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Steuer von ihm durch Hastungsbescheld angefordert und nötigenfalls im Verwaltungszwangsverfahren beigetrieben wird.

RSLB. Arbeitsgemeinschaft ».Dolksschule-Gießen, Stadt".

Mittwoch, 14. November, 16 Uhr, im Zeichensaal der Schillerschule Vortrag von Herrn S z c z e ch überHeimische Vorgeschichte" (1. Die Kulturkreise der Steinzeit).

Die Schillerfeier in der Schillerschule.

Die Schillerschule hatte es sich angelegen sein lassen, den Gedenktag zu Friedrich Schillers 175. Geburtstag in besonderer Weise zu begehen. In der festlich geschmückten Turnhalle hatten sich Schülerinnen und Lehrkräfte eingefunden, um des großen Dichters zu gedenken. Eine Schülerin er­öffnete die Stunde mit einem kurzen Vortrag über das Leben Schillers. Die weitere Ausgestaltung der Feier hatten die drei oberen Klassen übernommen. Eine der Klassen hatte es sich zur dankbaren Auf­gabe gemacht, Schillersche Lnrik und Balladen zum Vortrag zu bringen, eine andere Klasse wartete mit Bildern aus dem Lied von der Glocke auf, wäh­rend eine dritte Klasse Szenen ausWilhelm Teil" aufführte. Verschiedene Lieder umrahmten die Dar­bietungen. Herr Hoffmann hielt die Gedenkrede, die in dem bekannten WortUnd setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird auch das Leben gewonnen sein!" gipfelte. Den eindrucksvollen Ausklang der Feier bildete der von allen Teilnehmern der Feier geschlossen gesprochene Rütlischwur, der zu einem erhebenden Bekenntnis zu Volk und Vaterland wurde.

Labskaus-Essen im Marineverein.

Was ist Labskaus?" werden viele fragen. Labs­kaus ist ein beliebtes Seemanngericht holländischen Ursprungs. Die Herstellung erfordert viel Sach­kenntnis und Erfahrung. Dierichtige" Zubereitung gelingt meistens nur Schiffsköchen oder solchen Leu­ten, die es waren. Der Name schon allein löst helle Begeisterung bei allen Seebären aus. Zubereitet wird diese schmackhafte Speise nach Art unserer Eintopfgerichte. Wer es noch nicht weiß, dem sei es hier verraten: Kartoffeln, gesalzenes und unge­salzenes Schweine- und Rindfleisch, vermengt mit allen möglichen Gewürzen, wie Salz, Pfeffer, Nel­ken, Lorbeer, Muskat, Paprika usw., in einem Topf gekocht und in dampfendem Zustand auf den Tisch gebracht, heißt Labskaus. Dazu gereicht werden Salzheringe und saure Gurken.

Zu einem Labskaus-Essen hatte der Marineverein Gießen am vergangenen Samstag seine Mitglieder in das Bootshaus eingeladen, die sich mit ihren Angehörigen auch zahlreich eingefunden hatten. All­jährlich im Herbst wird dieses Seemannsessen vom Marineverein veranstaltet. Auch in diesem Jahre war die Speise von dem Koch des Vereins derart köstlich zubereitet, daß immer wieder die großen Schüsseln die Runde machen mußten.

Anschließend sprach der Vereinsführer Kamerad L i ch. Er begrüßte zunächst die Teilnehmer des Abends und wies darauf hin, daß nicht allein das Leibgericht der Seemannsleute die.Ursache der Zu­sammenkunft sei, sondern daß man zusammen- komme, um Kameradschaft zu üben. Gerade heute sei es vor allen Dingen nötig, daß sich Kameraden in Freud und Leid zusammensänden. Gauführer Heinemann (Kassel), der als Gast zugegen war, hielt eine herzliche Ansprache an die Erschienenen, in der er darauf hinwies, daß die Vereinsführung und die Mitglieder unbedingt zusammenstehen müß­ten. Eingehend auf die Pflichten und Aufgaben der Marinevereine schilderte er, wie auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in herzlichem Verhältnis zur Marine stehe. Die Ausführungen des Redners fanden reichen Beifall. Nachdem Ver­einsführer Lich für die Ausführungen des Gau- führers gedankt hatte, wurden gemeinsam die ersten Strophen des Deutschland- und des Horst-Wessel» Liedes gesungen. Damit hatte die offizielle Veran­staltung ihr Ende gefunden. Lange noch blieben

dann dle Kameraden in fröhlicher Stimmung bei­sammen. Die Kapelle Daubertshäuser und humoristische Darbietungen unterhielten auf das Veste.

* Keine Vorträge in der Johannes- kirche. Im heutigen Anzeigenteil wird bekannt­gegeben, daß die für heute abend in der Johannes- kirche anberaumte Versammlung verschoben ist. (Siehe Anzeige.)

** Zur Richtigstellung. In dem Bericht über die Gedenkfeier der alten Kämpfer, den wir

in unserer vorigen Samstagausgabe brachten, muß es richtig heißen Ortsgruppenleiter Thomas (nicht Ortsgruppenamtsleiter), ferner ist zu berich­tigen, daß in Gießen nach dem Verbot der Partei nicht eine Ortsgruppe des völkisch-nationalen Blocks gegründet wurde, sondern eine Ortsgruppe des völ- kich - f o z i a l e n Blocks.

** Die Vertilgung der Feldmäuse betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.

Semester-Antrittsfeier der Gießener Burschenschast.

Weihe einer neuen Zahne.

Die Gießener Burschenschaft eröffnete am Sams­tagabend im Frankenhaus an der Kaiserallee das Wintersemester 1934/35 in feierlicher Form. Mit der Feier war die Weihe einer Fahne der Gießener Burschenschaft verbunden. Die Festräume des Hau­ses waren bis auf den letzten Platz besetzt. Der Sprecher der Gießener Burschenschast, Martin, konnte zahlreiche Gäste begrüßen. So u. a. Ober­bürgermeister Ritter, Standartenführer Lutter, der selbst Burschenschafter ist, Obersturmbannführer und Standartenadjutant M ü n k e r, SS.-Sturmfüh- rer H a i n b a ch, Abteilungsführer Lösch vom Ar­beitsdienst sowie Vertreter der Deutschen Arbeits­front. Neben den Führern der Organisationen der alten Burschenschafter (die Herren Dr. W a l b r a ch und Becker) sah man auch zahlreiche Vertreter auswärtiger Burschenschaften. Zahlreich hatte sich die Gießener Dozentenschaft eingefunden.

Nach dem Einzug der Chargen stiegen zunächst einige gemeinsam gesungene Lieder. Dann hielt der Führer der Gießener Burschenschast, Martin, eine kurze Ansprache, in der er kurz über gegen­wärtige Fragen in der Deutschen Burschenschaft sprach. Das Semester werde, so führte er u. a. aus, in schwerer Zeit begonnen, aber man freue sich dieser Zeit, denn jetzt könnten burschenschaftliche Ideen in die Tat umgesetzt werden. Den Korpora­tionen sei die kameradschaftliche Erziehung zuer­kannt worden. Die kameradschaftliche Erziehung zu verwirklichen sei unsere Pflicht. Die Burschenschaften wollten mit die ersten sein, das große Ziel erreichen zu helfen: die nationalsozialistische Hochschule! (Leb­hafter Beifall!)

Nachdem noch verschiedene Lieder gesungen wor­den waren, wurde, zusammengerollt, die neue Fahne der Gießener Burschenschaft in den Saal gebracht.

Dr. Alexander Röder

hielt sodann die Festrede, in der er Wesen und Art der Deutschen Burschenschast und ihre Ziele umriß. Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen: Wenn aus der Tiefe eines Volkes etwas Neues werde, so sei das kaum einmalig. Dem dritten Auf­bruch unseres Volkes gingen zwei andere Aufbrüche vorher. Wenn unsere studentische Jugend von der Gegenwart nicht ergriffen würde, wenn sie nicht wüßte, daß sich gegenwärtig außerordentliches er­eignet, dann wäre sie tot. Die studentische Jugend aber stehe ja mitten darin. In der Materialschlacht des Weltkrieges sei der Jüngling zum harten eiser­nen Mann geworden. Allem hohlen Patriotismus fei_ der Kampf angesagt worden. Es galt gleichzeitig Fühlung zu gewinnen mit der Arbeiterschaft. Die Burschenschaft der Nachkriegszeit habe stets mitten in ihrer Zeit gestanden. In München sei die Bur­schenschaft dabei gewesen, als es ersten Kampf um das Dritte Reich gegolten habe. Ueberall standen sie zusammen mit dem Arbeiter an der blutenden Grenze. Für die Burschenschaft seien die Jahre nach dem Kriege recht bedeutungsvoll gewesen. Sie habe aber gewußt, wo sie hineinzuwachsen habe. Sie

träumte stets von dem großen Deutschland. Schon 1919 habe die Burschenschaft die völkische Frage aufgeworfen und sei in der Folge aus ihren Idealen heraus zum Nationalsozialismus geführt worden. Die neue Zeit sei bestimmend für unser Leben ge­worden. Burschenschafter wollten nur Diener der nationalsozialistischen Idee sein und müßten restlos aufgehen in der großen Idee des Nationalsozialis­mus. Die Burschenschafter müßten Träger dieses Geistes sein. Die Heranwachsende studentische Jugend müsse zum Träger des Staates erzogen werden. Den Kameradschaftsheimen erwachse hier eine wesentliche Aufgabe. Unsere Zeit erfordere nickt nur die Bereitschaft zum Tode für das Vaterland, sondern den ganzen Einsatz der Kraft zur Lebens­zeit. Heute gebe es nicht mehr den Studenten, der seines Vaters Gut verprasse, er müsse heute hart arbeiten. Das Bild habe sich völlig gewandelt, der Student werde jetzt immer im Volke stehen. Er habe mit allen seinen Gaben dem Volke zu dienen.

Die Gießener Burschenschaft weihe heute eine neue Fahne.

Das Bekenntnis zu dieser neuen Aohne ein Bekenntnis zur Einheit in der Gießener Bur­schenschaft.

So schließe sich der Ring mit dem Wollen der Ur­burschen. Das Ziel sei, daß der burschenschafliche Geist an unserer Alma mater Ludoviciana allge­mein werde. Die Burschenschaft werde in Zukunft immer gemeinsam 'in Erscheinung treten. Die Gie- ßener Burschenschast .sammle sich unter dieser Fahne als unter einem Symbol der Einheit und in diesem Sinne, so schloß der Redner, weihe er die Fahne der Gießener Burschenschaft. Im begeistert ge­sungenen Burschenschafter-Lied klang der Akt der Fahnenweihe aus.

Im weiteren Verlauf des Abends sprach zunächst

Prof. Dr. Hummel

der Kanzler der Universität, von der enffcheidungs- reichen Zeit der Gegenwart, in der die Kamerad­schaft so notwendig sei. Die Studentenschaft könne nicht aus lauter Einzelstudenten bestehen. Wir brauchen heute mehr denn je die Korporationen, außerhalb derer kein Student mehr stehen dürfe. Ueberfälliges müsse verschwinden. Die Deutsche Burschenschaft erfülle die Voraussetzungen, unter denen sich die deutschen Studenten finden könnten.

Standartenführer Lutter

gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er heute in diesem Kreise weilen könne. Was die Vorkriegs­studenten geschworen hatten, das sei gehalten war- den. Die Waffenstudenten seien es gewesen, die sich dem Führer mit am ersten zur Verfügung stellten. Er freue sich sagen zu können, daß in der SA - Standarte 116 der Begriff der Volksgemeinschaft seine Verwirklichung gefunden habe, so wie sie der Führer sehen wolle. Wir wüßten gut, wgs Waffen­student und SA.-Mann zu sein heiße. Wer heute noch außerhalb der Volksgemeinschaft stche, werde

sie wohl nie verstehen. Es gebe nichts anderes mehß als Waffenstudententum und SA., SA. und Waffel studententum.

Oberbürgermeister Ritter

sprach davon, daß es ihn freue, in diesem Kreis«! der Tatkraft und des Willens weilen zu können. Das Vertrauen auf die deutsche Jugend werde sich rechtfertigen. Dieser Geist in der Jugend möge weu terleben und der Geist des Waffenstudenten möge stets hochgehalten werden. Die Deutsche Burschen, schäft habe immer wieder belebend und befruchtend gewirkt.

Abteilungsführer Lösch

vorn Arbeitsdienst Gießen betonte, daß sich dii Gießener Studentenschaft willens gezeigt habe, mi| dem Arbeitsdienst zu marschieren. Das fei gut so, denn der Student solle wissen, wie der Arbeiter sein Brot verdienen müsse. Er freue sich, feststellen zu können, daß die Studenten mit großer Freud« im Arbeitsdienst, in der Arbeit am Boden der Hei. mat tätig seien.

Der Führer des Kameradfchastsheimes, pallmann

begrüßte, daß sich die Gießener Burschenschaft ge­schlossen in einer nationalsozialistischen Erziehungs. gemeinschaft gefunden habe. Es gelte Einzelkämpfer zu erziehen, von denen keiner versage, wenn et einmal als einzelner zu kämpfen habe. Die Ge. staltung des Lebens des Studenten müsse in völlig klare Ordnung kommen. Jeder Student müsse ge« zwungen werden, die geistigen Entscheidungen, die kommen werden, schon an der Hochschule zu erleben, Die Kameradschaftserziehung solle den Tagesablauf einer klaren Ordnung immer neu erleben lassen, In Gießen, einer der kleinsten deutschen Universi­täten, sei die Möglichkeit gegeben, die neue Form der deutschen Hochschule zu verwirklichen und allen anderen voranzuschreiten.

Für die auswärtigen Burschenschaften sprach

Herr Hillenbrand.

Er betonte, daß der Geist der Gießener Burschen- schäft der der Deutschen Burschenschaft fei.

Dr. Walbrach

sprach für die Alten Herren des Lahngaues und führte u. a. aus, daß es größer sei, sich zuerst als Burschenschafter zu fühlen und dann erst alsGer­mane ,Alemanne" oberFranke". Die neue Fahns möge allen das Symbol der Einigkeit sein. In wei­teren Ausführungen beschäftigte sich Dr. Walbrach mit Erinnerungstagen aus dem Weltkriege und ge­dachte dabei besonders der Gefallenen von Lange» marck, zu deren Andenken der erste Vers des Liedes vom guten Kameraden gesungen wurde. Damit fand der offizielle Teil des Abends feinen Abschluß

Ehrenpatenschaft des Führers für den achten Jungen.

LPD. Kirchhain, 10. Nov. Dem Schäfer Peter Jennemann im nahen Dörfchen Stausebach wurde derachteJunge geboren. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat die Ehren­patenschaft übernommen und den Eltern in Verbindung mit Glückwünschen ein Geldgeschenk überreichen lassen.

Gelbstverkauf der Kartoffeln durch die Bauern free'gegeben.

LPD. Wiesbaden, 10. Nov. Wie der Regie­rungspräsident bekanntgibt, hat der Reichs­kommissar für Preisüberwachung heute den Preis­prüfungsstellen die telegraphische Mitteilung zu­gehen lassen, daß der Reichsnährstand den Selbst- verkauf der Kartoffeln durch die Bau­ern freigegeben hat. Der Bauer braucht nicht mehr als den Erzeuger-Mindestpreis zu fordern. Diese Regelung ermöglicht eine erhebliche Verbilli­gung des Einkaufs.

Wn,ioo5 Wfi?

Roman von Klothilde v. Stegmann.

13. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Zwischen ihren Hantierungen lauschte sie immer wieder, ob sie nebenan vielleicht Stimmen hören würde. Jetzt sie beugte sich vor, ja, da ging draußen eine Tür, nun noch eine, nun Sprechen, im Chefzimmer nebenan war Bewegung, ein paar Stimmen klangen. Sie konnte durch die gepolsterte Tür aber die einzelnen Stimmen nicht unterscheiden.

Nun wieder Türenklappen, an chrem Zimmer vorbei hörte sie Schritte kommen, dann Stimmen, es waren die der beiden Abteilungsleiter aus dem Laboratorium und der Vervielfältigungsabteilung. Die Konferenz war also beendet. Würde der neue Chef nach ihr rufen?

Wirklich nach einer Weile schnurrte die Klingel auf ihrem Schreibtisch zweimal auf: das Zeichen des Chefs.

Eilig erhob sie sich, strich sich mechanisch über das blonde Haar. Sie ergriff Stenogrammblock und Bleistifte; gerade als sie hineineuen wollte, sah der Abteilungsleiter vom Korridor aus schnell her­ein:

Gratuliere, Fräulein von Dönitz! Ich habe so­eben vom Herrn Direktor gehört, daß er Sie probe­weise weiter als Privatsekretärin behalten will. Herr Direktor Kutschner hat ihm wohl brieflich einen Wink gegeben. Also seien Sie ebenso pflicht­treu und fleißig, dann wird's nicht fehlen."

Er nickte Edelgard freundlich zu und war schon wieder verschwunden.

Die gütigen Worte hatten Edelgard etwas Mut gemacht. Sie fühlte sich auf einmal von Rudolf wie beschützt. Der Gute, wie er auch in der Ferne an sie dachte, für sie sorgte! Und vergalt sie es ihm denn mit dem rechten Gefühl? Aber darüber nach­zudenken war jetzt keine Zeit.

Die Klingel auf dem Tische schnurrte schon zum zweiten Male, jetzt ungeduldiger.

Edelgard öffnete die erste Tür, nun die zweite. Mit einem leisenGuten Morgen" trat sie ein.

Der neue Direktor saß mit dem Rücken zur Tür, er war anscheinend ganz in seine Akten vertieft.

Ach, da sind Sie, Fräulein", sagte er, ohne auf» Zusehen.Ditte, wie heißen Sie? Sie sind mir von Herrn Direktor Kutschner empfohlen."

Edelgard erschrak. Diese Stimme? Sie kannte sie doch! Ach, unter Tausenden würde sie sie heraus- kennen.

Nun bitte, kommen Sie doch herein", klang es etwas ungeduldig in das Schweigen. Die Gestalt auf dem breiten Schreibsessel drehte sich um. Zwei Augenpaare sahen sich an, fassungslos, nicht be­greifend ...

Nun blitzte es in den blauen Augen des Mannes

auf, ein Lächeln aber Edelgard war dies Lächeln schlimmer als Zorn.

Ich glaube, wir kennen uns", sagte der Mann. Und nun war das Lachen nicht nur in seinen Augen nein, auch in seiner Stimme.Und damit Sie mir nicht wieder oorwerfen, daß ich nicht wüßte, was sich schickt, stelle ich mich Ihnen hiermit in aller Förmlichkeit vor: Herman, Direktor der internatio­nalen Filmfarbenwerke. Darf ich nun auch wissen, wie Sie heißen, mein Fräulein?"

Edelgard setzte zweimal zum Sprechen an, aber die Stimme versagte ihr. Endlich brachte sie ihren Namen heraus.

Don Dönitz, Herr Direktor."

Robby Herman fuhr zurück. Das übermütig- spöttische Lachen erstarb in seinen Augen, sie wur­den kalt, verächtlich:

Sie sind Fräulein Edelgard von Dönitz?"

Jawohl, Herr Direktor", kam es mit zitternder Stimme, und nun schlug Edelgard die Augen flehend auf, suchte den kalten, verschlossenen Blick, ich möchte Sie um Entschuldigung bitten wegen wegen..."

Ihre Stimme schwankte, sie konnte nicht weiter, sie biß die Zähne zusammen, um nicht zu meinen.

Robby Herman bemerkte sehr wohl ihre Scham, ihre Angst und beinahe wäre er weich gewor­den. Frauentränen er hatte sie niemals sehen können. Darauf hatte seine Frau, hatte Margaret auch sehr geschickt spekuliert. Und dieses Mädchen hier vielleicht war sie auch so wie Margaret. Alles, was Studczynski ihm von Edelgard erzählt, alles, was er selbst mit ihr bei dem ersten Zu­sammentreffen erlebt, es kam ihm jetzt in den Sinn.

Sein Herz verhärtete sich. Nein, er wollte nicht wieder auf solch geheuchelten Kummer hereinfallen. Wie demütig und ängstlich dies hochmütige Ding jetzt dastand! Ja, damals, bei der unvermuteten Begegnung, als sie nicht wußte, wer er war, da war sie richtig stolze Prinzessin gewesen, da hatte sie ihn behandelt wie einen Schuhputzer. Jetzt auf einmal fand sie den weichen, bittenden Ton. Aber nun war es zu spät.

Ich wünsche keine Entschuldigungen von *Jhnen, Fräulein von Dönitz", sagte er schneidend.Die pri­vate Begegnung zwischen uns existiert nicht für mich, ich habe sie vollständig vergessen und wünsche, daß auch Sie das tun mögen. Erwarten Sie in Ihrem Zimmer meine Anweisungen möglich, daß ich Sie heute zum Diktat noch nicht benötige. Jedenfalls aber halten Sie sich bereit Ich danke."

Edelgard stand wie festgewurzelt. Ihre Knie zit­terten, ihre Hände waren wie abgestorben. Sie wollte gehen und konnte doch nicht. Durch ihren Kopf jagten die Gedanken wie aufgescheuchte Gei­ster. Unmöglich, unmöglich, als Sekretärin Direktor Hermans zu arbeiten, täglich viele Stunden mit ihm zusammen Das ging über ihre Kräfte. Niemals würde sie das peinvolle erste Zusammentteffen ver­gessen, niemals seinen schneidenden Hohn jetzt. Lie­

ber die untergeordnetste Stellung hier im Werk bekleiden, als die Qual des Zusammenarbeitens mit dem neuen Chef.

Schmerzvoll dachte sie daran, wie gut Rudolf Kutschner es gemeint und wie anders es sich gefügt hatte. Hätte Rudolf nicht den neuen Direk­tor auf sie aufmerksam gemacht, dann hätte er sich vielleicht eine and-"-- Privatsekretärin genommen. Dann wäre sie kaum mit ihm zusammengetroffen. So aber nein, es war unmöglich.

Woraus warten Sie denn noch?" klang es scharf vom Schreibtisch her.

Da raffte Edelgard ihren letzten Mut zusammen.

Herr Direktor", sagte sie mit zitternder Stimme, ich möchte ergebenft bitten, mich von der Stellung als Privatsekretärin zu entheben und mir einen anderen Posten im Betrieb zuzuweisen. Ich, ich ..."

Sie konnte nicht aussprechen. Direktor Herman war brüsk aufgeftanben. Seine Stimme war eisig:

Fräulein von Dönitz, Sie scheinen eine sehr eigenwillige Dame zu fein. Sie glauben, es ginge hier nach Ihrem Kopfe? Gestern wollten Sie, gestützt auf Empfehlungen meines Vorgängers, hier dieselbe bevorzugte Stellung behalten. Ich weiß auch durch den Herrn Abteilungleiter, daß Sie sich bei ihm gleichfalls um eine dahingehende Fürsprache bewor­ben haben. Und kaum habe ich zugesagt, Sie ohne vorherige Prüfung in Ihrer Stellung zu belassen, kommen Sie und wünschen eine Aenderung. Wie die Stellen hier verteilt werden, darüber entscheiden die Personalchefs, die Abteilungsleiter und letzten Endes die Direktoren. Wir denken nicht daran, das nach den Launen unserer Angestellten einzurichten. Sie bleiben in Ihrer Stellung, bis ich darüber entscheide, ob Sie meinen Ansprüchen genügen. Paßt Ihnen das nicht, so steht Ihnen selbstverstand- IicLba£^ec^ ber Kündigung zu. Guten Morgen!"

Wie Edelgard $ur Tür hinausgekommen war, wußte sie später nicht. Sie fand sich in ihrem Zim­mer auf ihrem Platz wieder, heiße Tränen strömten ihr über die Wangen.Sieber Gott", flehte sie, warum hast du das zugelassen? Ich immer mit ihm zusammen? Wie soll ich das ertragen?"

Unö wieder mußte sie an den treuen Freund denken, der fern, durch Länder und Meere von ihr getrennt, darauf wartete, daß sie sich zu ihm bekannte. Warum konnte Glicht zu ihm flüchten? Aber diese leise, geisterhafte Stimme in ihrem Innern, sie klang lauter und lauter wie eine Glocke, dumpf und unentrinnbar:Nun weißt du, was Liebe ist!" tönte die Stimme.Du liebst ihn, den harten, strengen Mann da drinnen."

Aufstöhnend schlug Edelgard die Hände vor das tränennasse Gesicht.

*

Robby Herman saß in seinem Zimmer, sah bei­nahe erschrocken auf die Tür, die sich leise hinter Edelgard geschlossen. Seine Worte, diese harten und kalten, sie waren verklungen aber sie schienen noch immer im Zimmer widerzuhallen.

Was war das nur gewesen. Wie war er nur dazu gekommen, in so schroffer Weise zu einer Frau zu sprechen? Noch dazu zu einer Frau, die ihm gegenüber in einer abhängigen Stellung mar? Er hatte sich selbst aus kleinen Anfängen mühsam heraufgearbeitet.

Sein Vater mar als junger Arzt nach Amerika eingernandert, rneil es ihm in der Heimat zu eng und schrner mar. Er hatte sich ein schönes Ver­mögen verdient, aber nach seinem Tode zerrann es der geschäftsuntüchtigen Mutter zwischen den Händen. Hätte Bobby nicht seine eiserne Energie und seinen unermüdlichen Fleiß gehabt, wer weiß, was aus ihm geworden märe? So aber hatte er sich vom kleinen Lehrling in dem großen Elektri- titätswerke heraufgearbeitet bis zum Direktor in feinem jetzigen Konzern.

Aber er hatte dabei gelernt, wie schwer es ist, in untergeordneten Stellungen zu sein. Wie oft hatte er die Zähne zusammenbeißen müssen, um nicht aufzubegehren gegen Launen oder Ungerechtig­keiten seiner Vorgesetzten.

Da hatte er es sich gelobt, wenn e r erst einmal oben stehen würde, er würde menschlicher und gerechter sein. Und diesen Vorsatz glaubte er ge­halten zu haben, besonders Frauen gegenüber. Bis heute. Was mar nur geschehen? Er mar plötzlich von einer unsäglichen Wut gepackt gemeßen; viel­leicht hing das alles noch mit seiner Erbitterung gegen Margaret zusammen.

Aber mas konnte dieses junge Mädchen dafür? Mochte sie sein, rnie sie rnollte, auf keinen Fall hatte sie eine derartige Behandlung verdient.

Wie sie ihn angeschaut hatte! Wie entsetzt und angstvoll! Nein, er mar ein brutaler Kerl, daß er feiner Laune so hatte die Zügel schießen lasse» Vermutlich saß sie jetzt drüben und hiett ihn fut einen Menschenfresser oder einen Tyrannen, ihn, der bisher keiner Fliege hatte etrnas zuleide tun können.

Das alles hatte Margaret aus ihm gemacht! Er mar ein fröhlicher Mensch gemefen bis zu der Ehe mit ihr. Sie hatte ihn gequält, ausgenutzt, belogen. Seitdem traute er keiner Frau mehr. Und wäre nicht die Bitte seines Vorgängers, Direktor Kutsch' ner, gemefen, er hätte nicht daran gedacht, sich eine Sekretärin zu nehmen.

Nun aber mar das nicht mehr zu ändern. Wie hätte er denn dagestanden, rnenn er seine Entschlüsse binnen einer halben Stunde geändert hätte? Enthob er Fräulein von Dönitz jetzt ihres Postens, dann würde man im Hause vielleicht denken, er wäre mit ihren Leistungen unzufrieden. Das würde ihr nur schaden, und Kutschner hatte doch so sehr ge« beten, das junge Mädchen, wenn möglich, zu för­dern. Außerdem, auch Fräulein von Dönitz gegen­über würde seine Autorität Ins Wanken kommen. Sie würde ja denken müssen, er hätte ihr nach« gegeben.

(Fortsetzung folgt!)