Kr. 86 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Freitag, (3. April 193<
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Von unserem römischen E.-Korrespondenten
R o m im April 1934.
geworden ist!
Gewiß viele Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte sind Teile der überaus herrlichen Gemäldekomposition durch alle Welt gewandert. Die Schöpfung der Bruder van Er) cf ist zwar bis auf einen Gemalde- abschnitt erhalten geblieben und auch wieder zusammengefügt worden, aber vor dem Jahre 1920 konnte man noch sehr wichtige Stücke in den bedeutenden Museen der Welt sehen. Das Meisterwerk der niederländischen Maler hat seine rechte Bedeutung wiederbekommen, als es in der Kathedrale St. Bavo erneut zur Aufstellung kam. Teile
3um LSO. Todestage Nicolo Amatis am 13. April.
Don Hans Sturm.
Sechs Dutzend Journalisten ^)er Meister der singenden Geige
werden vom Papsi empfangen
In Geilt wurden, wie bereits ausführlich berichtet, in der Kirche des hl. Bavo zwei Flügelbilder des mehr als ein halbes Jahrtausend alten berühmten Altargemäldes der Bruder Hubert und Jan V a n E y ck gestohlen. Es ist völlig rätselhaft, aus welchen Gründen dieser sensationelle :Haub begangen wurde, zumal es den Dieben unmöglich ist, ihre Beute abzusetzen, ba me Werke der Brüder Van Eyck in der ganzen Welt bekannt sind. — Unser Bild zeigt links „D' e unbestechlichen Richter", rechts „Johannes der Täufer"
weitergegeben. . , r v ...
Eines Tages glückte ihm em besonders schon tun- gendes Instrument, das er einem gerade bei ihm weilenden Geigerlein zeigte; der spielte es und rief beglückt aus: „Das ist die singende Geige!" Aus Freude hierüber schenkte Amati sie ihm, und der Musikus zog erfreut kreuz und quer durch Italien — es war ein Deutscher — und dann nordwärts in seine schwäbische Heimat. Aber in der Heimat verlor die Geige ihren vollen dunklen Ton.
Wir sind bereit.
Und die rotdamastene Tür geht auf, goldgestickte Uniformen treten ein, Helme blitzen, jene malerischen Achilleshelme, die von den französischen Kursieren wie von den italienischen Dragonern und päpstlichen Nobelgarden übernommen wurden, zwei davon flankieren den Thron, em Scharlachmantel läßt sich zur Rechten, ein Scharlachmante Zur sinken nieder, und schneeweiß, weißer als unser Hindu steht inmitten der mittelalterlichen Pracht der Papst der Neuzeit, Pius XI. .
Das biblische Alter längst überschritten em he Ui- aes Jahr mit seinen unendlichen Mühseligkeiten hin ter sich. er bleich und anscheinend °i°°e =
Generalfeldmarschall vonMackensenam Grabe des verstorbenen Heerführers Hinter dem Feldmarschall der Stellvertreter des Führers Relchsmimster Rudolf Heß.
davon, die für das Verständnis des Kunstwerkes I besonders bedeutungsvoll waren, befanden fijf) auch I im Besitz des Kaiser-Friedrich-Museums in Berlin;! sie mußten, wie erinnerlich, von uns ausgeliefert I werden, weil Belgien es verstand, seinen Anspruch! auf diese wertvollen Gemälde in den Versailler I Friedensvertrag einzubauen. Heute noch sehen wir im Museum aus dem alten Platz der Ältarflügel ein Schild, das den Verbleib des Kunstwerks meldet.
Wir sagten es schon: Auch das gestohlene Altarbild ist unschätzbar in seinem Werte. Und da jeder Kunstliebhaber in der Welt von dem Diebstahl weiß, ist es an sich undenkbar, daß die Diebe den wichtigen Flügel verkaufen könnten, selbst wenn es gelungen sein sollte, mit dem kostbaren Gute über die Grenze zu fliehen. Höchstens, daß ein Fanatiker des Kunstbesitzes sich dafür eingesetzt haben könnte, durch Diebstahl das Kleinod in seinen Besitz zu! bringen, ohne ihn mit jemand teilen zu müssen. So etwas ist schon vorgekomen. Das berühmte Gemälde der „Mona Lis a" von Leonardo da Vinci aus dem Louvre in Paris hat vor Jahr und Tag ein ähnliches Schicksal erlebt, es wurde geraubt und blieb spurlos verschwunden, bis es den Räubern des Bildes allmählich doch bange wurde. Wir wollen beim Genter Altar nur hoffen, daß die Diebe die Kostbarkeit nicht beschädigen und daß es der Polizei gelingt, ihnen den Raub möglichst schnell wieder
Wenn ein Kunstwerk vom Range
Altars auf so schwere Art beraubt wird, so ist das keine Angelegenheit der geschädigten Kirche allein. Auch über die Interessen des Landes reicht der Vorfall hinaus: die ganze Welt beschäftigt sich mit diesem frechen und vollkommen unverständlichen Diebstahl. Denn der sogenannte Genter Altar, der in der Kathedrale St. Bavo nach jahrhundertelangen Irrfahrten seine Stätte fand, ist eins der monumental st en Stücke altdeutscher A l t a r k u n st . dessen Wert eigentlich nur nach sehr unsicheren Maßen abgeschätzt werden kann. Belgische und französische Künstler nennen einen Betrag von rund zwei Millionen Mark als angemessenen Preis für das Kunstwerk. Aber wie will man diese Zahl errechnen, wenn es in der ganzen Welt keinen Käufer dafür geben kann weil das Altargemälde eben unverkäuflich
sich selbstgefällig im gleichfalls prahlenden Marmor; der Thron auf zinnoberroten Stufen, purpurner Baldachin darüber ...
Knien oder nicht, das tft nun die Frage. Wir vertreten fünftausend Zeitungen in aller Welt, der Vatikan weiß es; weiß aber auch, daß wir kirchenfreundliche und kirchenfeindliche Staaten vertreten, um in der Berufssprache zu bleiben, daß wir ein schreckliches Sammelsurium sind von Christen der verschiedensten Farbe, von Juden und Heiden, Orient und Asien nicht zu vergessen, so wenig wie die „Neuheiden", über die erst gestern der Vatikan die Schale seines Zornes leerte. Ja, und während sich noch einige mit ihrem Gewissen auseinandersetzen, um sich zu informieren, so ober so, kommt ein Diplomat bes päpstlichen Hofes, Dreispitz unterm reichbestickten Aermel unb sagt: Also, meine Herren, chacun ä son goüt! Das entwaffnet, das verpflichtet. Soll man sich etwa als Gast von den Haussitten bes Gastgebers ausschließen? Die braunen Schuhe brücken sich beschämt an bie Wand, über bie braunen Strümpfe ein hüllenber Pelz.
ihn einmal babei überraschte unb meinte, bei ihm lerne er doch tagsüber genug vom Geigenbau, meinte Nicolo versonnen, in der Werkstatt lerne er die Form, er aber suche den Gesang der Geige.
Tag für Tag spürte er in den dunklen Gesetzen des Saitenklangs nach und merkte sich jedes Wort, das er hierüber hörte oder in verstaubten Folianten fand. So hing über feinem Arbeitstische der Spruch eines alten unbekannten chinesischen Dichters:
„Gebete, Gong und Saitenspiel
Weisen der Sonne Weg und Ziel." Größten Wert legte er auf die Auslese und den Jahrgang des Holzes, untersuchte die Bedeutung der uueräfte in den Böden und Decken, erprobte die Stärke und Glätte der dünnen Holzblätter, bered) nete die Wölbungen und Ausbuchtungen, denn gewölbte Geigen klingen zarter, flache dagegen voller; und nicht zuletzt ist der Lack mitbeftimmenb für einen guten Klung, ja selbst vom Steg hangt vieles für den Wohllaut eines Instrumentes ab. Immer wieder fragte er sich: liegt es an der Aederung des Holzes, an der Brechung der Linien oder an den verschiedenartigen Einschnitten, und kam zu Erkenntnissen und Einsichten, die er leider nicht aufzeichnte, sondern nur einigen feiner Schüler anvertraute; diese haben sie nicht
Sieben Tage nach Beendigung des heiligen Jahres auf die Stunde genau eine Woche, nachdem er die Porta Santa zugemauert hatte, rief der Papst die ausländischen Pressevertreter zu sich. So ohne weiteres vor den Pontifex zu treten manchem von uns kam es doch etwas überraschens Wir stehen vor Königen und Volkstribunen, wir sind auf den Internationalen Konferenzen zu Hause und kommen in wichtige Privatgcmacher, dem einen ober dem anderen ist es schon gegluckt, ^l^i Interview mit dem Duce zu haben, und vom Schreibüsch des Diktators weg nach München 3» fahren, um zwischen zwei Zügen eine Stunde mit Hitler au Sein, als das noch gefährlich war nun ^avon stt nicht viel Aufhebens zu machen das brmqt
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Die großen Geigenbauer sind Besessene ihres Berufes, ihrer Kunst, die kaum erlernt werden kann, weit eher vererbbar ist, wie die Geschichte der berühmten Familie Amati in Cremona beweist. Der Begründer dieser Geigenbauerdynastce war Andrea Amati, der um 1560 feine ersten großen Erfolge mit seinen Instrumenten hatte; unter Antonio und Hieronimo überflügelten die Amati die Werkstätten der Magini, Bergonzi und anderer Meister von Cremona und Brescia; und der genialste Geigenbauer nicht nur aus dieser Familie, sondern seiner Zeit überhaupt war Nicolo Amati, der vor nun 250 Jahren starb.
Von der Jugend Nicolos wissen wir wenig. Früh schon mußte er in der Werkstatt helfen, das Holz zerschneiden, die rauhen Seiten unb Kanten mit Zugeisen und Feile glätten, den Zargenkranz zusammensetzen und Boden und Decke aufleimen. In den Abendstunden blieb er oft allein in der Werkstatt, hockte vor einem alten Bücherschrank unb blätterte in einer verstaubten Chronik, in ber von ber Entstehungsgeschichte der Geige erzählt wurde; ihre Form soll auf das früheste indische Saitenspiel, das Ravanastron, zuruckzusuhren sein. Dieses primitive Instrument bestand aus einem Stock, an dessen Ende ein kleiner runder Kasten angebracht ist, über den zwei an den beiden Stockenden befestigte Saiten laufen; von den Arabern wurde es in dem Rabab, der Urgeige, weiterausgebildet. Das Rabab hat an Stelle des langen Stockes nur einen kurzen Hals, aus ber kleinen Sykomorenholzrolle ist ein geräumiger, nach oben sich verjüngender Kasten geworden; dann lösen sich die starren Geraden auf, die Ecken runden sich, und um das Jahr 1500 ist die Geige n- form da, wie sie heute noch üblich ist. Dieses
des Generaloberst von Einem
seine Zeitung, und platzt heraus: Eine sehr schwierige Zeit jetzt! Der Papst ist ganz still und ganz Ohr. Die braunen Strümpfe stammen aus einer rammen deutschen Stadt und ihre Trägerin per« ichert: Eine katholische Zeitung! Von Reval mochte )er Papst mehr hören, dann unterhält er sich langer mit dem Inder — ach, für diejenigen, die päpstlicher als der Papst zu sein pflegen und schon die heiligsten Belange gefährdet glauben, wenn ein „Ketzer" nur vatikanischen Boden betritt, wäre das Schauspiel keine reine Freude gewesen.
Und ber Statthalter Christi setzt sich auf den Thron, Schneeweiß in Purpur, die Nobelgardisten salutieren, er breitet die Arme aus und spricht als moderner Mensch zu dieser bösen, sündigen Presse. Wenn das heilige Jahr ein so unendlich großer Erfolg gewesen sei, wenn es in der ganzen Welt Widerhall gefunden habe, wem sei es zu verdanken? Zum großen Teil nur uns, den ausländischen Pressevertretern in Rom! Wir stehen vor dem Papst und hören es gern. Er freue sich, mit jedem einzelnen von uns persönliche Bekanntschaft gemacht zu haben. Dann entwickelte er in langer, freier Rede Gedanken, die jeder Protestant unterschreiben konnte, und am Schlüsse, bevor er den Segen erteilt, erklärt er erst mit unendlichem Feingefühl für die Andersgläubigen, was es mit dieser Benediktion für eine Bewandtnis habe. Wer sie im liturgischen Sinne nicht annehmen könne, möge sich nur an die wörtliche Bedeutung halten: Gutes zu sagen und zu wünschen, allen von uns ohne Ausnahme, unseren Lieben zu Hause und unseren Volkern und Nationen, das wolle er damit.
Also sprach Pius XI. Wer von uns, wer hatte einen Einwand gefunden? Ein Interview, nein, ein Interview war diese vatikanische Sensation nicht. iWohl aber ein verstehender Blick in die Augen
schauen klare, verständige und kluge Augen, und wie er uns so ansieht--beugt alles wie von
selber das Knie. Keinem ist dadurch eine Perle aus der Krone gefallen.
Und als sich die Hand mit dem Fifcherring vor jedem einzelnen ausftreckt, weicht keiner Zurück, viele aber küssen ihn gläubig und inbrünstig wie Pilger. Schließlich — sind wir nicht alle bloß Pilger auf diesem unruhigen Stern?
Vielleicht ist jener Typ des amerikanischen Reporters unter uns, für den das Haupt der katholischen Christenheit eben auch bloß ein big man ist, der sensationell aufgemacht werden kann, wenn es zu einem interessanten Gespräch kommt, und jetzt bietet sich die Gelegenheit dazu! Aber wiederum wie von selber weiß jeder plötzlich, wenn er es nicht schon berufsmäßig heraus hatte: Souveräne dürfen niemals gefragt werden. Wer eine Audienz hat, darf nur antworten. Was, das ist weniger ein Problem als das Wieviel und Wielange; da muß der Takt I Berater fein. Und es wäre doch sicher nicht taktvoll, wenn ick an unsere erste Bekanntschaft anknüpfen «würde, damals, als ich bei der Krönungsfeier so dicht vor dem Altar der Peterskirche stand, als es eben ging, und, schrecklich zu gestehen, während der I heiligen Handlung verstohlen einen Bleistift zog, I worauf mir ein Schweizer die Hellebarde in die I Seite stieß. Oder wäre als Anknüpfungspunkt etwa die intime Szene im Casino der vatikanischen Gärten möglich, als der Papst nach der Einweihung Iber Radiostation wie ein guter Onkel ein Geschenk Inach dem andern aus seiner Tasche zog und Mar- I coni vor Rührung ganz verdattert war? Ich bekam nichts als Stoff zu einem Feuilleton. Dann ist da I jener herrliche Thronwagen, den eine fremde Autofabrik dem Papste schenkte; da durfte ich Dolmet-
%lein, das geht alles nicht, heute sind wir Jour- eines Mannes der unserem Beruf nicht fernsteht, nalisten, ich nenne nur meine Zeitung. Und der der Tag für Tag seine Aufgabe erfüllen und eine Fifcherring gleitet zum zweiten. Der nennt auch | Mission verteidigen mutz.
Der Genier Mar.
Rätselhafter Diebstahl. - Ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert. Erinnerung an die „Mona Lisa".
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