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Dienstag, 13. Zebruar 1934

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Ur. 37 Drittes Blatt

Hermann Stehr 70 Jahre alt.

daß

Hermann Stehr, einer der hervorragendsten Vertreter des deutschen Heimatschrifttums, begeht am 16. Februar seinen 7 0. Geburtstag. Der Dichter, der im vergangenen Jahre mit dem Goethe- Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet wurde, schildert in seinen Romanen vor allem Landschaft und Menschen seiner schlesischen Heimat.

Die neue Plakette für das Winter­hilfswerk, die am 18. Februar in ganz Deutschland verkauft wird, hat bekanntlich neben ihrer Werbung für das Winterhilfswerk einer deut- chen Industrie, den Plauener Spitzen­klöpplerinnen, in einer grohangelegten Hilfs­aktion Brot und Arbeit verschafft.

Sie bringt aber auch in dieser Form zum ersten­mal ein Abzeichen, das man nicht nach dem Sammeltag von der Mantelklappe fortnehmen und anderen Gedenkzeichen zuqesellend in den Kasten legen wird, sondern sie schenkt dem, der seinen kleinen Beitrag gab, auch ein Schmuckstück, das be­sonders die Frauen gern dauernd tragen werden. Als einzelne Rosette schmückt sie wie eine Knopflochblume Mantel oder Jackenkleid und ist dabei nicht vergänglich wie eine leichte Stoff­oder Papierblume.

Die Plauener Spihenrofette ist handwerklich schön und gediegen, aus Leinenfaden gestickt und gespachtelt, also ein Stück deutscher Werk­kunst.

Gruß und Kuß-Veronika."

Das Lichtspielhaus bringt in seinem Fa­schingsprogramm einen Lustspiel-Film der Deutschen Universal unter dem TitelGruß und Kuß Veronika". Die Hauptrolle spielt Franziska Gaal, eine junge und temperamentvolle Begabung unga­rischer Herkunft, die wir schon im vorigen Jahre hier kennengelernt haben. Sie spielt in einem tollen

Hochschulnochricbten.

In Heidelberg verstarb der emerit. Ordina­rius der romanischen Philologie an der dortigen Universität Geh. Hofrat Professor Dr. Fritz Neu­mann im fast vollendeten 80. Lebensjahre. Gebo­ren zu Warnemünde, studierte Neumann in Berlin und Heidelberg, promovierte 1876 in Heidelberg und habilitierte sich 1878 für das Fach der romanischen und englischen Philologie. Drei Jahre später wurde Neumann Extraordinarius in Heidelberg, kam später in gleicher Eigenschaft nach Freiburg, wo er zum Ordinarius befördert wurde und siedelte Ostern 1900 nach Heidelberg über. Geheimrat Neumann war langjähriger Mitherausgeber des Literaturblattes für germanische und romanische Philologie.

In Breslau verschied der Altmeister der roma* nischen Philologie, Geh. Regierungsrat Professor Dr. Earl Appel im Alter von 77 Jahren. Appel ist besonders durch seine Forschungen auf dem Gebiet der altprovenzalifchen und alt-italienischen Literatur bekanntgeworden.

Der Ordinarius für Dermatologie und Direktor der Universitäts-Hautklinik in Jena, Dr. med. Bodo Spiethoff, hat einen Ruf an die Univer­sität Leipzig erhalten.

Der Herr Reichsarbeitsminister teilt mit, nach § 58 Absatz 1 des Gesetzes über die Arbeits­vermittlung die Familienverhältnisse und insbeson­dere auch die Zahl der unter ft ützunas- bedürftigen Angehörigen des Bewerbers zu berücksichtigen find. Der Präsident der Reichs­anstalt für Arbeitsvermittlung hat die Landes­arbeitsämter und Arbeitsämter angewiesen, die

Volkstrauertag am 25. Februar.

Ls wird darauf hingewiefen, daß der 2 5. Fe­ll r u a r zum Volkslrauerlag erklärt wurde. An diesem Tage dürfen in Theatern, Kinos, bei Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen nur solche Darbietungen gegeben werden, die der Würde und dem Ernst des Tages entsprechen.

Gez.: Trefz,

Leiter der Reichspropagandastelle Hessen.

Bevorrechtung Kinderreicher bei Arbeitsvermittlung.

Toter Punkt im Fasching.

Von Hans Riebau

Im Saal tobt, wie seit Stunden schon, die Musik. Prinz Karneval ist längst eingezogen; die Masken sind gefallen; aber während der Trubel auf den Tanzflächen seinen Höhepunkt erreicht, sitzen auf dem Ledersofa im Klubzimmer vier ältere Herren, die den Kampf gegen den toten Punkt, wenn auch nur vorübergehend, aufgegeben haben. Vor ihnen stehen gewaltige Biergläser und während die Herren sich den Schaum vom Mund wischen, ist ihren me­lancholischen Blicken anzumerken, daß sie inmitten der Karnevalstollheit Appetit auf ein besinnliches Gespräch haben. Vormöller, der Zoologe, hat auch bereits das feinige getan und eine Geschichte er­zählt von dem Mann, dem der Tod auf die Minute genau vorhergesagt war, und der dann auch tat­sächlich in eben dieser Minute gestorben ist. Dr. med. Calvör aber verzieht seinen Mund. Er liebt solche Schwätzereien nicht. Dann aber überlegt er und fängt trotzdem oder vielleicht gerade deshalb? an zu erzählen:Es ist das merkwürdigste, was ich je erlebt habe. Vor zwei Jahren war ich zur Erholung in Borkum. In den ersten Tagen lernte ich einen Privatgelehrten kennen, Hochtander hieß er, glaube ich Der Mann gefiel mir, trotzdem er, wie sich bald herausstellte, einen für meine Begriffe hochprozenti­gen Spleen hatte. Er war Okkultist vom reinsten Wasser und dabei, wie es mir schien, ohne jede kritische Hemmung. Eines Tages fragte er mich, und seine Stimme klang merkwürdig aufgeregt:Was haben Sie da für einen Ring?"

Ja" sagte ich und hob meine Hand,das ist allerdings ein merkwürdiger Ring. Eine Kombina­tion von Achat- und Rubinsplittern, das Ganze m Kupfer gefaßt. Uebrigens ein Erbstück von meinem Großvater." . s

Achat und Rubin", murmelte Hochtander,eine seltsame Zusammenstellung. Besonders selt^m aber deshalb, weil sowohl Achat als Rubin nach Ihrem Horoskop Unglückssteine sind. Ich schlage Ihnen vor: Werfen Sie den Ring weg, lieber heute als morgen!"

Ich lachte. Natürlich behielt ich den Ring. Zwei Wochen vergingen. Wir badeten, gingen spazieren, bauten Burgen, und nichts störte die fröhliche, son­nige Ferienstimmung, als das ängstlich lauernde Gesicht des Privatgelehrten Hochtander.

Da erschien eines Donnerstag (Donnerstag war, nach Ansicht meines astrologischen Freundes, mein Unglückstag) in der Badezeitung eine merkwurdlge Anzeige: Verloren ein kupferner Ring mit Achat- und Rubineinsätzen. Finder erhält, falls bis zum 21. Juli abgegeben, Belohnung, am 22. Juli wird Strafanzeige wegen Fundunterschlagung erstattet.

Ich runzelte die Stirn. Ein solches Spiel des Zufalls schien mir undenkbar. Einen Ring aus Kup­fer, Achat und Rubin, wie mein Großvater ihn wohl in einer seltsamen Laune in Auftrag ge­geben hatte, gab es doch wohl nur einmal auf der Welt. Und wenn wirklich ein zweites Exemplar ir­gendwo auf dem Erdball existieren sollte, war 1000 gegen 1 zu wetten, daß sein Besitzer sich nicht ausge­rechnet auf der Insel Borkum einfinden würde. Sollte Hochtander seinem fanatischen Glauben an die unglücksbringenden Steine nachgeholfen und, um mich von diesem Ring zu befreien, das Inserat aufgegeben haben?

Nun", Dr. Calvör machte eine Pause,ich habe es nie herausbekommen. Jedenfalls aber hat mir der Ring so oder so die größten Unannehm­lichkeiten gebracht. Die Leute um mich herum fingen an, meinen Ring, und dann mein Gesicht, mein Kommen und Gehen, kurz mein ganzes Sommer­frischenleben zu beobachten. Ich, der Kurgast Cal­vör, war in den Augen der anderen Kurgäste zum Verbrecher geworden. Niemand zweifelte daran, daß ich meinen Kupferring unterschlagen habe, und ein alter Sanitätsrat, der sich als Standesgenosse besonders verpflichtet fühlen mochte, nahm mich eines Tages beim Arm und sagte:Um Gottes willen, Herr Kollege, warum geben Sie den Ring nicht ab?"

Ich versuchte zu lächeln und merkte, daß ich es nicht mehr konnte. Der Sanitätsrat machte ein skep­tisches Gesicht, als er meine Erklärungen hörte. Er glaubte mir nicht. Da habe ich meine vibrieren­den Nerven und die feindlichen Blicke meiner Um­gebung sind die einzige Erklärung dafür das Dümmste getan, was es nur gab: Ich zog meinen alten kupfernen Ring vom Finger und warf ihn mit einer gewaltigen Verwünschung ins Meer."

Hm, hm", nickten die Zuhörer und tranken von ihrem Bier,und dann?"

Nicht so eilig", lächelte Dr. Calvör.Ich warf also den Ring ins Meer. Wenn Sie schon einmal an der See waren, werden Sie sich erinnern, daß es dort nicht nur Möwen gibt, sondern daß diese Mö­wen den ganzen Tag am Strand und an den Buh­nen darauf warten, von den Kurgästen gefüttert zu werden. Nun, um es kurz zu machen: Ich batte den Eindruck, daß mein Kupfer-Achat-Rubm-Rmg, kaum daß er die Wasseroberfläche berührt hatte, von einer Möwe gepackt und verschlungen wurde. Be­schwören kann ich es natürlich nicht, aber wie ge­sagt, ich glaube es. Als aber Hochtander, der Astro­loge, mir düster ins Auge sah und den Satz mur­melte:Zu spät, der Ring wird wieder zu Ihnen zurückkommen", da war ich fest überzeugt davon daß die Möwe den Ring tatsächlich verschluckt hatte."

Dr. Calvör nahm sein Glas.Ich kann mir er­sparen", fuhr er fort,die Unannehmlichkeiten der

Oie Rosette als Gchmuckform

Zum Sammelsonntag am 18. Februar.

werden müßte; ebenso läßt sich das Motiv natürlich für alle Formen von Einsätzen und Westen ver­arbeiten. Während die so modische Sammetbluse immer mehr dem eleganteren Abendkleid vorbehal­ten bleib, paßt diese Leinenspitzenrose gerade stoff­lich so ausgezeichnet zu den jetzt kommenden Som­merstoffen, besonders zu Leinen.

Auch als Rosettenschmuck für die kleinen $üte gäbe sie im Sommer ein hübsches Motiv, gar nicht zu reden von ihrer vielfältigen Verwendbarkeit als schmückender Einsatz in Leinendecken, Beutel und Handarbeiten jeder Art. Doch muß natürlich auch hier der Geschmack unserer Frauen die Ueberhäu- fung mit dem Motiv vermeiden.

Es ist vielleicht gut, in diesem Zusammenhang an den Ursprung der Rosette als Schmuckform zu erinnern: Geläufig ist sie den meisten als Schmuckform der romanischen und gotischen Gotteshäuser, besonders als Fenster über dem Portal. Weniger bekannt vielleicht ist ihr Vor­kommen auf altgermanischen Grabsteinen vor­christlicher Zeit. Auf diesen stellt die Rosette das Sonnenrad oder Jahresrad dar, das ur­alte Sinnbild des Aufstiegs, der Reuwerdung.

Erst wenn man sich diese symbolische Bedeutung der kleinen Rosette klargemacht hat, wird man mit doppelter Freude im Monat des steigenden Lichtes diese Zeichen der Neuwerdung tragen! Gleichzeitig wird es aber in der deutschen Frauen­welt die Freude am Tragen der deutschen Spitze wieder erwecken und damit einen B a u - ft ein im Neuaufbau unserer deutschen Volkswirtschaft bilden. Denkt am 18. Februar

empfehlen. Ferner kommen die verschiedenen Bee­rensträucher, die Sorbus- und Prunusarten und alle kleinen Sträucher in Frage. Man erhalte unsere kleinen Sänger, denn sie dienen uns Menschen in vielfältiger Weise und erfüllen uns durch ihren Ge­sang mit Freude!

Begrüßungen des neuen hessischen Landesbischofs.

Anläßlich seiner Ernennung find dem Herrn Lan­desbischof folgende Telegramme zugegangen:

Der Herr Reichsftatthalter Sprenger:Ihre Berufung veranlaßt mich, Ihnen meine besten Wünsche zu übermitteln. Gez.: Sprenge r."

Der Leiter der geistlichen Abteilung im preußi­schen Kultusministerium, Ministerialdirektor I ä - ger:Die Nachricht von Ihrer Berufung zum Landesbischof von Nassau-Hessen erfüllt mich mit großer Freude. Im Geiste der Hingabe an die Na­tion und des unbeugsamen Willens zum Ganzen ist ein gutes Stück Weg weiter zurückgelegt. Als der bewährte nationalsozialistische Kämpfer sind Sie Bürge für eine glückliche Weiterentwicklung der Hei­matkirche im Sinne volksgebundenen evangelischen Glaubens. He-il!

Der Leiter der geistlichen Abteilung im preußischen Kultusministerium. Gez.: I ä g e r."

Daten für Dienstag, 13.Februar.

1511: Herzog Albrecht von Preußen wird Hoch­meister des Deutschen Ritterordens; 1848: General­feldmarschall Hermann von Eichhorn in Breslau ge­boren (1918 ermordet in Kiew); 1883: Richard Wagner in Venedig gestorben (geboren 1813).

Und mit dieser wiedererweckten Freude andem kleinen Einzelstück deutscher Werkarbeit wird sich automa­tisch bei den deutschen Frauen der Wunsch einstel­len, schöpferisch weiterzuarbeiten an der ornamentalen Verwendung dieses einenMo­tivs" in der Zusammensetzung zu größeren Schmuckformen. Hat man einmal damit be­gonnen, so kommt man auf so vielfältige Ideen der Verwendbarkeit, daß die fünf Millionen Rosetten eigentlich im Handumdrehen vergriffen sein müßten!

Da lassen sich reizende Motive zusammenstellen als Abschluß der Sommerblusen und Kleider, sei es als Halsabschluß oder als Inkrustierung über

der Schulter, wobei natürlich die Spitze durchsichtig 1 gezeigt wird, also der Stoff darunter weggeschnitten

daran.

Die Gauführung des Winterhilfswerks.

Aus Der provinzialhauptstaSt.

Erhaltet unsere Vogelwelt!

Auf dem Lande und auch in der Stadt wird der Winter häufig dazu benutzt, Gärten und Grund­stücke auszuholzen. Dabei wird dann Erbsenbusch und Anmacheholz gewonnen, das ja immer benötigt wird. Die Hecken werden dabei immer spärlicher, das Strauch- und Struppwerk am Wege wird sau­ber beseitigt, die dichten Weiß- und Schwarzdorn­hecken brennt man nieder, und selbst die Brom­beerbüsche, die im Winter manchen Tieren aus Feld und Wald Unterschlupf bieten, werden von rauher Hand entfernt. Das Landschaftsbild wird eintönig, und kaum bieten die weiten Ackerflächen noch irgend­einen Ruhepunkt. So war es jedenfalls das Streben im Zeitalter der Rationalisierung. Sogar in feinem kleinen Wäldchen nimmt der Bauer oft alles Ge­strüpp heraus. Der Waldrand bleibt ungeschont, es bildet sich kein Waldmantel, und der Wind peitscht ungehindert hindurch. Der junge Baumbestand ist ohne Kraft, weil die Waldftreu noch immer in alt­gewohnter Weise genutzt wird. In den Gärten ist es nicht viel besser. Auch hier müssen alte Hecken fallen, Beete und Wege werden fein säuberlich von jedem Laubblättchen befreit, dessen Rascheln sonst den kleinen Vögeln ein Warnungssignal war, wenn die Katze sich anschlich.

Dieser ganze sogenannte Kulturfortschritt ist zum Teil Frevel am Landschaftsbild und vor allem an der Vogelwelt. Denn dadurch nimmt man den Vö­geln auch die letzte Nistgelegenheit, fo daß ihnen kaum noch ein geeigneter Unterschlupf bleibt. Im Walde werden alle Bäume gefällt, die krank sind und langsam abfterben und den Höhlenbrütern gün­stige Nistgelegenheit bieten würden. Wo soll denn die kleine nützliche Vogelwelt noch hin, wenn sie nun nicht mehr im Gestrüpp und Gesträuch Unter­schlupf finden kann.

Hat man denn verlernt, sich an den zahlreichen kleinen Sängern zu erfreuen, übersieht man, wie die großen und kleinen Vögel das Heimatbild beleben? Hat man vergessen, daß sie vor allem auch materiel­len Nutzen stiften, indem sie dem Ueberhandnehmen der Schädlinge, des Gewürms, der Raupen und vieler sonstiger Insekten entgegenwirken? Wer macht sich ein Bild davon, welche großen Werte namentlich in der Forstwirtschaft durch die Arbeit der Vögel er­halten werden. Und trotz ihrer Verdienste wird es der Vogelwelt immer schwerer gemacht.

Früher hat man den bösen Buben auf die Finger geklopft, wenn sie den Vogelnestern nachgestiegen sind. Wie gering aber war der von ihnen angerich­tete Schaden im Vergleich mit der Verwüstung, die die moderne Land- und Forstkultur an der Vogel­welt anrichtet. Das muß vor allem auch beachtet werden bei den zur Zeit Überall mit Hilfe des frei­willigen Arbeitsdienstes durchgeführten Meliora­tionsarbeiten in Brüchen, Wiesen und Wald, denn wir müssen die wenigen Vögel, die noch bei uns ge­blieben sind, erhalten'und ihnen wieder bessere Brut­gelegenheiten verschaffen. Das aber liegt im Sinne unserer neuen Zeit, die nicht alles nach Rentabili- täts- und Rationalifierungsgefichtspunkten betrachtet wissen will. Die Erklärung der Schorfheide im Norden Berans, des bekannten Rotwildreviers, zum Naturschutzgebiet ist hierfür ein deutliches Zeichen. Hier sollen die seltenen Vogelarten, wie der Schwarzstorch, der Uhu, der Seeadler, aber auch die kleino Dogelwelt wieder eine Heimat finden.

Aber jeder kann an der Erhaltung unserer kleinen Vogelwelt mitwirken. In erster Linie soll man ihr über den kalten Winter hinweghelfen, sie regelmäßig füttern, besonders solange Schnee allen Boden zu- gedeckt hat. Jetzt ist auch die Zeit, zu überlegen, wie man eine kleine Wildhecke im Garten anlegt, um eine Vogelschutzstätte zu schaffen. Je dichter, verwor­rener und dorniger das Gezweige und Geäste der Sträucher ist, um so sicherer fühlt sich hier die kleine gefiederte Welt. Besonders sind Schwarz- und Weiß­dornhecken, Berberitzen und Liguster hierfür zu

Wer darf Schulterriemen tragen?

Der Herr Staatsminister macht in einem Aus­schreiben an die Kreisämter und Polizeistellen auf ein Rundschreiben des Reichsministers des Innern vom 1. Februar 1934 aufmerksam, wonach auf Grund des § 3 der Verordnung vom 30. September 1933 das Tragen des Schulterriemens für sämtliche nicht amtlich anerkannlen Verbände ver­boten ist. Wie der Reichsminister des Innern den Landesregierungen mitgeteilt hat, haben sich in der letzten Zeit wiederholt Mißhelligkeiten dadurch er­geben, daß Mitglieder von Verbänden, die nicht in die NSDAP, eingegliedert sind, oder denen sonst keine besondere Stellung zuerkannt ist, den Schul­terriemen zu ihrer einheitlichen Kleidung getragen haben. Der Schulterriemen muß heute als ein Uni­formstück oder Abzeichen gelten, das die Mitglied­schaft zu einem hinter der Regierung der nationa­len Erhebung stehenden Verband kennzeichnet. Das Tragen des Schulterriemens durch die Mitglieder anderer Verbände ist daher nicht gestattet. Es wird daher ersucht, die Polizeibehörden mit entsprechender Weisung zum Einschreiten gegen das danach unbe­fugte Tragen des Schulterriemens zu versehen. Es dürfte jedoch zunächst ein belehrender Hinweis ge­nügen.

Ausdrücklich bemerkt wird, daß der Deutsche Luftsportoerband und der Reichsluft- s ch u tz b u n d nach ausdrücklicher gesetzlicher Bestim­mung zu den hinter der Regierung der nationalen Erhebung stehenden Verbänden gehören und daß weiter die Mitglieder der Technischen Not­hilfe zu ihrer Uniform den Schulterriemen tragen dürfen.

Oie Arbeitszeit in Handwerksbetrieben

Vom Kreisamt Gießen wird uns mitgeteilt: Es ist wiederholt feftgeftellt worden, daß die durch die Gewährung von Reichszufchüffen für Jnstand- fetzungsdarlehen mehranfallende Arbeit vor allem auf dem Lande durch vermehrte Arbeitsleistung des Handwerkers und feiner Familienmitglieder ober der beschäftigten Arbeiter bewältigt wird. Dieses Verhalten steht im Widerspruch zu den Absichten der Reichsregierung, die mit der Bereitstellung dieser Durcheinander von schwankhaften Mißverständnissen und Verwechslungen die kleine Blumenverkäuferin Veronika; sie macht es ganz reizend, ist Liebhaberin und enfant terrible zugleich, naiv und geistesgegen­wärtig in einem, und beweist, daß sie nicht nur über gesunden Humor verfügt, sondern auch Herz hat und überdies eine gerade für filmische Auf­gaben sehr vorteilhafte mimische Beweglichkeit und Ausdruckskraft. So steht sie jederzeit im Mittel­punkt der vom Regisseur Carl B o e s e verständnis­voll mit den erstaunlichsten Überraschungen aus- geftatteten Schwindelgeschichte und steuert das Aben­teuer an gefährlichen Klippen vorüber zu einem wahrhaft glücklichen Ausgang. Zwei Komiker von oft erprobter Qualität Hörbiger und Wall- bürg überdauern mit schlechtem Gewissen die furchtbarsten Verlegenheiten und suchen sich mit verzweifelten Verschwörungen aus dem Lügennetz zu befreien, in das sie sich unbedacht und fahrlässig immer tiefer verstrickt haben. Dom übrigen Ensemble nennen wir Hilde Hildebrand, Margarete Kupfer, Kurt Lilien und Olga E n g l. Das Publikum unterhält sich in diesem für die Faschings­tage sehr geeigneten Lustspiel-Film aufs beste. Im Beiprogramm findet man außer der neuen Wochenschau einen Vorspann zumWilhelm Tell", der in Kürze hier erscheinen wird, und einen Aus­grabungsbildberichtAus Deutschlands Bronzezeit"^

Einkommensträger kinderreicher Familien be­vorzugt zu berücksichtigen.

Bei der Vermittlung von Angestellten und Ar­beitern für Reichsbehörden erhalten Personen, die für mehr als drei Familienangehörige zu sorgen haben, bei ihrer Entlassung eine Dring­lichkeitsbescheinigung und sind bei der Zulassung zu bevorzugen.

Schließlich dürfen nach § 3 der Verordnung zur Durchführung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nur bisherige Erwerbslose, und zwar in er.ster Linie Kinderreiche, Familienernährer und langfristig Erwerbslose berücksichtigt werden.

nächsten Tage zu schildern. Ein Polizeiverhör folgte dem anderen und nun, da der Ring fort war, wurde meine Lage fo brenzlich, daß ich um ein Haar ver­haftet worden wäre. Schließlich war mir meine Sommerfrische vergällt. Ich reifte ab, fuhr nach Emden und von dort aus nach Bremen. Abends fitze ich dort in einem* großen Bierlokal, als der Wirt, in weißer Schürze und Jacke, die Ausschlach­tung eines Riesenftörs ankündigt. Die Gäste strömen zusammen, vier Köche schleppen den gewaltigen Fisch in die Mitte des Raumes und legen ihn auf einen langen Tisch.

Merkwürdige Sitte", sage ich zu einem der Gäste,werden hier oft solche Fische ausge­schlachtet?"

Fast jede Woche", nickt der Gast.Dieser Stör hier ist vorgestern bei Borkum gefangen."

Ich fühle,' wie ich totenblaß werde. Ich weiß, so sehr stehe ich noch immer im Banne der Borkumer Ereignisse, was jetzt kommen wird. Der Wirt be­ginnt inzwischen seine Arbeit, schneidet den Stör auf, nimmt die Leber heraus, den Magen--

Süh mal einer an", sagt er da plötzlich und hält den rosaroten Magen hoch,der Stör muß ja wohl reineweg 'nen Ring verschluckt haben?"

Wir alle sehen es gibt gar keinen Zweifel eine ringartige Ausbuchtung an der Magenwand. Ich aber--"

Dr. Calvör machte eine Pause.

Vormöller, der Zoologe, aber nahm die Gelegen­heit wahr.Erlauben Sie mal", rief er,das geht mir denn aber doch zu weit. Den Ring soll das ist schon allerhand eine Möwe gefressen haben. Ein Stör aber, verehrter Doktor, frißt niemals Möwen!"

Ganz recht", flüsterte Dr. Calvör,und nur d t e- f er Tatsache habe ich es wohl zu verdanken, daß der kupferne Ring meines Großvaters bis heute noch nicht wieder in meinen Besitz gelangt, und daß der Glaube an die dunklen Prophezeiungen meines Freundes Hochländer hoffentlich für im­mer erschüttert ist. Der Stör, meine Herren, hatte einen ringförmigen Kiesel im Magen."

Bumta! machte die Tanzmusik. Die Herren, die fo gern ein paar besinnliche Geschichten gehört hätten, machten mißmutige Gesichter. Dann aber gaben sie sich einen Ruck, standen auf und gingen in den Saal. Sie hatten den toten Punkt überwunden.