Einzelbild herunterladen

Nr. 135 Erster Blatt

Mittwoch, IZ.Zuni 1934

184. Jahrgang

Erschemt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatsvezugspreir:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr .. -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen

Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Universitätr Such- und Stcinönidcrd R.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr

Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Die Folgerungen aus -em Genfer Bankrott.

Italien und England passen sich der neuen Lage an.

Mussolini wehrt sich.

Mit jener schönen Offenheit, welche die großen Reden Mussolinis ebenso auszeichnet wie die Sprache seiner Zeitungsmänner, hat das offiziöse Giornale d'Jtalia" betont, daß die beiden Riesenkriegsschiffe von je 35000 Tonnen, die die Regierung noch in diesem Jahre auf Stapel legen will, auch offensiv verwendbar wären, und daß sie die Wirksamkeit der italienischen Kriegs­marine und ihrer Stellung im Rahmen der Welt­rüstungen zum Ausdruck brächten. Aber was zu­nächst als unnötige Herausforderung und Verschär­fung des Rüstungswettlaufes erscheinen mag und was von Frankreich auch bewußt so hingestellt wird, ist in Wirklichkeit doch nur das Zeichen einer logischen und realpolitischen Denkunasweise und dazu ein nicht mehr aufschieboarer Akt der Notwehr. Mussolini, der ebenso wie Adolf Hitler wegen der besonderen geographischen Lage seines Landes an einem ehrlichen Frieden und da­mit an der Beschränkung der Rüstungen interessiert ist, ist durch die internationale Entwicklung der letz­ten Zeit in eine Verteidigungsstellung gedrängt worden. Der endgültige Zusammen­bruch aller Abrüstungsbemühunaen in Genf ebenso wie die drohende Aussicht, daß der von Italien ge­wünschte Friede im Mittelmeer ein französi­scher Friede werden könnte, hat die italienische Re­gierung zu dieser Aktion veranlaßt.

Daß sie notwendig war und daß sie in einer ganz bestimmten Richtung erfolgte, wird schon durch das lebhafte Echo bewiesen, das sie in Paris hervorgerufen hat. Angstvoll ruft dasJournal des Debats" aus, Frankreich könne nicht mehr frei über feine Verbindungen mit Nordafrika verfügen und mit zwei Panzerschiffen von je 35 000 Tonnen würde Italien zum Beherrscher des Mittelmeeres. Nach bewährter Methode beteuert dasselbe Blatt die Unschuld Frankreichs an diesem Wettrüsten im Mittelmeer. Aber in Rom wird man nur ein un­gläubiges Lächeln übrig haben für die Behauptung, daß die Schiffe vom Typ derDünkirchen" allein den Zweck hätten, in der Nordsee die deutschen Kreuzer vom Deutschlandtyp in Schach zu halten.

Auch die Engländer haben ja inzwischen eingesehen, daß es unsinnig ist, die britischen Luft­rüstungen mit derdeutschen Gefahr" zu begrün­den. Das glaubt ja doch niemand mehr. So wird die Nachricht, daß ein englisches Regie­rungsprogramm die Bildung von nicht we­niger als 5 0 neuen Flugzeuggeschwa­dern anordnet, ausdrücklich mit dem Hinweis ver­sehen, daß Großbritannien dann 1490 Militärflug­zeuge besitze, während die französische Luftstreit­macht aus 1650 Flugzeugen bestehe. Auch hier wird also durch die Praxis bewiesen, daß die Be­drohung des europäischen Friedens nicht von dem waffenlosen Deutschland, sondern von Frank­reich ausgeht. '

Das Interesse an dem Schutz des eigenen Volkes überwiegt in England und Italien das an sich natürliche Bestreben, ein fteundschaftliches Verhält­nis mit Frankreich beizubehalten. Das von den französischen Diplomaten häufig und gern ge­brauchte Wort von derSchwesternschaft der bei­den lateinischen Nationen" ist in Rom immer nur mit einer gewissen Zurückhaltung gehört worden. Der französische Freier, der mit solchen Liebes- werbungen die Gunst Italiens zu gewinnen suchte, muhte sich oft genug sagen lassen, daß zu den süßen Worten der hundertfältige harte Takt fran­zösischer Kriegsschiffsmotoren eine ebenso schlechte Begleitmusik 'bildete, wie das Rascheln der zahl­losen Vertragspapiere in den Kanzleien Osteuropas.

In Rom war man von der französisch-tür­kischen Annäherung, die die Wiederbefesti- oung der Dardanellen nur als vorgeschobenen Grund für den weiteren Ausbau des r u s s i s ch - f r a n - rösischen Paktsystems betrachtete erbaut. !>te1 1 zunehmende griechisch - tu rti [ ch - Freundschaft und die beginnende Annäherung Zwischen Südflawien und Bulgarien wie überhaupt der ganze B a l k a n p at t weitere Einengung der italienischen Machtsphare. Dazu kommt das russisch-französische Bündnis das durch die Anerkennung der Kleinen Entente eine weitere Stärkung erfahren hatt

Demgegenüber hat sich der römische Einfluß lm Osten Europas nicht in dem erhofften Maße ent wickeln können. Das Dreierabkommen mit Ungarn und Oesterreich kann immer nur

Wirkung h^ben, da der Weg der wntschaMchen Besserung diese beiden Länder mehr nach Deutsch­land a"s nach Italien weist, und die Auffassung, als

L österreichische Bundeskanzler als eine un- TaÄ in die italienische Rechnung " «AL

$1Igd)bern9neueDn Ri^esK

Nr Welt o7fe7sichtbar, Ls dichte Gewebe, unter dem Europa ersticken sollte.

Kulturelle Auswirkung der französisch­russischen Annäherung.

jssMn. e-tÄSJR |proch/'als Vfi"chtf*a ch "allen Schulen

beschlossen, während seit Abschluß h es Ra­pallo - Vertrages Deutsch Pflichtfach gewesen sei.

Frankreich erhöht nochmals seine Militärkredite.

Daladier für Beibehaltung der einjährigen Dienstzeit.

Paris, 13. Juni. (DNB.-Funkspruch.) In der Kammer ist der Bericht über die von der Regierung für Derteidigungszwecke beantragten Nachtrags- k r e d i t e verteilt worden. Die Kreditanforderun­gen, die zunächst 2980 Millionen Franken betrugen, find auf Grund gewisser von der Regierung vor­genommener Abänderungen auf 312 0 Millio­nen Franken gestiegen. Im Einzelnen setzen sich die Nachtragskredite aus folgenden Posten zusammen:

Kriegsministerium: 1275 Mill. Franks (früher 1175), und zwar 220 Mill, für die Artil­lerie und 1055 Mill, für die Pionier truppen.

Kriegsmarineministerium: 865 Mill. Franks (früher 825 Mill. Francs).

Luftwaffe: unverändert 980 Mill. Franks.

Die radikal-sozialistische Kammer­fraktion hat sich in einer am Dienstag unter dem Vorsitz des ehemaligen Ministerpräsidenten Chautemps abgehaltenen Sitzung auch mit der Frage der Verlängerung der Militär- dienstzeit beschäftigt. Der ehemalige Minister­präsident Daladier vertrat die Ansicht, daß d i e Grenzbefestigungen und die Art und Weise ihrer Besetzung die Beibehaltung der ein­jähriges Dien stz eit erlauben. Eine Reihe anderer Abgeordneter sprach sich im gleichen Sinne aus. Angesichts der weittragenden Bedeutung dieser Frage wurde beschlossen, Donnerstag vor der Kam­mersitzung noch einmal zusammenzutreten, um einen endgültigen Beschluß zu fassen.

Frankreichs VöndnispoM erzeugt italienische Gegenmaßnahmen.

England verstärkt seine Luftverteidigung.

London, 12. Juni. (DNB.)Daily Telegraph" meldet, die Regierung werde voraussichtlich in ab­sehbarer Zeit ein Programm für die Vergröße­rung der Luft st reit macht ankündigen, das die Bildung von nicht weniger als 50 neuen Flug- zeuggeschwadern vorsehen werde. Diese Verstärkung der Luftmacht würde in r e i bis fünf Jah­ren vollzogen werden. Insgesamt würde Groß­britannien dann 1490 Flugzeuge besitzen, während die Luftstreitmacht des benachbarten Frankreich aus 1650 Flugzeugen bestehe. In Kreisen des Foreign Office herrsche die Auffassung, daß die Vertagung der Abrüstungskonferenz auf unbe­stimmte $eit keine andere Wahl lasse, als das im vorigen Monat von Baldwin gegebene Versprechen zu erfüllen.

Daily Telegraph" schreibt weiter über die Gründe der italienischen Regierung für den Bau der beiden Schlachtschiffe: Litwinows sogenannte Friedens­pakte haben die Aussicht auf eine mühelose Rege­lung der französisch-italienischen Meinungsverschie­

denheiten hinsichtlich der Gleichheit zur See bei den im nächsten Jahre fälligen Verhängungen zerstört. Sie haben tatsächlich die Unsicher­heit im Mittelmeer wiederhergestellt. Italiens Beschluß, zwei riesige Kriegsschiffe auf Stapel zu legen, ist das direkte Ergebnis der neuen von Litwinow geforderten Koalition zwischen Frankreich, der Türkei, Sowjetrußland und der Kleinen Entente. In den letzten Monaten waren die Beziehungen Italiens zu Frankreich so eng und herzlich geworden, daß in Italien Neigung bestand, Frankreich von der Liste der möglichen Feinde zu streichen. Kein Land, nicht einmal Italien selbst, würde Frankreich gegenwärtig Angriftsabsichten gegen Italien zuschreiben. Wenn aber das vorge­schlagene Bündnis zwilchen Frankreich, Ruß­land, der Türkei und den Balkanstaaten ratifiziert werde, dann könnte Frankreich leicht in einen Streik zwischen Italien und Italiens Feinden unter den Balkanstaaten hineingezogen werden.

Gegen eine Restauration der Habsburger.

Südflawien interpelliert in Paris.

Paris, 12. Juni. (DNB.) Der südslawische Außenminister Ieftitsch befindet sich in Paris, um mit B a r t h o u über die politische Lage in Südofteuropa zu sprechen.Oeuvre" will wissen, daß die Frage einer Restauration der Habsbur­ger in Oesterreich in den Verhandlungen eine große Rolle spielt. Von einer Einsetzung Otto von Habsburg könne keine Rede fein. Aber vielleicht denke man an ein Zwischen st adium, bei dem Erzherzog Eugen Präsident Miklas ablösen würde, eine Lösung, die gewisse Kreise mit dem Verbot, das die Botschafterkonferenz 1922 erlassen hat, in Uebereinstimmung bringen wollen. Die Bot­schafterkonferenz untersagte nur die Uebertragung der leitenden Macht in Oesterreich und Ungarn an einen Habsburger. Südflawien und die

Tschechoslowakei würden in einem solchen Fall allerdings die diplomatischen Bezie­hungen zu Oe st erreich abbrechen. Wenn das nichts nützen sollte, würden sie bis z u r Mobil­machung schreiten. Barthou soll ebenfalls gegen eine Wiedereinsetzung der Habs­burger und geneigt sein, die Kleine Entente zu unterstützen. In der Habsburger Frage könnte, so bemerkte das Blatt, Jeftitsch auch mit Berlin verhandeln, wo man ebenso wenig wünsche, die Habsburger auf dem Thron zu wissen wie Frank­reich.Ordre" erblikt in den Verhandlungen des südslawischen Außenministers ein Anzeichen dafür, daß die französische Regierung die Politik des Aus­baues der Bündnisse weiter verfolge.

Schwere Ausschreitungen in St.Güenne.

Marxisten bauen Barrikaden und greifen die Polizei an.

Paris, 13. Juni. (DRV. Funkspruch.) Am Dienstag fanden in Warseille und St. Etienne Kundgebungen der VereinigungFeuerkreuzler' statt. In St. Etienne kam es dabei zu schweren marxistischen Ausschreitun­gen. Die Ankündigung der Kundgebung derJeucr- kreuzler" hatte alle links st ehenden Ver­bandevon St Etienne zu einer Gegen­kundgebung bestimmt, an der auch die An­hänger der marxistischen Gewerkschasten teilnahmen. Trotz umfangreicher Absperrungen durch die Polizei, die durch berittene republikanische Garde und Gendarmerie verstärkt worden war, versuchten die Demonstranten, die sich auf dem Rathausplah versammelt hatten, in das Lichtspieltheater einzu­dringen, in dem dieFeuerkreuzler" ihre Versamm­lung abhielten.

Die Marxisten warfen zwei Straßen- bahnwagenumund errichteten an verschiedenen Stellen in der Stadt Barrikaden, wobei ihnen Bretterzäune, Plakatwände und die Gitter vor dem Handelskammergebäude als Material dienten. Die Polizei, die republikanische Garde und die Gendar­merie wurden fortgesetzt von der Menge mit Steinen und herausgerissenen Bau­sch u tz g i 11 e r n b e w o r f e n. Auf offener Straße wurde aus zusammengetragenen Brettern e i n

grohes Feuer angezündet. In mehreren Kaffeehäusern wurden die Schaufensterscheiben ein­geschlagen. Auf feiten der Demonstranten sind 35, auf feiten des Ordnungsdienstes fünf Verwundete zu verzeichnen. Trotz der schweren Ausschreitungen machte die Polizei von der Schuhwaffe nicht Ge­brauch. Ls wurden 50 Verhaftungen vorgenommen.

Die Versammlung der Feuerkreuzler in Marseille verlief ohne Zwischenfall. Der erste Präsident der Vereinigung Oberst de la Rocque hielt vor 3000 Zuhörern eine Rede, in der er u. a. ausführte: Dir wollen nicht Wähler gewinnen, sondern wir wol­len Männer. Wir wollen etwas Neues schaffen, nämlich die Klassenbrüderlich­keit, die allein Frankreich wieder aufbauen kann. Wir wollen den ern st haften Frieden nach außen und im Innern, einen Frieden der Ein­tracht. wir werden diejenigen ins Nichts zurück- ftohen, deren Programm darin besteht, Zwietracht unter den Franzosen zu säen. Seit 1918 hat die Rechte ebenso wie die Linke das Land verraten. Da wir über dieser Einteilung von rechts und links stehen, sind wir am 6. Februar bei den Kund­gebungen in Paris auf hie Straße gegan­gen.

Oer Giaaisjugendtag.

Der Reichsjugendführer Plant auch Ein­beziehung der Jungarbeiterschaft.

Berlin, 12. Iuni. (DNB.) Die NSK. ver­öffentlicht eine Unterredung mit dem Reichsjugend­führer von Schirach über die Entstehung des Staatsjugendtages und die in feinem Rahmen be­absichtigten Maßnahmen. Dabei betonte Baldur von Schirach u. a.» daß die Grundidee des Staats- jugendtages auf den Führer selbst zurück­blicke und wies besonders darauf hin, daß nur die Mitglieder der HI. vom Unter­richt am Staatsjugendtag befreit fein würden. Er befaßte sich dann noch eingehend mit der Frage der Ausdehnung des Staats- fugenötages auch auf die Jungarbei­te rfcha ft. Die HI. bestehe zu 80 v. h. aus Jungarbeitern, die den Staatsjugendtag auch kör­perlich am nötigsten haben. Die Reichsjugendfüh­rung sehe daher ihre Aufgabe darin, auf eine Aus­dehnung des Staatsjugenötages auf alle Ju­gendlichen vom 10 bis zum 18. Cebens- jahr hinzuwirken. Der Staatsjugendtag solle die deutsche Jugend von den Schulbänken und den Fabriken wegführen. Er solle ihnen körperlichen Ausgleich schaffen und so nicht nur zur praktischen Erziehung, sondern auch zur körperlichen Gesunderhaltung der Heranwachsenden Ju­gend dienen. Der Staatsjugendtag solle so ein Sport- und Wandertag werden. Außer dem Sams­tag, der voll der Arbeit der HI. zur Verfügung siehe, solle in Zukunft nur noch der Mitt­wochabend mit HI. - Dien st belegt wer­den. An diesem Abend würden die Heimabende bet HI. abgehalten werden. Es sei geplant, diese Heimabende durch Rundfunkübertragung der Ab­teilung Rundfunk der Reichsjugendführung zentral für das ganze Reich auszugestalten.

Gemeinschaft des Opferns."

Die Volksdeutsche Forderung für die Sammeltage des BDA. am 16. und 17. Juni 1934.

Die Reden, die auf der großen Pfingst- tagung des VDA. in Mainz und Tier gehal­ten wurden, gipfelten alle in der Forderung, daß die neu erstehende Volksgemeinschaft aller Deut­schen dies- und jenseits der Grenzen ihren Sinn nur erfüllen könne, wenn sie auch eine Ge­meinschaft des Opferns fei.

Man muß den Kampf um deutsches Volkstum auch nach innen verlegen. Man muß die Opfer, die an den Grenzen des Volkstums in ständig har­tem Kampf von Millionen Volksgenossen gebracht werden, ergänzen und auswiegen durch Opfer, die das deutsche Volk im Inneren freiwillig auf sich nimmt. Daß solche Opfer oft nur materieller Art sein können, vermindert nicht ihren idellen Wert. Denn es ist ja so, daß die Stärkung der deutschen Außenfront nicht erfolgen kann durch eine ledig­lichidelle" Unterstützung etwa durchgutes Zu; reden". Eine Bestärkung im Glauben, in der inne­ren deutschen Haltung haben gerade die Grenz- und Ausländsdeutschen am wenigsten nötig. Nötig haben sie die friedlicheAufrüstung" mit allen den Waffen, mit denen sie sich einer gewallten Ver­kümmerung der deutschen Seele erwehren können. Nötig haben sie Bücher, Zeitschriften, geistige Nahrung in jeder Form, vor allem aber Schulen für deutsche Kinder, die sonst fremdsprachige Schulen besuchen müßten, nötig haben sie die geistige Fortbildung der Er­wachsenen bitter nötig haben sie all diese für den Binnendeutschen so selbstverständliche Verbin­dung mit dem geistigen Leben der Nation, die aus dem Einzelmenschen erst das miterlebende, tätige Glied der Volksgemeinschaft macht.

Solches Rüstzeug den Ausländsdeutschen zu ver­mitteln, ist die unendlich große, geschichtliche Auf­gabe des VDA. Wenn er in diesen Tagen des­halb wieder zum Opfern aufruft, appelliert er nicht an die Mildtätigkeit der Volksgenossen im Reich, sondern an eine Pflicht des Opfern, die jeder übernommen hat, der sich der großen Auf­gabe des deutschen Volkes, sich und seine Art zu erhalten, bewußt geworden ist.

Deutscher Protest in Madrid.

Unterbindung der marxistischenPressehetze.

Madrid, 12. Juni. (DNB.) Der deutsche Bot­schafter in Madrid hat am Dienstagmittag dem spanischen Unterftaatssekretär im Außenministerium der stellvertretende Außenminister befindet sich bei den Flottenmanövern eine Protestnote überreicht und Genugtuung für den Ueber- fall auf die deutsche Kolonie gefordert. Der Unter- staatssekretär brachte sofort das Bedauern der spanischen Regierung sowie sein eigenes über den Vorfall zum Ausdruck. Wie verlautet, ist in diesem Zusammenhang auch von einer Aktion gegen b i e bürgerliche unb marxistische heh- presse gesprochen worden, die gerade jetzt wieder die Forderung auf Freilassung von Thälmann zum Vorwand nimmt, in geradezu unerhörter Weise Deutschland anzugreifen. Ls ist anzunehmen, daß die von der Regierung verhängte Preffezensur ihr die Gelegenheit geben wird, solche Aus­wüchse künftig zu unterbinden.

Die deutsche Kolonie hat der Madrider Presse eine Erklärung über den Vorfall übergeben, der