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Ur. 57 Zweites Blau

Gießener Anzeiger (GenertU-Anzelger für Gverheßen)

Dienstag,.^cbruarJ934

Fasching aus dem Höhepunkt.

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Oben: Eine lustige Gruppe aus dem Mainzer Karnevalstreiben. Unten: DerStampf gegen die Greuel Propaganda. Eine satirische Darstellung aus dem großen Münchner Wagenumzug.

Karneval vor fünfzig Jahren.

Ein Gtreifzug durch die rheinischen

Einst und jetzt.

Wir haben das Glück, in einer Zeit zu leben, in der allmählich wieder der Sinn für die traditio­nellen deutschen Gemütswerte lebendig wird. Der schrankenlose Vergnügungstaumel in den Jahren der Nachkriegszeit ist durch die auf­bauende und erzieherische Tätigkeit des National­sozialismus endgültig überwunden worden. Das Volk hat gelernt, auf die zweifelhaften Vergnügun­gen einer überlebten und entseelten Zeit zu ver­zichten und den Sinn seines Daseins in höheren Dingen zu suchen. Menschliche Würde und nationa­les Ehrgefühl sind keine L-chlagworte mehr. Dieser gesunde Geist schafft auch den Boden für eine über­zeugende, aus dem innersten Herzen kommende Fröhlichkeit, die nicht der Ausdruck einer hoffnungs­losen Verzweiflung ist, nicht ein aus Zerrüttung und Ueberreizung entstandener Galgenhumor, son­dern das Zeichen einer lebensbejahenden, kraftvollen Weltanschauung.

In den Maskenfesten der vergange­nen Zeit ist eine urdeutsche Lebenslust zu ver­spüren, ein breiter, behaglicher Humor, eine manch­mal recht urwüchsige Heiterkeit, die geradewegs aus der Zeit der deutschen Landsknechte herzukommen scheint Wir finden in diesen Veranstaltungen nichts von der müden Sinnlichkeit und nichts von dem krankhaften Nervenprickeln, nichts von der Unter­gangsstimmung, die den Maskenbällen des Nach­kriegsdeutschlands ihren Stempel aufdrückte Ein Streifzug durch die Karneoalsfefte vor fünfzig Jah­ren enthüllt uns eine wundervolle barocke Lebens­fülle, eine sieghafte Freude an allerhand Ulk und Tumult, einen unerschütterlichen Lebenswillen, eine naive Hingabe an die Schönheiten und Genüsse dieser Welt

DerLaubsrosch aus derWelttugel

Narr, laß' den Narre-n vorbei'", war der Wahl­spruch des Kölner Karnevals schon vor fünf­zig Jahren Aller Herren Länder, welche Wein pro­duzieren boten ihrWachstum" dem Prinzen Kar- neoal zur gefälligen Prüfung bar Dem Wagen Vater Rhein, Mosel und Ahr schlossen sich die WagenItalien" undUngarn" an, die von reich- geschmückten Magnaten und Fiedel Jpieenben Zi­geunern umgeben waren Die Laubfrösche hatten einen eigenen WagenW e 11 e r p r o g n oj e um den Streit der Wettergelehrten zu verspotten Ein ungeheurer Laubfrosch saß auf der Weltkugel, und aus allen vier Ecken bliesen ihm die Winde das Wetter zu Hinter ihm zogen die (Sefhrne aus schwankem Schiffe erschien die Gabe der Schweiz mit den Figuren Wilhelm Teils und Geßlers. Auch die Feinde des Weinstocks, die Rebläuse, die in jener Zeit besonders arge Verwüstungen anrichteten, waren vertreten. Ein 'Reblausherd" wurde unter polizeilicher Bedeckung im Zuge geführt, und eine Kommission war damit beschäftigt, die Schädlinge zu vernichten. Den Damen wurden aus zahlreichen Kanonen Bonbons, Blumensträuße und andere Sachen entgegengefeuert Auf dem Neumarkt stand der Thrvn des Prinzen Karneval, und hoch über den Trümmern der alten Kölner Stadtmauer saßen in einem mit Samt ausgeschlagenen Baldachin Der Kölner Bauer und die Kölner Iungfr au. Unübersehbar war der Zug der Wagen. Die aus Dem Neumarkt anfuhren Zahlreiche Reitermas­ken, Musikchöre, Scharen von Tirolern, Spaniern

Faschingsfeste von Anno duzumal.

und Mexikanern, schweizerische Edelknaben, jede Gruppe eine Ueberraschung für sich. Ein Wagen H a n s w u r st l i ch e s H o f t h e a t e r" verhöhnte die Unsitte, den Sängern beim bloßen Erscheinen auf der Bühne Gebirge von Kränzen und Blumen­gewinden darzubringen. Auch die Verirrungen des weiblichen Modegeschmacks wurden in humorvoller Weise gegeißelt. Den Schluß des Zuges bildete ein Konservatorium für Schusterjunge n", die sich mit ihren Instrumenten redlich abmühten, das Publikum von ihrer klassischen musikalischen Ausbildung zu überzeugen.

Die Dame und ihr Schaf...

Bei einem Künstlermaskenfest in Düsseldorf mür­ben bie Damen, bie als Schäferinnen verkleibet waren, von lebenben Schafen begleitet. Der Abend stand unter der Devise:E i n arkadisches Schäferfest zur Zeit Watteaus um 1 7 0 0" Unter den sanften Klängen der Musik traten aus den Wandelwegen und den grünen Hecken Schäfer und Schäferinnen und begannen einen Reigen, aus dem sich allmählich ein Blinde­kuh-Spiel entwickelte. Plötzlich verstummte unter Blitzen und Gewittergrollen die Musik. Gewitter- Imitation war für die damalige Zeit eine Sen­sation, während heute der Berliner dieses Schau­spiel im HausVaterland" täglich zwischen Suppe und Nachtisch genießen kann

Unter wiederholtem Donner und Blitz betraten bie Olympier ben freien Platz, allen voran Jupiter. Sie erschienen nicht in ben klassischen G e - roänbern bes Olymps, sonbern tarnen im Zopfkostüm. Juno unb Ceres. Venus unb Diana trugen ben Reifrock unb einen bazu passenben Auf­putz ber Frisur Auch bas berühmte Schönheits­pflästerchen fehlte nicht. Die Gesellschaft begab sich zu ihrem erhöhten Wolkensitz, unb auf einen Wink Jupiters setzten bie Schäfer unb Schäferinnen ihre Spiele fort, bis Merkur ihre Reihen burcheilte, um eine chinesisch-russische Gesanbtschaft zu empfangen. Im nächsten Moment bröhnten bumpfe Pauken­schläge Unter einer nervenerschütternben Marsch­meise bewegte sich ein phantastischer Zug daher. Aus der Fülle der Gestalten ragten die prächtige Sänfte mit der holdseligen Frau des Mandarinen und der mächtige Elefant, der einen goldenen Thron trug. Auf einen Wink des Mandarinen traten aus dem Zuge verschiedene Paare hervor, und unter malerischer Gruppierung entwirrte sich aus dem Menschenknäuel ein russischer Bauerntanz in seinem eigenartigen Rhythmus, dem sich ein reiz­volles Menuett der Schäfer und Schäferinnen und ein wilder Tanz der chinesischen Krieger und Tän­zerinnen anschlossen

In Berlin übten die Maskenbälle des könig­lichen Ballettkorps auf die Bevölkerung einen besonders starken Reiz aus. Hier, in der gro­ßen Stadt, war es nicht möglich, einen Karneval mit Tradition, wie er feit Jahrhunderten am Rhein, in Köln, Mainz und anderen Orten, bestand, aus dem Boden zu stampfen Da Berlin viel zu ausge­dehnt war, um einen allgemeinen im Volksleben wurzelnden Karneval feiern zu können, begnügte man sich mit einzelnen Kostümbällen, denen aller­dings die tiefere kulturelle Bindung fehlte Wenn auch diese Veranstaltungen einen außerordentlichen Zulauf hatten, so konnten sie es doch nicht mit ber ursprünglichen Kraft unb Trabitionsverdunbenheit bes rheinischen Karnevals aufnehmen. F. D.

Zum Kampf in Oesterreich.

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Links- Der Stephcmsdom, bas alte Wahrzeichen der österreichischen Bundeshauptstadt. Im Kreis: Dr. Dollfuß, der österreichische Bunbeskanzler. Oben links: Wiens Oberbürger­meister Seitz, Führer ber österreichischen Sozialdemokratie. Oben rechts: Eine Abteilung der Heimwehr. Darunter: Fürst Starhemderg.der Führer ber Heimwehren.

Die Einzelergebniffe der Deutschen Skimeisterschasten.

Links: Die glanzvolle Siegerehrung, die den großartigen Abschluß der Skimeisterschasten in Berchtesgaden bilbete. Rechts: Alfred Stoll gewann den Kombinationslauf und damit ben stolzen TitelDeutscher Skimeister 1934".

Meisterschafts - Sprunglauf: 1. Kurl Diet-München Note 214,5 (Sprünge 51 m, 52 m); 2. Alfred Stoll-Berchtesgaden 214,3 (56, 59 m); 3. Paul Schneidenbach-Aschberg 214,1 (50, 52 m); 4. H. Ostler-Partenkirchen 208,6 (50, 52 m); 5. Reidar Hoff-Norwegen 208,0 (51, 52 m); 6. H. Lantschner- Innsbruck 206,0 (48, 50 m).

Jungmannen: 1. Franz Haselberger-Traun­stein 213,0 (52, 51m); 2. Kurt Sattler-Aschberg 204,9 (48, 51 m); 3. A. Hechenberger-Bayrisch Zell 203,5 (52, 46 m)

Altersklasse: 1. Max Kröckl-Neuhaus 188,4 (43 46 m); 2. Siegfried Wittmann-Traunstein 179,7 (44 47 m)

Kombination (Langlauf/Sprunglauf): Ge­winner desGoldenen Ski": Alfred Stoll-Berch­tesgaden, Note 415,3 Weitere Placierung: 2. Her­bert Leupold-Breslau Note 411,1; 3. Walter Motz- München 406,5; 4. Anton Eisgruber-Partenkirchen 396,3; 5 Walter Glaß-Klingenthal 386,2.

SA.- und SS.-Ski-Meisterfchasten.

12 Kilometer P a t r o u i l l e n l a u f für Flachland-Formationen: 1. Niedersachsen 1:48,13 Std. (5 Treffer, 1 Strafminute), 2. Gelände­sportschule Aachen 1:58,01 (7 Treffer); 3. Westfalen Sturm lll/Standarte 229 2:07,21 Std. (8 Treffer).

18 Kilometer Patrouillenlauf für Mittelgebirgs-Formationen: 1. Baye­rische Ostmark I 228,45 Std. (7 Treffer); 2. Fran­

ken I 2:19,21 Std. (13 Treffer); 3. Bayerische Ost­mark II 2:32,30 Std. (10 Treffer).

18 Kilometer P a t r o u i l l e n l a u f für Hochgebirgs-Formationen: 1. Hochland II (Iägerstaffel I) 2:02,35 Std. (7 Treffer); 2. Hoch- land I (Brigade 84) 2:03,41 Std. (9 Treffer), 3. Oesterreich II (Salzburg) 2:09,14 Std. (12 Treffer).

Oie Akademischen Ski-Weltmeisterschasten.

Mit dem Ausgang der Neunten Akademischen Skiwettkämpfe aller Länder in dem schweizerischen Winterkurort Wengen können die deutschen Teil­nehmer äußerst zufrieden fein, denn neben einem Gesamtsieg in der Kombination Abfahrt-Slalom durch Kraify-München vor Dr. Detter-Freiburg be­legten die deutschen Läufer noch zahlreiche ehren­volle Plätze. Im abschließenden Sprunglauf am Sonntag holte sich der Münchener Mächler den Sonderpreis für den schönsten gestandenen Sprung, belegte aber im Wettbewerb selbst nur den zweiten Platz hinter dem Norweger Guttersen, der dadurch auch Sieger in der Kombination (Lang- und Sprunglauf) und in ber Vierer-Kombination (Ab­fahrt, Slalom, Lang- unb Sprunglauf) jebesmal vor dem Münchener Dehmel wurde. Die Japaner betei­ligten sich diesmal auch im Springen und zeigten achtbares Können; so belegte Takeuchi den dritten Platz. .