Einzelbild herunterladen

lich und moralisch einen höchst erfreulichen Austrieb geben.

Der neue deutsche Film, dem materiell dergestalt die Wege geebnet würden, muß, darüber hat Dr. (Boebbefe keinen Zweifel gelassen, vor jeder Büro­kratisierung bewahrt bleiben und muß von künst­lerisch empfindenden Menschen aus künstlerischen Impulsen und Gesichtspunkten heraus geschaffen werden. Auch die kulturwilligste Regierung kann kein Genie aus dem Boden stampfen: das gilt für den Film genau so wie es an anderer Stelle für Schrifttum und bildende Kunst betont worden ist; aber das Genie hat sich noch immer selber zum Wort gemeldet. An Förderung wird es ihm gewiß nicht fehlen. Höchst bedeutungsvoll erscheint uns im Zusammenhang mit diesen Bemerkungen der Appell, den der Reichsminister an die schöpferische Phantasie der Filmschaffenden gerichtet hat, also vor allem an die Autoren und an die Drehbuchhersteller.

Ebenso beherzigenswerte Worte hörten wir über die Gestaltung des Stoffes. Kein Zweifel, daß hier noch manches bei uns im Argen liegt; kein Zweifel auch, daß man entschlossen ist, aus Fehlern zu ler­nen und, im Vertrauen auf die Qualität und die Urteilsfähigkeit des Publikums, neue Wege ein­zuschlagen und neue,- dauerhaftere Werte zu schaf­fen. Es werden keine Gesinnungskunststücke ver­langt, keinenationalsozialistischen Parademärsche"; sondern der deutsche Film soll seinen Ehrgeiz darein setzen, junge Talente zu entdecken, neue Möglich­keiten einer immer noch oder immer wieder zauber­haften Technik schöpferisch und phantasievoll zu er­schließen.

Der Film soll endlich als eine eigene künstlerische Form, unter eigenen Gesetzen stehend, Spiegel deut­schen Lebens sein; er soll ein unverwechselbar deut­sches Gesicht erhalten und in der ganzen Welt für uns werben. Dr. Goebbels hat es unmißverständlich ausgesprochen, wie er diese Mission des deutschen Films aufgefaßt wissen will; er lehnt einenational- sozialistisch-programmatische Umfälschung" nachdrück­lich ab. Mit Optimismus und Mut, aus freier Lebensbejahung, aus dem Volke heraus und für das Volk sollen die Werte geschaffen werden, die Jahre überdauern. In solchem Geiste von künst­lerischen Menschen geformt, wird der deutsche Film der Zukunft die Welt erobern.

Am 5. Februar waren es anderhalb Jahrzehnte, seit die deutsche Verkehrsfliegerei aus der Taufe ge­hoben wurde. Die ersten Anfänge liegen an sich noch weiter zurück, wenn man auf die erste Briefpostbe­förderung zurückgeht, wie sie in den Kriegsjahren auf den Strecken zu den Fronten in einem regel­mäßigen Kurierdienst eingerichtet war. Doch erhielt die im Jahre 1917 gegründete Deutsche Luftreederei erst am 8. Januar 1919 ihre offizielle Zulassung als ziviles Unternehmen für den Luftverkehrsdienst. Und so startete dann am 5. Februar 1919 auf dem Tem­pelhofer Feld die erste Verkehrsmaschine zu einem Flug nach Weimar, um dringende Post und Zeitun­gen in die Büros der Nationalversammlung zu be­fördern. Gewiß war das Jahr 1919 ein schlechter Anfang. Damals wurde mehr von einer für alle Zeiten währenden Zerstörung der deutschen Luftfahrt gesprochen, als daß von ihrem Aufbau und von ihrer Zukunft die Rede gewesen wäre. Die Bestim­mungen von Compiögne und Versailles gingen ein­zig darauf hinaus, der deutschen Fiegerei ein für allelmal den Garaus zu machen. Zweitausend Flug­zeuge mußten beim Waffenstillstand sofort abgelie­fert werden, mehr als die gleiche Zahl mußten un­sere Truppen im Feindesland wegen Brennstoff­mangels zurücklassen, 14 000 Maschinen und 27 700 Flugzeugmotoren wurden unter der Aufsicht der Kontrollkommission zertrümmert.

Welch ungemeine Entwicklung die deutsche zivile Fliegerei trotz aller Hindernisse in diesen fünfzehn Jahren genommen hat, das mögen d i e Zahlen aus diesen Jahren beweisen. 1919 wurden 2000 Fluggäste befördert und rund 600 000 Kilo­meter abgeflogen. Heute umfaßt das planmäßige Netz der Deutschen Lufthansa eine Strecke von 50 000 Kilometern. Die Zahl der deutschen Flug­häfen liegt über fünfzig, dazu werden täglich 31 ausländische Flughäfen angeflogen. In den ver­gangenen fünfzehn Jahren sind 80 150 000 Kilometer im deutschen Luftverkehrsdienst zurückgelegl worden, und die Zahl der beförderten Passagiere geht mit großen Schritten auf die erste Million zu. Riesig groß ist die Menge der beförderten Post und der Frachtgüter, oorbilblid) für die ganze Welt der Aus­bau der deutschen Flughäfen, und mehr als einmal von der Fachwelt anerkannt. Peinlich genau arbei­ten die zahllosen Wetterstationen, die den Piloten auf funkentelegraphischem Wege mit den genauesten Berichten versorgen, jeder Pilot kann mit den mo­dernen Peilgeräten auf den vorzüglich ausgestatteten Maschinen auch im dichtesten Nebel fast ohne jede Gefahr fliegen/ die Nachtstrecken sind gut beleuchtet, und alle Flughäfen haben ausgezeichnete Signal­einrichtungen. Und ein Beweis für das vorzügliche Menschenmaterial, das die deutsche Fliegerei unter ihren Piloten hat, mögen die fünf Flugkapitäne sein, die heute schon mehr als 1 Million Flugkilometer zurückgelegt haben, unter ihnen Kapitän Baur, der Führer des Flugzeugs des Reichskanzlers. Und nicht zuletzt hat die fahrplanmäßige Beflie- flung der Südamerikaroute mit Hilfe des FlugzeugstützpunktesWestfalen" der deutschen Der- kehrsfliegerei zu gutem Teil zu ihrer Weltgeltung verhalfen. In der Deutschen Lufthansa sind seit dem Jahre 1926 die vielen kleinen und großen Flugverkehrsgesellschaften ^usammengeschmolzen, wie sie nach Kriegsende zunächst es waren mehr als dreißig wie wild aus dem Boden schossen. So ist dieses fünfzehnjährigeluftige" Jubiläum der deut­schen Verkehrsfliegerei ein Anlaß stolzen Rückblicks und froher Zuversicht auf unseren unbeugsamen deutschen Willen und unsere zähe Arbeitskraft.

Sie Vereinheitlichung der Justiz

Dresden, 12. Febr. (DNB.) In Dresden fand auf Einladung des Reichsjustizministers Dr. Gärt­ner eine Zusammenkunft statt, an der außer dem Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Schle- gelberger öie Chefs und Vertreter der 16 Landesjustizverwaltungen teilnah- men. Dr. Gürtner erläuterte die Maßnahmen, die aus Anlaß des Ueberganges der Justizhoheit auf das Reich zu treffen feien. Ein erstes Gesetz be­stimmt, daß alle Gerichte hinfortim Namen des deutschen Volkes" Recht sprächen. Ferner übertrage es das Niederschlagungsrecht in Strafsachen auf den Reichspräsidenten und setze die Freizügigkeit der Rechtsanwälte und die Gültigkeit der notariellen Urkunden im ganzen Reichsgebiet fest. Weiterhin führte der Rcichsjustizminister aus, daß er sofort die Vereinheitlichung der Justizverwaltung in An­griff nehmen werde. Voraussetzung für eine solche sei nicht nur eine Vereinheitlichung der Justizeinrich­tungen (z. B. des Personalwesens, des Haushalts- wesens) sondern auch der überaus zahlreichen Be­stimmungen auf dem Gebiete der Justizverwaltung und der Rechtspflege selbst. Er erinnerte an die frei­willige Gerichtsbarkeit, das Grundbuch und Kosten­wesen usw.

Slaatund nationalsozialistische Revolution

Ein Vortrag des Reichspropagandaministers.

Berlin, 12. Febr. (DNB.) In der Deutschen Hochschule für Politik sprach Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels über das ThemaWesen und Gestalt des National- ozialismus". Auch der Nationalsozialismus, so be­tonte er, beruht wie jede große Weltanschauung auf ganz wenigen Grundbegriffen, die einen inneren Sinn besitzen müssen. Wer einmal die Grundbegriffe klar sieht, erkennt, daß sich daraus fast selbstver- tändlich die politische Praxis entwickelt, daß alles! o fein muß und es andere Möglichkeiten gar nicht gibt. Er sieht dann auch, daß der Prozeß, der sich am 30. Januar 1933 vollzog, nicht abgeschlossen ist, ondern dann erst seinen Abschluß findet, wenn die lationalfozialistische Denkungsart das gesamte os- entliche und private Leben in Deutschland von Grund auf erneuert und mit ihrem Inhalt aus­gefüllt hat.

Eine Revolution ist ein in sich dynamischer Vorgang mit Gesetzlichkeit, der darauf hinausläuft, diese Dynamik und Gesetzlichkeit, die bisher Vorrecht der Opposition war, auf die des Staates zu über­tragen. Mit welchen Mitteln das geschieht, ist voll­kommen belanglos^ So ist die deutsche Revolution auf durchaus legalem Wege durchge - e tz t worden, unter peinlichster Beachtung der Ge- etze. Trotzdem hat sie die größten Umwälzungen mit ich gebracht. Hat eine Revolution erst einmal ein bestimmtes Stadium überschritten, gehorcht sie nicht einmal mehr ihren Vätern, sondern vollzieht sich nach ihrer eigenen Dynamik. Deshalb ist auch der Vorwurf, die deutsche Revolution hätte ein zu schar- es Tempo angeschlagen, unberechtigt und absurd. Die nationalsozialistische Revolution ist im Begriff, den Gesetzeszustand, den sie geformt hat, allmählich zu stabilisieren.

Die österreichischen Verhältnisse kur; streifend, erklärte der Minister, daß die dortige Lage ein Schulbeispiel dafür sei. daß Menschen nicht ein­mal aus der nächsten Gegenwart Geschichte zu lernen verstünden. Wer heute österreichische Zei­tungen lese, bemerke dort dieselben Vor­gänge, die sich nochvor Zweioder drei Jahren hier ereignet hätten. Die natio­nalsozialistische Bewegung habe ihre eigene Dynamik auch jenseits der Grenzen. Daß Menschen aber unmöglich machen könnten, was im Zuge einer notwendig werdenden Entwicklung gelegen sei, sei und das wäre das Schlimmste, was man einem Staatsmann vorwerfen könne unhistorisch.

Man könnte sagen, daß die nationalsozialistische Revolution mitdemAusbruchdesKrieges beginnt. An der Spitze des Reiches stand bei Ausbruch des Krieges ein Mann, der ein ebenso schlechter Philosoph wie Staatsmann war. Wir hatten kein festes Kriegsziel, und so konnte es nicht Wunder nehmen, daß der Begriff des Volksstaates vor der Härte der geschichtlichen Entwicklung kei­nen Bestand hatte und wir nach einem heroisch durchgeführten Kriege in die furchtbarste Katastrophe kamen. Der Nationalsozialismus will nicht die Totalität des Staates, sondern die der Idee. Er will, daß die Anschauung, für die er gekämpft und die er zum Siege geführt hat, im ganzen öffent­lichen Leben zur Anwendung kommt. Die Partei muß immer die Hierarchie der nationalsozialistischen Führung bleiben und immer eine Minderheit dar- stellen, die auf dem Vorrecht der Führung des Staates bestehen muß.

Der Generalstreik in Irankreich ruhig verlaufen.

Nur geringe Beteiligung.-Alle wichtigen Betriebe aufrechterhalten.-Ernstere Zusammenstöße in einigen provinzstädten.

Paris, 13. Febr. (DNB.-Funkspruch.) lieber den Verlauf des 24ftünbigen Generalstreiks liegt folgen­der zusarnmenfaffender Bericht vor: Der General- treik in Paris ist trotz der fünf Tage vorher er­gangenen Ankündigung nur z u etwa 60 vorn Hundert durchgeführt worden. Der größte Teil der Fabriken und der anderen Unternehrnun- jen konnte am Montag die Arbeit fortsetzen. Abge- ehen von den rein kommunistischen Stadtvierteln ist auch die sozialistische Kundgebung, die gemeinsam mit den Kommunisten stattfand, oyneZ wische n- älle verlaufen. Der Telephonverkehr wurde mit Ausnahme des Auslandstelephonverkehrs den ganzen Tag über aufrecht erhalten. Der Straßenbahn - und Autoverkehr wurde nachmittags eingestellt, da man Zwischenfälle be- ürchtete und diese vermeiden wollte. Die Unter­grundbahn war den ganzen Tag über in Betrieb und stellte diesen erst um 20 Uhr ein. Es gab nur einige wenige unerwartete Zwischen- älle mit der Polizei.

Aus den meisten Provinz st ädten wird ein ruhiger Verlauf des Generalstreiks gemeldet. Nur aus wenigen Städten werden ernstere Zusammen- toße gemeldet. In Marseille kam es in den llbendstunden zu heftigen Zusammen st o- 3 e n zwischen der Polizei und Streikenden. Die Polizei wurde aus Dachluken beschossen und auch auf den Straßen wurde sie stark bedrängt. Die Polizei mußte bann jedenfalls von der Schuß­waffe Gebrauch machen. Dabei gab es auf beiden Seiten Verletzte. In Mülhausen kam es zu Zusam­menstößen zwischen der Polizei und Streikenden, einige Kommunisten, die Waffen bei sich trugen,

wurden verhaftet. Auch hier mußte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei es eben­falls auf beiden Seiten Verletzte gab. In Lyon gab es bei verschiedenen Zusammenstößen zwischen Polizei und Streikenden auf beiden Seiten Verletzte. Die Polizei ist aber auch in Lyon, wie in allen an» deren Städten Herr der Lage. In Nantes kam es ebenfalls zu einer Schießerei zwischen De­monstranten und Polizei. Drei Polizeibeamte wur­den bei weiteren Zusammenstößen durch Messerstiche in den Rücken schwer verletzt. Gendarmerie und Garde mobile wurden angefordert, um die Ruhe wieder herzustellen. In den späten Abendstunden war die Polizei Herr der Lage. In den übrigen Provinzstädten ist am Montag im großen und gan­zen alles ruhigabgelaufen. Die Streikbetei­ligung betrug teilweise nur 20 v. H.

»Tötet den Dieb."

Paris, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der radi- kalfoziälistische Abgeordnete Bonnaure, dessen Immunität in Zusammenhang mit dem Stavisky- skandal aufgehoben und gegen den vom Bayonner Untersuchungsrichter ein Vorführungsbefehl erlassen worden war, hatte ein ärztliches Zeugnis beige­bracht, daß er angeblich nicht reisefähig sei. Ein Gerichtsarzt gab jedoch ein entgegengesetztes Urteil ab und Bonnaure mußte am Montagabend, von zwei Polizeibeamten begleitet, den Zug nach Bayonne besteigen. Als sich die Polizeibeamten in die Wohnung Bonnaures in Paris begaben, sam­melten sich vor der Türe mehrere hundert Personen, die Bonnaure mit dem Rufe emp­fingen:Tötet den Dieb".

Wie sieht es heute morgen in Men aus?

Wien, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) In den Morgenstunden bietet die Umgebung der Polizei- dirsktion das Bild strengster Absperrung und Be­wachung. Die Straßenbahnen und die Autobusse haben den Verkehr noch nicht wieder aufgenommen. Aus der Ferne hort man weiterhin Kanonen­donner. Das Fahrkorps der Vaterländi­schen Front ist aufgeboten worden, um einen Derbindungsdienst aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise sei es, wie die Vaterländische Front mitteilt, gelungen, auch in den Ländern mit den Landes­leitungen uni) Bezirksstellen die Verbindung zu halten und darüber hinaus einen Relaisdienst für das gesamte Bundesgebiet vorzufehen. Die Vater­ländische Front hat ferner ein Aufgebot A r - beitswi Higer veranlaßt und sich mit der Lei­tung des staatlichen Arbeitsdienstes ins Einverneh­men gefetzt, um für eine ausreichende technische Nothilfe Vorsorge zu treffen. Mit ihrer Hilfe soll es gelungen sein, in allen staatlichen Betrieben, wie Post-, Telegraph, Bundesbahnen und derglei­chen einen beschränkten Betrieb sicherzu­stellen. Die Heimwehren haben ihre gesamten Kräfte mobil gemacht. Die für Dienstag einberu­fene Bundesführertagung, an der auch die befreun­deten vaterländifchen Organisationen hätten teilneh­men sollen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Die strengen militärischen Adsperrungs- und Kon- trollmaßnahmen werden in der ganzen Stadt auf­rechterhalten. Der Straßenbahnverkehr ruht voll­ständig. Dagegen ist der Telephonverkehr ebenso wie Wasser- und Gaszufuhr wieder im Gange, zum Teil auch die Elektrizitätsversorgung. Die Läden sind zum größten Teil bis auf die Lebensmittelgeschäfte geschlossen. Die Bevölkerung bewahrt große Ruye.

Artillerie- und Maschinengewehr­feuer sind ununterbrochen zu Horen. Die Regierung geht jetzt mit rücksichtsloser Schärfe und mit allen vorhandenen militärischen Mitteln unter besonderem Einsatz von Artillerie- Haubitzen vor. Die Stellen, an denen in Wien noch am Vormittag gekämpft wird, befinden sich im Ottakring, Simmering und Doblin. Im Bezirk Ottak­ring handelt es sich um die große Wohnbauanlage Sandleiten und um das Arbeiterheim. Hier konnte am Montagabend nur ein Teilerfolg erzielt werden. Der Kampf ging unter fortdauerndem Maschinen­gewehr» und Minenwerferfeuer und Einsatz von Ar­tillerie die ganze Nacht weiter.

Die Wiener Polizeidirektion gibt bekannt, daß die Exekutive in Oesterreich am Montag den Der» lüft von 21 Mann zu verzeichnen hat. Die Verluste der Ausrührer sind noch nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, daß die ZahlderToten und Verletzten ziemlich erheblich ist.

Besetzung sozialdemokraüscherGebäude in Innsbruck.

Innsbruck, 12. Febr. (DNB.) Polizei und Heimatwehr haben am Montag zwischen 15 und 16 Uhr sämtliche sozialdemokratischen Gebäude in Innsbruck besetzt, u. a. das ParteiheimHotel Sonne", das Gewerkschaftshaus, die Arbeiterkammer und das Gebäude der sozial­demokratischen Volkszeitung. Die Besetzung vollzog sich überall in Ruhe. Der Hauptbahnhof und andere öffentliche Gebäude wurden gleichfalls mit starken Heimwehrabteilungen besetzt. Vor dem Parteiheim bildete sich eine Ansammlung von Sozialdemokraten, die die Internationale san­gen. Die Polizei räumte den Platz. Sie mußte mit dem Gummiknüppel gegen die Demonstranten vor­gehen. Ueberfallkommandos mit Polizei und Heim­wehrleuten besetzt durchfahren die Straßen.

Oie Landesleitung Oesterreich der NEOAp. zu den Vor­gängen in Oesterreich.

München, 12. Febr. (DNB.) Die Landes- leitung Oesterreich der NSDAP, ver­öffentlicht zu den augenblicklichen Vorgängen in Oesterreich folgende parteiamtliche Stellungnahme:

Der Versuch des Fürsten Starhemberg und ge­wisser christlich-sozialer Kreise, mit Hilfe bewaffneter Banden die formell noch bestehende Verfassung Oesterreichs zu beseitigen und an ihrer Stelle die nackte Heimwehrdiktatur zu er­richten, hat in Wien, Linz und anderen Orten zum Ausbruch blutiger Kämpfe geführt, die bereits zahlreiche Todesopfer gefordert haben. Zu­gleich wurde in ganz Oesterreich der General­streik proklamiert.

In diesem Ergebnis offenbart sich der ganze Wahnsinn einer Regierungspolitik, die ohne jeden Anhang im Volke und allein gestützt auf die bewaffnete Macht und auf bezahlte Banden seit Monaten den Nationalsozialismus, die größte und gewaltigste Volksbewegung Oesterreichs, verfolgte und unterdrückte, dabei aber vollkommen übersah oder nicht sehen wollte, daß zu gleicher Zeit der Bolschewismus und feine Organisation hinter ihrem Rücken, ja unter ihrem Schutze, mit aller Macht aufrüsteten. Für die unausbleiblichen Folgen dieser Politik müssen nunmehr brave Polizeibeamte und im weite­ren Verlauf voraussichtlich auch Angehörige der Wehrmacht ihr Leben einsetzen und zu Opfer brin­gen, während die unmittelbaren Urheber der Aktion,

die feigen Terrorbanden der Heimwehr, von der Bildfläche verschwunden sind. Der Kampf der natio« nalsozialistischen Bewegung war von Anfang an gegen dieses ebenso wahnsinnige wie verbrecherische System gerichtet und gilt ihm auch weiterhin.

Die nationalsozialistische Bewegung lehnt es ab, sich mit der Sozialdemokratie solida­risch zu erklären oder sich mit ihr zu verbünden, aber diese aus ihrer grundsätzlichen Einstellung refultierenbe Haltung hindert sie nicht, so wie bisher auch weiterhin die RegierungDollfuß mit aller M'a ch t zu bekämpfen, um durch den Sturz dieses volks- und staatsverderbenden Systems die Voraussetzungen zu einer dem wahren Volkswillen entsprechenden Neugestaltung Oesterreichs zu schaffen.

Frankreich mit Anrufung des Völkerbundes durch Dollfuß einverstanden.

Paris, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) Am Mon­tagnachmittag trat ein Kabinettsrat zusammen, in dessen Verlauf Außenminister B a r t h o u feinen Kollegen den Wortlaut der Note vorlas, die er d e r österreichischen Regierung als Antwort auf ihre Ankündigung der bevorstehenden Befas- sung des Völkerbundsrates mit dem deutsch-öster­reichischen Konflikt zu überreichen beabsichtigt. In der Note erklärt sich die französische Regierung mit der österreichischen Absicht einverstanden. Barthou erklärte der Presse, nach französischer An­sicht habe die österreichische Regierung das Recht, den Völkerbund mit dieser Frage zu betrauen. Frankreich habe sich jedoch nicht mit den von Oester­reich in den Vordergrund geschobenen Fragen zu befassen, denn diese beträfen einzig und allein den Völkerbund.

*

Barthou hat durch den Kabinettsrat die fran­zösische Antwortnote auf die letzte deutsche Abrüstungsnote vom 19.Januar 1934 billigen lassen. Das Außenministerium wird am Dienstag- oormittag die Note dem Präsidenten der Republik unterbreiten, und alsdann wird der Wortlaut der Note unverzüglich der deutschen Regierung übermittelt werden, lieber den Inhalt der Note bewahrt man vollkommenes Stillschweigen. Frankreich kündigt den Handelsvertrag mit England.

Paris, 13. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die fran­zösische Regierung hat in London erklärt, sie be­trachte mit dem Zeitpunkt des Jnkraftretens der englischerseits angedrohten Repressalien, also vom 12. Februar mitternachts, das franzö­sisch-englische Handels- und Schiff­fahrt s a b k o m m e n v o m 2 6. 3 a n u a r 1826 und das englische Handels- und Schiffahrtsabkom­men vom 28. Februar 1882 als gekündigt. Diese Kündigung wird sich infolge der Dreimonatigen Kün­digungsfrist erst vom 12. Mai ab voll auswirken.

Regierungskrisis in Prag.

Prag, 12. Febr. (DNB.) Die tschechisch-national- demokratische Partei hat dem Ministerpräsidenten ihre ablehnende Stellungnahme gegenüber den Wirtschaftsplänen der Regierungsmehrheit mitge» teilt. Es bleibt jedoch bei der Durchführung der Pläne, die der Ministerpräsident im Rundfunk ver­kündete. Der tfchechifch-nationaldemokratische Han­delsminister M a t u s ch e k wird daraufhin z u r ü d t r e t e n. Es ist mit einem (Sefamtrüd- tritt der Regierung zu rechnen.

Die Krise wurde dadurch verschärft, daß der Füh­rer der tschechrsch-nationaldemokvatischen Partei, Abgeordneter Dr. Kramarsch, imNarodni Sifin" einen Aufsatz über die tschechoslowakische Währung veröffentlichte, von dem fünf Stellen der Beschlagnahme verfielen. Ebenso konnte ein Artikel des Vizepräsidenten des tschechischen In» dustriellenverbandes, Dr. Hodac, die Zensur nicht ganz passieren. Durch dieses scharfe Vorgehen gegen eine Regierungspartei, die als Vertreterin des be­sitzenden tschechischen Bürgertumes gilt, waren be­reits die Schwierigkeiten in der Regierungsmehr­heit offenkundig geworden.

panasiaiische Konferenz unter japanischer CRegte.

2) a i r e n, 13. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die pan- asiatische Konferenz, die hier in der Hauptstadt der mandschurischen Halbinsel Kwantung getagt hat, ist beendet. Die Delegierten aus zehn Ländern haben beschlossen, im nächsten Jahre in Dairen eine große asiatische Konferenz abzuhalten, die, wie erklärt wird, wirtschaftliche und kulturelle Fragen behan­deln soll. Unter japanischer Führung ist ein stän - diyer panasiatischer Ausschuß gebildet worden. Der Ausschuß besteht, abgesehen von dem Vertreter der indischen Jnformationsgesellschaft A. M. Nair, ausschließlich aus Japanern. Der ständige Ausschuß hat Weisung erhalten, inten­sive Propaganda zu treiben und im nächsten Jahre eineRiesenkundgebung" zu veranstalten. Die Spre­cher erklärten, die Bewegung bezwede nur die Bil­dung einer Wirtschaftsunion, die ein Gegenge­wicht gegen öie Zollschranken und son- ftigen Wirtschaftshindernisse in Eu­ropa und 21 m er i f a bilden solle. Einige Dele­gierte allerdings erklärten, die Asiaten sollten sich unter dem Schutze der einzigen starken Macht des Ostens von der Zwangsherr­schaft des Westens freimachen. Der halb­amtliche japanische Einfluß ist offenbar darauf ge­richtet, das Interesse revolutionärer asiatischer Ver­einigungen vom politischen auf das wirtschaftliche Gebiet abzulenken. Englandfeindliche Re­volutionäre aus Indien, die an der Kon­ferenz teilnahmen, schlossen sich der Organisation an.

Beschränkung der Mitgliedschaft im NS.-Gtudentenbund.

Berlin, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) Um dem NS.-Studentenbund weitgehender als bisher den Cha­rakter einer revolutionären Kampfgruppe innerhalb der Gesamtstudentenschaften zu verleihen, gilt die uneingeschränkte Mitgliedschaft nur für alle die, die bereits vor dem 30. Januar 1933 um die Aufnahme in den NSDStB. nachgesucht haben. Alle später CEingetretenen sind lediglich 21 n ro ä r ter. Ihre Bewährung im revolutionär-national­sozialistischen Sinne wird über ihre spätere Auf­nahme entscheiden. Durch diese Maßnahmen soll es gelingen, aus der Gesamtstudentenschaft eine ge­schloßene kämpferische Einheit von etwa 5000 Mann zu bilden, deren Aufgabe es sein wird, die politische Schulung für die Gesamtstudentenschaft der Hoch- und Fachschulen durchzuführen, die ihr durch die neue Verfassung übertragen worden ist.