Einzelbild herunterladen

SieSeimwehrensetzenDollfußunierDrulk

Wachsende Beunruhigung in Oesterreich.

Wien, 12. Juni. (DNB.) Die Öberösterreichischen Heiniwehren treten mit einem Aufruf hervor, in dem an die Regierung folgende Forderungen gestellt werden:

1. Die Paragraphenreiterei hat aufzuhören, und an deren Stelle hat das Dolksgericht aller Daterlandstreuen zu tretell. Wir fordern sofortige A m n e st i e r u n g der Angehörigen der Heimatwehren, des Schutzkorps und der staatlichen Exekutive, gegen die ein gerichtliches Verfahren wegen Ehrenbeleidigung, leichter oder schwerer Körperverletzung oder anderer Tatbestände des Strafgesetzes, die durch provozierende Ereignisse herbeigeführt wurden, anhängig ist.

2. Während des gegenwärtigen Ausnahme­zustandes und solange sich Anschläge gegen den Staat oder das Leben von vaterländischen Mitglie­dern ereignen, ist die Z u st ä n d^ g k e i t der B e - Z i r k s ge richte und des Gerichtshofes erster In­stanz hinsichtlich jener Uebertretungen, Verbrechen und Vergehen, die von Angehörigen der Freiwilli­gen Wehrverbände und der staatlichen Exekutive in Ausübung ihres Dienstes begangen werden, den Sicherheitsbehörden abzutreten, an welche Weisungen zu erlassen sind, denen zufolge sie das freie Prüfungsrecht darüber haben, ob in den konkrekten Fällen überhaupt mit einer Strafe vorzuaehen ist, oder ob die Anzeigen a b - z u w e i s e n sind.

3. Sofortige Auflösung der deutschen Turnvereine, in denen nachweislich National­sozialisten ein- und ausgehen.

4. Der bisher im Lande -Oberösterreich entstan­dene Sachschaden und der durch die Attentate der letzten Zeit zu erwartende Ausfall der Fremd env er kehr seinnah men ist ebenso wie die Kosten des erhöhten Sicherheitsapparates restlos auf prominente, örtlich überall bekannte Persönlichkeiten staats­feindlicher Gesinnung aufzuteilen. Im Falle der Uneinbringlichkeit des Betrages ist eine Zwangshypothek auf den Besitz zu legen.

5 Das Standgericht hat endlich einmal Taten zu zeraen.

Dieser Aufruf ist in mehrfacher Hinsicht äußerst bemerkenswert. Es bleibt abzuwarten, welche Stel­lungnahme die Regierung zu diesen maßlosen For­derungen einnehmen wird. Der Beschluß der Regie- ryn9' der den Mitgliedern der Ortswehren bei ihren Handlungen weitgehende Straffrei- h e i t zusichert, hat bereits jetzt zu bedenklichen Erscheinungen in Wien und in den Bundesländern geführt. In den Abendstunden des Dienstag er­folgten in Wien auf die Straßenverkäufer der Wiener Neuesten Nachrichten und des natio­nalen Nachtkuriers an mehr als 18 verschiedenen Stellen der Stadt Angriffe von Mitgliedern der ostmärkischen Sturmscharen und des Heimat­schußes. Die Zeitungsverkäufer wurden verprü­gelt, die Zeitungen zerrissen und besudelt. Aus vielen Orten werden ähnliche Aktionen von der Vaterländischen Front nahestehenden Bevölke­rungskreisen gemeldet. Sie überfielen als Nationalsozialisten bekannte Mit­bürger und verprügelten sie. Eine eigen­artige Aktion hat die Polizei in Wien unternommen. Sie erschien mit starken Mannschaften in bestimm­ten Straßenzügen, riegelte sie ab und unterzog alle Passanten, auch die Führer von Fahr­zeugen, einer genauen Leibesvisitation. Das Ergebnis der Untersuchungen war aber völlig negativ. Die Beunruhigung und Erregung der Bevölkerung ist zur Zeit außerordentlich groß, obwohl von der Regierung ununterbrochen neben der Einführung des erweiterten Standge­richtsverfahrens neue, verschärfte Abwehrmaßnah­men angekündigt werden und die Bevölkerung zur Selbsthilfe aufgerufen wird. In Regierungskreisen befürchtet man vor allem, daß der Fremden­verkehr noch weiter zurückgche. In der Presse wird der Hetzfeldzug gegen die natio- nalsozialistische Bewegung fortgesetzt. Mit allen Mitteln sucht man die Nationalsozialisten allein für die Terrorakte der letzten Tage verant­wortlich zu machen.

Die Verwendung des Hindenburg-Wahlsonds.

Oberst von Hindenburg als Zeuge im Gereke-prozeß.

Berlin, 12. Juni. (DNB.) Im Gereke-Prozeß wurde in der Beweisaufnahme über den Anklage- KomplexHindenburg-Ausschuß" am Dienstag als erster Zeuge der Sohn des Reichspräsidenten, Oskar v. Hindenburg, gehört. Dr. Gereke behauptet, ihm sei schon vor dem er st en W a h l g a n g von politisch interessierter Seite eine halbe Million für die Gründung einer Hindenburg-Zeitung zur Ver­fügung gestellt worden. Dieses Geld habe er aber im Laufe des Wahlkampfes im Interesse der Hin­denburg-Wahl verausgeben müssen, als plötz­lich der Kandidat Düsterberg von Rechtskrei­sen aufgestellt wurde. Die Verwendung der halben Million zur Schwächung des Gegenkandidaten sei im Einvernehmen mit Oberst v. Hin­denburg erfolgt, damit sei er berechtigt gewesen, von den später eingehenden Hindenburgwahlgel- dern eine halbe Million abzuzweigen, um damit die vorher von ihm verausgabte Summe wieder zu decken.

Oberst v. Hindenburg erklärt, der Angeklagte Gereke habe nach seiner Erinnerung davon ge­sprochen, daß er 50 000 Mark dafür zur Verfügung stellen könne. Der ganze Plan sei an Geld­mangel gescheitert.

Vorsitzender: War zu jener Zeit Dr. Gereke der politische Vertrauensmann des Reichspräsidenten?

Zeuge v. Hindenburg: Das kann man nicht sagen. Er war aber der Verbindungsmann zwischen dem Hindenburg-Ausschuß und dem Bureau des Reichspräsidenten.

Vorsitzender: Dr. Gereke hat die Andeutung ge­macht, daß er durch eine ehrenwörtliche Verpflich­tung zum Stillschweigen verpflichtet und in seiner Verteidigung behindert sei.

Zeuge v. Hindenburg: Mir ist nichts davon bekannt. Allerdings haben die Beteiligten, die an den Unterredungen über die Zeitungsgründung teilnahmen, sich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Verpflichtung galt aber als erledigt, als der Plan gescheitert war.

Vorsitzender: Die Verteidigung behauptet, es seien mehrere Zettel vorhanden gewesen, die aber später gestohlen worden seien; ein Zettel vom 6. Februar 1932 soll gelautet haben:Männe will Kurt gewinne n". Darunter seien dann die Namen der D A Z. und der Täglichen Rundschau verzeichnet gewesen.

Zeuge v. Hindenburg, lächelnd:Männe ist

mein Spitzname, und mit Kurt ist wohl Herr v. S ch l e i ch e r gemeint."

Vorsitzender: Es wird behauptet, daß diese Notiz bedeuten soll, daß Sie, Herr Zeuge, Herrn von Schleicher für das Zeitungsprojekt gewinnen woll­ten und an den Ankauf der DAZ. oder Täglichen Rundschau dachten.

Zeuge v. Hindenburg: Es ist schon richtig, daß ich mit Schleicher über eine Zeitungs­gründung gesprochen habe, aber es ist nie daran gedacht worden, die DAZ. oder die Tägliche Rundschau anzukaufen.

Ein anderer Zettel soll gelautet haben:480 000 RM. mit Männe besprochen. Alter Herr darf nicht Kandidat der Linken sein. Zeitungsfrage zurück­stellen. 480 000 restlos verbraucht."

Zeuge v. Hindenbprg: An alle Einzelheiten wäh­rend der Gespräche kann ich mich nicht erinnern. Es ist aber ganz ausgeschlossen, daß man mir gesagt hat, es stünden 480 000 RM. für die Zeitungsgrün- dung zur Verfügung.

Hierauf wird der Zeuge von der Verteidigung gefragt, ob ihm bekannt sei, daß aus der Wil­helm st raße eine halbe Million zu Dr. Gereke geschickt worden sei. Dr. Gereke habe diese halbe Million sechs Tage lang in einer Ma­tratze eingenäht aufbewahrt. Dann habe er sie in einer Aktentasche mit in den Reichstag genommen, und dort sei das Geld im Interesse der Bekämpfung einer Gegenkandidatur von rechts verteilt worden.

Zeuge: Hebet diese Dinge ist mir nichts be­kannt. Es ist ausgeschlossen, daß ich Dr. Gereke eine halbe Million übergeben habe.

Verteidiger: Am 6. Februar soll Dr. Gereke Ihnen mitgeteilt haben, daß die Deutschnationalen einen Gegenkandidaten aufstellen wollten. Sie sol­len darauf erwidert haben:Wir wollen d i e Seitensprünge desSilberfuchses" nicht dulden. (Silberfuchs" war ein Spitz­name für Hugenberg.) Auf diese Ihre Bemer­kung soll Gereke geantwortet haben:Schade, dann muß jetzt mein Fond heran, der eigentlich für andere Dinge bestimmt war." Der Zeuge kann sich an ein solches Gespräch nicht erinnern. Am Schluß seiner Vernehmung erwiderte Oberst von Hindenburg auf eine Frage der Verteidigung: Ich traue Dr. Gerke nicht zu, daß er sich persönlich aus Mitteln des Hindenburg-Wahlfonds Vorteile ver­schaffen wollte.

Kieler Woche."

Am 15. Juni wird auf der Kieler Förde das all­jährliche große W e t t f e a e l n seinen Anfang neh­men.Kieler Waches seit 52 Jahren bezeichnet dieser Name eine der glänzendsten Veranstaltungen internationalen Sports. Es war zum er ft en Mal im Jahre 1882, als sich 20 deutsche Segelyachten auf der Reede von Kiel du einer ge­meinsamen Wettfahrt zusammenfanden. Man kann dieses Jahr als das Geburtsjahr d e s b e u t - f ch e n Hochsee-Segelsports schlechthin be­zeichnen. Damals war noch jede einzelne Yacht ein Versuch für sich. Aber schon das Ergebnis die­ser ersten Wettfahrt fiel so glänzend aus, daß be­reits im folgenden Jahr ein paar ausländische und auch Berliner Fahrzeuge hinzukamen

Und nun vergrößerte sich die Zahl der Sta^tmel- dungen von Jahr zu Jahr. Die .^KielerWoche wurde zu einer der hervorragendsten mternahona en Prüfungen, und im gleichen Schritt entwickelte sich diese Veranstaltung zu einem sportlichen und ge­sellschaftlichen Ereignis, wie es auf der ganzen Welt seinesgleichen suchte. Der kai.erliche Yacht-Club wurde gegründet und blieb dann Jahrzehnte hindurch Trager dieser Beranstaltung^ Di« schottische YachtThistle , die bei den Kämpfen um den Amerika-Pokal Weltruhm erlangt hatte ging in kaiserlichen Besitz über und nahm unter dem NamenM e t e o r" an den spateren Rennen

Einen ersten Höhepunkt brachte das Jahr der Eröffnung des Kaiser - Wil h e Im - Ra nals, als 1895 eine riesige Flottenschau aller Lan der auf der Kieler Förde vereinigt war. Wilhelm 11.

versuchte dann in der Folgezeit, vor allem d e n Yachtbau auch in Deutschland seßhaft zu machen. So wurde von dem deutschen Konstrukteur Max Oertz im Jahre 1908 auf der Germaniawerft in Kiel im Auftrage des Industriellen Krupp von Bohlen und Halbach die erste deutsche Yacht auf Stapel gelegt, die sogleich demMeteor erhebliche Konkurrenz machte. Im Jahre 1910 waren es schon fünf große Schuner, die deutscher Herkunft waren, und 1914 ließ Wilhelm II. einen deutschen Meteor" bauen. Damit hatte Deutschland eine Großklasse, die den Neid der ganzen Welt und vor allem auch Englands erregte. Da aber diese gro­ßen Fahrzeuge eine nach jeder Richtung hin außer­ordentlich kostspielige Angelegenheit waren, wurde bereits im Jahre 1900 die sogenannteS an­der k l a s s e" eingeführt, die sich aus einem deutsch- englischen Länderkampf entwickelt hatte.

Krieg und Nachkriegszeit haben die glänzende Entwicklung naturgemäß aufgehalten. Wenn aber heute wieder 13 Nationen vertreten sein werden, wenn 530 Startmeldungen vorliegen, darunter 240 Klassenfahrzeuge und 140Ausgleicher" mit Zusam­men 60 verschiedenen Klassen, des weiteren 80 Krieqsschiffboote und 40 Motoryachten, und wenn sich an dem großen Länderkampf der12 qm-sharpie- Einheits-Klasse" Deutschland und England, Frank­reich und Norwegen, Polen und Schweden, Holland, die Schweiz und Italien beteiligen werden, so kon- nen wir mit Stolz und Genungtuung feststellen, daß dieKieler Woche" in der dritten Jumwoche dieses Jahres eine glänzende Auferstehung feiern wird.

Kunst und Wissenschaft.

(Eine Anordnung

des Präsidenten der Reichsmusikkammer.

Der Präsident der Reichsmusikkammer hat die Neugründung und Wiedereröffnung von Arbeitsgemeinschaften, Orchester­unternehmen und sämtlicher privater Unternehmun­gen von Berufsmusikern, deren Zweck in der Aus­führung von Musikaufträgen oder eigener Veran­staltungen besteht, bis aus weiteres verboten. Bisher bestehende Unternehmungen sind bis zum 1. Juli 1934 zu schließen. Von der Schließung wer­den solche Unternehmungen nicht betroffen, welche bereits am 1. Januar 1934 unter ausschließlicher Leitung von Berufsmusikern bestanden haben, die dem FachoerbandReichsmusikerschaft" angehören und welche die für die Leitung solcher Unterneh­mungen erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung besitzen.

Deutsch-französisches Austauschkonzert im Radio.

Aus dem Funkraum des Deutschlandsenders wurde am Dienstagabend das erste deutsch-französische Aus­tauschkonzert gesendet, dem in nächster Zeit eine Sen­dung von einem französischen Sender folgen wird. Im ersten Konzert spielte das Philharmonische Or­chester unter Leitung des Direktors der Pariser Oper, Henri Busser; als Solistin wirkte Scanne Bonavia von der Pariser Oper mit. Staats­sekretär Funk vom Propagandaministerium gab vorher feiner Freude darüber Ausdruck, daß dieser Austausch zustande gekommen sei. Sein Zweck sei es, Verständnis für die Kultur des anderen Volkes zu wecken und die kulturellen Beziehungen der Völ­ker zu vertiefen. In der Erwartung, daß dieser wechselseitige Kunstaustausch befruchtend und Ver­ständnis werbend zum Segen der Kunst und der Beziehungen beider Nationen sich auswirken werde, wünschte Staatssekretär Funk den Uebertragungen vollen Erfolg.

Alfred Plöh erhält den Pettenkofer-Preis.

Auf Vorschlag des Direktors des Hygienischen Instituts der Universität München Geheimrat Dr. Kißkalt hat die Münchener städtische Kommis­sion für ldie Verteilung der Renten aus derDr. Max von Pettenkofer - Stiftung den nun fälli­gen Preis einstimmig dem in Herrsching am Am­mersee wohnenden Alfred Plötz für feine zahlrei­chen wissenschaftlichen Arbeiten auf rassenhygieni- schem Gebiet zuerkannt. Dr. Plötz hat sich sowohl

um die theoretischen Grundlagen der Rassenhygiene als auch um die Propagierung ihrer Ideen weit­reichende Verdienste erworben.

Ehrung für Leo Frobenius.

Die Generalversammlung der Ungarischen orien­talischen Gesellschaft hat den deutschen Gelehrten Geheimrat Professor Leo Frobenius in Frank­furt a. M. einstimmig zum Ehrenmitglied gewählt. Der Ernennungsbeschluß nimmt aus­drücklich Stellung zu den auch in der deutschen Presse erschienenen Aeußerungen über einen Streit um die Priorität von Felsbilderentdeckungen zwi­schen dem italienischen Professor Graf von Cu- p o r t a c c o und dem Ungarn von Almasy. Ganz unberechtigterweise wurde der bekannte deut­sche Afrikaforscher in diesen Streit hineingezogen. Die angesehene ungarische Gelehrtenvereinigung nimmt zu einem neuerlich im Pester Lloyd erschie­nenen Artikel in ihrem einstimmigen Beschluß eine eindeutige Stellung, indem sie befjen Inhalt außer­ordentlich bedauert und als einen ungerechten An­griff mißbilligt.

Die Schillerbund-Jugend in Weimar.

Wie alljährlich trafen die ersten Gruppen zu den Fe st spielen des deutschen Schiller­bundes in Weimar ein. Der Schillerbund feiert in diesem Jahre das 25jährige Jubiläum seiner * Festspiele. Während die beiden ersten Wochenreihen jede ' über 500 Schüler zählen, wird die dritte über 700 ; Schüler und Schülerinnen nach Weimar bringen. ; Alle deutschen Unterrichtsministerien haben auf die Bestrebungen des Schillerbundes in diesem Jahre empfehlend hingewiesen. Auf dem Begrüßungs­abend hieß der langjährige Präsident Prof. Eduard Scheidemantel die ersten Gruppen herzlich willkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Jugend ein warmes Heimatgefuhl zur geistigen Besonderheit Weimars erhalten möge. Mit schar­fen Worten wandte sich Prof. Scheidemantel gegen die von gewisser Seite ausgehenden Umtriebe, die die Freundschaft zwischen Schiller und Goethe durch Verdächtigungen herabzusetzen versuchten. In mei­sterhafter Vortraaskunst sprach Dr. Hermann C h r i st i a n s Gedichte von Goethe, Schiller und Kleist. Die folgenden Festspielabende des Deut­schen Nationaltheaters umfassenKabale und Liebe",Prinz von Homburg" undWilhelm Tell".

Aus aller Well.

Aljechin gewinnt die 25. Partie.

Im Kampf um die Schachweltmeister- schäft wurde am Dienstag die am Vortage be­gonnene erste Berliner Partie beendet. Dr. Alje - ch i n verstand es in ganz kurzer Zeit, sein positio- nelles Uebergewicht in Gewinn umzusetzen. Er drang mit feiner Dame ins feindliche Lager ein, und bereits vier Züge nach Wiederaufnahme mußte Bogoljubow die Waffen strecken. Der Wett­kampf steht nunmehr 15:10. Dr. Aljechin hat feinen Weltmeistertitel gesichert. Z' m Siege des Wett­kampfes jedoch benötigt er noch einen halben Punkt. Die 26. und voraussichtlich letzte Partie des Kamp­fes wird am Donnerstag beginnen.

125. Geburtstag desStruwwelpeter"-Hoffmanns.

Am 21. Juni 1809 wurde Heinrich Hoffmann- Donner in Frankfurt a. M. geboren, der Jahr­zehnte lang als leitender Arzt an der Städtischen Irrenanstalt in Frankfurt wirkte. Unvergänglich lebt sein Andenken in den Kinderstuben fort, wo sein 1847 zum ersten Male erschienenerStruw­welpeter" von Hand zu Hand gereicht wird. Frankfurt gedenkt an feinem 125. Geburtstage die­ses verdienten Mannes, an dessen Grabe die Stadt­verwaltung einen Kranz niederlegen wird. Der in fast alle Sprachen Europas übersetzteStruw­welpeter" hat übrigens 1925 die 539. Auslage erlebt.

Die erste deutsche Eisenbahn ersteht aufs neue.

Im nächsten Jahr feiert das deutsche Eisen­bahnwesen die 100. Wiederkehr des Tages seiner ersten Anfänge. Nürnberg-Fürth wird fest­liche Tage begehen und eines der hierbei zu er­wartenden Ereignisse wird die Wiederinbe­triebnahme der er st en deutschen Eisen­bahn fein. Die Lokomotive, derAdler" ist zwar, nachdem sie dienstuntauglich geworden war, ver­schrottet worden, wird aber, wie dieNSZ. Rhein­front" berichtet, nach vorhandenen Plänen in der Abteilung Lokomotivbau des Reichsbahnausbesse­rungswerkes Kaiserslautern wieder erstehen. In den Tagen der Feierlichkeiten wird sie wie vor hundert Jahren ihre historischen Wagen, die in einer Nürn­berger Werkstätte nachgebaut werden, zwischen den beiden Städten hin und her fahren, wenn man auch auf den Eisenbahnschienen keinen Platz mehr für sie haben wird.

Ein Vettlergeschäft, das hunderttausende einbringt.

Seit Juli 1933 betreibt in Frankfurt ein gewisser Erich Stegmann aus Nürnberg ein einträgliches Bettlergeschäft. Stegmann, der an den Hän­den gelähmt ist und mit dem Munde malt, richtet unter Hinweis auf feine Notlage Unter­stützungsgesuche an Fernsprechabonnenten, die er in den Fernsprechbüchern findet. Insbesondere weist er auch auf die Notlage seines angeblich arbeitslosen alten Vaters hin. Den Gesuchen legt er in Stein­druck, neuerdings auch nur in Buchdruck verviel­fältigte Postkarten bei, ferner eine Druckschrift Maler ohne Hände", in der er seine Notlage schil­dert. Stegmann erzielte durch seine betrügerischen Gesuche Einnahmen, die in die Hunderttausende gingen, so daß er Hilfskräfte einstellen und sich ein Personenauto leisten konnte.

Der ausgegrabene Totenschädel. Verhaftung einer angeblichen Hellseherin.

Die angeblicheHellseherin" Anna Jnderft, deren Tätigkeit im Zusammenhang mit der soge­nannten Aresinger Mordaffäre seinerzeit großes Aufsehen erregte, ist auf Grund des Ergeb­nisses der Untersuchung des Gerichtlich-Medizini­schen Instituts in München in Augsburg ver­haftet worden. Der Mord sollte durch die Aus­grabung eines Totenkopfes angeblich aufgeklärt werden. Das Ergebnis der Untersuchung besagt aber, daß der ausgegrabene Kopf einem Menschen angehören muß, der bereits 20 Jahre tot mar. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, bzw. es ist fast sicher, daß die Jnderft oder einer ihrer Helfershelfer den Kopf aus einem Beinhaus gestohlen hat und dann eingrub, worauf sie dann vor der Polizei ihrehellseherischen Kräfte" spielen ließ. Die Verhaftung erfolgte bei der Rückkehr der In­ders! von einer angeblichen Schatzgräberei in efnem Dorf bei Ingolstadt, wo sie einem Dauern

die Hebung einer Kiste mit Gold im Werte von 300 000 Mark versprochen hatte. Diese Kiste sollte im Hofe des Anwesens während des 30jährigen Krieges vergraben worden sein.

Riesiger Waldbrand in Hannover.

In der Nähe der Siedlung Rheinmetall, an der von Uelzen dorthin abzweigenden Nebenbahn ent­stand ein umfangreicher Waldbrand, der zu­nächst in den Lagerbeständen von Trockenholz reiche Nahrund fand und sich rasch ausbreitete. 1500 bis 1700 Morgen Wald wurden von dem Feuer erfaßt, das bald ein gewaltiges Flammenmeer bildete. Zum kleineren Teil war es 70jähriger Baumbestand, zum größeren Teil wurde etwa zwei­jähriger Wald vernichtet. Man vermutet, daß Funkenflug die Ursache des Brandes war.

Junger Bitterfelder Segelflieger tödlich abgestürzt.

Der 23jährige Bitterfelder Segelflieger Dr. Wolf­gang Bönninghausen ist bei der Ablegung der L-Prüfung im Segelflug tödlich verun­glückt. Das Unglück ereignete sich, als Dr. Bön­ninghausen in Schkeuditz zum dritten 6-Flug auf­stieg. Kurz nach dem Ausklinken des Schleppseiles stürzte das Flugzeug aus etwa 50 Meter Höhe ab. Dr. Bönninghausen erlitt einen doppelten Schädel­bruch und starb kurze Zeit nach dem Unfall. Er ist der Sohn des bekannten Bitterfelder Ballonfahrers Bönninghausen. Die Segelfliegergruppe der Ballon- und Fliegerortsgruppe in Bitterfeld verliert in ihm einen ihrer hoffnungsvollsten Segelflieger.

Vollstreckung eines Todesurteils.

In Koblenz ist der Josef Kreier aus Plaidt h i n g e r i ch t e t worden. Kreier war wegen des in Plaidt an der Ehefrau Johann Frank begange­nen Mordes von dem Schwurgericht in Koblenz am 7. Dezember 1933 zum Tode verurteilt worden. Der Preußische Ministerpräsident hat von dem Be­gnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil die von dem Verurteilten bei dem Morde bewiesene Rohheit und tierische Hemmungslosigkeit sowie feine große Anzahl von Vorstrafen ihn als unverbesser­lichen und rücksichtslosen, gemeiilgefährlichen Ver­brecher kennzeichnen.

Das erste deutsche Vernstein-Vergfest in Palmnicken.

Am 16. Juni wird in Palmnicken an der sam- ländischen Küste, dem Bergwerk der Staatlichen Bernstein-Werke, in Anwesenheit des Oberpräsiden­ten der Provinz Ostpreußen, Gauleiter und Staats­rat Erich Koch, und des Führers der preußi» fchen Berghoheits-Verwaltung, Oberberghauptmann Winnacker, das erste Bernstein-Bergfest gefeiert. Anknüpfend an älteste Bergwerks-Tradi­tion werden in den Straßen und auf dem Festplatz der Ortschaft Palmnicken, dem einzigen Bernstein­dorf der Welt, Trachtenzug, Volkstänze und tradi­tionelle ostpreußische Volksspiele altes Bernstein- Brauchtum zum ersten Male zeigen.

Wettervoraussage.

Hoher Druck über Deutschland beherrscht weiter­hin die Wetterlage. Ungehinderte Sonnenstrahlung führt tagsüber zu hohen Temperaturen. Späterhin ist allerdings mit der Bildung lokaler Wärmegewit­ter zu rechnen.

Aussichten für Donnerstag: Heiter, nur vorübergehend gewitterhafte Bewölkung, tagsüber heiß, meist trocken.

Aussichten für Freitag: Im wesentlichen noch Fortdauer der Schönwetterlage, doch Bildung lokaler Wärmegewitter.

Lufttemperaturen am 12. Juni: mittags 20,1 Grad Celsius, abends 14,4 Grad; am 13. Juni: morgens 13,1 Grad. Maximum 21,4 Grad, Minimum 10,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Juni: abends 22 Grad; am 13. Juni: morgens 16,4 Grad. Sonnenscheindauer 11,4 Stunden.

Hauptschriftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. D.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K^G., sämtlich in Gießen.