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Deutscher Erntedanktag 1934

Sonntag, den 30. September.

Erste Bekanntmachung.

Die Richtlinien für den Deutschen Lrnte- banktag 1934 werden Anfang d er kommen­den Woche in der gesamten Presse bekannt­gegeben.

Für den Gau ist der Gaupropaganda­leiter. für die Kreise sind die Kreispropa­gandaleiter mit der Durchführung beauftragt. Das Programm wird in enger Zusammen­arbeit mit den Dauernführern sowie den Kreiswarten der N S G.Kraft durch Freude" durchgeführt. Selbständige Feiern und Unternehmungen irgendwelcher Art, die nicht den kommenden Richtlinien entsprechen und nicht von den zuständigen Propagandaleitern der NSDAP. genehmigt sind, b ü r f en nicht stattfinden.

Gez. Rlüller-Scheld,

Gaupropagandaleiter und Leiter der Landes­stelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.

aufrichtigsten Wünsche für eine glückliche Zukunft unser aller Völker entgegenzunehmen."

Nach dem Austausch der Ansprachen begrüßte der Führer und Reichskanzler die einzelnen Bot­schafter, Gesandten und Geschäftsträger und nahm deren Glückwünsche entgegen.

Stürmische Huldigungen für den Führer.

Während im Präsidentenpalais der Empfang der Diplomaten stattfand, hatte der Andranader Berliner Bevölkerung vor dem Palais einen geradezu bedrohlichen Charakter angenom­men, so daß die Polizei große Mühe hatte, die drängende Menschenmenge zurückzuhalten. Als dann die Wagen mit den Diplomaten aus dem Vorgarten des Reichspräsidentenpalais herausfahren, bricht die Begeisterung der bisher aeduldig wartenden Menschenmenge durch. Sie fordert immer wieder das Erscheinen des Führers. Die Heil­rufe, die die Wilhelmftraße entlang donnern, neh­men kein Ende. Endloses Händeklatschen bringt der harrenden Menschenmenge endlich den gewünschten Erfolg. Auf dem Balkon des rechten Palais-Flügels erscheint der Führer in Be­gleitung des Ministers des Auswärtigen, Frei­herr n von Neurath, und des Staatssekretärs Meißner. Ein Sturm der Begeisterung bricht los, der erst ein Ende findet, nachdem der immer wieder dankende Führer wieder in das Zimmer zurücktritt. Bald darauf erscheint, von der jubeln­den Menschenmenge begeistert begrüßt, der Kanzler im Portal des Reichspräsidentenpalais. Die Wachttruppe steht unter präsentiertem Gewehr. Nach allen Seiten grüßend, geht der Führer zur Wachttruppe und begrüßt persönlich den Offizier der Wachttruppe, um dann die Front abzuschreiten. Das Echo der Friedensbotschaft des Führers in Paris und London

London, 13. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Friedensbotschaft des Führers und Reichskanzlers bei dem Empfang des Diplomatischen Korps am Mittwoch widmet die Londoner Presse durch eine große Aufmachung besondere Beachtung. Redaktio­nelle Aeußerungen dazu veröffentlichen bisher nur das Blatt der Arbeiterpartei, derDaily Herold", ferner der liberaleNews Chronicle" und der kon­servativeDaily Telegraph". Wie nicht anders zu erwarten war, überbieten sich die drei, durch ihre unfreundliche Einstellung zu Deutschland bekannten, englischen Blätter in bösartigen Angriffen.Daily Telegraph" schreibt allerdings in etwas freund­licherem Ton, doch decken sich seine Ausführungen im wesentlichen mit denen der anderen genannten Blätter. Die Stellungnahme des größten Teiles der maßgebenden englischen Presse steht somit noch aus.

*

Die Pariser Presse bringt den Empfang des Diplomatischen Korps in Berlin an erster Stelle und gibt die Ansprachen des Apostolischen Nuntius und des Führers sehr ausführlich wieder. Beson­derer Nachdruck wird auf die neue Erklärung Adolf Hitlers über den Friedenswillen gelegt, ebenso wie man aus den Erklärungen des Nuntius den Hin­weis darauf hervorhebt, daß bereits in der Beseiti- aung derArbeitslosigkeitWichtigesge- sch e h e n sei.

Tagesbefehl an die SA.

Berlin, 12. Sept. (DNB.) Die NSK. meldet: Der Chef des Stabes, Luhe, hat folgenden Tagesbefehl an die SA. erlassen:

Rach den erhebenden Tagen von Nürnberg danke ich allen SA. - Führern und - 2H ä n n e rn , vor allem aber auch dem A u f - marsch st ab und Feldjägerkommando für ihre Leistung und Hingabe.

Nürnberg war die Konzentration unseres Wil­lens und Glaubens, eine unvergleichbare Demon­strierung des geeinten nationalsozialistischen Deutsch­land.

Darüber hinaus aber waren die Tage von Nürn­berg Beweis und Zeugnis für die Disziplin, den Opfergeist und die prächtige Dienstauffassung der SA. Sie hat ihre Leistung gezeigt beim Appell, den beiden großen Märschen, draußen im Feldlager und bei den Fahrlen in die Stadt der Parteitage. Besondere Anerkennung verdient diese Leistung, weil organisatorische, umfangreiche Vorarbeiten in kürzester Zeit infolge der Ereignisse des 30. 3uni vollbracht werden mußten und der neue Stab erst wenige Wochen in Tätigkeit stehl.

Wie in Nürnberg die S A. Schuller an Schulter stand und marschierte mit den übrigen Organisation en der Partei, so wollen wir in gleicher Kraft und Hingabe, im gleichen Willen und gleicher Disziplin die Aufgabe lösen für die Zukunft, unseren Körper stählen in Sport und Märschen, unsere Seele und unsere Her­zen und unsere Gedanken aber schulen im Geiste des Nationalsozialismus.

Wir wollen und müssen in unserer SA. vor­bildlich werden und bleiben für unseres ganzen deutschen Volkes Söhne.

(gez.) Luhe, Lhef des Stabes.

Die Eröffnung der Generalaussprache in Genf.

Bundeskanzler Schuschnigg über die Lage Oesterreichs.-DerIre de Valero fordert normales Aufnahmeverfahren für Rußland.

kam dann auf den bevorstehenden Eintritt

tragen. Die Ansichten über die Zweckmäßigkeit der Aufnahme Sowjetrußlands seien verschieden. Er persönlich sei dafür, jedoch müsse der Meinung derjenigen Staaten, die dem Eintritt feind- l i ch gegenüberständen, R e ch n ung getragen

Der irische Regierungschef de Valero

eröffnet. Als erster Redner bestieg der argentinische Delegierte C e n t i l o die Tribüne. Dann sprach

werden. Darum sei er der Ansicht, daß d a s n o r - male Aufnahmeverfahren auch für Sow­jetrußland Anwendung finden müsse. Der Poli­tische Ausschuß müsse mit der Frage befaßt werden. Die Prüfung der Aufnahmeeignung müsse in gewohnter Weise vor sich gehen. Es gehe nicht an, daß Sowjetrußland durch Nicht­beachtung dieses Verfahrens von vornherein eine Vorzugsstellung eingeräumt werde. Die Rede de Valeros wurde von der Versammlung stark beachtet, was auch durch den Beifall zum Aus­druck kam.

Paris ist verstimmt

Ungeahnte Schwierigkeiten stellen sich Rußlands Eintritt entgegen.

Genf, 12. Sept. (DNB.) Nach Eröffnung der Vollversammlung des Völkerbundes bestieg der schweizerische Bundesrat Motta die Redner­tribüne, um dem Andenken des österreichischen Bun­deskanzlers Dollfuß und des langjährigen ita- ______ .... _______ ,

lienifchen Delegierten Scialoja einige Erinne- Sowjetrußlonds zu sprechen. Das Problem rungsworte zu widmen. Die Rede Mottas wurde stehe auf der Tagesordnung. Es sei jedoch ein von der Versammlung mit Beifall ausgenommen.! Fehler, die Frage in Hotelzimmern auszu- Darauf dankte der Hauptdelegierte Italiens Baron ......" *

Slloisi dem Redner herzlich für die Würdigung Scialojas und der österreichische Delegierte Baron Flügel schloß sich diesem Dank im Hinblick auf den Bundeskanzler Dollfuß an. Die Völkerbunds­versammlung erhob sich dann auf Ersuchen des Präsidenten zur Ehrung der beiden Toten. Erst im Anschluß an diese Kundgebung wurde dann die Generaldebatte der Dölkerbundsversammlung

der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg

zunächst über die Politik und die Arbeit seines Vor­gängers, den er als glühenden österreichischen Pa­trioten und guten Europäer schilderte. Er wolle nicht darauf eingehen, ob es richtig war, das heutige Oesterreich zu schaffen. Trotzdem wolle er feststellen, daß Oesterreich in seinem gegenwärtigen Zustande aufrecht erhalten werden müsse. Das sei das Grundprinzip der inneren und äußeren Unabhängigkeit Oesterreichs. Seine Regierung sei fest entschlossen, diese Unabhängigkeit zu verteidigen. Auf die Frage, ob Oesterreich mit seinen eige­nen Mitteln das durchführen könne und ob die innere Entwicklung auf die Dauer die Auf­rechterhaltung der Ordnung und die friedliche Ent­wicklung des Landes garantiere, könne er antworten: Oesterreich ist lebensfähig, wenn man ihm erlaubt, zu leben.

Bundeskanzler Schuschnigg ging dann auf die Verfassungsänderung in Oesterreich ein und bestritt, daß es sich um eine Diktatur handle. Die Wirtschaftskrise habe auch zur Verschärfung des Radikalismus im Lande beigetragen und eine ruhige Auswirkung der Verfassungsänderung erschwert. Oesterreich habe nicht die Mittel gehabt, zu ver­hindern, daß politische Bewegungen, die ihren Ursprung außerhalb seiner Grenzen hatten, Rückwirkungen auf das innere Leben zur Folge gehabt haben, und daß auswärtige poli­tische Kräfte auf direktem oder indirektem Wege versuchen konnten, die politische Entwicklung in Oesterreich zu beeinflussen. Die Unruhen und Kämpfe im Februar und Juli seien mit illegalen Waffen durchgeführt worden, über deren Herkunft er nicht sprechen wolle. In beiden Fällen hätte sich eine revolutionäre Minderheit der überwältigenden Mehrheit des österreichischen Volkes gegenüberbe­funden. Die österreichische Regierung habe sich ihren inneren Gegnern gegenüber niemals durch ein Ge- fühl der Rache leiten lassen. Die Sühne habe nie­mals die Grenzen überschritten, die durch die Not­wendigkeit der Aufrecherhaltung der Ordnung und Sicherheit gezogen worden seien. Allerdings d i e Parteien in Oesterreicht gehörten der Ver­gangenheit an, der Versuch, sie wieder zu er­wecken, würde reaktionär sein. Wenn sein Land sich allen terroristischen Drohungen widersetze, so kämpfte es nicht nur für seine eigene Existenz, sondern vertei­dige gleichzeitig die richtig verstandenen Interes­sen aller seiner Nachbarn, d. h. Oesterreich verteidige nicht nur die Interessen des Zweiges des deutschen Stammes, den es seit Jahrhunderten ver­teidige und schütze, sondern es diene in Wahrheit dem Frieden der Welt. Zum Schluß bat Schuschnigg die Völkerbundsversammlung um Verständnis und Hilfe für sein Land.

Während Schuschnigg für den größten Teil seiner Rede sich der deutschen Sprache bediente, ging er an Stellen, auf die er besonderen Wert legte, zwischendurch ins Französische über. Wie in ähnlichen Fällen üblich, erhielt der österreichische Bundeskanzler persönliche Glückwünsche verschiede­ner Minister, darunter Aloisis und Simons, als er an seinen Platz zurückgekehrt war.

Paris, 13. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Rede d e V a l e r a s hat in der französischen Presse Mißstimmung hervorgerufen. Da bisher im­mer darauf verwiesen wurde,daß dieAufnahme Sowjetrußlands dank der Verhandlungen Barthous hinter den Kulissen ohne Schwierig­keiten vollzogen werden könnte, sieht man sich jetzt durch die scharfen Ausführungen de Valeras um die Früchte betrogen. Man wirft ihm vor, er wolle die Aufnahme absichtlich verzögern, obgleich man seinen Ausführungen kein positives Gegen­argument entgegenstellen kann. DerMatin" stellt fest, daß de Valero denselben Standpunkt vertreten habe, wie die englischen Dominien in den privaten Besprechungen.Petit Parisien" meint, die Rede de Valeras sei unangebracht gewesen in einem Augenblick, in dem so heikle Verhandlungen ge­führt werden. Man müsse aber zuaeben, daß seine Ausführungen von einem großen Teil der Abordnungen geteilt werden.

Journal" spricht von einem Mangel an Logik bei de Valero, da er einerseits schärfste Kritik übe, aber andererseits sich bereit erkläre, für die Auf­nahme Rußlands zu stimmen.

Pertinax meint imEcho de Paris", Frankreich habe zwei grundsätzliche Fehler bei der Vorberei­tung der Aufnahme Sowjetrußlands gemacht, 1. habe Frankreich die Genfer Besprechungen un- aenügend vorbereitet und entwerfe heute Texte, die schon vor Wochen hätten aufgestellt werden müssen; 2. habe es die Unvorsichtigkeit begangen, Sowjet­rußland glauben zu machen, es werde nicht den allgemein üblichen Regeln unterwor- f e n werden, sondern eine bevorzugte Behandlung finden, wie Mexiko und die Türkei. Sowjetrußland

werde sehr wenig für die Aufrechterhaltung des Status quo beitragen. Deshalb wäre es auch von geringem Wert, diese Aufnahme teuer zu erkaufen. Sowjetrußland stehe sowohl dem Völkerbund als auch dem Ostpakt vollkommen gleichgül- t i g gegenüber. Für Rußland sei all dieses weiter nichts als eine notwendige Formalität für den Abschluß eines Bündnisses mit Frankreich gegen Japan.

Litwinow über die Einladungs- sormel enttäuscht.

'London, 13. Sept. (DNB.-Funkspruch). Presse­meldungen aus Genf zeigen, daß dort in der Frage eines sowjetrussischen Eintritts in den Völkerbund eine sonderbare Lage eingetreten ist. Der Wort­laut des Einladungsbriefes soll an­geblich Litwinow nicht befriedigt haben. Würde aber ein neuer Text abgefaßt, so würde die französische Abordnung mit ihren Verhandlungen für die Gewinnung von Unterschriften wieder von vorn anfangen müssen.

Großes Aufsehen hat in London die Rede de Valeras mit ihren sarkastischen Hinweisen auf geheime Intrigen und Unterredungen in Hotel­zimmern gemacht. Der GenferTimes"-Vertreter sagt, de Valeras Aeußerung, daß das zugunsten Sowjetrußlands gebrachte Opfer sich kaum mit der Würde des Völkerbunds vertrage, fand viel Zustimmung. Der gewundene Charakter der Vereinbarung habe einen sehr schlechten Eindruck gemacht. Simon erklärte in Genf englischen Presse­vertretern. seiner Ansicht nach sei der schnellste Weg in dieser Sache auch der beste Weg.

Ist her Ostpakl bereite gescheiter!?

Auch Polen und die baltischen Staaten wollen keine Beteiligung.

London, 13. Sept. (DNB.-Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet, Polen habe beschlossen, sich an dem o st europäischen Pakt für gegenseitigen Bei st and nicht zu betei­ligen. Die kleinen baltischen Länder hätten ihre Beteiligung von der Teilnahme Deutsch­lands und Polens abhängig gemacht. Es ist daher so gut wie gewiß, daß Estland, Lettland und Litauen unter den jetzigen Umständen eben­falls die Vorschläge für diesen Pakt verwerfen werden. Von den Teilnehmern, die in Aussicht ge­nommen waren bleiben also nur noch Frank­reich, Sowjetrußland und die Tsche­choslowakei übrig. Da England darauf be­harrt, daß ein osteuropäischer Pak' gegensei­tige Garantien für Deutschland entöl­ten muh, ist es unwahrscheinlich, daß eine britische Zustimmung zu irgendeiner Vereinbarung zu erlan­gen sein wird, die diese Länder jetzt vielleicht unter­einander schließen würden.

Polens Haltung wird von der Ueberzeugung dik­tiert, daß es eher verlieren als gewinnen dürfte, wenn es einem Ostpakt beiträte. Es h a t schon Nichtangriffspakte mit Deutschland im westen und mit Rußland im Osten. Polen vertritt den

Standpunkt, daß es, wenn solche Pakte überhaupt irgendwelchen praktischen Wert haben, schon ver­sorgt ist. Die Tatsache, daß Polen den IBün/^en feines Alliierten Frankreich nicht flattgibt, braucht nicht als Zeichen einer Entfremdung zwi­schen beiden Ländern betrachtet zu werden, sondern als Zeichen der zunehmenden Entschlossenheit Po­lens, als durchaus gleichberechtigterund unabhängiger Staat anerkannt zu werden. Gute Beziehungen zwischen Frankreich und Polen entsprechen der Ueberlieferung, aber sie werden nicht vollkommen wiederhergestellt werden, solange Frankreich Polens Recht nicht anerkennt, befragt zu werden und über seine Politik so zu ent­scheiden, wie es nach feiner Itleinung seinen eigenen Interessen entspricht.

Das Nichtzustandekommen einer Vereinbarung über den Ostpakt hat keine direkte Wirkung für England, dessen Haltung während der ganzen Zeit uninteressiert und wohlwollend gewesen ist. Aber die britische Regierung würde zweifellos ihren Einfluß gebrauchen, um jeden neuen Versuch einer Einkreisung Deutschlands durch weitere ausschließliche Bündnisse zu entmutig en.

Ein Vorschlag Italiens.

Nichteinmischungspakt" für Oesterreich.

Genf, 13. Sept. (Reuter-Funkspruch.) Wie ver­lautet, erwägen die Großmächte auf Veran­lassung Italiens einen Vorschlag, nach dem die Großmächte die Nachbar st aalen Oefter- reichs zur Unterzeichnung eines Pak­tes einladen, in dem sie sich zur Nichtein­mischung in österreichische Angelegen­heiten verpflichten. Deutschland würde natürlich zur Beteiligung an dem Pakt eingeladen werden. Von der deutschen Antwort würde es abhängen, welche Wahnahmen die in Frage kommenden Staaten später ergreifen würden. Bun­deskanzler Schuschnigg ist bei Sir John Simon, Barthou und Baron Aloisi gewesen. Letzterer hatte eine längere Unterredung mit Sir John Simon.

Der Skandal der Rüstungs­industrie in USA.

Washington, 13. Sept. (DNB.) Der Unter- uchungsausschuß über die Rüstungsindustrie be­schäftigte sich mit dem führenden Chemiekon­zern Dupont. Es ergab sich, daß Dupont von 1914 bis 1918 für 1245 Millionen Doi- lars Kriegsaufträge ausführte, heute u. a. d e n vierten Teil der General Motors kontrolliert und nach Kriegsende Teilhaber der Chemical Foundation wurde, die die be­schlagnahmten deutschen Chemiepa­tente ausbeutete. Dupont zahlte im Jahre 1916 100 v. H., 1917 51 v. H. und 1918 26 v. H. Dividende.

Aus dem weiteren Verhör ergibt sich, daß an­scheinend amerikanische Flugzeugkon­zerne aktive Armeeflieger oerwende- t e n, um ihre Flugzeugtypen im Fernen Osten, in Südamerika und Europa vorzuführen. 1930 soll sogar versucht worden sein, vom Marine-

ministerium die Erlaubnis zu erlangen, ein a m e - rikanisches Flugzeugmutterschiff zu dem gleichen Zweck nach Südamerika zu entsenden, um der britischen Konkurrenz zu be­gegnen. Als behauptet wurde, daß der G e n e - ralstabschef Douglas McArthur während des Besuches in der Türkei im Jahre 1932 amerika­nische Waffenausfuhren nach der Türkei begünstigt Habe, rief der Vorsitzende Senator Nye aus:Es sieht fast so aus, als ob das Kriegs- und Marineministerium von der Regie­rung bezahlte und zu Privatgeschäften be­nutzte Verkaufsorganisationen sind."

New York Herald" berichtet, daß die Fabrik Northrop Company in diesen Tagen 2 2 Bom­benflugzeuge neuesten Typs für China fertigaestellt habe. Die Flugzeuge, die eine Stun­dengeschwindigkeit von fast 400 Kilometer ent­wickelten, seien imstande, mit einer Bombenladung von 500 Kilogramm von Schanghai nach Tokio zu fliegen und ohne Brennstoffergänzung an ihren Ausgangspunkt zurückzukehren.

Der Texiilarbeiterstreik

Ter Schlichtungsausschutz gibt seine Bemühungen auf.

Washington, 13. Sept." (DNB. Funkspruch.) Der Schlichtungsausschuß gibt folgende Verlaut­barung aus: Trotz zweitägiger Bemühungen waren wir a u ß e r st a n d e , von den Arbeitgebern die Zustimmung zur grundsätzlichen Annahme einer schiedsgerichtlichen Entscheidung oder einer ähnlichen Maßnahme zu erlangen. Wir bedauern dies tief, glauben aber, daß es möglich ist, andere Wege zu finden, die zu einer schnellen, wirksamen und gerechten Regelung führen können.

Im Zusammenhang mit dem Textilarbeiterstreik kam es an verschiedenen Stellen zu neuen ern­sten Zusammen st ößen. So mußten National­gardisten in Putnam (Connecticut) Arbeitswillige gegen die Angriffe von etwa 3000 Streikenden schützen. In Woonsocket (Rhode Island) veksuchten

10 000 Streikende eine Fabrik zu stürmen. Die Na- tivnalgarde bemühte sich zunächst, die Angreifer mit Tränengas zurückzuhalten. Als dieses jedoch verbraucht war, mußte die Nationalgarde von der SchuhwaffeGebrauch machen, um die Strei­kenden zu vertreiben.

Führertagung des NSKK.

Berlin, 13. Sept. (DNB.-Funkspruch.) In Bayreuth fand die erste Führertagung des aus Motor-SA. und dem bisherigen NSKK. nunmehr zu einer selbständigen Gliederung der Bewegung zusammengefaßten Nationalsozialistischen Kraftfahr- Korps statt. In großen Zügen gab Obergruppen­führer Hühnlein einen Ueberblick über das neue Aufgabengebiet, das nicht zuletzt die Heranbil« düng eines tüchtigen Fahr er- Na ch' Wuchses auf den über das ganze Reich verte»' ten Motor-Sportschulen des NSKK. W11* fassen wird. Es werde gleich ehrenvoll sein, od einer nun in einem Motor- oder Kraftwagen' Sturm feinen Dienst erfüllt. Beide zusammen bib den das Korps. Als äußeres Zeichen der Neugliede­rung wird das NSKK. demnächst durchgehend schwarze Spiegel und voraussichtlich auch eine der SA.-Feldmütze ähnliche schwarze Kopfbedeckung erhalten, die sich für den Kraftfahrdienst als besonders geeignet erwiesen hat. Auch die alten NSKK.-Männer werden je nach ihrer Bewährung und der Dauer ihrer Zugehörig' feit allmählich und stufenweise in die Dienst' grade der Motor-SA. einrücken können.

Ehrengerichtshof des Handwerks.

Das deutsche Handwerk hat bekanntlich durch die Verordnung vom 15. Juni 1934 eine ständische Ge­richtsbarkeit erhalten. Ihre Aufgabe ist die WaY' rung der Standesehre und des G e m et n' g e i st e s im Handwerk. Die oberste Instanz dieser Ehrengerichtsbarkeit ist der Ehrengericht s- Hof beim Deutschen Handwerks- un Gewerbekammertag, der in B er11n der Besetzung mit einem richterlichen Vorsitzenden,