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Nr. 61 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 13. AM M4

Oie Förderung des Kleinwohnungsbaus.

Das Baujahr 1933 hat zu einer beträchtlichen Steigerung des Wohnungsbaues geführt. Insbeson­dere hat die private Bautätigkeit infolge des systematischen Kampfes der Reichsregierung gegen die Arbeitslosigkeit eine kräftige Belebung er­fahren. Sie zeigte im Jahre 1933 drei besondere Merkmale. Erstens ist die Wohnungs u m b a u - tätigkeit in starkem Maße erweitert worden. Da­neben hat aber auch der Wohnungs n e u b a u zu­genommen, und zwar in der Hauptsache in der Richtung einer Steigerung des Kleinhausbaues. Drittens endlich ist die Bautätigkeit privater Bau­herren, die lange Zeit hindurch gegenüber der öffentlichen Bautätigkeit sehr an Bedeutung ver­loren hatte, im letzten Jahre wieder mehr in den Vordergrund getreten.

Von diesen drei richtunggebenden Tendenzen des Wohnungsbaus ist die Zunahme des Baus von Eigen - und Kleinhäusern am bedeu­tungsvollsten. Sie hat dazu geführt, Laß die Fertig­stellung von neuen Wohnungen trotz erheblicher Einschränkung der Bautätigkeit der öffentlichen Hand im Jahre 1933 gegenüber der im Jahre 1932 erreichten Leistung noch beträchtlich zugenommen hat. Ihr ist es insbesondere zu verdanken, daß die privaten Bauherren wieder einen großen Teil der Finanzierung des Wohnungsbaus übernommen und dadurch die öffentliche Hand ent­lastet haben. Während im Jahre 1931 unter je hundert Wohnungen 65,9 v. H. von öffentlichen Körperschaften und gemeinnützigen Bauvereinigun­gen, dagegen nur 34,1 v. H. von privaten Bau­herren errichtet worden waren, stieg der Anteil der von Privaten erbauten Wohnungen im Jahre 1932 auf 44,2, im Jahre 1933 auf 55,6 v. H. Das Ver­hältnis hat sich also zugunsten der privaten Bau­tätigkeit verschoben. Das Vordringen des Klein- haüsbaus hatte ferner auch zur Folge, daß im letzten Jahre nicht mehr überwiegend kleine Woh­nungen mit ein bis drei Wohnräumen, sondern wieder mehr Mittelwohnungen mit vier bis sechs Wohnräumen gebaut wurden, denn der Eigenheimbau pflegt diese Wohnungsgrößen zu be­vorzugen.

Wie große Fortschritte der Einfamilien- und Eigenheimbau im Jahre 1933 gemacht hat, läßt sich aus der Wohnungsbaustatistik sehr deutlich erkennen. Von insgesamt 23 300 fertiggestellten Wohngebäu­den waren nicht weniger als 81 v. H. Klein­häuser und 74 v. H. Einfamilienhäuser. Im Jahre 1934 wird zweifellos der Kleinhausbau noch stärker als im vorigen Jahre vorwiegen, denn ihm wird nunmehr auch die Förderungstätigkeit des Reichs in erster Linie zuteil werden. Nachdem im Winterhalbjahr aus jahreszeitlichen Gründen vor allem die Wohnungsinstandsetzungen und Woh­nungsteilungen durch Reichszuschüsse gefördert wor­den sind, werden im Frühjahr und Sommer die öffentlichen Mittel wieder kräftig für die Förderung des Neubaus von Kleinhäusern eingesetzt werden. In einer Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 27. Februar d. I. sind neue Bestimmungen für die Uebernahme von Reichsbürgschaften zu Gunsten des Kleinwohnungsbaus erlassen wor­den. Nach diesen Richtlinien für das Baujahr 1934 sollen der Bau von Einzelfamilienhäusern und der Bau von Kleinwohnungen in Geschoßbauten gleich­mäßig gefördert werden. Dabei sind als Einfamilien­häuser solche Wohnhäuser anzusehen, die der Eigen­tümer entweder selbst als Eigenheim be­wohnt oder vermietet. Er darf auch neben der von ihm selbst benützten noch eine zweite zum Vermieten bestimmte Wohnung errichten. Die nutz­bare Wohnfläche soll in Einfamilienhäusern in der Regel nicht mehr als 100, höchstens aber 120 Quadratmeter für jede Wohnung betragen. Für Kleinwohnungen in Geschoßbauten ist nur eine

Wohnfläche von 75, höchstens 90 Quadratmeter zu­lässig. Für alle mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnungsbauten dürfen nur deutsche Bau- stofse verwendet werden. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn geeignete inländische Baustoffe nicht vorhanden sind, oder wenn ihre Verwendung zu einer unverhältnismäßigen Verteuerung der Bau­kosten führen würde. Wer eine Reichsbürgschaft für sein Bauvorhaben erhalten will, muß mit dem Be­ginn des Baus und der Vergebung der Arbeiten warten, bis die Entscheidung über die Uebernahme der Reichsbürgschaft gefallen ist, da diese für bereits begonnene Bauten nicht geführt wird.

Wer für ein Bauvorhaben Reichsbürgschaft in Anspruch nehmen will, muß nachweisen, daß er ein Eigenkapital mindestens in Höhe des Wertes des aufgeschlossenen Bau­grund st ücks besitzt. Er erhält dann ein zu ver­bürgendes Darlehen in Höhe von 75 v.'H. des Bau- und Bo den wertes, das hypo­thekarisch sichergestellt werden muß. Die Darlehen sollen bei Einfamilienhäusern höchstens 5000 Mark oder, wenn eine zweite Wohnung eingebaut wird, höchstens 7000 Mark betragen. Bei Geschoßwohnun- gen dürfen sie den Betrag von 3000 Mark für jede

erstellte Wohnung nicht übersteigen. Für erststellige Hypotheken innerhalb der üblichen Beleihungshöhe wird eine Reichsbürgschaft nicht übernommen. In der Regel wird der Eigentümer also an erster Stelle eine private Hypothek und erst an zweiter Stelle das mit Reichsbürgschaft versehene Darlehen aufnehmen müssen. Dieses muß mit mindestens 1 v. H. jährlich zuzüglich der ersparten Zinsen ge­tilgt werden. Der Zinssatz darf den landes­üblichen Zinsfuß nicht überschreiten. Anträge auf Uebernahme einer Reichsbürgschaft sind bei der obersten Landesbehörde oder der von dieser be­stimmten Stellen, gleichzeitig aber auch bei der Deutschen Bau- und Boden.bank-AG. in Berlin zu stellen. Den Anträgen ist ein Plan des Bauvorhabens und seiner geplanten Finanzierung beizufügen.

Die neuen Bestimmungen für die Förderung des Kleinwohnungsbaus durch Uebernahme von Reichs­bürgschaften, in denen die Erfahrungen' des vorigen Jahres bereits ausgewertet sind, werden dem Woh­nungsbau wieder kräftige Anregungen geben. Die Bautätigkeit wird in der bevorstehenden Bausaison aller Voraussicht nach die vorjährige noch über­steigen.

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Rudolf Heß in seiner Maschine im Gespräch mit dem Führer des deutschen Luftsports, L o e r z e r. In der Mitte: Die Gattin des Stellvertreters des Führers.

Leipziger Allerlei.

Oie deutsche Technik beschenkt das arbeitende Volk.

Von unserem D

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wird wieder eine große Auswahl technischer Neuig­keiten gezeigt, die für die verschiedensten Anwen­dungsgebiete wie Handwerk, Büro und Haushalt bestimmt sind. Aus der Fülle der praktischen Ge­genstände soll hier ein Ausschnitt gegeben werden.

Bei den

handwerklichen Geräten

fällt zunächst auf, daß aus vielen Werkzeugmaschi- 'nen Maschinenwerkzeuge geworden sind, die, von einem geschickten Arbeiter bedient, erstaun­liche Leistungen verrichten können. Als Antrieb be­

.-Berichterstatter.

nutzen sie zumeist elektrischen Strom oder Preßluft. Für die Bearbeitung von Metall stehen elektrische Gewindeschneider und Schleifmaschinen, Schrauben­zieher mit selbsttätigen Schraubengreifer und Schabewerkzeuge, die wie eine Feile wirken, zur Verfügung. Es finden sich Schleiswerkzeuge, die in der Minute bis zu 50 000 Umdrehungen machen, und solche, die auf 30 und mehr verschiedene Dreh­zahlen einstellbar sind. Ein elektrischer Hand- f r ä s a p p a r a t ist für die Bearbeitung von Holz bestimmt. Anstreicher und Kunstmaler können sich jetzt kleiner Kompressoren bedienen, die in Verbin­dung mit Farbspritzpistolen den Pinsel ersetzen. Die

Baldur von Schirach vor denLungarbeitern des Ruhrgebiets

Der Reichsjugendführer (X) bei seiner Ansprache vor dem Kokereiplatz der ZecheFriederich Ernestine" in Essen-Stoppenberg.

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Betonmischung bei kleineren Maurerarbeiten wird in Zukunft nicht mehr mit der Hand, sondern mit einem Betonmischer vorgenommen, der durch ein Handrad bedient wird. Auf diese Weise ist, so wie bei den großen, motorisch angetriebenen Misch­maschinen, eine innige Vermengung von Zement, Sand und Wasser gesichert, von der ja die Güte des Betons abhängig ist. Die Trommel faßt 75 Liter und ist zum Kippen eingerichtet, so daß der fertige Beton leicht in einen Schubkarren entleert werden kann.

Für alle diejenigen, die ein Fahrrad besitzen und sich einen Hilfsmotor nicht leisten können, gibt es jetzt

ein halbes Fahrrad mit Motorantrieb

zu kaufen. Das ist ein motorisiertes Vorderrad, in das auf der Achse ein ganz kleiner Zweitaktmotor mit Vergaser, Getriebe, Bremsen und allem Zu­behör eingebaut ist. In der Höhe der Lenkstange be­findet sich der Benzintank. Man nimmt einfach von dem gewöhnlichen Fahrrad die Vordergabel mit dem Vorderrad heraus und setzt dafür dieses moto­risierte Vorderrad ein. Eine Trennung von dem bisherigen Fahrrad ist also nicht nötig.

Hat man auf dunkler Straße mit seinem Motor­rad oder Auto eine Panne, so sucht man zunächst nach der Taschenlampe und stellt dabei zu seinem Aerger oft genug fest, daß die Batterie verbraucht ist. Eine solche Verlegenheit erspart uns künftig eine Taschenlampe, die an Stelle der Batterie eine kleine Dynamomaschine enthält. Durch einen

Henny Porten persönlich.

Mutter und Kind" im Lichtspielhaus.

Haben Sie schon mal mit Henny Porten Tee getrunken? Aber ich! Denken Sie mal an: sogar in Gießen, im Schütz. Es war übrigens gar kein Tee, sondern Kaffee, aber Tee klingt ja besser, nicht wahr? Eine sehr reizende halbe Stunde, dieser Presseempfang im kleinen Kreise, und Henny Porten ist eine scharmante Frau, nicht nur auf der Leinwand, sondern erst recht aus allernächster Nähe. Mit Kaffeetrinken allein ist es ja nun aller­dings auch nicht getan, denn Sie wollen doch sicher wissen, wovon wir uns unterhalten haben. Da möchten wir gleich sagen, daß aus dem üblichen Frage- und Antwort-Spiel, wie sich das seit Adams Zeiten bei Presseempfängen mit berühmten Leuten abwickelt, nichts geworden ist. Henny Porten hat jedenfalls von ihrer Berühmtheit liebenswürdiger­weise keinen Gebrauch gemacht, sondern sie hat sich in aller Frische und Natürlichkeit zu uns an den Tisch gesetzt und zu erzäblen angefangen, ohne daß wir viel zu fragen brauchten.

Gießen hatte sich, wie wir mit Befriedigung er­fuhren, denn auch gleich zur Begrüßung am Bahn­hof von der besten Seite gezeigt und der beliebten Darstellerin einen kleinen Triumphzug bis zum Hotel bereitet, wo die Leute mit langen Hälsen schon am Eingang standen, als mir kamen. Und als wir fortgingen, war die erwartungsvolle Menge kleiner und großer Filmfreunde keineswegs zusammen­geschmolzen.

Henny Porten berichtet uns von ihren Ein­drücken in Wiesbaden, wo sie zuletzt aufgetreten ist, und schon sind wir mitten im anregenden Ge­spräch über ihren neuesten FilmMutter und Kind". Der Stoff stammt von Hebbel, und es hat, wie man sich wohl erinnert, schon einmal eine stumme Fas­sung dieses Motivs gegeben. Der Tonfilm, den wir heute zu sehen bekommen, gibt aber, wie Henny Porten uns erzählt, etwas grundsätzlich Neues. Wir hören von ihrer Unterredung mit Dr. Goeb­bels über diesen Film, der sich sehr dafür inter­essiert und sehr dafür eingesetzt hat im Sinne des großen Programms und der grundsätzlichen Richtlinien, die der Minister kürzlich in seiner Rede an die deutschen Filmschaffenden eingehend entwickelt hat.

Besonders interessant war uns Henny P o r t e n s kleiner Stoßseufzer über die leidige Manuskript- Frage. Wieder wurden wir an einige bedeutsame Bemerkungen in der Goebbels-Rede erinnert, und wir würden gern ein wenig ausführlicher bei die­ser flüchtig ins Gespräch geworfenen Bemerkung verweilt haben, aber die Zeit ist natürlich beider­seits bemessen für die Schauspielerin, die sich allmählich für ihren ersten Bühnenauftritt fertig

machen muß, und für uns Presseleute mit unserem chronischen Zeitmangel sowieso.

Und außerdem macht sich Henny Porten gar nichts aus einem hochoffiziellen Interview in einem Kreise wichtiger und wißbegieriger Männer mit gezückten Bleistiften und Stenogrammblocks.So geht das nicht", sagt sie und erzählt uns dafür indessen die halbe Stunde vorüberfliegt mit sprü­hendem Temperament, aber ohne alle beklemmen­den Star-Allüren von den aufregenden und ein bißchen lebensgefährlichen Außenaufnahmen für die stumme Fassung vonMutter und Kind" auf der Saale, bei Scheinwerferlicht mitten in der Nacht, unter Froelichs Regie ... Und von den Auf­nahmen zum Tonfilm im Wattenmeer bei Cux­haven, was im Dezember noch dazu mit hohem Fieber trotz Wasserstiefeln eine kalte und unge­mütliche, körperlich und seelisch angreifende Sache gewesen ist ... Ja, und was wir noch fragen wollten da ist die halbe Stunde wahrhaftig schon vorüber und Zeit zum Umziehen und für den Bühnenauftritt, und es tut mir ja schrecklich leid, aber was Sie sonst noch auf dem Herzen haben, liebwerte Leserin, das müssen Sie Henny Por­ten schon selber fragen; wenn Sie sich ein Auto­gramm holen, ist die beste Gelegenheit dazu. Es gibt auch heute noch welche.

Dies war wie ein kleines, anmutiges und persön­liches Vorspiel am Nachmittag und ist schon halb vergessen am Abend über den starken und nach­hallenden Eindrücken des Films, der ein echtes und schönes Werk ist, und zu dessen Lobe nun ein ernst­haftes Wort gesagt werden soll. In ihren Grund­zügen findet die Fabel sich ausgezeichnet in den sieben Gesängen von Hebbels GedichtM utter und K i n d". Der Film hat die Dinge vereinfacht, dramatisch und bildhaft gemacht und dem Denken und der Vorstellungswelt des heutigen Menschen in Deutschland na he gebracht. Die Art und Weise, wie das regiemäßig und darstellerisch geschehen ist, darf wohl als vorbildlich und wegweisend ange­sehen werden für die Arbeit am neuen deutschen Film. Was hier geschildert wird, ist ohne Pathos und unangemessene Sentimentalität ein hohes Lied und hohes Lob der mütterlichen Frau. Da sind zwei einfache und tüchtige Menschen, Anna und Jürgen, die sich liebhaben seit langem und sich hei­raten möchten, sobald das Geld dazu reicht, und ihr ganzes Glück wäre ein Häuschen und Hof auf eigenem Grund und Boden. Aber sie haben kein Glück, sondern Unglück. Und als sie die Gewißheit haben, daß sie ein Kind bekommen sollen, stehen sie verzweifelt vor dem Nichts. Was den beiden wie ein Schicksalsschlag vorkommt, wäre andern die Er­füllung aller irdischen Sehnsucht: da ist ein junges Ehepaar, dem das einzige Kind genommen wurde und ein zweites für immer versagt bleibt. Die

wollen mit Freuden Annas Kind als ihr eigenes annehmen und erfüllen dafür Jürgens große Sehn­sucht nach einem kleinen Hof auf eigenem Boden. Aber als nun das Kind kaum geboren ist, da be­ginnt schon der Kampf der Mutter um ihr Fleisch und Blut, das sie nicht hergeben will und nicht her­geben kann um keinen Preis der Welt; und der Kampf um das Kind ist zugleich ein Kampf gegen den Mann, dessen Ehrgefühl sich dagegen wehrt, den unnatürlichen und unmenschlichenVertrag" zu brechen ...

Es soll hier nicht auf die Voraussetzungen und nicht auf die Lösung dieses wahrhaft dramatischen und tragischen Konfliktes eingegangen werden. Aber wir möchten sagen, daß es heute in Deutschland kaum eine Darstellerin gibt, die das, was hier ver­handelt werden soll, stärker, lebenswahrer und menschlicher darstellen könnte als Henny Porten. Hier ist eine Aufgabe, die ihrem innersten Wesen entspricht, die sie mit ihrer ganzen Persönlichkeit erfüllt und ganz aus einem großen, warmen und leidenschaftlichen Gefühl heraus bewältigt. So schlicht und heiter-natürlich, wie sie das lebensfrische Mäd­chen im strahlenden Glück seiner großen und gläu­bigen Liebe verkörpert, so gefaßt und kämpferisch und zum Aeußersten bereit und entschlossen gestaltet sie das schwere Schicksal der Mutter, und ihren er­bitterten und verzweifelten Kampf um das Kind. Eine große und reife, von schöner Menschlichkeit geadelte Leistung.

Hans Steinhoff bat das Schauspiel in Szene gesetzt. Er gibt, mit festen und sicheren Strichen Schauplatz und Umwelt, Spieler und Gegenspieler, realistisch, aber nie roh, auch ohne falsche Senti­mentalität; er nimmt sich Zeit zur Zustandsschilde­rung wie zur psychologischen Entwicklung und Vertiefung; und er findet auch Raum für volks­stückmäßige Szenen und unbekümmert heitere Epi­soden, die doch der Entwicklung des ernsthaften Kon­fliktes keinen Abbruch tun.

Neben der Hauptdarstellerin sieht man eine Reihe sehr tüchtiger Kräfte am Werk, die von der Regie mit klarem Blick für die richtige Besetzung aus­gewählt worden sind: Peter Voß vor allem, der für die Gestalt des Jürgen wie geschaffen scheint nach Temperament und landschaftlicher Herkunft; er trifft ausgezeichnet den Wesenskern und die in­nere Haltung des Mannes, der hier gemeint ist. Fein und still deutet Elisabeth Wendt das schwere Schicksal der kinderlosen Frau an. Lebendig und verständnisvoll geben Werner Pledath den Arzt, Paul Westermeier den Larsen. Alexandra Schmitt die Großmutter. Hansi A r n st ä d t als Frau Kröger und Vita Venkhoff mit einer scharf belichteten, kleinen Chargenrolle sollen vom Ensemble noch genannt sein.

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Ein unterhaltsames Beiprogramm bildete den Auftakt zum Hauptereignis des Abends. Che der Film begann, erschien Henny Porten, vom aus­verkauften Haufe mit großem Beifall begrüßt, auf der Bühne, um einige Worte an das Publikum zu richten: sie habe sich über den herzlichen Empfang, den man ihr bei ihrem ersten Besuch in Gießen be­reitet habe, sehr gefreut; sie dürfe wohl daraus schließen, daß ihre' stüheren Filme hier in guter Erinnerung stünden. Der neue Film nun,Mutter und Kind", wolle ein Stück echten deutschen Volks­tums geben; sie habe ihr Herz an diese Rolle ge­hängt, und sie hoste mit ihr auch den Weg zum Herzen der Zuschauer zu finden:das würde mich glücklich machen und wäre mein schönster Lohn".

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Oer geistesgegenwärtige Telegraphist.

Leal Junior, ein junger Telegraphenbeamter von Marinha Grande, einer kleinen Industriestadt 120 Kilometer nördlich von Lissabon, ist von der por­tugiesischen Regierung öffentlich ausgezeichnet wor­den, weil er bei einem kürzlich entstandenen Auf­ruhr eine Menge von 300 Kommunisten in kalt­blütigster Weise überlistet hat. Als der wilderregte Haufen das Telegraphenamt von Marinha Grande stürmte, war Leal Junior der einzige, der auf feinem Posten aushielt. Als der Führer der Rebel­len von ihm mit vorgehaltenem Revolver verlangte, er solle die von ihm diktierten Botschaften tele­graphieren, fügte sich der junge Beamte anscheinend willig. Er hat aber schnell gemerkt, daß die Kom­munisten vom Morseschlüssel keine Ahnung hatten; darauf baute er feinen Plan. Er sandte an Stelle der kommunistischen Aufrufe mit größter Ruhe einen genauen Bericht der Vorfälle in Marinha Grande an die nächste Garnison in Leiria. Von dort wurde sofort Militär gegen die kommunistischen Rebellen geschickt. Als die Soldaten das Tele­graphengebäude umzingelten und die Kommunisten zur Uebergabe zwangen, ohne daß auch nur ein Schuß gefallen war, saß der junge Beamte noch seelenruhig an seinem Apparat und fünfte, als ob nichts in der Welt ihn in der Ausübung feiner Tä­tigkeit stören könne.

Sochschulnacbrichten.

Der Tübinger Ordinarius für Chirurgie, Pro­fessor Dr. Martin Kirschner, hat einen Ruf an die Universität Heidelberg als Nachfolger von Professor E. Enderlen angenommen. '

Der Göttinger Privatdozent Dr. Ernst Ruickoldt hat einen Ruf als Ordinarius für Pharmakologie und Pharmakognosie an der Uni- verfität Rostock erhalten.