M.I61 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Freitag, (3. Znli 1934
Hyänen über Memel.
Von unserem Br.-Berichterstaiier.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Memel, Juli 1934.
Nach der gewaltsamen Beseitigung der rechtmäßigen Memelregierung arbeitet im Memelgebiet die Litauisierungsmaschine mitHoch- druck. Zunächst ist das vom litauischen Gouverneur eingesetzte Direktorium Reisgys an die Zerschlagung des .autonomen Beamtenapparats herangegangen. Beamte, die nahezu ein Menschenalter ihre Kräfte dem Memelland gewidmet haben, sind kurzerhand entlassen wor- den, weil sie angeblichen staatsfeindlichen Parteien angehört haben. Bei anderen mußte der Vorwand herhalten, daß sie die litauische Sprache nicht beherrschten, obgleich nach dem Autonomiestatut beide Sprachen, Deutsch und Litauisch, als gleich, berechtigt anerkannt sind! Die Nachfolger der Entlassenen sind Litauer. Ob nun sie die d e u t - s ch e Sprache beherrschen, danach wird natürlich nicht gefragt, obwohl im Memelgebiet jeder deutsch versteht, und nur d i e w e n i g st e n des Litauischen mächtig sind.
Das offiziöse Kownoer Regierungsorgan, der „Lietuvos Aidas", hat die widerrechtliche Posten- räuberei mit der höhnischen Bemerkung abgetan, daß nur die „wahren Besitzer" sich gemeldet hätten. In Wirklichkeit ist es jedoch so, daß sich nun nach der Absetzung des Präsidenten Schreiber alle jene politischen Aasgeier und Schmarotzer aus ihren Schlupfwinkeln wieder hervorgewagt haben, um wie Hyänen das Schlachtfeld abzugrasen und sich die besten Posten zu sichern. Die Litauer haben es denn auch für nötig gehalten, in Memel große „Siegesfeiern" abzuhalten und dabei „Seiner Gnaden, dem Herrn Gouverneur", wie es in einer Entschließung hieß, ihren besonderen Dank avzustatten, daß er sie wieder an die Futterkrippe aebracht hat. Im übrigen werden die aus ihren Aemtern vertriebenen Memelbeamten mit wüsten Beschimpfungen belegt. Der „Lietuvos Aidas" spricht von „schmutzigem Gesindel", das eigentlich ins Gefängnis gehöre. Und der berüchtigte Großlitauer S i m o n a i t i s, einer der Hauptakteure des Memelraubes, hat es fertig gebracht, in einer dieser Siegesoersammlungen von dem abgesetzten Landespräsidenten Schreiber, der über zwei Jahre seine ganze Kraft in den Dienst des Landes gestellt hat, der das Vertrauen der Bevölkerung auch heute noch besitzt, und der seinerzeit von den damaligen litauischen Gouverneuren auf diesen Posten berufen wurde, als von einem „hergelaufenen" zu sprechen. Wo in Wirklichkeit das Gesindel und die Hergelaufenen sitzen, zeigt.sich deutlich, wenn man diejenigen, die heute die maßgebenden Posten in Memel bekleiden, etwas näher unter die Lupe nimmt.
Man braucht sich nur Herrn Simonaitis anzusehen, der für „besondere Aufgaben" in die Me- meler Landesregierung berufen wurde, und der jetzt zum Oberbürgermeister der alten deutschen Ordensstadt Memel gemacht worden ist. Simonaitis, der früher Landrat in Memel war, hat es mit seinen Amtspflichten nie sehr ernst genommen. Die Spatzen pfeifen es in Memel von den Dächern, daß er infolge seines leichtsinnigen Lebenswandels b i s über beide Ohren in Schulden steckt, und daß er wiederholt auch Amtsgelder für seine persönlichen Bedürfnisse verwendet hat. So erhielt der damalige Landrat einmal 5000 Lit ausgehändigt, die 'er der Kreiskasse in Heydekrug abliefern sollte. E kam damit aber nicht weiter als bis zu einigen sthäusern, und schließlich „vergaß" er die Ab- li^erung des Geldes ganz, da er sie bei Alkohol mit lockerer Frauengesellschaft durchgebracht hatte. Kein Wunder, wenn ihn selbst die Litauer ablehnen, und-wenn ihm, als der Gouverneur ihn vor einigen Monaten zum „Führer der Litauer des Memelgebiets" bestimmte, prompt in einer Versammlung der ländlichen Vertrauensleute der Litauischen Organisationen das einstimmige Mißtrauen ausgesprochen wurde.
Der neuernannte Stadtschulrat Simaitis genießt ebenfalls nicht den besten Ruf, und der jetzige
Boni Besuch deutscher Kriegsschiffe in England.
Links: Die Bugflagge des Kreuzers „Königsberg", die jetzt im englischen Kriegshafen Portsmouth weht. — Oben rechts: Der Hafenkommandant von Portsmouth, Admiral Sir John Kelly, beim Abschreiten der Ehrenwache auf Deck des Kreuzers „Königsberg". — Unten rechts: Deutsche und englische Blaujacken Arm in Arm.
Direktor des litauischen Gymnasiums, Dr. Tru- k a n a s, mußte sein Amt als früherer katholischer Geistlicher infolge sittlicher Verfehlungen (!) aufgeben. Dem neuen Präsidenten Reisaus ist bereits zweimal vom memelländischen Landtag das Mißtrauen ausgesprochen worden, einmal als Landesdirektor und einmal als Präsidenten, weil er sein Amt dazu mißbraucht hatte, seine minderwertigen politischen Freunde zu schützen. So hat er damals z. B. ein Disziplinarverfahren gegen einen Moorvogt, der amtliche Gelder unterschlagen hatte, einstellen lassen. Und kaum war er jetzt Präsident geworden, als er sich die Akten eines Disziplinarverfahrens gegen ein Mitglied seiner Regierung, gegen den Landesdirektor Jonuschaitis, kommen ließ, sicher nur zu dem Zweck, auch dieses Verfahren unter den Tisch fallen zu lassen. Jonuschaitis war als Wiesenbaumeister beim Landratsamt in Heydekrug angestellt. Weil er nicht imstande war, dieses Amt zu verwalten und dem Kreis dadurch ungeheurer Schaden zugefügt wurde, mußte das Amt einem Fachmann übertragen und er anderweitig beschäftigt werden. Dieser für die Führung der Geschäfte eines Wiesenbaumeisters unfähige Mann sitzt natürlich ebenfalls nur wegen seiner großlitauischen Einstellung in der memelländischen Regierung. Und auch er will offenbar seine Tätigkeit mit einer Schiebung einleiten, da er sich bereits angelegentlich für ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen einen seiner politischen Freunde, den Großlitauer La- buttis, interessiert hat, dessen Akten ebenfalls durch das Direktorium von dem zuständigen Amtsgericht angefordert sind.
Derartige Beispiele für die litauische Korruptions-
Wirtschaft im Memelgebiet und für die Minderwertigkeit der heutigen Machthaber könnten noch beliebig vermehrt werden. Die memelländische Bevölkerung selbst bis in die litauischen Kreise hinein, will von solchen „Führern" natürlich nichts wissen. Der litauische Gouverneur aber hält diese Kreaturen für geeignet, das deutsche Memelland „regieren" und von ihnen die deutsche Kultur zerschlagen zu lassen.
Nach Artikel 1 des Memelabkommens hat Litauen das Memelgebiet nur unter der Bedingung der Erfüllung des Memel st atuts von den alliierten und assoziierten Mächten zugesprochen erhalten. Die bedingungslose Durchführung der Autonomie war überhaupt die Voraussetzung für die Unterstellung des Memelgebiets unter die Souveränität Litauens. Nachdem Litauen die Autonomie praktisch sozusagen be s e i t i g t hat, hat es damit auch seinen sogenannten Rechtsanspruch auf das Memelgebiet nach den Bestimmungen des Abkommens verwirkt. Verantwortlich für das weitere Schicksal des Memelgebiets finfc in erster Linie die Unterzeichnermächte des M e - melabkommens, Frankreich, England, Italien und Japan. Die Mächte haben, wie das auch in der deutschen Note zum Ausdruck kommt, die Pflicht, sofort einzuschreiten, um die Bevölkerung von den litauischen Schmarotzern zu befreien und ein allgemeines Chaos zu verhindern.
Daten für Freitag, 13. Juli.
1816: Der Dichter Gustav Freytag zu Kreuzburg in Schlesien geboren (gestorben 1895); — 1874: Attentat Kullmanns auf Bismarck in Kissingen;
Oer Reichsbischof in Frankfurt.
LPD. Frankfurt a. M., 12. Juli. Der Reichsbischof kommt am Freitag nach Frank« furt und wird vormittags vor den Pfarrern und Kirchenvor st ehern sprechen. Die vorgesehene öffentliche Kundgebung im Bachsaal fällt mit Rücksicht auf die Reichstagssitzung aus.
Oie kirchliche Neuordnung in Naffau-Heffen.
EPH. Das Gesetzblatt der Evangelischen Deub» schen Kirche bringt in seiner letzten Nummer daS Gesetz für die Kirchengemeinden der evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. Es ist ein Uebergangs- gesetz bis die gesamte Deutsche Evangelische Kirche für ihr Gefamtgebiet ein entsprechendes Gesetz erlassen wird, läßt aber erkennen, wie in Zukunft bifl
Nicht nur raffen!
Arbeit schaffen —
Arbeit teilen!
Und bisweilen
Bauen auf Jorfunas Launen!
Lose kaufen — von den braunen! heil Hitler!
I.A.: gez. G. LV.Müller.
Verwaltung der einzelnen Kirchengemeinde im Ge« famtgebiet der Deutschen Evangelischen Kirche ge* regelt fein wird. Die wichtigsten Punkte sind fofe gende:
In jeder Gemeinde wird ein Kirchenvorstand ge« bildet, der aus den Pfarrern und neun Kirchenvor« stehern besteht. Kirchenvorsteher werden nicht ge« wählt, sondern auf sechs Jahre ernannt. Drei der Mitglieder des Kirchenvorstandes werden zu Führern der drei Pflichtenkreise: 1. der Pflege des kirch« lich-religiöfen Lebens, 2. der kirchlichen Verwaltung, 3. des kirchlichen Geldwesens ernannt. Führer des Kirchenvorstandes kann ein Pfarrer oder einer der Führer des Pflichtenkreifes fein. Die Führer ver« walten ihren Pflichtenkreis selbständig und tragen auch die volle Verantwortung. Auch der Pfarrer kann Führer eines oder aller Pflichtenkreise sein.
Der Führer des Kirchenvorstandes trifft alle Ent« scheidungen in voller und ausschließlicher Verantwortung. Eine Abstimmung im Kirchenvorstand findet nicht statt, vielmehr erarbeitet der Kirchenvorstand seine Willensmeinung in brüderlicher Aussprache. Kommt keine einheitliche Willensbildung zustande, so sind die verschiedenen Meinungen gegeneinander abzuwägen.
Landwirtschaftliche Zubiläums- Reichsschau 1936 in Frankfurt.
LPD. Frankfurt a.M., 12. Juli. Dem eifrigen Bemühen unsrer Stadtverwaltung, insbesondere des Oberbürgermeisters Staatsrat Dr. K r e b s, ist es gelungen, die Landwirtschaftliche Aus- stellung 193 6, die offiziell als Dritte Reichsnährstands-Ausstellung ftattfinden wird, nach Frankfurt a. M. zu bekommen. Die Ausstellung wird auf dem Meffegelände und dem anschließenden Kleingartengelände stattfinden. Für die Zwecke der Ausstellung wird ein Gelände von rund 100 Morgen zur Verfügung gestellt. Ihre besondere Bedeutung gewinnt die Veranstaltung dadurch, daß im Jahre 1936 der Geburtstag des Gründers der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft Max E y t h sich zum 100. Male jährt. Die Dritte Reichsnährstands-Ausstellung wird deshalb als Jubiläums- Ausstellung in besonderem Ausmaße durchgeführt werden.
Reichtum der Heimat.
Von Walter perfid).
Wo die Elbe ihrer Mündung zu immer breiter wird und, ein großer grauer Strom, an den Werften, Kirchen und Häusern kleiner Orte vorüberrauscht, liegt das Blütenland Lühe. Die Deiche durchziehen es viele Kilometer, kleine und große Gräben durchschneiden den fruchtbaren Boden, und zwischen diesen Wassern und den anmutigen Höhen der Deiche liegen die roten Häuser mit ihren weißen Balken, Strohdächern und farbigen Gärten.
Der Bauer Claus Harm ist alt geworden in seinem Haus, das nicht zu den größten und schönsten gehört. Er hat glücklich gelebt zwischen den Ernten und seine Kinder groß gezogen. Hans, dtzr einzige Sohn, der ihm nach dem Kriege geblieben ift, wurde immer ein wenig verzogen, als die Mutter noch lebte, und daran ließ sich später nichts mehr ändern. Aber er ist mit der Tochter des Bauern Jochem Klahm, mit der stillen und willenstarken Klara, versprochen. Zu Weihnacht wird wohl die Hochzeit sein, und die alten Bauern meinen daß der Ungebärdige dann wohl mehr von der Landwirtschaft halten wird. Er liebt es, ganze Tage m der Gegend umherzustrolchen, trinkt mit manchen wenig netten Kumpanen in den Schenken und setzt lieber Städter über die Gewässer im kleinen Boot, als im Stall und im Obstland zu arbeiten. „Man macht sich mehr dreckig, als es einbringt!" sagt er gern und geht stolz umher mit seinem schneeweißen Hern^
Da kommt er doch eines Tages mit rotem Kops nach Hause und stürmt in die Stube. „Hallo, Vater!" ruft er durchs Haus und findet ihn schließlich bei der Tischlerarbeit im Stall, „Mensch, was arbeitest du noch! Wir sind reiche Leute.
Och, Jung!" Der Alte zieht bedächtig an feiner sßfeife was du spintisierst! Man wird doch nicht so einfach reich! Kein Taler schmeckt gut w,e der. für den man mit Schweiß bezahlt hat!
Alter, hör zu! Hier steht es: die Erben des im ^ahre 1843 nach Amerika ausgewanderten Peter Klüts möaen sich melden, Peter Klüts stammt aus SteinkUchen in Deutschland und hinterlaßt als Teilhaber^einesChikagoer Schlachthauses über eine Million Dollar. Da in Chikago keine Erben auffindbar find, wenden sich Personen, die Anspruch auf den Nachlaß erheben, an ..." folgt eine amen- wische Adresse^ ..Peter Klüts ist dach mit Mutter verwandt, ein Vetter, und wir sind seine Erben!
Jung du fmufft! Da sind noch Kluts in Fmken-
wärder und welche in Nienstedten, und wer weiß, wer sich alles hier melden wird."
Klara ist hinüber gekommen, um die Kühe zu melken. Sie hat die Unterhaltung an der offenen Stalltür mit angehört, geht auf Hans zu und legt ihren Arm um seine Schulter. „Wir haben hier doch genug zum Leben, Hans — wollen wir dafür nicht dankbar sein?"
Unwirsch macht er sich los. „Ich fahre selbst nach Chikago. Wollen mal sehen, wer die Million kriegt — und was ihr dann sagt!"
Kein Zureden hilft, kein Bitten. Hans will seinen Kopf durchsetzen. Jene guten Freunde, die gern auf feine Kosten einen Schnaps trinken, verschaffen ihm Eine Hamburger Adresse. Der Geldmann streckt ihm zweitausend Mark vor und laßt sich Sicherheit auf sein späteres Vatererbe geben. Dem kann nichts passieren, und Hans fährt im schonen neuen Anzug hinaus in die Welt, um sich bas Gluck aus Amerika zu holen.
Er kommt nicht nach vier Wochen zurück^ wie er es sich gedacht hat. Die amerikanischen Behörden verlangen alle erdenklichen Papiere, es liegen mehr als hundert Anmeldungen aus Deutschland vor, und alle die Anspruch erheben, sind auf entferntere oder nähere Art mit dem reichen Verblichenen verwandt. Hans hält den Kopf hoch, bis sein Geld zu Ende geht, dann muß er schreiben. Soll der Vater den Sohn mittellos im fremden Land lassen? Er geht zur Sparkasse und holt fast seine ganzen Ersparnisse, um sie dem Jungen zu senden, und wieder schwinden die Monate, Weihnachten kommt, und Klara sitzt bei den Alten. Ihr Verlobter hat nicht einmal geschrieben.
Weiß legt sich der Blütenschleier über Deiche und Täler. Der Fremde starrt entzückt auf diese herrliche Pracht, und langsam geht er den gewohnten Weg War es nicht eine Mckkehr ms Paradtes? Um diese Zeit haben die Bauern hier nicht viel zu tun- vor dem Hause des alten Claus Harm steht der Kasseetisch mit der roten Decke in der Sonne, und Klara sitzt mit dem Schwiegervater darum Das Radio macht Musik. Was hat Leo, der Schäferhund? Er springt den Deich hinaus und an einem fremden, amerikanisch aussehenden Mann in di- Hohe - Klara schreit auf: „Hans", und da kommt er auch schon herunter, nimmt seine Braut ,n die Arme, kusit dem alten Vgter die rauhe Backe und bekommt auch -ine Tasse Kasse- und ein Stück Altenländer Pusfer.
Niemand fragt ihn nach feinen Erfolgen, und so begann er denn bald selbst zu erzählen.
„Ihr hattet recht, es war nichts mit dem Geld. Es sind noch viele nähere Verwandte da, und am meisten Aussicht haben die, die am meisten für Advokaten ausgeben können. Ich wäre heute noch nicht geheilt, aber einer hat sich schon erschossen, weil sich feine Hoffnungen nicht verwirklichten, alle anderen sind in Haß und Streit geraten — ein Dutzend Menschen leben in Chikago wie die Hunde und warten täglich auf dem Gericht auf die Auszahlung, die noch Jahre dauern kann. Da bin ich also wieder, und ihr könnt mich auslachen ..."
Klara hielt nur still feine Hand, der Vater schmauchte bedachtsam feine Pfeife.
„Jung", sagte er nur, „du bist doch ein kluger Kerl, daß du als erster von allen eingesehen hast, wie sinnlos es ist, dem fremden Geld, das man nicht kriegt, das eigene hinterherzuwerfen ..
„So faßt du es auf, Alter? Ja, ihr wart immer zu gut zu mir. Ich habe in der Welt draußen wenigstens etwas gelernt: nichts ist schlimmer, als Monate ohne vernünftiges Schaffen zuzubringen und darauf zu warten, von anderen reich zu werden. Kein Stück Erde ist so jchön, rote dieses hier, meine Heimat. Ich habe noch was gelernt: der Bauer gehört nicht in die großen Städte, nicht auf die blanken Schiffe. Er stößt überall an mit feinen breiten Schultern und feinem harten Kopf, und die anderen find doch gerißener als er. Nur eines können sie ihm nicht nachmachen, das, was du dein Leben lang getan haft, Vater: die Erde fruchtbar machen! Aber glaub mir — jetzt weiß ich, wohin ich gehöre, und Klara hat mir wohl jchon verziehen. Oder magst du mich nicht mehr, Mädel?"
„Ich wußte doch immer, daß du dein Wort hältst, Hans, und habe auf dich gewartet! Den Winter über hab ich fleißig an der Aussteuer genäht ..."
Hans trägt nicht mehr das weißeste Hemd. Aber wenn die Blütenzeit ist, zeigen die Obstgärten der Harms die weißeste Pracht, und im Herbst bringen sie die größten Körbe voll. Klara lacht ihren Mann an und hat ihm verraten, daß sie auch fruchtbar fein wird ...
Nunzeln —
die Erbfeinde der Frauenschönheit.
Die Entdeckung der ersten Runzel bringt manche Frauen zur Verzweiflung; sie fürchten das herannahende Alter und den drohenden Verfall. Aber
durch solche Befürchtungen machen sie das liebel nur schlimmer und halten gewisse Linien für Schönheitsfehler, die nicht Alter ober Häßlichkeit bedeuten. Die Natur schreibt fo manche Zeichen in das Gesicht, die diesem nur einen Reiz mehr verleihen. Es gibt Kinder, die beim Lachen die Augen auf eine luftige Weise etwas zukneifen und dadurch einige Fältchen hervorbringen, die ihnen vortrefflich stehen und die, wenn sie sich unter den Augen festsetzen, nur eine Bereicherung des Ausdrucks bedeuten. Solche die Persönlichkeit ausprägende Zeichnungen werden niemals als Alterserscheinungen wirken, sondern den Zügen eine charakteristische Note verleihen. Die Linien, die durch seelische Erlebnisse hervvrgerufen werden, sind unvermeidlich und selten unschön. Solche Runen, die das Leben schreibt und die von großen Freuden oder Sorgen fprechen, gehören zu einem eindrucksvollen Antlitz; ohne sie wirkt das Gesicht des Erwachsenen leer und langweilig wie eine Allerweltsmaske.
Aber es gibt freilich auch viele Runzeln, die häßlich machen, weil sie durch irgendeine schlechte Angewohnheit, vielleicht auch durch krankhafte Zustände hervorgerufen werden. Solche „Krähenfüße" find Schönheitsfehler, aber sie lassen sich glücklicherweise beseitigen. Dazu ist freilich notwendig, das liebel an der Wurzel anzugreifen und die Ursache fortzuschaffen. Kurzsichtige, die kein Augenglas tragen wollen, werden, um besser zu sehen, die Augen zukneifen und dadurch häßliche Falten Hervorrufen, die erst verschwinden, wenn man dem Auge jede unnötige Anstrengung erspart. Ebenso können nervöse und andere Störungen Runzeln verursachen, die nur mit der Beseitigung des Leidens selber verschwinden. Beim Rauchen pressen manche Damen die Lippen zusammen, so daß Falten an den Mundwinkeln entstehen, andere haben sich angewöhnt, die Stirn zu runzeln und was es der Untugenden noch mehr gibt. Nur wenn man solche schlechten Gewohnheiten energisch bekämpft, verschwinden die dadurch hervorgerufenen Linien. Schließlich muß man ganz allgemein für eine gesunde, gut durchblutete Haut sorgen, und dazu verhelfen verschiedene Creme und Gesichtsmassagen. Jedenfalls braucht eine Frau nicht gleich zu verzweifeln, wenn sie an sich die ersten Runzeln entdeckt, sondern sie muß den Ursachen dieser Erscheinung nachgehen und energisch den Kampf mit ihnen aufnehmen. Dann wird sie als Siegerin bestehen.


