainzer Kasperle-Theater „Radi Rul- lalla". Am Nachmittag erfreute Kaspar bie Schul- jugenb von hier unb Appenrob mit bem Stück „Kasperle reift ins Saargebiet". Mit Begeisterung spielte bie ganze Jugenb mit, baß man feine Helle Freube baran haben konnte. Am Abenb war ber große Saal von Stroh von Bürgern von Maulbach unb Appenrob bermaßen gefüllt, baß ein Teil ber Zuschauer stehen mußte. Die Vorführungen, bie köstlichen Humor unb beißenbe Satyre boten, würben allerseits mit Freube aufgenommen. Es ist ben Vorführungen überall ein ebenso starker Besuch zu wünschen wie hier, unb man muß sich freuen, baß biefe alte, echt beutsche Kunst bis in unsere kleinsten Dörfer hineingetragen wirb. Der NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" gebührt bafür herzlicher Dank.
Das Todesurteil im Mordprozeß Kiefer rechtskräftig. LPD. Der Reichsgerichtsbienst bes DNB. melbet: Das Reichsgericht verwarf am Freitag bie von bem 21jährigen Angeklagten Valentin Kiefer aus Horchheim gegen bas Urteil bes Mainzer Schwurgerichts vom 21. Juni eingelegte Revision als unbegrünbet. Damit ist ber Angeklagte wegen Mor- bes rechtskräftig zum Tobe verurteilt unter Aberkennung ber Ehrenrechte auf Lebenszeit.
Kiefer hatte am 7. Juli 1933 ber Stiefmutter feiner Braut Babette, ber 57jährigen Frau König, in ber Hvrchheimer Gemarkung mit einer Kartoffel- hacke ben Schäbel zertrümmert unb bie Leiche auf ein Haferfelb geworfen. Als Beweggrunb ber grausigen Tat gab ber jugenbliche Mürber an, baß seine zukünftige Stiefschwiegermutter seine Braut be- chimpst unb ihm von ber Heirat abgeraten habe.
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Am Mittwochund Donnerstag außerdem Tanz im Saa| Tanzkapelle Willi Burkart 5928 d Bad-Homburg Karl Wetzig
Gvünvevsev «Sattusmarkt 1934
Zum dleSiähvigen GaUusmavki lade« tote die Vevölkevuus der Stadt Gtetzen und dev umliegenden Gemeinden herrlichst ein!
Sonntag, 14. Oktober: 11-16 Uhr Ausstellung der Gewinne der Wusmarktverlosung im unteren Rathaussaal; 20 Uhr Heimatabend in ber Turnhalle unter Mitwirkung des oberhessischen Heimatdichters Georg -eß der Trachtengruppe Erksdorf iMitgl. d. Reichsbd. Volkstum u. Heimat), bei Grünberger Goethe-Orchesters, des Männerchors Grünberg usw.
Dienstag, 16. Oktober: 20 Uhr Eröffnung des Gallusmarktes durch auf dem Marktplatz, Ansprache des Bürgermeisters und Hiffung ibeiMarktfahne,- anschließend Anfeiern des Marktes in den Lokalen der Stadt
Mittwoch, 17. Oktober: Dorrn. ab 9 Uhr Marschmusik v. Bahnhof aus i'.!.Straßen d. Stadt,-Pferde-, Rindvieh-u. Schweinemarkt,- Krämermarkt tV)lkbelustigung a. d. Gallusmarktplah,- in den Sälen der Stadt Tanzmusik
Donnerstag, 18. Oktober: Ab 9 Uhr bis abends Krämermarkt und Volksbelustigung,- um 10 Uhr vom Marktbrunnen aus Abmarsch mit Musik zum Frühschoppen in dem Wirtszelt,-14 Uhr
Grobe Bauern- und Bäuerinnen-Kundgebung
a. b. Marktplatz mit einer Ansprache des Landesbauemführers Dr. Wagner
Sonntag, 21. Oktober: Nachfeier auf bem Juxplah; 14 Uhr Ziehung der Gallusmarktverlofunci in ber Turnhalle.
Don Gießen und ben umliegenden Gemeinden werden am 17. und 18. Ok- tober Sonntagskarten nach Grünberg ausgegeben. Ferner verkehren aus der
Strecke Gießen - Grünberg und Burg- und Nieder-Gemünden - Grünberg Sonderzüge.
Oer Auftrieb zum Pferde-, Rindvieh- und Schweinemarkt am Mittwoch, dem 17. Oktober, beginnt um 8 Uhr und endigt um 9*/, Uhr.
Dienstag, den 16. Oktober, 13.30 Uhr findet die Verlosung der Stände statt. Sämtliche Ständebesiher müssen bei der Verlosung persönlich anwesend sein.
Es wird besonders daraus hingewiesen, baß jüdische Krämer, Händler und Schausteller nicht zugelaffen sind.
5926 d Hessische Bürgermeisterei Grünberg: Dr. M i l b n e r.


