auch von den seriösen Zeitungen gebracht worden ist. Darin wird festgestellt, daß der Akt des roten Terrors auf die Hetzarbeit der hiesigen Linkspresse zurückzuführen sei; das eigentliche spanische Volk verdamme diesen Terror ebenso, wie die Deutschen selbst das täten. Die größte Madrider Zeitung, das konservative ABC, sagt dazu in seinem Kommentar: „Ganz Spanien schließt sich diesem Protest an und erneuert seine Wertschätzung für diese Kolonie.
Der autontä'reKurs in Bulgarien Auflösung der Parteien. Neuregelung des Pressewesens.
Sofia, 12.Juni. (DNB.) Die schon seit langem angekündigte und erwartete Auflösung der Parteien ist am Dienstag vom Ministerrat beschlossen worden. Die erste Verfügung ordnet die Auflösung aller Parteien, parteipolitischen Organisationen, Verbände und Bewegungen an und verbietet ihnen jegliche Betätigung. Unter dieses Verbot fallen auch alle parteipolitischen Zeitungen. Die Neugründung oder die Tarnung aufgelöster politischer Organisationen wird mit schwerem Kerker bis zu drei Jahren bestraft. Die zweite Verordnung ordnet an, daß in Zukunft keine Zeitung oder Zeitschrift mehr ohne Bewilligung der zuständigen Behörde erscheinen darf. Die nicht unter das Parteiverbot fallenden Nachrichtenblätter haben innerhalb zehn Tagen die behördliche Genehmigung ihres Weitererscheinens nachzusuchen. Schriftleiter können in Zukunft nur mehr noch unbescholtene bulgarische Staatsbürger sein. Ausländern wird die Ausübung des Schriftleiterberufs nur mit ausdrücklicher Bewilligung erteilt.
Diese beiden Beschlüsse bedeuten die endgültige Zertrümmerung der Parteiwirtschaft in Bulgarien. Besonders zu vermerken ist, daß auch die Volkssoziale Zankoff-Bewegung unter das Verbot fällt und daß die Regierung zur Parteienauflösung schritt, ehe eine Verständigung mit Zankoff zustandekam. In Regierungskreisen wird indessen betont, daß zwischen dem jetzigen Regime und der Zankoff-Bewegung keinerlei weltanschauliche Gegensätze bestünden und daß somit die Anhänger Zankoffs den Weg zum neuen Staat noch immer finden könnten.
Ein japanisch-chinesischer Zwischenfall.
Rätselhaftes Verschwinden eines japanischen Konsuls in Nanking.
Nanking, 12. Juni. (DNB.) Der hiesige japanische Vizekonsul Kuramoto ist spurlos verschwunden. Die chinesische Presse behauptet, daß die von einer japanischen Agentur verbreiteten Meldungen, wonach der Vizekonsul ermordet worden sei, nicht den Tatsachen entsprächen. Nach chinesischen Pressemeldungen soll der Vizekonsul m i t dem japanischen Gesandten abgereist sein. Diese Behauptungen der chinesischen Presse werden von dem japanischen Generalkonsul als unzutreffend bezeichnet. Die japanische Regierung hat drei Kriegsschiffe nach Nanking gesandt und ihren Generalkonsul beauftragt, sich das Recht zu eigenen Nachforschungen oorzubehalten.
Der Sprecher des japanischen Außenministers erklärte der Presse, die Haltuna der chinesischen Regierung in der Angelegenheit Kuramoto sei voll- kommen ungenügend. Die Tatsache stehe fest, daß trotz des japanisch - chinesischen Wafsenstillstands- abkommens die feindliche Propaganda sehr st a r k zugenommen habe. Das Ergebnis dieser Propaganda sei das rätselhafte Verschwinden des Vizekonsuls Kuramoto, der nach japanischer Auffassung nicht mehr am Leben sei. Mit der Entsendung der japanischen Kriegsschiffe nach Nanking habe die Regierung nur die erste Maßnahme getroffen, um die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten. Sie hoffe, daß China alles unternehmen werde, was zur Bestrafung der Personen führe, die unmittelbar an der Tragödie Kuramoto schuld seien.
Sammelverbot für HI.
Der Reichsjugendführer hat mit sofortiger Wirkung u. a. verfügt:
1. Sammlungen der Hitler-Jugend (HI., JV., BdM.) im Reichsgebiet finden nur mit G e - nehrnigung des Reichsschatzmeisters und des Reichsjugendführers statt. Alle Sammlungen, die ohne diese Genehmigung veranstaltet werden, sind unberechtigt. Ihre Veranstalter werden bestraft.
2. In den Gauen der NSDAP, darf die Hitler- Jugend sich nur an solchen Sammlungen beteiligen, zu denen vom Gauleiter selbst aufgerufen wird.
3. Verbände und Dienststellen, die an Gliederungen der HI. herantreten, um diese zum Sammeln für diesen oder jenen Zweck zu gewinnen, sind a u f diese Verfügung zu verweisen. Die Aufgaben der Hitler-Jugend sind nicht im Geldsammeln zu suchen. Sie können wohl auch hier liegen — siehe Winterhilfswerk! —, doch wird zu diesen für das Volk lebenswichtigen Sammlungen durch die Reichsjugendführung besonders aufgerufen.
Dor dem Abschluß des Rechnunqsjahrs 1933 in Hessen.
LPD. Darmstadt', 12. Juni. Der Monatsausweis Über die Einnahmen und Ausgaben des Landes Hessen im Monat März 1 9 3 4 des Rechnungsjahres 1933 verzeichnet Ende März i m ordentlichen Haushalt als Gesamteinnahmen 73,584 Millionen Mark und 74,063 Millionen Mark Ausgaben. Im außerordentlichen Haushalt 1933 sind zum gleichen Zeitpunkt 1,572 Millionen Mark Einnahmen und 2,608 Millionen Mark Ausgaben verbucht. Das Staatspresseamt teilt dazu mit: Einnahmen und Ausgaben im laufenden Teil kommen sich in ihrer Summe ziemlich nahe. Es ist dies die Folge der von der Regierung durchgeführten Maßnahmen. Der Bücher- schluß des Ende März abgelaufenen Rechnungs- jahres findet erst Ende Juli statt. Es bleibt zu hoffen, daß das Rechnungsjahr ohne Fehlbetrag zum Abschluß gebracht werden kann.
Der amerikanische Sonderbeauftrage Norman Davis wird zur Teilnahme an den englisch, amerikanischen Flotten - Vorbesprech u n g e n am 16. Juni in London erwartet. Er wird von technischen Sachverständigen begleitet sein. Es ist noch nicht bekannt, ob japanische Flottensachverständige nach London zur Unterstützung des japanischen Botschafters entsandt werden. Frankreich und Italien haben auf die Einladung der britischen Regierung noch nicht ge- antwortet. Die Sowjet-Regierung hat beschlossen, an der Konferenz teilzunehmen.
Oie Ermordung Horst Wessels erneut vor Gericht.
Drei weitere Mittäter unter der Anklage gemeinschaftlichen Mordes.
Berlin, 12. Juni. (DNB.) Die Ermordung Horst Wessels wird erneut die Gerichte beschäftigen. Die Ermittlungen wegen dieser furchtbaren Bluttat waren im vergangenen Jahre noch einmal ausgenommen worden. Eine Reihe weiterer, seinerzeit nicht angeklagten Personen wurden belastet. Der seinerzeit zu sechs Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilte Haupttäter Albrecht H ö h l e r ist während der Strafhaft verstorben. Don den im ersten Prozeß Verurteilten haben inzwischen die Brüder Walter, Max und Willi I a m b r o w s k i, Walter I u n e k und die frühere Wirtin Horst Wessels, Frau Salm, ihre Straftaten verbüßt. Rückert und Kandulski sind noch in Strafhaft, die Brüder Jambrowski und Frau Salm in Schutzhaft. Die neue Anklage richtet sich gegen Peter Stoll, Sally Epstein, sowie gegen Hans Ziegler, der bereits 13 mal vorbestraft ist. Die Anklage: lautet auf gemeinschaftlichen Mord.
Wie erinnerlich, wohnte Horst Wessel im Januar 1930 bei der Witwe Salm in der Großen Frankfurter Straße 62. Am Abend des 14. Januar alarmierte Frau Salm die Bereitschaft II der Sturmabteilung Mitte, die getarnte Fortsetzung des Roten Frontkämpferbundes, die in dem Lokal von Baer in der Dragoner-Straße 48 tagte und der die drei Angeklagten angehörten. Von dort wurden aus dem Lokal von Galsk in der Mu- lackstraße, dem Verkehrslokal der III. Bereitschaft der Sturmabteilung Mitte, Verstärkungen geholt. Führer dieser Bereitschaft war der inzwischen verurteilte Erwin Rückert und sein Stellvertreter Ali H ö h l e r. Höhler brachte aus seiner Wohnung seine Parabellum-Pistole 08, Kaliber 9 Millimeter, mit. 10 bis 12 Mann begaben sich darauf in kleinen Trupps zur Wohnung Hör st Wessels, unter ihnen die jetzt angeklagten Stoll, Epstein und Ziegler, die sich freiwillig'gemeldet hatten. Höhler, Rückert, Walter Jambrowski und Josef Kandulski gingen zur Wohnung Wessels hinauf. Höhler und Rückert machten ihre Pistolen schußfertig und klopften an Wessels Wohnungstür. Als dieser die Tür einen Spalt weit öffnete, scholl ihm der Ruf: ,Fände hoch!" entgegen. Höhler s.ch o ß sofort. Horst Wessel brach in den Mund getroffen zusammen. Die übrigen Mordgesellen hatten auf der Straße Aufstellung genommen, um beim Herannahen von Nationalsozialisten die Flucht der Täter ermöglich e n zu können. Kandulski steckte auf der Straße Epstein einen Gummiknüppel zu, den dieser auf der Flucht in einen Gulli warf. In dem Lokal von Baer wurde dann die weitere Verwischung der Spuren besprochen. Dabei drohte Max Jambrowski, jedem, der etwas verraten würde, würde es genau so gehen wie Horst Wessel.
Die Anklage wirft den jetzt Angeklagten vor, daß ie bewußt und gewollt mit den Haupt- ä t e r n zusammengearbeitet haben. Ep- tein hat unmittelbar am Ausgang des Mordhauses gestanden. Der Einwand von Ziegler, er sei vor dem Schuß fortgelaufen, ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft unglaubwürdig. Alle Beteiligten mußten sich über d i e Folgen des lieber« alles klar sein und haben zweifellos auch genutzt, daß die Täter Waffen mit sich gell h r t haben. Daher ist gegen Stoll, Epstein und Ziegler Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben worden.
Auf eigenartige Weife kam die Polizei auf die Spur dieser drei. Eines Tages geriet der Angeklagte Stoll in betrunkenem Zustande in einem Lokal mit seiner Frau in einen rauften Streit, der sich schließlich auf der Straße noch ortsetzte. Plötzlich rief die Frau des Stoll in höch- ter Wut ihrem betrunkenen Mann zu: „Du willst es wohl mit mir genau so machen, wie du es mit Horst Wessel gemacht hast." Diese Worte wurden gehört und Stoll wurde festgenommen.
Die Vernehmung der Angeklagten
Zunächst wird der Angeklagte Stoll vernommen: Am Tage der Tat nahm ich an einer Versammlung in dem Lokale von Baer teil. Plötzlich kam der Kommunist Junek ins Vereins^immer und sagte zu Jambrowski: „Komm doch mal raus, eine Frau will dich sprechen." Aus Neugierde will der Angeklagte Stoll hinterhergegangen sein und hörte, daß die Frau — es handelt sich um Frau Salm, die Wirtin Horst Wessels — von Jambrowski verlangte, daß ein „Nazimann" aus ihrer Wohnung befördert werden sollte. Der Angeklagte ging zusammen mit Junek in ein anderes Lokal und hörte dort, wie Junek nach „Ali" fragte. Was Junek dann verabredete, habe er nicht hören können. Wir verließen dann das Lokal und ich ging aus Neugierde und Dummheit hinter den anderen her. An einer Straßenecke erhielt ich die Anweisung, stehen zu bleiben. Jambrowski sagte zu mir: Hier paßt du auf, wenn Polizei kommt, mußt du pfeifen. Die anderen gingen dann weiter.
Dorf.: Wenn Sie sich unschuldig fühlten, warum haben Sie dann im August des vorigen Jahres einen Selbstmordversuch begangen?
Angeklagter Stoll: Es tat mir leid, daß ich in eine solche Sache aus Dummheit hineingekommen bin. Ich habe mich geschämt wegen einer so lumpigen Sache.
Vors. (sehr erregt): Das nennen Sie eine lumpige Sache! Sie sind hier als Mörder angeklagt, machen Sie sich das klar. Das ist ja ganz unglaublich.
Der Angeklagte Salli Epstein will am Tage ber Mordtat beobachtet haben, daß zwischen Junek und Jambrowski geheimnisvolle Dinge verhandelt wurden. Als mehrere Kommunisten dann das Lokal verließen, will er hinterhergegangen fein, angeblich aber nur, um einen Freund in der Weber- strahe aufzusuchen. Hier hält ihm der Vorsitzende I
vor, daß diese Angabe eine Lüge fein muß, weil dieser Freund in der fraglichen Zeit gar nicht in seiner Wohnung anzutreffen war, sondern im Tegeler Gefängnis eine Strafe abmachte. Der Angeklagte blieb aber dabei, daß er von dem Mordplan und der Tat selbst nichts gewußt habe. Dem steht seine Angabe in der Vor- Untersuchung entgegen, wo er zugegeben hat, daß er von Rücker aufgefordert wurde, z u pfeifen, wenn Polizei kommen sollte.
Der dritte Angeklagte Ziegler war im Lokal von Baer ang^stellt. Am 14. Januar sei Frau Salm, die Wirtin Horst Wessels, ins Lokal gekommen und habe einen Führer der „Sturmabteilung" sprechen wollen. Ziegler will kein Interesse an der Angelegenheit gehabt haben, ist aber trotzdem, als mehrere Kommunisten, darunter der Mörder Ali Höhler, das Lokal verließen, hinter ihnen hergelaufen, um zu erfahren, was vor sich gehen sollte. Vor dem Hause Horst Wessels seien schon mehrere Kommunisten versammelt gewesen. Ziegler selbst will es mit der Angst zu tun bekommen haben, als er merkte, daß „eine große Sache steigen" sollte. „Nur zum Schein" sei er mit ins Haus gegangen. Später habe er sich heimlich gedrückt und sei ins Lokal von Baer zurückgegangen. Dort ermahnte Jambrowski die Genossen, den Mund über die Sache zu halten, einem Verräter würde es genau so gehen wie Horst Wessel. Ziegler behauptete, in diesem Augenblick den Namen Horst Wessel zum erstenmal gehört zu haben.
Vorsitzender: Wollen Sie uns wirklich glauben machen, daß Sie als Mitglied der kommunistischen Sturmabteilung im Januar 1930 nicht gewußt haben, wer Horst Wessel, der bekannteste Sturm- führer der dortigen Gegend, war? Der Angeklagte bleibt bei seiner plumpen Lüge und will erst am anderen Tage in der Zeitung von dem Mord gelesen haben.
Die Beweisaufnahme
Sodann wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Die Vermieterin, bei der Horst Wessel zuletzt gewohnt hat, die Witwe Salm, ist sehr vorsichtig und zurückhaltend. Nach ihrer Bekundung ist Horst Wessel im Oktober 1929 zu ihr gezogen. Im Januar 1930 kam es zu Mietstreitigkeiten, und sie ist in das Lokal von Baer gegangen, um einen Bekannten ihres Mannes zu ihrer Unterstützung zu holen. Als sie dort von dem Streit erzählte, sagte plötzlich Max Jambrowski: „Das ist ja der langgesuchte Horst Wessel!" — Darauf begleiteten mehrere Kommunisten die Salm in ihre Wohnung. Die Zeugin will aber nicht gewußt haben, was diese ihr z. Teil Unbekannten dort gewollt hätten; sie habe sich nicht besonders um sie bekümmert, sondern — Kaffee gekocht.
Vorsitzender: Eine rührende Geschichte, die Sie uns hier erzählen! Denken Sie denn, wir glauben Ihnen, wenn Sie uns vormachen wollen, daß sie Kaffee kochten, während nebenan Ihr Mieter niedergeschossen wurde?
Die Zeugin will sich bann, nachdem Horst Wessel niedergeschossen worden war, um ihn gekümmert haben, nachdem die kommunistischen Mörder eiligst die Wohnung verlassen hatten. Horst Wessel verlangte nach Wasser und forderte sie auf, die Polizei zu verständigen und einen Arzt zu rufen. Außerdem bat er um feine Papiere. Wenige Minuten später, als sie gerade einen Arzt hätte rufen
wollen, trafen die Kameraden Horst Wessels ein.
Der Zeuge Max Jambrowski gibt zu, nach der Mordtat im Lokal von Baer seine Genossen aufgefordert zu haben, den Mund über bas Geschehene zu halten. „Einem Verräter werbe es genau so ergehen, wie Horst Wessel." Im übrigen will er nichts von bem Morbplan gewußt haben. Man sei nur beshalb in bie Wohnung Horst Wessels gegangen, um bie Streitfrage in einer Aus- einanbersetzung zu klären, bie zwischen Frau Salm unb ihrem Mieter Horst Wessel bestehen sollte.
Vorsitzenber: Unb barum brangen 15 Kommunisten abenbs um 10 Uhr in bie Wohnung Horst Wessels ein?
Bezeichnen!) sinb bie Angaben bes Angeklagten, bie er über seine „I n st r u k t i o n e n" aradjt, bie er von Rechtsanwalt Löwenthal von ber Roten Hilfe im Untersuchungsgefängnis nach feiner Verhaftung erhielt. Er sollte sagen, baß zwischen Ali Höhler unb Horst Wessel ein Streit wegen eines Mäbchens entstauben sei, ber zu ber Tat führte. Der Zeuge befunbet weiter, baß lange Zeit nach ber Tat ber jetzt angeklagte Epstein zu ihm gesagt habe: „Ich bin nur froh, baß man mich bamals nicht mit verhaftet hat."
Der Zeuge Willi Jambrowski betunbete, nach ber Tat sei Ali Höhler mit bem Ruf bie Treppe heruntergestürzt: „Erledigt! Türmt!"
Die Aufgabe der Miier beim Aufbau eines gesunden Volkes. Heichsinnenminister Nr. Krick über die Frau im nationalsozialistischen Staat.
Berlin, 12.Juni. (DNB.) Reichsinnenminister Dr. Frick veröffentlicht im „Völkischen Beobachter" einen Artikel, in bem er auf bie burch Liberalismus unb Marxismus in ber Vergangenheit hervorgerufene finberfeinblidje Einstellung in unserem Volke hinweist. Die Freube am Kinbe, o führt ber Reichsminister u. a. aus, war systematisch im ganzen Volke erbrosselt. Die Folgen waren verberblich. Wenn man berücksichtigt, baß heute jeher Mensch im Durchschnitt etwa 20 Jahre älter wirb als vor etwa 60 Jahren, unb wenn man bie sogenannte Lebensbilanz unseres Volkes zieht, bann erkennt man, baß heute schon 3 0 0000 Kinber z u wenig geboren werden, um die Zahl des Volkes zu erhalten. Wenn wir aber ein Volk von Greisen und Greisinnen werden, dann können weder der Staat noch die Wirtschaft, noch die sozialen Versicherungen auf der heutigen Leistungsfähigkeit erhalten werden. Unter Hinweis auf den bereits erzielten beachtlichen Erfolg nationalsozialistischer Aufklärungsarbeit und Gesetzgebung, der daran zu erkennen sei, daß i m Jahre 1933 in Preußen 24 v. H. Ehen mehr als im Jahre 193 2 geschlossen worden sind, erklärt Dr. Frick: Wenn die nationalsozialistische Bewegung aus Gründen der Erb- und Rassenpflege den Willen des Volkes zur Familiengründung und den Willen zum Kinde mit dem größten Nachdruck heben will, dann übernimmt sie bamit zugleich die Verpflichtung ihres Programms, die deutsche Familie wieder zu bem zu machen, was sie unseren Vorfahren war, ein Quell ber Freube mit ben Kinbern unb an ben Kindern. Das Ziel, das Kind in ber Fa- milie zu einem lebensfrohen, tüchtigen Menschen unb Staatsbürger zu erziehen, kann nicht so sehr burch staatliche ober polizeiliche Maßnahmen geschehen, wie burch bie Hilfe ber Familie, insbe- fonbere ber M u 11 e r. Diese aber muß bie in ihr liegenben natürlichen Anlagen zum Familiensinn unb zur Kinberliebe frei von ben wirtschaftlichen Hemmungen entfalten können. Als erreichbares Ziel muß abgesteckt werben: die Mutter soll sich ganz ihren Kindern und der Familie, die Frau dem Manne widmen können, und das unverheiratete Mädchen soll nur auf solche Berufe angewiesen sein, die der weiblichen Wesensart entsprechen. Die
deutsche Frau besinnt sich wieder auf sich selbst unb ihre ureigensten Pflichten. Man fühlt mieber orbent- lich ben Stolz ber Mutter, bie öffentlich ihre ge« funbe Kinberschar zeigen Fann. Tausenbe unb aber Tausende von Frauen haben sich in der nationalsozialistischen Frauenschaft und im Deutschen Frauenwerk zusamengetan, um unseren ärmeren Volksgenossen zu helfen. Die NSV. hat durch ihr Hilfswerk „Mutter und Kind" in allen deutschen Herzen den stärksten Widerhall gefunden.
Die Reichsregierung ist bemüht, Wege zu finden, die dem Aufbau der deutschen kinderreichen und erbgesunden Familie die Bahn freimachen und ihre wirtschaftliche Not lindern. Noch hindern die durch die Rücksicht auf die Wirtschaft bedingten niedrigen Löhne die Schaffung eines Ausgleiches b er Familienlasten bei Lohn- unb Gehaltsempfängern, noch bebarf es Öügiger Maßnahmen, um Die für eine gefunbe lkerungspolitik verheerenbe Wirkung ber G r o ß ft a b t burch Sieblung in erforderlichem Maße zu ünbern unb ben Nachteilen ber Jnbu- [trialifierung burch Schaffung von Eigenheimen in ourchgreifenber Form zu begegnen. Aber wir sinb auf bem Wege b a z u, unb zwar baburch, baß wir auf ber einen Seite bie Lasten zu verringern versuchen, bie heute ben gefunben Teil ber Bevölkerung burch bie Vermehrung unb Versorgung ber erbkranken unb asozialen Menschen aufgebürbet werben unb auf ber anberen Seite ben Willen zur Fruchtbarkeit heben unb bie Familien mit erbgefun« bem Nachwuchs in jeber möglichen Weise förbern. Wir bürfen unser Sinnen unb Denken hierbei nicht auf unser Ich unb auf unser beneitiges Wohlbefin- ben einstellen, fonbern wir müssen uns als ein ©lieb in ber Kette ber Geschlechter betrachten, bie berufen sinb, bem beutschen Volke ben notroenbigen Lebensspielraum mieber zu erringen.
In biesem Streben steht im Mittelpunkt b i e Mutter unb bas Kinb, b. h. unsere Jugenb. Halten wir fest an bem Gebauten, baß bie Mutter, bie zahlreichen gefunben Kinbern bas Leben schenkt und sie zu nützlichen Gliedern unseres deutschen Volkstums erzieht, unsere besondere Fürsorge und Verehrung verdient. Ebenso wichtig ist es, unsere weibliche Jugend zu tüchtigen deutschen Hausfrauen und Müttern zu erziehen. Die
deutsche Freau, die in wahrhaft nationalsozialistischem Sinne zur deutschen Mutter erzogen wird, wird der deutschen männlichen Jugend von selbst die Achtung abzwingen, die ihr gebührt. Nur ein wirklich hochstehendes Frauengeschlecht kann durch die sittliche Erziehung der Jugend die deutsche Zukunft sichern. Mögen darum die Amtswalter und Amtswalterinnen der NSV. und des Deutschen Frauenwerkes sich ihrer Verantwortung gegenüber Volk und Vaterland bewußt sein. Die Regierung wird ihnen die Erfüllung ihrer Pflicht erleichtern, die Not in der deutschen Familie zu lindern und der deutschen Mutter und ihren Kindern nicht nur wirtschaftlich, sondern auch seelisch beizustehen und zu helfen. Wenn Sie alle dabei mitwirken, muß es uns gelingen, das Ziel zu erreichen, unserem Volke im Herzen Europas eine glückliche Zukunft zu sichern.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichsbischof hat den Hauptpastor am Dorn zu Lübeck, Dr. phil. Johnsen, zum kommissarischen Kirchenführer in Braunschweig ernannt. Dr. Johnsen stammt aus niedersächsischer Familie und steht im 43. Lebensjahr. Am Weltkrieg hat er als Freiwilliger teilgenommen. Dr. Johnsen ist alter Kämpfer der NSDAP. Als Pfarrer versuchte Dr. Johnsen vor allem auf die Männerwelt und die Jugend einzuwirken.
Prinzessin Juliana von der Niederlande wird sich am kommenden Donnerstag für mehrere Wochen nach England begeben. Wie verlautet, wird sie das Wochenende a l s G a st des englischen Königspaares auf dem Schloß Windsor Castle verbringen.
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Der österreichische Sicherheitsminister Fey ist in Budapest eingetroffen und vom Minister des Innern begrüßt worden. Bundeskanzler Dr. D o 11 - f u ß trifft am Dienstag in Budapest ein, um in ber Eröffnungssitzung des Internationalen Landwirtschaftskongresses eine Rebe zu hatten.
Der litauische ©taatspräfibent hat bie neue Regierung ernannt: Ministerpräfibent ist ber bisherige Ministerpräsibent unb Finanzminister Tubelis, ber bisherige Lanbwirtschaftsminister Asiska, Krieg: Generalleutnant Schniukschta, ber bisher Vorsitzenber bes Militärgerichts war, Aeußeres: ber bisherige Chef des politischen Departements im Außenministerium Lozoraitis. Außenminister Dr. Z a u n i u s geht als Gesandter nach Washington. Das jetzige Kabinett bedeutet eine Stärkung ber Richtung bes Staatspräsidenten und stellt außerdem eine Stärkung des nationalsoziali- listischen Kurses dar.


