Einzelbild herunterladen

Aus dem Reiche der Krau.

Oie gesunde und frohe Mutier.

Von Hedwig Zerstreuter.

Wie wichtig eine gesunde und heitere Mutter für ihre Kinder ist, wissen wir alle aus eigener Erfah­rung. Wir erinnern uns, wie reibungslos und glatt das Leben lief, wenn die Mutter wohlauf und guter Stimmung war, während alles erschwert und gehemmt vor sich ging, wenn Mutter Kopfsckmer- zen hatte oder gar ein paar Tage im Bett liegen mußte. Dann klappte nichts recht, unter der Auf­sicht des Mädchens gerieten weder das morgendliche Anziehen noch das Frühstück rechtzeitig und ordent- lich, von den Schularbeiten und dem Rest des Tages gar nicht zu reden. Brauchte man Rat bei einer Schreibaufgabe, wollte man Puppengeschirr zum Spielen haben oder hatte eine dringende Frage auf dem Herzen die Mutter fehlte überall. Man durfte nicht zu ihr. Oder wenn doch, nur für kurze Minuten, und es war keine Möglichkeit, seine Röte, Sorgen und Fragen loszuwerden. Ein Druck lag über dem ganzen Hause, und wir Kinder, obgleich wir es nicht aussprachen, fühlten in diesen Krank- heitstagen, die uns von der Mutter trennten, vor­ahnend die Schauer einer größeren und endgülti­geren Trennung.

Aehnlich, wenn auch nicht ganz so drückend, war es, wenn wir spürten: Mutter trägt an einer Sorge, sie ist betrübt oder müde. Dann wagte sich unser unbefangenes Kinderwesen nicht hervor, wir wur­den selbst unfroh und trübe und atmeten erst auf, befreit von einer Last, wenn Mutter wieder ein frohes Wort und ein Lachen fand.

Ein unvergeßlicher Eindruck meiner Kinderzeit ist em Sonntagmorgen mit zwei Freundinnen und ihrer Mutter. Wir spielten an einem Wiesenhang und die Mutter der Freundinnen setzte sich zu uns. Ja, sie setzte sich wirklich und wahrhaftig zu uns auf die Wiese, ihr blaues Kleid bauschte sich beim Niedersetzen lustig um sie herum, ihr rosiges Ge- sicht leuchtete über einem weißen Kragen. Ich sah sie in maßlosem Staunen an, denn ich hatte eine vielbeschäftigte und rastlos fleißige Mutter, die ein großes Haus und eine vielköpfige Familie zu ver­sorgen hatte. Ich kannte meine Mutter am Eßtisch, die Suppe austeilend, und am Herd, Eierkuchen backend. Hinter dem Stopfkorb, wo sie Berge von zerrissener Wäsche bewältigte, am Zuschneidetisch, wie sie mit der Näherin über die kleidsamste Form eines Kinderkittels beriet. In allen diesen Bil- dern und Stellungen kannte ich meine Mutter auf einer Dlumenwiese mitten unter ihren Kindern hatte ich sie nie aesehen. In ihrer fast übergroßen Pflichttreue und Arbeitsamkeit hätte sie es sündhaft leichtsinnig und vielleicht auch unter ihrer Würde gefunden, so losgelöst und unbeschädigt einen Sonn­tagmorgen zuzubringen. Unsere Sehnsucht nach einer auf diese Weise heiteren Mutter würde sie gar nicht verstanden haben.

Heutzutage denken die Mütter natürlicher und freier, sie wissen, daß sie durchaus nichts an Auto­rität einbüßen, wenn sie mit ihren Kindern spie­len, als seien die Altersgrenzen aufgehoben. Sie sind heiter mit ihnen und schenken iynen das beste, was eine Mutetr geben kann: ihre Zeit und ihr uneingeschränktes Interesse. Lieber lassen sie ein­mal im Haushalt fünfe grade sein als bei den Kin­dern. Und das ist richtig fo!

Versäumnisse an toten Dingen lasten sich wieder nachholen; was an Kinderseelen versäumt wurde, niemals. Ob die Wohnung einmal weniger in der Woche staubgesaugt wird, ob die Hähne in Bade- stube und Küche, das Silber im Kasten und die Fensterscheiben einmal nichtüberholt" wurden und nicht ganz so blinken wie sie sollten, das ist nicht wesentlich. Aber daß zwischen Eltern und Kin­dern ein niemals unterbrochenes Vertrauensverhält­nis besteht, daß die Kinder wissen: zu den Eltern kann ich mit allen meinen Klagen und Fragen kommen, sie meinen es am allerbesten mit mir, sie wollen mir Helsen, und bei ihnen bin ich geborgen, dies allein ist wichtig und nötig. Dann wird die Kindheit wirklich eine Helle Landschaft, in der das Kind Luft und Licht und Wachstum für Leib und Seele hat. Und die Trübungen der Entwicklungs- zeit, die seelischen Nöte, die jede heranreifende Seele

Helmsuchen, sie gehen dann vorüber wie Wolken, welche die Landschaft wohl zeitweise beschatten, aber niemals ganz verdüstern können.

Die Eltern pflanzen in die jungen Seelen ftüh neben aller Begeisterung für das Schöne auch den Willen zur Selbsterziehung. Sie stellen vor ihnen das Idealbild des deutschen Menschen auf, wie wir alle ihn wünschen: vaterlandsliebend und stark, pflichtgetreu und hilfsbereit. Sie zeigen ihnen, daß nicht nur Handlung, daß auch Gedanken leben­weckende Kräfte besitzen, daß gute Gedanken und ein Leben nach reinen Grundsätzen einen Men­schen formen. Und sie suchen selbst, ihrer Verant­wortung bewußt, ihr Dasein so zu leben, daß es vor der schärfsten und unbestechlichsten Kritik, vor Kin­deraugen bestehen kann.

Zur Psychologie des Frühstücks.

Die erste Mahlzeit am Morgen ist bestimmend für die Laune des ganzen Tages. Darum wird der Frühstückstisch zum Inbegriff der verschiedensten Möglichkeiten. Frauen, die sich auf Psychologie ver­stehen, werden ihn zu einer heiteren und beglücken­den Angelegenheit machen. Bedenkt man, daß der Ehemann das Andenken an ihn als letzten Ein­druck mit hinausnimmt, wird man verstehen, welche Bedeutung ihm zukommt. Wie anders ist sein Ge­fühl, wenn er an einen netten, mit einem Blumen-

Abgesehen von dem allgemein bekannten Kirsch­kuchen usw. werden nachstehend einige vorzüglich mundende Kirschenspeisen angegeben, die sowohl als Nachtisch, als auch, mit einem Salat gereicht, als Abwechslung dienendes Vollgericht dienen können. Die hier gemachten Anga'ben sind gedacht für fünf bis sechs Personen.

Böhmische Kirschknödel.

Etwa IVt Pfund gekochte, erkaltete Kartoffeln werden gerieben und mit 150 Gramm Mehl, 2 Eiern, Salz und Muskatnuß gut vermischt. Dann rollt man den Teig etwa Vt Zentimeter dick aus, schneidet Vierecke, etwa 5 mal 5 Zentimeter, legt in die Mitte 3 bis 4 entsteinte süße Kirschen und formt mit Hilfe von Mehl runde, gut geschlossene Knödel, die in Salzwasser gut durchgekocht werden. Die Knödel werden mit brauner Butter übergossen, mit Zimtzucker und in Butter gerösteten, geriebenen Semmeln bestreut, aufgetragen.

Kirschklöße mit Danilletunke.

Vt Pfund halb süße, halb saure Kirschen werden entsteint und in Vs Liter Apfelwein mit 150 Gramm Zucker, etwas Zimt und abgeriebene Zitronenschale überdämpft. Nach Erkalten rührt man 3 Eßlöffel zerlassene Butter und 3 Eier darunter und fügt so viel geriebene Semmel bei, daß eine mehr feste Masse entsteht. Hiervon formt man mit Hilfe von Mehl kleinere Klöße, die in Salzwasser gekocht werden, bis sie oben schwimmen (Probekloß kochen, falls die Masse abkocht, noch etwas geriebene Sem­mel zusetzen). Mit kaltem Wasser abschrecken und mit Danilletunke übergießen, über die man noch etwas Kirsch- oder Himbeersaft gießt.

Kirscheierkuchen mit Tunke und Salat.

1 Pfund halb süße, halb saure, ausgefteinte Kirschen in V< Liter Apfelwein. 150 Gramm Zucker, Zimt und Zitronenschale dünsten und ab tropfen lassen. 5 Eigelb mit 2 Eßlöffel zerlassener Butter, ebensoviel Zucker, einer Handvoll geriebener Sem­mel und V- Liter Milch verquirlen und 5 Eiweiß­schnee unterrühren. Dann setzt man die Kirschen zu, füllt alles in eine gut gebutterte Pfanne und läßt die Speise in heißer Röhre stocken. Den Saft kocht man noch einmal auf, bindet ihn leicht mit Kar­toffelmehl und gießt ihn vor dem Aufträgen über die Speise. Dazu passend grüner Salat.

Bayrische K i r 's ch st r u d e l.

Man macht auf die übliche Art einen mehr festen, gut durchgearbeiteten Hefenteig von 300 Gramm

strauß geschmückten appetitlichen Tisch zurückdenken kann, als wenn er das Bild einer unordentlichen Frau und eines liederlichen Tisches vor sich sieht. Der Mann soll den Unterhalt für die Familie her­beischaffen, darum ist es nicht zuviel verlangt, daß die Frau ihm diese Aufgabe nach ihren Kräften reizvoll macht.

Sie muß dafür sorgen, daß das Frühstück nie­mals in der Hetze eingenommen wird und mit Energie darauf halten, daßer" zeitig genug auf­steht, um sich diese kleine Kraftquelle zu gönnen. Dazu ein heiteres Gesicht, ein paar liebe Worte, artige Kinder: den Mann möchte ich sehen, der sich dann nicht wohlfühlen würde.

Daß der Kaffee heiß, die Butter kalt, die Bröt­chen knusperig und frisch sein müssen, sollte selbst­verständlich sein, aber leider ist das durchaus nicht immer der Fall. Es gibt Männer, die werden ver­stimmt, wenn statt der goldgelben Brötchen dunkle, halbverbrannte Dinger auf dem Tisch stehen. Es ist Sache der Hausfrau, die Lieferanten dahin­gehend zu beeinfluffen, daß sie uns nach Wunsch beliefern.

Und noch eins: schafft ein bißchen Abwechslung in die täglichen Mahlzeiten. Grade im Sommer gibt es so viele Möglichkeiten. Radieschen, weißer Käse mit Schnittlauch, Tomaten, Obst, manchmal auch ein Rührei schmecken nicht nur am Abend gut ...

Mehl, 1 Ei, 50 Gramm Zucker, 1 Eßlöffel Butter, 15 Gramm Hefe, etwas Salz und nötiger warmer Milch. Diesen rollt man bleistiftstark aus, bestreicht die Fläche mit zerlassener Butter, streut geriebenen Zwieback, gemischt mit Zimtzucker darauf und be­legt dicht mit ausgesteinten süßen Kirschen. Dann rollt man den Strudel zusammen, legt ihn auf ein gefettetes Blech oder in eine Pfanne, bestreicht mit Butter und bäckt die Speise in nicht zu heißer Röhre gut durch. Noch heiß gut mit Butter streichen und mit Zimtzucker bestreuen. Warm oder auch kalt mit einem Fruchtsaft auftragen.

Dampfnudeln mit Kirschen.

Man macht von 750 Gramm Mehl, 20 Gramm in warmer Milch aufgelöster Hefe, 30 Gramm Butter, 30 Gramm Zucker, etwas Salz und nötiger warmer Milch einen weichen Teig, den man gut durcharbeitet, bis er Blasen wirst. Nach einer Stunde Aufgehen fticht man mit in Butter getauch­tem Eßlöffel Stücke ab, die man auf das gemehlte Nudelbrett legt, etwas breitdrückt und in die Mitte 3 bis 4 entsteinte Kirschen legt. Diese umschließt man gut mit Teig, taucht die Nudeln in zerlassene Butter und setzt sie eng aneinander in eine ge­fettete Pfanne ober auf ein Randblech. Dann be- streicht man mit Butter, läßt die Nudeln aufgehen und bäckt sie in der heißen Röhre aus. Mit Butter bestrichen und Zimtzucker bestreut, trägt man die Nudeln mit einer Danilletunke auf.

Kirschentaschen.

Nudelteig rollt man dünn aus, schneidet Stücke etwa 7 mal 5 Zentimeter, legt nebeneinander 4 bis 5 entsteinte Kirschen (süße), streicht die Teigränder mit Milch und drückt sie von allen Seiten fest zu­sammen. Die Taschen werden in Salzwasser ge­kocht, in heißer Butter durchgeschwenkt und mit einer Kirscytunke aufgetragen. Dazu passend grüner Salat.

Kirschenauflauf.

Man läßt 125 Gramm Butter heiß werden, schüttet 150 Gramm mit V« Liter Milch verrührtem Grieß hinein und rührt die Masse so lange, bis sie sich vom Quirl löst. 125 Gramm Zucker werden mit 5 Eigelb schaumig gerührt, etwas abgeriebene Zitronenschale dazugegeben und immer ein Löffel Grieß mit 3 Löffel saurer Sahne zugesetzt. Dann rührt man noch 2 Pfund ausgefteinte Kirschen und die 5 Eiweißschnee darunter und bäckt den Auflauf in einer gebutterten Form etwa eine Stunde. Mit Zimtzucker bestreut und mit Danilletunke auftragen.

Strudel, Knödel, Auflaus - alles mit Kirschen.

Eine Handvoll erprobter Rezepte.

Hausfrau in Ltebersee.

Brief einer Deutschen aus Angola.

Im Rahmen der Deutschen Kolonialta- g u n g, die vom 14. bis 18. Juni in Kiel stattfindet, werden auch die beiden kolonialen Frauenoerbände Deutsches Rotes Kreuz Frauenverein für Deut­sche über See und Frauenbund der Deutschen Ko­lonialgesellschaft zu einer Mitglieder- und ge­meinsamen Sitzung zusammentreten; Frau Cornelie H o e tz s ch wird dabei überDas Schwesternwesen im Deutschen Roten Kreuz" berichten, während Dr. Hedwig F i tz l e r überNeue Forschungen über die Anfänge deutscher Kolonialarbeit in Afrika und Asien" Aufschluß geben wird. Solche Tagungen dienen naturgemäß der Erörterung der großen Probleme des kolonialen Gedankens. Ader das Leben in Uedersee hat auch seinen Alltag auch für die Frauen drüben. Wie dieser Alltag der deut­schen Kolonistenfrau aussieht, berichtet ein in den (Brünen Blättern, dem Nachrichtenblatt des Frauen­vereins für Deutsche über See veröffentlichterBrief aus Anaola", aus dem wir das wesentliche wieder- geben. Es heißt da:.....Du fragst mich, ob wir

trauen in Afrika überhaupt etwas zu tun hatten, weil wir so viele Boys haben? Wir kommen eben- sowenig zum Sitzen wie ihr, denn die Boys wollen doch angeleitet und beaufsichtigt werden. Morgens um 6 Uhr gehts gleich los. Dor dem Frühstück lasse ich mich ungern stören; fangt man an, sich hrauften zu zeigen so gehts von allen Seiten los. da ist der Koch, der wissen will, was gegeben roer­ben soll, der Hausboy, der Wäsche haben will, der Gärtner will Saat oder Geräte usiv. Ich gebe dann dem Koch erst mal seinen Küchenzettel und die Sachen die er dazu braucht. Dann gebt es in den Gemüsegarten. Dort bestimme ich das Gemüse und Obst das in die Küche soll, sehe alles nach, gebe Befehle, pflanze selbst und lasse anderes unter n^i- ner Aufsicht machen. Dann zuruck in bie Küche, dort ist immer allerhand, das man selbst machen muß ober bem Koch zeigen. Auch muh man sthr aufpassen, baß bie Orbnung nichts zu wumchen übrig läßt ... Da sitzt auch bcr schwarze Schnei- ber, Sier sogar ganz nett nähen, aber nicht Zuschnei' ben und einrichten kann; alles muß mani ihm erst mal einrichten und immer ^ber besprechen u nachsehen. Dann ist ba noch bas ®eflii0el. Da man kontrollieren muß, bann ble Z-mmerar usw. Küche unb Haus liegen etwa 100 Meter von einander entfernt das ist sehr gut. Man

hort bie Geräusche nicht unb ber Küchenbunst be» läftigt nicht. Wenn es aber gerabe zu ber Seit regnet, wenn bas Essen gebracht wirb, ist es lästig. Mittags macken alle Leute eine Ruhepause alle Boys unb Arbeiter unb Europäer. Um 15 Uhr geht ber Betrieb mieber los: der Garten, die Küche, die Wäsche die ewige Wiederkehr. Die Küche ist es besonders, die den Hausfrauen viel zu schaffen macht. Man ist infolge der Hitze und der Ab- wechslungslosigkeit des ganzen Lebens leicht unlustig zum Essen; da heißt es denn, dauernd Neues auf den Tisch bringen. Das ist in Europa einfach; aber bei uns muß man erst bas Rohmaterial schaffen: Gemüse, Obst, Geflügel, Schweine unb Kleinvieh unb bann mieber neue Gerichte unb Zusammen­setzungen erfinben . . . Es klingt nun alles so schon unb leicht, als habe man boch eigentlich nichts zu tun. Zwischen diesen Arbeiten laufen aber bie Störungen in Gestalt von Boten von anberen Pflanzungen, bie irgenb etwas holen möchten ober Rat erbitten ober Hilfe, ba muß man mitten in ber anberen Arbeit etwas rausfuchen, Briefe bazu schreiben, unb kaum ist ber eine weg, kommt ein anberer. Ober es kommt gar ein Auto mit Besuch, zum Teil auch nur, um kurz etwas zu fragen ober zu holen, ober Logierbefuch . . . Dann haben die meisten von uns ja auch Kinder! Wenn man auch die schwarzen Boys zur Hilfe hat, fo ist es doch unerläßlich, daß die Mütter die persönliche Pflege der Kinder in der Hand behalten, solange sie klein sind. Und sind sie größer, so müssen sie auch geistig angeregt werden und Unterricht bekommen . . - Nicht zu reden von den ewigen Strümpfen, die zu stopfen sind, denn das nimmt einem auch nicht der schwarze Schneider ab, bas muß man selbst machen, das versteht niemanb. Die Schwarzen nähen ein- fach bie Strümpfe zusammen, solange, bis man nicht mehr hineinkann . . .

Aber alles in allem ist es boch, jetzt, wo man bie Pflanzungen nach 13 Jahren endlich sozusagen fertig hat, ein schönes Leben . . ."

Kind und Garten.

Gedenket bei euren Gartenvlänen eurer Kinder! Nicht alle Gärten sind so groß.

Keinkinderbefitzender" Gartenfreund sollte sei­nen Jungen und Mädeln den Spielplatz, dies hy­gienisch und erziehlich fast unersetzliche Jugendpara­dies vorenthalten: eine allen Unternehmungen ber kleinen Gesellschaft freigegebene, sonnige, mit mtber- standsfähigem Dauerrasen bepflanzte Grünfläche,

möglichst mit Turngeräten für die Großen, einem Sandkasten für die Kleinen und einem Plansch­becken für alle zusammen.

Ist solch eine Separat-Wildnisecke nicht zu er­möglichen, so muß man im Familiengarten schon einige Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse ber jungen Generation nehmen: bie Grünflächen nicht als empfinbliche, unbetretbareAugenweide" gestalten, sonbern mit bestem Dauerrasen versehen zum Lagern unb Umherspielen freigeben die Wege nicht von ungeschützten Rabatten umsäumt zur Streitquelle zwischen dem erwachsenen Pflan­zenfreund und den jugendlichen Wildfängen wer­den lassen, sondern alsSchutzbedürftige" durch Steineinsassungen usw. isolieren ... ein Garten, in dem Kinder mitleben sollen, darf keine emp­findliche Freiluft-Gute Stube" fein, sondern muß eine behagliche, gebrauchsfeste Wohnstätte bilden.

Man sollte aber den kleinen Gartenliebhabern durchaus nicht nur Rechte einräumen. Erst durch ein wohlabgewogenes Maß an Pflichten werden' sie sich im Garten so recht heimisch fühlen und ihn als ihnen mitgehörig lieben lernen. Nichts begeistert Kinder mehr, als beim Umgraben, Pflanzen, Säen und Ernten helfen zu dürfen. Mit ganz anderem Jntersse betrachten sie nachher alles, was ba blüht unb wachst, wenn sie tätig bazu beitragen durften, den Garten zu bestellen. Und mit ganz anderer Be­reitwilligkeit und Pflichttreue werden sie ihren Kräf­ten angepaßte, verantwortlicheAemter" der Pflege, des Gießen, Jätens usw. übernehmen und versehen.

Neben dieser Mithilfe aber sollte man jedem Kinde ein kleines Stückchen Land zu ganz freier Verfügung überlassen, auf dem es pflanzen und säen darf, was es will und wie es will für des­sen Bestellung und Pflege der kleine Gärtner ganz allein verantwortlich ist (wenn man ihn auch an­fangs unmerklich ein wenig beraten und kontrollie­ren kann und muß). Solch eineigenes Beet" wird jedem ursprünglich empfindenden Kinde sehr bald zur größten Freude, zum Ausgangspunkt inten­siver Naturverbundenheit und Pflanzenliebe. Schon die Auswahl der blühenden und grünenden Ge­wächse das geheimnisvolle und überraschende Wunder Samentüte die von Jahr zu Jahr plan­voller und geordneter werdendegartenarchitekto- niscke "Anlage begeistern den kleinen Gärtner. Gibt es bann gar erst etwas zu ernten: finbet er selbst etwas zum Schnabulieren ober kann er mit selbst- gezogenem Gemüse, eiaenerzeugten Blumensträußen aufwarten, Samen ober Stecklinge vom eigenen

Schwämme und Kämme.

Von Werner Lenz

Das Arbeitsfeld ber deutschen Kautschukver- wertung ist außerordentlich weit gesteckt. Die Be- Deutung dieser Industrie für die Warenerzeugung, für Die Arbeitsbeschaffung unb für den Wirtschafts­au stausch ist fast unübersehbar. Die feste Verwurze­lung der Deredelungsinbustrie eines ber unentbehr­lichsten Einfuhrrohstoffe hat nicht einmal die liberalistisch-planlvse Mißwirtschaft früherer Tage gänzlichzu Tode kurieren" können. Als der Libe­ralismus nämlich bem Speerftoße des national« fozialistifchen Deutschland erlag, war ber genannten Industrie dank ihrer Zähigkeit, ihrem Fleiße und ihrer Leistungsfähigkeit immer noch eine Ausfuhr im Werte von runb 100 Mill. Mark jährlich möglich geblieben. Durch bie neuerliche Wirtfchafts- belebung wird sich der Jnlanbverbrauch und die Ausfuhrmöglichkeit von Kautschukwaren weiterhin steigern.

Wie verzweigt und bis ins kleinste lebenswichtig bie Gummi Warenerzeugung ist, lehren zwei kleine Beispiele. Sie lehren es um so anschau­licher, weil bekanntlich ber Umsatz kleiner, aber täg­lich millionenfach neuaefaufter Waren seiner Er- zeugerwirtschaft bie sicherste unb bauernbfte Hilfs­stellung zu geben vermag. Es kann sich nicht jeder Volksgenosse ein Automobil mit mehreren Ersatz- bereifungen anschaffen, aber sicher braucht jeder Kulturmensch einen Schwamm, wenn nicht gar mehrere. Auch dieser schlichte Gegenstand kann im Inland von deutschen Herstellern in bester Be­schaffenheit bezogen werben. Schwämme liefert uns bie Kautschukindustrie, bie ohne alle Zursiche» unb Verkaufst»etriebe unmittelbar 60 000 Ar­beitskräfte beschäftigt. Schwämme waren früher eine ausschließliche Einfuhrware. Sie waren wegen ihrer Monopolstellung als ausländisches Naturpro- buft sehr teuer. Außer für bie menschliche Körper­pflege benutzt man sie für bie Tierhaltung und für bie oerarbeitenbe Technik. Schwämme sind gereinigte undentkalkte" Skelette einer niederen Seetiergat­tung, die besonders im Mittelmeere und an ben Gestoben ber Antillenabgebaut" werben. Sie sie­deln ähnlich wie die Korallenstöcke der Südsee auf bem Meeresboben. Ferner beliefert uns bie Levante mit ben Babeschwämmen verschiedener Güte. Da jedoch die Kautschukindustrie Deutschlands durch Herstellung eines porenreichen Gummiblockes im Vulkanisier kessel gut saugfähige und haltbare Schwämme auf ben Markt bringt, ist es uns er­möglicht, statt ber ausschließlichen Einfuhrware deutsche Erzeugnisse zu kaufen.

Auch einen oder mehrere Kämme wird ein Kul­turmensch nicht missen mögen. Als Gegenstück zum Schwamm aus Weichgummi bietet uns deutscher Wirtschaftsfleiß den Kamm aus Hartgummi. Frü­her stellte man biefes für Körperpflege und auch für Tierhaltung und Technik unentbehrliche Ge­brauchsstück aus verschiedensten Naturstoffen her. Je nach Bestimmung, Geschmack unb Kaufkraft bestand ber Kamm aus Schildpatt, Horn, Elfenbein, Kno­chen, Edelholz, Metall. Zumeist also aus wertvollen Stossen, deren Gegenwert ins Ausland abgeführt wurde. Der Kautschuk, aus dem man in Ver­bindung mit Schwefel Hartgummi herstellt, ist zwar auch ein Einfuhrrohstoff. Aber abgesehen da­von, baß erkontingentierbar" ist, also Güterabnah­men durch bas Ausland erzwingen kann, spielt bas Kamm-Material bei ber ohnehin unentbehrlichen Kautschukmenge keine bemerkenswerte Rolle. Hin- aegen beschäftigt bie Kammerzeugung viele deutsche Arbeiter, z. B. in Berlin, Nürnberg-Fürth unb Harburg. Dasselbe gilt von ber Zelluloid in- dustrie, bie mit ihrer vielseitigen Ausfuhrerzeu­gung runb 65 Millionen Mark jährlich ins deutsche Land bringt.

Wer also einen kleinen Struwelpeter zu Schwamm unb Kamm erziehen muß, wähle wie überall und immerbar deutsche Ware, deutsche Schwämme und Kämme. Dann erzieht er ihn gleich für Lebenszeit zur Nationalwirtschaft.

Beet selbst auspflanzen oder verschenken, so fühlt er sich für seine redliche Mühe und fürsorgliche Pflegearbeit mit Stolz belohnt.

Marein.

Zehn Gebote

für den (Sänqling im (Sommer.

1. Gib dem Säugling nie mehr als fünf Mahl­zeiten am Tage.

2. Nähre dein Kind selber, solange es dir möglich ist- Deine Mühe macht sich durch eine kräftigere Gesundheit des Kleinen reichlich bezahlt.

3. Mußt du dein Kind mit Tiermilch ernähren, so gib ihm rohe, das heißt ungekochte Milch, die unter chemischer Kontrolle steht. Auf diese Weise wird der im Sommer so befürchtete Brechdurchfall deinen Säugling verschonen.

4. Laß Luft und Sonne an dein Kind! Bringe es viel ins Freie und belaste das kleine Körper­chen nicht mit heißen Federbetten und Decken. Sorge auch dafür, daß es im Haufe immer frische Luft bekommt und niemals im Zug­winde steht.

5. Verschaffe deinem Kinde viel Ruhe. Es muß nicht immerfort bewundert und geküßt und herumgetragen werden, damit macht man es vorzeitig nervös.

6. Hüte dein Kind vor kranken Menschen. Auch wenn du selber krank bist, mußt du bas Opfer bringen und deine Zärtlichkeiten für später auf­bewahren.

7. Wenn dein Kind irgendwie nicht in Ordnung ist, so kuriere nicht wild darauf los, sondern frage den Arzt. Er hat durch die Praxis aus­reichende Erfahrung und weiß meist sofort, um was es sich handelt.

8. Laß deinem Kind während der Nacht völlige Ruhe. Die letzte Mahlzeit soll gegen Abend gegeben werden. Gewohnt man das Kleine daran, wird man keine Schwierigkeiten mit ihm haben. Es schadet gar nichts, wenn es die ersten Male schreit.

9. Denke nicht, wenn ein Kind schreit, muß es un­bedingt krank sein. Schreien ist gesund und kräftigt die kleinen Lungen. Nur wenn es un­natürlich lange schreit, obwohl es satt und trocken ist, liegt Grund zur Besorgnis vor.

10. Wenn der Säugling ein halbes Jahr alt ist, so gewöhne ihn an Zusatznahrung und gib ihm Gemüse, Brei und Obst.