landes noch dem Auslands. Gleichzeitig nehme der Baumwollverbrauch in den Vereinigten Staaten ob, während der Baumwollbestand Anfang August zehn Millionen Ballen betragen habe, der dritt- größte Bestand, der jemals erreicht worden sei. Dazu komme die voraussichtliche Ernte des nächsten Jahres mit 11800 000 und die diesjährige Ernte mit 9 634 000 Ballen. Dieser Ausblick gebiete eine Einschränkung der gegenwärtigen Anbaufläche von 41 Millionen Acres um 25 v. H. Eine solche Einschränkung sei unbedingt notwendig, selbst wenn die obengenannte Ausfuhrförderung zustandekomme.
Bayern senkt die Lebensmittelpreise.
München, 10. Noo. (DNB.) Im Staatsmini' sterium für Wirtschaft fanden unter der Leitung des Staatsministers Esser Besprechungen über die Preisentwicklung der wichtigsten Lebensmittel statt. Staatsminister Esser richtete an die Erzeuger, verarbeitenden Gewerbe und Händler von Lebensmitteln einen eindringlichen Appell, durch ihre Opfer zu einer tragbaren Gestaltung der Verbraucherpreise mitzuhelfen. Das Ergebnis der Besprechung ist: Im kommenden Winter können die Preise für wichtige Lebensmittel wesentlich g e - senkt werden. In München wurde beispielsweise der Preis für die Semmel von 40 Gramm Gewicht auf 3 Pf., der Preis für 2 Pfund helles Mischbrot von 40 auf 38 Pf. und der Preis für Schweinefleisch von 95 auf 85 Pf., der Preis für Schweinefett von 130 auf 110 Pf. herabgesetzt. Die Preise im übrigen Bayern sind im gleichen Verhältnis herabzusetzen. Ein Pfund Landbutter wird statt 135 noch 125, Butterschmalz statt 175 noch 150 bis 155 Pfennig kosten. Die Preise für Kartoffeln und Eier werden auf Antrag des bayerischen Wirtschaftsministers von den zuständigen Reichsstellen einer strengen Nachprüfung mit dem Ziel der Herabsetzung unterzogen.
Staatsminister Esser erörterte auch mit dem Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes und den Vertretern des Reichseinheitsverbandes für das Gaststättengewerbe die B i e r p r e i s f r a g e. Er wies darauf hin, daß die breite Masse der Verbraucher zu einer fühlbaren Senkung der Preise für die wichtigsten Bedarfsgegenstände kommen müsse und daß in Bayern das Bier als Volksnahrungsmittel zu betrachten fei. Die Vertreter der Wirtschaft entschlossen sich, den Preis für Braunbier in München um vier Pfennig für den Liter zu senken. Künftig wird also dunkles Bier 44 Pfennig und helles 46 Pfennig kosten. Die Regelung wird für ganz Bayern ausgedehnt in der Weife, daß der Preis für Braunbier, das bisher mit mehr als 40 Pfennig je Liter verkauft worden ist, im gleichen Verhältnis gesenkt wird.
Gegen Schädlinge der Volksgemeinschaft wird durchgegriffen.
Leipzig, 10. Noo. (DNB.) Durch Beamte der Wohlfahrtspolizei ist festgestellt worden, daß mehrere Hausierer es unternommen haben, große Mengen Nähgarn in den Einzelhandelsgeschäften zu kaufen, dadurch Knappheit zu erzeugen und die Waren mit großem Gewinn im Hausierhandel oder auf der Straße zu verkaufen. Es wird darauf hingewiesen, daß solche Händler, die sich auf Kosten der Verbraucher bereichern, als unzuverlässig für den Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs angesehen werden und infolgedessen von jedem weiteren Handel ausgeschlossen werden müssen. Den Händlern Maximilian Klins- k o f e r, Leipzig-Volkmersdorf, Ludwigstraße, und Paul Auch, Leipzig-Lindenau, die sich in der angegebenen Weise vergangen haben, ist auf Grund von § 20 der Reichsverordnung über Handelsbeschränkungen vom 13. Juli 1923 der Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs wegen Unzuverlässigkeit untersagt worden. .
Wie vom Reichskommissar für Preisüberwachung, Oberbürgermeister Dr. G ö r d e l e r, mitgeteitt wird, wird außerdem gegen solche Händler in Zukunft das Schnellgerichtverfahren in Anwendung kommen.
Eine überraschend vorgenommene Ueberprüfung der Bäckereien des Regierungsbezirkes Osnabrück ergab, daß das Brot in vielen Fällen zu leicht war. Gegen die schuldigen Bäcker ist mit entsprechenden Maßnahmen vorgegangen worden. 18 Bäckereien, in denen ein erhebliches Untergewicht der Backwaren festgestellt wurde, sind sofort polizeilich geschlossen worden. Or. Ley „Reichsleiter für das Reichs- organisationsamt der NSDAP.
Berlin, 11. Noo. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers hat die folgende Verfügung erlassen:
Reichsleiter Dr. Ley führt künftig die Bezeichnung „Reichsleiter für das Reichsorganisationsamt der NSDAP.", seine Dienststelle die Bezeichnung „Reichsorganifationsam t". Das Aufgabengebiet des Reichsleiters für das Organisationsamt umfaßt Aufbau, Ausbau und die Ueberwachung der inneren Organisation, Schulung und Personal- statistik der politischen Organisation. Die Bezeichnung „Oberste Leitung der PO." und „Stabsleiter der PO." fallen künftig fort.
Die Führung derDeutschenArbeitsfront
Berlin, 12. Nov. (DNB.) Der Führer hat folgende Verfügung erlassen:
Meine Verordnung vom 24. Oktober 1934 über d i e Deutsche Arbeitsfront wird dahingehend abgeändert, daß der § 4 nachstehende Fassung erhält: Die Führung der Deutschen Arbeitsfront hat die NSDAP. Der Reichs- organisationsleiter der NSDAP, führt die Deutsche Arbeitsfront. Er wird vom Führer und Reichskanzler ernannt. Er ernennt und enthebt die übrigen Führer der Deutschen Arbeitsfront. Zu solchen sollen in erster Linie Mitglieder der in der NSDAP, vorhandenen Gliederungen der NSBO. und NS.-Hago, des weiteren Angehörige der SA. und SS. ernannt werden.
Ferner: In §5 Absatz 3 wird das Wort „Stabsleiter der PO." durch „Reichsorganisationsleiter der NSDAP." ersetzt.
NSDIB. (Stahlhelm) und Hitlerjugend.
Berlin, 10. Nov. (DNB. Funkspr.) Nach einer Vereinbarung zwischen dem Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpfer-Bund (Stahlhelm) und der Reichsjugendführung wird der NSDFB. (Stahl- heim) bei den Gebietsführern der Hitlerjugend Verbindungsführer ernennen. Wo vorhan-1
den, sollen in erster Linie frühere Scharnhorstführer hierfür verwendet werden. Verbindungsführer des Bundes bei der Reichsjugendführung ist Kamerad Graf v. Bredow. Die Gliederungen des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpfer - Bundes (Stahlhelm) und der Hitler-Jugend werden sich von jetzt ab zu allen größeren Veranstaltungen ein« laden. Das gilt also auch für BdM. und Jungvolk einerseits wie auch für den S t a Hl- Helm-Frauenbund anderseits. — In nächster Zeit wird im Einvernehmen mit der Reichsjugendführung und dem NSDFB. (Stahlhelm) ein T r a d i t i o n s a b z e i ch e n für die früheren Mitglieder des Scharnhorst in der Hitlerjugend geschaffen.
Langemarck.
Heldengedenkfeier im Berliner Lustgarten.
Berlin, 11.Nov. (DNB.) Im Mittelpunkt der vom Langemarck-Ausschuß veranstalteten Gedenkfeier am Sonntag stand ein Feldgottesdienst im Lustgarten.
Um 9 Uhr wurde zunächst von dem Vorsitzenden des Langemarck-Ausschusses, General F r e i h e r r n
dann zum Lustgarten. Hier hakten Inzwischen Aufstellung genommen SA. und SS., PO. und $3., Feldjägerkorps, Deutscher Luftsport - Verband, die Landespottzeigruppe „General Göring", der NSDFB. (Stahlbe-lm), der Kyffhäusexbund und die Technische Nothilfe sowie Abordnungen der Studentenschaft in vollem Wichs. Vor der Schloßrampe war e i n F e l d a l t a r errichtet worden.
Feldbischof D. Dohrmann legte seiner Predigt das Bibelwort zu Grunde: „Wer sein Leben erhai. ten will, der wird es verlieren, wer aber sein Leben verliert um rneintwillen, der wird es erhalten". Er feierte die Tat von Langemarck als den Sieg der jugendlichen Seele über tausend Hindernisse uni Gefahren. Das ist das Große jener jugendlichen Kämpfer, so betonte der Geistliche, daß sie in ernst«, ster Stunde jene höhere Auffassung des Lebens bewahrten: Leben ist ihnen das Einsetzen für die anderen, Liebe üben.
Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft und Ehrenarbeitsführer F e i ck e r t gelobte Treue zu Volk und Führer und mahnte, den Geist des ewig jungen vorwärtsstürmenden Kämpfers allezeit wach zu halten. — Den Abschluß der Gedenkfeier bildete ein Vorbeimarsch vor dem Ehrenmal.
von Grote, am Gefallenengedenkstein auf dem Fehrbellinerplatz ein Kranz niedergelegt. Er trug, wie auch die auf dem Friedhof in Langemarck und an der Feldherrnhalle in München gleichzeitig niedergelegten Kränze die Aufschrift „Deutschland, Deutschland über alles. — Langemarck-Ausschuß. (Hochschule und Heer.)" Um die Mittagsstunde ehrte die Wehrmacht in Verbindung mit dem Aufziehen der Wache das Gedächtnis der Toten von Langemarck. Vor dem Ehrenmal hatten in tiefgestaffelten Reihen die überlebenden Lange- marck-Stürmer Aufstellung genommen, ferner Abordnungen der Verbände. Nachdem die Ehrengäste, an der Spitze Generalfeldmarschall von Mackensen, der Chef der Heeresleitung Generalleutnant Freiherr o on Fritsch und die Generäle von Tschischwitz, von Walter und A l t r o ck die Fronten abgeschritten hatten, begaben sie sich ins Innere des Ehrenmals, an dem Oberst von Kaiser als Vertreter der Wehrmacht und General Freiherr von Grote im Beisein des evangelischen Feldbischofs D. Dohrrna n n, Lorbeerkränze niederlegten, während das Lied vom „Guten Kameraden" erklang.
Die Ehrengäste und die Formationen begaben sich
Deutschlands Bekenntnis zu Schiller.
Reichsminister Or. Goebbels spricht in Anwesenheit des Führers beim Staatsakt in Weimar
ren jenen Zug des ewig Menschlichen an sich tragen, der nie verblaßt und heute so jung und lebendig wirkt, wie zu der Zeit, da der Dichter ihm seine künstlerische Feder lieh.
Als am 9. Mai 1805 seine starke Seele den schwachen Leib verließ, sank das größte dramatische Genie dahin, das in deutscher Sprache jemals gedichtet hat. Wie fein Leben, so war fein Werk gestaltet: einsam in der Gröhe, heroisch in der Auffassung, stark im Glauben und verwurzelt und fest im Idealismus. Aus Leben und Werk dieses Großen unseres Geistes schöpfen wir die erhebende Macht des Glaubens, der ungebeugt bleibt: wir finden darin die starke Zuversicht einer künstlerischen
Am Geburtsort Friedrich Schillers.
Marbach a. 91., 10. Nov. (DNB.) Marbach, die Geburtsstadt Friedrich Schillers, stand am Samstag völlig im Zeichen des dankbaren Gedenkens der Heimat an ihren großen Sohn. Feierliche Glockenklänge läuteten dieKranzniede r legung ein, die in dem mit Girlanden und Fahnen reich geschmückten Geburtshaus Schillers stattfand. Durch das Spalier der Verbände fdritten dann die Ehrengäste zum Schillermuseum, vor dem sich bereits eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden hatte. An der Spitze der Ehrengäste bemerkte man als Vertreter der Reichsregierung Außenminister Freiherrn von Neurath, ferner u. a. Reichsstatthalter Murr, Ministerpräsident Mergentaler, sowie zahlreiche Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Reichswehr und der Landespolizei. Die Urgroß - nichts Schillers, Amalie Kießling- Möckmühl, war ebenfalls als Ehrengast zu der Feier geladen.
Nach dem Gesang des Liedes „Freiheit, die ich meine" führte Ministerpräsident Professor Mer- genialer u. a. aus: Männer machen nicht nur die Politik, sondern auch die Kultur- und Geistesgeschichte eines Volkes. Uns Heutigen ist Schiller ein heiliges Vermächtnis. Er ist der Verkünder der heldischen Lebensauffassung, des sittlichen Idealismus und der Vaterlandsliebe. Wir appellieren an die Welt draußen im Angesicht des großen deutschen Dichters Friedrich Schiller. Wir fordern Gleichberechtigung, den Frieden der Ehre, wir können uns nicht Damit begnügen, das Volk der Dichter und Denker zu sein. Ein 60-Millionen- Volk braucht sein Lebensrecht, sein tägliches Brot.
Nach dieser mit Bgeisterung aufgenommenen Rede sprach der stellverttetende Gauleiter Schmidt. Das nationalsozialistische Deutschland fühle sich berufen, das, was Schiller dem deutschen Volk zu sagen hat, dem deutschen Volk zur Kenntnis zu bringen, mehr als dies früher der Fall war. Schil-
Einseitige Stimmungsmache der Regierungskommission in Gens.
Schöpferkraft, die sich in sich selbst erneuert. Wir heben daraus den unermeßlichen Schatz deutschen Idealismus, der uns vor allen anderen Völkern Der Erde auszeichnet, der die Wurzel unseres nationalen Daseins ist.
Klar und eindringlich spricht dann Ernst Kuhr die „Worte des Glaubens" von Friedrich von Schiller. Hans P f i tz n e r hebt den Taktstock und Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. III zwingt alle in ihren Bann. Beethovens „Neunte" an dieser Stätte und unter der virtuosen Stabführung Hans Pfitzners ist ein großes Erlebnis.
lers innerste Haltung stelle ihn als Führer und Kameraden mitten in die heute lebende Generation hinein. Heute bekenne sich die Gesamtheit der deutschen Nation, vor allem auch die Jugend, zum Schillers Weltauffassung.
Die literaturhistorische Würdigung Schillers, gesehen unter kulturpolitischen Gesichtspunkten, unternahm hierauf der Direktor des Schiller-Museums und Vorsitzende des schwäbischen Schillervereins, Geheimrat Professor Dr. von Günther, der an- schließenb die Weihe des Neubaues des Schiller-Museums vornahm. Endlich feierte Gaukulturwart Dr. Schmückte zugleich im Namen der schwäbischen Dichterakademie Friedrich Schiller in feinsinnigen Worten als den Urschwaben, der seine Heimat geliebt habe wie keiner.
Die erhebende Feier schloß mit Dem Gesang „Wohlauf Kameraden" und mit dem gemeinsamen Gesang der beiden Nationalhymnen.
„Friedrich-Gchiller-LlniversitätzuZena-
In einer akademischen Festsitzung Der thüringischen Landesuniversitat Jena verkündete Dolksbildungsminister W ä ch 11 e r Den Beschluß der Landesregierung, daß fortan die Jenaer Hochschule den Namen „Friedrich-Schiller- Universität zu Jena" führen solle. Schiller ist durch Karl August auf Vorschlag Goethes einstmals zum Professor der Geschichtswissenschaft an diese Universität berufen worden. Staatsminister Wächtler betonte, daß die Friedrich-Schiller-Univer- fität diese Ehrung als eine Verpflichtung auffassen möge, im Geiste Schillers eine Pflanzstätte nationaler Bildung und Erziehung zu fein. Für die Universität gelobte deren Rektor, Staatsrat Professor Dr. E s a u, diese Verpflichtung mit allen Kräften erfüllen zu wollen im Sinne des Führers, Der Den Glauben Schillers an ein einiges und großes Vaterland habe zur Tat werden lassen.
3n Der Weimarer Fürstengrust.
DNB. Weimar, 10. Nov. Einen eindrucksvollen Auftakt zur Schillerfeier in Weimar bildete am Samstagvormittag ein Gedenakt in Der Fürstengruft, in Der Schiller neben Goethe und Karl August ruht. Als um die Mittagsstunde die geladenen Gäste die lange schmale Ehrenallee zur Fürstengruft hinaufstiegen, leuchtete durch das letzte Herbstlaub feierlich die Flammen der um die Gruft gruppierten Pylonen. Die Gruft selbst trug Grünschmuck, und gedämpfter Kerzenschein strahlte aus dem geöffneten Portal. Schon vor Beginn der Feier hatten sich die Abordnungen der PO., SA., SS., des Arbeitsdienstes, der Reichstheaterkammer, des Deutschen Nationaltheaters sowie sonstige Vertreter von Kunst und Wissenschaft, insbesondere der Landesuniversität Jena, des Schillerbundes, der Schillersti stung, der Goethe-Gesellschaft, des Goethe- und Schiller-Archivs und der Shakespeare-Gesellschaft eingefunden. Die Reichswehr war durch Generalmajor Freiherrn von Weichs vertreten.
Kurz nach 12 Uhr erschien die Großherzogin von Sachsen-Weimar, begleitet vom Erbprinzen Karl August und der Prinzessin Sophie, ferner der Reichs st atthalter, der türingische Ministerpräsident und die Landesregierung. Sie begaben sich mit den übrigen Ehrengästen in den oberen Raum der Gruft, in Dem rechts und links die großen Kolossalbüsten Goethes und Schillers stehen. Bei gedämpftem Orgelklang legten sodann an der Gruft selbst die Großherzogin und der Erbprinz Karl August Kränze in Den Farben des Hauses Sachsen-Weimar am Sarge nieder. Ihnen folgten der Rechsstatthalter und der Ministerprräsibent mit Kränzen in den deutschen und den thüringischen Farben. Für Reichsminister Dr. Goebbels wurde ein mit dem nationalsozialistischen Hoheitszeichen geschmückter Lorbeerkranz niedergelegt.
DerStaatSatt imNationattheater
Am Samstagabend war das Weimarer National- theater von einer festlich gestimmten Menge besetzt. Wenige Minuten vor 8 Uhr erschien Der Führer im Nationaltheater und nahm in der großen Mittelloge Platz. Man bemerkte in seiner Umgebung u. a. Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsstatthalter S a u ck e l, den thüringischen Ministerpräsidenten Marschler, Generalmajor von Weichs als Vertreter Der Wehrmacht, den Präsidenten der Reichstheaterkammer Ministerialrat ßa u bi n g e r, Den Reichsdramaturgen Dr. Rainer - Schlosser, SA.-Gruppenführer Staatsrat Dr. Z u n k el und viel andere Vertreter der Gliederungen Der Partei. Im Mittelpunkt der Feier stand die Gedächtnisrede von Reichsminister
Or. Goebbels,
Der Schiller als Dichter und Revolutionär, als Genie und Charakter pries. Er führte u. a. aus: „Hätte Schiller in dieser Zeit gelebt, er wäre zweifellos der große dichterische Vorkämpfer unserer Revolution geworden. Er hatte den Charakter, der dazu gehört, um sich ihr mit ganzer Kraft hinzugeben. Und er besaß das künstlerische Genie, das nötig ist, um sie schöpferisch zu gestalten. Wir, Die wir uns heute zu seinem 175. Geburtstage an Der Stätte seines edlen Freundschaftsbundes mit Goethe versammelt haben, warten noch auf seinen großen Nachfahren, der unserer Epoche das sein konnte, was er der seinen gewesen ist.
Schiller, das ist das große Pathos einer heroisch gestimmten Seele, das ist der Trommelwirbel, durch den eine neue Zeit angekündet wird, das ist die künstlerische Leidenschaft, die Leidenschaft gestaltet und dadurch wieder erzeugt. Zum Dichter einer Revolution gehört nicht nur Genie, sondern auch Charakter. Beides war in ihm in seltener Harmonie vereinigt. Sein Werk ist Zeugnis Dafür, daß Der Dichter zeitnahe sein kann, ohne in Der Zeit unterzugehen. Seine große tragische Dramatik ist auch heute noch der flammende Protest eines wahren Künstlers gegen Die phrasenhafte Beredsamkeit eines Heeres von Nichtskönnern. Er war einer der wenigen, Die nicht nur berufen, sondern auserwählt sind.
Er hat das Wort Dichten im strengsten Sinne aufgefaßt und gestaltet: insofern, als es bedeutet, daß der Dichter die Aufgabe hat, das, was Geschichte und Zeit auf Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte verteilen, in zwei oder drei Stunden tragisch-dramatisch zu verknüpfen und im Geschehen so zu verdichten, daß sein Ablauf dem Leser und Hörer Erschütterung und Kraft der großen Ereignisse gibt und vermittelt, Die in ihm leben und wirksam sind.
Denn die Zeitnähe Der künstlerischen Gestalt liegt nicht so sehr im Stoff wie in Der Dynamik ihrer Form. Es ist leicht und billig, Personen und Ereignisse, mit denen wir selbst durch geschichtliche Nachbarschaft verbunden sind, auf die Bühne zu stellen: der wahre Dichter aber muß Die Kraft besitzen, sie aus Dem jahrtausenDeweiten Spannungsbogen Der historischen Vergangenheit emporzuheben und ihnen trotzdem den Atem Der Gegenwart einzuhauchen. Unter solchem Blickwinkel gesehen, war Schiller nicht nur für seine eigene Epoche, sondern ist er auch noch für Die unsere, der zeitnächste Dramatische Ge st alter, weil Die von ihm verkörperten geschichtlichen Figu-
G e n f, 10. Nov. (DNB.) Das Völkerbundssekre- tariat veröffentlicht einen Bericht Der Regierungskommission des Saargebietes an den Völkerbundsrat über die angebliche Tätigkeit der Deutschen Front im Saargebiet. Das saarländische Mitglied der Regierungskommission, Kohmann, hat ausdrücklich erklärt, er sehe in Der Tätigkeit Der Deutschen Front keine Gefahr für Die in einem Abstimmungsgebiet notwendige Ordnung. Er könne seine Einwilligung zur Uebersendung eines Berichtes über die Deutsche Front nur Dann geben, wenn in Verbindung mit einer vollständigen Beurteilung Der allgemeinen Lage, ein Bericht auch über Die anDeren an der Abstimmung interessierten Parteien vorgelegt werde.
Das erste Kapitel des Berichtes behauptet: Die Deutsche Front ist die Fortsetzung Der na» tionalsozialistischen Partei im Saarge- biet. Dafür gebe es unzählige Beweise. So habe Regierungsrat Watermann aus Köln bei Der Gründung Der Deutschen Front an Pirro mitgeteilt, daß das Vermögen der NSDAP, in Höhe von ungefähr 1500 000 Franken, das von Der Deutschen Front übernommen worben sei, vor allem für Propagandabedürfnisse der Deutschen Front verwendet werden solle. Ebenso sei die H i l f s k a f f e, eine ausgesprochene nationalsozialistische Einrichtung, unter Dem neuen Regime aufrecht erhalten worden. Ferner gehe aus den Schriftstücken, Die sich mit dem Arbeitsdienst, Der HI. oder Siedlungswesen befassen, deutlich hervor, daß es sich hier um Organe Der NSDAP, handele. Im übrigen bestehe eine völlige Kontinnuität zwischen der Geschäftsführung der NSDAP, und der Deutschen Front.
Die Organisation Der Deutschen Front tjabe Die Organisation Der NSDAP, beibehalten. Die Abteilung „Ordnungsdienst werde von zwei früheren Führern Der SS. und der SA. geleitet. Die ganze Organisation sei auf Dem Führerprinzip aufgebaut. Die Bevölkerung sei durch die Blockwarte zum Eintritt in Die Deutsche Front aufgeforDert worden. Ein „Druck" hinsichtlich Der Beflaggung Der Häuser sei ausgeübt worden. Auch könne man Drohungen für Die Zeit nach 1935 feststellen. In vielen Fällen seien
auch Einzelpersonen durch Die Zeitung oder Durch Den Rundfunk geächtet worden. Die Boykottmetho- Den hätten einen außerordentlichen Umfang angenommen. Auch könnten viele Beweise beigebracht werden über die zwangsweise Gleichschaltung von Vereinen im Saargebiet. Der Ordnungsdienst überwache auch den Gegner, Die Demonstrationen, stelle Mißbräuche beim Winterhilfswerk fest usw.
Die Deutsche Front spioniere Die politischen Parteien und die Behörden aus. In den Archiven Der Deutschen Front finde man gestohlene Dokumente. Die Namen Der Abonnenten Der „Neuen Saar- post", Der „Volksstimme" und Der „Arbeiterzeitung" sowie die politische Haltung des Klerus seien fest- gestellt worden. Man habe die Beamten veranlaßt, in illegaler Weise Nachrichten oder Dokumente der Deutschen Front zu übermitteln. Die Reichsregieruna habe häufig im Saargebiet eingegriffen. So sei der Sturz von Spaniol und die Ernennung Pirros in Berlin entschieden worben. Regierungsrat Watermann werbe in eineiff Briefe als Saarvertrauensmann bezeichnet. M großen Kunbgebungen im Saargebiet seien im Reich organisiert worden, ebenso das Abstimmungsbüro der Deutschen Front. Eine gewisse Stelle in Saarbrücken habe den Auftrag, jeden Monat 100 000 Mark für bas Saargebiet zu transferieren. Watermann überwache auch bie katholischen Priester bes Saargebietes. Der Präsibent ber Eisenbahnbirektion von Trier sei von ber deutschen Regierung zum Eisenbahnkommissar für bie Ein- qlieberung ber Saar in bas Reich ernannt worben. Schließlich hätten bie beutschen Behörben beutsche Beamte, bie im Saargebiet verabschiedet worben seien, beförbert, was als ein Druckmittel ber Reichs- regierung angesehen werben müsse.
Der Bericht ber Regierungskommission macht Den Einbruck, als sei er in großer Eile zusammengestellt worben. Ueberall wirb ber Wille erkennbar, bie Deutsche Front unb bie Reichsregierung soweit wie nur möglich zu belasten unb zu verdächtigen. Mit keinem Wort kommt zum Ausbruck, baß bie Deutsche Front tatsächlich unter ihren Anhängern eine musterhafte Disziplin unter groß-


