Einzelbild herunterladen

Dienstag, 13.$ebruar 1934

184. Zahrgang

Hr.37 Erstes Blatt

Eichener Anzeiger

des, eine Schule am Südbahnhof, konnte erst ge­nommen werden, nachdem Artillerie drei Voll­treffer in das Gebäude gesetzt hatte. Gegen 20 Uhr wurde das Gaswerk der Gemeinde durchsucht. Die Schutzbündler sollen durch den energischen An­griff des Militärs und den Einsatz der Artillerie demoralisiert sein und alle Stellungen räu­men. Polizei und Militär durchsuchen die ganze Stadt. Es besteht der Eindruck, daß die Truppen in Linz vollständig Herr der Lage sind und der Widerstand der Roten vollkommen gebrochen ist.

Wien, 12. Jebr. (DRB.) Eine vom INinisterrat beschlossene Verordnung der Bundesregierung spricht dasverbotder Betätigung ber Sozial­demokratischen Partei aus; sie gründet sich auf das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz vom Juli 1917. Danach wird der Sozialdemokrati­schen Arbeiterpartei Oesterreichs jede Betätigung verboten. Die bestehenden Organisationen dieser Partei sind aufgelöst. Die Bildung neuer ist untersagt. Das Tragen von Abzeichen dieser Partei ist verboten. Die Ausübung eines Mandats im Sinne der Sozialdemokratischen Partei gilt als Betätigung für die Partei und unterliegt dem Verbot. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. Die Auflösung des Wiener Landtages und Gemeinderates ist ebenfalls be­schlossen.

Das Wiener Rathaus ist in den Abend­stunden von einem größeren Aufgebot von Trup­pen, Polizei und Gendarmerie beseht worden, ohne daß von sozialdemokratischer Seite ein ernst­hafter Widerstand geleistet wurde, hierbei ist eine Reihe von sozialdemokratischen Be­amten, die nach einer amtlichen Erklärung offen­kundig im Zusammenhang mit den öffentlichen Ge­walttätigkeiten standen, verhaftet worden. Der Landeshauptmann und Bürgermeister von Wien Rationalrat Abgeordneter Seih ist soeben in bas Potizeigefangenen ha us gebracht wor­den. Ebenso ist der Vizebürgermeister der Stadt

Geiseln gefangengehalten worden. Nach heft'gem Kampf hat das Militär das Parteihaus im Sturm genommen. Der Wirtschaftshof der Gemeinde, ein großer Gebäudekomplex, in dem sich 180 Schutz­bündler, mit Jnfanteriegewehren, viel Munition und drei Maschinengewehren ausgerüstet, verschanzt hat­ten, wurde von den Linzer Alpenjägern i m Sturm genommen, die Schutzbündler gefan­gen genommen und mit erhobenen Händen durch die Stadt in die Keller der Schloßkaserne gebracht. Ein zweiter starker Widerstandsherd des Schutzbun-

Wien, Emmerling, der Leiter der gesamten städtischen Betriebe, in den Abendstunden verhaftet worden. Zum Regierungskommissar für Wien wurde Minister Schmitz ernannt. Auf dem Wiener Rat­haus weht neben den Bundesfahnen die grünweiße Jahne der heimwehr.

Von den bekannten sozialdemokratischen Führern sind u. a. in haft: Bundesrat General Körner, der militärische Sachverständige des marxistischen Republikanischen Schutzbundes; die Gewerkschafts­führer und Rationalratsabgeordneten I o r ft n e r und Weigl, letzterer gleichzeitig Präsident der Wiener Arbeiterkammer; ferner der Präsident des Wiener Landtages und Rationalratsabgeordneter Dr. Danneberg, der Bundesrat und Sekretär der sozialdemokratischen Fraktion im Rationalrat Hofrat Schärf.

In einer Mitteilung der Amtlichen Rachrichten- stelle heißt es, daß der Führer der Sozialdemokra­tischen Partei in Kärnten Landeshauptmann­stellvertreter Zeiniher feinen Austritt aus der Partei erklärt habe. Diesem Beispiel sei auch der Bürgermeister von Klagenfurt ge­folgt In Vorarlberg hätten die sozialdemokra­tischen Führer dem Landeshauptmann die Erklä­rung abgegeben, daß sie die vorgekommenen Aus­schreitungen verurteilen. Sie versicherten, daß sich kein Sozialdemokrat in Vorarl­berg an diesen Anschlägen beteiligen werde.

Eine amtliche Mitteilung.

Wien, 12.Jebr. (DRB.) Um 13 Uhr melde! 1 die Amtliche Rachrichten st eile: wie schon vor einigen Tagen verlautbar wurde, haben der . aufgelöste Republikanische Schutzbund bzw. Angehörige der Sozialdemokratischen Partei und dieser nahestehende Organisationen eine g e - ro a 11 f a m e Aktion vorbereitet. 3m Zuge der durchgeführten Untersuchung unternahm die Bundespolizeidirektion Linz heute morgen im HotelSchiff, dem sozialdemokratischen Partei­heim, eine Haussuchung. 3m Hause befanden sich größere Kontingente des ehemaligen Repu­blikanischen Schutzbundes, die sofort der Polizei bewaffneten Wider st and entgegensetzten. Unter Heranziehung von heeresableilungen wurde das Gebäude im Kampfe genommen, wo­bei ein Bundeswachbeamter getötet, mehrere Wach­beamte und Wehrmänner verletzt wurden. Die im Gebäude befindlichen Gewalttäter wurden abgeführt und den Gerichten übergeben. Auch an mehreren anderen Stellen in Linz gingen Schuhbundabtei­lungen mit bewaffneter Gewalt vor. lieber Linz wurde das Standrecht verhängt. Die Rie- berroerfung biefer Gewalttaten gegen amtliche Or­gane, so heißt es in ber amtlichen Melbung weiter, lft im Gange.

3n Wien haben Teile ber sozialdemokratisch organisierten Arbeiter der städtischen Elektrizitäts­werke die Arbeit niebergetegt. Deshalb wurde auch in Wien das Standrecht verhängt. Die Bundesregierung hat unter Be­reitstellung des gesamten Machtapparates alle Maß­nahmen getroffen, um diese planmäßigen verbreche­rischen Anschläge bolschewistischer Elemente im Keime zu ersticken. Die gesamte Arbeiterschaft wird auf­gefordert, so heißt es in der amtlichen Mitteilung weiter, ihre Arbeit unbeeinflußt von verbrecherischen Hetzern fortzusehen. 3eder Wider st and ge­gen die Staatsgewalt, jede Sabotage oder Gewalt, wird mit den schärfsten stand­rechtlichen Mitteln geahndet werden. Die Generalstreitparole in Wien.

Die Regierung nimmt den Kampf auf.

Wien, 12. Febr. (DNB.) In den Wiener Be­trieben erschienen kurz vor zwölf Uhr mittags die sozialdemokratischen Betriebsräte und teilten den Arbeitgebern mit, daß die Arbeiterschaft, einer all­gemeinen Streikparole folgend, dieArbeitPunkt 12 Uhr mittags nieder le gen werde. Der gesamte Wiener Straßenbahnverkehr ist zum Still­stand gekommen. Die Elektrizitäts- und Gaswerke sind gleichfalls in den Proteststreik eingetreten. Punkt 12 Uhr setzte gleichfalls der elektrische Strom in der ganzen Stadt aus. Aeußerst strenge A b - sperrungsmaßnahmen sind in der ganzen Stadt mit einem riesigen Aufgebot von Polizei und Militär, Maschinengewehren und Drahtverhauen durchgeführt worden. Die Stadt macht einen ausgestorbenen Eindruck. Die auf den Schienen stehenden, von der Mannschaft verlassenen Straßenbahnwagen sind in den Abendstunden von der Polizei mit Kraftwagen abgeschleppt worden. In den Straßen ist die Polizeikontrolle außerge­wöhnlich scharf. Alle verdächtigen Personen werden durchsucht. In den Hauptstraßen ist der Per­sonenverkehr vollständig gesperrt. Die D o r st e l l u n g e n der Theater und Kinos sind ausnahmslos abgesagt worden. Alle Restau­rants müssen bis 20 Uhr geschlossen sein. In der Stadt herrscht vollständige Ruhe. Jedoch ist es in den einzelnen äußeren Arbeiterbezirken zu heftigen Zusammen st äßen und Schießereien zwischen der Polizei und den Arbeitern gekommen.

Das Linzer Parteihaus von Alpenjägern im Sturm genommen.

Der marxistische Widerstand gebrochen.

Dollfuß im Kampf gegen den Aufstand der Marxisten Generalstreikparole mit Proklamierung des Standrechts beantwortet. Blutige Straßen­kampfe zwischen Militär und Polizei und roten Aufständischen. Oie sozialdemokratischen Führer verhastet und ihre Parteiorganisation verboten.

gelöst.

Es ergibt sich jetzt das eigentümliche Bild, daß eine politische Bewegung wie der Marxismus, der von einem Rückschlag zum anderen eilt, einen ae- waltsamen Verzweiflungskampf führt und dabei gegen eine Regierung kämpft, die ebenfalls ver­zweifelt um ihre Existenz ringen muß, da sie auch in den Kreisen, die die natürlichen Geaner des Marxismus sind, keinerlei Vertrauen und Unter­stützung genießt. Das Regime Dollfuß muß jetzt er­fahren, welche Folgen es naturnotwendigerweise haben muß, wenn die Regierung eines deutschen Landes in der heutigen Zeit allgemeiner revolutio­närer Umschichtungen so wenig ihre wirklichen na­tionalen Pflichten und Aufgaben erkennt, wie es beim Kabinett Dollfuß der Fall ist. Das Ergebnis der Dollfuß-Politik ist ein marxistischer Bürgerkrieg, den Dollfuß zwar nicht gewollt hat, aber für den er moralisch verantwortlich ist.

Der Nationalsozialismus Oesterreichs, der von der Regierung immer als das Schreckgespenst an die Wand gemalt und mit allen Mitteln verfolgt wurde, hält mustergültige nationale Disziplin und ist heute die einzige Macht, die einen geschlossenen Ordnungs- faktor in Oesterreich bildet. Die dynamischen Aus­wirkungen dieser Lage können auf die Dauer nicht ausbleiben, denn niemals ist es möglich, Regierun­gen ohne allen Rückhalt im Volk an der Macht zu erhalten. Und die an der österreichischen Frage interessierten Mächte werden gut daran tun, einer natürlichen Entwicklung sich nicht zu widersetzen, wenn an der Donau wieder stabile politische Ver­hältnisse einkehren sollen.

*

Die Rede, die der Herr Reichsminister für Volks­aufklärung und Propaganda soeben vor den deut­schen Filmschaffenden in der Berliner Kroll-Oper gehalten hat, ist von programmatischer Geltung für die zukünftige Gestaltung des deut­schen Films; sie läßt erkennen, welche außer­ordentliche Bedeutung die nationalsozialistische Reichs­regierung dem Film beimißt. In der Tat gibt es heute, wenn man vom weltumspannenden Funk absieht, keine technisch-kulturelle Errungenschaft von ähnlicher Reichweite und Wirkungskraft innerhalb und außerhalb der Grenzen unseres Landes. Die Rede von Dr. Goebbels war getragen von einem Zukunftswillen und einem gefunden Optimis­mus, der sich allen ideell und materiell am deutschen Film Beteiligten fruchtbringend, anregend und weg- weisend mitteilen und ihnen Lust und Liebe zu ihrem Werk vervielfachen muß.

Dr. Goebbels hat in seiner Ansprache einige der wichtigsten Probleme der gegenwärtigen Filmpro­duktion aufgegriffen und besprochen. Er hat, an- knüpfend an die Lage des Films vor der Macht- ergreifung und Neuordnung durch die national­sozialistische Regierung, zunächst die wirtschaftliche Seite des ungeheuer komplizierten Apparates be­leuchtet. Es wird von der gesamten deutschen Film­welt mit größter Befriedigung zur Kenntnis ge­nommen worden sein, daß der Minister die end­gültige Abschaffung der Lustbarkeitssteuer im Rah­men einer bevorstehenden Reichssteuerreform in Aussicht gestellt hat. Eine Befreiung von dieser Steuer, unter der die Kinotheaterbesitzer seit langem seufzen, würde in der Tat eine sehr fühlbare Er­leichterung bedeuten und der Produktion Wirtschaft-

Machtmitteln dem sozialistisch-kommunistischen Um­sturzversuch ein radikales Ende bereiten. Nach Verhaftung der maßgebenden Führer seien jetzt Vorbereitungen getroffen, um die übrigen Ur­heber der verbrecherischen Anschläge zur Rechen­schaft zu zwingen. Die Regierung sei des Erfolges gewiß.

Trotz der technischen Schwierigkeiten, die sich aus der zeitweisen Abschaltung des elektrischen Stromes für die Druckereien ergaben, ist bereits jetzt der größte Teil der WienerZeitungen er­schienen. Sie dürfen natürlich nur die amtlichen Nachrichten über die Vorfälle bringen, nehmen da­zu aber in Leitartikeln Stellung, in denen sie zur Einkehr und Besonnenheit mahnen.

Auch in Steiermark blutige Zusammenstöße.

Wien, 12. Febr. (DNB.) In Kärnten, wo bisher vollkommene Ruhe herrscht, sowie in Steiermark wurde ebenfalls das Stand- recht verhängt. In G r a z wurde am Montagnach- mittaq auf Veranlassung des Sicherheitsdirektors der Straßenbahnverkehr eingestellt. Die Abendvorstellung des Grazer Stadttheaters und eine für Montag angesetzt gewesene Sitzung des Gemeinderates wurden abgesagt. Graz liegt un Dunkeln. In einem Grazer Arbeiterviertel haben Schutzbündler eine Wachstube erstürmt und stch dort verschanzt. Sie werden von Polizei und Militär be­lagert. In Steyr ist es zu heftigen Zusammen­stößen zwischen Schutzbündlern und der Polizei ge­kommen. Die herangezogene militärische Verstär­kung ist im Begriff, die Ruhe wieder herzustellen. Weitere Gewalttätigkeiten sozialdemokratischer Par­teigänger werden aus Bruck an der Mur und Eggenburg gemeldet. In Graz und in der Umgebung der Stadt und deren Vororten Eggen­burg und Andritz sowie in Bruck an der Mur soll es bei den Zusammenstößen zwischen der durch Militär verstärkten Gendarmerie und den Schutz­bündlern 37 Tote, davon elf Mann von Militär und Gendarmerie und 26 Marxisten gegeben haben. In den Abendstunden war die Ruhe noch nicht wiederhergestellt.

Wien, 13. Febr. (DNB.) In den Wiener Vor­orten sind blutige Kämpfe im Gange, die bereits zahlreiche Opfer an Toten und Verwundeten ge­fordert haben. Ein Mittelpunkt des Kampfes ist der sogenannte Reumann-Hof, wo ein Hauptmann des Bundesheeres den Tod fand. Der Heiligen- st ä ü t e r B a h n h o f ist von den Sozialdemokraten gestürmt worden, ein Wachtmann wurde getötet, sieben schwer verletzt. Im Sturm wird der Bahn­hof vom Schutzkorps, das nunmehr eingesetzt wurde, zurückerobert, wobei fünf Sozialdemokraten den Tod fanden. Die zahlreichen Schwerverletzten der Sozialdemokraten wurden von den marxistischen Sanitätskolonnen fortgeschafft. Das Ottakrin­ger Arbeiterheim, das durch Haubitzen- feuer sturmreif gemacht worden war, ist bereits eingenommen worden. An die Spitze der Sturmkolonnen hatte sich, wie verlautet, der Vizekanzler Major Fey persönlich gestellt. Jetzt hört man die dumpfen Einschläge der Granaten t m Karl - Marx - Hof auf der Heiligenstädter Straße. * . , .

Bei dem großen Gemeindebau Sandlei­ten in dem 16. Bezirk waren in einem Turm die­ses Gebäudes Maschinengewehre aufgestellt worden. Dieser improvisierte Maschinengewehrstand ist durch einen Artillerietreffer z er ft ö r t worden. Vor dem Hauskomplex steht noch thront gegen Front; jedoch flaut offensichtlich der Wider­stand der Sozialdemokraten auch hier ab. Der Kampf konzentrierte sich in den späten Abendstun­den auf den O st b a h n h o f, wo von Truppen em Panzerzug und Artillerie gegen die Marxisten ein­gesetzt wurden. Versuche der Arbeiter, in die innere Stadt einzudringen, wurden von den Truppen ab­geschlagen und die Marxisten wieder auf den Ost- bahnhos zurückgedrängt. . ,

Die lange Dauer der Nachtkämpfe wird vielfach darauf zurückgeführt, daß man auf der Regierungs­seite anfangs mit dem Ernst der Lage und der Kampffähigkeit der ausgezeichnet ausgerüsteten vie­len tausend sozialistischen Schutzbündler nicht gerech­net hatte und eine gewisse Zersplitterung der Trup­pen infolge der Unruhen in den Landern emgetre- ten war. Die Regierung übermittelte um Mitter­nacht der Presse einen Aufruf an das Volk von Oesterreich, in dem die Regierung erklärt, Herr der Lage zu sein. Sie werde mit den angebrachten

Verbot der Sozialdemokratischen Partei Führende Sozialdemokraten verhastet. Das Diener Rathaus widerstandslos beseht.

Wien 12. Febr. <DNB.) Der Sicherheitsdirektor von Oberoesterreich erläßt ein amtlich- Mitteilung, nach der bei dem Sturm auf das Parteihaus m Linz 40 Personen gefange ngenom m e n wur- den und MalchiNeNgewehr - sowie S p r eng- körper beschlagnahmt wurden. Von den Sozialdemokraten waren Handgranatenauf die Po­lizei geworfen worden, worauf das Militär Ma- schienengewehre in Stellung brachte und die Fen­sterreihen bestrichen hatte. Ferner hatte die Polizei die Fenster der dem Parteihaus gegenüberliegenden Häuserreihen besetzt und von dort aus das Feuer auf das Parteihaus eröffnet. Es wurden weiter zwei Alpenjäger-Kompagnien mit Maschinengewehren eingesetzt, die aus Dachböden und Luken heraus das Haus oefchosten und den verschanzten Sozialdemokraten mit Hand­granaten zu Leibe rückten. Im Parteihaus waren vier Polizeibeamte von den Sozialdemokraten als

JRanbnofen.

Der Marxismus in Oesterreich hat die Gelegenheit für gekommen gehalten, in letzter Stunde die Regierung Dollfuß über den Hausen zu rennen und sich wieder in den vollen Besitz der Macht zu setzen. Die Lage für einen marxistischen Aufmarsch war in Oesterreich besonders günstig. Die Regierung Dollfuß, die einst ihr Regiment angetre­ten hatte, mit der Parole, den Marxismus bekämp­fen zu wollen, hatte längst ihre Aufmerksamkeit von den Vorgängen aus der Linken abgewandt und sich dank ihrer parteipolitischen Verblendung in einen verbissenen Kampf mit dem Nationalsozialismus eingelassen, der die österreichische Bevölkerung, so­weit sie nicht marxistisch verhetzt ist, mehr und mehr erfaßte. Je schärfer der Kampf der Regierung Doll­fuß gegen den Nationalsozialismus wurde, um so ungestörter konnten die Marxisten ihre Vorberei­tungen treffen. Darüber hinaus ließ sich die Regie­rung Dollfuß in ihrem Haß gegen den National- sozi-alismus dazu verleiten, sich in wachsendem Maße in die Abhängigkeit der französischen Politik zu begeben. Paul-Boncour hak der Dollfuß-Regie­rung in Wien ausdrücklich das Verbot auferlegt, etwas Ernstes gegen den Marxismus zu unterneh­men, anderenfalls Frankreich feine wirtschaftliche und politische Unterstützung einstellen müßte. Das wirkte geradezu wie eine Ermunterung an die Marxisten, mit Gewalt den Versuch einer Macht­übernahme zu unternehmen.

Durch den Kabinettswechsel in Paris trat eine völlige Aenderung der Situation ein. Die linksradikalen Elemente hatten in Paris nicht i>en gewünschten Erfolg, eine nach rechts tendie­rende Regierung hat die Macht in der Hand. Die österreichische Regierung war nun von der durch Paul-Boncour ihr auferlegten Verpflichtung der Schonung der Sozialdemokratie befreit, und Mi­nister Fey hat sofort die Möglichkeit erkannt, hier mit durchgreifenden Maßnahmen noch vielleicht in letzter Minute den ramponierten Ruf des Dollfuß- Regimes retten zu können. Das war der Augew blick, wo die Marxisten, wenn sie überhaupt noch die Lage für sich retten wollten, den Versuch unter­nehmen mußten, mit Gewalt dieser Entwicklung entgegenzutreten. Aus dieser Lage heraus hat sich natürlicherweise der Widerstand gegen die Entwaff­nungsaktionen ergeben, die die österreichische Po­lizei in Linz zur Durchführung bringen wollte, und dieser Funke hat sofort in ganz Oesterreich gezündet und den Generalstreik und blutige Zu­sammenstöße in weiten Teilen Oesterreichs aus-

Werte Aachikümpfe in den Bororten

Mik Artillerie gegen die marxistischen Parteiheime.

Erscheint täglich' außer H ftr"di'-'"Mit°agsnumm-r

sästä YJlvTivl 1VV 44ll iVlHVl Ssiä»

General-Anzeiger für Oberhefsen MM

nchten. Anzeiger Hießen Vereins- u. Tageskalender

SrrotlnrtÄain'11688 Druck und Verlag: vrühl'sche llniversttätsvuch- uns Sieindruckerei ii. Lange in Sieben. Schriftleilung und SeschäfiLftelle: Schulftrahe r im Textteil 12 Rps. je mm