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befriedigender Weise Rechnung. Don irgendeiner Verantwortlichkeit Ungarns sei in der Entschließung mit keinem Wort die Rede. Auch ein auswärtiger Einfluß auf die in Ungarn vorzunehmende Untersuchung, wie ihn die Kleine Entente gefordert habe, sei ausgeschlossen.Ujsag" faßt die Bedeutung der Lösung in die Worte: Ungarn kann mit erhobenem Haupt Gens verlassen.

Die der Regierung nahestehenden Blätter werfen die grundsätzliche Frage einer praktischen Zu­sammenarbeit der Donaumächte auf. Die ungarische Regierung habe im Interesse des europäischen Friedens und einer aufbauenden Zu­sammenarbeit größte Opferbereitschaft gezeigt. Die Einigung im Donaubecken sei aber nicht allein von Ungarn abhängig. Die haßerfüllte Atmosphäre in den Nachbarländern Un­garns müsse jetzt verschwinden. Wenn die Wogen der Leidenschaft sich legen, werde man wieder an die großen Probleme des Aufbaues im Donauraum herantreten können. Die Genfer Aktion fei haupt- lächlich von Prag auf die Erreichung politischer Sonderziele abgestellt worden, um durch eine moralische Verurteilung der ungarischen Politik dem europäischen Revisionismus ein Ende zu bereiten. Es wird aber festgestellt, daß die Versuche der Kleinen Entente, den Konflikt für eigene Zwecke auszubeuten, gescheitert seien.

Zwiespältiges Echo in Südslawien.

Die breite Öffentlichkeit von dem Genfer Ergebnis enttäuscht.

DNB. Belgrad, 11. Dez. Die Abendblätter stellen fest, daß das südslawische Volk eine ehren­volle Genugtuung erhalten habe. Der Beschluß des Völkerbundsrats habe eine weitgehende Entspannung herbeigeführt und sei mit Er- leickteruna ausgenommen worden. Es wird mit Zufriedenheit auf die Haltung Lavals verwiesen, der sich sehr entschieden für den südslawischen Stand­punkt eingesetzt und dafür Sorge getragen habe, daß der Rat einen Beschluß faßte, der Belgrad und seine Freunde zufriedenstellen mußte.

Dieser Auffassung steht jedoch die Meinung der breiten Öffentlichkeit gegenüber, die vom Genfer Ergebnis enttäuscht ist. Es wird zwar zugegeben, daß der Beschluß des Äölker- bundsrates das Höch st maß dessen darstelle, was sich in Genf erreichen ließ. Allein mit Rück­sicht auf die weitgehenden Forderungen der süd­slawischen Abordnung und auf die hochgespannten Erwartungen des südslawischen Volkes wird der Genfer Urteilsspruch als dürftig empfunden. Die Enttäuschung ist sogar so stark, daß der Regie­rung der Vorwurf gemacht wird, durch die An­rufung des Völkerbundes einen völlig falschen Weg beschritten zu haben.

Nie Polizeitruppe für das Gaargebiet.

Unter dem Oberbefehl des britischen Generals Brind.

Genf, 11. Dez. (DNB.) Der Vorsitzende des Dreierausschusses für die Saar, Baron Aloisi, hat den Regierungen Englands, Italiens, der Niederlande und Schwe dens u. a. fol­gendes mitgeteilt:

Der Ratsausschuß für die Saar hat Kenntnis davon genommen, daß die Regierungen Englands, Italiens, der Niederlande und Schwedens an der Bildung einer internationalen Truppe t e i l n e h - men werden, die damit beauftragt ist, im Saar­gebiet die Ordnung durch die folgenden Kontingente ausrechtzuerhalten: England 1500, Italien 1300, Niederlande 250, Schweden 250. Der Ausschuß hat sich entschlossen, die englische Regierung zu bitten, den Kommandanten für die inter­nationale Macht zu bezeichnen, die ihrerseits der Regierungs kommission des Saarge­biets unter stehen wird. Der Ausschuß emp­fiehlt weiter den beteiligten Regierungen, die nöti­gen Maßnahmen zu ergreifen, damit die verschiede­nen Kontingente sich vor dem 2 2. Dezember d. I. im Saargebiet befinden."

Das britische Kriegsamt teilt mit, daß der Befehls­haber der internationalen Streitkräfte im Saargebiet Generalmajor I. E. O. B r i n d fein wird. Das bri­tische Kontingent wird bestehen aus dem Hauptquar­tier der 13. Infanterie-Brigade (Kommandeur Bri­gadegeneral I. H. T. Priest man), dem I. Ba­

taillon des East Lancashire - Regiments und dem I. Bataillon des Essex-Regiments gemeinsam mit kleineren Abteilungen anderer Waffen und Dienste. Generalmajor Brind ist seit 1933 Kommandeur der 4. Division. Er trat im Jahre 1897 ins Heer ein, wurde 1902 Hauptmann, 1920 Oberst, 1930 General­major; von 1928 bis 1930 war er Adjutant des Kö­nigs und von 1931 bis 1933 Stellvertreter des Generalstabschefs im Heereshauptquartier Indiens. Brind hat den Burenkrieg und den Weltkrieg mit­gemacht. Die beiden für das Saargebiet bestimmten britischen Bataillone werden England etappenweise verlassen. Sie werden über Dover Calais befördert werden. Ihr Gepäck wird auf 90 Lastkraft­wagen befördert werden, die auf einem neuen Fähr­boot der englischen Südbahn über den Aermelkanal befördert werden sollen. Der Oberbefehlshaber, Ge-

neralmasor Brind, wird dieser Tage nach Saar­brücken abreisen.

Nächste Ratssitzung om 11. Januar.

Genf, 11. Dez. (DNB.) Der Dölkerbundsrat hat am Dienstagnachmittag feine Schlußsitzung abgehal­ten. B e n e s ch schlug zur allgemeinen Ueberraschung vor, die nach st e Tagung des Rates mit Rück­sicht auf die am 13.Januar stattfindende Abstim­mung im Saargebiet nicht, wie vorgesehen, am 21.Januar, sondern schon am 11. Januar stattfinden zu lassen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Der Völkerbundsrat hat sich damit den Standpunkt zu eigen gemacht, daß es notwendig sei, während der Abstimmung im Saargebiet den Rat versammelt zu lassen, damit er gegebenenfalls eilige Beschlüsse fassen könne.

Kameradschaft der Nation.

Goebbels spricht in der Dortmunder Westfalenhalle.

Reichsminister

Dortmund, 12. Dez. (DNB. Funkspruch). Die Westfalenhalle in Dortmund war am Dientagabend Schauplatz einer großen Goebbels - Kundgebung. Mehr als 15 000 Personen füllten den weiten Raum, der wirkungsvollen Favnen- und Blumen­schmuck trug.

Dr. Goebbels gab einen Abriß der politischen Entwicklung Deutschlands in den letzten Jahren, zeich­nete mit scharfen Strichen das Deutschland, das bet Nationalsozialismus am 30. Januar 1933 über­nehmen mußte, und stellte dem gegenüber das Deutschland von heute, das von jenem verschieden sei wie der Tag von der Nacht. Nach der Macht­ergreifung habe der Führer vier Jahre Zeit gefordert zum Wiederaufbau Deutschlands. Heute sei noch nicht die Hälfte dieser Zeit verstrichen, aber schon jetzt sei die Verschuldung ge­sunken. 4,5 Millionen Menschen ständen wieder in Lohn und Brot, und wenn vielleicht hier und da auch die Bezahlung noch nicht den Wünschen der nationalsozialistischen Bewegung entspreche, so käme es doch zunächst darauf an, die Menschen in die Betriebe zurückzubringen und dann allmählich in dem Maße, in dem das deutsche Volk sich das erarbeite, auch seinen Lebens­stand a r d zu verbessern. Man müsse sich darüber klar sein, daß keine Macht der Welt Deutschland etwas schenke, sondern daß das deutsche Volk alles, was es wünsche und ersehne, sich selbst er­kämpfen und erringen müsse.

Dr. Goebbels wies auf die Preisfrage hin, deren Regelung mit Energie in Angriff genommen sei und machte darauf aufmerksam, daß eine gewisse Rohstoff- und Devisenknappheit ganz natürlich sei, denn Deutschland sei kein Roh­stoffland und wenn 4,5 Millionen Menschen wieder in Arbeit gebracht würden, so brauchten sie selbst­verständlich auch mehr Rohstoffe, weil sie mehr Waren verkonsumieren. So habe

man von vornherein, um Millionen von Arbeits­losen wieder einen Arbeitsplatz zu geben, eine ge­wisse Divisen- und Rohstoffknappheit in Kauf ge­nommen.

Das deutsche Volk habe am 30. Januar 1933 den letzten Rest von Vertrauen, der in Deutschland über­haupt noch vorhanden gewesen sei, dem Führer der NSDAP, in die Hand gelegt. Die Regierung könne nun Gesetze erlassen, aber erst das Volk müsse die Gesetze mit Leben erfüllen. Die Re­gierung könne Disziplin befehlen, das Volk aber müsse Disziplin halten nicht aus Zwang, sondern aus Ueberzeugung und Pflichtbe- wußtsein. Die Führer der nationalsozialistischen Bewegung hätten nicht den Ehrgeiz, Ruhm und Ehre für die Gegenwart zu erweroen, sondern ihre Namen der Nachwelt zu vererben. Wer so viel wie sie gekämpft, so viele Enttäuschungen erlebt, so viele menschliche Größe und menschliche Hingabe­bereitschaft verspürt habe, sei allmählich über die kleinen Bedürfnisse des Tages hinausgewachsen.

Wir sind überzeugt, daß wir jede Krise über stehen, und daß wir die Aufgaben, die uns das Schicksal stellt, lösen werden. So wie die alten Chatten sich im Kampfe durch eine eiserne Kette zusammenbanden, so wollen auch wir uns von einer Kette der alten eingeschworenen Kamerad­schaft umschlungen fühlen und nicht voneinander loslassen. Wir sind in der Härte und Schwere der Kampfjahre nicht verzweifelt, sondern sind mit der Kraft des Verstandes, mit der Kraft des Herzens und mit Idealismus ans Werk gegangen. Wenn unsere Arbeit von Segen gewesen ist, so bitten wir auch fürderhin, daß das Schicksal uns beistehen möge." Immer wieder unterbrachen stürmische Beifallskundgebungen die Rede des Ministers, am Schluß war die Halle gefüllt von begeisterter Zu­stimmung.

Wo Hindenburg ruht.

Dos Tannenberg-Denkmal wird nach einer Idee des Führers zur Gruft Hindenburgs ausgestaltet.

Königsberg, 11. Dez. (DNB.) Die Erbauer des Tannenbergdenkmals, Walter und Johannes Krüger, sind damit beauftragt worden, d i e Gruft des Reichspräsidenten General­feldmarschall von Hindenburg im Tannen­bergdenkmal auszubauen. Vor etwa sieben Wochen empfing sie der Führer, um mit ihnen den Ausbau des Denkmals zu besprechen.Sie müssen davon ausgehen", so sagte der Führer etwa, daß aus dem Tannenbergdenkmal immer mehr das Denkmal des größten Feldherrn des Deutschen Reiches wird." Der Führer zeichnete seine Idee für die Ausgestaltung des Denkmals selbst in den Grundrißplan des Tannen­bergdenkmals ein. So ist es der Gedanke des Führers selbst, daß das Schwergewicht des Denkmals, das bisher, gebildet von dem hohen Kreuz über dem Grab von 20 deutschen Soldaten, im Mittelpunkt des Denkmals ruht, in die Achse verlegt wird. Das heißt also, das Grabmal in der Mitte des Hofes verschwindet, die Gruft des Feldmarschalls wird in den bisherigen Ausgangs­turm verlegt, der dem Eingangsturm gegenüber« liegt. Auf diese Weise wird im Inneren des Tan­nenbergdenkmals ein großer freier Hof gewonnen,

der den dort zu erwartenden Kundgebungen zu­gute kommen wird.

Don der Fläche, die vor den Bogenhallen liegt, werden Granitstufen in den vier Meter tiefer lie­genden weiten Hof hinabführen, der gleichfalls einen Plattenbelag aus Granit erhält. Die Ring­stufenanlage, die um den Hof nach Art eines Amphitheaters emporsteigt, kommt dabei dem Denkmal als Ort gewaltiger Kundgebungen zu­gute. Gegenüber dem Eingangsturm liegt bann Die Gruft b e 5 Felbmarschalls, unter jenem Turm, der von nun an den Namen Hinben - burg-Turm tragen wirb.

Von bem vertieften Hof aus führt ein breiter Zugang zwischen zwei großen Stufenanlagen, bie rechts unb links bie Ringtreppenanlage abschlie­ßen, zur Gruft. An ben Stirnseiten biefer beiben Blöcke stehen bie Standbilder zweier Solbaten, Monumentalfiguren, drei Meter groß, Wächter des Grabes. Den Eingang zur Gruft deckt ein gewaltiger, behauener Stein­block, der nur in schlichten Buchstaben ben Namen Hinbenburg" trägt. Dieser Block wirb e i n ost preußischer Finbling sein. Ein schmiede­eisernes Tor. schließt bie Gruft ab. Hinter bem Tor

liegt, schon unter der Erde, eine Vorhalle An biese Halle schließen sich rechts unb links weitere Hallen an, in benen bie 20 beut' f cf) e n Krieger beigesetzt werben, bie bisher unter bem höhen Bronzekreuz inmitten des Denk, malshofes ruhten. Diese Halle werben Relief- schmücken, bie Darstellungen bes aufbrechenden Heeres zeigen. So wirb ber Felbherr unter seinen Mitkämpfern auf seinem Schlachtfelb ruhen.

Ein neues Gitter trennt von ber Vorhalle bi» Gruft, in ber ber Sarg bes Feldmar. fchalls steht. Die Gruft ist ein halbkugelsörnn. ges Gewölbe, an besten Wänben bronzene Leuchter Kerzen tragen, von benen feierliches Licht auf ben Sarkophag fällt.

lieber ber Gruft ragt ber Hinbenbura. Turm empor. Seine Fensteröffnungen wird man ' zumauern, bann soll bas große Bronze, kreuz, bas bisher in ber Mitte bes Denkmalhosez ftanb, an ber glatten Wanb dieses Tur. m e s über bem Grufteingang angebracht werben. Der Turm selbst wirb mit kreuzförmigem (Brunk riß unb Kuppelgewölbe ausgebaut. Als einzig Schmuck erhält er außer feiner sehr schönen steinverkleibung lebiglich bie Daten aus h? Leben bes Felbmarschalls, eingemefy in bie Wanbplatten, so bah biefer Turm wie» steinernes Buch bes Lebens biefes großen Dnx. fchen wirkt, lieber ber Inschrift werben aus Bron>< unb Emaille bie Vergrößerungen ber I vier höchsten preußischen Kriegsorbe prangen, bie ber Feldherr getragen hat. In der h entstandenen hohen Halle, die man durch Treppen aus den Kammern erreicht, die rechts und link; der Gruft liegen, wird ein Bronzedenmal des Felbmarschalls aufgestellt.

Sozialpolitische Maßnahmen für die Weihnachtszeit.

Berlin, 11. Dez. (DNB.) Der Reich,, arbeitsminifter und der Reichswirt' schaftsminister teilen mit:

Die diesjährige Lage der Weihnachtsfeiertage unb des Jahresbeginns bringt in vielen Betrieben einen erheblichen Arbeitsausfall und damit verbunden einen erheblichen Verdien st auz- fall für die Beschäftigten mit sich. Um diesem Nachteil zu begegnen, hat der Reichsarbeitsminister die Landesregierungen ersucht, die Vor- unb Nacharbeit der etwa ausfallenbenSri beitsftunben an ben Werktagen sowie an einem Weihnachtsfeiertage währenb ber Monate Dezember unb Januar insoweit zu gestatten, als nicht in anberer Weise für Ersatz des mb ftanbenen Verdienstausfalles gesorgt ist.

Weiter hat ber Reichswirtschaftsminister ange* orbnet, baß in ben ber Arbeitszeitverkürzung unb ber Faserftoffverorbnung unterliegenben Betrieben bie Arbeitszeit, bie am 24., 27., 28., 29. Md 3L Dezember etwa ausfällt, ohne b e f o n b e rt nehmigung bereits setzt bis zum 22. !

zember 1934 vorgearbeitet ober im LaM bes Monats Januar 1935 nach geholt wird, weit bie Rohstofflage bes einzelnen Betriebes du zuläßt. Außerdem barf in berfelben Zeit zum Au­gleich für ben burch bie beiben Weihnachtsfeiertagi entftanbenen Lohnausfall Mehrarbeit in Höhe von einem Sech stel der für den einzel­nen Betrieb zulässigen verkürzten Wochenarbeits­zeit ohne Berücksichtigung etwa genehmigter Mehrarbeit geleistet werden. Auf Grimo oa ergangenen Erlasse sind bie Betriebe in der Lage bereits vor Weihnachten ihrer Gefolgschaft einen Vorschuß auf bie nachzuarbeitenbe Arbeitszeit auszuzahlen.

Volksverbundene Polizei!

Ein Tag im Dienste des WinterhilsswerlS.

Am 18. unb 19. Dezember wirb die Polizei aller beutfdjen ßänber ohne Unter- schieb ber Sparten zum erstenmal im nah? nalsozialistischen Staat in ihrer Gesamtheit in Erscheinung treten. Doch nicht wie früher, -1 nach außen abgeschlossen eigene Feste zu feiern, i-- unter sich zu sein", sonbern biestnal miro -il beutsche Polizei zum erstenmal mitten Volk gehen, will Zeugnis bafür oblegen M sie sich in allen ihren Formationen eins IM1, mit bem Volke unb gewillt ist, im W gegen bie Not nach besten Kräften mit', uhe 1^

An einem Tage will sich bie beutsche Polizei w® ; obersten Befehlshaber bis zum jüngsten SeamM soweit es irgenb ber tägliche Dienst zuläßt, injo[<*

Billroth und Brahms.

Zur erstmaligen Veröffentlichung ihres Briefwechsels.

Die über dreißig Jahre währende Freundschaft zwischen dem berühmten unb kunstsinnigen Chirur­gen Theobor Billroth, bem Sproß einer an­gesehenen pommerschen Patriziersamilie, unb bem Komponisten Johannes Brahms ist eine ber seltenen unb schönen Geistes- unb Schicksalsgemein' schäften, in Denen bie ßebenbigfeit persönlichster Auseinanbersetzung mit einer tief empfunbenen Derbunbenheit zum Werk, in biesem Fall ber Musik, in einer reichen unb volltönenben Weise zusammen­klingt. Billroth, ber ben großen Musiker wahr­scheinlich im Spätherbst bes Jahres 1865 in Zürich kennengelernt hat, lag bie leidenschaftliche ßiebe zur Musik von ben Vorfahren her im Blut, unb mit Recht konnte später von ihm gesagt werben:Der hätte ja gerabe so gut Musiker wie Chirurg wer­ben können". Das freunbschaftliche Verhältnis zwi­schen bem großen schaffenben Kunstgenius unb bem bei aller Einfühlungsgabe immer felbftänbig ur- teilenben Kunstliebhaber, bas erst in späteren Jahren eine Trübung erfahren sollte, hat seine herrlichsten Früchte in Wien getragen, wo sich im Hause Bill­roth in ben siebziger Jahren Des vorigen Jahr- hunberts die Gepflogenheit herausgebiloet hatte, baß neue Brahmssche Kammermusik ober ßieber bort zuerst vor einem gewählten Musikpublikum ge­probt würben, wie Otto Gottlieb-Billroth in bem von ihm herausgegebenen unb eingeleiteten BriefwechselBillroth unb Brahms" ausführt. fBeibe Männer waren protestantische Norbbeutiche mit einem feinen Sinn für bie Eigenart unb bas Eigenrecht nationaler Kulturen, beibe hatten viele gleichgerichtete Interessen, so sehr bie verschiebene berufliche Umgebung sie auch vor auseinanber- ftrebenbe Aufgaben stellte.(Eine weise Einrichtung war es, daß sie schon früh bie Abmachung getroffen haben, Brahms werde niemals einen Arzt an Billroth, dieser niemals einen Musiker an Brahms empfehlen; sie haben beide daran sestgehalten, zum Vorteil eines unbeschwerten, bequem unbefangenen Verkehrs."

Wie sehr das Denken und Fühlen der beiden auf­einander abgestimmt war, so daß es müßig wäre, im Einzelfall zu fragen, wer ber gebenbe unb wer ber nehmenbe Teil gewesen ist, zeigt ein Brief Billroths an Brahms aus Wien vom 6. November 1890:Ich habe mich heute nachmittag, bas heißt gestern nachmittag, mit allerlei trivialer ßebens- arbeit plagen müssen, die sich bis nach Mitternacht fvrtsetzte. Doch ich kann nicht zur Ruhe kommen, ohne Dir, mein lieber alter Freund, gesagt zu haben, welch glückliche Stunde Du mir heute wieder bereitet hast. Und fange ich an, darüber nachzuden­ken, in welchen Stunden meines ßebens, mit dessen Reichtum sich wohl wenige Sterbliche messen kön­nen, mir am wohlsten war, so nimmst Du doch immer ben breitesten Platz ein.

Ich habe einen großen Teil Deines Werbens miterlebt, unb Du mit mir. Das ist ein Banb, wie es Geschwister in einem guten Hause umschlingt. Ein jebes ber Familie geht seinen Weg, boch man finbet sich immer wieber zusammen. Es hat Dich früher wohl gefreut, wenn ich Dir bies unb bas über eine Deiner neuen Schöpfungen sagte. In neuerer Zeit bin ich stumm, benn ich weiß nichts mehr zu sagen, als: musikalisch schön, wunberschön; nun auch für mich schon beim ersten Hören klar, Himmelsblau klar!

Wohl hörte ich heute begeisterte Rufe: bas Schönste, was er je geschrieben! Ich habe in meinem lieben Garten in St. Gilgen Rosenstöcke in vollster Kraft. Sie tragen wohl 100 Rosen im Jahr. Unb wenn ich am Morgen wieber eine neue Knospe erblüht sehe, meine ich, bas ist nun bie Schönste! Doch babei tut man ben früheren Unrecht. Es gibt eine Kraft ber Blüte unb Schönheit, wo es kein schön, schöner, am schönsten gibt.

Könnte man bei ben Werken Michelangelos, Raphaels, Beethovens, Mozarts auf der Höhe ihres Schaffens von einer Steigerung sprechen? Doch nur im Sinne einer ganz beschränkt subjektiven Sym­pathie. Ist bas E-Dur-Quartett von Beethoven schöner als sein V-Dur-Trio? ßächerliche Frage! Verlange also nicht, baß ich sage, Dein neues G- Dur-Quintett sei schöner als bas F-Dur-Quintett. Beibes ist wunderschön, und damit basta!

Soll ich eins sagen, so ist es bas: Du konzentrierst Dich in Deiner Form jetzt so, als wenn man ein

schönstes Werk von ßessing, Goethe unb Schiller zugleich lesen könnte.

Ich habe oft barüber gegrübelt, was menschliches Glück sei nun, heute war ich im Anhören Deiner Musik glücklich! Darüber bin ich mir ganz klar."

Dabei sinb bieSchwarmbriefe" bes außer- orbentlich musikverstänbigen Chirurgen keineswegs Zeugnisse einer nur eingeschränkten Zustimmung, es mischen sich auch ratenbe, abroagenbe unb kritische Stimmen in ben immer fruchtbaren Aus­tausch ber Meinungen unb Pläne.

Für Brahms bebeutete ber Zuspruch des Freundes unendlich viel, denn er neigte wie manche große Künstler zu einer bis zur Ungerechtigkeit selbstquälerischen Selbstkritik, wie Billroth es einmal ausgebrücft hat, bie ben Schaffenben seelisch belastet unb gefährbet.Wenn mir niemanb sagt, ob unb wie ihm meine Musik gefällt, wie soll ich's benn wissen?" hat Brahms sich einst wie in einem Stoßseufzer geäußert. Dieses Bebürfnis nach Wider­hall, bas nichts mit ber ßobsüchtigkeit bes Durch­schnittkünstlers zu tun hat, fanb bei Billroth tief­stes Derstänbnis. Die Teilnahme bes Freunbes be­zeichnet ber Komponist alsein Geschenk des Schicksals" unb äußerte sich barüber:Du glaubst nicht, wie wichtig unb lieb mir Dein zustimmenbes Wort ist, unb wie bankbar ich bafür bin. Man weiß, was man gewollt unb wie ernst man's gewollt hat. Eigentlich sollte man auch wissen, was bann nun geworben ist; bas läßt man sich aber boch lieber von anberen sagen unb glaubt bann gerne bem freunblichen Wort. So geht es mir auch biesmal, erst jetzt freue ich mich bes Stückes unb sehe es ganz vergnügt an." C. K.

Kunst und Wissenschaft.

Geh. Kat Professor Dr. Wilhelm Lisch 60 Jahre alt

Am 11. Dezember beging der stellvertretende Prä­sident ber Akademie für Deutsches Recht, Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Kisch, seinen 60. Ge­burtstag. Seine ßebensarbeit galt dem Bürger­lichen Recht, vor allem bem Recht des Zivilpro­zesses, bem Versicherungsrecht unb bem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes. Aus ber Ueberzeugung, baß im Dritten Reich ber Rechtswissenschaft größte

Der Direktor der Wiener Staatsoper, Clemens Krauß, ist, wie wir Zistern ' gemelbet haben, auf ben Posten des Direktor»

Berliner Staatsoper berufen worden.

Aufgaben gestellt sind, hat Reichsjusffzkom Dr. Frank, als er bie Akabemie für Deu' Recht grünbete, Kisch zu bem ftefloertret Präsibenten berufen. In unermüdlicher Arven Professor Kisch hier das Instrument f4ane^ l# fen, das in wissenschaftlicher Arbeit und na sozialistischer Ueberzeugung an die Refor m deutschen Rechts herangeht. Don * 6er Schriften seien hiek gentnnt:Unmogi[icpr ßeiftung",Beiträge zur Urteilslehre Zivilprozeßrecht",Handbuch des deutschen rechts" undFälle aus dem bürgerlichen Die großen Verdienste, bie Geheimrat um bie deutsche Rechtswissenschaft erworben ' ber Führer dadurch anerkannt, batz er ^in seinem 60 Geburtstag mit einem ^^'^Ln-eidben Bild mit eigenhändiger Unterschrift u ließ.